Scheue Wesen
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Description
Wann hast du dich das letzte Mal richtig gesehen gefühlt?
Helen Hansford ist alles andere als eine konventionelle Frau – erst recht für die Sechzigerjahre. Unter der Woche hilft sie Patienten in einer modernen Klinik durch Kunst zur Rehabilitation, an den Wochenenden versucht sie, die Affäre mit ihrem charismatischen Kollegen Dr. Gil Rudden zu retten. Dass Gil seine Frau und Kinder nicht verlassen will, macht Helen anfangs nicht aus. Schließlich ist sie doch jung, autonom und emanzipiert.
Dann begegnet sie William Tapping.
Er hat das Haus seiner verwirrten alten Tante seit Jahren nicht mehr verlassen und spricht kein Wort. Alle anderen sehen in dem verwahrlosten William nicht mehr als eine Randfigur. Nur Helen bemerkt seine überraschende künstlerische Begabung und setzt alles daran, sein Geheimnis zu lüften.
Schnell offenbart sich, dass William nicht der Einzige ist, der schon lange nicht wirklich gesehen wurde …
Inspiriert durch wahre Begebenheiten erzählt Clare Chambers nach ihrem Überraschungserfolg Kleine Freuden mit Scheue Wesen nun die Geschichte einer jungen Kunsttherapeutin im England der 1960er Jahre, die mit dem Schicksal eines Patienten konfrontiert ihr eigenes Leben hinterfragen muss.
„Chambers‘ Sprache ist wunderschön und schafft, was nur die geschicktesten Schriftsteller können: großes Vergnügen aus kleinen Details.“ The New York Times
Book Information
Author Description
Clare Chambers wurde 1966 in London geboren. Sie unterrichtete Englische Literatur in Oxford, bevor sie für die bedeutende Verlegerin Diana Athill erst als Sekretärin, später als Lektorin zu arbeiten begann. Nach acht Romanen und einer Schreibpause von zehn Jahren wurde Kleine Freuden ein durch Mundpropaganda erzeugter Überraschungsbestseller und erschien auf Deutsch im Eisele Verlag. Die Mutter dreier erwachsener Kinder lebt mit ihrem Mann im Südosten Londons.
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Ich wünschte, ich hätte es schon früher gelesen… so ein wunderschöner, leiser aber tiefer Roman
Ich habe in letzter Zeit viele Bücher über komplizierte oder gar toxische Beziehungen gelesen und dachte in den ersten Kapiteln hier auch, dass dieser Roman darauf hinauslaufen würde. Dann aber wurde ich überrascht, denn die Prioritäten der Geschichte verschoben sich und damit der komplette Vibe. Ich liebe alles an diesem Buch, allem voran die ruhige, gleichzeitig präzise und spannende Erzählweise der Autorin. Wie sich die Geschichte rund um Helen, Gill und natürlich William entfaltet. Die Zeitsprünge, die in der Vergangenheit nochmal rückwärts laufen. Die vermeintlichen Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, die dem Erzählten aber Kontur geben. Ich liebe Romane, deren Figuren mir ganz nah kommen, die ich am Ende des Buchs nicht gehen lassen will. Und so ein Buch habe ich hier gefunden. Wie gern hätte ich Helen noch ein wenig begleitet um zu sehen, welchen Weg sie geht. Auch hätte ich gern noch einmal bei Gil vorbeigeschaut, Lorraines nächste Schritte verfolgt und William in ein paar Jahren nochmal besucht…. Ein rundum perfektes Leseerlebnis für mich von einer Autorin, deren anderen beiden Bücher ich sofort kaufen werde. Für alle, die gern leise Romane lesen mit Personenfokus und schöner Sprache! Eine Herzensempfehlung ♥️
Große Überraschung! Absolut wundervoll! Nach den ersten Kapiteln, dachte ich, es wird einfach wieder ein Buch über schwierige Beziehungen, die irgendwie analysiert werden muss. Aber relativ schnell hat sich das Blatt bzw. Buch gewendet. Denn mit Erscheinen des „versteckten Mannes“ nahm die Geschichte einen ganz anderen Lauf. Für mich war das absolut spannend zu lesen, warum William so lange isoliert lebte. Nach und nach, abwechselnd erzählt aus der Sicht von Helen in der Gegenwart und aus Sicht von William in der Vergangenheit klärte sich auf, was damals vorgefallen ist. Eine ganz herzerwärmende, liebevolle Geschichte, die mich sehr berührt hat.
Dieses Mal habe ich wieder einen Roman für euch: „Scheue Wesen" von Clare Chambers - ein Roman, der mich auf stille, aber tief bewegende Weise beeindruckt hat. Die Geschichte entfaltet sich leise und mit viel Gefühl. Der Schreibstil ist ruhig, emotional und wunderbar bildhaft - ein Buch, das nicht laut sein muss, um stark zu wirken. Besonders berührt hat mich William Tappings Geschichte, die mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Erzählt wird in wechselnden Perspektiven und über verschiedene Zeitebenen, was dem Roman eine besondere Tiefe verleiht. Am rührendsten fand ich die Entwicklung der Hauptfiguren - subtil, aber sehr eindringlich. Ein außergewöhnlich feinfühliger Roman, der zum Nachdenken anregt und für mich absolut 5 Sterne wert ist. Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ #clarechambers #scheuewesen #romanliebe #emotionalelesen #tiefgründig #buchrezension #bookstagramdeutschland #literaturempfehlung

Schicht für Schicht ins Herz 💗
„Scheue Wesen“ von Clare Chambers ist eine leise, tiefgehende und menschliche Geschichte, die nicht auf Lautstärke oder Tempo setzt, sondern auf Figuren, Atmosphäre und Emotionen. Wir befinden uns in Croydon im Jahr 1964. Die 34-jährige Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Privat steckt sie in einer moralisch schwierigen Situation. Seit Jahren führt sie eine Affäre mit ihrem Kollegen Gil, einem verheirateten Arzt, der verspricht, seine Frau zu verlassen. Also irgendwann, wenn die Kinder älter sind. Als Helen eines Tages gebeten wird, gemeinsam mit Gil einem Hinweis auf häusliche Störungen in einem nahegelegenen Haus nachzugehen, trifft sie dort auf William Tapping: einen ungepflegten, stummen Mann, der jahrelang völlig abgeschottet mit seiner Tante gelebt hat. Niemand aus der Nachbarschaft wusste überhaupt von seiner Existenz. Schnell wird klar, dass William seit mindestens einem Jahrzehnt das Haus nicht verlassen hat. Als Helen seine Zeichnungen entdeckt, ist sie entschlossen, mithilfe von Kunsttherapie zu ihm durchzudringen und gleichzeitig endlich zu beweisen, dass ihre Arbeit im Klinikalltag genauso wichtig ist wie die der Ärzte. Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt und wechselt zwischen Helen in der Gegenwart und William, dessen Lebensgeschichte rückwärts über mehrere Jahrzehnte hinweg erzählt wird. „Scheue Wesen“ ist eine herzergreifende Geschichte, getragen von einer unglaublich realistischen Figurenentwicklung. Helen ging mir anfangs etwas auf die Nerven. Ihre Affäre und ihre Selbstrechtfertigungen. Ich habe mehr als einmal innerlich die Augen verdreht. Aber genau das macht ihre Entwicklung so stark. Sie bleibt nicht stehen, sondern wächst, reflektiert, verändert sich. Und das fühlte sich nie konstruiert an, sondern menschlich. Diese Geschichte lebt nicht von einem klassischen Spannungsbogen. Sie ist leise und langsam erzählt, aber sie plätschert keineswegs dahin. Jede Szene, jede Handlung spielte sich beim Lesen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. So klar und präzise ist der Schreibstil. Besonders herausragend ist Williams Erzählstrang. Seine Kapitel beginnen im Jahr 1964, gehen dann rückwärts, springen über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Diese umgekehrte Zeitlinie ist mit das stärkste Element des Buches. ✨ Fazit „Scheue Wesen“ ist keine Geschichte für die, die rasante Plots oder eindeutig „gute“ Figuren suchen. Es ist ein Buch für Fans von literarischer, charaktergetriebener Belletristik. Ruhig aber intensiv und emotional tief. Für mich war es eine wunderbare, fesselnde Lektüre, die viel Raum zum Nachdenken lässt. Mein erstes Buch von Clare Chambers, aber ganz sicher nicht mein letztes.
"Scheue Wesen" ist ein warneherziger Roman über Trauma, Verlust und Selbstfindung, sowie ein Plädoyer für Freundlichkeit und Mitgefühl im Umgang miteinander. Allerdings hat mich ein wenig die eingeflochtene Liebesgeschichte zwischen Helen und Gil gestört - diese hätte meiner Meinung nach gerne kürzer gefasst werden können, denn ich brauchte schon eine ganze Weile um ins Buch einzutauchen. Auch wenn ich dadurch den einen oder anderen Kritikpunkt hatte, habe ich vor allem die Geschichte von William, aber auch die Arbeit in der psychiatrischen Klinik gerne gelesen.
Eine interessante Geschichte, deren Ursprung auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Erzählstil ist sehr ruhig und fließt unaufgeregt dahin. Vor allem Williams Geschichte und die psychologischen Behandlungsmethoden fand ich sehr interessant und von Letzteren hätte ich gerne mehr erfahren. Ein sehr schönes und berührendes Buch, das leider ein besseres Lektorat hätte gebrauchen können, da mir einige Rechtschreib- und Grammatikfehler aufgefallen sind. Kann das Buch empfehlen.
Ruhig und feinsinnig Clare Chambers beschreibt im Nachwort, dass sie aufmerksam wurde auf einen Zeitungsartikel von 1952, worin es um einen verwahrlosten , vierzigjährigen Mann ging, der nach einem Streit, nackt, mit einem anderthalb Meter langen Bart und hüftlangen Haaren, nach einer verbaler Auseinandersetzung und Sachen, die aus dem Fenster geschmissen wurden, von der Polizei aufgegriffen wurde. Der Mann wohnte dort mit seinen betagten Tanten unter erbärmlichen Zuständen und wurde seit über 25 Jahren nicht von seinen Nachbarn gesehen.Er wurde in die Psychiatrie gebracht und man fand in dort später ertrunkenen in einem See. Die Autorin beschloss ihm eine etwas hoffnungsvollere Zukunft in ihrem Roman zu geben. Dies hat sie wundervoll ruhig und einfühlsam erzählt, vor allem die Kunsttherapeutin Helen, hat mir mit Einblick in ihr Inneres und ihrer Entwicklung sehr gut gefallen.
Das erzählt sehr leise eine Geschichte in der es um Trauer, Gesehenwerden, Ungerechtigkeiten geht. Die Geschichte des unsichtbar gemachten William hat mich berührt. Die andere Geschichte im Buch, die der Therapeutin hat mich nicht sonderlich angezogen. Dadurch kam das Buch etwas langsam und zäh daher. Im Schlusswort stand, dass es sich bei der Lebensgeschichte von William um eine wahre Begebenheit handelt, was mich bestärkt hat, seine Geschichte interessanter zu finden.
