Nach den Fähren

Nach den Fähren

Hardback
3.9134

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Description

»Vielleicht morgen, sagt der Hafenwärter. Vielleicht kommen die Fähren morgen wieder.« Auf einer vormals beliebten Urlaubsinsel bleiben mit einem Male die Fähren aus und mit ihnen die Urlauber. Das Leben kommt zum Stillstand, die meisten Bewohner verlassen die Insel, nur ein paar wenige harren aus. Hoffend auf eine Rückkehr der Fähren und isoliert voneinander gehen sie den immergleichen Tätigkeiten nach. Das Leben dieser Übriggebliebenen ändert sich erst, als ein Mädchen namens Ada auf unerklärliche Weise im Sommerpalast erscheint und die Nähe zu dem ehemaligen Hausmeister sucht. Ihre Fragen nach seiner Vergangenheit und nach der der Insel führen zu einem Umbruch, der auch dann nicht mehr aufzuhalten ist, als Ada so plötzlich verschwindet, wie sie aufgetaucht ist. Mehr und mehr verweben sich die Geschichten der Figuren, die beginnen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen - und mit der Frage, ob eine Rückkehr der Fähren überhaupt wünschenswert ist. Thea Mengelers Roman erzählt von privaten und gesellschaftlichen Machtverhältnissen, vom (Über-)Tourismus und von den Prozessen der Rückeroberung des eigenen Lebens, des eigenen Lebensraumes. In ihrer knappen, aber feinfühligen und präzisen Sprache schildert sie die Geschehnisse auf der Insel und das Innenleben ihrer Figuren, deren Lebensentscheidungen auf dem Prüfstand stehen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
175
Price
22.70 €

Author Description

Thea Mengeler geb. 1988, aufgewachsen in Krefeld, studierte Literarisches Schreiben und Kommunikationsdesign in Hildesheim, Kiel und Istanbul. Sie war Styria Artist in Residence und Writer in Residence im Museumsquartier Wien. Aktuell lebt sie als freiberufliche Autorin und Texterin in Hannover. 2024 veröffentlichte sie ihr Buch »Nach den Fähren«, das im NDR ›Buch des Monats‹ wurde, wenig später wurde es mit dem Preis der Hotlist ausgezeichnet. Außerdem erhielt Thea Mengeler für diesen Roman den Rotahorn-Literaturpreis.

Posts

32
All
3

Eine Insel ohne Besucher

Vor langer Zeit schon sind die Fähren ausgeblieben und nur noch einige sind zurück geblieben. Die Doktorin, die Frau des Generals, der Hausmeister, der Barmann, … keiner hat einen wirklichen Namen, nur die kleine Ada, die plötzlich auftaucht und genau plötzlich auch wieder verschwindet. Ein ganz eigener Erzählstil, so was habe ich noch nicht gelesen und bin mir auch unschlüssig, ob es mir gefällt… Ich muss noch über dieses Buch nachdenken

3.5

Thea Mengeler legt mit „Nach den Fähren“ ein bemerkenswert stilles, zugleich hochpräzises Debüt vor. Der Text bewegt sich in einem Zwischenraum: zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Landschaft und Innenwelt, zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was ungesagt bleibt. Genau in diesem Schwebezustand entfaltet das Buch seine größte Kraft. Mengelers Sprache ist das eigentliche Ereignis des Buches. Reduziert, aber nie karg – jeder Satz wirkt wie sorgfältig geschliffen. Poetisch ohne Pathos – Bilder entstehen beiläufig, fast nebenher. Ruhig, aber nicht sanft – unter der Oberfläche liegt eine beständige Spannung. Die fragmentarische Struktur – kurze Abschnitte, lose Szenen, Erinnerungsfetzen – spiegelt diese Zwischenzustände formal. Das funktioniert hervorragend, verlangt aber eine gewisse Bereitschaft, sich treiben zu lassen. Die Figuren wirken bewusst unscharf, fast wie Schemen im Nebel. Das ist kein Mangel, sondern Programm. Sie sind Träger von Stimmungen, nicht von Handlung. Ihre Beziehungen werden eher angedeutet als erklärt. Die Perspektive bleibt intim, aber distanziert, als würde man durch ein leicht beschlagenes Fenster schauen. Wer klassische Plotentwicklung erwartet, wird hier nicht fündig. Wer jedoch literarische Verdichtung schätzt, wird reich belohnt. Stärken - außergewöhnlich präzise, poetische Sprache - atmosphärische Dichte - kluge, unaufdringliche Symbolik - mutige formale Reduktion Mögliche Schwächen - sehr leise, fast kontemplative Erzählweise - wenig Handlung im traditionellen Sinn - emotional eher kühl, was manche Leserinnen und Leser auf Distanz halten könnte „Nach den Fähren“ ist ein feinsinniges, literarisch anspruchsvolles Debüt, das sich Zeit nimmt und dem Leser ebenfalls Zeit abverlangt. Es ist ein Buch für Menschen, die die Zwischentöne lieben, die in Stille mehr hören als im Lärm und die bereit sind, sich auf eine poetische Erkundung von Übergängen einzulassen.

