Museum der Einsamkeit

Museum der Einsamkeit

Hardback
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Description

Um Würde oder ihr Fehlen geht es in diesen neun Erzählungen, in denen die Menschen sich bemühen, dem Ideal eines halbwegs gelungenen Lebens etwas näher zu kommen – oder doch am Ende nicht allzu zerknirscht dazustehen. Vom Alleinsein versehrt sind manche, »Engel auf Krücken«, die ahnen, dass es nicht unbedingt Flügel braucht, um über sich und die Umstände hinauszugelangen; Liebe würde schon genügen.

»Jede wahre, jede leuchtende Kurzgeschichte hat einen romanlangen Schatten«, schrieb Ralf Rothmann einmal und stellt es mit Museum der Einsamkeit erneut unter Beweis. Ob er von dem »Budenzauber« eines kleinen Jungen erzählt, der während der Abwesenheit der Eltern den weinenden Bruder tröstet, oder von einer Dozentin, die ihre Mutter in ein Seniorenheim mit seltsamen Kratzspuren an den Türen gibt, ob er einen Handlanger an der Seelenkälte der Maurer oder einen Pfarrer, dessen Tochter stirbt, an Gott verzweifeln lässt – immer offenbart sich uns eine »Wahrheit hinter der Wahrheit«, was nicht zuletzt an der Spannkraft und der magischen Genauigkeit von Ralf Rothmanns Sprache liegt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Short Stories
Format
Hardback
Pages
268
Price
25.70 €

Author Description

Ralf Rothmann wurde am 10. Mai 1953 in Schleswig geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach der Volksschule (und einem kurzen Besuch der Handelsschule) machte er eine Maurerlehre, arbeitete mehrere Jahre auf dem Bau und danach in verschiedenen Berufen (unter anderem als Drucker, Krankenpfleger und Koch). Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er lebt seit 1976 in Berlin.

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Neun Geschichten voller Einsamkeit

In "Museum der Einsamkeit" erzählt Ralf Rothmann neun verschiedene Geschichten über Menschen und ihre Einsamkeit. Der Erzählstil ist nuanciert und angenehm scharfzüngig. Zwar stimmen die verschiedenen Erzählungen melancholisch mit einem Fünkchen Hoffnung, arbeiten aber auch Eigenheiten von Figuren hervor, die nur schwer zu ertragen sind. Immer wieder legt "Museum der Einsamkeit" den Finger in die Wunde, etwas wenn es plötzlich um den Holocaust geht. Klares Highlight ist allerdings die Kurzgeschichte "Herr Dingens", welche einem Priester folgt, der seine todkranke Tochter besucht. Die bildhafte Sprache weiss hier mehr denn je zu begeistern, macht das Innenleben der Hauptfigur nahbar und das Geschehen emotional greifbar. "Museum der Einsamkeit" ist ein faszinierender Kurzgeschichtenband voller unterschiedlicher Themen, die vielleicht manchmal etwas zu forciert sind, allerdings allesamt stark behandelt werden. Über allem steht dabei die Einsamkeit als ständiger Begleiter.

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Kurzgeschichten mit Tiefgang

Ralph Rothmann beschreibt in seinen 9 Kurzgeschichten Alltägliches, das nachhalt und auch verstörend sein kann. Budenzauber exemplarisch beschreibt einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben des 7 jährigen Timmi, der mit seinen Eltern im Ruhrpott lebt. Der Vater arbeitet in einer Zeche, während die Mutter Hausfrau ist und sich um die 2 Söhne kümmert. Der kleinere Bruder ca 2 Jahre alt scheint eine kombinierte geistige und körperliche Behinderung wahrscheinlich durch Alkoholabusus der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit zu haben. Der Kleine wird nicht nur emotional vernachlässigt, er vegetiert in einem Laufstall, der auch zum Bett umgebaut wurde im Wohnzimmer. Dann gehen die Eltern an einem Samstagabend alleine für mehrere Stunden zum Tanzen und der ältere Bruder soll den Jüngeren beaufsichtigen. Jedem ist klar, dass das nicht gut gehen kann. Von solchen „einsamen“ Menschen handelt jede der Kurzgeschichten und leider passierte und passiert solches Elend ständig um uns herum. Museum der Einsamkeit werde ich sicher in einigen Jahren nochmals lesen, denn es sind sehr kurzweilige sozialkritische Kurzgeschichte aus der Mitte des Lebens in Deutschland.

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