Ein wunderbares Buch.
"Scheue Wesen" hat seinen Ursprung in einer wahren Geschichte: Im Februar 1952 wurde in einem Haus in Bristol der völlig verwahrloste Harry Tucker aufgefunden und anschließend ins Glenside Mental Hospital aufgenommen, wo er gegen Schizophrenie behandelt wurde. Im Jahr 1953 ist er dann unweit des Krankenhauses in einem Fluss ertrunken. Die Details seiner Entdeckung decken sich weitestgehend mit der Figur des William Tapping, der (neben der Kunsttherapeutin Helen) eine zentrale Rolle in Chambers Roman einnimmt. Die Handlung wird über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten und abwechselnd aus der Sicht von Helen in der Gegenwart und aus der Sicht von William in der Vergangenheit erzählt, wobei die Vergangenheit rückwärts abläuft und die Geschichte am Ende so zu einem wunderbaren "full circle moment" zusammengeführt wird. Ich habe die Lektüre sehr genossen und bin beim Lesen glaube ich noch nie so entspannt gewesen, was zum einen an dem wunderbaren, poetisch anmutenden Schreibstil, zum anderen an dem ruhigen Erzählfluss lag, der fast schon etwas meditatives hatte. Wer Spannungsspitzen braucht, dem würde ich demnach dringend von dem Buch abraten und beispielsweise auf die Bücher von Angie Kim verweisen, die ähnlich aufgebaut sind, denn auch in "Scheue Wesen" fächern sich von einem bestimmten, zentralen Ereignis unterschiedliche Einzelschicksale ab. Interessant fand ich dabei vor allen Dingen die Behandlung psychischer Erkrankungen in den 60'er-Jahren. Darüber hätte ich tatsächlich gerne noch etwas mehr erfahren; Helens Beziehung zu einem verheirateten Mann hat mich vergleichsweise dann eher weniger interessiert.. Das ändert aber nichts daran, dass ich das Buch sehr mochte. Clare Chambers hat ein sehr feines Gespür und ein Talent dafür, menschliches Verhalten zu erkennen, nachvollziehbar wiederzugeben und kritisch zu hinterfragen, ohne wertend zu sein. Für mich eine "Grande Dame" zeitgenössischer Literatur. Ich muss unbedingt mehr von ihr lesen!
Nach einer wahren Begebenheit: Helen Habsford arbeitet 1964 als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie ist Anfang 30, ledig, hat aber ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Kollegen Dr. Gil Rudden. Helens Leben verläuft geregelt bis William Tapping in die Klinik eingeliefert wird. William ist Mitte 30, spricht nicht und wurde verwahrlost im Haus seiner Tante aufgefundenen. Er verbrachte die letzten 20 Jahre isoliert von der Außenwelt. Gemeinsam mit seiner Tante wird er in der Klinik aufgenommen und von Gil und Helen behandelt. William öffnet sich immer weiter seiner Umwelt und wir erfahren peu à peu wie William s Lebenssituation entstanden ist. Ich habe das Buch wegen des wunderschönen Covers gekauft und wurde von einer herzerwärmenden Geschichte belohnt, die mich durch die Seiten getragen hat.
Ich hätte es am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt. Ich liebe diesen Schreibstil, die Geschichte liest sich wie ein alter Hollywoodgesellschaftsfilm. Durch all die Bilder vor meinen Augen, die Gerüche und die sensorischen Reize verschwand mein Alltag hinter der Erzählung. Wunderbare glaubhafte Figuren, weich umarmende Atmosphäre mit einem ruhigem aber fesselnden Plot. Die schrittweise Auflösung mit einer rückwärts erzählenden Perspektive und einer aktuellen, wirkte nie künstlich konstruiert, sondern sorgte für einen guten Spannungsbogen und mündete in einem guten Ende. Scheue Wesen ist das zweite Highlight nach Kleine Freuden von Claire Chambers für mich.

Die Geschichte von William Tappering, die teilweise auf einer waren Begebenheit beruht hat mich sehr berührt. William und seinem besten und einzigen Freund passiert auf ihrer Schule ein Unglück, bei dem der Lehrer der Francis missbraucht hat zu Tode kommt. Die alten Tanten, bei denen William aufgewachsen ist. verstecken ihn seitdem in ihrem Haus und so kommt es , dass er Jahrzehnte lang wie ein Gefangener unter ärmlichsten Verhältnissen und ohne Kontakt zur Außenwelt lebt, bis er zufällig entdeckt wird und in eine Psychiatrie kommt. Dort begegnet ihm Helen eine Kunsttherapeutin, die seine Vergangenheit aufdeckt und ihn bei der Rückkehr in ein freies Leben unterstützt.
London, Mitte der 1960er Jahre. Als die Polizei wegen einer Auseinandersetzung zu einem Haus gerufen wird, trifft sie dort nicht nur eine ältere Frau, Louisa, sondern auch ihren äußerlich verwahrlosten Neffen William an, von dessen Existenz keine*r in der Nachbarschaft mehr wusste und der jedenfalls zuerst nicht spricht. Bis er in die Klinik kommt und die Kunsttherapeutin Helen sein künstlerisches Talent entdeckt. Und so kommt nach und nach die Geschichte von William ans Licht, während Helen, die eine Affäre mit einem verheirateten Kollegen hat, der nicht mal vorgibt seine Frau verlassen zu wollen, zu sich findet. Ich gebe zu, ich habe das Buch zunächst gekauft, weil ich mich in das zauberhafte Cover verliebt habe. Aber die Geschichte und Sprache ist nicht weniger schön. Ein schöner Roman, den man gar nicht mehr aus der Hand legen will.
Ein leiser und kluger Roman. Die Handlung war einfach mal etwas komplett anderes. Thematisiert wird in der Handlung unter anderem der Umgang mit psychischen Krankheiten in den 60er Jahren, sehr einfühlsam und dabei auch auch sehr interessant. Die Figuren sind sehr unterschiedlich und vielschichtig und auf eine durchdachte Weise miteinander verwoben. Jeder Charakter macht seine eigene Entwicklung durch, das war spannend zu beobachten. Genauso wie die vergangenen Geschehnisse, die Stück für Stück aufgedeckt werden. Ich fand es sehr wohltuend, mal wieder in eine komplett andere Thematik einzutauchen. Eine Handlung, die sehr viel mehr Gehalt hat als "nur" Beziehungsgeflechte und einfach auch inhaltlich bereichert.
SCHEUE WESEN Clare Chambers 1964: Helen, ehemalige Kunstlehrerin, arbeitet seit einigen Jahren als Kunsttherapeutin in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen. Sie hat seit drei Jahren eine Affäre mit einem der Ärzte der Klinik. Während sie zu Beginn der Liebe noch glücklich war, plagt sie nun zunehmend das schlechte Gewissen, denn der Psychiater Gil ist verheiratet und hat zwei Kinder. Während Helen versucht, immer für spontane Besuche seitens Gils parat zu stehen, vergisst sie, dass sie ein eigenes Leben mit Freunden und Familie führen könnte. Eines Tages wird der stumme William Tapping mit seiner verwirrten Tante in die Klinik eingeliefert. Nachbarn hatten die Polizei benachrichtigt, nachdem im Nachbarhaus ein Streit ausbrach. Diese waren ganz verwundert, dass aus dem Haus ein völlig verwildert und vernachlässigter Mann mit einem unendlich langen Bart abgeführt wurde. In der ganzen Zeit, in der sie dort wohnten, hatten sie nie zuvor einen Mann in dem Haus gesehen. William wird Gils Patient. Helen bemerkt schnell, dass dieser ein besonderes Talent zum Zeichnen hat und lädt ihn in ihre Therapiestunde ein. Um seine Vergangenheit zu klären, wendet sie sich an Williams ehemalige Klassenkameraden und erfährt so Bruchstücke aus seinem Leben. Unter anderem findet sie heraus, dass William seine Schule im Alter von 11 Jahren abbrach und nie mehr zur Schule zurückkehrte, außerdem ist es wahrscheinlich, dass er ab diesem Zeitpunkt das Haus nie mehr verließ. Mit Fingerspitzengefühl gelingt es Helen, hinter das große Geheimnis von William zu kommen. Was für ein unglaublich tolles Buch! Ich habe es in nur drei Tagen gelesen und bin nur so durch die Seiten geflogen. Zum Ende wurde es so spannend, dass ich das Buch mit seinem leichten Schreibstil und dem schönen Cover gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Geschickt hat es die Autorin verstanden, Fiktion und die wahre Geschichte des William Tapping zu verknüpfen. Dabei gefiel mir besonders gut, dass der Erzählstrang vom William rückwärtslaufend war und bis in den Sommer 1938 reichte. Die Protagonisten wirkten auf mich komplett authentisch und absolut passend in die Zeit der 60er-Jahre, als die Frauen gerne mal als hysterisch in den Psychiatrien weggeschlossen und mit Elektroschocks behandelt wurden. Große Leseempfehlung für dieses feine Buch und ja, es müsste eigentlich eine Triggerwarnung geben, aber wenn ich die ausspräche, verrate ich den Plot. 5/ 5

Ein stilles, unaufgeregtes Buch, das darüber erzählt, dass Beziehungen das sind, was das Leben mit Sinn und Wärme erfüllt. Wir erfahren nach und nach, warum William ein scheues Wesen zu sein scheint und bekommen Einblick in die Psychiatrie der 60 er Jahre. Obwohl ich solche Geschichten eigentlich mag, konnte diese meine Erwartungen nicht vollständig erfüllen.
Clare Chambers erzählt in sanften Tönen eine Geschichte über die gesellschaftliche Definition von Normen sowie die Entwicklung von Psychiatrie in den 60er Jahren: Bei einem Streit fliegen Kleidungsstücke aus dem Fenster, Wäsche hängt in den Bäumen, die Nachbarn rufen die Polizei. Eine alte, verwirrte Dame und ein stummer, verwahrloster Mann werden vorgefunden und in die psychiatrische Klinik Westbury Park aufgenommen. Der unkonventionelle Therapeut Gil Ruddens und die junge Kunsttherapeutin Helen Hansford sind für die Behandlung und Begleitung der beiden neuen Bewohner von Westbury Park verantwortlich. Sie versuchen zu verstehen, was Louisa und Wiliam Tapping bewegt. Als Helen feinsinnige Naturzeichnungen von Wiliam findet, ist sie tief berührt und stellt weitere Nachforschungen an: Wer sind die Tappings? Warum wusste niemand, dass der junge Mann im Haus der Tappings lebte? Warum spricht Wiliam nicht? Was ist in den vergangenen 25 Jahren passiert? Was ist das Beste für ihre Klienten? Intro- und Retrospektiven erzählen die Geschichte in leiser Intensität. Zaghaft nähert sich die Geschichte der Wahrheit. ‘Scheue Wesen’ ist ein stimmiges und feines Werk über außergewöhnliche Menschen. Der unkonventionelle Blick auf psychiatrische Klient:innen hat mir dabei besonders gefallen. Titel und Covergestaltung passen perfekt zu der sanften Erzählung.