4

Ein sehr besonderes Buch ! Die Langsamkeit des Lebens auf einer Insel, die nur noch von wenigen Menschen bewohnt ist, legt sich über den ganzen Roman. Ich lese eigentlich schnell, aber das funktioniert hier nicht. So viele schöne Sätze muss man mehrmals lesen und überdenken, um sich einzufühlen und ins Nachdenken zu kom men. Man ist in einer anderen Welt und beginnt,über das eigene Leben nachzudenken. Ich finde, es passt sehr gut in diese ruhige Jahreszeit zum Innehalten und das eigene Leben zu reflektieren.

4

Düstere Dystopie

Die Fähren kommen nicht mehr, sie bringen keine Touristen mehr auf diese namenlose Insel. Warum, weiß niemand, hinterfragt auch keiner. Nach und nach legt sich ein Schleier von Vergessen, von Stille, von Stillstand über die Hotels, die Restaurants und die Bars. Ein sehr ruhiges und gleichzeitig sehr düsteres Buch, in dem eigentlich nichts passiert, das aber trotzdem eine Geschichte erzählt. Nichts zum Nebenbeilesen, aber überaus lesenswert.

4

Eine kleine Insel, nach und nach kommen mehr und mehr Touristen, die Insel verändert sich. Aber auf einmal bleiben die Fähren aus, der Boom ist vorbei, nur wenige bleiben zurück. In kurzen Kapiteln erfährt man, wie es den Menschen geht, die zurückbleiben, wie das Leben früher war, ihre Wünsche, Träume, Sehnsüchte. Ein kurzes, aber tiefgründiges Buch voller Melancholie und Stille.

5

Warum habe ich es erst jetzt gelesen?! Definitiv eins meiner Jahreshighlights! 🤩

„Was verschwindet, ist die Vorstellung einer Zukunft. Was verschwindet, ist die Illusion einer Fortsetzung der eigenen Existenz.“ Wo sind nur plötzlich all die Fähren, die sonst die namenlose Insel irgendwo im Süden ansteuerten und sommertags massenhaft Touristen ausspuckten?! Die Mehrheit der Einheimischen ist gezwungen, die Insel zu verlassen, denn die Grundlage ihrer Existenz ist weggebrochen. Nur ein paar Übriggebliebene hat es auf der Insel gehalten, wie den Hausmeister, der einfach stoisch weiter seine Tätigkeiten in einem altehrwürdigen Hotel, dem Sommerpalast, ausübt. Die Pfauen wollen versorgt werden, der Pool gereinigt und die Zimmer gelüftet werden. Alle warten auf ein Wunder - sei es die Frau des Generals, die im gelben Haus ihren Ehemann pflegt oder die Ärztin, die zuletzt auf die Insel kam und nun nicht mehr fort kann. Auch der Bäcker, eine Krankenschwester, ein Barmann und ein Hafenwärter harren der Dinge, die da kommen. Einzig die kleine Ada bringt Bewegung ins Geschehen, stellt dem Hausmeister Fragen und regt zu einem Umdenken an: „Wem gehörte die Insel, fragt Ada vorm Zubettgehen, wem gehört sie jetzt? Er blickt sie an, ohne zu begreifen. Uns sagt er, natürlich uns. Wir waren hier, nicht nur in den Sommern, sondern auch in den kurzen, kalten Wintern. Wir waren die, die blieben. Wir bleiben noch. Sie antwortet nicht und ihm ist, als übersähe er etwas.“ Ist eine Rückkehr der Fähren für die Insel und ihre Bewohner*innen überhaupt wünschenswert?! Private und gesellschaftliche Machtverhältnisse treten in den Vordergrund, es geht um die Rückeroberung des eigenen Lebens (-raumes) und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Für mich hat sich der Reiz des Buches nicht sofort entfaltet, dafür dann aber mit umso größerer literarischer Wucht. Es war faszinierend zu sehen, wie die zuvor starren Figuren, die zunächst roboterartig ihren Alltag fortführten, unversehens auf eine andere Art zu Leben beginnen, sie knüpfen neue Kontakte zu ihren Mitmenschen und erfinden sich selbst neu in einer vom Tourismus ausgebeuteten Gesellschaft. Der Übertourismus hat seinen Tribut gefordert - die Folge ist, dass die Insel von den einschlägigen Schiffen nicht mehr angefahren wird und die Besucherfrequenz abnimmt. Thea Mengeler schafft in „Nach den Fähren“ ein Abbild einer Gesellschaft im Wandel - ausgelöst durch das plötzliche Ende eines Tourismusbooms. Das Buch wechselt zwischen drei Perspektiven: der des Hausmeisters, der im Sommerpalast nach dem Rechten schaut und der General und seine Frau, die im gelben Haus wohnen - und dritte Perspektive offenbart uns einige Verluste, die zu beklagen sind. Für mich war sowohl das Tempo, als auch der Perspektivwechsel gut getaktet. Sowohl die Erzählkulisse, als auch die Figuren sind gut ausgearbeitet. Bildhaft schildert Mengeler den ständig wachsenden Verlust, eines Vakuum gleichs könnte man den Zustand auf der Insel zusammenfassen. Sie fängt perfekt die einsame Atmosphäre eines verlassenen Ortes mit Worten ein. Die Autorin hat mich nicht nur mit ihrer präzisen, einfachen, aber gleichzeitig auch feinfühligen und kunstvollen Sprache überzeugt - auch durch ihre Verweise auf Werke von Ingeborg Bachmann und Marguerite Duras hat sie mich schnell für sich gewonnen. Alles scheint still zu stehen auf der Insel - und Thea Mengeler regt genau damit die Leser*innen an, über den Sinn des Seins nachzugrübeln und sich selbst zu reflektieren. Ein ganz besonderes Buch, das in mir viel ausgelöst hat und das auf der diesjährigen Shortlist der Hotlist platziert ist - ich aber auch gerne auf der Liste des Deutschen Buchpreises gesehen hätte. Thea Mengeler ist für mich eine der größten literarischen Neuentdeckungen meines Lesejahres und ich freue mich und bin gespannt, was wir noch alles von ihr zu lesen bekommen werden.

