Kraft

Kraft

Hardback
3.812
LeibnizRhetorikprofessorStanford UniversityGoogle

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Description

Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, unglücklich verheiratet und finanziell gebeutelt, hat womöglich einen Ausweg aus seiner Misere gefunden. Sein alter Weggefährte István, Professor an der Stanford Uni­ versity, lädt ihn zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage ins Silicon Valley ein. In Anlehnung an Leibniz’ Antwort auf die Theodizeefrage soll Kraft in einem 18-­minütigen Vortrag begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können. Für die beste Antwort ist eine Million Dollar ausgelobt. Damit könnte Kraft sich von seiner anspruchs­vollen Frau endlich freikaufen …
Komisch, furios und böse erzählt Jonas Lüscher in diesem klugen Roman von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
237
Price
20.60 €

Author Description

Jonas Lüscher, geboren 1976 in der Schweiz, lebt in München. Seine Novelle „Frühling der Barbaren“ (C.H.Beck 2013) entwickelte sich zum Bestseller, stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und war nominiert für den Schweizer Buchpreis. Sie wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und fürs Theater adaptiert. Lüscher erhielt u. a. die Literarische Auszeichnung des Kantons Bern, den Hans-Fallada-Preis und den Prix Franz Hessel.

Posts

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All
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Hammer!

Dies war das erste Buch von Jonas Lüscher, das ich gelesen habe. Ich fand es sehr stark, sauber beobachtet und gespiegelt: Unser Leben in der digitalen Tech-Zeit. Am Ende bitter, aber inzwischen leider Realität.

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..., und zudem gebärdete sich Kraft bei seinem Unterfangen, wie er selbst ein ums andere Mal zusehends frustriert und verzweifelt feststellen musste, wie der Oberigel, indem er das unsysthematische Denken der Füchse mit System beweisen wollte, und dabei half es auch nicht, dass er im Grunde genommen eine versteckte Agenda verfolgte, denn es ging ihm ja beileibe nicht nur darum, unvoreingenommen den Unterschied zwischen Igeln und Füchsen herauszuarbeiten, sondern vor allem darum, Letztere als irgendwie hellsichtiger, was das wahre Sein der Dinge betraf zu qualifizieren; auch dies an sich schon eine ziemliche Igelei. - Zitat, Seite 127 Bei "Kraft" handelt es sich um den ersten Roman des damals 40jährigen Schweizer Schriftstellers Jonas Lüscher, der in München lebt. Der Roman wurde 2017 veröffentlicht und erzählt die Geschichte des titelgebenden Richard Kraft, ein Rhetorik-Professor aus Tübingen, der von seinem alten Freund Ivan aus Kalifornien eine Email erhält, die ihn zur Teilnahme an einem Wettbewerb im Silicon Valley einlädt. Eine Einladung, die er zunächst für einen Scherz hält. Anlässlich des 307. Jahrestages der Veröffentlichung der Theodizee von Leibniz, wird der Verfasser für die Präsentation der preiswürdigsten Antwort, in einer Live-Veranstaltung an der Stanford University, von folgender Frage mit einer Million Dollar geehrt: "Why whatever is, is right und why we still can improve it?" Als Ehefrau Heike ihm unmissverständlich klar macht, dass sie sich mit dem Preisgeld endlich die Scheidung leisten könnten, die ihre unsägliche Verbindung auflösen könnte, ist die Sache geritzt: Kraft packt seine Koffer und fliegt nach Kalifornien. Allerdings holt ihn dort immer wieder auch seine Vergangenheit ein. Bilder steigen aus der Erinnerung auf: wie seinem ungarischen Freund István (der sich später Ivan nennt) von einer Demonstrantin in Berlin mit einer Gerbera ins Auge geschlagen wird und die Folgen davon, nämlich Operationen beim Versehrten und Verliebtheit bei Kraft. Außerdem Videoabende auf der Couch mit Freund und Knight Rider, wobei auf demselben Möbel dann auch Krafts erstes Kind gezeugt wird (wovon der Erzeuger lange nichts ahnt). Später eine Reise mit István, der wie Odin sein linkes Auge eingebüßt hat, nach Bonn - zur Beobachtung der politischen Lage (Misstrauensvotum von Helmut Schmidt). Dann eine berufliche Tätigkeit in Basel, die mit der großen Liebe zu einer Biologin einhergeht und Kraft zwischen Berlin und Basel pendeln lässt. Doch auch diese Beziehung hält nicht und während Kraft seine Erinnerungen durchgeht, hinterfragt er seine Wahrnehmung und fragt sich ernsthaft, ob die nahe Zukunft wirklich eine zweite Chance für ihn bereit hält ... Und wir fragen uns, wie zuverlässig der auktoriale Erzähler Jonas Lüscher ist. Seine Erzählweise ist zwar oft von ausufernden Satzgebilden geprägt, doch sitzt hier wirklich jedes Wort. Wie sein Protagonist befinden auch wir uns auf unsicherem Terrain, werden aufgefordert, die Reflektionen zu begleiten und dürfen auch oftmals schmunzeln oder lachen - denn der Humor kommt nicht zu kurz, wenn auch manchmal rabenschwarz gefärbt. Der Initiator des Wettbewerbs im Roman soll übrigens nach einer realen Person gestaltet worden sein. Es handelt sich um den deutschstämmigen Unternehmer Peter Thiel, der zusammen mit Max Levchin PayPal gegründet hat. Der Roman selbst endet mit einem Paukenschlag - oder sollte man in dem Fall von einem Glockenschlag sprechen? FAZIT Auf Jonas Lüscher wurde ich durch das sehr sympathische Interview des Schriftstellers durch den Hauptsponsor des diesjährigen Schweizer Buchpreises aufmerksam. Und sicherlich ist "Kraft" nicht mein letzt gelesenes Buch des Schriftstellers! Sein Schreibstil ist zwar anspruchsvoll, aber sehr lebendig und ausdrucksstark. Außerdem scheut sich der Autor nicht, existenziellen Fragen nachzugehen. Allerdings bezeichnet er den Dialekt seiner Freundin, die im süddeutschen Dreiländereck wohnt, als Schwäbisch und bedient damit das typische Vorurteil der Schweizer, die zu Unrecht alles jenseits der Grenze als Schwabenland bezeichnen. Und ich vermute auch, dass er die deutsche Stadt, in der ich zufällig auch zu Hause bin, nicht wirklich kennt - aber dies sei ihm verziehen! Eine Frage hätte ich noch an all diejenigen, die das Buch auch gelesen haben: Als was identifiziert ihr euch, als Fuchs 🦊 als Igel 🦔, oder doch als Stachelschwein? Oder lehnt ihr die Kategorien rigoros ab? Eine Leseempfehlung für Menschen.

