Lanny
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Description
Ein kleines abgelegenes Dorf. Es gehört den Menschen, die dort leben, ihren Freuden und Sorgen, ihrem Alltag und ihren Legenden. Doch es gehört auch einem mythischen Wesen, das aus seinem Schlaf erwacht ist, dem dörflichen Treiben zusieht und lauscht, immer auf der Suche nach seiner Lieblingsstimme: der Stimme von Lanny.
Book Information
Author Description
Max Porter, 1981 geboren, studierte Kunstgeschichte und arbeitete jahrelang als unabhängiger Buchhändler und Lektor. Sein international gefeiertes Debüt »Trauer ist das Ding mit Federn« wurde u. a. mit dem Sunday Times Young Writer of the Year Award, dem International Dylan Thomas Prize und dem Europese Literatuurprijs ausgezeichnet und fürs Theater adaptiert. Lanny ist sein zweiter Roman, mit dem er es auf die Longlist des Booker Prize schaffte. Max Porter lebt mit seiner Familie in Bath.
Posts
Ich war einfach so, so, so begeistert von Max Porters Debüt "Trauer ist das Ding mit Federn" und darum gespannt auf sein zweites Buch. Ich war sehr froh, seine eigenwillige, poetische Art zu schreiben auch in Lanny wiederzufinden. Man taucht ein und schwimmt durch diese Welt, stößt sich von Stein zu Stein und manchmal ritzt man sich auch das Knie auf, aber vor allem genießt man. Zumindest, wenn man mit dem Stil etwas anfangen kann. Ich kann.
Genial, sprachgewaltig und ein echtes Must-Read – der zweite Streich des Wortmagiers ist da! 2018 machte Max Porter mit seinem Debütroman “Trauer ist das Ding mit Federn” ganz schön Furore in meiner Bubble – einigen war der Stil jedoch zu derb, zu zerhackstückelt, für wieder andere (mich eingeschlossen) war Porters dünner Roman ein Feuerwerk, ein frischer Wind in der festgefahrenen Belletristik, die ich um diese Zeit herum gelesen habe. Porters Debüt handelte von den ältesten Themen der Zeit: Liebe und Tod. Nun ist letzten Monat Max Porters neuer Roman “Lanny” erschienen, der erneut ein fulminantes Erzähltempo vorlegt und als wahres Fest zwischen den ganzen Neuerscheinungen heraussticht. Und ebenso wie sein Vorgänger die grundlegenden Themen der Menschheit anspricht. Doch von vorne: Es geht um den titelgebenden Lanny, ein schrulliger, sprachbegabter Junge, der sich ständig im Singsang mit sich selbst und der Natur befindet und furchtlos die höchsten Bäume erklimmt. Lannys Mum, die Krimiautorin ist, kommt die wunderbare Idee, dass Lanny doch bei dem 80-jährigen Pete, dem eigenbrötlerischen Künstler des Dorfs, doch ein paar Stunden Kunstunterricht nehmen könnte. Aus dieser zunächst merkwürdig anmutenden Idee – kam Pete doch in das Dorf, um sich zurückzuziehen – entsteht eine unerwartete Freundschaft zwischen ihm und Lanny. Die beiden sind gut füreinander und Lanny lernt nicht nur das grundlegende Kunsthandwerk, sondern auch einiges über das Leben – Pete hat schließlich bereits einige Jährchen hinter sich. Doch spätestens, als Lanny plötzlich verschwindet, wird gemunkelt, diese Freundschaft wäre unnatürlich; ein vermeintlich Schuldiger ist schnell gefunden. "Ich denke an mein schlafendes Baby nebenan. Oder vielleicht schläft Lanny gar nicht. Vielleicht tanzt er im Garten mit Elben oder Kobolden. Wir nehmen an, dass er wie jedes normale Kind schläft, aber er ist kein normales Kind, er ist Lanny Greentree, unser kleines Enigma." Obwohl “Lanny” sich von Max Porters erstem Roman von der Geschichte her unterscheidet, greift der Autor hier wieder zu bereits bekannten Themen und setzt sie mit seiner bewährten, wunderbaren Schreibtechnik um. Leser werden sich an die Trennung der verschiedenen Perspektiven bzw. Bewusstseinsströme von “Trauer ist das Ding mit Federn” erinnern, an die Erzählstimme eines