3

Leben ohne Touristen

Aus wechselnden Perspektiven wird erzählt, wie das Leben auf einer Insel passiert nachdem die letzte Fähre mit Touristen kam. Das scheint Jahre her zu sein und die Bewohner haben sich damit arrangiert. In Rückblicken wird berichtet, wie es vorher war und das Leben jetzt dargestellt. Dies tut die Autorin in knappen Sätzen, ruhig und fast sachlich. Ich fand es thematisch interessant, fand jedoch schwer Zugang zu den Personen, diese sind mir ein wenig fremd geblieben. Die für mich bleibende Erkenntnis ist die Kritik am Massentourismus der heutigen Zeit.

5

Tolles Winterbuch

Was ein schönes poetisches Buch,.. was passiert auf einer abgeschiedenen Insel, wo plötzlich die Fähren ausbleiben und nur noch ein paar einheimische übrig? Das beschreibt Thea Mengele in so schönen Wortbildern. Ich hab es sofort am 1.1. durchgelesen und empfehle es sehr.

Tolles Winterbuch
5

Große Leseempfehlung für ein Buch, das zeigt, was Worte erschaffen können.

Ruhe ist eingekehrt im Sommerpalast, in der Bar, in der Bäckerei und an allen anderen Orten der einst so beliebten Ferieninsel. Wo sich vor einigen Jahren Tourist:innen dicht an dicht an den Stränden drängten, spaziert heute nur noch die Doktorin entlang der schäumenden Wellen. Der Hausmeister des Sommerpalasts, die Frau des Generals, die Bäckerin und die anderen, die geblieben sind, müssen sich neue Aufgaben suchen, jetzt wo die Fähren nicht mehr kommen. Und dann ist da dieses Mädchen… 🐚⛴️🦚 Was für ein leiser Roman. Was für zarte Worte und dennoch reichen sie so tief. Sie wühlen auf und zerren ans Licht, was lange verborgen war. Von außen betrachtet, übernehmen Entschleunigung und Lethargie nun die kleine Insel. Doch im Inneren gerät alles in Bewegung – im Inneren der Menschen, die sich für ihre alte oder neue Heimat entschieden haben und geblieben sind. Der Hausmeister, die Frau des Generals, die Bäckerin, der Barmann und die anderen müssen sich arrangieren mit Ruhe und Einsamkeit. Sie vermissen die Zeit, als die Fähren die Reisenden brachten. Und dann ist Ada da – ein Mädchen, das ebenso lautlos verschwindet wie es auftaucht. Doch sie bringt die Menschen zusammen. Auf einmal ist alles anders: Gespräche, Interaktion, Empathie, Beziehungen. Die, die geblieben sind, achten aufeinander, finden zueinander und zu sich selbst. Das Leben kehrt zurück, sie suchen nach der Vergangenheit und der Zukunft, sie entwickeln Wünsche und Pläne. Die Autorin erzählt in sanftem und dennoch durchdringenden Stil die Geschichte dieser Insel – nach den Fähren. Ihre Sätze haben mich tief hineingeführt in die Atmosphäre, so als würde ich selbst zwischen den Pfauen gehen, das frisch gebackene Brot riechen und im Pool schwimmen. Ich hab die Insel gefühlt und ich habe die Menschen gefühlt. Große Leseempfehlung für ein Buch, das zeigt, was Worte erschaffen können. Wie schön, dass Thea Mengeler diese Worte für uns niedergeschrieben hat. Das Lesen war so intensiv. 🩵🦚

Große Leseempfehlung für ein Buch, das zeigt, was Worte erschaffen können.
4.5

Nachdenken über die Vergänglichkeit und das Was wäre wenn. Was wenn der Alltag nicht mehr Alltag wäre? Was ändert man, wenn sich alles ändert? Ein nachdenkliches Buch.

4

Irgendwie habe ich das Bedürfnis es nochmal zu lesen. Ich bin so durchgerauscht durch dieses kleine Buch und habe das Gefühl, ich hätte mir mehr Zeit nehmen sollen, um es richtig erfassen zu können. Ich mochte den Schreibstil und die Atmosphäre, die Personen und die Idee. Ein angenehm ruhiges Buch.

