Open, Heaven
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Description
"[Open, Heaven] is a searching novel orbiting pleasure, loss, and the ecstatic release of both; which is to say it’s a novel about time. Which is to say it’s a novel about us." —Kaveh Akbar, author of Martyr!
Set in a remote village in the north of England, Open, Heaven unfolds over the course of one year in which two teenage boys meet and transform each other’s lives.
James—a sheltered, shy sixteen-year-old—is alone in his newly discovered sexuality, full of an unruly desire but entirely inexperienced. As he is beginning to understand himself and his longings, he also realizes how his feelings threaten to separate him from his family and the rural community he has grown up in. He dreams of another life, fantasizing about what lies beyond the village’s leaf-ribboned boundaries, beyond his reach: autonomy, tenderness, sex. Then, in the autumn of 2002, he meets Luke, a slightly older boy, handsome, unkempt, who comes with a reputation for danger. Abandoned by his parents—his father imprisoned, and his mother having moved to France for another man—Luke has been sent to live with his aunt and uncle on their farm just outside the village. James is immediately drawn to him "like the pull a fire makes on the air, dragging things into it and blazing them into its hot, white centre," drawn to this boy who is beautiful and impulsive, charismatic, troubled. But underneath Luke’s bravado is a deep wound—a longing for the love of his father and for the stability of family life.
Open, Heaven is a novel about desire, yearning, and the terror of first love. With the striking economy and lyricism that animate his work as a poet, Hewitt has written a mesmerizing hymn to boyhood, sensuality, and love in all its forms. A truly exceptional debut.
Book Information
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Kennst du das?
Eine Geschichte gelangt zu dir, die dich fasziniert, interessiert beginnst du, dich ihr zu widmen. Schon bei den ersten Worten nimmt dich die Sprache komplett ein, du bewunderst die Vielschichtigkeit, das Schöpfen aus einem reichen Wortschatz. Vor allem aber erreicht dich die Thematik und sie scheint dich ganz persönlich ansprechen zu wollen und in dir wächst die Gewissheit: «Das kenne ich doch!». James holt dich ab und berichtet über das Erwachen seiner Liebessehnsucht und Sexualität, die eine gleichgeschlechtliche Ausrichtung hat. Er nimmt dich mit in seine Selbstfindung, sein Erwachen durchzogen mit unerfüllten Wünschen, Konflikten mit der Aussenwelt, Ausgrenzung und Unverständnis aber auch Unterstützung, Zuneigung und Freundschaft. Er beschreibt sehr klar und direkt, aber erreicht durch die zum grossen Teil angewandte poetische Sprache auch eine Verspieltheit, die die Nähe zu ihm noch natürlicher macht. Du vertraust dich seiner Führung an, bist gern mit ihm zusammen. Es kommt dir auch zugute, dass die Geschichte deine eigene sein könnte, zumindest ähnelt sie der deinen in so vielen Bereichen bis hin zu den feinen Nuancen. Aber der Erzähler vermag es viel besser, all die Irrungen und Wirrungen eines jungen Menschen in so treffende Worte zu kleiden, als du es vielleicht je könntest. Bisher haben dir die stimmigen Worte für deine eigene Geschichte gefehlt. Hier schafft es jemand und befreit sogleich ganz viel Erinnerungen wieder in dir, verwebt sie kunstvoll und schafft als Beispiel so einen neuen, wohltuenden Zugang zu dem, was zuvor vielleicht schwierig zu erreichen war., Da ist plötzlich so viel Dankbarkeit. Du möchtest weiter mit James zusammen sein, ihm weiter zuhören. Aber jedes Buch muss irgendwann enden. Du beginnst es gleich wieder von neuem. Kennst du das?
Öffnet sich der Himmel = Das Innenleben des James
So könnte der Buchtitel auch lauten. 😅 Zuletzt war ich von den Romanen, mit queeren Figuren eher enttäuscht, da es wohl immer so zu sein scheint, dass die Figur besonders leiden muss, in besonders schlimmen Verhältnissen lebt oder ähnliches. Ich hab genug von Leid und Qual Daher bin ich schon recht pessimistisch an das Buch ran gegangen und habe das übliche Drama erwartet. Doch weit gefehlt 😍 Es dreht sich in dieser Erzählung einzig um das Innenleben von James. Wie er die Welt wahrnimmt, wie er sich fühlt, wie zerrissen er oftmals ist, unsicher, voller Verlangen und Begierden. Sehnsucht. Und Liebe. Als er dann Luke kennenlernt, möchte man meinen nun beginnt das typische Standard Drama. Aber auch hier Fehlanzeige. Weiter geht es nur darum wie unsicher James sich fühlt, wie sehr es ihn nach Luke verlangt. Oder ist es doch nur Einbildung? Für mich eines der stärksten Bücher seit langem, in dem es der Autor hervorragend schafft, dieses komplexe und vielschichtige Innenleben einer Figur in Worte zu kleiden. Und diese Worte sind auch noch ganz großartig gewählt. Eine intime, zarte, überaus wortgewandte und schön geschriebene Geschichte, von der ich jede Seite, jede Zeile zu lesen mehr als genossen habe. Was ein Juwel
Seán Hewitt zeigt uns mit seinem Debüt, dass unsere Gedanken unstillbar sind.
„Und da war er, in seiner ganzen Unwahrscheinlichkeit, offenbar nicht ahnend, welche Macht er über mich hatte, derjenige, der mich umgestalten konnte, der eine herrliche, unmögliche Liebesgeschichte über mein Dasein schreiben würde.“ Mit diesen Worten offenbart uns James sein tiefstes Inneres, zart und unberührt - und so sollte man sich Seán Hewitts Debüt vermutlich auch annähern. Jede Zeile birgt ein kleines Kunstwerk für sich, das erkundet werden möchte. Der Roman erzählt uns zaghaft von den Sehnsüchten eines jungen Menschen, der auf der Suche nach sich selbst zu sein scheint. Dabei handelt es sich weniger um eine klassische Liebesgeschichte, sondern viel mehr um die bloße Vorstellung von Liebe. Hewitt verzaubert uns ganz besonders mit seinem poetischen Schreibstil. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, im diesigen, verschlafenen England zu sitzen - mit dicken Wollsocken an den Füßen und einem warmen Tee in der Hand. Atmosphärisch wirklich schön gelungen, vor allem für die kommende Winterzeit. "Öffnet sich der Himmel" ist ein Roman, der als ästhetische Gesamtkomposition betrachtet werden sollte - und für all diejenigen geeignet, die danach suchen. (Rezensionsexemplar)
Wenn man richtig verliebt ist, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, dann gibt es wohl kaum eine schlimmere Erkenntnis, einen größeren Schlag in das rosarote Brille tragende Gesicht, als den Satz: “Er/Sie/They steht einfach nicht auf dich.” Ich bin sicher, die allermeisten von uns haben ihn schon als perfide, vernichtende Stimme der Vernuft im sich grundlose Hoffnungen machenden, verknallten Hinterkopf gehört. Fast noch schlimmer ist es, wenn man einseitige, unglückliche Verliebtheit bei anderen beobachtet und zusehen muss, wie sie in ihr eigenes Elend rennen. Wenn sich diese einseitige Liebe in der Literatur zuträgt, dann befinden wir uns in der Rolle des Voyeurs, aber auch des verschämten Freundes - denn unglückliche Verliebtheit hat auch etwas schamvolles, unangenehmes an sich. James, der sechzehnjährige Protagonist von “Öffnet sich der Himmel”, ist so ein unglücklich verliebtes Wesen, das man einfach nur in den Arm nehmen und vor der Welt beschützen möchte. Wir als Lesende lieben mit ihm den schönen, ein Jahr älteren Luke, der wegen seiner schwierigen Familienverhältnisse eine Zeit lang in James’ irischem Dorf Thornmere, bei dessen Onkel und Tante lebt. Wir interpretieren mit James die sanften Zeichen, die auf eine Gegenseitigkeit der Gefühle hindeuten könnte. Wir hoffen, wo es keine Hoffnung gibt, denn wir wissen von Anfang an: Luke wird James nicht zurücklieben und James wird ihm trotzdem ein Leben lang hinterhertrauern. Schon vom ersten Satz an, hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Die Geschichte, die sich hier vor uns auffächert, ist auf die schönstmögliche Art und Weise erzählt worden, wie man Geschichten erzählen kann: blumig, bildreich, sanft, melancholisch, einfühlsam und gelegentlich sogar witzig. Seán Hewitt ist eigentlich Dichter und diese seine genuine Kunstform merkt man seinem ersten Roman auch an: hier wird im wahrsten Sinne des Wortes mit Worten gemalt. Dieser Roman hat mich wirklich sehr berührt und gefesselt und deshalb führt das, was ich jetzt sage, auch zu keinerlei Punktabzug und soll nicht als Kritik betrachtet werden. Aber ein Teil von mir möchte mehr wissen. Die Andeutungen, die James als Erwachsener aus der Retrospektive macht, lassen viele Fragen offen. Was ist aus James’ Eltern und seinem Bruder Eddie sowie dessen Krankheit geworden? Wie hat er seinen Mann kennengelernt, was war er für ein Typ und ist die Beziehung zu ihm wirklich wegen Luke auseinandergegangen? Tell me more! Und natürlich die brennendste Frage von allen: Hatten er und Luke danach keinen Kontakt mehr? Hat er von seinem Onkel und seiner Tante keine Infos über ihn erhalten können? Irgendwie macht es aber auch Sinn, dass dieser wundervolle Roman seine Lesenden in einem Zustand der Ungewissheit zurücklässt und sich so von ihnen verabschiedet wie Luke in der Morgendämmerung von James an der Türschwelle. Das Verlangen bleibt und wird niemals vergehen. Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Kleiner.

„Wenn ich jemals leben wollte, musste ich mutig sein. Vielleicht musste ich sogar brutal sein.“
Öffnet sich der Himmel ist ein sehr poetisches und sprachgewaltiges Buch, In vier großen Kapiteln die nach Jahreszeiten benannt sind, erfährt der Lesende von dem Ich-Erzähler aus dem Jahr, in dem Luke und James sich kennenlernen. Eine Freundschaft, die für James mehr als das sein soll, beginnt zärtlich zu erblühen. Die Sprache des Autors ist dabei sehr naturverbunden und bildlich ausgeprägt. So nutzt er Beschreibungen der Natur, um das Gefühlsleben von James in einer magischen Bildsprache zu übermitteln. Es ist ein Buch voller Magie und Sehnsucht und eine 100%ige Leseempfehlung!

„Öffnet sich der Himmel“ ist eher ein ruhiges, leises Buch, aber genau das hat mir richtig gut gefallen. Die Geschichte nimmt sich Zeit und lebt viel von der Atmosphäre und den Gefühlen zwischen den Figuren. Der Schreibstil ist wunderschön und teilweise fast poetisch, ohne dabei schwer zu wirken. Mich hat besonders berührt, wie sensibel das Thema Erwachsenwerden, Erinnerungen und erste Gefühle erzählt wird. Das Buch hat viele stille Momente, die trotzdem viel auslösen. Man merkt einfach, dass hier jemand mit viel Feingefühl schreibt. Es ist kein lauter Roman mit viel Action, sondern eher einer, der langsam wirkt und noch eine Weile nachhallt. Mir hat diese ruhige, melancholische Stimmung richtig gut gefallen.
»Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, war es, als wäre über meinem Leben die Sonne aufgegangen.« (15) 💘 Das, was Seán Hewitt in »ÖFFNET SICH DER HIMMEL« (engl. OPEN, HEAVEN; Ü: Stephan Kleiner) schreibt, ist große Erzählkunst. 💚 Die Sätze sind poetisch, intensiv, so authentisch und gefühlvoll, sie gehen direkt ins Herz. Gemeinsam mit seinem Protagonisten James gehen wir nach dessen gescheiterter Ehe zurück in der Erinnerung, in seine Jungendzeit. »RÜCKWÄRTS LÄUFT DIE ZEIT SCHNELLER.« (11) Der Autor setzt da an, wo andere queere Romane enden: Nach dem Coming-out des schwulen James. Wie geht mensch mit all den überbrodelnden Gefühlen, Sehnsüchten, Abweisungen und Begierden um? Genau davon erzählt Séan in seinem Roman, der in den 1990er Jahren im fiktiven nordenglischen Thornmere spielt. Er erzählt von Zurückweisung, Ausgrenzung, Mobbing, Wünschen, und wie das Leben trotz allem weitergeht: James lernt Luke kennen, und findet in ihm nicht nur einen besten Freund … Séan erzählt so eindrücklich und flirrend von dieser EINEN Liebe, die uns nie ganz loslässt und bis heute prägt: »Er war nie fortgegangen oder besser gesagt, ich hatte ihn nie losgelassen. Er hatte in meinem Leben über sich hinausgewiesen und war zur Blaupause all meiner nachfolgenden Sehnsüchte geworden.« (14) 💔🥵 Ein Roman, den ich nicht mehr aus der Hand legen wollte, und der mich sehr berührt hat. Ein großartiges Romandebüt und ich hoffe sehr, dass wir noch viel mehr von Seán Hewitt lesen werden. ❤️🔥 Ganz große Herzensempfehlung ♥

„Was ich sagen wollte, war: Berühr mich, leg einfach nur die Hand auf meinen Schenkel, lehn dein Gesicht an die Haut meines Halses, lass mich deinen Atem spüren. Ich wollte sagen, dass ich sein würde, wer er wollte, dass ich jede Maske tragen würde, die er mir gab, dass ich jemand anderes für ihn sein würde und dass ich es niemandem erzählen würde, dass es mir nichts ausmachte, mich aufzugeben, wenn es bedeutete, dass er mich nehmen würde, dass ich wusste, wir könnten nur so weitermachen, wenn ich wäre, was auch immer er wollte, und er es nur sagen brauchte. Wenn ich nur eine Stunde auf diese Weise verbringen könnte, seine Wärme spüren, mich ausliefern, mich hingeben, und sei es nur für eine Stunde, mich ihm aushändigen, ihn mich aus meinen Händen nehmen lassen, von ihm gewollt werden, und sei es nur für eine Stunde; dann hätte ich nur einen Augenblick lang keine Angst, denn ich wüsste, ich war bereits verloren, und in diesem Verlust würde ich empfinden, dass ich alles gewonnen hatte, was ich je hätte wollen können. Aber stattdessen sagte ich nichts und lag nur da…“ (S. 251) James lebt mit seinen Eltern und dem jüngeren, schwer kranken Bruder in einem kleinen Ort in England. Die Familie ist arm. So arm, dass James morgens vor der Schule Milch ausfahren muss, um das Geld für sein Schulessen zu verdienen. Vor einiger Zeit hat er sich als schwul geoutet. Seitdem ist er oft einsam und wünscht sich weit weg. Eines Morgens lernt er auf der Milchrunde Luke kennen und verliebt sich unsterblich in den älteren Jungen. Das Buch ist sicher nicht schlecht. Aber es war leider nichts für mich. Als jemand mit sehr schmerzvollen Erfahrungen mit einseitiger, unerfüllter Liebe vermag ich deren Romantisierung nichts abzugewinnen. Deshalb konnte ich zwar mit James fühlen, aber irgendwie doch nicht so richtig eine Bindung aufbauen. Und alle anderen Charaktere, allen voran Luke, blieben mir am Ende etwas zu blaß. Hinzu kam noch das sehr langsame Erzähltempo, das aber sicherlich kein Thema gewesen wäre, wenn ich mich nicht ohnehin ein bisschen durch das Buch hätte quälen müssen.
Ein stilles, aber kraftvolles Werk.
Seán Hewitts „Öffnet sich der Himmel“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Verlust und Hoffnung bewegt. In zarten, fast träumerischen Bildern schildert Hewitt das Ringen mit Liebe, Trauer und Selbstfindung. Die Handlung entfaltet sich behutsam – weniger als lineare Erzählung, mehr als eine poetische Annäherung an das, was es heißt, Mensch zu sein. 💭 Das Buch ist mit einer verletzlichen Sanftheit gezeichnet. Hewitt gelingt es, die feinen Nuancen von Schmerz und Sehnsucht so einzufangen, dass sie sich unmittelbar ins Herz des Lesenden schreiben. 💞 Seine Sprache besitzt eine starke Sogkraft: ruhig, rhythmisch, beinahe meditativ. Gerade diese atmosphärische Dichte macht den Roman so unwiderstehlich – man wird nicht nur hineingezogen, sondern auch in ihm gehalten. ✨ „Öffnet sich der Himmel“ entfaltet sich wie ein leises, poetisches Flüstern, das lange nachklingt. Es ist ein stilles, aber kraftvolles Werk, das mit Empfindsamkeit und sprachlicher Präzision berührt. 💫
Zwischen Dorfflucht und Sehnsucht nach Liebe
Ein Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte sie im nächsten Moment verwehen – und doch bleibt sie wie ein Nachhall im Herzen bestehen. Der Herbst 2002 im verschlafenen Thornmere wird nicht nur Kulisse, sondern eine Art Resonanzraum für all das, was es bedeutet, jung zu sein und ausbrechen zu wollen. Die Enge des Dorflebens, das bedrückende Gewicht familiärer Verantwortung und die ständige Angst, anders zu sein, legen sich wie Nebel über die Seiten. Dann tritt Luke auf. Mit ihm zieht eine ungezähmte Kraft in James’ Welt ein – Verheißung und Gefahr zugleich. Zwischen den beiden entspinnt sich etwas, das mehr ist als erste Verliebtheit. Es ist ein Aufeinanderprallen von Sehnsucht, Angst, Hingabe und der quälenden Frage, was man bereit ist zu riskieren, um ein Stück von diesem wilden, ungestümen Leben zu spüren. Seán Hewitt gelingt es, das Taumeln zwischen Zärtlichkeit und Schmerz in eine Sprache zu fassen, die poetisch schillert und doch nie den Blick für das Dunkle verliert. Immer wieder blitzen Bilder auf, die wie kleine Gedichte wirken, und machen deutlich, dass dieser Roman ebenso sehr ein lyrisches Werk wie eine Erzählung ist. Nicht jede Passage trägt gleich stark, manchmal verliert sich die Handlung in langen poetischen Strömungen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz: Dieser Roman ist weniger eine Geschichte, die man einfach liest, als ein Empfinden, das man durchlebt. Mit 4,5 Sternen bleibt am Ende ein Buch, das nachklingt, lange nachdem die letzte Seite geschlossen ist – eine Hymne an das Risiko, die Verletzlichkeit und die Schönheit der ersten Liebe.

