Die Nächte der Pest
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Description
Book Information
Author Description
Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus. Für seine Werke erhielt er u.a. 2003 den Impac-Preis, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis für Literatur. Bei Hanser erschienen zuletzt Der Koffer meines Vaters (2010), Cevdet und seine Söhne (Roman, 2011), Der naive und der sentimentalische Romancier (2012), der Katalog Die Unschuld der Dinge. Das Museum der Unschuld in Istanbul (2012), Diese Fremdheit in mir (Roman, 2016), Die rothaarige Frau (Roman, 2017), Istanbul (Erinnerungen und Bilder aus einer Stadt, 2018) und Die Nächte der Pest (Roman, 2022).
Posts
Auf der fiktiven Insel Minger bricht 1901 die Pest aus und ein hingeschickter Quarantänearzt wird ermordet. Daraufhin sendet der Sultan seine Nichte und ihren erst vor kurzem geehelichten Mann (ebenfalls Seuchenarzt) zur Aufklärung hin. Daraufhin nehmen wir Teil an der weiteren Entwicklung der Insel.
Dieses Buch ist sehr gut geschrieben. Der Leser bleibt aber immer etwas distanziert und man schaut aus der Zukunft zurück auf die Vergangenheit. Die Erzählerin berichtet auch, dass sie Historikerin ist und die Geschichte der Entstehung des Staates Mingers aufschreiben will. Durch diese Distanziertheit baute sich nur gering ein Spannungsbogen auf und ich musste mich doch schon motivieren dieses dicke Buch durchzulesen. Dabei sind die Themen durchaus sehr spannend: Wie reagieren Menschen auf die Pest, warum halten sie sich nicht an die Quarantäne, Widerspruch Aberglaube Wissenschaft. Viele Punkte haben mich auch an die Corona-Pandemie erinnert. Auch die Entstehung des Staates Mingers war in seiner Widersprüchlichkeit sehr interessant. Fazit: für Geschichtsinteressierte auf alle Fälle eine Leseempfehlung, aber definitiv nichts zum schnell weglesen.
Zum Hörbuch: Wieder einmal liefert "der Hörverlag" ein optisch sehr ansprechendes und Produktiv hochwertiges Hörbuch, mit zwei hervorragenden Sprechern mit Thomas Loibl und Juliane Köhler Zum Buch: Zusammengefasst erzählt das Buch von einem Ausbruch der Beulenpest auf der fiktiven Mittelmeerinsel Minger im Jahr 1901, als die Insel noch Teil des untergehenden Osmanischen Reiches war. Die Entwicklung der Charaktere ist ein wenig mangelhaft. Pamuk opfert manchmal die Detail-Geschichte den Interessen der Übergreifenden-Geschichte und behandelt das Buch wie ein trockenes Geschichtsbuch. Das schadet der "Lesbarkeit" des Buches ein wenig und die Lektüre kann sich manchmal wie eine lästige Pflicht anfühlen, besonders für den Laien, der kein besonderes Interesse an historischen Ereignissen hat. Die Charaktere hätten besser ausgearbeitet werden können und viel intimer sein können und ich fühlte mich nicht besonders in ihr Leben involviert, als Ergebnis. Auf den über 600 (!) Seiten des Buches habe ich nicht ein einziges Mal die Dramatik der Epidemie gespürt, die die Bevölkerung der kleinen Insel auslöscht, oder den revolutionären Rausch, oder die Qualen der allgegenwärtigen (so der Autor) religiösen Konflikte, oder schließlich die Erleichterung und das Glück, nachdem die Pest überwunden ist. Wirklich nur für totale Historien-Freaks geeignet.
Kurz gesagt: Wer einen komplexen und märchenhaften Epos liebt, ist hier richtig aufgehoben. Ich denke, es ist kein Buch, das man nebenher mal da mal da über Wochen lesen kann, sondern eins, das man am Stück lesen muss, da man sonst den Überblick und Zugang verliert. Ich habe circa 550 Seiten in 4 Tagen gelesen und war begeistert und die letzten 150 über 10 Tage verteilt und bin dadurch rausgekommen. Womöglich ist das Buch aber auch einfach einen Ticken zu lang. Trotzdem für alle, die Epos und eine märchenhafte Sprache sowie historische Fiktion lieben: eine klare Leseempfehlung! Lang gesagt: Ein wunderbarer Epos, der die Insel Minger über ein halbes Jahr während einer Pest-Seuche begleitet. Das Buch erschafft historische Fiktion, aber alles vor dem Hintergrund des tatsächlichen Untergangs des osmanischen Reichs im 20. Jahrhundert sowie des omnipräsenten Imperialismus der Kolonialmächte der Zeit. Man bewegt sich im Tages-Rhythmus durch die Geschichte und beobachtet, wie die Religionen, die Nationalitäten und politischen Ströme, die auf der Insel vertreten sind, mit der Pest umgehen und wie die Katastrophe nach und nach von statten geht. Die Komplexität wird zugänglich durch verschiedene Schlüsselpersonen, die jedoch nicht alle die Zeit überdauern - was das ganze nochmal spannender macht. Ich denke, der Fakt, dass wir Corona und die damit einhergehende Quarantäne erlebt haben, hat mir ermöglicht, das Beschriebene in dem Buch noch besser nach zu fühlen. Soweit ich verstanden habe, ist das Buch zwischen 2016 und 2021 geschrieben worden. Kudos an Pamuk für soviel Zeitgeist. Das Buch ist unfassbar reich an Farben, Bildern, Geschehnissen, Informationen und Leben (wie auch Tod) und ob der Dramatik der Geschichte findet sich auch soviel Alltägliches und Normalität. Pamuk erschafft eine Märchenwelt mit Sultantöchtern, der Pest, Putsch-Versuchen, familiären Tragödien, machtsüchtigen Männern, abergläubischen Bürgern und politischen sowie religiösen Machenschaften. Und das alles auf einer Insel, die farbenfroh schillert mit rosa-farbenem Marmor, bunten Papageien, türkisenem Wasser, und riecht nach Rosenwasser, Nüssen und dem Meeressalz.
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Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus. Für seine Werke erhielt er u.a. 2003 den Impac-Preis, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis für Literatur. Bei Hanser erschienen zuletzt Der Koffer meines Vaters (2010), Cevdet und seine Söhne (Roman, 2011), Der naive und der sentimentalische Romancier (2012), der Katalog Die Unschuld der Dinge. Das Museum der Unschuld in Istanbul (2012), Diese Fremdheit in mir (Roman, 2016), Die rothaarige Frau (Roman, 2017), Istanbul (Erinnerungen und Bilder aus einer Stadt, 2018) und Die Nächte der Pest (Roman, 2022).
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Auf der fiktiven Insel Minger bricht 1901 die Pest aus und ein hingeschickter Quarantänearzt wird ermordet. Daraufhin sendet der Sultan seine Nichte und ihren erst vor kurzem geehelichten Mann (ebenfalls Seuchenarzt) zur Aufklärung hin. Daraufhin nehmen wir Teil an der weiteren Entwicklung der Insel.
Dieses Buch ist sehr gut geschrieben. Der Leser bleibt aber immer etwas distanziert und man schaut aus der Zukunft zurück auf die Vergangenheit. Die Erzählerin berichtet auch, dass sie Historikerin ist und die Geschichte der Entstehung des Staates Mingers aufschreiben will. Durch diese Distanziertheit baute sich nur gering ein Spannungsbogen auf und ich musste mich doch schon motivieren dieses dicke Buch durchzulesen. Dabei sind die Themen durchaus sehr spannend: Wie reagieren Menschen auf die Pest, warum halten sie sich nicht an die Quarantäne, Widerspruch Aberglaube Wissenschaft. Viele Punkte haben mich auch an die Corona-Pandemie erinnert. Auch die Entstehung des Staates Mingers war in seiner Widersprüchlichkeit sehr interessant. Fazit: für Geschichtsinteressierte auf alle Fälle eine Leseempfehlung, aber definitiv nichts zum schnell weglesen.
