Kumari

Kumari

Hardback
4.17

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Description

Nepal, 2001. Ein Mädchen lebt als wiedergeborene Göttin, eingesperrt in einem Tempel. Die Pilger, die sie täglich aufsuchen, sind ihr einziger Kontakt zur Außenwelt. Doch ihre Zeit als sogenannte »Kumari« läuft ab. Während ihr zu Ehren in ganz Nepal ein blutiges Opferfest gefeiert wird, bereiten maoistische Rebellen im Hinterland den Sturz des Königs vor. Ein Bürgerkrieg droht. Auf dem Höhepunkt des Fests erreicht die junge Partisanin Rupa Rana mit einem entscheidenden Geheimauftrag die Hauptstadt Kathmandu. Auch Kronprinz Dipendra kehrt in seine Heimat zurück, den Kopf voll fremder Ideen und erfüllt von einem unerklärlichen Hunger. Ihre Wege kreuzen sich. Vom Ausgang ihrer verhängnisvollen Begegnung hängt ab, ob die Feiern mit einem Neuanfang oder einem Blutbad enden … Ein packender, sprachmächtiger Roman über Liebe und Familie, Freiheit und Gehorsam und das Wagnis, in all dem Chaos das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Frei nach den historischen Ereignissen um die Kindgöttin Kumari greift das Buch ein Thema auf, das noch nie als Roman erzählt wurde.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
216
Price
24.70 €

Author Description

PHILIP KRÖMER, geboren 1988 in Amberg, studierte Germanistik und Buchwissenschaft. Heute lebt er als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Erlangen. Sein Debütroman Ymir (2016) und sein Erzählband Ein Vogel ist er nicht (2019) wurden beide vom Hotlist-Kuratorium unter die 30 besten Indie-Bücher des Jahres gewählt. Für seine literarische Arbeit erhielt Krömer mehrere Auszeichnungen, darunter 2015 den Publikumspreis beim 23. open mike Berlin und 2020 den Nürnberger Kulturpreis. 2023 war er Stifter-Stipendiat im tschechischen Horní Planá. Kumari ist sein zweiter Roman.

Posts

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All
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Kumari, der Titel des Buches, bezieht sich auf eine Tradition aus dem asiatischen Raum, bei dem eine Kindgöttin angebetet wird. Diese Kindgöttin wird in ganz jungen Jahren anhand bestimmten Kriterien auserwählt und hält diese Position bis zu ihrer ersten Menstruation inne. Philip Krömer siedelt seinen Roman in das Jahr 2001 an, als es in Nepal noch eine Monarchie gab und der König Bibendra als angesehen es Oberhaupt auf dem Thron saß. Die aktuelle Kumari ist schon seit einigen Jahren in ihrer Rolle und wird auf das bevorstehende Dasain-Fest vorbereitet, bei dem auch der König eine Audienz bei ihr hat. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Eine Gruppe namens die Maoisten bereiten einen Umsturz vor. Und einer von diesen Maoisten ist der Sohn des Königs Dipendra und er plant zu diesem Dasain-Fest den Umsturz. Auch die Kumari, die in diesem Roman vom Autor als Allwissende dargestellt wird (zumindest bis zu einem gewissen Zeitpunkt), spürt, dass sich etwas verändern wird. Ob auch für sie, kann sie nicht erkennen. Nepal ist als Land weit von uns entfernt und ich kann zu der Geschichte von diesem Land eigentlich wenig sagen. Das es eine Monarchie hatte, war mir zum Beispiel überhaupt nicht bekannt. Doch der Autor versteht es, auch wenn man kein Vorwissen hat, den Roman wunderbar aufzubauen, dass man beim Lesen relativ gut zurecht kommt und mit all seinen Figuren mitfiebert. Den unbekannten Rest der Zeitläufte kann man sich während oder nach der Lektüre noch anlesen. Mit viel Witz versteht es Philip Krömer die Geschichte an die Lesenden heranzutragen, die mit viel Tragik verhaftet ist, da das Jahr 2001 als sehr schicksalshaft für die zukünftigen Geschicke des Landes angesehen werden kann. Auch empfand ich es als gut, dass der Autor die traditionellen Rituale rund um die Kumari nicht der Lächerlichkeit preis gibt, was uns Westlern mal schnell passieren könnte. Vielmehr behandelt er diese Tradition mit viel Liebe und lädt sie ein wenig mystisch auf, um gewisse Dinge in der Geschichte auf seine Weise lenken zu können. Insgesamt ein wirklich großartiges Buch, dass ich gerne gelesen habe und ebenso weiterempfehlen kann.

