28. Aug.
Rating:5

Wie fühlt es sich an, wenn man das Gefühl hat nirgendwo reinzupassen und von niemandem verstanden zu werden?

Bedrückend und ehrlich stellt Müller dar, wie harsch sich verschiedenste alltägliche Situationen anfühlen können und welchen himmelweiten Unterschied Unterstützung und Zuspruch, im Vergleich zum Fehlen derselben, machen können. Mit eigenwilligen und lebendigen Zeichnungen entsteht eine zum Nachdenken anregende Graphic Novel, die einem verschiedenartige Privilegien vor Augen führt, wie kulturelle Bildung oder finanziellen, sozialen und familiären Rückhalt.

Scheiblettenkind
Scheiblettenkindby Eva MüllerSuhrkamp
9. Aug.
Rating:4.5

Eine Graphic Novel über Klassismud

Lange schlich ich um diese Graphic Novel herum. Dass ich sie nicht sofort mitnahm lag, daran, dass die Zeichnungen schwarz-weiß sind und auf den ersten Blick recht kindlich wirkten. Bei meinem letzten Besuch in der Buchhandlung meiner Wahl hab ich ein bisschen rein lesen kann und war sofort gefangen. Eva Müller hat ein autofiktionales Werk geschaffen, dass sich mit ihrer Klasse und den Selbstzweifeln (in Form einer Schlange) auseinandersetzt. Die erste Graphic Novel über Klassismus, die mir bekannt ist. Eva wächst als Kind einer Arbeiterfamilie, auf, die ihr Leben damit verbringt, Geld zusammen zu sparen, um ein Häuschen zu bauen. Niemand aus ihrer Familie war je auf dem Gymnasium oder hat in irgendeiner Form seine Träume verwirklicht. Es ging immer nur ums arbeiten. Urlaube waren nicht möglich, als Kind musste sie sich früher ihr Taschengeld selbst verdienen. Sie suchte immer wieder Parallelwelten auf, um ihrer Realität zu entfliehen. Aber egal, in welcher Umgebung sie sich befindet. Die Selbstzweifel züngeln und zischen immer wieder um ihren Körper und drohen sie manchmal zu erdrücken. Das bleibt ihr wahrscheinlich ein Leben lang. Die Zeichnungen sind so eindrücklich und kreativ und zogen mich in ihren Bann. Irgendwann habe ich vergessen, dass ich mich in einer gezeichneten Geschichte befinde. Es liest sich wie ein Roman. Ab und an taucht Karl Marx mit Zitaten auf. Sehr kreativ. Eingeflochten sind auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit ihrer Vorfahren, den Großeltern und den Eltern. Die Chancen, die sie hatten und nicht genutzt haben, aus Angst oder Selbstzweifeln. Ich kann das was Eva Müller geschrieben hat sehr gut nachempfinden, ist der Lebensweg meiner Familie doch ähnlich. Wir teilen Erfahrungen und Gefühle . Das hat es für mich so besonders gemacht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ihre eigene Herkunft reflektieren möchten und das stilistisch auf außergewöhnliche Art und Weise

Scheiblettenkind
Scheiblettenkindby Eva MüllerSuhrkamp