Buchrezension zu „Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt: In den letzten Tagen habe ich „Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt gelesen. Ein Buch, das mich vor allem durch seine Sprache begleitet hat, weniger durch eine klare Handlung. Beim Lesen fiel mir schnell die sprachliche Schönheit des Textes auf. Die Sprache ist fein, poetisch und sehr aufmerksam gegenüber inneren Zuständen. Viele Passagen wirken nach und bleiben hängen, gerade in ihrer Zartheit. Gleichzeitig viel mir auf, dass sich der Roman für mich stellenweise sehr stark in der Gedankenwelt der Hauptfigur verdichtet. Die innere Bewegung nimmt viel Raum ein, manchmal so viel, dass mir etwas Abstand oder äußere Handlung fehlte. Das ist weniger Kritik als eine Beobachtung meines eigenen Leseerlebens. Trotzdem bleibt das Buch für mich ein sehr gelungener Coming-of-Age-Roman. Die Unsicherheiten, Sehnsüchte und das tastende Suchen nach Nähe und Zugehörigkeit wirken ehrlich und glaubwürdig. Gerade in seiner leisen Art erzählt der Text viel über das Erwachsenwerden, ohne es erklären zu wollen. Ein Buch, das weniger durch Handlung trägt als durch Stimmung und Sprache und genau darin seine Stärke findet.

Zwischen Dorfflucht und Sehnsucht nach Liebe
Ein Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte sie im nächsten Moment verwehen – und doch bleibt sie wie ein Nachhall im Herzen bestehen. Der Herbst 2002 im verschlafenen Thornmere wird nicht nur Kulisse, sondern eine Art Resonanzraum für all das, was es bedeutet, jung zu sein und ausbrechen zu wollen. Die Enge des Dorflebens, das bedrückende Gewicht familiärer Verantwortung und die ständige Angst, anders zu sein, legen sich wie Nebel über die Seiten. Dann tritt Luke auf. Mit ihm zieht eine ungezähmte Kraft in James’ Welt ein – Verheißung und Gefahr zugleich. Zwischen den beiden entspinnt sich etwas, das mehr ist als erste Verliebtheit. Es ist ein Aufeinanderprallen von Sehnsucht, Angst, Hingabe und der quälenden Frage, was man bereit ist zu riskieren, um ein Stück von diesem wilden, ungestümen Leben zu spüren. Seán Hewitt gelingt es, das Taumeln zwischen Zärtlichkeit und Schmerz in eine Sprache zu fassen, die poetisch schillert und doch nie den Blick für das Dunkle verliert. Immer wieder blitzen Bilder auf, die wie kleine Gedichte wirken, und machen deutlich, dass dieser Roman ebenso sehr ein lyrisches Werk wie eine Erzählung ist. Nicht jede Passage trägt gleich stark, manchmal verliert sich die Handlung in langen poetischen Strömungen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz: Dieser Roman ist weniger eine Geschichte, die man einfach liest, als ein Empfinden, das man durchlebt. Mit 4,5 Sternen bleibt am Ende ein Buch, das nachklingt, lange nachdem die letzte Seite geschlossen ist – eine Hymne an das Risiko, die Verletzlichkeit und die Schönheit der ersten Liebe.

Ich machs kurz und schmerzlos — dieser Roman was not it (für mich). Ich wollte ein Buch, das für richtig Herzschmerz sorgt und ich war wirklich bereit, Tränen zu vergießen, aber leider war mein dominierendes Gefühl (vor allem gegen Ende hin) leider eher Wut und Unverständnis gegenüber dem Protagonisten. In »Öffnet sich der Himmel« begleiten wir James, einen Jugendlichen aus dem kleinen Örtchen Thornmere in England, der sich in Luke verliebt. Er verliebt sich unsterblich und auf den ersten Blick. Und obwohl ich verstehen kann, dass Crushes im Teenageralter manchmal so funktionieren, sie nicht zwingend Sinn machen müssen und auch nicht unbedingt etwas deeperes dahinter sein muss, war das Ausmaß in diesem Fall für mich einfach nicht nachvollziehbar. !!! Kleiner Spoiler !!! Die beiden freunden sich zwar an, für Luke war die Beziehung aber rein platonisch und nach ungefähr einem Jahr war der Kontakt auch schon wieder vorbei. Dass James also selbst nach 20 Jahren und einer (wegen seiner Gefühle zu Luke gescheiterten) Ehe nicht über diesen Crush hinweg ist, war für mich als Leserin einfach unverständlich. Ich konnte bis zum Ende nicht greifen, worauf diese „Liebe“ gründet. Was man dem Roman zugutehalten muss, ist, dass der Autor es schafft, James‘ Sehnsucht und Verlangen nach Luke in jeder Zeile zu transportieren. (Wie gesagt, verstanden, woher das kam hab ich zwar nicht, aber well.) Sprachlich ist der Roman wirklich wunderschön und ich bin etwas traurig, dass der Inhalt da so gar nicht mithalten konnte.
James entscheidet sich dazu, nach Jahren wieder in seine Heimatstadt zu gehen, um sich dort ein zum Verkauf stehendes Haus zu besichtigen, das voller Erinnerungen für ihn ist. Zurück im Jahr 2002 fühlt sich der 16-jährige James eingeengt, denn alles bleibt im nordenglischen Dorf “Thornmere” beim Gleichen. Zudem fühlt er sich zunehmend einsam, da er seit seinem Coming-out von seinen Mitschülern ausgegrenzt wird. Dann trifft er im Sommer das erste Mal auf Luke, der auf das Land zur Disziplinierung geschickt wurde. James fühlt sich von dem Jungen angezogen, der absolut nicht gehorsam und scheinbar anders ist. Mit der Zeit fragt er sich immer häufiger, ob eine Liebe zwischen den beiden entstehen kann.
Erst einmal zum Positiven: Das Leben in Thornmere konnte ich mir dank der vielen Beschreibungen des Ortes gut vorstellen. Das war es aber auch schon mit den positiven Aspekten. Wenn ich vollkommen bin, hat das Buch wie eine schlechte Kopie von “Call me by your name” auf mich gewirkt. Der Roman hatte so gut wie keine Handlung, und es ist keines der Bücher, die von der Atmosphäre leben. Die Gefühle von James konnte ich an vielen Stellen nicht nachvollziehen, so auch nicht, warum er sich in Luke verliebt hat. James sagt, er sei “anders” und beachtet ihn, aber dass er nur deshalb eine regelrechte Obsession auf ihn entwickelt, finde ich weit hergeholt. Auch in anderen Situationen wird mir die Landschaft zu viel und die Gefühle zu wenig beschrieben. Zudem ist der Roman an bestimmten Stellen absolut unnachvollziehbar. Dass ein Mann sich ab und zu an die erste Jugendliebe erinnert, ist ja vollkommen in Ordnung. Aber dass dieser seinen Ehepartner verlässt, weil er immer nur an diese unerwiderte Liebe denken muss, ist aus meiner Sicht zu irrational. Als einen weiteren Aspekt möchte ich ansprechen, dass ich nicht nachvollziehen kann, warum Jugendliebe so extrem romantisiert ist. Natürlich ist die erste Liebe im Leben etwas besonderes. Jedoch kann ich Romane nicht nachvollziehen, die die erste kurze Liebe, oder sogar nur das erste Verlangen nach jemanden, so darstellen, dass diese eine jahrelange Ehe bzw. Partnerschaft zerstört. Wenn es, wie hier, keine gute Begründung dafür gibt, finde ich das Buch leider immer extrem unnachvollziehbar. Fazit: Insgesamt konnte mich der Roman leider absolut nicht überzeugen. Während das Dorfleben durch die Beschreibungen gut vorstellbar ist, versagt der Roman leider in vielen anderen Ansichten. Die Handlung steht so gut wie still, die Gefühle von James sind nicht nachvollziehbar und generell werden zu wenig Gefühle beschrieben, absolut irrationale Handlungen an bestimmten Stellen und zu guter Letzt die Romantisierung von Jugendliebe. Das sind alles Aspekte, die ich an dem Buch nicht mochte. Leider kann ich somit das Buch nicht weiterempfehlen.