Ganz wunderbar
•Buchrezi• 😢 Zum Inhalt: 1964 - Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Sie mag ihren Job. Plötzlich lernt sie Gil kennen, der ebenfalls in der Einrichtung arbeitet. Gil ist verheiratet, hat zwei Kinder. Es funkt und sie beginnen eine Affäre. Kurz darauf werden die beiden zu einem scheinbar verlassenem Haus gerufen. Dort eingetroffen stellen sie fest, dass dort eine verwirrte ältere Dame mit ihrem verwahrlosten Neffen lebt. Sein Name ist William. Die beiden werden sofort in der psychiatrischen Klinik aufgenommen. Schnell wird klar, dass niemand im näheren Umfeld des Hauses von Williams Existenz wusste. Völlig abgeschottet von der Außenwelt hat er über Jahre in dem Haus gelebt, seine einzigen Kontakte, seine Tanten. Helen möchte wissen, was William widerfahren ist, begibt sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, nach Menschen, die William einmal gekannt haben müssen. Und ganz nebenbei entdeckt sie, dass William ein ganz besonderes Talent für die Malerei hat. Helen und William bauen Vertrauen auf und umso mehr Helen in Williams Geschichte eintaucht, umso mehr fängt sie an ihr eigenes Leben zu hinterfragen… Mein Fazit: Was für eine Geschichte! Zu Beginn habe ich mich echt schwer getan zum Buch zu greifen, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, wo das Buch hin wollte… doch als William und seine Geschichte auftauchten, war ich wie gefesselt. Denn es gibt hier zwei Erzählstränge. Auf der einen Seite begleiten wir das Leben von Helen und wie sehr sie sich verbiegt, um die Affäre aufrecht zu erhalten, aber im Laufe der Geschichte immer mehr erkennt, was sie da eigentlich macht und wie Gil mit der Situation umgeht. Obwohl er bei mir nicht unbedingt Sympathiepunkte gesammelt hat, fand ich seine Einstellung zur Klinik und zu seinem Beruf sehr progressiv für die Zeit. Und dann tauchen wir in Williams Vergangenheit ein, die wirklich herzzerreißend ist. Der Titel und das Cover passen so perfekt zur Geschichte… „Scheue Wesen“ punktet nicht mit Spannung, sondern mit Tiefgang, ein Roman der sich ganz leise in mein Herz geschlichen hat und der einen anderen Blick auf das Leben wirft. Eine Leseherzensempfehlung von mir. 🐦⬛🐦⬛🐦⬛🐦⬛🐦⬛!
Dieses Buch von Frau Chambers basiert auf einem Ereignis, das sich in den 1950er Jahren in Großbritannien ereignete. Ein Mann, der sich lange Zeit in seinem Leben vor den Menschen versteckt hatte, fand sich in Panik in einer psychiatrischen Klinik wieder. Der Autor verknüpft diese Geschichte mit der von Helen Hansford, einer jungen Frau, die als Kunsttherapeutin in der Einrichtung arbeitet, in der William zusammen mit seiner Tante behandelt wird. Nur über die Kunst gelingt es Helen allmählich, den schüchternen und stummen Mann, der sehr begabt ist, zu erreichen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Helens Erzählung eines der überzeugendsten Beispiele für die Unabhängigkeit der Frauen in den 1960er Jahren ist.
Ein stilles, jedoch kraftvolles Buch.
Claire Chambers' Roman "Scheue Wesen" hat seinen Ursprung in einer wahren Geschichte, die sich 1952 in Bristol ereignete. Hierbei wurde die Polizei zu einer lautstarken Auseinandersetzung in ein Haus gerufen, in dem sie dann einen nackten Mann mit hüftlangen Haaren und anderthalb Meter langen Bart vorfanden, der mit seiner alten Tante und diversen Hunden, Katzen und Vögel einsiedlerisch unter erbärmlichen Umständen lebte. In "Scheue Wesen" greift Chambers diesen Mann auf und macht daraus eine sehr feinfühlige und bewegende Geschichte. Im Zentrum steht Helen Hansford, die als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik arbeitet und der stumme William Tapping, der mit seiner verwirrten alten Tante in einem Haus lebt, welches er seit vielen Jahren nicht mehr verlassen hat. Während Helens Beziehung zu ihrem verheirateten Kollegen immer unbefriedigender wird, stürzt sie sich mehr und mehr in ihre Arbeit. Als ihr Kollege und sie von der Polizei zu einem Haus gerufen werden, in dem ein halbnackter, verwahrloster und stummer Mann gefunden wird, stürzt Helen sich noch mehr in ihre Arbeit. Erst recht, als sie Williams große künstlerische Begabung entdeckt. Und so versucht Helen allmählich hinter Williams Geheimnis zu kommen. "In diesen Momenten der Dissoziation, wenn er merkte, wie er sich von der Welt loslöste und die Realität seiner Existenz anzweifelte, war ihm der Gedanke ein Trost, dass David Balfour im gleichen Reich existierte." Claire Chambers hat hier ein eher stilles Buch geschrieben, das gerade in dieser Stille eine große Kraft und Eindringlichkeit entwickelt. Mit viel Gefühl erzählt sie uns eine Geschichte über Trauma, Verlust und Selbstfindung und appelliert zudem an die Menschlichkeit. Es ist eine Geschichte, die ans Herz geht und berührt. Erzählt wird die Story aus wechselnden Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. Während wir uns mit Helen im Hier und Jetzt des Jahres 1964 befinden, reisen wir mit William Stück für Stück weiter in seine Vergangenheit und erfahren so nach und nach, was es mit ihm auf sich hat und warum er so einsiedlerisch bei seiner Tante gelebt hat. "Die Vergangenheit ist immer bei mir, aber es ist eben auch die Vergangenheit. Es hat mich nicht zerstört. Ganz sicher nicht." Insgesamt mochte ich das Buch wirklich gern, einzig die Storyline zwischen Helen und Gil empfand ich als etwas störend. Zudem hat sie für mich auch keinen Mehrwert geliefert.

Weil es wichtig ist Mitgefühl zu haben.
Eine wunderschöne Geschichte die aufzeigt wie schön und wichtig es ist, liebe- umd verständnisvolle Menschen um uns rum zu haben. Leider muss ich einen Punkteabzug für die deutsche Übersetzung geben. Oft liest es sich übersetzt, der Satzbau und die Grammatik bleibt zu nah am englischen. Zudem hat die Übersetzerin manchmal sehr komische Übersetzungen für bestimmte Ausdrücke gewählt, die es beim lesen holpern lassen. War jetzt nicht megagruselig, jedoch hat es mich und meinen Lesefluss gestört.
Ein stiller, feinfühliger Roman über Einsamkeit, Sehnsucht und darüber, was es bedeutet, wirklich gesehen zu werden.
Die Geschichte ist unglaublich feinfühlig, atmosphärisch und in vielen Momenten sehr bewegend. Besonders die leisen Zwischentöne und die Beobachtungen über Einsamkeit, Wahrnehmung und das „Gesehenwerden“ haben mir richtig gut gefallen. Allerdings war mir das Erzähltempo stellenweise etwas zu langsam. Vor allem Williams Rückblicke haben für mich manchmal den Spannungsbogen unterbrochen. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass die Geschichte mit etwas weniger Umfang (für mich hätten es gut 150 Seiten weniger sein können) noch eindringlicher gewirkt hätte. Trotzdem ist es ein wirklich starkes, sensibles Buch mit einer besonderen Stimmung, das definitiv nachhallt.
Scheue Wesen - und wie man sie behandelt
Es hat mir sehr gut gefallen. Die scheuen Wesen wurden sehr gut beschrieben. Wie es dazu kommen konnte, hat mich ganz schön erschüttert. Da war ich für das Nachwort schon sehr Dankbar, dass nicht alles der Wahrheit entsprach. William ist mir sehr ans Herz gewachsen und auch Helen hat sich ein Platz darin erarbeitet. Nach dem ich das Buch beendet habe, empfinde ich schon ein bisschen Abschiedschmerz. Spricht für das Buch!
Ein stilles Buch, das einen als Leser trotzdem einnimmt. Die Autorin führt uns beim Lesen hin zu dem kostbaren Kern im Inneren eines Menschen, welcher bei „scheuen Wesen“ allzu leicht übersehen wird. Gleichzeitig erfahren wir einiges über das Leben und Arbeiten in einer psychiatrischen Anstalt und die Emanzipation der Frauen in den sechziger Jahren in England.
„Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass William nichts von dem Leben weiß, dass er verpasst hat, er kennt nur das Leben, dass er hatte.“ In zwei Erzählperspektiven, die zeitlich aufeinanderzulaufen, erzählt Claire Chambers Williams Geschichte, der mit seinen Tanten jahrzehntelang in einem heruntergekommenen Haus, von der Außenwelt abgeschnitten, quasi wie in einem Gefängnis gelebt, hat, bevor er, innerlich und äußerlich verwahrlost, in der psychiatrischen Anstalt Westbury Park auf Helen trifft. Da William stets Zuflucht im Zeichnen gefunden hat, findet die Kunsttherapeutin schnell einen Zugang zu ihm. Als sie Nachforschungen anstellt und zwei wichtige Personen aus Williams Kindheit findet, beginnt er zu sprechen. Gemeinsam bringen sie Williams Befreiung aus seinen inneren und äußeren Gefängnissen auf den Weg.
Eine Story mit vielen Nuancen.
Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik - in den 60er Jahren keine alltägliche Sache. Ihr Privatleben ist alles andere als zufriedenstellend. Als eines Tages der stumme William eingeliefert wird, der seit mindestens 10 Jahren das Haus seiner alten Tante nicht mehr verlassen hat, fällt Helen seine künstlerische Begabung auf. Sie bemüht sich sehr um William und sucht einen Zugang zu ihm, nicht ahnend, welches Geheimnis sich hinter seiner Geschichte verbirgt… Bei „Scheue Wesen“ von Clare Chambers hat mich der Klappentext in seinen Bann gezogen und mich zum Kauf bewegt - ich habe ein spannendes Geheimnis gewittert! Der Roman spielt in den 60ern, eine Zeit in der sich das Verständnis und die Behandlung psychischer Erkrankungen grundlegend weiterentwickelt und verändert hat. Die Geschichte hat aber neben den 60ern auch noch einige Rückblicke in die 30er und 40er zu bieten, denn diese erzählen William‘s Geschichte. Zunächst war mir nicht klar in welche Richtung sich der Roman entwickelt, aber William erschien mir so gutmütig und liebenswürdig und ich war gespannt. Die Auflösung hatte ich nicht erwartet, fand sie aber sehr interessant und auch schockierend. Die Autorin beweist für diese, sehr sensiblen Themen, ein außerordentliches Feingefühl und lässt die Figuren all den Raum einnehmen, die sie auch benötigen. Parallel entwickelt sich noch eine Geschichte rund um Helen, die ebenfalls spannend ist und letztlich so manchen „Aha“-Effekt birgt. Mich hat dieser Roman sehr gefesselt und fasziniert. Ich fand die Aspekte der psychiatrischen Herangehensweisen gut, mochte die Entwicklung der Protagonisten und die feinen Zwischentöne der Geschichte. Die Story ist nicht leicht. Sie hat viele Nuancen, gibt sich leicht, lässt aber einige Schocker einfließen und plätschert danach wieder vor sich hin. Ungewöhnlich aber richtig gut! Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Eine so tolle Geschichte!
