Immensee

Immensee

Hardback
3.526
Elisabeth1918ImmenseeBelletristik

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Description

Den von Storm beschriebenen Künstlerexistenzen haftet etwas Tragisches an. Tragisch auch das Schicksal des Protagonisten Reinhardt aus Immensee. Nach einer unbeschwerten Kinder- und frühen Jugendzeit der beiden Protagonisten Elisabeth und Reinhardt, änderte sich das Verhältnis der beiden zueinander schlagartig, nachdem Reinhardt die idyllische Heimatumgebung verlassen muß, um seine Studien in einer größeren Stadt fortsetzen zu können. Mit der Zwangstrennung ist der innige Zusammenhalt früherer Jahre dahin. Elisabeth hatte ihre Spontaneität verloren, und die zaghaften Versuche Reinhardts, an die gemeinsamen Kinderjahre anzuknüpfen, sieht er scheitern. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn aus den beiden Kindern sind Heranwachsende und Erwachsene geworden, die ihre Unbeschwertheit im gemeinschaftlichen Umgang zueinander verloren haben. Es kommt, was kommen mußte: Das Ende einer Liebe; der Künstler Reinhardt geht in die Welt hinaus. Das Schicksal Elisabeths, das Leben mit ihrem Ehemann Erich, das alles bleibt in dieser Novelle unausgesprochen. Allein der Künstler kommt im Abschlußkapitel 'Der Alte' noch einmal zu Wort: Er rückt 'den Stuhl zum Tische, nahm eins der aufgeschlagenen Bücher und vertiefte sich in Studien, an denen er einst die Kraft seiner Jugend geübt hatte.'

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
96
Price
14.40 €

Posts

4
All
3.5

Hier an Bergeshalde verstummte ganz der Wind; Die Zweige hängen nieder, darunter sitzt das Kind. Sie sitzt im Thymiane, sie sitzt in lauter Duft; Die blauen Fliegen summen und blitzen durch die Luft. Es steht der Wald so schweigend, sie schaut so klug darein; um ihre braunen Locken hin so fließt der Sonnenschein. Der Kuckuck lacht von ferne, es geht mir durch den Sinn: Sie hat die goldnen Augen der Waldkönigin. Richard wenn du bloß nicht so dumm gewesen wärst...

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3

Unerfüllte Liebe und verlorene Träume – ein leises Drama des poetischen Realismus

Theodor Storms „Immensee“ erzählt die tragische Geschichte einer unerfüllten Liebe, die durch die Zeit hinweg immer weiter verblasst und am Ende nur noch ein bitterer Nachgeschmack im Leben des Protagonisten bleibt. Die Novelle dreht sich um die Kindheitsfreunde Reinhard und Elisabeth, die anfangs unzertrennlich sind und ihre Jugendträume teilen. Doch als Reinhard die Heimat verlässt, um zu studieren, wird ihre innige Verbindung langsam, aber unausweichlich zerstört. Zurück bleibt ein riesiger Graben aus nicht ausgesprochenen Gefühlen und unerwiderten Erwartungen. Was folgt, ist das schmerzhafte Aufwachsen der beiden Figuren – ohneeinander. Reinhards Rückkehr und zaghaften Versuche, die alte Nähe wiederherzustellen, scheitern. Die Vertrautheit und Unbeschwertheit der Kindheit sind längst verloren, und beide gehen ihren eigenen Weg. Elisabeth heiratet schließlich einen anderen Mann, und Reinhard bleibt allein – nur noch ein alter, wehmütiger Mann, der rückblickend in Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit schwelgt. Storm schafft es, diese tragische Entwicklung mit einer Sprache zu zeichnen, die fast schon lyrisch anmutet. Die Novelle ist reich an Symbolik und schafft es, in wenigen Worten große Gefühle zu transportieren. Die Suche der beiden nach Erdbeeren im tiefen Wald, die ergebnislos bleibt, oder das vergebliche Hoffen auf einen Storch als Symbol für Kindersegen – all das steht für die verlorenen Möglichkeiten und gescheiterten Hoffnungen. Storm lässt vieles unausgesprochen, angedeutet, was in anderen Romanen plakativ vorgetragen würde. Diese Zurückhaltung, die leisen Töne, machen „Immensee“ zu einem Kunstwerk des poetischen Realismus. Allerdings fand ich es schwierig, wirklich eine Nähe zu den Figuren aufzubauen. Vielleicht liegt das an der Kürze der Novelle oder an der Art, wie Storm eher die Stimmungen als die konkreten Geschehnisse ausmalt. Die Figuren bleiben schemenhaft und distanziert, was es mir schwer machte, ihre Emotionen voll nachzufühlen. Das Schicksal von Elisabeth und Reinhard wird so zu einem kühlen, ästhetisch aufgeladenen Kammerspiel, das zwar durchaus literarische Qualität hat, aber emotional nicht richtig bei mir ankam. Allerdings sind wir ja auch im nüchternen Realismus, und nicht in der emotional aufwallenden Romantik. Trotzdem muss ich betonen, dass „Immensee“ für einen Text von 1849/50 überraschend zugänglich ist – die Sprache ist schlicht und verständlich, ohne an Tiefe zu verlieren. Gerade im Kontrast zu den verschachtelten Sätzen mancher Zeitgenossen ist Storms Stil fast schon erfrischend. Und das ist auch der Grund, warum ich dem Werk durchaus etwas abgewinnen konnte. Zwar hat es mich nicht vollkommen vom Hocker gehauen, aber es bleibt ein Stück deutscher Literaturgeschichte, das man (zumindest als Liebhaberin klassischer Literatur 😉) gelesen haben sollte. Storm zeigt, wie man aus einer einfachen Geschichte ein poetisch wertvolles Kunstwerk machen kann. Und letztendlich bleibt die Frage: Muss jede Literatur einen tief emotional berühren? Vielleicht nicht. Manchmal reicht es auch, die Schönheit eines Textes zu würdigen, der gekonnt die feinen Nuancen menschlicher Beziehungen einfängt und uns mit seiner schlichten, aber kunstvollen Sprache in eine andere Zeit entführt. ⭐️⭐️⭐️

4

Kurze schöne Novelle, wie Storm selbst sagt „Es ist eine echte Dichtung der Liebe und durch und durch von dem Dufte und der Atmosphäre der Liebe erfüllt von diesem Gesichtspunkt aus, muss jede Beurteilung ausgehen.“

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