Menschen wie wir
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Description
Wie viele Jahre deines Lebens würdest du opfern, damit deine Liebsten die Freiheit spüren können?
Ihre Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Sie sind arm, aber glücklich miteinander. Als ein Angebot aus der DDR kommt, entschließt sich der Vater, nur für ein paar Jahre dort zu arbeiten. Welche Folgen diese Entscheidung für seine Familie haben wird, kann er da noch nicht abschätzen. Seine Frau und seine Tochter – die Erzählerin des Romans – folgen ihm erst Jahre später nach Deutschland. Dort werden sie jedoch nicht mit offenen Armen empfangen. Immer mehr entlarvt sich das Ankommen als eine Fiktion, aber zurückgehen würde sich wie ein Scheitern anfühlen. „Menschen wie wir“ sind die, deren Namen hier niemand richtig aussprechen kann. Die jedes Jahr bangen müssen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen. Sie erinnern sich an die Lieder und Gedichte aus der alten Heimat und wollen doch nicht zurück.
Thi Thanh Thao Trân erzählt davon, was es bedeutet, in zwei Sprachen und zwei Ländern zu leben. Sie zeigt, zu welchen radikalen Entscheidungen uns Armut führen kann und welche Opfer wir bereit sind für unsere Liebe zu geben.
1. Auflage mit Farbschnitt!
Book Information
Author Description
Thi Thanh Thao Trân wurde 1986 in Vietnam geboren und lebt seit 1999 in Deutschland. Sie studierte Kulturwissenschaften sowie Vergleichende Literatur- und Kunstwissenschaft. Ihre Kurzgeschichtensammlung Wo ich herkomme stand 2022 auf der Shortlist des Young Storyteller Award. 2024 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats, mit dem sie ihr erstes Romanprojekt abschließen konnte. Trân lebt in Berlin.
Posts
Zwischen zwei Welten
In Menschen wie wir verfolgen wir die Geschichte einer vietnamesischen Familie aus der Sicht der ältesten Tochter. Der Vater wandert, als er die Chance bekommt, in die DDR nach Deutschland aus, um dort mehr Geld zu verdienen und seiner Familie damit ein besseres Leben zu ermöglichen. Viele Jahre bleibt die Familie dadurch getrennt, bis der Vater sie endlich nach Deutschland holen kann. Die Erzählerin wächst dadurch zwischen zwei Welten auf. Einerseits verliert sie ihre vertraute Umgebung in Vietnam, andererseits muss sie sich in Deutschland ganz neu orientieren. Oft hat sie dabei das Gefühl, keinen Platz in der neuen Heimat zu finden, und gleichzeitig lastet die Verantwortung für ihre Familie auf ihr. Was am Anfang nach einem besseren Leben aussieht, wird von vielen Schwierigkeiten begleitet. Die Eltern arbeiten unermüdlich und haben kaum Zeit für die Kinder oder für das Leben, das sie sich eigentlich erhofft hatten. Durch die lange Abwesenheit des Vaters entsteht außerdem eine Distanz, die schwer wieder aufzuholen ist -dazu kommt noch die ständige Angst vor einer möglichen Abschiebung. Die älteste Tochter muss schon sehr früh Verantwortung übernehmen und versucht, ihre Eltern in allen Belangen zu unterstützen. Dabei bleibt kaum Zeit für ihr eigenes Leben. Im Laufe der Geschichte werden wir mit Themen wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und der Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte konfrontiert. Bei diesen Themen hätte ich mir persönlich manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht, aber es reichte aus, um ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, was die Familie durchmacht. Der Schreibstil ist melodisch und flüssig. Es liest sich wie ein autobiografischer Text, der sehr persönlich wirkt, aber trotzdem eine gewisse Distanz beibehält. Vietnamesische Gedichte und Liedtexte sind immer wieder eingeflochten, was für mich die Verbundenheit zur Heimat der Protagonistin noch einmal gezeigt hat und die Melodie des Textes unterstreicht. Insgesamt ist Menschen wie wir ein berührendes Buch, das mich nachdenklich zurücklässt. Es erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern vermittelt auch einen wichtigen Einblick in Migration, Verantwortung und das Leben zwischen zwei Kulturen. *Unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar
Ein berührendes Debüt
Der Vater der Ich-Erzählerin kommt 1988 als Vertragsarbeiter aus Vietnam in die DDR. Aus geplanten drei Jahren Abwesenheit wird aufgrund der Wiedervereinigung und vieler wirtschaftlicher und bürokratischer Hürden eine Trennung von 11 Jahren. Von all dem weiß die 13 jährige Thảo noch nichts, als sie 1999 mit ihrer Mutter nach Bayern kommt. Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich das Puzzle für sie zusammensetzt. Viele Jahre voller Einsamkeit, Stress und Überforderung für ein Mädchen, eine junge Frau, die vor allem eines will: dass ihre Eltern glücklich werden. Eine Last, die kein Kind tragen sollte. Immer wieder hat mich das zu Tränen gerührt. Die Ich-Erzählerin berichtet vom kraftraubenden Alltag einer ältesten Tochter asiatischer Migranten in Deutschland. Zwischendurch richtet sie ihren Blick immer wieder zurück auf ihre glückliche Kindheit in Vietnam, auf das Leben allein mit ihrer Mutter, jedoch mitten im ländlichen Verbund einer Großfamilie. Es finden außerdem einige vietnamesische Gedichte und Liedtexte von großer Poesie und eindringlicher Metaphorik einen Platz in dieser Geschichte. Die Autorin arbeitet mit zahlreichen Einschüben und Zeitsprüngen, was es mir manchmal etwas schwierig machte, den Faden zu behalten… das ist aber meine einzige kleine Kritik. Eine autofiktionale Erzählung, die exemplarisch für viele steht und Gehör verdient hat. Der Roman ist ein sehr berührendes Debüt, das ich euch gerne empfehle.
Thảos Eltern sind arm, aber glücklich miteinander. Doch dann beschließt der Vater, ein Angebot aus der DDR anzunehmen und einige Jahre dort zu arbeiten. Seine Familie will er, sobald wie möglich, nachholen, doch es vergehen mehr als 11 Jahre, bis Mutter und Tochter dem Vater nachfolgen. Zurück lässt Thảo ihren besten Freund Thiện und alles, was ihr bisher vertraut war. Auch das neue Land empfängt sie nicht gerade wohlwollend. Niemand kann ihren Namen richtig aussprechen, der kleine Haken über dem a existiert nicht einmal und die Mutter muss jedes Jahr um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangen. Doch zurück nach Vietnam, das erscheint ebenso undenkbar. Thị Thanh Thảo Trần hat mit ihrem Debütroman „Menschen wie wir“ ein sehr persönliches Buch geschrieben. Die Geschichte wird in insgesamt vier Abschnitten erzählt, beginnend mit dem Prolog im Januar 1988, als Thảos Vater die Familie verlässt. Im Sommer 2002 wird die letzte Begegnung mit Thiện geschildert, bevor Thảo ihn für viele Jahre aus den Augen verliert. Im Frühling 2011 steckt sie mitten im Studium, lebt in Berlin und erfährt dort immer wieder offenen Rassismus. Im Herbst 2020 nimmt sie schließlich wieder Kontakt zu Thiện auf – ein Kreis schließt sich. Die Autorin beschreibt in ihrem Buch einen nicht zu überwindenden Konflikt. Um deutsch zu sein, wird von ihr erwartet, das Vietnamesische hinter sich zu lassen. Als sie als junge Frau aus pragmatischen Gründen die deutsche Staatsbürgerschaft annimmt, spürt sie einen schmerzlichen Verlust. Und doch scheinen sie und ihre Familie nie so richtig willkommen zu sein. Stets werden die schlechten Sprachkenntnisse der Mutter kritisiert, aber wann soll eine Frau, die sich um ihre Kinder kümmern und arbeiten muss, eine fremde Sprache lernen? Thảos jüngere Schwester hingegen, ist in Deutschland geboren und spricht kaum Vietnamesisch, was dazu führt, dass sie den Gesprächen beim Abendessen oft nicht folgen kann und Thảo als Bindeglied zu den eigenen Eltern braucht. Zudem ist die Mutter nicht mehr dieselbe Person. Seit sie in Deutschland lebt, scheint sie ihr Lachen verloren zu haben. Was wäre also, wenn beide Schwestern in Vietnam geboren werden? Welches Leben und welche Eltern hätten sie dann? Ein bewegender, wichtiger Roman über ein Leben zwischen zwei Sprachen und zwei Ländern