Was für eine wunderbare Geschichte! Zum Teil auf wahren Begebenheiten basierend, hat Clare Chambers eine so schöne Geschichte daraus geschrieben. Wir befinden uns im Jahre 1964 in England und begleiten Helen, die in einer psychiatrischen Einrichtung als Kunsttherapeutin arbeitet. Unser Hauptaugenmerk liegt im Buch auf einem ganz besonderen Patienten, der in die Klinik aufgenommen werden soll. Aber wir erfahren auch sehr viel über Helen und ihr Privatleben. Eines vorweg: Wer in diesem Buch ein Kunsttherapeutisches Werk erwartet, der wird enttäuscht. Die Kunsttherapie kommt zwar vor, ist aber nur Beiwerk im Buch 😊. Uns wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Clare Chambers lässt ihre eindrucksvollen Charaktere selbst zu Wort kommen und ich hätte zu Beginn des Buches nicht geahnt, wohin uns diese Reise führt. Einnehmend, ohne aufdringlich zu sein, wird in einem sehr angenehmen Schreibstil eine Geschichte über scheue Wesen erzählt. Und der Titel hätte nicht treffender sein können. Besonders mit unserem Protagonisten William habe wir eine so unbedarfte Persönlichkeit. Aber auch Helen selbst zähle ich dazu. Ihre Beziehung zu ihrem Geliebten ist, für mich, extrem toxisch und Helen ist oft dabei sich selbst zu verlieren in dieser Beziehung. Mit viel Einfühlungsvermögen wird hier eine Geschichte erzählt, die doch recht schwierige Themen behandelt. Manche mögen uns banal erscheinen, andere entsetzen uns. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch und seine Charaktere. Man muss ein bisschen zwischen den Zeilen lesen und sich absolut in diese Geschichte fallen lassen. Dieses Buch war rund, einfach rund. Für mich hat hier alles gepasst. Alles war perfekt an seinem Platz. Ein Highlight, welches ich sehr gerne weiterempfehle.

Helen Hansford arbeitet in den 1960er Jahren in England in einer psychiatrischen Klinik als Kunsttherapeutin. Sie liebt ihren Beruf und setzt alles daran, ihren Patient*innen zu helfen. Privat beschäftigt sie vor allem eine Affäre mit einem verheirateten Kollegen, der seine Frau – die zudem eine entfernte Verwandte von Helen ist – jedoch nicht verlassen möchte. Die Affäre steuert auf einen Endpunkt zu, als William Tapping in Helens Leben tritt. Er wird als Patient in die Klinik eingeliefert, nachdem man ihn völlig verwahrlost nach einem Streit im Haus seiner Tante aufgefunden hat. Er hat seit vielen Jahren das Haus nicht mehr verlassen und ist stumm. Helen entdeckt, dass William ein künstlerisches Talent besitzt und versucht, durch die Kunsttherapie zu ihm durchzudringen. Langsam eröffnet sich ihr Williams tragische Vergangenheit. In „Scheue Wesen“, übersetzt von Wibke Kuhn, spannt Clare Chambers eine wahre Begebenheit, von der sie in der Zeitung gelesen hatte, mithilfe ihrer Fantasie weiter und erschafft so einen leisen, feinfühligen Roman, der vor allem ab dem Mittelteil einen hohen Spannungsbogen aufbaut. Durch die Protagonistin Helen Hansford wirft die Autorin einen Blick auf das Frauenbild der 60er Jahre, durch deren Beruf in der psychiatrischen Klinik beschäftigt sie sich aber auch mit dem Thema Psychiatrie, dass zu dieser Zeit gerade in der Entwicklungsphase steckte. Vor allem Letzteres fand ich sehr spannend, hier hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle noch eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung gewünscht. Den ständigen Fokus auf die Affäre zwischen Helen und ihrem verheirateten Kollegen habe ich hingegen als eher langatmig empfunden. Gefesselt haben mich vor allem die Rückblenden in William Tappings Vergangenheit, durch die nach und nach aufgedeckt wird, wie es dazu kommen konnte, dass er so lange das Haus nicht verlassen hat und ein völlig von der Gesellschaft abgeschnittenes Leben bei seinen Tanten führte. Den Kniff, seine Geschichte rückwärts zu erzählen, war sehr gelungen! Ich hatte viele unterhaltsame Lesestunden mit „Scheue Wesen“ und möchte diese eher ungewöhnliche Story gerne empfehlen!

Eine herzerwärmende Story die in einer Psychiatrie der 1960er Jahre spielt 💕
Die Geschichte dreht sich um William Tapping, der im Haus seiner kränklichen älteren Tante entdeckt wird. Er ist stumm und ungepflegt mit einem langen Bart und Haaren. Die Nachbarn waren sich seiner Existenz nicht bewusst. Sowohl die Tante als auch William werden für psychiatrische Untersuchungen in die Westbury Park Paychiatrie aufgenommen, aber die Tante stirbt kurz darauf und überlässt den anderen das zusammenfügen der einzelnen Puzzleteile von Williams Geschichte. William wird ermutigt, sich durch Kunst auszudrücken von Helen Hansford, einer Kunsttherapeutin, die entschlossen ist, mehr über den talentierten, aber mysteriösen Mann zu erfahren. Helen hat unterdessen ihre eigenen Probleme - eine unkluge Affäre, eine steinige Beziehung zu ihren Eltern und wenigen Freunden. Sie ist auch entschlossen, ihrer Nichte zu helfen, die auch eine schwierige Beziehung zu ihren eigenen Eltern hat. Das Buch ist in zwei Teile unterteilt - die "Gegenwart" (1964), als William in den Westbury Park gebracht wird, und eine clevere Enthüllung von Williams Vergangenheit in einer Reihe von Szenen, die bis 1938 zurückreichen und erklären, wie er zu einem versteckt lebenden Mann wurde. Wie gesagt, es war meine erste Lektüre von Clare Chambers - und was für eine absolut entzückende Geschichte, inspiriert vom wirklichen Leben. Chambers Prosa überzeugt durch ihre Einfachheit. Ihre Charaktere sind wunderbar real, von der neugierigen Helen über den schüchternen und oft stillen William bis hin zu Gil, dem Psychiater, der jede Grenze überschreitet, die man sich vorstellen kann. Clare Chambers hat mich dazu gebracht, wissen zu wollen, was mit William passiert ist. Ich denke, meine Lieblingscharaktere waren William, dessen Kampf, Situationen zu verstehen, sich so real anfühlte, und Frau Kenley, die Mutter einer Schulfreundin, die die Art von Frau ist, die jedes Kind in seinem Leben haben sollte. Vor allem ist „Scheue Wesen“ eine Geschichte, die die Bedeutung von Freundlichkeit und gegenseitigem Respekt in einer Welt bestätigt, in der sich die meisten mehr um ihr Selbstbild kümmern, und welches Image sie auf andere projizieren. Ich liebte es zu sehen, wie Helen und William in der Erzählung an sich selbst wuchsen. Ohne das Ende verraten zu wollen, würde ich sagen, dass es eine zutiefst befriedigende Lektüre ist!
Spannend und bewegend
📚 REZENSION - 4,25 Sterne ⭐️ Der Roman “Scheue Wesen” beruht auf einer wahren Gegebenheit. 1952 wurde in Bristol, England, ein Mann entdeckt, der seit 25 Jahren mit seiner Tante unter einsiedlerischen Bedingungen gelebt und völlig verwahrlost war. Er wurde im Glenside Mental Hospital gegen Schizophrenie behandelt und seine Geschichte nahm ein Jahr später kein gutes Ende. Clare Chambers war fasziniert von dieser traurigen Geschichte und wollte ihr ein anderes Zukunftsszenario bieten. So ist dieser Roman entstanden. Die Autorin hat ihren Roman ins Jahr 1964 transferiert, da die Geschichte der Psychiatrie und einhergehende Behandlungsmethoden zu diesem Zeitpunkt einige bahnbrechende Entwicklungen durchgemacht haben, was weiteren spannenden Stoff für den Roman bietet. Die Hauptprotagonistin in dem Roman ist die Mittdreißigerin Helen, die als Kunsttherapeutin in der Psychiatrie tätig ist, in die William Tapping aufgenommen wird. Der Aspekt der „Kunsttherapie“ hat mich total interessiert und neugierig gemacht; Ich bin selbst Musiktherapeutin und selten begegnen mir die therapeutischen Qualitäten oder die reine Nennung von Kreativen Therapien in Büchern, Filmen oder Serien. Von daher hat mich das total angesprochen und ich war sehr auf die Umsetzung gespannt. Wir begleiten nun also zum Einen die Kunsttherapeutin Helen, die in einer unerfüllten Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann gefangen ist, sich aber sehr für Williams Schicksal interessiert und sich für seine Genesung einsetzt. Der zweite Handlungsstrang sind Rückblenden, in den wir von Williams Leben erfahren; hier setzen wir unmittelbar an den Geschehnissen zu dem Zeitpunkt der Entdeckung Williams an und bewegen uns dann Stück für Stück immer weiter in die Vergangenheit und kommen dem Rätsel, warum William für so viele Jahre versteckt in dem Haus gelebt hat, stets mehr auf die Spur. Diese Erzählweise fand ich fantastisch gewählt und führte dazu, dass ich immer weiterlesen wollte. Der Verlauf der Geschichte hat mich mitgenommen und sehr berührt. Neben der fesselnden und berührenden Handlung bekamen die damaligen Behandlungsmethoden und alternative Therapien, wie die Kunsttherapie, zur Sprache, auch wenn ich mir bezogen auf die Kreative Therapie vielleicht noch ein bisschen mehr gewünscht hätte. Das ist aber wohl nur meiner persönlichen Affinität mit dem Thema geschuldet, und ich denke, dass die Autorin hier durchaus ein gesundes Maß gefunden hat. Der Erzählstrang rund um die Beziehung mit dem verheirateten Mann hat bei mir weniger gepunktet, das fällt insgesamt aber nicht so stark für mich ins Gewicht. Ein besonderes Buch, das ich absolut weiterempfehlen möchte! Ins Deutsche übersetzt von Wibke Kuhn

If you want to feel something, read this.
I blindly bought this one on a sale as an ebook, not really expecting anything of the story. But I was taken by surprise how quickly I started to feel so deeply. The characters are so lovely and I soon felt emotionally connected to all of them in their own special way. Every single one of them is beautiful. The historic setting adds an interesting atmosphere while the twists and turns keep coming. You should definitely pick this up to feel deeply and enjoy the whole book. It lingers…
Description
Wann hast du dich das letzte Mal richtig gesehen gefühlt?
Helen Hansford ist alles andere als eine konventionelle Frau – erst recht für die Sechzigerjahre. Unter der Woche hilft sie Patienten in einer modernen Klinik durch Kunst zur Rehabilitation, an den Wochenenden versucht sie, die Affäre mit ihrem charismatischen Kollegen Dr. Gil Rudden zu retten. Dass Gil seine Frau und Kinder nicht verlassen will, macht Helen anfangs nicht aus. Schließlich ist sie doch jung, autonom und emanzipiert.
Dann begegnet sie William Tapping.
Er hat das Haus seiner verwirrten alten Tante seit Jahren nicht mehr verlassen und spricht kein Wort. Alle anderen sehen in dem verwahrlosten William nicht mehr als eine Randfigur. Nur Helen bemerkt seine überraschende künstlerische Begabung und setzt alles daran, sein Geheimnis zu lüften.
Schnell offenbart sich, dass William nicht der Einzige ist, der schon lange nicht wirklich gesehen wurde …
Inspiriert durch wahre Begebenheiten erzählt Clare Chambers nach ihrem Überraschungserfolg Kleine Freuden mit Scheue Wesen nun die Geschichte einer jungen Kunsttherapeutin im England der 1960er Jahre, die mit dem Schicksal eines Patienten konfrontiert ihr eigenes Leben hinterfragen muss.
„Chambers‘ Sprache ist wunderschön und schafft, was nur die geschicktesten Schriftsteller können: großes Vergnügen aus kleinen Details.“ The New York Times
Book Information
Author Description
Clare Chambers wurde 1966 in London geboren. Sie unterrichtete Englische Literatur in Oxford, bevor sie für die bedeutende Verlegerin Diana Athill erst als Sekretärin, später als Lektorin zu arbeiten begann. Nach acht Romanen und einer Schreibpause von zehn Jahren wurde Kleine Freuden ein durch Mundpropaganda erzeugter Überraschungsbestseller und erschien auf Deutsch im Eisele Verlag. Die Mutter dreier erwachsener Kinder lebt mit ihrem Mann im Südosten Londons.
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Ich wünschte, ich hätte es schon früher gelesen… so ein wunderschöner, leiser aber tiefer Roman
Ich habe in letzter Zeit viele Bücher über komplizierte oder gar toxische Beziehungen gelesen und dachte in den ersten Kapiteln hier auch, dass dieser Roman darauf hinauslaufen würde. Dann aber wurde ich überrascht, denn die Prioritäten der Geschichte verschoben sich und damit der komplette Vibe. Ich liebe alles an diesem Buch, allem voran die ruhige, gleichzeitig präzise und spannende Erzählweise der Autorin. Wie sich die Geschichte rund um Helen, Gill und natürlich William entfaltet. Die Zeitsprünge, die in der Vergangenheit nochmal rückwärts laufen. Die vermeintlichen Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, die dem Erzählten aber Kontur geben. Ich liebe Romane, deren Figuren mir ganz nah kommen, die ich am Ende des Buchs nicht gehen lassen will. Und so ein Buch habe ich hier gefunden. Wie gern hätte ich Helen noch ein wenig begleitet um zu sehen, welchen Weg sie geht. Auch hätte ich gern noch einmal bei Gil vorbeigeschaut, Lorraines nächste Schritte verfolgt und William in ein paar Jahren nochmal besucht…. Ein rundum perfektes Leseerlebnis für mich von einer Autorin, deren anderen beiden Bücher ich sofort kaufen werde. Für alle, die gern leise Romane lesen mit Personenfokus und schöner Sprache! Eine Herzensempfehlung ♥️
Große Überraschung! Absolut wundervoll! Nach den ersten Kapiteln, dachte ich, es wird einfach wieder ein Buch über schwierige Beziehungen, die irgendwie analysiert werden muss. Aber relativ schnell hat sich das Blatt bzw. Buch gewendet. Denn mit Erscheinen des „versteckten Mannes“ nahm die Geschichte einen ganz anderen Lauf. Für mich war das absolut spannend zu lesen, warum William so lange isoliert lebte. Nach und nach, abwechselnd erzählt aus der Sicht von Helen in der Gegenwart und aus Sicht von William in der Vergangenheit klärte sich auf, was damals vorgefallen ist. Eine ganz herzerwärmende, liebevolle Geschichte, die mich sehr berührt hat.
Dieses Mal habe ich wieder einen Roman für euch: „Scheue Wesen" von Clare Chambers - ein Roman, der mich auf stille, aber tief bewegende Weise beeindruckt hat. Die Geschichte entfaltet sich leise und mit viel Gefühl. Der Schreibstil ist ruhig, emotional und wunderbar bildhaft - ein Buch, das nicht laut sein muss, um stark zu wirken. Besonders berührt hat mich William Tappings Geschichte, die mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Erzählt wird in wechselnden Perspektiven und über verschiedene Zeitebenen, was dem Roman eine besondere Tiefe verleiht. Am rührendsten fand ich die Entwicklung der Hauptfiguren - subtil, aber sehr eindringlich. Ein außergewöhnlich feinfühliger Roman, der zum Nachdenken anregt und für mich absolut 5 Sterne wert ist. Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ #clarechambers #scheuewesen #romanliebe #emotionalelesen #tiefgründig #buchrezension #bookstagramdeutschland #literaturempfehlung

Schicht für Schicht ins Herz 💗
„Scheue Wesen“ von Clare Chambers ist eine leise, tiefgehende und menschliche Geschichte, die nicht auf Lautstärke oder Tempo setzt, sondern auf Figuren, Atmosphäre und Emotionen. Wir befinden uns in Croydon im Jahr 1964. Die 34-jährige Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Privat steckt sie in einer moralisch schwierigen Situation. Seit Jahren führt sie eine Affäre mit ihrem Kollegen Gil, einem verheirateten Arzt, der verspricht, seine Frau zu verlassen. Also irgendwann, wenn die Kinder älter sind. Als Helen eines Tages gebeten wird, gemeinsam mit Gil einem Hinweis auf häusliche Störungen in einem nahegelegenen Haus nachzugehen, trifft sie dort auf William Tapping: einen ungepflegten, stummen Mann, der jahrelang völlig abgeschottet mit seiner Tante gelebt hat. Niemand aus der Nachbarschaft wusste überhaupt von seiner Existenz. Schnell wird klar, dass William seit mindestens einem Jahrzehnt das Haus nicht verlassen hat. Als Helen seine Zeichnungen entdeckt, ist sie entschlossen, mithilfe von Kunsttherapie zu ihm durchzudringen und gleichzeitig endlich zu beweisen, dass ihre Arbeit im Klinikalltag genauso wichtig ist wie die der Ärzte. Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt und wechselt zwischen Helen in der Gegenwart und William, dessen Lebensgeschichte rückwärts über mehrere Jahrzehnte hinweg erzählt wird. „Scheue Wesen“ ist eine herzergreifende Geschichte, getragen von einer unglaublich realistischen Figurenentwicklung. Helen ging mir anfangs etwas auf die Nerven. Ihre Affäre und ihre Selbstrechtfertigungen. Ich habe mehr als einmal innerlich die Augen verdreht. Aber genau das macht ihre Entwicklung so stark. Sie bleibt nicht stehen, sondern wächst, reflektiert, verändert sich. Und das fühlte sich nie konstruiert an, sondern menschlich. Diese Geschichte lebt nicht von einem klassischen Spannungsbogen. Sie ist leise und langsam erzählt, aber sie plätschert keineswegs dahin. Jede Szene, jede Handlung spielte sich beim Lesen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. So klar und präzise ist der Schreibstil. Besonders herausragend ist Williams Erzählstrang. Seine Kapitel beginnen im Jahr 1964, gehen dann rückwärts, springen über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Diese umgekehrte Zeitlinie ist mit das stärkste Element des Buches. ✨ Fazit „Scheue Wesen“ ist keine Geschichte für die, die rasante Plots oder eindeutig „gute“ Figuren suchen. Es ist ein Buch für Fans von literarischer, charaktergetriebener Belletristik. Ruhig aber intensiv und emotional tief. Für mich war es eine wunderbare, fesselnde Lektüre, die viel Raum zum Nachdenken lässt. Mein erstes Buch von Clare Chambers, aber ganz sicher nicht mein letztes.
"Scheue Wesen" ist ein warneherziger Roman über Trauma, Verlust und Selbstfindung, sowie ein Plädoyer für Freundlichkeit und Mitgefühl im Umgang miteinander. Allerdings hat mich ein wenig die eingeflochtene Liebesgeschichte zwischen Helen und Gil gestört - diese hätte meiner Meinung nach gerne kürzer gefasst werden können, denn ich brauchte schon eine ganze Weile um ins Buch einzutauchen. Auch wenn ich dadurch den einen oder anderen Kritikpunkt hatte, habe ich vor allem die Geschichte von William, aber auch die Arbeit in der psychiatrischen Klinik gerne gelesen.
Eine interessante Geschichte, deren Ursprung auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Erzählstil ist sehr ruhig und fließt unaufgeregt dahin. Vor allem Williams Geschichte und die psychologischen Behandlungsmethoden fand ich sehr interessant und von Letzteren hätte ich gerne mehr erfahren. Ein sehr schönes und berührendes Buch, das leider ein besseres Lektorat hätte gebrauchen können, da mir einige Rechtschreib- und Grammatikfehler aufgefallen sind. Kann das Buch empfehlen.
Ruhig und feinsinnig Clare Chambers beschreibt im Nachwort, dass sie aufmerksam wurde auf einen Zeitungsartikel von 1952, worin es um einen verwahrlosten , vierzigjährigen Mann ging, der nach einem Streit, nackt, mit einem anderthalb Meter langen Bart und hüftlangen Haaren, nach einer verbaler Auseinandersetzung und Sachen, die aus dem Fenster geschmissen wurden, von der Polizei aufgegriffen wurde. Der Mann wohnte dort mit seinen betagten Tanten unter erbärmlichen Zuständen und wurde seit über 25 Jahren nicht von seinen Nachbarn gesehen.Er wurde in die Psychiatrie gebracht und man fand in dort später ertrunkenen in einem See. Die Autorin beschloss ihm eine etwas hoffnungsvollere Zukunft in ihrem Roman zu geben. Dies hat sie wundervoll ruhig und einfühlsam erzählt, vor allem die Kunsttherapeutin Helen, hat mir mit Einblick in ihr Inneres und ihrer Entwicklung sehr gut gefallen.
Das erzählt sehr leise eine Geschichte in der es um Trauer, Gesehenwerden, Ungerechtigkeiten geht. Die Geschichte des unsichtbar gemachten William hat mich berührt. Die andere Geschichte im Buch, die der Therapeutin hat mich nicht sonderlich angezogen. Dadurch kam das Buch etwas langsam und zäh daher. Im Schlusswort stand, dass es sich bei der Lebensgeschichte von William um eine wahre Begebenheit handelt, was mich bestärkt hat, seine Geschichte interessanter zu finden.
Ein wunderbares Buch.
