Nahe dem wilden Herzen

Nahe dem wilden Herzen

Softcover
3.47

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Description

»Eine der geheimnisvollsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts.« Orhan Pamuk

»Es ist eigenartig, dass ich nicht sagen kann, wer ich bin.« In der Ehe mit Rechtsanwalt Otávio findet Joana keine Antwort auf ihre Fragen. Auch ihr drängender Wunsch, nahe dem »wilden Herzen« des Lebens zu sein, sich durch die Liebe zu befreien, bleibt unerfüllt. Joana sucht im Rückblick auf die eigene Kindheit und Jugend nach Träumen und frühen Zielen, stößt auf inneren Reichtum und die Gewissheit zu leben. Lispectors autobiografisch gefärbter Roman gleicht einer Reise ins Innere des Verstehens einer Frau. Im Alter von nur 19 Jahren verfasst, machte er die Autorin in Brasilien mit einem Schlag berühmt. Noch heute staunt man über die kühnen Bilder, die radikale Ehrlichkeit und philosophische Tiefe, mit denen Lispector das junge, hungrige Leben einer Frau auslotet.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
272
Price
14.40 €

Author Description

Clarice Lispector wurde 1920 als Tochter jüdischer Eltern in der Ukraine geboren und wuchs im ärmlichen Nordosten Brasiliens auf. Sie studierte Jura, arbeitete als Lehrerin und Journalistin und führte als Diplomatengattin ein ebenso glamouröses wie rebellisches Leben. Lispector schrieb Romane, Erzählungen, Kinderbücher und Kolumnen. In Brasilien ein Star, starb Lispector 1977 mit nur 56 Jahren in Rio de Janeiro. Erst nach ihrem Tod wurde die Bedeutung ihres Werks, das in Deutschland im Penguin Verlag erscheint, weltweit erkannt.

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"Die Freiheit, die sie manchmal empfand. Sie erwuchs nicht aus klaren Überlegungen heraus, vielmehr aus einem Zustand, der aus zu organischen Wahrnehmungen gemacht schien, um sie als Gedanken zu formulieren. Manchmal zitterte, in der Tiefe der Empfindung, eine Idee, die ihr annähernd ihre Art und Farbe zu Bewusstsein brachte." (Joanas Freuden, Seite 40) Dem Roman von 1943 ist ein Zitat von James Joyce vorangestellt, daher kann das Debüt der damals 23jährigen Autorin auch als weibliche Stimme zur Moderne interpretiert werden. Die brasiliansche Schriftstellerin mit den ukrainischen Wurzeln ist in ihrem Werk fast ausschließlich auf das Innenleben ihrer Protagonistin fokussiert. Mit ihren existenziellen Gedankenspielen, die sich in klar formulierten Grundsatzfragen äußern, mit der sie ihr Umfeld bereits als Kind überrumpelt und auch in Verlegenheit bringt, zieht sie den Leser schonungslos dicht an das heran, was sich tief im Herzen bewegt. Dabei werden Äußerlichkeiten wie Konventionen einer kritischen Analyse unterzogen. Gegen Ende der Geschichte kommt man nicht umhin, die Unerfahrenheit der Autorin zu bemerken, was der Lektüre ansich nicht schadet. Aber die zunehmend konzentrischen Kreise finden am Ende einen Fixpunkt, der fast episch wirkt und nicht so recht zu der ansonsten eher ambivalenten Grundstimmung des Romans passt. Der Stil des Romans ist sehr ausdrucksstark, fast schon blumig. Gerade zu Beginn geht er in Richtung Expressionismus, wenn Gegenstände in die komplexe Gedankenwelt der Protagonistin eingewoben und lebendig werden. Auch an Metaphern fehlt es nicht und die Autorin sucht nach Beschreibungen um Worte mit allen Sinnen zu fassen. Bei all der Begeisterung über das Talent der Autorin, wird man beim Lesen aber auch manchmal etwas überfrachtet von all den Gedankengebilden und eine gewisse Ermüdung tritt ein. Paradox erscheint auch, dass man eine zunehmende Distanz zu der Protagonistin aufbaut, je mehr man ihr Innenleben kennenlernt. FAZIT Obwohl dieser Roman ohne Zweifel ein beeindruckendes Debüt einer sehr jungen Autorin mit Talent ist, gibt es doch einige Faktoren, die den Glanz der Lektüre schmälern. Trotzdem ein Leseversuch wert!

4

Bis über die Hälfte konnte ich mit dem Buch wenig anfangen. Ganz seltsame Stimmung, Gedankenströme, unterkühlte, nüchterne Betrachtungsweise, teils entrückt, dann wieder Soap Opera artige Ergüsse. Das meiste bleibt vage, wird nur angedeutet, in kurzen Betrachtungen Lebensereignisse eingebracht, die keine Nähe zu Personen ermöglichen. Das letzte Drittel hat mich einfangen können. Für mich ein Buch, in dem eine Frau aus dem Totenreich zu uns spricht. In einer Parallelwelt gefangen- wie betäubt und orientierungslos. Das Totengebet zum Schluss der Knaller. Ein Begräbnisritual und der Weg in die Freiheit. Pathos, Energie und völlig überladen - genau was dem Buch die ganze Zeit fehlte entlädt sich wie ein Vulkan. Definitiv ein Buch das die Zweitlektüre erzwingt.

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