Die wunderschöne Sprache hat mich auf Anhieb in ihren Bann gezogen und Seán Hewitt hat für mich einen genauso wundervollen Erzählstil wie Ocean Vuong und Douglas Stuart. James' Geschichte ist melancholisch, berührend und gefüllt mit seinen tiefen Emotionen. Nach seinem Coming Out fühlt er sich von der Gemeinschaft des Dorfes und seiner eigenen Familie entrückt und auf gewisse Art ausgeschlossen - zumal es ihm selbst schwerfällt zu greifen wer genau er eigentlich ist. Und dann ist da Luke, ein neuer Junge, der vorübergehend im Dorf lebt. Auf gewisse Weise ein weiterer Außenseiter - und James ist sofort in seinen Bann gezogen. Seine aufkeimende Liebe zu Luke hat schon eine fast manische bis obsessive Seite und geht dermaßen tief, dass sie ihn und seine Beziehungen nachhaltig geprägt hat. Ich fand diese Darstellung von James erster großen Liebe sehr berührend und habe mich ihm sehr nahe gefühlt.
The yearninggggg
Dieses Buch hat etwas so ehrliches, sehnsuchtsvolles, das einen richtig mitnimmt. Was mich ehrlich gesagt etwas gestört hat, war der Schreibstil in mancher Hinsicht, insbesondere beim Beschreiben von Handlungen oder der Umgebung. Es ist vermutlich auch das, was mich bei Young Mungo von Douglas Stuart gestört hat - auch wenn der (meiner Meinung nach ähnliche) Schreibstil der beiden Autoren sicherlich zu dieser Ehrlichkeit beiträgt.
Liebe oder Obsession?
📝 Inhalt / Klappentext in eigenen Worten Seán Hewítts Buch „Öffnet sich der Himmel“ dreht sich rund um den Protagonisten James, welcher eher in einfachen Verhältnissen aufwächst und bereits früh bemerkt, dass er anders ist, als die anderen Jungs in seiner Klasse, die sich langsam für Mädchen zu interessieren beginnen. Als alle erfahren, dass James schwul ist, erfährt er Ausgrenzung und sehnt sich seitdem nach Akzeptanz und zwischenmenschlicher Verbindung. Bis eines Tages Luke in James Leben tritt und einen schier unkontrollierbaren Stein in James zum Rollen bringt. 🎭 Figuren / Charaktere James fand ich als Protagonisten sehr interessant. Es gab Momente, wo ich mich sehr mit ihm identifizieren konnte, aber leider auch sehr viele Momente, die ich wirklich problematisch fand. Unser Protagonist ist nicht nur beinahe blind vor Liebe, sondern viel mehr obsessiv gegenüber Luke. Getarnt wird dies unter dem Deckmantel der „ersten großen Liebe in der Jugend“, wobei nie wirklich aufgearbeitet wird, wie problematisch James' Verhalten doch tatsächlich ist. Leider konnte ich bei James auch keinerlei Entwicklung sehen, außer vielleicht zum Negativen. Denn gegen Ende des Buchs, erleben wir einen Zeitsprung in die Gegenwart, in der James geschieden ist und seine Ehe scheinbar (auch) daran gescheitert ist, dass er noch immer Luke hinterhertrauert. Wie gesagt, finde ich dieses Verhalten sehr bedenklich und ich frage mich, ob James nicht bemerkt, dass Luke vielleicht kein Interesse an ihm hat, wenn sich dieser auch nach 20 Jahren nicht um Kontakt bemüht hat. Aber vermutlich geht James‘ „Verliebtheit“, wie gesagt, darüber hinaus, und ist vielmehr schon Fanatismus. Luke blieb für mich leider gänzlich blass. Ich weiß auch nach Lesen des Buchs praktisch nichts über ihn, außer dass er aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt und wie er in etwa aussieht. Ich hätte tatsächlich gern mehr über ihn erfahren und warum er oft so agiert wie er es tut. James‘ Bruder Eddie blieb ebenfalls sehr blass als Charakter. Seine „Anfälle“ wurden immer mal wieder über die Geschichte gestreut, aber was es nun tatsächlich mit seiner Krankheit auf sich hat, erfährt man als Leser leider nicht. Die Szene mit den Vergissmeinnicht fand ich dennoch sehr berührend. Schade, dass man nicht mehr über ihn erfahren hat. 🌍 Setting & Atmosphäre Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, wobei wir fast hauptsächlich die Geschichte aus der Vergangenheitsperspektive lesen. Die Stimmung im Buch ist fast durchgehend „bittersüß“. Einerseits freut man sich als Leser, dass James in Luke einen Freund gefunden hat und einen unvergesslichen Sommer erlebt. Andererseits ist da jedoch immer James‘ Besessenheit von Luke, die all die schönen Momente überschattet. ✍️ Schreibstil Der Schreibstil von Seán Hewítt ist sehr poetisch und blumig. Zu Beginn des Buchs fand ich es etwas mühsam, jedoch findet man schnell in die Geschichte hinein und bald schon empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm und irgendwie besonders. Man merkt sofort: Dieser Autor kann schreiben! So schön ich den Schreibstil fand, so enttäuscht war ich leider letztendlich vom Inhalt. Ich musste unwillkürlich an den Satz „viel geredet, aber nichts gesagt“ denken. Ganz so drastisch würde ich das Buch nicht beschreiben, aber ich hatte an den Inhalt einfach deutlich höhere Erwartungen nach Lesen des Klappentextes. 💭 Gedanken & Eindrücke Das Buch hat mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Einerseits hatte ich immer wieder Mitleid mit James, da er sich so sehr nach zwischenmenschlicher Verbundenheit sehnte und nach der Berührung anderer. So sehr, dass er sogar den Gedanken hatte, sich von einem Obdachlosen missbrauchen zu lassen, da dieser vielleicht darüber hinwegsehen konnte, dass er kein Mädchen war. Diese Szene fand ich so herzzerreißend und hat noch lange in mir nachgeklungen. Andererseits ist da diese obsessive Seite in James die sich so sehr auf Luke fixierte, selbst Jahrzehnte später. Ich fand es teilweise wirklich erschreckend und fast schon beängstigend zu sehen, wie dieser Fanatismus immer weiterwuchs. Ehrlich gesagt hatte ich mir am Ende des Buchs eine Art Höhepunkt, einen Knall, der das ganze Kartenhaus zum Einsturz bringt, gewünscht. Jener der James vielleicht auf den Boden der Tatsachen zurück bringt. 🏁 Fazit Mir hat das Buch an sich recht gut gefallen, allerdings habe ich einige Kritikpunkte. Meiner Meinung nach wird der Inhalt des Buchs dem Klappentext nicht gerecht. Auch finden meiner Ansicht nach zu viele Nebenhandlungen statt, die aber irgendwie ins Leere führen und wie begonnen, aber nicht zu Ende gedacht wirken. Beispielsweise die Geschichte mit James‘ Bruder Eddie, der merkwürdige fast schon gruselige Anruf als James allein Zuhause ist, der Mann im Auto der mit wutverzerrten Gesicht auf James zurast, der Grund für die gemeinsame Flucht und wie lange die beiden weg waren, usw. Letztendlich blieben hier für mich einfach zu viele Fragen offen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen sprachgewaltigen Roman mit ernsten Themen in einem bittersüßen Setting. Aufgrund der oben genannten Punkte vergebe ich 3/5 Sternen.
„Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt erzählt die Geschichte von James, einem Jungen aus der englischen Arbeiterklasse, der sich in einen anderen Jungen verliebt. Das Buch hat mich an „Call Me by Your Name“ erinnert – aber weniger Italien-Sommer, mehr nordenglisches Dorf, weniger Glamour, mehr Alltag. Die Sprache ist ruhig, klar und gleichzeitig sehr fein beobachtend. Besonders mochte ich, wie ehrlich und zart Hewitt die Gefühle eines schwulen Heranwachsenden zeigt: Unsicherheit, Sehnsucht, erste Liebe, ohne großes Drama, eher leise und nah dran. Für mich ein stilles, sehr berührendes Coming-of-Age, das lange nachklingt.
Description
"[Open, Heaven] is a searching novel orbiting pleasure, loss, and the ecstatic release of both; which is to say it’s a novel about time. Which is to say it’s a novel about us." —Kaveh Akbar, author of Martyr!
Set in a remote village in the north of England, Open, Heaven unfolds over the course of one year in which two teenage boys meet and transform each other’s lives.
James—a sheltered, shy sixteen-year-old—is alone in his newly discovered sexuality, full of an unruly desire but entirely inexperienced. As he is beginning to understand himself and his longings, he also realizes how his feelings threaten to separate him from his family and the rural community he has grown up in. He dreams of another life, fantasizing about what lies beyond the village’s leaf-ribboned boundaries, beyond his reach: autonomy, tenderness, sex. Then, in the autumn of 2002, he meets Luke, a slightly older boy, handsome, unkempt, who comes with a reputation for danger. Abandoned by his parents—his father imprisoned, and his mother having moved to France for another man—Luke has been sent to live with his aunt and uncle on their farm just outside the village. James is immediately drawn to him "like the pull a fire makes on the air, dragging things into it and blazing them into its hot, white centre," drawn to this boy who is beautiful and impulsive, charismatic, troubled. But underneath Luke’s bravado is a deep wound—a longing for the love of his father and for the stability of family life.
Open, Heaven is a novel about desire, yearning, and the terror of first love. With the striking economy and lyricism that animate his work as a poet, Hewitt has written a mesmerizing hymn to boyhood, sensuality, and love in all its forms. A truly exceptional debut.
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Kennst du das?
Eine Geschichte gelangt zu dir, die dich fasziniert, interessiert beginnst du, dich ihr zu widmen. Schon bei den ersten Worten nimmt dich die Sprache komplett ein, du bewunderst die Vielschichtigkeit, das Schöpfen aus einem reichen Wortschatz. Vor allem aber erreicht dich die Thematik und sie scheint dich ganz persönlich ansprechen zu wollen und in dir wächst die Gewissheit: «Das kenne ich doch!». James holt dich ab und berichtet über das Erwachen seiner Liebessehnsucht und Sexualität, die eine gleichgeschlechtliche Ausrichtung hat. Er nimmt dich mit in seine Selbstfindung, sein Erwachen durchzogen mit unerfüllten Wünschen, Konflikten mit der Aussenwelt, Ausgrenzung und Unverständnis aber auch Unterstützung, Zuneigung und Freundschaft. Er beschreibt sehr klar und direkt, aber erreicht durch die zum grossen Teil angewandte poetische Sprache auch eine Verspieltheit, die die Nähe zu ihm noch natürlicher macht. Du vertraust dich seiner Führung an, bist gern mit ihm zusammen. Es kommt dir auch zugute, dass die Geschichte deine eigene sein könnte, zumindest ähnelt sie der deinen in so vielen Bereichen bis hin zu den feinen Nuancen. Aber der Erzähler vermag es viel besser, all die Irrungen und Wirrungen eines jungen Menschen in so treffende Worte zu kleiden, als du es vielleicht je könntest. Bisher haben dir die stimmigen Worte für deine eigene Geschichte gefehlt. Hier schafft es jemand und befreit sogleich ganz viel Erinnerungen wieder in dir, verwebt sie kunstvoll und schafft als Beispiel so einen neuen, wohltuenden Zugang zu dem, was zuvor vielleicht schwierig zu erreichen war., Da ist plötzlich so viel Dankbarkeit. Du möchtest weiter mit James zusammen sein, ihm weiter zuhören. Aber jedes Buch muss irgendwann enden. Du beginnst es gleich wieder von neuem. Kennst du das?
Öffnet sich der Himmel = Das Innenleben des James
So könnte der Buchtitel auch lauten. 😅 Zuletzt war ich von den Romanen, mit queeren Figuren eher enttäuscht, da es wohl immer so zu sein scheint, dass die Figur besonders leiden muss, in besonders schlimmen Verhältnissen lebt oder ähnliches. Ich hab genug von Leid und Qual Daher bin ich schon recht pessimistisch an das Buch ran gegangen und habe das übliche Drama erwartet. Doch weit gefehlt 😍 Es dreht sich in dieser Erzählung einzig um das Innenleben von James. Wie er die Welt wahrnimmt, wie er sich fühlt, wie zerrissen er oftmals ist, unsicher, voller Verlangen und Begierden. Sehnsucht. Und Liebe. Als er dann Luke kennenlernt, möchte man meinen nun beginnt das typische Standard Drama. Aber auch hier Fehlanzeige. Weiter geht es nur darum wie unsicher James sich fühlt, wie sehr es ihn nach Luke verlangt. Oder ist es doch nur Einbildung? Für mich eines der stärksten Bücher seit langem, in dem es der Autor hervorragend schafft, dieses komplexe und vielschichtige Innenleben einer Figur in Worte zu kleiden. Und diese Worte sind auch noch ganz großartig gewählt. Eine intime, zarte, überaus wortgewandte und schön geschriebene Geschichte, von der ich jede Seite, jede Zeile zu lesen mehr als genossen habe. Was ein Juwel
Seán Hewitt zeigt uns mit seinem Debüt, dass unsere Gedanken unstillbar sind.
„Und da war er, in seiner ganzen Unwahrscheinlichkeit, offenbar nicht ahnend, welche Macht er über mich hatte, derjenige, der mich umgestalten konnte, der eine herrliche, unmögliche Liebesgeschichte über mein Dasein schreiben würde.“ Mit diesen Worten offenbart uns James sein tiefstes Inneres, zart und unberührt - und so sollte man sich Seán Hewitts Debüt vermutlich auch annähern. Jede Zeile birgt ein kleines Kunstwerk für sich, das erkundet werden möchte. Der Roman erzählt uns zaghaft von den Sehnsüchten eines jungen Menschen, der auf der Suche nach sich selbst zu sein scheint. Dabei handelt es sich weniger um eine klassische Liebesgeschichte, sondern viel mehr um die bloße Vorstellung von Liebe. Hewitt verzaubert uns ganz besonders mit seinem poetischen Schreibstil. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, im diesigen, verschlafenen England zu sitzen - mit dicken Wollsocken an den Füßen und einem warmen Tee in der Hand. Atmosphärisch wirklich schön gelungen, vor allem für die kommende Winterzeit. "Öffnet sich der Himmel" ist ein Roman, der als ästhetische Gesamtkomposition betrachtet werden sollte - und für all diejenigen geeignet, die danach suchen. (Rezensionsexemplar)
Wenn man richtig verliebt ist, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, dann gibt es wohl kaum eine schlimmere Erkenntnis, einen größeren Schlag in das rosarote Brille tragende Gesicht, als den Satz: “Er/Sie/They steht einfach nicht auf dich.” Ich bin sicher, die allermeisten von uns haben ihn schon als perfide, vernichtende Stimme der Vernuft im sich grundlose Hoffnungen machenden, verknallten Hinterkopf gehört. Fast noch schlimmer ist es, wenn man einseitige, unglückliche Verliebtheit bei anderen beobachtet und zusehen muss, wie sie in ihr eigenes Elend rennen. Wenn sich diese einseitige Liebe in der Literatur zuträgt, dann befinden wir uns in der Rolle des Voyeurs, aber auch des verschämten Freundes - denn unglückliche Verliebtheit hat auch etwas schamvolles, unangenehmes an sich. James, der sechzehnjährige Protagonist von “Öffnet sich der Himmel”, ist so ein unglücklich verliebtes Wesen, das man einfach nur in den Arm nehmen und vor der Welt beschützen möchte. Wir als Lesende lieben mit ihm den schönen, ein Jahr älteren Luke, der wegen seiner schwierigen Familienverhältnisse eine Zeit lang in James’ irischem Dorf Thornmere, bei dessen Onkel und Tante lebt. Wir interpretieren mit James die sanften Zeichen, die auf eine Gegenseitigkeit der Gefühle hindeuten könnte. Wir hoffen, wo es keine Hoffnung gibt, denn wir wissen von Anfang an: Luke wird James nicht zurücklieben und James wird ihm trotzdem ein Leben lang hinterhertrauern. Schon vom ersten Satz an, hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Die Geschichte, die sich hier vor uns auffächert, ist auf die schönstmögliche Art und Weise erzählt worden, wie man Geschichten erzählen kann: blumig, bildreich, sanft, melancholisch, einfühlsam und gelegentlich sogar witzig. Seán Hewitt ist eigentlich Dichter und diese seine genuine Kunstform merkt man seinem ersten Roman auch an: hier wird im wahrsten Sinne des Wortes mit Worten gemalt. Dieser Roman hat mich wirklich sehr berührt und gefesselt und deshalb führt das, was ich jetzt sage, auch zu keinerlei Punktabzug und soll nicht als Kritik betrachtet werden. Aber ein Teil von mir möchte mehr wissen. Die Andeutungen, die James als Erwachsener aus der Retrospektive macht, lassen viele Fragen offen. Was ist aus James’ Eltern und seinem Bruder Eddie sowie dessen Krankheit geworden? Wie hat er seinen Mann kennengelernt, was war er für ein Typ und ist die Beziehung zu ihm wirklich wegen Luke auseinandergegangen? Tell me more! Und natürlich die brennendste Frage von allen: Hatten er und Luke danach keinen Kontakt mehr? Hat er von seinem Onkel und seiner Tante keine Infos über ihn erhalten können? Irgendwie macht es aber auch Sinn, dass dieser wundervolle Roman seine Lesenden in einem Zustand der Ungewissheit zurücklässt und sich so von ihnen verabschiedet wie Luke in der Morgendämmerung von James an der Türschwelle. Das Verlangen bleibt und wird niemals vergehen. Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Kleiner.

„Wenn ich jemals leben wollte, musste ich mutig sein. Vielleicht musste ich sogar brutal sein.“
Öffnet sich der Himmel ist ein sehr poetisches und sprachgewaltiges Buch, In vier großen Kapiteln die nach Jahreszeiten benannt sind, erfährt der Lesende von dem Ich-Erzähler aus dem Jahr, in dem Luke und James sich kennenlernen. Eine Freundschaft, die für James mehr als das sein soll, beginnt zärtlich zu erblühen. Die Sprache des Autors ist dabei sehr naturverbunden und bildlich ausgeprägt. So nutzt er Beschreibungen der Natur, um das Gefühlsleben von James in einer magischen Bildsprache zu übermitteln. Es ist ein Buch voller Magie und Sehnsucht und eine 100%ige Leseempfehlung!

„Öffnet sich der Himmel“ ist eher ein ruhiges, leises Buch, aber genau das hat mir richtig gut gefallen. Die Geschichte nimmt sich Zeit und lebt viel von der Atmosphäre und den Gefühlen zwischen den Figuren. Der Schreibstil ist wunderschön und teilweise fast poetisch, ohne dabei schwer zu wirken. Mich hat besonders berührt, wie sensibel das Thema Erwachsenwerden, Erinnerungen und erste Gefühle erzählt wird. Das Buch hat viele stille Momente, die trotzdem viel auslösen. Man merkt einfach, dass hier jemand mit viel Feingefühl schreibt. Es ist kein lauter Roman mit viel Action, sondern eher einer, der langsam wirkt und noch eine Weile nachhallt. Mir hat diese ruhige, melancholische Stimmung richtig gut gefallen.
»Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, war es, als wäre über meinem Leben die Sonne aufgegangen.« (15) 💘 Das, was Seán Hewitt in »ÖFFNET SICH DER HIMMEL« (engl. OPEN, HEAVEN; Ü: Stephan Kleiner) schreibt, ist große Erzählkunst. 💚 Die Sätze sind poetisch, intensiv, so authentisch und gefühlvoll, sie gehen direkt ins Herz. Gemeinsam mit seinem Protagonisten James gehen wir nach dessen gescheiterter Ehe zurück in der Erinnerung, in seine Jungendzeit. »RÜCKWÄRTS LÄUFT DIE ZEIT SCHNELLER.« (11) Der Autor setzt da an, wo andere queere Romane enden: Nach dem Coming-out des schwulen James. Wie geht mensch mit all den überbrodelnden Gefühlen, Sehnsüchten, Abweisungen und Begierden um? Genau davon erzählt Séan in seinem Roman, der in den 1990er Jahren im fiktiven nordenglischen Thornmere spielt. Er erzählt von Zurückweisung, Ausgrenzung, Mobbing, Wünschen, und wie das Leben trotz allem weitergeht: James lernt Luke kennen, und findet in ihm nicht nur einen besten Freund … Séan erzählt so eindrücklich und flirrend von dieser EINEN Liebe, die uns nie ganz loslässt und bis heute prägt: »Er war nie fortgegangen oder besser gesagt, ich hatte ihn nie losgelassen. Er hatte in meinem Leben über sich hinausgewiesen und war zur Blaupause all meiner nachfolgenden Sehnsüchte geworden.« (14) 💔🥵 Ein Roman, den ich nicht mehr aus der Hand legen wollte, und der mich sehr berührt hat. Ein großartiges Romandebüt und ich hoffe sehr, dass wir noch viel mehr von Seán Hewitt lesen werden. ❤️🔥 Ganz große Herzensempfehlung ♥

„Was ich sagen wollte, war: Berühr mich, leg einfach nur die Hand auf meinen Schenkel, lehn dein Gesicht an die Haut meines Halses, lass mich deinen Atem spüren. Ich wollte sagen, dass ich sein würde, wer er wollte, dass ich jede Maske tragen würde, die er mir gab, dass ich jemand anderes für ihn sein würde und dass ich es niemandem erzählen würde, dass es mir nichts ausmachte, mich aufzugeben, wenn es bedeutete, dass er mich nehmen würde, dass ich wusste, wir könnten nur so weitermachen, wenn ich wäre, was auch immer er wollte, und er es nur sagen brauchte. Wenn ich nur eine Stunde auf diese Weise verbringen könnte, seine Wärme spüren, mich ausliefern, mich hingeben, und sei es nur für eine Stunde, mich ihm aushändigen, ihn mich aus meinen Händen nehmen lassen, von ihm gewollt werden, und sei es nur für eine Stunde; dann hätte ich nur einen Augenblick lang keine Angst, denn ich wüsste, ich war bereits verloren, und in diesem Verlust würde ich empfinden, dass ich alles gewonnen hatte, was ich je hätte wollen können. Aber stattdessen sagte ich nichts und lag nur da…“ (S. 251) James lebt mit seinen Eltern und dem jüngeren, schwer kranken Bruder in einem kleinen Ort in England. Die Familie ist arm. So arm, dass James morgens vor der Schule Milch ausfahren muss, um das Geld für sein Schulessen zu verdienen. Vor einiger Zeit hat er sich als schwul geoutet. Seitdem ist er oft einsam und wünscht sich weit weg. Eines Morgens lernt er auf der Milchrunde Luke kennen und verliebt sich unsterblich in den älteren Jungen. Das Buch ist sicher nicht schlecht. Aber es war leider nichts für mich. Als jemand mit sehr schmerzvollen Erfahrungen mit einseitiger, unerfüllter Liebe vermag ich deren Romantisierung nichts abzugewinnen. Deshalb konnte ich zwar mit James fühlen, aber irgendwie doch nicht so richtig eine Bindung aufbauen. Und alle anderen Charaktere, allen voran Luke, blieben mir am Ende etwas zu blaß. Hinzu kam noch das sehr langsame Erzähltempo, das aber sicherlich kein Thema gewesen wäre, wenn ich mich nicht ohnehin ein bisschen durch das Buch hätte quälen müssen.
Ein stilles, aber kraftvolles Werk.
Seán Hewitts „Öffnet sich der Himmel“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Verlust und Hoffnung bewegt. In zarten, fast träumerischen Bildern schildert Hewitt das Ringen mit Liebe, Trauer und Selbstfindung. Die Handlung entfaltet sich behutsam – weniger als lineare Erzählung, mehr als eine poetische Annäherung an das, was es heißt, Mensch zu sein. 💭 Das Buch ist mit einer verletzlichen Sanftheit gezeichnet. Hewitt gelingt es, die feinen Nuancen von Schmerz und Sehnsucht so einzufangen, dass sie sich unmittelbar ins Herz des Lesenden schreiben. 💞 Seine Sprache besitzt eine starke Sogkraft: ruhig, rhythmisch, beinahe meditativ. Gerade diese atmosphärische Dichte macht den Roman so unwiderstehlich – man wird nicht nur hineingezogen, sondern auch in ihm gehalten. ✨ „Öffnet sich der Himmel“ entfaltet sich wie ein leises, poetisches Flüstern, das lange nachklingt. Es ist ein stilles, aber kraftvolles Werk, das mit Empfindsamkeit und sprachlicher Präzision berührt. 💫
Zwischen Dorfflucht und Sehnsucht nach Liebe
Ein Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte sie im nächsten Moment verwehen – und doch bleibt sie wie ein Nachhall im Herzen bestehen. Der Herbst 2002 im verschlafenen Thornmere wird nicht nur Kulisse, sondern eine Art Resonanzraum für all das, was es bedeutet, jung zu sein und ausbrechen zu wollen. Die Enge des Dorflebens, das bedrückende Gewicht familiärer Verantwortung und die ständige Angst, anders zu sein, legen sich wie Nebel über die Seiten. Dann tritt Luke auf. Mit ihm zieht eine ungezähmte Kraft in James’ Welt ein – Verheißung und Gefahr zugleich. Zwischen den beiden entspinnt sich etwas, das mehr ist als erste Verliebtheit. Es ist ein Aufeinanderprallen von Sehnsucht, Angst, Hingabe und der quälenden Frage, was man bereit ist zu riskieren, um ein Stück von diesem wilden, ungestümen Leben zu spüren. Seán Hewitt gelingt es, das Taumeln zwischen Zärtlichkeit und Schmerz in eine Sprache zu fassen, die poetisch schillert und doch nie den Blick für das Dunkle verliert. Immer wieder blitzen Bilder auf, die wie kleine Gedichte wirken, und machen deutlich, dass dieser Roman ebenso sehr ein lyrisches Werk wie eine Erzählung ist. Nicht jede Passage trägt gleich stark, manchmal verliert sich die Handlung in langen poetischen Strömungen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz: Dieser Roman ist weniger eine Geschichte, die man einfach liest, als ein Empfinden, das man durchlebt. Mit 4,5 Sternen bleibt am Ende ein Buch, das nachklingt, lange nachdem die letzte Seite geschlossen ist – eine Hymne an das Risiko, die Verletzlichkeit und die Schönheit der ersten Liebe.