5

Nach meinem traumatisierenden Erlebnis mit Paul Auster fürchtete ich mich vor einem weiteren Ausflug ins literarische Feuilleton, trotzdem sah meine Leseliste für den Monat Juni Jonas Lüschers aktuellen Roman "Kraft" vor. Da an der Leseliste grundsätzlich selten was zu Rütteln gilt, nahm ich mir das Buch vor. Lüscher hat mir vor einigen Jahren bereits stark imponiert, als er "Frühling der Barbaren" veröffentlichte. Dann war es lange ruhig um den Autoren und kommt er mit voller Wucht zurück. Herr Lüscher, vielen Dank, dass Sie anstelle einer Dissertation dieses Werk geschrieben haben. Vielen Dank dafür, dass Sie mein blutendes literarisches Herz geheilt und wieder ganz gemacht haben. Wie ihr seht, bin ich mehr als nur begeistert von Lüscher und seinem Protagonisten Kraft. Lüscher webt ein feines Netz, mit dem er mich bereits nach den ersten Sätzen gefangen hatte. "Kraft" ist eines jener Bücher, die mir auch jetzt noch im Kopf herumgeistern. Und wie auch schon das Erstlingswerk wirft das Buch elementare Fragen auf, reisst uns den Boden unter den Füssen weg und dringt bis tief in den Kern des Wesentlichen vor. Dabei haftet diesem Werk schon etwas Metaphysisches an. Schafft es Kraft, inmitten einer Lebenskrise, zu beweisen, dass alles gut ist? Ist überhaupt alles, das ist, gut? Nicht nur Lüschers Hauptcharakter schlägt sich mit diesen Fragen um - früher oder später kommt auch der Leser nicht umhin, sich ebenfalls mit diesen Themen zu beschäftigen. Auch die Umgebung, in der sich Kraft bewegt, greift diese Gedanken auf und spiegelt sie auf den Leser zurück. Kraft, unterdessen kraftlos, irrt durch das Silicon Valley, wo er auf eine junge Generation trifft, die in völlig anderen Dimensionen denkt. Hier knallen Welten aufeinander, diese Erschütterungen übertragen sich aufs Papier und so auch auf den Leser. An einigen Stellen wirkt unser Kraft fast schon faustisch - er sammelt sein Wissen, häuft es an, und kommt doch nicht vom Fleck. Er scheitert an einer Aufgabe, von der alle erwarten, dass er sie lösen kann. Er wälzt alle Fakten und Vorlagen, dennoch bleibt ihm die Antwort verborgen. István dagegen wirkt fröhlicher, aufgestellter, lebendiger. Er ist immer wieder der Auslöser, übernimmt somit die Rolle des Mephisto, wenn auch in einer weicheren, sanfteren Form. Was mich danach umso mehr überraschte, war Lüschers Humor. Trotz des schweren Themas des Buches dringt immer wieder der Schalk durch. Der Autor teilt immer wieder kleine Seitenhiebe aus, nimmt vieles nicht so Ernst wie es Kraft tut und sieht das Absurde in unserem Alltag. Nur schon die Geschichte, wie István zum Desserteuer wurde, ist eine kleine erzählerische Glanzleistung. Lüschers "Kraft" ist für mich definitiv ein Jahreshighlight, sodass sich der Autor spielerisch und ohne Mühe in den Rang eines Lieblingsautoren hochgeschrieben hat. Dort kann er nun den Platz ausfüllen, der zuvor Paul Auster gehört hatte. So geht es nun mal zu im Leben und in der Literatur.

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