Scheiblettenkind

Scheiblettenkind

Hardback
4.422

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

»Scheiblettenkind«, »Schmuddelkuh«, »Assitussi« – das sind nur einige der Schimpfwörter, die sich Eva Müllers Protagonistin immer wieder in ihrer Jugend von Gleichaltrigen anhören musste. Schimpfwörter, mit denen sie, die nicht aus privilegierten Verhältnissen stammt, ausgegrenzt wurde und die sie auf ihren Platz verweisen sollten.

In dieser autofiktionalen Graphic Novel erzählt sie ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Familie. Sie erzählt in klaren, kraftvollen, eindrücklichen Bildern von erstaunlich ästhetischer Vielfalt über die bäuerliche Herkunft der Großeltern, vom westlichen Arbeitermilieu der Eltern, über das Aufwachsen in Unbildung und Armut, über soziale Scham, den Gestank von Frittierfett, über ihre Billigklamotten mit albernen Aufnähern, ihre Entfremdung von ihren Ursprüngen und schließlich ihre Emanzipation als Künstlerin ‒ und mit dabei ist immer die Schlange Selbstzweifel, die unabhängig von ihrem Erfolg bis heute nicht von ihrer Seite weichen will.

»Meine Klasse schwebte immer über mir. Sie beschämte mich und erinnerte mich daran, dass ich in einem Haus ohne Bücher groß wurde. Sie erinnerte mich daran, dass ich eine Person bin, deren Eltern nie ein Kunstmuseum besucht haben und deren Großmutter noch nie das Meer gesehen hat.«

Book Information

Main Genre
Comics
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
279
Price
28.80 €

Author Description

Eva Müller, geb. 1981 in Süddeutschland, hat in Hamburg Illustration studiert und arbeitet dort als freie Comiczeichnerin, Autorin und Künstlerin. Ihre Comics und Zeichnungen wurden in zahlreichen Büchern und Magazinen in mehreren Sprachen veröffentlicht. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. beim Leibinger Comicbuchpreis oder beim Japan Media Arts Festival. Als Artist in Residence ist sie regelmäßig in verschiedenen Ländern zu Gast, zuletzt als »Media Artist in Residency« der japanischen Kulturbehörde in Tokyo, als Fellow der Camargo Stiftung in Cassis sowie der Kone Foundation in Finnland.

Posts

4
All
5

Wie fühlt es sich an, wenn man das Gefühl hat nirgendwo reinzupassen und von niemandem verstanden zu werden?

Bedrückend und ehrlich stellt Müller dar, wie harsch sich verschiedenste alltägliche Situationen anfühlen können und welchen himmelweiten Unterschied Unterstützung und Zuspruch, im Vergleich zum Fehlen derselben, machen können. Mit eigenwilligen und lebendigen Zeichnungen entsteht eine zum Nachdenken anregende Graphic Novel, die einem verschiedenartige Privilegien vor Augen führt, wie kulturelle Bildung oder finanziellen, sozialen und familiären Rückhalt.

4.5

Eine Graphic Novel über Klassismud

Lange schlich ich um diese Graphic Novel herum. Dass ich sie nicht sofort mitnahm lag, daran, dass die Zeichnungen schwarz-weiß sind und auf den ersten Blick recht kindlich wirkten. Bei meinem letzten Besuch in der Buchhandlung meiner Wahl hab ich ein bisschen rein lesen kann und war sofort gefangen. Eva Müller hat ein autofiktionales Werk geschaffen, dass sich mit ihrer Klasse und den Selbstzweifeln (in Form einer Schlange) auseinandersetzt. Die erste Graphic Novel über Klassismus, die mir bekannt ist. Eva wächst als Kind einer Arbeiterfamilie, auf, die ihr Leben damit verbringt, Geld zusammen zu sparen, um ein Häuschen zu bauen. Niemand aus ihrer Familie war je auf dem Gymnasium oder hat in irgendeiner Form seine Träume verwirklicht. Es ging immer nur ums arbeiten. Urlaube waren nicht möglich, als Kind musste sie sich früher ihr Taschengeld selbst verdienen. Sie suchte immer wieder Parallelwelten auf, um ihrer Realität zu entfliehen. Aber egal, in welcher Umgebung sie sich befindet. Die Selbstzweifel züngeln und zischen immer wieder um ihren Körper und drohen sie manchmal zu erdrücken. Das bleibt ihr wahrscheinlich ein Leben lang. Die Zeichnungen sind so eindrücklich und kreativ und zogen mich in ihren Bann. Irgendwann habe ich vergessen, dass ich mich in einer gezeichneten Geschichte befinde. Es liest sich wie ein Roman. Ab und an taucht Karl Marx mit Zitaten auf. Sehr kreativ. Eingeflochten sind auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit ihrer Vorfahren, den Großeltern und den Eltern. Die Chancen, die sie hatten und nicht genutzt haben, aus Angst oder Selbstzweifeln. Ich kann das was Eva Müller geschrieben hat sehr gut nachempfinden, ist der Lebensweg meiner Familie doch ähnlich. Wir teilen Erfahrungen und Gefühle . Das hat es für mich so besonders gemacht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ihre eigene Herkunft reflektieren möchten und das stilistisch auf außergewöhnliche Art und Weise

5

Sehr authentisch gefühlvoll, wirklich lesens- und anschauenswert! Ich bewundere es sehr wenn jemand Worte und Bilder für komplexe Gedanken und Gefühle findet.

4

Interessanter Stil, gut gemacht, regt zum Nachdenken an.

Create Post