Buchrezension zu „Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt: In den letzten Tagen habe ich „Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt gelesen. Ein Buch, das mich vor allem durch seine Sprache begleitet hat, weniger durch eine klare Handlung. Beim Lesen fiel mir schnell die sprachliche Schönheit des Textes auf. Die Sprache ist fein, poetisch und sehr aufmerksam gegenüber inneren Zuständen. Viele Passagen wirken nach und bleiben hängen, gerade in ihrer Zartheit. Gleichzeitig viel mir auf, dass sich der Roman für mich stellenweise sehr stark in der Gedankenwelt der Hauptfigur verdichtet. Die innere Bewegung nimmt viel Raum ein, manchmal so viel, dass mir etwas Abstand oder äußere Handlung fehlte. Das ist weniger Kritik als eine Beobachtung meines eigenen Leseerlebens. Trotzdem bleibt das Buch für mich ein sehr gelungener Coming-of-Age-Roman. Die Unsicherheiten, Sehnsüchte und das tastende Suchen nach Nähe und Zugehörigkeit wirken ehrlich und glaubwürdig. Gerade in seiner leisen Art erzählt der Text viel über das Erwachsenwerden, ohne es erklären zu wollen. Ein Buch, das weniger durch Handlung trägt als durch Stimmung und Sprache und genau darin seine Stärke findet.

Zwischen Dorfflucht und Sehnsucht nach Liebe
Ein Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte sie im nächsten Moment verwehen – und doch bleibt sie wie ein Nachhall im Herzen bestehen. Der Herbst 2002 im verschlafenen Thornmere wird nicht nur Kulisse, sondern eine Art Resonanzraum für all das, was es bedeutet, jung zu sein und ausbrechen zu wollen. Die Enge des Dorflebens, das bedrückende Gewicht familiärer Verantwortung und die ständige Angst, anders zu sein, legen sich wie Nebel über die Seiten. Dann tritt Luke auf. Mit ihm zieht eine ungezähmte Kraft in James’ Welt ein – Verheißung und Gefahr zugleich. Zwischen den beiden entspinnt sich etwas, das mehr ist als erste Verliebtheit. Es ist ein Aufeinanderprallen von Sehnsucht, Angst, Hingabe und der quälenden Frage, was man bereit ist zu riskieren, um ein Stück von diesem wilden, ungestümen Leben zu spüren. Seán Hewitt gelingt es, das Taumeln zwischen Zärtlichkeit und Schmerz in eine Sprache zu fassen, die poetisch schillert und doch nie den Blick für das Dunkle verliert. Immer wieder blitzen Bilder auf, die wie kleine Gedichte wirken, und machen deutlich, dass dieser Roman ebenso sehr ein lyrisches Werk wie eine Erzählung ist. Nicht jede Passage trägt gleich stark, manchmal verliert sich die Handlung in langen poetischen Strömungen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz: Dieser Roman ist weniger eine Geschichte, die man einfach liest, als ein Empfinden, das man durchlebt. Mit 4,5 Sternen bleibt am Ende ein Buch, das nachklingt, lange nachdem die letzte Seite geschlossen ist – eine Hymne an das Risiko, die Verletzlichkeit und die Schönheit der ersten Liebe.

Ich machs kurz und schmerzlos — dieser Roman was not it (für mich). Ich wollte ein Buch, das für richtig Herzschmerz sorgt und ich war wirklich bereit, Tränen zu vergießen, aber leider war mein dominierendes Gefühl (vor allem gegen Ende hin) leider eher Wut und Unverständnis gegenüber dem Protagonisten. In »Öffnet sich der Himmel« begleiten wir James, einen Jugendlichen aus dem kleinen Örtchen Thornmere in England, der sich in Luke verliebt. Er verliebt sich unsterblich und auf den ersten Blick. Und obwohl ich verstehen kann, dass Crushes im Teenageralter manchmal so funktionieren, sie nicht zwingend Sinn machen müssen und auch nicht unbedingt etwas deeperes dahinter sein muss, war das Ausmaß in diesem Fall für mich einfach nicht nachvollziehbar. !!! Kleiner Spoiler !!! Die beiden freunden sich zwar an, für Luke war die Beziehung aber rein platonisch und nach ungefähr einem Jahr war der Kontakt auch schon wieder vorbei. Dass James also selbst nach 20 Jahren und einer (wegen seiner Gefühle zu Luke gescheiterten) Ehe nicht über diesen Crush hinweg ist, war für mich als Leserin einfach unverständlich. Ich konnte bis zum Ende nicht greifen, worauf diese „Liebe“ gründet. Was man dem Roman zugutehalten muss, ist, dass der Autor es schafft, James‘ Sehnsucht und Verlangen nach Luke in jeder Zeile zu transportieren. (Wie gesagt, verstanden, woher das kam hab ich zwar nicht, aber well.) Sprachlich ist der Roman wirklich wunderschön und ich bin etwas traurig, dass der Inhalt da so gar nicht mithalten konnte.
James entscheidet sich dazu, nach Jahren wieder in seine Heimatstadt zu gehen, um sich dort ein zum Verkauf stehendes Haus zu besichtigen, das voller Erinnerungen für ihn ist. Zurück im Jahr 2002 fühlt sich der 16-jährige James eingeengt, denn alles bleibt im nordenglischen Dorf “Thornmere” beim Gleichen. Zudem fühlt er sich zunehmend einsam, da er seit seinem Coming-out von seinen Mitschülern ausgegrenzt wird. Dann trifft er im Sommer das erste Mal auf Luke, der auf das Land zur Disziplinierung geschickt wurde. James fühlt sich von dem Jungen angezogen, der absolut nicht gehorsam und scheinbar anders ist. Mit der Zeit fragt er sich immer häufiger, ob eine Liebe zwischen den beiden entstehen kann.
Erst einmal zum Positiven: Das Leben in Thornmere konnte ich mir dank der vielen Beschreibungen des Ortes gut vorstellen. Das war es aber auch schon mit den positiven Aspekten. Wenn ich vollkommen bin, hat das Buch wie eine schlechte Kopie von “Call me by your name” auf mich gewirkt. Der Roman hatte so gut wie keine Handlung, und es ist keines der Bücher, die von der Atmosphäre leben. Die Gefühle von James konnte ich an vielen Stellen nicht nachvollziehen, so auch nicht, warum er sich in Luke verliebt hat. James sagt, er sei “anders” und beachtet ihn, aber dass er nur deshalb eine regelrechte Obsession auf ihn entwickelt, finde ich weit hergeholt. Auch in anderen Situationen wird mir die Landschaft zu viel und die Gefühle zu wenig beschrieben. Zudem ist der Roman an bestimmten Stellen absolut unnachvollziehbar. Dass ein Mann sich ab und zu an die erste Jugendliebe erinnert, ist ja vollkommen in Ordnung. Aber dass dieser seinen Ehepartner verlässt, weil er immer nur an diese unerwiderte Liebe denken muss, ist aus meiner Sicht zu irrational. Als einen weiteren Aspekt möchte ich ansprechen, dass ich nicht nachvollziehen kann, warum Jugendliebe so extrem romantisiert ist. Natürlich ist die erste Liebe im Leben etwas besonderes. Jedoch kann ich Romane nicht nachvollziehen, die die erste kurze Liebe, oder sogar nur das erste Verlangen nach jemanden, so darstellen, dass diese eine jahrelange Ehe bzw. Partnerschaft zerstört. Wenn es, wie hier, keine gute Begründung dafür gibt, finde ich das Buch leider immer extrem unnachvollziehbar. Fazit: Insgesamt konnte mich der Roman leider absolut nicht überzeugen. Während das Dorfleben durch die Beschreibungen gut vorstellbar ist, versagt der Roman leider in vielen anderen Ansichten. Die Handlung steht so gut wie still, die Gefühle von James sind nicht nachvollziehbar und generell werden zu wenig Gefühle beschrieben, absolut irrationale Handlungen an bestimmten Stellen und zu guter Letzt die Romantisierung von Jugendliebe. Das sind alles Aspekte, die ich an dem Buch nicht mochte. Leider kann ich somit das Buch nicht weiterempfehlen.