Kindes und die oftmals explizite Sprache, die abstoßende Dinge beschreibt (»[…] dann schrumpft er, schlitzt sich mit einer rostigen Dosenlasche einen Mund, saugt eine nasse Haut aus saurem Mulch und saftigen Würmern an«). Die elterliche Liebe, der Wunsch, zu beschützen, all das findet sich in “Lanny” wieder. Sogar die Rolle der Krähe, die in Porters Debüt über die Familie wacht, bekommt ihren Auftritt in “Lanny”: als Altvater Schuppenwurz, dem nicht so freundlichen Wald- und Dorfgeist, der unter/über/in “seinem” Dorf alles hört, sieht und schmeckt, was sich dort so abspielt. Altvater Schuppenwurz lässt den Leser all die Gesprächsfetzen des Dorfes hören, das nach außen ganz friedlich wirkt, im Inneren jedoch den üblichen Tratsch und die Hetzereien liefert. Der Bewusstseinsstrom von Schuppenwurz wird im Buch auf eine besondere Art und Weise dargestellt, die beim Durchblättern sofort ins Auge fällt: Die Gedanken- und Sprachfetzen ordnen sich keinem geradlinigen Satz- und Layoutzwang unter, sondern wabern durch den Raum. Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir außerdem, dass Altvater Schuppenwurz, der auch als Totpapa Schuppenwurz bezeichnet wird, überall ist und dass es grausige Geschichten gibt von Leuten, die ihn gesehen haben wollen. "Folge nur brav und bete recht fromm, dass dich Totpapa Schuppenwurz nicht holen kommt." Weiterlesen: https://killmonotony.de/buecher/rezension/max-porter-lanny
Die Grundgeschichte ist nicht neu, aber geschrieben ist sie - so wie ihr Protagonist - anders. Die Erzählweise entwickelt durch die gewählten Stilmittel stellenweise eine große Wucht, man wird förmlich mitgerissen und empfindet mit den Menschen, die den kleinen Lanny lieben. Das wirkt dann sehr direkt. An anderen Stellen, schreibt Porter ganz zart und märchenhaft. Er vermischt Sage bzw. Märchen mit der Realität, verpackt darin Lebensweisheiten und Kritik. Manchmal wirkt es wirr und zu skurril, dann wieder wunderschön und echt. Ich habe das Lesen dieses Buch auch an sich so empfunden, ich fühlte mich getrieben, wollte es nicht weglegen, habe zwischendrin die schönen Worte genossen wie Pausen. Ein wenig atemlos, habe ich dann das Ende erlebt und fühlte mich ein bisschen in der Luft hängen gelassen. Lanny ist besonders, das Buch genauso wie sein Protagonist.
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Ein kleines abgelegenes Dorf. Es gehört den Menschen, die dort leben, ihren Freuden und Sorgen, ihrem Alltag und ihren Legenden. Doch es gehört auch einem mythischen Wesen, das aus seinem Schlaf erwacht ist, dem dörflichen Treiben zusieht und lauscht, immer auf der Suche nach seiner Lieblingsstimme: der Stimme von Lanny.
Book Information
Author Description
Max Porter, 1981 geboren, studierte Kunstgeschichte und arbeitete jahrelang als unabhängiger Buchhändler und Lektor. Sein international gefeiertes Debüt »Trauer ist das Ding mit Federn« wurde u. a. mit dem Sunday Times Young Writer of the Year Award, dem International Dylan Thomas Prize und dem Europese Literatuurprijs ausgezeichnet und fürs Theater adaptiert. Lanny ist sein zweiter Roman, mit dem er es auf die Longlist des Booker Prize schaffte. Max Porter lebt mit seiner Familie in Bath.
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Ich war einfach so, so, so begeistert von Max Porters Debüt "Trauer ist das Ding mit Federn" und darum gespannt auf sein zweites Buch. Ich war sehr froh, seine eigenwillige, poetische Art zu schreiben auch in Lanny wiederzufinden. Man taucht ein und schwimmt durch diese Welt, stößt sich von Stein zu Stein und manchmal ritzt man sich auch das Knie auf, aber vor allem genießt man. Zumindest, wenn man mit dem Stil etwas anfangen kann. Ich kann.