4.5

"Ein Gott leitete ihre Mörder nicht. Davon wüsste ich. Der wäre mir bekannt." (S. 18) Es ist ein völlig neues Terrain, auf das mich Philip Krömers Roman mitnimmt. Noch nie zuvor hatte ich von einer Kumari gehört – einem Mädchen, dem im Hinduismus anhand zahlreicher Merkmale Göttlichkeit zugesprochen wird. Eine Kindgöttin, deren Status vergänglich ist, denn sobald das erste Blut fließt, verliert sie ihre Göttlichkeit. Auch mein Wissen über die politischen und monarchischen Verhältnisse Nepals war bisher eher begrenzt. Nepal im Jahr 2001 während des Opferfestes Dasain. Über drei Tage hinweg folgen wir drei zentralen Figuren, deren Schicksale aufeinander zulaufen: Rupa Rana, eine maoistische Rebellin, die unterwegs nach Kathmandu ist, um gewaltsam den Sturz der Monarchie herbeizuführen. Kronprinz Dipendra, der - zurück in seiner Heimat - Zweifel an der eigenen Rolle und der Legitimität der Monarchie hegt. Und schließlich die Kindgöttin Kumari selbst, die in ihrem Tempel sitzt, die Pilger empfängt und segnet – wohl wissend, dass ihre Tage als Göttin gezählt sind. Was den Text auf eine besondere Ebene setzt, ist die Perspektive der Kumari. Ihre göttliche Allwissenheit erlaubt es ihr, in die Gedanken der Menschen einzutauchen und sie auf ihren Wegen zu begleiten. Dabei bleibt sie gleichzeitig Beobachterin und Teil der Geschehnisse, eine stille Zeugin einer Welt, die sich unaufhaltsam verändert. Philip Krömer verwebt in "Kumari" gekonnt philosophische Fragen mit einer vielschichtigen Erzählweise. Er behandelt Themen wie Religion und Fanatismus, Terrorismus, politische Macht und persönliche Freiheit. Dabei zeigt er eindrucksvoll, wie blind Menschen für die Realität sein können – geblendet von Glaubenssätzen, Ideologien oder tradierten Strukturen. Revolution und Religion werden in diesem Roman durch eine zentrale Erkenntnis miteinander verknüpft: Beide fordern Blut. Mit großer erzählerischer Dichte und inspiriert von den historischen Ereignissen um die Kindgöttin Kumari, widmet sich der Roman einem Thema, das bisher literarisch kaum behandelt wurde.

4.5

Klug komponierte Verbindung aus kindgöttlicher Perspektive und weltlichen Verwerfungen