Die wunderschöne Sprache hat mich auf Anhieb in ihren Bann gezogen und Seán Hewitt hat für mich einen genauso wundervollen Erzählstil wie Ocean Vuong und Douglas Stuart. James' Geschichte ist melancholisch, berührend und gefüllt mit seinen tiefen Emotionen. Nach seinem Coming Out fühlt er sich von der Gemeinschaft des Dorfes und seiner eigenen Familie entrückt und auf gewisse Art ausgeschlossen - zumal es ihm selbst schwerfällt zu greifen wer genau er eigentlich ist. Und dann ist da Luke, ein neuer Junge, der vorübergehend im Dorf lebt. Auf gewisse Weise ein weiterer Außenseiter - und James ist sofort in seinen Bann gezogen. Seine aufkeimende Liebe zu Luke hat schon eine fast manische bis obsessive Seite und geht dermaßen tief, dass sie ihn und seine Beziehungen nachhaltig geprägt hat. Ich fand diese Darstellung von James erster großen Liebe sehr berührend und habe mich ihm sehr nahe gefühlt.
The yearninggggg
Dieses Buch hat etwas so ehrliches, sehnsuchtsvolles, das einen richtig mitnimmt. Was mich ehrlich gesagt etwas gestört hat, war der Schreibstil in mancher Hinsicht, insbesondere beim Beschreiben von Handlungen oder der Umgebung. Es ist vermutlich auch das, was mich bei Young Mungo von Douglas Stuart gestört hat - auch wenn der (meiner Meinung nach ähnliche) Schreibstil der beiden Autoren sicherlich zu dieser Ehrlichkeit beiträgt.
Liebe oder Obsession?
📝 Inhalt / Klappentext in eigenen Worten Seán Hewítts Buch „Öffnet sich der Himmel“ dreht sich rund um den Protagonisten James, welcher eher in einfachen Verhältnissen aufwächst und bereits früh bemerkt, dass er anders ist, als die anderen Jungs in seiner Klasse, die sich langsam für Mädchen zu interessieren beginnen. Als alle erfahren, dass James schwul ist, erfährt er Ausgrenzung und sehnt sich seitdem nach Akzeptanz und zwischenmenschlicher Verbindung. Bis eines Tages Luke in James Leben tritt und einen schier unkontrollierbaren Stein in James zum Rollen bringt. 🎭 Figuren / Charaktere James fand ich als Protagonisten sehr interessant. Es gab Momente, wo ich mich sehr mit ihm identifizieren konnte, aber leider auch sehr viele Momente, die ich wirklich problematisch fand. Unser Protagonist ist nicht nur beinahe blind vor Liebe, sondern viel mehr obsessiv gegenüber Luke. Getarnt wird dies unter dem Deckmantel der „ersten großen Liebe in der Jugend“, wobei nie wirklich aufgearbeitet wird, wie problematisch James' Verhalten doch tatsächlich ist. Leider konnte ich bei James auch keinerlei Entwicklung sehen, außer vielleicht zum Negativen. Denn gegen Ende des Buchs, erleben wir einen Zeitsprung in die Gegenwart, in der James geschieden ist und seine Ehe scheinbar (auch) daran gescheitert ist, dass er noch immer Luke hinterhertrauert. Wie gesagt, finde ich dieses Verhalten sehr bedenklich und ich frage mich, ob James nicht bemerkt, dass Luke vielleicht kein Interesse an ihm hat, wenn sich dieser auch nach 20 Jahren nicht um Kontakt bemüht hat. Aber vermutlich geht James‘ „Verliebtheit“, wie gesagt, darüber hinaus, und ist vielmehr schon Fanatismus. Luke blieb für mich leider gänzlich blass. Ich weiß auch nach Lesen des Buchs praktisch nichts über ihn, außer dass er aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt und wie er in etwa aussieht. Ich hätte tatsächlich gern mehr über ihn erfahren und warum er oft so agiert wie er es tut. James‘ Bruder Eddie blieb ebenfalls sehr blass als Charakter. Seine „Anfälle“ wurden immer mal wieder über die Geschichte gestreut, aber was es nun tatsächlich mit seiner Krankheit auf sich hat, erfährt man als Leser leider nicht. Die Szene mit den Vergissmeinnicht fand ich dennoch sehr berührend. Schade, dass man nicht mehr über ihn erfahren hat. 🌍 Setting & Atmosphäre Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, wobei wir fast hauptsächlich die Geschichte aus der Vergangenheitsperspektive lesen. Die Stimmung im Buch ist fast durchgehend „bittersüß“. Einerseits freut man sich als Leser, dass James in Luke einen Freund gefunden hat und einen unvergesslichen Sommer erlebt. Andererseits ist da jedoch immer James‘ Besessenheit von Luke, die all die schönen Momente überschattet. ✍️ Schreibstil Der Schreibstil von Seán Hewítt ist sehr poetisch und blumig. Zu Beginn des Buchs fand ich es etwas mühsam, jedoch findet man schnell in die Geschichte hinein und bald schon empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm und irgendwie besonders. Man merkt sofort: Dieser Autor kann schreiben! So schön ich den Schreibstil fand, so enttäuscht war ich leider letztendlich vom Inhalt. Ich musste unwillkürlich an den Satz „viel geredet, aber nichts gesagt“ denken. Ganz so drastisch würde ich das Buch nicht beschreiben, aber ich hatte an den Inhalt einfach deutlich höhere Erwartungen nach Lesen des Klappentextes. 💭 Gedanken & Eindrücke Das Buch hat mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Einerseits hatte ich immer wieder Mitleid mit James, da er sich so sehr nach zwischenmenschlicher Verbundenheit sehnte und nach der Berührung anderer. So sehr, dass er sogar den Gedanken hatte, sich von einem Obdachlosen missbrauchen zu lassen, da dieser vielleicht darüber hinwegsehen konnte, dass er kein Mädchen war. Diese Szene fand ich so herzzerreißend und hat noch lange in mir nachgeklungen. Andererseits ist da diese obsessive Seite in James die sich so sehr auf Luke fixierte, selbst Jahrzehnte später. Ich fand es teilweise wirklich erschreckend und fast schon beängstigend zu sehen, wie dieser Fanatismus immer weiterwuchs. Ehrlich gesagt hatte ich mir am Ende des Buchs eine Art Höhepunkt, einen Knall, der das ganze Kartenhaus zum Einsturz bringt, gewünscht. Jener der James vielleicht auf den Boden der Tatsachen zurück bringt. 🏁 Fazit Mir hat das Buch an sich recht gut gefallen, allerdings habe ich einige Kritikpunkte. Meiner Meinung nach wird der Inhalt des Buchs dem Klappentext nicht gerecht. Auch finden meiner Ansicht nach zu viele Nebenhandlungen statt, die aber irgendwie ins Leere führen und wie begonnen, aber nicht zu Ende gedacht wirken. Beispielsweise die Geschichte mit James‘ Bruder Eddie, der merkwürdige fast schon gruselige Anruf als James allein Zuhause ist, der Mann im Auto der mit wutverzerrten Gesicht auf James zurast, der Grund für die gemeinsame Flucht und wie lange die beiden weg waren, usw. Letztendlich blieben hier für mich einfach zu viele Fragen offen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen sprachgewaltigen Roman mit ernsten Themen in einem bittersüßen Setting. Aufgrund der oben genannten Punkte vergebe ich 3/5 Sternen.
„Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt erzählt die Geschichte von James, einem Jungen aus der englischen Arbeiterklasse, der sich in einen anderen Jungen verliebt. Das Buch hat mich an „Call Me by Your Name“ erinnert – aber weniger Italien-Sommer, mehr nordenglisches Dorf, weniger Glamour, mehr Alltag. Die Sprache ist ruhig, klar und gleichzeitig sehr fein beobachtend. Besonders mochte ich, wie ehrlich und zart Hewitt die Gefühle eines schwulen Heranwachsenden zeigt: Unsicherheit, Sehnsucht, erste Liebe, ohne großes Drama, eher leise und nah dran. Für mich ein stilles, sehr berührendes Coming-of-Age, das lange nachklingt.