Thảos Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Obwohl sie arm sind, leben sie ein Leben in Zufriedenheit - bis Thảos Vater ein Jobangebot in der damaligen DDR annimmt. Eigentlich möchte er dort nur für kurze Zeit arbeiten, um etwas Geld für die Familie zu verdienen, daraus werden letztlich jedoch 11 Jahre Abwesenheit und ein Umzug der ganzen Familie nach Deutschland. Für die 13-jährige Thảo beginnt ein Ringen zwischen Identität und Zugehörigkeit, auch die fehlende Beziehung zu ihrem Vater und der Kontaktabbruch zu ihrem besten Freund aus Vietnam machen ihr zu schaffen. Thị Thanh Thảo Trần erzählt in ihrem Debütroman "Menschen wie wir" von einer Familie zwischen zwei Ländern und Sprachen, die nirgendwo richtig dazu gehört. In Deutschland sind sie mit Rassismus und Ausgrenzung konfrontiert, müssen jedes Jahr bangen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen, sie kochen vietnamesische Gerichte, lesen vietnamesische Gedichte und hören vietnamesische Lieder, Zurückkehren würde sich aber wie Scheitern anfühlen. Die Autorin beschreibt dieses Gefühl der Zerrissenheit sehr gut, wenn auch in nüchterner und distanzierter Sprache. Zudem beschreibt sie oft sehr detailliert Thảos Träume, was mich eher gestört hat. Berührt hat mich insbesondere Thảos langsame Annäherung an ihren Vater, den sie so lange nicht gesehen hat und ihr Verstehen seiner Beweggründe für die Migration nach Deutschland. "Menschen wie wir" ist ein lesenswertes Debüt, eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg entfaltet und wichtige Einblicke in die Lebenswelt vietnamesischer Migrant*innen in Deutschland gewährt.

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Wie viele Jahre deines Lebens würdest du opfern, damit deine Liebsten die Freiheit spüren können?
Ihre Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Sie sind arm, aber glücklich miteinander. Als ein Angebot aus der DDR kommt, entschließt sich der Vater, nur für ein paar Jahre dort zu arbeiten. Welche Folgen diese Entscheidung für seine Familie haben wird, kann er da noch nicht abschätzen. Seine Frau und seine Tochter – die Erzählerin des Romans – folgen ihm erst Jahre später nach Deutschland. Dort werden sie jedoch nicht mit offenen Armen empfangen. Immer mehr entlarvt sich das Ankommen als eine Fiktion, aber zurückgehen würde sich wie ein Scheitern anfühlen. „Menschen wie wir“ sind die, deren Namen hier niemand richtig aussprechen kann. Die jedes Jahr bangen müssen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen. Sie erinnern sich an die Lieder und Gedichte aus der alten Heimat und wollen doch nicht zurück.
Thi Thanh Thao Trân erzählt davon, was es bedeutet, in zwei Sprachen und zwei Ländern zu leben. Sie zeigt, zu welchen radikalen Entscheidungen uns Armut führen kann und welche Opfer wir bereit sind für unsere Liebe zu geben.
1. Auflage mit Farbschnitt!
Book Information
Author Description
Thi Thanh Thao Trân wurde 1986 in Vietnam geboren und lebt seit 1999 in Deutschland. Sie studierte Kulturwissenschaften sowie Vergleichende Literatur- und Kunstwissenschaft. Ihre Kurzgeschichtensammlung Wo ich herkomme stand 2022 auf der Shortlist des Young Storyteller Award. 2024 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats, mit dem sie ihr erstes Romanprojekt abschließen konnte. Trân lebt in Berlin.