4

Im Buch geht es um eine unbekannte Insel, auf der irgendwann die Touristen ausbleiben. Denn es kommen keine Fähren mehr. Seit Jahren inzwischen. Wir lernen die übriggebliebenen kennen, allesamt namenlos. Den Hausmeister, der sich um den Sommerpalast kümmert, das nun leerstehende Hotel, in dem einst die Touristen im Mittelpunkt standen. Er bekommt unverhofft Gesellschaft von einem Mädchen namens Ada, die sein ruhiges Dasein durcheinanderbringt. Dann ist da noch die Doktorin, eine Langzeittouristin, die ihre Zeit auf der Insel als Rückzug von der anderen Welt verstand. Die Frau des Generals, die eigentlich nur weg will, sich aber durch die Pflege ihres Mannes gefangen fühlt. Die Fähren kehren nicht zurück und Thea Mengeler beschreibt in einer ganz besonderen Sprache, wie die Verbliebenen mit der Situation umgehen. Wer sie sind, wie es war, bevor die Touristen kamen und bevor sie wegblieben. Es entstehen nur ganz reduzierte Dialoge und doch hatte ich beim lesen immer genau vor Augen, wie sich die Gespräche anhörten und anfühlten. Es wird nicht in langen, verwundenen Sätzen beschrieben, sondern mir kam es manchmal vor, als werden mir Fragmente hingeworfen, die ich selbst zusammenfügen muss. Und das gelingt. Ein leises und besonderes Buch, das mir beim Bücherbummel wahrscheinlich nicht aufgefallen wäre. Das ich aber nun wirklich gern gelesen habe.

5

Ohne viel Worte

Was wäre wenn der Tourismus verschwindet, was wenn niemand mehr zur Insel fahren würde? Was würde denn mit den Menschen auf der Insel passieren? Was wäre wenn sie zurückbleiben würden auf dieser Insel, in der Welt die einst für den Tourist gedacht war. Wie würden sie leben? Würden sie leiden oder genießen? Was würde fehlen? Ein stiller Roman, so besonders die Idee, so wenig Worte um das Thema nahezubringen. Einfach perfekt.

4

Ein wortgewandter Roman, der die richtigen Fragen stellt

Früher war die Insel unglaublich beliebt bei den Touristen und nahezu jeder Bewohner lebte vom Tourismus. In einem Jahr blieben die Touristen plötzlich aus und nach und nach verließen die Bewohner die Insel, nur einige wenige blieben zurück. Täglich gehen sie den immer gleichen Tätigkeiten nach, sind einander fremd und warten darauf, dass die Fähren mit Besuchern wiederkommen. Als der ehemalige Hausmeister der Sommerpalasts das kleine Mädchen Ada trifft, stellt diese viele Fragen darüber, wie es früher war und auf der Insel beginnt ein Umbruch, die Bewohner beginnen miteinander zu sprechen und ihre Geschichten verweben sich… Ich habe „Nach den Fähren“ von Thea Mengeler nur entdeckt, weil ich auf Instagram eine Rezension darüber gelesen habe. Die hat mich neugierig genug gemacht um mir das Buch zu kaufen. Der Roman ist in kurze Kapitel unterteilt und ich muss sagen, am faszinierendsten fand ich die Kapitel, in denen die Verluste aufgezählt wurden, die mit dem Wegbleiben der Touristen eingetreten sind. Sehr interessante und vielfältige Gedanken hat die Autorin dort zu Papier gebracht. Generell mochte ich auch sehr, wie aus den Bewohnern nach und nach eine kleine Gemeinschaft im weitesten Sinn entstanden ist. Ihre Gedanken, ihre Handlungen, ihre Beweggründe und ihre Erinnerungen sind knapp formuliert aber ausreichend um ein gutes Bild zu erhalten, was für ein Schaden und zugleich eine wirtschaftliche (und individuelle) Abhängigkeit durch Tourismus entstehen kann. Die Protagonisten blieben mit fremd. Auch die Insel blieb mit fremd. Die Gedanken der Einzelnen jedoch begleiten mich, weil sie mich traurig und nachdenklich zugleich gemacht haben. Ein kurzer, wortgewandter Roman, der wichtige Fragen stellt und einlädt mal genauer hinzuschauen. Doch am Ende fehlte mir ein Abschluss, der nicht so viel offen lässt. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. ⭐️⭐️⭐️⭐️

