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An jenem Sonntag, 13. Dezember 1981, zeigte das Thermometer minus
10 Grad Celsius, und ganz Polen war mit Schnee bedeckt. Mit Vorfreude
erwartete man eine ruhige, weiße Weihnacht. Es kam jedoch anders. Um
sechs Uhr morgens verkündete der Staats- und Parteichef, Armeegeneral
Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht, zu Polnisch „stan wojenny“. Er zeigte
sich auf dem Bildschirm des staatlichen Fernsehens in Uniform mit vollem
Ornat und sprach von der Verhinderung einer nationalen Katastrophe,
wobei diese ausgerechnet durch die Einführung des militärischen Ausnahmezustands
bereits im Gange war. 70 000 Soldaten, 30 000 Beamte
der kasernierten Polizei sowie ein riesiges Aufgebot an Sicherheitskräften
besetzten alle strategischen Punkte des Landes. Es folgten an die
10 000 Verhaftungen, Massenentlassungen im akademischen Bereich und
eine Exilwelle in der Größenordnung von mehreren Hunderttausend Menschen.
Durch diesen Gewaltakt sollte die freie Gewerkschaft Solidarność
samt ihres charismatischen Führers Lech Wałęsa kaltgestellt werden. Die
ursprünglich gegen Preiserhöhungen entstandene Streikbewegung des
Sommers 1980 zählte 10 Millionen Mitglieder, das Fünff ache der kommunistischen
Partei. Die sowjetische Führung übte auf ihre Warschauer Verbündeten
Druck aus, die Krise zu lösen. Am 13. Dezember 1981 gewann
der Staat mit der Einführung des Kriegsrechts eine Schlacht, aber den
Krieg gegen die Gesellschaft hat er verloren.
ISBN9783948643300
PublisherLandeszentrale f. polit. Bild. Thüringen
Publication Date04/01/21
Pages31
FormatPaperback
LanguageGerman
Author
About György Dalos
György Dalos ist ein ungarischer Schriftsteller und Historiker und lebt als freier Schriftsteller in Berlin.
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