Posts
Zwischen zwei Welten
In Menschen wie wir verfolgen wir die Geschichte einer vietnamesischen Familie aus der Sicht der ältesten Tochter. Der Vater wandert, als er die Chance bekommt, in die DDR nach Deutschland aus, um dort mehr Geld zu verdienen und seiner Familie damit ein besseres Leben zu ermöglichen. Viele Jahre bleibt die Familie dadurch getrennt, bis der Vater sie endlich nach Deutschland holen kann. Die Erzählerin wächst dadurch zwischen zwei Welten auf. Einerseits verliert sie ihre vertraute Umgebung in Vietnam, andererseits muss sie sich in Deutschland ganz neu orientieren. Oft hat sie dabei das Gefühl, keinen Platz in der neuen Heimat zu finden, und gleichzeitig lastet die Verantwortung für ihre Familie auf ihr. Was am Anfang nach einem besseren Leben aussieht, wird von vielen Schwierigkeiten begleitet. Die Eltern arbeiten unermüdlich und haben kaum Zeit für die Kinder oder für das Leben, das sie sich eigentlich erhofft hatten. Durch die lange Abwesenheit des Vaters entsteht außerdem eine Distanz, die schwer wieder aufzuholen ist -dazu kommt noch die ständige Angst vor einer möglichen Abschiebung. Die älteste Tochter muss schon sehr früh Verantwortung übernehmen und versucht, ihre Eltern in allen Belangen zu unterstützen. Dabei bleibt kaum Zeit für ihr eigenes Leben. Im Laufe der Geschichte werden wir mit Themen wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und der Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte konfrontiert. Bei diesen Themen hätte ich mir persönlich manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht, aber es reichte aus, um ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, was die Familie durchmacht. Der Schreibstil ist melodisch und flüssig. Es liest sich wie ein autobiografischer Text, der sehr persönlich wirkt, aber trotzdem eine gewisse Distanz beibehält. Vietnamesische Gedichte und Liedtexte sind immer wieder eingeflochten, was für mich die Verbundenheit zur Heimat der Protagonistin noch einmal gezeigt hat und die Melodie des Textes unterstreicht. Insgesamt ist Menschen wie wir ein berührendes Buch, das mich nachdenklich zurücklässt. Es erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern vermittelt auch einen wichtigen Einblick in Migration, Verantwortung und das Leben zwischen zwei Kulturen. *Unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar
Ein berührendes Debüt
Der Vater der Ich-Erzählerin kommt 1988 als Vertragsarbeiter aus Vietnam in die DDR. Aus geplanten drei Jahren Abwesenheit wird aufgrund der Wiedervereinigung und vieler wirtschaftlicher und bürokratischer Hürden eine Trennung von 11 Jahren. Von all dem weiß die 13 jährige Thảo noch nichts, als sie 1999 mit ihrer Mutter nach Bayern kommt. Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich das Puzzle für sie zusammensetzt. Viele Jahre voller Einsamkeit, Stress und Überforderung für ein Mädchen, eine junge Frau, die vor allem eines will: dass ihre Eltern glücklich werden. Eine Last, die kein Kind tragen sollte. Immer wieder hat mich das zu Tränen gerührt. Die Ich-Erzählerin berichtet vom kraftraubenden Alltag einer ältesten Tochter asiatischer Migranten in Deutschland. Zwischendurch richtet sie ihren Blick immer wieder zurück auf ihre glückliche Kindheit in Vietnam, auf das Leben allein mit ihrer Mutter, jedoch mitten im ländlichen Verbund einer Großfamilie. Es finden außerdem einige vietnamesische Gedichte und Liedtexte von großer Poesie und eindringlicher Metaphorik einen Platz in dieser Geschichte. Die Autorin arbeitet mit zahlreichen Einschüben und Zeitsprüngen, was es mir manchmal etwas schwierig machte, den Faden zu behalten… das ist aber meine einzige kleine Kritik. Eine autofiktionale Erzählung, die exemplarisch für viele steht und Gehör verdient hat. Der Roman ist ein sehr berührendes Debüt, das ich euch gerne empfehle.