Genial, sprachgewaltig und ein echtes Must-Read – der zweite Streich des Wortmagiers ist da! 2018 machte Max Porter mit seinem Debütroman “Trauer ist das Ding mit Federn” ganz schön Furore in meiner Bubble – einigen war der Stil jedoch zu derb, zu zerhackstückelt, für wieder andere (mich eingeschlossen) war Porters dünner Roman ein Feuerwerk, ein frischer Wind in der festgefahrenen Belletristik, die ich um diese Zeit herum gelesen habe. Porters Debüt handelte von den ältesten Themen der Zeit: Liebe und Tod. Nun ist letzten Monat Max Porters neuer Roman “Lanny” erschienen, der erneut ein fulminantes Erzähltempo vorlegt und als wahres Fest zwischen den ganzen Neuerscheinungen heraussticht. Und ebenso wie sein Vorgänger die grundlegenden Themen der Menschheit anspricht. Doch von vorne: Es geht um den titelgebenden Lanny, ein schrulliger, sprachbegabter Junge, der sich ständig im Singsang mit sich selbst und der Natur befindet und furchtlos die höchsten Bäume erklimmt. Lannys Mum, die Krimiautorin ist, kommt die wunderbare Idee, dass Lanny doch bei dem 80-jährigen Pete, dem eigenbrötlerischen Künstler des Dorfs, doch ein paar Stunden Kunstunterricht nehmen könnte. Aus dieser zunächst merkwürdig anmutenden Idee – kam Pete doch in das Dorf, um sich zurückzuziehen – entsteht eine unerwartete Freundschaft zwischen ihm und Lanny. Die beiden sind gut füreinander und Lanny lernt nicht nur das grundlegende Kunsthandwerk, sondern auch einiges über das Leben – Pete hat schließlich bereits einige Jährchen hinter sich. Doch spätestens, als Lanny plötzlich verschwindet, wird gemunkelt, diese Freundschaft wäre unnatürlich; ein vermeintlich Schuldiger ist schnell gefunden. "Ich denke an mein schlafendes Baby nebenan. Oder vielleicht schläft Lanny gar nicht. Vielleicht tanzt er im Garten mit Elben oder Kobolden. Wir nehmen an, dass er wie jedes normale Kind schläft, aber er ist kein normales Kind, er ist Lanny Greentree, unser kleines Enigma." Obwohl “Lanny” sich von Max Porters erstem Roman von der Geschichte her unterscheidet, greift der Autor hier wieder zu bereits bekannten Themen und setzt sie mit seiner bewährten, wunderbaren Schreibtechnik um. Leser werden sich an die Trennung der verschiedenen Perspektiven bzw. Bewusstseinsströme von “Trauer ist das Ding mit Federn” erinnern, an die Erzählstimme eines Kindes und die oftmals explizite Sprache, die abstoßende Dinge beschreibt (»[…] dann schrumpft er, schlitzt sich mit einer rostigen Dosenlasche einen Mund, saugt eine nasse Haut aus saurem Mulch und saftigen Würmern an«). Die elterliche Liebe, der Wunsch, zu beschützen, all das findet sich in “Lanny” wieder. Sogar die Rolle der Krähe, die in Porters Debüt über die Familie wacht, bekommt ihren Auftritt in “Lanny”: als Altvater Schuppenwurz, dem nicht so freundlichen Wald- und Dorfgeist, der unter/über/in “seinem” Dorf alles hört, sieht und schmeckt, was sich dort so abspielt. Altvater Schuppenwurz lässt den Leser all die Gesprächsfetzen des Dorfes hören, das nach außen ganz friedlich wirkt, im Inneren jedoch den üblichen Tratsch und die Hetzereien liefert. Der Bewusstseinsstrom von Schuppenwurz wird im Buch auf eine besondere Art und Weise dargestellt, die beim Durchblättern sofort ins Auge fällt: Die Gedanken- und Sprachfetzen ordnen sich keinem geradlinigen Satz- und Layoutzwang unter, sondern wabern durch den Raum. Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir außerdem, dass Altvater Schuppenwurz, der auch als Totpapa Schuppenwurz bezeichnet wird, überall ist und dass es grausige Geschichten gibt von Leuten, die ihn gesehen haben wollen. "Folge nur brav und bete recht fromm, dass dich Totpapa Schuppenwurz nicht holen kommt." Weiterlesen: https://killmonotony.de/buecher/rezension/max-porter-lanny
Die Grundgeschichte ist nicht neu, aber geschrieben ist sie - so wie ihr Protagonist - anders. Die Erzählweise entwickelt durch die gewählten Stilmittel stellenweise eine große Wucht, man wird förmlich mitgerissen und empfindet mit den Menschen, die den kleinen Lanny lieben. Das wirkt dann sehr direkt. An anderen Stellen, schreibt Porter ganz zart und märchenhaft. Er vermischt Sage bzw. Märchen mit der Realität, verpackt darin Lebensweisheiten und Kritik. Manchmal wirkt es wirr und zu skurril, dann wieder wunderschön und echt. Ich habe das Lesen dieses Buch auch an sich so empfunden, ich fühlte mich getrieben, wollte es nicht weglegen, habe zwischendrin die schönen Worte genossen wie Pausen. Ein wenig atemlos, habe ich dann das Ende erlebt und fühlte mich ein bisschen in der Luft hängen gelassen. Lanny ist besonders, das Buch genauso wie sein Protagonist.







