Rauch und Schall

Rauch und Schall

Hardback
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Description

Goethe kommt zurück aus der Schweiz und hat zu Hause in Weimar plötzlich eine Schreibblockade. Da kann sein kleiner Sohn August noch so still sein und seine Frau Christiane noch so liebevoll um sein Wohl besorgt. Ausgerechnet sein Schwager Christian August Vulpius, ebenfalls Schriftsteller und von Goethe verachteter Viel- und Lohnschreiber, kommt ihm in dieser Situation zu Hilfe. Zu einer Hilfe, die Goethe nicht will und doch dringend braucht.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
304
Price
25.70 €

Author Description

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, ist seit 1980 freier Schriftsteller. International berühmt wurde er mit seinem Roman ›Melnitz‹. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den französischen Prix du meilleur livre étranger. ›Der Halbbart‹ war nominiert für den Schweizer und den Deutschen Buchpreis. Sein Werk erscheint in 16 Sprachen. Charles Lewinsky lebt im Sommer in Vereux, Frankreich, und im Winter in Zürich.

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„Zwar hatte ihn der durchschlafene Nachmittag erfrischt, aber der allzu reichlich genossene Schöpsenbraten hatte ihn schon wieder müde gemacht, und die Musen dachten gar nicht daran, ihm das Leben mit inspirierenden Küssen zu erleichtern.“ Was den Herrn Goethe so beschäftigt, hat mich sehr erheitert.

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Das Büchlein enthielt auch zahlreiche Gedichte, manche zwei-, manche vierzeilig, eines unbeholfener als das andere. So hatte ein gewisser Mackenroth, wohl ein Schauspielkollege, geschrieben: Nennt uns mancher auch Hundsfötter / auf der Bühne sind wir Götter. "Das werde ich besser machen," dachte Goethe. Aber als Waldenfels Tinte und Feder gebracht hatte, wollte ihm nichts einfallen. Er saß da, die aufgeschlagene Seite vor sich, und brachte keine vernünftige Zeile zustande. Kein einziges Wort. - Zitat, Seiten 138, 139 Dieses Buch ist wie ein kleines, aber feines Dessert, welches seine Raffinesse erst bei den sich entfaltenden Geschmacksexplosionen auf der Zunge enthüllt. Die Geschichte um Goethe, der von einer Schweizer Reise statt mit der erwarteten Inspiration im Gepäck mit Hämorrhoiden geplagt und mit einer Schreibblockade geschlagen zurückkehrt, ist so köstlich geschrieben, dass einem das amüsierte Grinsen nicht aus dem Gesicht weichen will. Schon der Auftakt wird in farbigen Bildern vor dem Lesenden ausgebreitet: in einer armseligen Gaststube versucht der reisende Goethe letzte Kräfte für die Rückkehr zu mobilisieren, wobei er frustriert feststellen muss, dass ein dahergelaufener Schauspieler, der ihn mit Shakespeare Zitaten nervt, mit besserem Fusel versorgt ist, wie das Gesöff, welches man ihm eben serviert hat. Derweil ist seine Christiane im heimischen Garten beschäftigt, die lästigen Schnecken zu zerhacken, während sie ihrem Bub August altkluge Fragen zu beantworten versucht. Und kaum ist Goethe dann im trauten Heim, schaut auch der lästige Vulpius, Christianens Bruder vorbei, der nach Brosamen des Genies hascht, denn er muss unbedingt bald schon zwei Romane fertiggestellt haben, damit er sich endlich ein anständiges Paar Hosen leisten kann ... Hat man einmal angefangen, will man einfach immer weiter lesen und sagt sich, noch einen Happen, denn viel besser kann die Geschichte ja nicht mehr werden. Und dann wird die Geschichte ganz kess, einfach immer besser, und am Ende schlägt man gut gelaunt und bestens unterhalten zu. Nicht nur die berühmte Redewendung Goethes wird hier umgedreht, es wird hier mit Worten gespielt und so manche Pointe wird mit verblüffenden Charme gesetzt. Obwohl die Geschichte einen sehr humorvollen Grundton hat und sich in ihren Aussagen selbst nicht zu ernst nimmt, ist sie keinesfalls oberflächlich, sondern am Ende fast herzlich weise. FAZIT Wahrscheinlich wurde bereits deutlich, welches Vergnügen ich mit dieser Lektüre hatte. Ich würde auch behaupten, dass man kein großer Goethe Kenner, oder gar ein besonders anspruchsvoller Leser sein muss, um mit diesem Roman Freude zu haben. Vielleicht ist es hilfreich, wenn man sich gerne mal ins Theater begibt oder sich gerne mit gespielten Szenen auseinandersetzt. Aber auch das ist keine Bedingung, um einen Zugang zu finden. Danke an Charles Lewinsky. Klare Leseempfehlung.

