Kazimira
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Description
Ein abgelegener Ort am Baltischen Meer, Ende des 19. Jahrhunderts. Kazimira bringt ihrem Mann Antas angeschwemmten Bernstein vom Strand jenseits der Düne. Er ist der begabteste Dreher in der Gegend. Das weiß auch Moritz Hirschberg, Eigentümer des Bernsteinwerks am Weststrand. Antas wird einer seiner wichtigsten Arbeiter, Kazimira muss sich um Haus und Kind kümmern, obwohl sie arbeiten will wie ihr Mann. Als das Wagnis des Untertagebaus sich endlich auszahlt und die Grube zum Erfolg wird, werden jedoch nicht nur Neid und Missgunst, sondern auch Antisemitismus und Nationalismus laut im Kaiserreich. Und Kazimira muss erfahren, dass sie ihren Weg allein zu gehen hat, erst recht, als die Hirschbergs vertrieben werden und ihr Sohn am Ersten Weltkrieg zerbricht. Sie bleibt bei der leeren Grube, einst Ort des Wohlstands und Fortschritts, wohnen und wird Jahrzehnte später, am Ende des Zweiten Weltkriegs, letzte Zeugin deutscher Verbrechen.
In Kazimira erzählt Svenja Leiber vom größten Bernsteinabbau der Geschichte. Im Aufstieg und Verfall der »Annagrube« und in ihrem Nachwirken im heutigen Russland spiegeln sich drängende Fragen: Woher rühren Hass und Gewalt? Was geschieht, wenn Leben für unwert erklärt wird? Die Frauen, denen der Roman einfühlsam über fünf Generationen folgt, entwerfen eine Gegenwelt – im Mittelpunkt: Kazimira und ihr Ringen um Selbstbestimmung.
Book Information
Author Description
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
Posts
Ein Buch wie ein Sog
Kazimira ist anders als die anderen Frauen in dem kleinen Dorf am Baltischen Meer. Statt ein Kind zu bekommen, möchte sie lieber arbeiten wie ein Mann. Aber nicht nur Sohn Ake wird ihr Leben verändern, sondern auch der Bernstein, der tief unter dem Dorf liegt … Für einen Buchclub habe ich zu Kazimiras Geschichte gegriffen und auf den ersten ca. 80 Seiten war ich mir sicher, dass ich es nicht mögen würde. So kann man sich täuschen - tatsächlich konnte ich das Buch am Schluss nicht mehr aus der Hand legen, solch einen Sog hatte es entwickelt. Svenja Leiber erzählt episodenhaft, mal poetisch, mal berichtsmäßig nüchtern, nicht nur von Kazimira und den anderen Frauen, die ihren Weg kreuzen werden, sondern auch vom Abbau des Bernsteins an der Ostsee und von den Umbrüchen der vorletzten Jahrhundertwende, deren Aufbruchstimmung abgelöst wird von dunklem Nationalstolz und den Gräueln zweier sinnloser Kriege. Wo ich sonst gerne mal kritisiere, dass sich Autorinnen und Autoren mit solcher Themenfülle übernehmen, ist das hier nicht der Fall. Fein verzahnt sind Leibers Geschichten und Figuren, greifen ineinander und ergänzen sich, bis sich am Schluss auch der letzte erzählerische Kreis schließt. Dabei verlangt die Geschichte den Lesenden alles ab - schon bei Jelas bittersüß erzählter Entstehung musste ich weinen, weil man weiß, wie ihr Schicksal enden wird. ‚Kazimira‘ ist für mich ganz große Literatur, eine packend erzählte Geschichtsstunde und eine bewegende Zeichnung von Frauenschicksalen.
Historisch, kompliziert, schwer zugänglich - einfach nicht mein Genre oder Schreibstil
Ich habe Kazimira für einen Buchclub gelesen, ein Buch, das ich mir selbst wohl nie ausgesucht hätte. Ich habe mich oft durch die Seiten durchgequält, nicht wegen der Geschichte an sich, sondern wegen der Sprache. Sie ist sehr blumig, historisch und metaphorisch, sodass man vieles interpretieren muss, statt dass klar beschrieben wird, was passiert. Man braucht zudem einiges an historischem Vorwissen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg, um die Andeutungen richtig zu verstehen. Für mich war das Lesen anstrengend, und ich habe sicher einiges überlesen oder nicht vollständig aufgenommen. Vielleicht bin ich einfach eine „Kulturbanausin“, aber dieses Buch war definitiv kein leichter Lesestoff.