5

Ein feines, ruhiges Buch mit einer intimen Apokalypse 

In letzter Zeit habe ich sehr rasante Bücher gelesen, die mein Herz zum rasen gebracht haben und bei denen ich jede neue Seite erwartungsvoll um geblättert habe. Dieses Buch hat mein Herz sehr beruhigt, auf jede neue Seite habe ich mich trotzdem gefreut Eine Insel wird vergessen. Die Fähren bleiben aus und mit ihnen die Touristen. Einige wenige „Übriggebliebene“ verweilen auf der Insel, hüten das Hotel, verbringen dort ihren Lebensabend und schauen dem Verfall in Zeitlupe zu. Ein kleines Mädchen taucht auf und gibt dem Hausmeister des „Sommerpalastes“ einen Sinn. Als Ada wieder verschwindet kann er sich damit nicht abfinden. Wir schauen ihm und weiteren Personen dabei zu, wie sie versuchen sich mit der lebenden Eintönigkeit zu arrangieren. Teils treten sie dem Verlust entgegen, teils stellen Sie ihn selber her. Der Plot wirkt wie ein schallgedämpftes Stilleben. Langsamer, als die Realität ruhiger und isolierter. Die Protagonisten schwärmen von früher, tun sich schwer mit der neuen Gegenwart. Trotzdem wirkt das Buch über weite Strecken entschleunigend, entspannend. Der ruhige und teilweise poetische Erzählton, die sich immer wiederholenden Kapitelüberschriften und die einzelnen Einschübe über das, was verschwindet, üben eine große Sogwirkung auf mich aus. Ein Buch wie eine Hypnose auf der Suche nach Hoffnung.

5

Ich brauche mehr dieser Bücher 🖤

„Ein Vermissen ist immer. Es geht nur darum, zu entscheiden, welches Vermissen erträglicher ist.“ (S. 134) Auf der Insel bleiben seit Jahren die Fähren aus und mit ihnen die Touristen. Geschäfte werden geschlossen. Waren finden ihren Weg nicht mehr in die Regale, der Lärm der Zeit verschwindet. „Selbst die Möwen (…) haben sich aufgemacht (…) zu vermüllteren Stränden.“ (S. 5) Thea Mengelers ruhiger Roman gibt ein paar wenigen Insulanern die zarte Stimme und auch die Zuversicht zurück, mehr zu sein, als ein wirtschaftlicher Nutzen. Was bedeutet es, wenn die Stille Einzug erhält, sich die Präferenzen verschieben, anders ausgerichtet werden und vieles erst einmal nutzlos erscheint? Wartet man darauf, dass das Leben passiert oder findet man seinen Frieden in Gegebenheiten? Interessante und sympathische Charaktere finde ich zwischen den Seiten. Lassen mich ihr Verlangen, nicht in Vergessenheit zu geraten, nachspüren. Die Sprache poetisch und wissend, lässt Thea Mengeler viel Spielraum für eigene Überlegungen und eigene Reflektionen. Ich horche beim Lesen in mich hinein und frage mein eigenes Verhalten ab. Frage mich selbst, was ich möchte. Interessiere ich mich für die Insel? Ihre Bewohner? Die Kultur meines Urlaubsortes? Mag ich ein Teil davon sein und kann ich das überhaupt? Oder falle ich selbst wie eine Heuschrecke über zur Verfügung gestellten Ressourcen her mit der großen Frage, was hinterlasse ich an den Orten, an denen ich war? Muss ich dorthin? „Nach den Fähren“, ein wundervoll komponierter Roman mit Nachhall. Eine dystopisch oszillierende Stimmung. Einfach fantastisch 🖤. Mein Fundstück der Woche und ein Buch, das bleibt.

Auf einer beliebten Urlaubsinsel kommt der Fährverkehr plötzlich zum Erliegen, woraufhin die Touristen ausbleiben und die meisten Bewohner die Insel verlassen. Nur einige von ihnen bleiben zurück und hoffen auf eine baldige Rückkehr der Fähren. Sie beschäftigen sich mit Alltäglichem und führen ein relativ monotones, einsames Leben. Die Situation ändert sich, als ein Mädchen namens Ada im Hotel Sommerpalast auftaucht und Fragen zur Vergangenheit der Insel stellt. Ihr Erscheinen löst einen Umbruch aus, der auch dann weitergeht, als sie plötzlich wieder verschwindet. Thea Mengelers zweiter Roman schickt seine Leser*innen auf eine faszinierende Reise in eine dystopische Welt, die dennoch voller Hoffnung und Möglichkeiten ist. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven gewährt Mengeler Einblicke in das Leben verschiedener Charaktere auf einer verlassenen Insel, die trotz ihrer Abgeschiedenheit und ihrer düsteren Vergangenheit neue Lebenswege finden. Der ruhige Erzählton und die poetische Erzählweise schaffen eine entschleunigende Atmosphäre, entfalten aber doch eine unglaubliche Sogwirkung, die einen in die Welt der Protagonist*innen eintauchen und sich mit ihnen auf die Suche nach Hoffnung begeben lässt. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie Mengeler komplexe Themen wie Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Veränderungen in ihre Geschichte integriert, ohne dabei den Lesefluss zu beeinträchtigen. Ein Roman, der lange nachhallt und zum Nachdenken über die Möglichkeiten unkonventioneller Lebensmodelle und einer hoffnungsvollen Zukunft trotz widriger Umstände anregt.

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4

Eine leise Geschichte darüber, was bleibt, wenn auf einer Touristeninsel keine Gäste mehr ankommen. Mir hat die Erzählweise sehr gut gefallen und ich kann gut nachvollziehen, warum dieses Buch den Hotlist Preis 2024 gewonnen hat.

