Nur nicht zu den Löwen

Nur nicht zu den Löwen

Hardback
3.99

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Description

Eine Frau befreit sich aus dem Selbstbetrug ihres Lebens

Tag für Tag steht Rivi Greenfeld am Fenster ihrer Wohnung und beobachtet das Treiben der Menschen auf der Straße. Doch inzwischen ist Neve Tzedek das angesagteste Viertel Tel Avivs, eine junge Unternehmerin will das Gebäude abreißen lassen, Rivi soll diesen Ort verlassen, der ihr ganzes Leben, all ihre Erinnerungen birgt. Aber Rivi ist eine kämpferische Frau: Als aller Widerstand zwecklos wird, beginnt sie, den Menschen zu schreiben, die ihr etwas bedeutet haben. Davon, wie ihr einst mächtige Männer des Landes verfielen, sie viele weitere behelligten – und sie am Ende ihres Lebens doch allein ist. Erst im Schreiben wird ihr klar, wie schwer sie an ihrer Rolle als Frau trug. Sie findet einen Weg, ihr Leben neu zu erzählen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
23.70 €

Author Description

Lizzie Doron, 1953 in Tel Aviv geboren, wurde durch ihre Romane über die zweite Generation nach der Schoah bekannt. Mit ›Who the Fuck Is Kafka‹ – eine der wichtigsten literarischen Verarbeitungen des Nahostkonflikts – und ›Sweet Occupation‹ wandte sie sich politischen Themen zu. Lizzie Doron wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung. Sie lebt in Tel Aviv und Berlin.

Posts

3
All
5

Empfehlung der 75. Literaturgala

Am Samstagabend, den 21.10.23, erzählt Lizzi Doron, noch zutiefst aufgewühlt vom Krieg in Israel und dem 07.10., leidenschaftlich und einnehmend, wie es zu ihrem neuen Buch "Nur nicht zu den Löwen: gekommen ist. Sie kann sich kaum vom Publikum wenden, muss sich selbst erinnern, dass sie eine Gesprächspaftnerin auf der Bühne hat, sie sieht uns, das Publikum als ihren "Therapeuten". Und so berichtet sie, dass ganz unverhofft eine alte Bekannte aus Kindheitstagen, das schönste Mädchen des Viertels, auf das alle neidisch waren, sich während der Pandemie bei ihr gut hätte, um ihr ihre Geschichte zu erzählen. Sie befürchtete, die Pandemie nicht zu überstehen und wusste, dass sie aber eine Geschichte habe, die erzählt werden müsse. Und so betrat Lizzie Doron neugierig das Elternhaus ihrer Kindheitsfreundin, in dem sie noch immer lebt und das sich seit dem nicht geändert habe. Dorons Freundin erzählt ihr, wie sie die Geliebte eines bekannten Genrals war, wie sie ein umstrittenes Covermodel war und vieles mehr. Auch Doron spürt, dass die Lebensgeschichte ihrer Freundin veröffentlicht werden müsse - doch so einfach ist das nicht. Aufgrund ihrer Erlebnisse und ihrer Beziehungen und Rolle in der Armee, könnte es ihren Tod bedeuten, würde herauskommen, dass es ihre Biografie ist. Als Autorin und Schriftstellerin, die Literatur als Weg nutzt, den Menschen zu ergründen, wandelt sie also nicht nur Namen und Orte ab, sondern mischt nun Biografisches mit Literarischem. Auch die Erzählform vom Monolog wird zu einem einseitigen Briefroman in Form von Mails, Whatsapps und Tagebucheibträgen bzw. Gedankenreden. Das ist, was ich die Autorin über ihr Buch verraten hat. Gerade mit diesem Wissen der Buchvostellung und des Interviews tat ich mich zu Beginn etwas schwer, weil ich stets die genannten Parallelen suchte und mit der Ausgangssituation erst nicht ganz zurecht kam. Auch die einseitige Briefform empfand ich zu Beginn nicht als "gut" gewählt, da mir das zu konstruiert erschien. Allerdings gibt sich das nicht nur, sondern löst sich sogar auf, da es später durch die Reflexionen der Protagonistin erläutert wird. Angesehen davon, dass eine echte Lebensgeschichte zugrunde liegt, ist aber einfach der Schreibstil und did Erzählung authentisch. Die Erzählung ist nicht chronologisch, so wie auch unsere Erinnerungen nicht chronologisch funktionieren und erst recht nicht,wenn wir einer Folgegenration versuchen von unserer Lebenserfahrung zu berichten. Anfangs kam mir die Protagonistin unnahbar vor, trotz der Briefe und der damit einergehenden Gedankenrede, hatte ich Schwierigkeiten ihre Gefühle und Beweggründe, ihr eigenes Selbstbild nachzuvollziehen. Aber das liegt auch daran , und dass ist literarisch großartig ungesetzt, dass die Protagonistin selbst sich dessen nicht im Klaren ist und dem versucht auf den Grund zu gehen, denn "[m]an muss schreiben, wenn es unmöglich ist zu reden." (S. 105) Auf dem Klappentext steht, dass Lizzie Doron das Porträt "eines Frauenlebens voller Irrtümer und Illusionen" zeichne und ihr Roman eine Verneigung vor dem Mut, neuaufzubrechen sei. Absolut! Aber das erschließt sich erst auf den letzten Seiten, wie die Protagonistin ihre Adressaten auffordert, fordert sie auch die Leserschaft auf: habt Geduld! Denn zum Ende kommt es zu im Klappentext benannter Verneigung, zu einer genau geplanten und mit viel Liebe und Anerkennung, und diese Würdigung kann nur durchs "Durchhalten" erbracht werden. "Geschichten sind, wie andere Dinge im Leben auch, von vornherein nicht exakt. Wer wüsste besser als ich, dass wir in einer Welt leben, die wir uns ausdenken." (S. 98) Dies ist mein Lieblingszitat im Buch, fasst es doch alles wunderbar zusammen. Hier trifft "gut Ding will Weile haben zu", denn erst als das Motiv des Titels in einem Kapitel auftaucht, hatte ich das Gefühl zu verstehen. Und darum geht es. Ich finde, der Roman lässt sich mit Rainer Maria Rilkes "der Panther" vergleichen. Wie der Panther gefangen im Käfig innerlich stirbt, passiert dies der Protagonistin, nur das ihr Käfig ihre Schönheit ist. Es stellt sich die Frage, was, wenn sie doch zu den Löwen gegangen wäre. Und was, wenn wir alle das könnten. Alle Belletristik-Liebhaber:innen: Lest das Buch! Bitte nur nicht als Einschlaf- oder Zwischendurchlektüre, sondern gebt Rivi Zeit. Sie braucht sie und hat sie verdient.