Ich musste mich reinlesen, konnte es dann nicht mehr aus der Hand legen und es wird mich wohl so schnell nicht mehr loslassen. Vor allem die Figur der Kazimira nicht. Nie hätte ich nach den ersten Seiten diese Wucht kommen sehen, mit der mich das Buch packt, fesselt und emotional durchrüttelt. Da vieles darin auf historischen Tatsachen beruht, tut es beim Lesen oft weh. Und das ist gut so. Was mich besonders beeindruckt hat: Svenja Leibers Sprache und wie sie es schafft, grausame Dinge so gekonnt in Worte zu fassen, dass sie nicht konkret benannt werden - aber ganz unmissverständlich klar ist, worum es geht. Danke @fuxbooks, fürs in die Hand drücken!
Historische Sprachgewalt
Kazimira ist eine von zahlreichen Figuren, denen man im titelgebenden Roman von Svenja Leiber findet. Anfangs war ich etwas überfordert mit den vielen Namen, der teils eigenwilligen aber auch maßgeschneiderten Sprache und den historischen Gegebenheiten rund um Königsberg und den Bernsteinabbau. Mit der Zeit wächst einem aber nicht nur Kazimira ans Herz, sondern eigentlich alle Figuren, denen wir mal länger, mal kürzer folgen. Leider muss man sagen, dass alle Protagonisten sehr viel Unglück, Unrecht und Schmerz erleben müssen - Es handelt sich also keinesfalls um eine Wohlfühl-Familien-Geschichte. Vielmehr werden die dunkelsten Seiten der Gesellschaft und der Historie behandelt. Svenja Leiber findet dabei eine besondere und sehr zärtliche Sprache, die ich so noch nirgends gelesen habe. Auch wenn das Buch knapp 450 Seiten umfasst, wollte ich nicht, dass die Geschichte endet. Die Autorin hat aber einen passenden Moment gefunden, um die Fäden der Gegenwart und Vergangenheit zusammenzuführen.
Description
Ein abgelegener Ort am Baltischen Meer, Ende des 19. Jahrhunderts. Kazimira bringt ihrem Mann Antas angeschwemmten Bernstein vom Strand jenseits der Düne. Er ist der begabteste Dreher in der Gegend. Das weiß auch Moritz Hirschberg, Eigentümer des Bernsteinwerks am Weststrand. Antas wird einer seiner wichtigsten Arbeiter, Kazimira muss sich um Haus und Kind kümmern, obwohl sie arbeiten will wie ihr Mann. Als das Wagnis des Untertagebaus sich endlich auszahlt und die Grube zum Erfolg wird, werden jedoch nicht nur Neid und Missgunst, sondern auch Antisemitismus und Nationalismus laut im Kaiserreich. Und Kazimira muss erfahren, dass sie ihren Weg allein zu gehen hat, erst recht, als die Hirschbergs vertrieben werden und ihr Sohn am Ersten Weltkrieg zerbricht. Sie bleibt bei der leeren Grube, einst Ort des Wohlstands und Fortschritts, wohnen und wird Jahrzehnte später, am Ende des Zweiten Weltkriegs, letzte Zeugin deutscher Verbrechen.
In Kazimira erzählt Svenja Leiber vom größten Bernsteinabbau der Geschichte. Im Aufstieg und Verfall der »Annagrube« und in ihrem Nachwirken im heutigen Russland spiegeln sich drängende Fragen: Woher rühren Hass und Gewalt? Was geschieht, wenn Leben für unwert erklärt wird? Die Frauen, denen der Roman einfühlsam über fünf Generationen folgt, entwerfen eine Gegenwelt – im Mittelpunkt: Kazimira und ihr Ringen um Selbstbestimmung.