5

„Nach den Fähren“ von Thea Mengeler spielt auf einer Insel in einer nicht lokalisierten Mediterranität. Die Insel war plötzlich von den Touristen verlassen worden, und es kamen keine Fähren mehr, die andere gebracht hätten. Die handelnden Personen sind wenige Menschen. Der Hafenwärter ohne eine andere Aufgabe als auf die Rückkehr der Fähren zu hoffen. Der Hausmeister des früheren Hotels im Sommerpalast, Ada, ein Mädchen, taucht dort eines Tages in einem der Zimmer auf, die Ärztin, die sich um die erkrankten Touristen gekümmert hatte, ein dement gewordener General samt Gattin. Ein Barmann am Strand. Ein Soldat, der dort trinkt. Die Bäckerin. Der Pastor. Die Fischerin. Die Besseren. Während der Hausmeister das Hotel und dessen Mobiliar in Schuss hält und dabei Ada wie eine Tochter in sein Leben einbezieht und anlernt, nutzt die Doktorin die freie Zeit und den plötzlichen Medikamentenmangel, um Arzneien aus Kräutern herzustellen. Die Generalsfrau reitet über die Insel, der General findet sich nicht mehr zurecht. Der Müller, der eine Windmühle als museale Touristenattraktion betrieben hatte, tauscht nun sein traditionell hergestelltes Mehl und selbst gepresstes Olivenöl gegen beispielsweise hausgemachte Marmeladen der Generalsfrau. Es ist ein Roman über Abwesenheit. Die Fähren, die Touristen, die nicht mehr kommen. Ada, die so plötzlich verschwindet wie sie aufgetaucht war. Selbst die Fragezeichen sind abwesend. Auch die Liebe zwischen dem General und seiner Gattin ist abhanden gekommen. Es geht ums Verlieren und Vergessen, ums Erinnern und Aufbewahren. Und ums Erzählen. Ums Beschreiben. Um Spuren. Reminiszenzen. Dass die Fähren und damit die Touristen ausbleiben und das bisherige Leben, lässt uns ahnen, dass etwas Katastrophales geschehen sein muss, wovon die verbliebenen Inselbewohner nichts ahnen.

3

"Was verschwindet, sind die Kinder. Was verschwindet, ist die Vorstellung einer Zukunft. Was verschwindet, ist die Illusion einer Fortsetzung der eigenen Existenz." - Thea Mengeler, " Nach den Fähren" Auf einer Urlaubsinsel bleiben mit einem Mal die Fähren aus, keine Tourist*innen schwärmen mehr durch die Gassen und viele Bewohner*innen der Insel beschließen, diese zu verlassen. Die, die zurück bleiben versuchen, die Gebäude und Einrichtungen auf der Insel instand zu halten - das Leben an sich auf der Insel zu erhalten. Dabei leben sie kaum merklich nebeneinander her. Bis ein Kind auftaucht, das am Herzen des Hausmeisters rührt, genauso schnell wieder verschwindet und einen Menschen zurück lässt, der sich mit der Einsamkeit nicht mehr arrangieren kann. Thea Mengelers Roman "Nach den Fähren" ist eine leise, ruhige Erzählung über (Massen-)Tourismus und seine Folgen, aber auch über Menschen, die sich aus privaten Machtgefällen befreien, über Träume, Hoffnungen und zwischenmenschliche Beziehungen im dystopischen Kontext. Das Buch ist sehr dünn, ein kleiner literarischer Snack, der gut in einen Lesesonntag passt und durch seine stilistische Struktur durchaus etwas besonderes an sich hat. Ich mochte die verschiedenen namenlosen Figuren und auch die Idee hinter Thea Mengelers Roman, merke aber bereits jetzt, dass mich die Geschichte nicht nachhaltig beschäftigen oder mir länger im Kopf bleiben wird.

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3.5

Ruhige, entspannte Schreibweise

Eigentlich dachte ich, das ich das Buch mal eben weglesen kann, als eher dünnes Buch. Es hatte mich aber jetzt doch über paar Monate begleitet, weil ich mit dem Erzählstil nicht so ganz warm geworden bin. Das Buch ist sehr ruhig, es begleitet Kapitelweise abwechselnd die Alltags-Perspektive der Inselbewohner. Die Entwicklung der Charaktere kommt meines Empfindends nach erst zum Ende des Buches. Dafür lohnt sich das Durchhalten beim Lesen aber. Ich finde es spannend, welches Umdenken bei den Charakteren stattfindet. Ein langsames Erwachen aus der Starre. Zum Ende sind die Charaktere so real für mich, das ich hoffe das sie einen Weg aus der Hoffnungslosigkeit finden. Obwohl ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte, passte das von der Autorin gewählte doch perfekt. Im Fazit kann ich mich den vielen bereits geschriebenen Rezensionen nur anschließen.