Empfehlung der 75. Literaturgala
4

aufarbeitend, schmerzvoll, warnend

Die Protagonistin Rivi erzählt ihre Geschichte. Und in dieser ist sie oft falsch abgebogen, hat falsche Entscheidungen getroffen. Kleine Entscheidungen, die aber letztlich ihr ganzes Leben bestimmten. Nun rechnet sie ab.  Rivi fühlt sich alt, hat den Kontakt zum Leben verloren. Sie rekapituliert was war und nicht gewesen ist. Und es war immer und nie Michael. Ein Manipulant, einer, der sie immer warm gehalten, im Richtigen Moment Hoffnung versprüht hat, um sie dann wieder fallen zu lassen. Und Rivi hat ihr ganzes Leben auf ihn gewartet. Obwohl da auch andere waren, Männer, die es ernst mit ihr meinten, zumindest zum Teil. Aber es blieb immer Michael. Rivi schreibt nun E-Mails, E-Mails an Michael und alle die anderen, denen sie ihr Leben erzählen will.  Rivi ist auch die Tochter zweier Shoah-Überlebenden. Die Erinnerungen an deren Leben und die kaputte Generation ihrer Eltern werden in ihr lebendig. Das Andenken an eine Kindheit die vom Grauen der Überlebenden geprägt war. Rivi hadert sehr mit ihrem Alter, sie galt immer als die Schöne – und mehr war da nicht, schreibt sie. Und das Schöne ist jetzt vorbei, jetzt ist sie die Alte. Sie ist eine Frau, deren „Erinnerungen immer nur auf die schmerzhaften Augenblicke gerichtet sind.“  Rivi hat nicht gelebt, Rivi hat nur gewartet. Dieses Buch ist voller Bitterkeit, Melancholie und Trauer um ein nicht gelebtes Leben. Ich habe mich zu Beginn gegen dieses Buch gewehrt, habe aber Rivi zu Wort kommen lassen und mir ihre Geschichte angehört. Eine Geschichte, die uns letztlich alle betrifft, die über das Altern. Ich lese das Buch als Warnung - bau dein Leben nicht um einen anderen Menschen herum, baue dein Leben mit diesem Menschen aber besser, baue dir etwas eigenes auf . Und vor allem, lass dich nicht blenden. „Wieder einer von denen, die [..] nur Jugend oder Alter [sehen], die nicht begreifen, dass wir letztlich alle Kinder sind, dass in einem verbrauchten Körper und einer müden Seele ein Junge oder ein Mädchen stecken, die neugierig und voller Leben sind.“ Ein gutes Buch, voller kluger Sätze und der bohrenden Hoffnung, nie eine Rivi zu werden.

aufarbeitend, schmerzvoll, warnend
3

Angenehm zu lesen

Ein interessantes Buch mit guter Botschaft, unterhaltsam, aber auch traurig.

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