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Eine Familie mit Schicksalsschlägen, ein Land im Wandel – und eine mysteriöse Quelle (World-Challenge 21|195, neu 🇬🇧)
Maggie O’Farrell hat es geschafft, ein ganzes Land zum Leben zu erwecken – die irische Insel erlebt, wie Menschen sie bereisen, sich dort niederlassen, leben, lieben und sterben. Sie werden Teil der Insel, die von den Winden und den Wellen geformt wird. Wir begleiten eine Familie im 19. Jahrhundert. Tomás erhält den Auftrag, Irland neu zu kartieren und somit auch alte indigene Spuren zu tilgen. Er zieht mit seiner Frau und seinen Kindern in den Westen der Insel – und trifft auf eine mysteriöse Quelle, die das Leben der gesamten Familie verändern soll. Über viele Jahrzehnte erfahren wir, was der Familie widerfährt. Katastrophen brechen ein, manche bleiben ihrer Heimat treu, manche fliehen so weit weg wie möglich. Es ist eine Geschichte über die Konsequenzen von Entscheidungen, von Verlassen und Leben in der Fremde – und eine Geschichte der Wiederkehr. Das Werk ist insgesamt ruhig. O’Farrell nimmt sich sehr viel Zeit, die Charaktere zu entfalten. Der Schreibstil ist selten pathetisch, Dinge passieren, ob gut oder schlecht. Wir lernen die Figuren kennen und können uns schnell in sie einfühlen. Zugleich tritt das titelgebende Land als eigener Charakter auf. Es wirkt lebendig, indem Pflanzen und Tiere zielgerichtet handeln. Wir erfahren, wie Irland über viele Jahrhunderte geprägt wurde und wie Menschen ein Teil oder auch Feinde wurden. Intensive Naturbeschreibungen hinterlassen ein Gefühl, dass man sich mit diesem Land sehr verbunden fühlt. „Überall um ihn herum herrschten Wachstum und Erneuerung, vollzog sich der wuselnde Kreislauf des Lebens; er meinte, fast hören zu können, wie die Wurzeln Wasser und Nährstoffe aus dem Boden saugten, aus verfaulendem Laub, aus verrottenden umgestürzten Baumstämmen, aus den zahlreichen Bächen.“ (96) Man muss sich beim Lesen darauf einlassen, dass seitenweise wenig Handlungsfortschritt zu finden ist, doch es ist beeindruckend, wie kunstvoll die Beziehungen zwischen Mensch und Natur sowie Mensch und Mensch aufgebaut werden. O’Farrell beherrscht idyllische Naturbeschreibungen ebenso wie grässliche Schilderungen der wütenden Hungersnot. Sie beschreibt kleine Pflanzen ebenso detailreich wie weite Landschaften. Die Charaktere werden langsam entfaltet, der Wandel des Landes erfolgt im Zeitraffer. All diese sprachlich verdichteten Elemente haben die Autor:innen Nikolaus Hansen und Kathrin Razum sehr einfühlsam übersetzt. O’Farrell erzählt nicht nur die Geschichte einer Familie, sondern die eines ganzen Landes. Gerade diese Verbindung aus Mensch, Natur und Geschichte macht den Roman so eindrucksvoll.

4 days ago
Eine Familie mit Schicksalsschlägen, ein Land im Wandel – und eine mysteriöse Quelle (World-Challenge 21|195, neu 🇬🇧)
Maggie O’Farrell hat es geschafft, ein ganzes Land zum Leben zu erwecken – die irische Insel erlebt, wie Menschen sie bereisen, sich dort niederlassen, leben, lieben und sterben. Sie werden Teil der Insel, die von den Winden und den Wellen geformt wird. Wir begleiten eine Familie im 19. Jahrhundert. Tomás erhält den Auftrag, Irland neu zu kartieren und somit auch alte indigene Spuren zu tilgen. Er zieht mit seiner Frau und seinen Kindern in den Westen der Insel – und trifft auf eine mysteriöse Quelle, die das Leben der gesamten Familie verändern soll. Über viele Jahrzehnte erfahren wir, was der Familie widerfährt. Katastrophen brechen ein, manche bleiben ihrer Heimat treu, manche fliehen so weit weg wie möglich. Es ist eine Geschichte über die Konsequenzen von Entscheidungen, von Verlassen und Leben in der Fremde – und eine Geschichte der Wiederkehr. Das Werk ist insgesamt ruhig. O’Farrell nimmt sich sehr viel Zeit, die Charaktere zu entfalten. Der Schreibstil ist selten pathetisch, Dinge passieren, ob gut oder schlecht. Wir lernen die Figuren kennen und können uns schnell in sie einfühlen. Zugleich tritt das titelgebende Land als eigener Charakter auf. Es wirkt lebendig, indem Pflanzen und Tiere zielgerichtet handeln. Wir erfahren, wie Irland über viele Jahrhunderte geprägt wurde und wie Menschen ein Teil oder auch Feinde wurden. Intensive Naturbeschreibungen hinterlassen ein Gefühl, dass man sich mit diesem Land sehr verbunden fühlt. „Überall um ihn herum herrschten Wachstum und Erneuerung, vollzog sich der wuselnde Kreislauf des Lebens; er meinte, fast hören zu können, wie die Wurzeln Wasser und Nährstoffe aus dem Boden saugten, aus verfaulendem Laub, aus verrottenden umgestürzten Baumstämmen, aus den zahlreichen Bächen.“ (96) Man muss sich beim Lesen darauf einlassen, dass seitenweise wenig Handlungsfortschritt zu finden ist, doch es ist beeindruckend, wie kunstvoll die Beziehungen zwischen Mensch und Natur sowie Mensch und Mensch aufgebaut werden. O’Farrell beherrscht idyllische Naturbeschreibungen ebenso wie grässliche Schilderungen der wütenden Hungersnot. Sie beschreibt kleine Pflanzen ebenso detailreich wie weite Landschaften. Die Charaktere werden langsam entfaltet, der Wandel des Landes erfolgt im Zeitraffer. All diese sprachlich verdichteten Elemente haben die Autor:innen Nikolaus Hansen und Kathrin Razum sehr einfühlsam übersetzt. O’Farrell erzählt nicht nur die Geschichte einer Familie, sondern die eines ganzen Landes. Gerade diese Verbindung aus Mensch, Natur und Geschichte macht den Roman so eindrucksvoll.
4 days ago