"Scheue Wesen" hat seinen Ursprung in einer wahren Geschichte: Im Februar 1952 wurde in einem Haus in Bristol der völlig verwahrloste Harry Tucker aufgefunden und anschließend ins Glenside Mental Hospital aufgenommen, wo er gegen Schizophrenie behandelt wurde. Im Jahr 1953 ist er dann unweit des Krankenhauses in einem Fluss ertrunken. Die Details seiner Entdeckung decken sich weitestgehend mit der Figur des William Tapping, der (neben der Kunsttherapeutin Helen) eine zentrale Rolle in Chambers Roman einnimmt. Die Handlung wird über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten und abwechselnd aus der Sicht von Helen in der Gegenwart und aus der Sicht von William in der Vergangenheit erzählt, wobei die Vergangenheit rückwärts abläuft und die Geschichte am Ende so zu einem wunderbaren "full circle moment" zusammengeführt wird. Ich habe die Lektüre sehr genossen und bin beim Lesen glaube ich noch nie so entspannt gewesen, was zum einen an dem wunderbaren, poetisch anmutenden Schreibstil, zum anderen an dem ruhigen Erzählfluss lag, der fast schon etwas meditatives hatte. Wer Spannungsspitzen braucht, dem würde ich demnach dringend von dem Buch abraten und beispielsweise auf die Bücher von Angie Kim verweisen, die ähnlich aufgebaut sind, denn auch in "Scheue Wesen" fächern sich von einem bestimmten, zentralen Ereignis unterschiedliche Einzelschicksale ab. Interessant fand ich dabei vor allen Dingen die Behandlung psychischer Erkrankungen in den 60'er-Jahren. Darüber hätte ich tatsächlich gerne noch etwas mehr erfahren; Helens Beziehung zu einem verheirateten Mann hat mich vergleichsweise dann eher weniger interessiert.. Das ändert aber nichts daran, dass ich das Buch sehr mochte. Clare Chambers hat ein sehr feines Gespür und ein Talent dafür, menschliches Verhalten zu erkennen, nachvollziehbar wiederzugeben und kritisch zu hinterfragen, ohne wertend zu sein. Für mich eine "Grande Dame" zeitgenössischer Literatur. Ich muss unbedingt mehr von ihr lesen!
Nach einer wahren Begebenheit: Helen Habsford arbeitet 1964 als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie ist Anfang 30, ledig, hat aber ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Kollegen Dr. Gil Rudden. Helens Leben verläuft geregelt bis William Tapping in die Klinik eingeliefert wird. William ist Mitte 30, spricht nicht und wurde verwahrlost im Haus seiner Tante aufgefundenen. Er verbrachte die letzten 20 Jahre isoliert von der Außenwelt. Gemeinsam mit seiner Tante wird er in der Klinik aufgenommen und von Gil und Helen behandelt. William öffnet sich immer weiter seiner Umwelt und wir erfahren peu à peu wie William s Lebenssituation entstanden ist. Ich habe das Buch wegen des wunderschönen Covers gekauft und wurde von einer herzerwärmenden Geschichte belohnt, die mich durch die Seiten getragen hat.
Ich hätte es am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt. Ich liebe diesen Schreibstil, die Geschichte liest sich wie ein alter Hollywoodgesellschaftsfilm. Durch all die Bilder vor meinen Augen, die Gerüche und die sensorischen Reize verschwand mein Alltag hinter der Erzählung. Wunderbare glaubhafte Figuren, weich umarmende Atmosphäre mit einem ruhigem aber fesselnden Plot. Die schrittweise Auflösung mit einer rückwärts erzählenden Perspektive und einer aktuellen, wirkte nie künstlich konstruiert, sondern sorgte für einen guten Spannungsbogen und mündete in einem guten Ende. Scheue Wesen ist das zweite Highlight nach Kleine Freuden von Claire Chambers für mich.

Die Geschichte von William Tappering, die teilweise auf einer waren Begebenheit beruht hat mich sehr berührt. William und seinem besten und einzigen Freund passiert auf ihrer Schule ein Unglück, bei dem der Lehrer der Francis missbraucht hat zu Tode kommt. Die alten Tanten, bei denen William aufgewachsen ist. verstecken ihn seitdem in ihrem Haus und so kommt es , dass er Jahrzehnte lang wie ein Gefangener unter ärmlichsten Verhältnissen und ohne Kontakt zur Außenwelt lebt, bis er zufällig entdeckt wird und in eine Psychiatrie kommt. Dort begegnet ihm Helen eine Kunsttherapeutin, die seine Vergangenheit aufdeckt und ihn bei der Rückkehr in ein freies Leben unterstützt.
London, Mitte der 1960er Jahre. Als die Polizei wegen einer Auseinandersetzung zu einem Haus gerufen wird, trifft sie dort nicht nur eine ältere Frau, Louisa, sondern auch ihren äußerlich verwahrlosten Neffen William an, von dessen Existenz keine*r in der Nachbarschaft mehr wusste und der jedenfalls zuerst nicht spricht. Bis er in die Klinik kommt und die Kunsttherapeutin Helen sein künstlerisches Talent entdeckt. Und so kommt nach und nach die Geschichte von William ans Licht, während Helen, die eine Affäre mit einem verheirateten Kollegen hat, der nicht mal vorgibt seine Frau verlassen zu wollen, zu sich findet. Ich gebe zu, ich habe das Buch zunächst gekauft, weil ich mich in das zauberhafte Cover verliebt habe. Aber die Geschichte und Sprache ist nicht weniger schön. Ein schöner Roman, den man gar nicht mehr aus der Hand legen will.
Ein leiser und kluger Roman. Die Handlung war einfach mal etwas komplett anderes. Thematisiert wird in der Handlung unter anderem der Umgang mit psychischen Krankheiten in den 60er Jahren, sehr einfühlsam und dabei auch auch sehr interessant. Die Figuren sind sehr unterschiedlich und vielschichtig und auf eine durchdachte Weise miteinander verwoben. Jeder Charakter macht seine eigene Entwicklung durch, das war spannend zu beobachten. Genauso wie die vergangenen Geschehnisse, die Stück für Stück aufgedeckt werden. Ich fand es sehr wohltuend, mal wieder in eine komplett andere Thematik einzutauchen. Eine Handlung, die sehr viel mehr Gehalt hat als "nur" Beziehungsgeflechte und einfach auch inhaltlich bereichert.
SCHEUE WESEN Clare Chambers 1964: Helen, ehemalige Kunstlehrerin, arbeitet seit einigen Jahren als Kunsttherapeutin in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen. Sie hat seit drei Jahren eine Affäre mit einem der Ärzte der Klinik. Während sie zu Beginn der Liebe noch glücklich war, plagt sie nun zunehmend das schlechte Gewissen, denn der Psychiater Gil ist verheiratet und hat zwei Kinder. Während Helen versucht, immer für spontane Besuche seitens Gils parat zu stehen, vergisst sie, dass sie ein eigenes Leben mit Freunden und Familie führen könnte. Eines Tages wird der stumme William Tapping mit seiner verwirrten Tante in die Klinik eingeliefert. Nachbarn hatten die Polizei benachrichtigt, nachdem im Nachbarhaus ein Streit ausbrach. Diese waren ganz verwundert, dass aus dem Haus ein völlig verwildert und vernachlässigter Mann mit einem unendlich langen Bart abgeführt wurde. In der ganzen Zeit, in der sie dort wohnten, hatten sie nie zuvor einen Mann in dem Haus gesehen. William wird Gils Patient. Helen bemerkt schnell, dass dieser ein besonderes Talent zum Zeichnen hat und lädt ihn in ihre Therapiestunde ein. Um seine Vergangenheit zu klären, wendet sie sich an Williams ehemalige Klassenkameraden und erfährt so Bruchstücke aus seinem Leben. Unter anderem findet sie heraus, dass William seine Schule im Alter von 11 Jahren abbrach und nie mehr zur Schule zurückkehrte, außerdem ist es wahrscheinlich, dass er ab diesem Zeitpunkt das Haus nie mehr verließ. Mit Fingerspitzengefühl gelingt es Helen, hinter das große Geheimnis von William zu kommen. Was für ein unglaublich tolles Buch! Ich habe es in nur drei Tagen gelesen und bin nur so durch die Seiten geflogen. Zum Ende wurde es so spannend, dass ich das Buch mit seinem leichten Schreibstil und dem schönen Cover gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Geschickt hat es die Autorin verstanden, Fiktion und die wahre Geschichte des William Tapping zu verknüpfen. Dabei gefiel mir besonders gut, dass der Erzählstrang vom William rückwärtslaufend war und bis in den Sommer 1938 reichte. Die Protagonisten wirkten auf mich komplett authentisch und absolut passend in die Zeit der 60er-Jahre, als die Frauen gerne mal als hysterisch in den Psychiatrien weggeschlossen und mit Elektroschocks behandelt wurden. Große Leseempfehlung für dieses feine Buch und ja, es müsste eigentlich eine Triggerwarnung geben, aber wenn ich die ausspräche, verrate ich den Plot. 5/ 5

Ein stilles, unaufgeregtes Buch, das darüber erzählt, dass Beziehungen das sind, was das Leben mit Sinn und Wärme erfüllt. Wir erfahren nach und nach, warum William ein scheues Wesen zu sein scheint und bekommen Einblick in die Psychiatrie der 60 er Jahre. Obwohl ich solche Geschichten eigentlich mag, konnte diese meine Erwartungen nicht vollständig erfüllen.
Clare Chambers erzählt in sanften Tönen eine Geschichte über die gesellschaftliche Definition von Normen sowie die Entwicklung von Psychiatrie in den 60er Jahren: Bei einem Streit fliegen Kleidungsstücke aus dem Fenster, Wäsche hängt in den Bäumen, die Nachbarn rufen die Polizei. Eine alte, verwirrte Dame und ein stummer, verwahrloster Mann werden vorgefunden und in die psychiatrische Klinik Westbury Park aufgenommen. Der unkonventionelle Therapeut Gil Ruddens und die junge Kunsttherapeutin Helen Hansford sind für die Behandlung und Begleitung der beiden neuen Bewohner von Westbury Park verantwortlich. Sie versuchen zu verstehen, was Louisa und Wiliam Tapping bewegt. Als Helen feinsinnige Naturzeichnungen von Wiliam findet, ist sie tief berührt und stellt weitere Nachforschungen an: Wer sind die Tappings? Warum wusste niemand, dass der junge Mann im Haus der Tappings lebte? Warum spricht Wiliam nicht? Was ist in den vergangenen 25 Jahren passiert? Was ist das Beste für ihre Klienten? Intro- und Retrospektiven erzählen die Geschichte in leiser Intensität. Zaghaft nähert sich die Geschichte der Wahrheit. ‘Scheue Wesen’ ist ein stimmiges und feines Werk über außergewöhnliche Menschen. Der unkonventionelle Blick auf psychiatrische Klient:innen hat mir dabei besonders gefallen. Titel und Covergestaltung passen perfekt zu der sanften Erzählung.
Ganz wunderbar
•Buchrezi• 😢 Zum Inhalt: 1964 - Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Sie mag ihren Job. Plötzlich lernt sie Gil kennen, der ebenfalls in der Einrichtung arbeitet. Gil ist verheiratet, hat zwei Kinder. Es funkt und sie beginnen eine Affäre. Kurz darauf werden die beiden zu einem scheinbar verlassenem Haus gerufen. Dort eingetroffen stellen sie fest, dass dort eine verwirrte ältere Dame mit ihrem verwahrlosten Neffen lebt. Sein Name ist William. Die beiden werden sofort in der psychiatrischen Klinik aufgenommen. Schnell wird klar, dass niemand im näheren Umfeld des Hauses von Williams Existenz wusste. Völlig abgeschottet von der Außenwelt hat er über Jahre in dem Haus gelebt, seine einzigen Kontakte, seine Tanten. Helen möchte wissen, was William widerfahren ist, begibt sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, nach Menschen, die William einmal gekannt haben müssen. Und ganz nebenbei entdeckt sie, dass William ein ganz besonderes Talent für die Malerei hat. Helen und William bauen Vertrauen auf und umso mehr Helen in Williams Geschichte eintaucht, umso mehr fängt sie an ihr eigenes Leben zu hinterfragen… Mein Fazit: Was für eine Geschichte! Zu Beginn habe ich mich echt schwer getan zum Buch zu greifen, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, wo das Buch hin wollte… doch als William und seine Geschichte auftauchten, war ich wie gefesselt. Denn es gibt hier zwei Erzählstränge. Auf der einen Seite begleiten wir das Leben von Helen und wie sehr sie sich verbiegt, um die Affäre aufrecht zu erhalten, aber im Laufe der Geschichte immer mehr erkennt, was sie da eigentlich macht und wie Gil mit der Situation umgeht. Obwohl er bei mir nicht unbedingt Sympathiepunkte gesammelt hat, fand ich seine Einstellung zur Klinik und zu seinem Beruf sehr progressiv für die Zeit. Und dann tauchen wir in Williams Vergangenheit ein, die wirklich herzzerreißend ist. Der Titel und das Cover passen so perfekt zur Geschichte… „Scheue Wesen“ punktet nicht mit Spannung, sondern mit Tiefgang, ein Roman der sich ganz leise in mein Herz geschlichen hat und der einen anderen Blick auf das Leben wirft. Eine Leseherzensempfehlung von mir. 🐦⬛🐦⬛🐦⬛🐦⬛🐦⬛!
Dieses Buch von Frau Chambers basiert auf einem Ereignis, das sich in den 1950er Jahren in Großbritannien ereignete. Ein Mann, der sich lange Zeit in seinem Leben vor den Menschen versteckt hatte, fand sich in Panik in einer psychiatrischen Klinik wieder. Der Autor verknüpft diese Geschichte mit der von Helen Hansford, einer jungen Frau, die als Kunsttherapeutin in der Einrichtung arbeitet, in der William zusammen mit seiner Tante behandelt wird. Nur über die Kunst gelingt es Helen allmählich, den schüchternen und stummen Mann, der sehr begabt ist, zu erreichen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Helens Erzählung eines der überzeugendsten Beispiele für die Unabhängigkeit der Frauen in den 1960er Jahren ist.
Ein stilles, jedoch kraftvolles Buch.
Claire Chambers' Roman "Scheue Wesen" hat seinen Ursprung in einer wahren Geschichte, die sich 1952 in Bristol ereignete. Hierbei wurde die Polizei zu einer lautstarken Auseinandersetzung in ein Haus gerufen, in dem sie dann einen nackten Mann mit hüftlangen Haaren und anderthalb Meter langen Bart vorfanden, der mit seiner alten Tante und diversen Hunden, Katzen und Vögel einsiedlerisch unter erbärmlichen Umständen lebte. In "Scheue Wesen" greift Chambers diesen Mann auf und macht daraus eine sehr feinfühlige und bewegende Geschichte. Im Zentrum steht Helen Hansford, die als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik arbeitet und der stumme William Tapping, der mit seiner verwirrten alten Tante in einem Haus lebt, welches er seit vielen Jahren nicht mehr verlassen hat. Während Helens Beziehung zu ihrem verheirateten Kollegen immer unbefriedigender wird, stürzt sie sich mehr und mehr in ihre Arbeit. Als ihr Kollege und sie von der Polizei zu einem Haus gerufen werden, in dem ein halbnackter, verwahrloster und stummer Mann gefunden wird, stürzt Helen sich noch mehr in ihre Arbeit. Erst recht, als sie Williams große künstlerische Begabung entdeckt. Und so versucht Helen allmählich hinter Williams Geheimnis zu kommen. "In diesen Momenten der Dissoziation, wenn er merkte, wie er sich von der Welt loslöste und die Realität seiner Existenz anzweifelte, war ihm der Gedanke ein Trost, dass David Balfour im gleichen Reich existierte." Claire Chambers hat hier ein eher stilles Buch geschrieben, das gerade in dieser Stille eine große Kraft und Eindringlichkeit entwickelt. Mit viel Gefühl erzählt sie uns eine Geschichte über Trauma, Verlust und Selbstfindung und appelliert zudem an die Menschlichkeit. Es ist eine Geschichte, die ans Herz geht und berührt. Erzählt wird die Story aus wechselnden Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. Während wir uns mit Helen im Hier und Jetzt des Jahres 1964 befinden, reisen wir mit William Stück für Stück weiter in seine Vergangenheit und erfahren so nach und nach, was es mit ihm auf sich hat und warum er so einsiedlerisch bei seiner Tante gelebt hat. "Die Vergangenheit ist immer bei mir, aber es ist eben auch die Vergangenheit. Es hat mich nicht zerstört. Ganz sicher nicht." Insgesamt mochte ich das Buch wirklich gern, einzig die Storyline zwischen Helen und Gil empfand ich als etwas störend. Zudem hat sie für mich auch keinen Mehrwert geliefert.

Weil es wichtig ist Mitgefühl zu haben.
Eine wunderschöne Geschichte die aufzeigt wie schön und wichtig es ist, liebe- umd verständnisvolle Menschen um uns rum zu haben. Leider muss ich einen Punkteabzug für die deutsche Übersetzung geben. Oft liest es sich übersetzt, der Satzbau und die Grammatik bleibt zu nah am englischen. Zudem hat die Übersetzerin manchmal sehr komische Übersetzungen für bestimmte Ausdrücke gewählt, die es beim lesen holpern lassen. War jetzt nicht megagruselig, jedoch hat es mich und meinen Lesefluss gestört.
Ein stiller, feinfühliger Roman über Einsamkeit, Sehnsucht und darüber, was es bedeutet, wirklich gesehen zu werden.
Die Geschichte ist unglaublich feinfühlig, atmosphärisch und in vielen Momenten sehr bewegend. Besonders die leisen Zwischentöne und die Beobachtungen über Einsamkeit, Wahrnehmung und das „Gesehenwerden“ haben mir richtig gut gefallen. Allerdings war mir das Erzähltempo stellenweise etwas zu langsam. Vor allem Williams Rückblicke haben für mich manchmal den Spannungsbogen unterbrochen. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass die Geschichte mit etwas weniger Umfang (für mich hätten es gut 150 Seiten weniger sein können) noch eindringlicher gewirkt hätte. Trotzdem ist es ein wirklich starkes, sensibles Buch mit einer besonderen Stimmung, das definitiv nachhallt.
Scheue Wesen - und wie man sie behandelt
Es hat mir sehr gut gefallen. Die scheuen Wesen wurden sehr gut beschrieben. Wie es dazu kommen konnte, hat mich ganz schön erschüttert. Da war ich für das Nachwort schon sehr Dankbar, dass nicht alles der Wahrheit entsprach. William ist mir sehr ans Herz gewachsen und auch Helen hat sich ein Platz darin erarbeitet. Nach dem ich das Buch beendet habe, empfinde ich schon ein bisschen Abschiedschmerz. Spricht für das Buch!
Ein stilles Buch, das einen als Leser trotzdem einnimmt. Die Autorin führt uns beim Lesen hin zu dem kostbaren Kern im Inneren eines Menschen, welcher bei „scheuen Wesen“ allzu leicht übersehen wird. Gleichzeitig erfahren wir einiges über das Leben und Arbeiten in einer psychiatrischen Anstalt und die Emanzipation der Frauen in den sechziger Jahren in England.
„Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass William nichts von dem Leben weiß, dass er verpasst hat, er kennt nur das Leben, dass er hatte.“ In zwei Erzählperspektiven, die zeitlich aufeinanderzulaufen, erzählt Claire Chambers Williams Geschichte, der mit seinen Tanten jahrzehntelang in einem heruntergekommenen Haus, von der Außenwelt abgeschnitten, quasi wie in einem Gefängnis gelebt, hat, bevor er, innerlich und äußerlich verwahrlost, in der psychiatrischen Anstalt Westbury Park auf Helen trifft. Da William stets Zuflucht im Zeichnen gefunden hat, findet die Kunsttherapeutin schnell einen Zugang zu ihm. Als sie Nachforschungen anstellt und zwei wichtige Personen aus Williams Kindheit findet, beginnt er zu sprechen. Gemeinsam bringen sie Williams Befreiung aus seinen inneren und äußeren Gefängnissen auf den Weg.
Eine Story mit vielen Nuancen.
Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik - in den 60er Jahren keine alltägliche Sache. Ihr Privatleben ist alles andere als zufriedenstellend. Als eines Tages der stumme William eingeliefert wird, der seit mindestens 10 Jahren das Haus seiner alten Tante nicht mehr verlassen hat, fällt Helen seine künstlerische Begabung auf. Sie bemüht sich sehr um William und sucht einen Zugang zu ihm, nicht ahnend, welches Geheimnis sich hinter seiner Geschichte verbirgt… Bei „Scheue Wesen“ von Clare Chambers hat mich der Klappentext in seinen Bann gezogen und mich zum Kauf bewegt - ich habe ein spannendes Geheimnis gewittert! Der Roman spielt in den 60ern, eine Zeit in der sich das Verständnis und die Behandlung psychischer Erkrankungen grundlegend weiterentwickelt und verändert hat. Die Geschichte hat aber neben den 60ern auch noch einige Rückblicke in die 30er und 40er zu bieten, denn diese erzählen William‘s Geschichte. Zunächst war mir nicht klar in welche Richtung sich der Roman entwickelt, aber William erschien mir so gutmütig und liebenswürdig und ich war gespannt. Die Auflösung hatte ich nicht erwartet, fand sie aber sehr interessant und auch schockierend. Die Autorin beweist für diese, sehr sensiblen Themen, ein außerordentliches Feingefühl und lässt die Figuren all den Raum einnehmen, die sie auch benötigen. Parallel entwickelt sich noch eine Geschichte rund um Helen, die ebenfalls spannend ist und letztlich so manchen „Aha“-Effekt birgt. Mich hat dieser Roman sehr gefesselt und fasziniert. Ich fand die Aspekte der psychiatrischen Herangehensweisen gut, mochte die Entwicklung der Protagonisten und die feinen Zwischentöne der Geschichte. Die Story ist nicht leicht. Sie hat viele Nuancen, gibt sich leicht, lässt aber einige Schocker einfließen und plätschert danach wieder vor sich hin. Ungewöhnlich aber richtig gut! Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Eine so tolle Geschichte!
