Zwischen zwei Welten
In Menschen wie wir verfolgen wir die Geschichte einer vietnamesischen Familie aus der Sicht der ältesten Tochter. Der Vater wandert, als er die Chance bekommt, in die DDR nach Deutschland aus, um dort mehr Geld zu verdienen und seiner Familie damit ein besseres Leben zu ermöglichen. Viele Jahre bleibt die Familie dadurch getrennt, bis der Vater sie endlich nach Deutschland holen kann. Die Erzählerin wächst dadurch zwischen zwei Welten auf. Einerseits verliert sie ihre vertraute Umgebung in Vietnam, andererseits muss sie sich in Deutschland ganz neu orientieren. Oft hat sie dabei das Gefühl, keinen Platz in der neuen Heimat zu finden, und gleichzeitig lastet die Verantwortung für ihre Familie auf ihr. Was am Anfang nach einem besseren Leben aussieht, wird von vielen Schwierigkeiten begleitet. Die Eltern arbeiten unermüdlich und haben kaum Zeit für die Kinder oder für das Leben, das sie sich eigentlich erhofft hatten. Durch die lange Abwesenheit des Vaters entsteht außerdem eine Distanz, die schwer wieder aufzuholen ist -dazu kommt noch die ständige Angst vor einer möglichen Abschiebung. Die älteste Tochter muss schon sehr früh Verantwortung übernehmen und versucht, ihre Eltern in allen Belangen zu unterstützen. Dabei bleibt kaum Zeit für ihr eigenes Leben. Im Laufe der Geschichte werden wir mit Themen wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und der Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte konfrontiert. Bei diesen Themen hätte ich mir persönlich manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht, aber es reichte aus, um ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, was die Familie durchmacht. Der Schreibstil ist melodisch und flüssig. Es liest sich wie ein autobiografischer Text, der sehr persönlich wirkt, aber trotzdem eine gewisse Distanz beibehält. Vietnamesische Gedichte und Liedtexte sind immer wieder eingeflochten, was für mich die Verbundenheit zur Heimat der Protagonistin noch einmal gezeigt hat und die Melodie des Textes unterstreicht. Insgesamt ist Menschen wie wir ein berührendes Buch, das mich nachdenklich zurücklässt. Es erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern vermittelt auch einen wichtigen Einblick in Migration, Verantwortung und das Leben zwischen zwei Kulturen. *Unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar