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Das erste Buch, das ich im neuen Jahr 2024 gelesen habe, war schon mal ein absoluter Volltreffer und zwar an Intellekt, Unterhaltung und Witz: “Rauch und Schall” - eine Anlehnung an einen Vers aus Goethes “Faust” (“Name ist Schall und Rauch”) - von Charles Lewinsky aus dem Diogenes Verlag. Ein Mann in der Mitte des Lebens, der aufgrund seiner dichterischen Tätigkeit hohes Ansehen genießt und den die kulturbeflissene Öffentlichkeit gar ein Genie heißt. Was macht nun dieser Mann, wir nennen ihn Goethe, wenn ihn sowohl der geheimrätliche After (in Form von Hämorrhoiden) schmerzt, als auch eine Schreibblockade plagt? Leiden, aber still, denn beide Probleme sind nur allzu tabuisiert… Wir schreiben das Jahr 1796 (erschlossen anhand der erwähnten, aus Goethes Leben bekannten Fakten, denn im Roman gibt es keine konkreten Zeitangaben). Goethe ist auf der Rückkehr nach Weimar. Er war mal wieder auf einer seiner Schweizer Reisen, auf denen er seltene Quarzite und Inspiration für neue dichterische Werke sammeln wollte. Zumindest ersteres ist ihm gelungen. Zuhause erwarten ihn also nun seine Lebensgefährtin Christiane Vulpius und das einzige überlebende Kind der beiden, der siebenjährige Sohn August sowie viele leere Blätter, die von ihm oder dem Secretarius Geist qua Diktat beschrieben werden wollen. Was Goethe in dieser Situation gar nicht gebrauchen kann: Zum einen, einen Auftrag des Weimarer Herzogs Carl August (mein bescheidener Vorschlag: Ein Trinkspiel jedes Mal wenn das lustige Wort “Serenissimus” im Text vorkommt) für ein Festgedicht anlässlich des baldigen Geburtstags seiner Gemahlin. Zum anderen, einen sehr selbstbewussten und redegewandten Schwager namens Christian August Vulpius, seines Zeichens schlecht bezahlter Bibliotheksregistrator und Schriftsteller von Trivialliteratur, aus dem die Einfälle und Ideen für seine in Goethes Augen minderwertigen Bücher nur so fließen. Als eine Person, die Neuere deutsche Literatur im Hauptfach studiert, sich viel mit der Weimarer Klassik auseinandergesetzt hat und schon öfters im wunderschönen Weimar war, habe ich schon einen gewissen Wissensvorsprung gehabt, vor allem was Goethes Lebenssituation angeht. Mir war z.B. bewusst, dass Goethe einen Schwager hatte, der Trivialliteratur verfasste und dass er nur einen überlebenden Sohn hatte. Auch der “Rinaldini” verstaubt in der zweiten Reihe in einem meiner Klassiker-Regale. Aber auch wenn man all diese Vorabinformationen nicht hat, kann man wunderbar eintauchen in dieses Buch, denn alles, was man zum Verständnis wissen muss, wird einem erklärt - ob man “weimaraffin” ist oder auch nicht. Die Figurenzeichnung in diesem Buch ist einfach hilarious - mir fällt kein passendes deutsches Wort ein, vielleicht ist Goethes Wortschöpfungskrise auf mich übergesprungen - und könnte nicht mehr auf den Punkt sein in einer Fiktion, die sich in die Realhistorie eingenistet hat. Nach der Lektüre will man einfach, dass es genau so gewesen ist und dass Goethe, Christiane und Christian August Vulpius sowie der “Serenissimus” Carl August genau so gesprochen und agiert haben wie in diesem Roman. Der Humor des Autors ist genau meiner, subtil und britisch und immer auf den Punkt. Ich habe die Lektüre einfach genossen, anders kann ich es nicht sagen. Schwere Themen werden gekonnt umschifft oder so verpackt, dass sie ihre Schwere verlieren. Ein wunderbar unterhaltsames Buch, nicht nur aber natürlich auch besonders für “Goethezeitliebhaber:innen”. Die einzige Sache, die man an diesem Romam kritisieren darf und muss ist die Tatsache, dass er viel zu schnell vorbei ist. Nein, das darf nicht sein. Ich wünsche mir bitte eine oder mehrere Fortsetzungen mit anderen Situationen in Goethes Leben aus Ihrer Feder, Herr Lewsinky. Oder vielleicht mit Schiller als Hauptfigur, ich kann den Odeur der verfaulten Äpfel förmlich riechen. Wenn Sie das lesen, setzen Sie sich also bitte ins Gartenhaus und schreiben drauflos bzw. einfach weiter, in bester Vulpius’scher Manier: Nicht dichten, sondern schreiben - hoc est motto. 

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Origineller Plot über das Genie Goethe. Gefällige Sprache und gut recherchiert.

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Lustig und kurzweilig

Endlich mal wieder ein kurzweiliges Buch über Goethe, wenn auch erfunden. Habe mich sehr gut unterhalten gefühlt! Klare Empfehlung!

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Charles Lewinsky holt das Denkmal Goethe vom Sockel. Der große Dichterfürst mit all seiner Selbstherrlichkeit hat auf einmal eine Schreibblockade und quält damit zu aller erst sich, aber auch sein Umfeld, das vor allem dazu da ist, ihn bei Laune zu halten. Ganz witzig.

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