Was für eine wunderbare Geschichte! Zum Teil auf wahren Begebenheiten basierend, hat Clare Chambers eine so schöne Geschichte daraus geschrieben. Wir befinden uns im Jahre 1964 in England und begleiten Helen, die in einer psychiatrischen Einrichtung als Kunsttherapeutin arbeitet. Unser Hauptaugenmerk liegt im Buch auf einem ganz besonderen Patienten, der in die Klinik aufgenommen werden soll. Aber wir erfahren auch sehr viel über Helen und ihr Privatleben. Eines vorweg: Wer in diesem Buch ein Kunsttherapeutisches Werk erwartet, der wird enttäuscht. Die Kunsttherapie kommt zwar vor, ist aber nur Beiwerk im Buch 😊. Uns wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Clare Chambers lässt ihre eindrucksvollen Charaktere selbst zu Wort kommen und ich hätte zu Beginn des Buches nicht geahnt, wohin uns diese Reise führt. Einnehmend, ohne aufdringlich zu sein, wird in einem sehr angenehmen Schreibstil eine Geschichte über scheue Wesen erzählt. Und der Titel hätte nicht treffender sein können. Besonders mit unserem Protagonisten William habe wir eine so unbedarfte Persönlichkeit. Aber auch Helen selbst zähle ich dazu. Ihre Beziehung zu ihrem Geliebten ist, für mich, extrem toxisch und Helen ist oft dabei sich selbst zu verlieren in dieser Beziehung. Mit viel Einfühlungsvermögen wird hier eine Geschichte erzählt, die doch recht schwierige Themen behandelt. Manche mögen uns banal erscheinen, andere entsetzen uns. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch und seine Charaktere. Man muss ein bisschen zwischen den Zeilen lesen und sich absolut in diese Geschichte fallen lassen. Dieses Buch war rund, einfach rund. Für mich hat hier alles gepasst. Alles war perfekt an seinem Platz. Ein Highlight, welches ich sehr gerne weiterempfehle.

Helen Hansford arbeitet in den 1960er Jahren in England in einer psychiatrischen Klinik als Kunsttherapeutin. Sie liebt ihren Beruf und setzt alles daran, ihren Patient*innen zu helfen. Privat beschäftigt sie vor allem eine Affäre mit einem verheirateten Kollegen, der seine Frau – die zudem eine entfernte Verwandte von Helen ist – jedoch nicht verlassen möchte. Die Affäre steuert auf einen Endpunkt zu, als William Tapping in Helens Leben tritt. Er wird als Patient in die Klinik eingeliefert, nachdem man ihn völlig verwahrlost nach einem Streit im Haus seiner Tante aufgefunden hat. Er hat seit vielen Jahren das Haus nicht mehr verlassen und ist stumm. Helen entdeckt, dass William ein künstlerisches Talent besitzt und versucht, durch die Kunsttherapie zu ihm durchzudringen. Langsam eröffnet sich ihr Williams tragische Vergangenheit. In „Scheue Wesen“, übersetzt von Wibke Kuhn, spannt Clare Chambers eine wahre Begebenheit, von der sie in der Zeitung gelesen hatte, mithilfe ihrer Fantasie weiter und erschafft so einen leisen, feinfühligen Roman, der vor allem ab dem Mittelteil einen hohen Spannungsbogen aufbaut. Durch die Protagonistin Helen Hansford wirft die Autorin einen Blick auf das Frauenbild der 60er Jahre, durch deren Beruf in der psychiatrischen Klinik beschäftigt sie sich aber auch mit dem Thema Psychiatrie, dass zu dieser Zeit gerade in der Entwicklungsphase steckte. Vor allem Letzteres fand ich sehr spannend, hier hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle noch eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung gewünscht. Den ständigen Fokus auf die Affäre zwischen Helen und ihrem verheirateten Kollegen habe ich hingegen als eher langatmig empfunden. Gefesselt haben mich vor allem die Rückblenden in William Tappings Vergangenheit, durch die nach und nach aufgedeckt wird, wie es dazu kommen konnte, dass er so lange das Haus nicht verlassen hat und ein völlig von der Gesellschaft abgeschnittenes Leben bei seinen Tanten führte. Den Kniff, seine Geschichte rückwärts zu erzählen, war sehr gelungen! Ich hatte viele unterhaltsame Lesestunden mit „Scheue Wesen“ und möchte diese eher ungewöhnliche Story gerne empfehlen!

Eine herzerwärmende Story die in einer Psychiatrie der 1960er Jahre spielt 💕
Die Geschichte dreht sich um William Tapping, der im Haus seiner kränklichen älteren Tante entdeckt wird. Er ist stumm und ungepflegt mit einem langen Bart und Haaren. Die Nachbarn waren sich seiner Existenz nicht bewusst. Sowohl die Tante als auch William werden für psychiatrische Untersuchungen in die Westbury Park Paychiatrie aufgenommen, aber die Tante stirbt kurz darauf und überlässt den anderen das zusammenfügen der einzelnen Puzzleteile von Williams Geschichte. William wird ermutigt, sich durch Kunst auszudrücken von Helen Hansford, einer Kunsttherapeutin, die entschlossen ist, mehr über den talentierten, aber mysteriösen Mann zu erfahren. Helen hat unterdessen ihre eigenen Probleme - eine unkluge Affäre, eine steinige Beziehung zu ihren Eltern und wenigen Freunden. Sie ist auch entschlossen, ihrer Nichte zu helfen, die auch eine schwierige Beziehung zu ihren eigenen Eltern hat. Das Buch ist in zwei Teile unterteilt - die "Gegenwart" (1964), als William in den Westbury Park gebracht wird, und eine clevere Enthüllung von Williams Vergangenheit in einer Reihe von Szenen, die bis 1938 zurückreichen und erklären, wie er zu einem versteckt lebenden Mann wurde. Wie gesagt, es war meine erste Lektüre von Clare Chambers - und was für eine absolut entzückende Geschichte, inspiriert vom wirklichen Leben. Chambers Prosa überzeugt durch ihre Einfachheit. Ihre Charaktere sind wunderbar real, von der neugierigen Helen über den schüchternen und oft stillen William bis hin zu Gil, dem Psychiater, der jede Grenze überschreitet, die man sich vorstellen kann. Clare Chambers hat mich dazu gebracht, wissen zu wollen, was mit William passiert ist. Ich denke, meine Lieblingscharaktere waren William, dessen Kampf, Situationen zu verstehen, sich so real anfühlte, und Frau Kenley, die Mutter einer Schulfreundin, die die Art von Frau ist, die jedes Kind in seinem Leben haben sollte. Vor allem ist „Scheue Wesen“ eine Geschichte, die die Bedeutung von Freundlichkeit und gegenseitigem Respekt in einer Welt bestätigt, in der sich die meisten mehr um ihr Selbstbild kümmern, und welches Image sie auf andere projizieren. Ich liebte es zu sehen, wie Helen und William in der Erzählung an sich selbst wuchsen. Ohne das Ende verraten zu wollen, würde ich sagen, dass es eine zutiefst befriedigende Lektüre ist!
Spannend und bewegend
📚 REZENSION - 4,25 Sterne ⭐️ Der Roman “Scheue Wesen” beruht auf einer wahren Gegebenheit. 1952 wurde in Bristol, England, ein Mann entdeckt, der seit 25 Jahren mit seiner Tante unter einsiedlerischen Bedingungen gelebt und völlig verwahrlost war. Er wurde im Glenside Mental Hospital gegen Schizophrenie behandelt und seine Geschichte nahm ein Jahr später kein gutes Ende. Clare Chambers war fasziniert von dieser traurigen Geschichte und wollte ihr ein anderes Zukunftsszenario bieten. So ist dieser Roman entstanden. Die Autorin hat ihren Roman ins Jahr 1964 transferiert, da die Geschichte der Psychiatrie und einhergehende Behandlungsmethoden zu diesem Zeitpunkt einige bahnbrechende Entwicklungen durchgemacht haben, was weiteren spannenden Stoff für den Roman bietet. Die Hauptprotagonistin in dem Roman ist die Mittdreißigerin Helen, die als Kunsttherapeutin in der Psychiatrie tätig ist, in die William Tapping aufgenommen wird. Der Aspekt der „Kunsttherapie“ hat mich total interessiert und neugierig gemacht; Ich bin selbst Musiktherapeutin und selten begegnen mir die therapeutischen Qualitäten oder die reine Nennung von Kreativen Therapien in Büchern, Filmen oder Serien. Von daher hat mich das total angesprochen und ich war sehr auf die Umsetzung gespannt. Wir begleiten nun also zum Einen die Kunsttherapeutin Helen, die in einer unerfüllten Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann gefangen ist, sich aber sehr für Williams Schicksal interessiert und sich für seine Genesung einsetzt. Der zweite Handlungsstrang sind Rückblenden, in den wir von Williams Leben erfahren; hier setzen wir unmittelbar an den Geschehnissen zu dem Zeitpunkt der Entdeckung Williams an und bewegen uns dann Stück für Stück immer weiter in die Vergangenheit und kommen dem Rätsel, warum William für so viele Jahre versteckt in dem Haus gelebt hat, stets mehr auf die Spur. Diese Erzählweise fand ich fantastisch gewählt und führte dazu, dass ich immer weiterlesen wollte. Der Verlauf der Geschichte hat mich mitgenommen und sehr berührt. Neben der fesselnden und berührenden Handlung bekamen die damaligen Behandlungsmethoden und alternative Therapien, wie die Kunsttherapie, zur Sprache, auch wenn ich mir bezogen auf die Kreative Therapie vielleicht noch ein bisschen mehr gewünscht hätte. Das ist aber wohl nur meiner persönlichen Affinität mit dem Thema geschuldet, und ich denke, dass die Autorin hier durchaus ein gesundes Maß gefunden hat. Der Erzählstrang rund um die Beziehung mit dem verheirateten Mann hat bei mir weniger gepunktet, das fällt insgesamt aber nicht so stark für mich ins Gewicht. Ein besonderes Buch, das ich absolut weiterempfehlen möchte! Ins Deutsche übersetzt von Wibke Kuhn

If you want to feel something, read this.
I blindly bought this one on a sale as an ebook, not really expecting anything of the story. But I was taken by surprise how quickly I started to feel so deeply. The characters are so lovely and I soon felt emotionally connected to all of them in their own special way. Every single one of them is beautiful. The historic setting adds an interesting atmosphere while the twists and turns keep coming. You should definitely pick this up to feel deeply and enjoy the whole book. It lingers…














