4

„Der Hafen hat lange keine Fähre gesehen, seit Jahren nicht [...].Keine Touristen mehr in den Cafés, in den Fischrestaurants, den Bars [...] Selbst die Möwen , die meisten von ihnen, haben sich aufgemacht zu anderen Ufern, vermüllteren Stränden“ Eine ehemals beliebte Urlaubsinsel ist in eine Art Dornröschenschlaf gesunken. Nur einige wenige Übriggebliebene leben noch dort, abgeschnitten von der Aussenwelt, wie eingefroren in einer eigentümlichen Starre. Die Wäsche wird wieder von Hand gewaschen, die Tätigkeiten, denen sie früher nachgegangen sind, machen keinen Sinn mehr. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würden die Bewohner darauf warten, dass das Leben irgendwann wieder weiter geht. Im gelben Haus kümmert sich die Frau des Generals um ihren pflegebedürftigen Ehemann. Im Sommerpalast pflegt der Hausmeister nach wie vor die Gästezimmer und reinigt den Pool, obwohl niemand mehr dort Urlaub macht. Im Dorf leben die Ärztin, der Barmann, der Hafenmeister und die Bäckerin isoliert von einander in ihrer eigenen Blase. Als eines Tages ein Mädchen wie aus dem Nichts beim Hausmeister auftaucht, Fragen stellt und kurz darauf wieder verschwindet, kommt langsam Bewegung in die Gemeinschaft. Reduziert und in einer beeindruckenden Schlichtheit erzählt Thea Mengeler von Menschen, die in alten Mustern gefangen sind. Immer wieder wird klar gemacht, dass der Tourismus zwar vieles kaputt gemacht hat, trotzdem war es früher besser, sagen die Übriggebliebenen. Die kurzen mit „Einige Verluste“ betitelten Kapitel verdeutlichen, dass es mehr um Verlust als um den Massentourismus an sich geht. Sprachlich brilliant und einfühlsam schildert die Autorin eine Art Trauer um Vergangenes, eine Unfähigkeit, in der Gegenwart zu leben und Veränderungen anzunehmen, aber auch die Angst davor, das Leben in die Hand zu nehmen und Entscheidungen zu fällen. „Wenn man bloß lange genug nichts tut, dann sieht es wie eine Entscheidung aus. Aber es steht kein Entschluss dahinter, nicht einmal ein Akzeptieren des Zustands. Nur die Unfähigkeit, sich zu etwas anderem zu entschließen. Und dann ist das eben der Zustand, in dem man bleibt. Dann ist es das.“ Ein beeindruckendes, vielschichtiges und in seiner stillen Melancholie sehr berührendes Buch mit vielen schönen Sätzen und Passagen!

4.5

Ruhiges, stimmungsvolles Buch.

3.5

Mal was anderes

Diese Buch unterscheidet sich sehr von dem was ich sonst so lese. Es hat mir auch gut gefallen, der Schreibstil ist toll. Kurze Kapitel, immer ein Wechsel zwischen den Protagonisten und Orten. Aber irgendwie war das Buch für mich unvollständig. Vor allem das ende fand ich zu abrupt. Daher nur gute 3,5 Sterne, aber trotzdem eine Empfehlung!

3

Der ruhige Schreibstil gefällt mir gut. Eine gute, kurzweilige Lektüre für Zwischendurch.

3

Kennt ihr das, wenn ihr euch nach dem Lesen fragt ob ihr das Buch verstanden habt? So erging es mir beim Lesen von Nach den Fähren von Thea Mengeler. Ich habe bisher echt viele positive Rezensionen zu diesem Buch gelesen und es dann angefragt. Die Protagonisten im Buch bleiben fast alle namenslos und bekommen nur Spitznamen. Die Kapitel sind kurz gehalten, wovon ich total der Fan bin. Dadurch dass aber die Protagonisten so blass bleiben und die Situationen eher wage erzählt werden, konnte ich mich nicht wirklich in die Geschichte fallen lassen. Die Idee rund um eine fiktive Urlaubsinsel, bei der die Gäste irgendwann ausbleiben und dadurch sich auch die meisten Inselbewohner irgendwann verschwinden, fand ich super interessant. Nur eben die Umsetzung war einfach nicht mein Geschmack, da bin ich dann doch eher der Typ der ausführliche Beschreibungen und alle Hintergründe zu den Protagonisten haben möchte.

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4

Was, wenn eine Gesellschaft plötzlich ganz auf sich zurückgeworfen ist? Lange war die Insel ein Touristenmagnet. Jetzt bleiben die Daten Fähren, bleiben die Touristen aus. Eindrücklich, langsam und voller Poesie wird von den verbleibenden Bewohnern erzählt, von ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart, ihren Gedanken. Die Charaktere sind so einfühlsam gezeichnet, dass jede Geschichte dieser fiktionalen Leben emotional real wirkt.

3.5

Stabiles Buch, super kurz. Coole Prämisse und sehr verschlingen der Schreibstil. Layout der Seiten ist ein bisschen betrügerisch, gibt ca. 30-45 Seiten die zu maximal 50% gefüllt sind.

3

Mindestens 3,5 - Super süß, ruhig, gemütlich entspannt. Mir haben nur ein paar Worte gefehlt, ein paar Antworten.