Zum Hörbuch: Wieder einmal liefert "der Hörverlag" ein optisch sehr ansprechendes und Produktiv hochwertiges Hörbuch, mit zwei hervorragenden Sprechern mit Thomas Loibl und Juliane Köhler Zum Buch: Zusammengefasst erzählt das Buch von einem Ausbruch der Beulenpest auf der fiktiven Mittelmeerinsel Minger im Jahr 1901, als die Insel noch Teil des untergehenden Osmanischen Reiches war. Die Entwicklung der Charaktere ist ein wenig mangelhaft. Pamuk opfert manchmal die Detail-Geschichte den Interessen der Übergreifenden-Geschichte und behandelt das Buch wie ein trockenes Geschichtsbuch. Das schadet der "Lesbarkeit" des Buches ein wenig und die Lektüre kann sich manchmal wie eine lästige Pflicht anfühlen, besonders für den Laien, der kein besonderes Interesse an historischen Ereignissen hat. Die Charaktere hätten besser ausgearbeitet werden können und viel intimer sein können und ich fühlte mich nicht besonders in ihr Leben involviert, als Ergebnis. Auf den über 600 (!) Seiten des Buches habe ich nicht ein einziges Mal die Dramatik der Epidemie gespürt, die die Bevölkerung der kleinen Insel auslöscht, oder den revolutionären Rausch, oder die Qualen der allgegenwärtigen (so der Autor) religiösen Konflikte, oder schließlich die Erleichterung und das Glück, nachdem die Pest überwunden ist. Wirklich nur für totale Historien-Freaks geeignet.
Kurz gesagt: Wer einen komplexen und märchenhaften Epos liebt, ist hier richtig aufgehoben. Ich denke, es ist kein Buch, das man nebenher mal da mal da über Wochen lesen kann, sondern eins, das man am Stück lesen muss, da man sonst den Überblick und Zugang verliert. Ich habe circa 550 Seiten in 4 Tagen gelesen und war begeistert und die letzten 150 über 10 Tage verteilt und bin dadurch rausgekommen. Womöglich ist das Buch aber auch einfach einen Ticken zu lang. Trotzdem für alle, die Epos und eine märchenhafte Sprache sowie historische Fiktion lieben: eine klare Leseempfehlung! Lang gesagt: Ein wunderbarer Epos, der die Insel Minger über ein halbes Jahr während einer Pest-Seuche begleitet. Das Buch erschafft historische Fiktion, aber alles vor dem Hintergrund des tatsächlichen Untergangs des osmanischen Reichs im 20. Jahrhundert sowie des omnipräsenten Imperialismus der Kolonialmächte der Zeit. Man bewegt sich im Tages-Rhythmus durch die Geschichte und beobachtet, wie die Religionen, die Nationalitäten und politischen Ströme, die auf der Insel vertreten sind, mit der Pest umgehen und wie die Katastrophe nach und nach von statten geht. Die Komplexität wird zugänglich durch verschiedene Schlüsselpersonen, die jedoch nicht alle die Zeit überdauern - was das ganze nochmal spannender macht. Ich denke, der Fakt, dass wir Corona und die damit einhergehende Quarantäne erlebt haben, hat mir ermöglicht, das Beschriebene in dem Buch noch besser nach zu fühlen. Soweit ich verstanden habe, ist das Buch zwischen 2016 und 2021 geschrieben worden. Kudos an Pamuk für soviel Zeitgeist. Das Buch ist unfassbar reich an Farben, Bildern, Geschehnissen, Informationen und Leben (wie auch Tod) und ob der Dramatik der Geschichte findet sich auch soviel Alltägliches und Normalität. Pamuk erschafft eine Märchenwelt mit Sultantöchtern, der Pest, Putsch-Versuchen, familiären Tragödien, machtsüchtigen Männern, abergläubischen Bürgern und politischen sowie religiösen Machenschaften. Und das alles auf einer Insel, die farbenfroh schillert mit rosa-farbenem Marmor, bunten Papageien, türkisenem Wasser, und riecht nach Rosenwasser, Nüssen und dem Meeressalz.