Thảos Eltern sind arm, aber glücklich miteinander. Doch dann beschließt der Vater, ein Angebot aus der DDR anzunehmen und einige Jahre dort zu arbeiten. Seine Familie will er, sobald wie möglich, nachholen, doch es vergehen mehr als 11 Jahre, bis Mutter und Tochter dem Vater nachfolgen. Zurück lässt Thảo ihren besten Freund Thiện und alles, was ihr bisher vertraut war. Auch das neue Land empfängt sie nicht gerade wohlwollend. Niemand kann ihren Namen richtig aussprechen, der kleine Haken über dem a existiert nicht einmal und die Mutter muss jedes Jahr um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangen. Doch zurück nach Vietnam, das erscheint ebenso undenkbar. Thị Thanh Thảo Trần hat mit ihrem Debütroman „Menschen wie wir“ ein sehr persönliches Buch geschrieben. Die Geschichte wird in insgesamt vier Abschnitten erzählt, beginnend mit dem Prolog im Januar 1988, als Thảos Vater die Familie verlässt. Im Sommer 2002 wird die letzte Begegnung mit Thiện geschildert, bevor Thảo ihn für viele Jahre aus den Augen verliert. Im Frühling 2011 steckt sie mitten im Studium, lebt in Berlin und erfährt dort immer wieder offenen Rassismus. Im Herbst 2020 nimmt sie schließlich wieder Kontakt zu Thiện auf – ein Kreis schließt sich. Die Autorin beschreibt in ihrem Buch einen nicht zu überwindenden Konflikt. Um deutsch zu sein, wird von ihr erwartet, das Vietnamesische hinter sich zu lassen. Als sie als junge Frau aus pragmatischen Gründen die deutsche Staatsbürgerschaft annimmt, spürt sie einen schmerzlichen Verlust. Und doch scheinen sie und ihre Familie nie so richtig willkommen zu sein. Stets werden die schlechten Sprachkenntnisse der Mutter kritisiert, aber wann soll eine Frau, die sich um ihre Kinder kümmern und arbeiten muss, eine fremde Sprache lernen? Thảos jüngere Schwester hingegen, ist in Deutschland geboren und spricht kaum Vietnamesisch, was dazu führt, dass sie den Gesprächen beim Abendessen oft nicht folgen kann und Thảo als Bindeglied zu den eigenen Eltern braucht. Zudem ist die Mutter nicht mehr dieselbe Person. Seit sie in Deutschland lebt, scheint sie ihr Lachen verloren zu haben. Was wäre also, wenn beide Schwestern in Vietnam geboren werden? Welches Leben und welche Eltern hätten sie dann? Ein bewegender, wichtiger Roman über ein Leben zwischen zwei Sprachen und zwei Ländern
Thảos Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Obwohl sie arm sind, leben sie ein Leben in Zufriedenheit - bis Thảos Vater ein Jobangebot in der damaligen DDR annimmt. Eigentlich möchte er dort nur für kurze Zeit arbeiten, um etwas Geld für die Familie zu verdienen, daraus werden letztlich jedoch 11 Jahre Abwesenheit und ein Umzug der ganzen Familie nach Deutschland. Für die 13-jährige Thảo beginnt ein Ringen zwischen Identität und Zugehörigkeit, auch die fehlende Beziehung zu ihrem Vater und der Kontaktabbruch zu ihrem besten Freund aus Vietnam machen ihr zu schaffen. Thị Thanh Thảo Trần erzählt in ihrem Debütroman "Menschen wie wir" von einer Familie zwischen zwei Ländern und Sprachen, die nirgendwo richtig dazu gehört. In Deutschland sind sie mit Rassismus und Ausgrenzung konfrontiert, müssen jedes Jahr bangen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen, sie kochen vietnamesische Gerichte, lesen vietnamesische Gedichte und hören vietnamesische Lieder, Zurückkehren würde sich aber wie Scheitern anfühlen. Die Autorin beschreibt dieses Gefühl der Zerrissenheit sehr gut, wenn auch in nüchterner und distanzierter Sprache. Zudem beschreibt sie oft sehr detailliert Thảos Träume, was mich eher gestört hat. Berührt hat mich insbesondere Thảos langsame Annäherung an ihren Vater, den sie so lange nicht gesehen hat und ihr Verstehen seiner Beweggründe für die Migration nach Deutschland. "Menschen wie wir" ist ein lesenswertes Debüt, eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg entfaltet und wichtige Einblicke in die Lebenswelt vietnamesischer Migrant*innen in Deutschland gewährt.