4

„Der Hafen hat lange keine Fähre gesehen, seit Jahren nicht [...].Keine Touristen mehr in den Cafés, in den Fischrestaurants, den Bars [...] Selbst die Möwen , die meisten von ihnen, haben sich aufgemacht zu anderen Ufern, vermüllteren Stränden“ Eine ehemals beliebte Urlaubsinsel ist in eine Art Dornröschenschlaf gesunken. Nur einige wenige Übriggebliebene leben noch dort, abgeschnitten von der Aussenwelt, wie eingefroren in einer eigentümlichen Starre. Die Wäsche wird wieder von Hand gewaschen, die Tätigkeiten, denen sie früher nachgegangen sind, machen keinen Sinn mehr. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würden die Bewohner darauf warten, dass das Leben irgendwann wieder weiter geht. Im gelben Haus kümmert sich die Frau des Generals um ihren pflegebedürftigen Ehemann. Im Sommerpalast pflegt der Hausmeister nach wie vor die Gästezimmer und reinigt den Pool, obwohl niemand mehr dort Urlaub macht. Im Dorf leben die Ärztin, der Barmann, der Hafenmeister und die Bäckerin isoliert von einander in ihrer eigenen Blase. Als eines Tages ein Mädchen wie aus dem Nichts beim Hausmeister auftaucht, Fragen stellt und kurz darauf wieder verschwindet, kommt langsam Bewegung in die Gemeinschaft. Reduziert und in einer beeindruckenden Schlichtheit erzählt Thea Mengeler von Menschen, die in alten Mustern gefangen sind. Immer wieder wird klar gemacht, dass der Tourismus zwar vieles kaputt gemacht hat, trotzdem war es früher besser, sagen die Übriggebliebenen. Die kurzen mit „Einige Verluste“ betitelten Kapitel verdeutlichen, dass es mehr um Verlust als um den Massentourismus an sich geht. Sprachlich brilliant und einfühlsam schildert die Autorin eine Art Trauer um Vergangenes, eine Unfähigkeit, in der Gegenwart zu leben und Veränderungen anzunehmen, aber auch die Angst davor, das Leben in die Hand zu nehmen und Entscheidungen zu fällen. „Wenn man bloß lange genug nichts tut, dann sieht es wie eine Entscheidung aus. Aber es steht kein Entschluss dahinter, nicht einmal ein Akzeptieren des Zustands. Nur die Unfähigkeit, sich zu etwas anderem zu entschließen. Und dann ist das eben der Zustand, in dem man bleibt. Dann ist es das.“ Ein beeindruckendes, vielschichtiges und in seiner stillen Melancholie sehr berührendes Buch mit vielen schönen Sätzen und Passagen!

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„Der Hafen hat lange keine Fähre gesehen, seit Jahren nicht [...].Keine Touristen mehr in den Cafés, in den Fischrestaurants, den Bars [...] Selbst die Möwen , die meisten von ihnen, haben sich aufgemacht zu anderen Ufern, vermüllteren Stränden“ Eine ehemals beliebte Urlaubsinsel ist in eine Art Dornröschenschlaf gesunken. Nur einige wenige Übriggebliebene leben noch dort, abgeschnitten von der Aussenwelt, wie eingefroren in einer eigentümlichen Starre. Die Wäsche wird wieder von Hand gewaschen, die Tätigkeiten, denen sie früher nachgegangen sind, machen keinen Sinn mehr. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würden die Bewohner darauf warten, dass das Leben irgendwann wieder weiter geht. Im gelben Haus kümmert sich die Frau des Generals um ihren pflegebedürftigen Ehemann. Im Sommerpalast pflegt der Hausmeister nach wie vor die Gästezimmer und reinigt den Pool, obwohl niemand mehr dort Urlaub macht. Im Dorf leben die Ärztin, der Barmann, der Hafenmeister und die Bäckerin isoliert von einander in ihrer eigenen Blase. Als eines Tages ein Mädchen wie aus dem Nichts beim Hausmeister auftaucht, Fragen stellt und kurz darauf wieder verschwindet, kommt langsam Bewegung in die Gemeinschaft. Reduziert und in einer beeindruckenden Schlichtheit erzählt Thea Mengeler von Menschen, die in alten Mustern gefangen sind. Immer wieder wird klar gemacht, dass der Tourismus zwar vieles kaputt gemacht hat, trotzdem war es früher besser, sagen die Übriggebliebenen. Die kurzen mit „Einige Verluste“ betitelten Kapitel verdeutlichen, dass es mehr um Verlust als um den Massentourismus an sich geht. Sprachlich brilliant und einfühlsam schildert die Autorin eine Art Trauer um Vergangenes, eine Unfähigkeit, in der Gegenwart zu leben und Veränderungen anzunehmen, aber auch die Angst davor, das Leben in die Hand zu nehmen und Entscheidungen zu fällen. „Wenn man bloß lange genug nichts tut, dann sieht es wie eine Entscheidung aus. Aber es steht kein Entschluss dahinter, nicht einmal ein Akzeptieren des Zustands. Nur die Unfähigkeit, sich zu etwas anderem zu entschließen. Und dann ist das eben der Zustand, in dem man bleibt. Dann ist es das.“ Ein beeindruckendes, vielschichtiges und in seiner stillen Melancholie sehr berührendes Buch mit vielen schönen Sätzen und Passagen!

5

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, was für mich so akkurat "Slice of Life" repräsentiert. Man teilt eine Zeit lang den Alltag einer Gruppe und irgendwann geht man wieder getrennter Wege.

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