Book Information
Author Description
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
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Ein Buch wie ein Sog
Kazimira ist anders als die anderen Frauen in dem kleinen Dorf am Baltischen Meer. Statt ein Kind zu bekommen, möchte sie lieber arbeiten wie ein Mann. Aber nicht nur Sohn Ake wird ihr Leben verändern, sondern auch der Bernstein, der tief unter dem Dorf liegt … Für einen Buchclub habe ich zu Kazimiras Geschichte gegriffen und auf den ersten ca. 80 Seiten war ich mir sicher, dass ich es nicht mögen würde. So kann man sich täuschen - tatsächlich konnte ich das Buch am Schluss nicht mehr aus der Hand legen, solch einen Sog hatte es entwickelt. Svenja Leiber erzählt episodenhaft, mal poetisch, mal berichtsmäßig nüchtern, nicht nur von Kazimira und den anderen Frauen, die ihren Weg kreuzen werden, sondern auch vom Abbau des Bernsteins an der Ostsee und von den Umbrüchen der vorletzten Jahrhundertwende, deren Aufbruchstimmung abgelöst wird von dunklem Nationalstolz und den Gräueln zweier sinnloser Kriege. Wo ich sonst gerne mal kritisiere, dass sich Autorinnen und Autoren mit solcher Themenfülle übernehmen, ist das hier nicht der Fall. Fein verzahnt sind Leibers Geschichten und Figuren, greifen ineinander und ergänzen sich, bis sich am Schluss auch der letzte erzählerische Kreis schließt. Dabei verlangt die Geschichte den Lesenden alles ab - schon bei Jelas bittersüß erzählter Entstehung musste ich weinen, weil man weiß, wie ihr Schicksal enden wird. ‚Kazimira‘ ist für mich ganz große Literatur, eine packend erzählte Geschichtsstunde und eine bewegende Zeichnung von Frauenschicksalen.
Historisch, kompliziert, schwer zugänglich - einfach nicht mein Genre oder Schreibstil
Ich habe Kazimira für einen Buchclub gelesen, ein Buch, das ich mir selbst wohl nie ausgesucht hätte. Ich habe mich oft durch die Seiten durchgequält, nicht wegen der Geschichte an sich, sondern wegen der Sprache. Sie ist sehr blumig, historisch und metaphorisch, sodass man vieles interpretieren muss, statt dass klar beschrieben wird, was passiert. Man braucht zudem einiges an historischem Vorwissen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg, um die Andeutungen richtig zu verstehen. Für mich war das Lesen anstrengend, und ich habe sicher einiges überlesen oder nicht vollständig aufgenommen. Vielleicht bin ich einfach eine „Kulturbanausin“, aber dieses Buch war definitiv kein leichter Lesestoff.
Ich musste mich reinlesen, konnte es dann nicht mehr aus der Hand legen und es wird mich wohl so schnell nicht mehr loslassen. Vor allem die Figur der Kazimira nicht. Nie hätte ich nach den ersten Seiten diese Wucht kommen sehen, mit der mich das Buch packt, fesselt und emotional durchrüttelt. Da vieles darin auf historischen Tatsachen beruht, tut es beim Lesen oft weh. Und das ist gut so. Was mich besonders beeindruckt hat: Svenja Leibers Sprache und wie sie es schafft, grausame Dinge so gekonnt in Worte zu fassen, dass sie nicht konkret benannt werden - aber ganz unmissverständlich klar ist, worum es geht. Danke @fuxbooks, fürs in die Hand drücken!
Historische Sprachgewalt
Kazimira ist eine von zahlreichen Figuren, denen man im titelgebenden Roman von Svenja Leiber findet. Anfangs war ich etwas überfordert mit den vielen Namen, der teils eigenwilligen aber auch maßgeschneiderten Sprache und den historischen Gegebenheiten rund um Königsberg und den Bernsteinabbau. Mit der Zeit wächst einem aber nicht nur Kazimira ans Herz, sondern eigentlich alle Figuren, denen wir mal länger, mal kürzer folgen. Leider muss man sagen, dass alle Protagonisten sehr viel Unglück, Unrecht und Schmerz erleben müssen - Es handelt sich also keinesfalls um eine Wohlfühl-Familien-Geschichte. Vielmehr werden die dunkelsten Seiten der Gesellschaft und der Historie behandelt. Svenja Leiber findet dabei eine besondere und sehr zärtliche Sprache, die ich so noch nirgends gelesen habe. Auch wenn das Buch knapp 450 Seiten umfasst, wollte ich nicht, dass die Geschichte endet. Die Autorin hat aber einen passenden Moment gefunden, um die Fäden der Gegenwart und Vergangenheit zusammenzuführen.