Nepal ist ein Land, über das man vermutlich ziemlich wenig weiß. Ich hatte mal ne Vorlesung drüber, aber auch nur, weil ich Vergleichende Religionswissenschaft mit Schwerpunkt auf Asien studiert habe und es da in einer Vorlesung um die Geschichte, Kultur und Religion Nepals ging, da der Studiengang sich in Vorlesungen aus Regionalwissenschaften reingemietet hat, um den Studiengang zu füllen. Deshalb kenne ich die Tradition der Kumari, der Kindgöttinnen, die als Inkarnationen einer hinduistischen Göttin (Durga oder Taleju) gelten und von gläubigen Hinduist*innen bis zum Eintreten ihrer Periode verehrt werden. Durga ist dabei, wie in vielen Religionen, gleichzeitig kraftvolle mütterliche Schutzgöttin und gefürchtete Kriegerin. Die bekannteste Kumari sitzt in Kathmandu und wird auch vom jeweiligen Staatsoberhaupt (seit 2008 ist Nepal eine Republik) besucht. Diese Tradition nimmt Philip Krömer in „Kumari“ (Rezensionsexemplar) zum Ausgangspunkt eines Romans über das im Umbruch befindliche Nepal um die Jahrtausendwende und vermischt dabei Fakt und Fiktion auf eine Art und Weise, die zumindest meine anfängliche Skepsis schnell verkleinert hat, denn das westliche Schreiben über (süd-)asiatische Religionen und Rituale steht nun mal in einer historisch schwierigen orientalistischen Tradition, gerade im deutschsprachigen Raum. Der Roman spielt im Sommer 2001, einem Jahr, in dem Nepal in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen Monarchist*innen und Maoist*innen abzurutschen droht. Und diese Ereignisse werden kommentiert und geschildert von der amtierenden Kumari. Die behauptet nämlich von sich, auch tatsächlich die wahre Inkarnation Talejus zu sein und dementsprechend eine allwissende Perspektive einnehmen zu können. Also fast, für die Richtigkeit ihrer Prophezeiungen übernimmt sie keine Garantie. Neben dem Alltag der Kumari werden die Handlungen und Erlebnisse zweier Personen nacherzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist einmal die in quasi-Leibeigenschaft aufgewachsende Maoistin Rupa Rana, die für einen umstürzlerischen Auftrag nach Kathmandu kommt, und einmal der designierte Thronfolger Dipendra, Sohn des amtieren Königs, der gerade erst aus dem Ausland zurückgekehrt ist. Und wenn ich von Alltagen spreche, ist das etwas Ansichtssache, denn die drei Figuren bewegen sich in der nepalesischen Hauptstadt, kurz bevor Dasain beginnt, das große Opferfest zu Ehren Talejus. Und hier muss ich kurz spoilern, denn: Ich war etwas verwirrt, hatte ich doch im Kopf, dass das Fest irgendwann im Herbst stattfindet, aber das Buch spielt mitten im Sommer. Erklärt habe ich es mir dann damit, dass durch die Vermischung dieses Fests mit dem für Nepal zentralen Ereignis des Jahres 2001 gerade die Fiktion entsteht, durch die man Krömer gerade nicht vorwerfen kann, hier irgendwas reales zu erzählen oder den Anspruch auf eine möglichst glaubwürdige Darstellung der Ereignisse zu haben oder ein realpolitisches Ereignis orientalistisch mit Faszination für „fremde“ Spiritualität zu verkitschen. Und das finde ich eigentlich ne ganz kluge Herangehensweise, denn so schafft sich der Autor einen Möglichkeitsraum, ausgehend von einem realen politischen Ereignis (das ich jetzt nicht spoilern werde und bitte guckt vorm Lesen nicht auf Wikipedia, sondern lasst euch sofern ihr keinen Schimmer habt überraschen und lest die realen Geschehnisse hinterher nach). Ein Ereignis, über dem bis heute der Schleier des „nichts genaues weiß man nicht“ hängt, weil nie ganz aufgeklärt wurde, was genau passierte. Und dieses Unwissen nutzt Krömer für den zweiten sehr gelungenen Twist. Denn indem er die Kumari behaupten lässt, sie sei wirklich göttlich und indem er sie aus dieser Perspektive teils sehr kritisch auf das Profane blicken lässt, bietet er Anknüpfungspunkte für Gesellschaftskritik, die wenig mit „Die Nepalesis sind ja ganz schön naiv“ zu tun hat und dafür mehr mit patriarchaler Macht, mit der Frage einer Entlastungsfunktion von Religionen, der Verbindung von Religion und Herrschaft und der von gesellschaftlicher Befreiung und Ersatzreligion. Wenn die Kumari etwa kritisiert, dass ihre menschliche Hülle nach Beginn der ersten Periode, wenn sie das Göttliche verlassen wird und ein neues Mädchen an ihre Stelle tritt, ohne viel Unterstützung aus dem Tempel geschickt werden wird, in dem sie seit dem Babyalter verehrt wurde, wenn zum Opferfest unzählige Tiere getötet werden und die ganze Stadt im Blutrausch versinkt, dann ist es zweitrangig, dass das konkret in Kathmandu stattfindet, weil sich aus den konkreten aufgeworfenen Themen viel umfassendere Fragen ergeben. Das bedeutet insgesamt auch, dass man durch dieses Buch durchjagt – in einer Rezension habe ich „fiebrig“ gelesen – und vieles nicht ganz greifen kann,dass vieles offen bleibt, dass man aber hinterher an diesen offenen Punkten auch ordentlich was zum Nachdenken hat. Ja ich weiß, das klingt jetzt teilweise ziemlich abstrakt, aber ich will nicht zu viel spoilern. Lest das zu Recht gerade in der Auswahl für die Hotlist der unabhägigen Verlage befindliche Buch am besten selbst. Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar gelesen.

3.5

Zu lange Kapitel, anspruchsvolle Sprachegewalt

Das Wort "Kumari" bedeutet wörtlich „Mädchen“ und bezeichnet in Nepal die Inkarnation einer Göttin. Die Auswahl dieser Mädchen erfolgt nach strengen Kriterien, meist im Alter zwischen zwei und vier Jahren. Dieses Buch erzählt die Geschichte der Kumari aus dem Jahr 2001 aus der Ich-Perspektive. Dabei verlässt ihr Geist gelegentlich den unmittelbaren Handlungsraum und beobachtet das Geschehen aus einer distanzierten Zuschauerposition, sie bleibt jedoch weiterhin die Erzählerin. Der Autor verbindet historische Fakten mit Fiktion und gewährt den Lesern faszinierende Einblicke in das Leben einer Kumari sowie in die politischen Spannungen Nepals zu jener Zeit. Die Erzählstruktur des Buches umfasst drei Kapitel, die jeweils einen Tag der Handlung abbilden. Dadurch sind die Kapitel ungewöhnlich lang, was durch die kraftvolle Sprache des Autors verstärkt wird – eine stilistische Herausforderung, die das Lesen nicht immer leicht macht. Besonders beeindruckend sind die Einblicke in die nepalesische Gesellschaft und die Tradition der Kumari. Dennoch hätte eine Unterteilung in Unterkapitel, insbesondere bei Szenenwechsel, die Lesbarkeit verbessert. Insgesamt handelt es sich um eine anspruchsvolle Lektüre, die ich nur eingeschränkt empfehlen kann – insbesondere für Leser, die sich auf die sprachliche und thematische Tiefe einlassen möchten. Trotz der herausfordernden Struktur bot mir das Buch eine kurzweilige und interessante Leseerfahrung.

Zu lange Kapitel, anspruchsvolle Sprachegewalt
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