Im Osten der Träume
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Description
Nach ihrer sehr persönlichen Erzählung An das Wilde glauben führt auch Nastassja Martins neues Buch wieder nach Kamtschatka, wo die Lesenden auf alte Bekannte stoßen: die Even. Doch in Im Osten der Träume reflektiert die Anthropologin nun die ganze Geschichte ihrer Zeit mit den Even. Nach ihrer Feldforschung bei den Gwich'in in Alaska erscheint es Martin notwendig, sich auf die andere Seite der Beringstraße und des ehemaligen Eisernen Vorhangs zu begeben. In Kamtschatka lernt sie ein Even-Kollektiv kennen, das in der Sowjetunion gezwungen war, in Kolchosen sesshaft zu werden, und nach dem Zusammenbruch des Regimes beschloss, in den Wald zurückzukehren, um eine autonome Lebensweise neu zu erfinden. Diese beruht auf Fischfang, Jagd und Sammeln: ganz untypisch für die Even, die ursprünglich kleinere Rentierherden hüteten. Nastassja Martin begleitet sie und beschreibt, wie das Kollektiv den Dialog mit den Tieren und den Elementen wieder aufnimmt, wobei Träume eine essenzielle Rolle spielen. Mit ihrem neuen Alltag reagiert diese Gruppe auf die jahrzehntelangen Verheerungen, die eine koloniale Machtpolitik ihr zugefügt hat. Und zugleich versucht sie, eine Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart zu finden, während in unmittelbarer Nachbarschaft die Zeitbombe einer bevorstehenden Naturkatastrophe in Gestalt eines zügellosen Nickel-Extraktivismus längst zu ticken begonnen hat.
Book Information
Author Description
Nastassja Martin, 1986 in Grenoble geboren, ist Anthropologin und Schriftstellerin. Die Schülerin Philippe Descolas ist Spezialistin für die Kosmologien und Animismen der Völker Alaskas und veröffentlichte vor ihrem ersten Roman, der großes Aufsehen erregte, u. a. mit Les âmes sauvages, ein Buch über die Widerständigkeit der Inuit gegen die Zivilisation.
Posts
Nach "An das Wilde glauben" war ich neugierig auf das nächste Buch von Nastassja Martin, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Während das erste Buch eine autobiographische Erzählung über ein traumatisierendes Erlebnis ist, kommt in "Im Osten der Träume" ganz die Anthropologin durch. Wir besuchen gemeinsam mit Martin die Even, die in Kamtschatka leben und so gut es geht ihre alten Traditionen pflegen. Dass dies früher unter den Russen bzw. den Amerikanern kaum möglich war, zeigen die Erzählungen der Personen. Dass das Leben aktuell nicht besser geworden ist, erfahren wir ebenso. Es sind nämlich immer diejenigen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, die Krisen wie die Klimaerwärmung am meisten zu spüren bekommen. Wie sich so ein Leben in der tiefsten Wildnis gestaltet, erzählt uns Martin. Aber auch von den Legenden, der Gedankenwelt und allem, was anders ist, als wir es aus unseren bequemen Leben kennen. Ich war fasziniert, aber auch ergriffen und von tiefstem Respekt bewegt, den Even gegenüber. Dazwischen schreibt Nastassja Martin immer wieder über Zusammenhänge und Schlussfolgerungen. Diese wissenschaftlichen Teile sind sehr fordernd und oft habe ich sie nur oberflächlich gelesen, da sich hier zeigt, dass es sich trotz allem um eine akademische Arbeit, in akademischer Sprache gehalten, handelt. Ich bin so frei zuzugeben, dass ich davon nicht sehr viel verstanden habe. Das muss ich auch nicht. Die Seele dieses Werkes ist anderswo verortet. In der Wildnis, der wahren, greifbaren Wildnis, der reinen Natur. In den Even selbst, die in allem Lebenden eine Seele sehen.
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Nach ihrer sehr persönlichen Erzählung An das Wilde glauben führt auch Nastassja Martins neues Buch wieder nach Kamtschatka, wo die Lesenden auf alte Bekannte stoßen: die Even. Doch in Im Osten der Träume reflektiert die Anthropologin nun die ganze Geschichte ihrer Zeit mit den Even. Nach ihrer Feldforschung bei den Gwich'in in Alaska erscheint es Martin notwendig, sich auf die andere Seite der Beringstraße und des ehemaligen Eisernen Vorhangs zu begeben. In Kamtschatka lernt sie ein Even-Kollektiv kennen, das in der Sowjetunion gezwungen war, in Kolchosen sesshaft zu werden, und nach dem Zusammenbruch des Regimes beschloss, in den Wald zurückzukehren, um eine autonome Lebensweise neu zu erfinden. Diese beruht auf Fischfang, Jagd und Sammeln: ganz untypisch für die Even, die ursprünglich kleinere Rentierherden hüteten. Nastassja Martin begleitet sie und beschreibt, wie das Kollektiv den Dialog mit den Tieren und den Elementen wieder aufnimmt, wobei Träume eine essenzielle Rolle spielen. Mit ihrem neuen Alltag reagiert diese Gruppe auf die jahrzehntelangen Verheerungen, die eine koloniale Machtpolitik ihr zugefügt hat. Und zugleich versucht sie, eine Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart zu finden, während in unmittelbarer Nachbarschaft die Zeitbombe einer bevorstehenden Naturkatastrophe in Gestalt eines zügellosen Nickel-Extraktivismus längst zu ticken begonnen hat.
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Nastassja Martin, 1986 in Grenoble geboren, ist Anthropologin und Schriftstellerin. Die Schülerin Philippe Descolas ist Spezialistin für die Kosmologien und Animismen der Völker Alaskas und veröffentlichte vor ihrem ersten Roman, der großes Aufsehen erregte, u. a. mit Les âmes sauvages, ein Buch über die Widerständigkeit der Inuit gegen die Zivilisation.
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Nach "An das Wilde glauben" war ich neugierig auf das nächste Buch von Nastassja Martin, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Während das erste Buch eine autobiographische Erzählung über ein traumatisierendes Erlebnis ist, kommt in "Im Osten der Träume" ganz die Anthropologin durch. Wir besuchen gemeinsam mit Martin die Even, die in Kamtschatka leben und so gut es geht ihre alten Traditionen pflegen. Dass dies früher unter den Russen bzw. den Amerikanern kaum möglich war, zeigen die Erzählungen der Personen. Dass das Leben aktuell nicht besser geworden ist, erfahren wir ebenso. Es sind nämlich immer diejenigen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, die Krisen wie die Klimaerwärmung am meisten zu spüren bekommen. Wie sich so ein Leben in der tiefsten Wildnis gestaltet, erzählt uns Martin. Aber auch von den Legenden, der Gedankenwelt und allem, was anders ist, als wir es aus unseren bequemen Leben kennen. Ich war fasziniert, aber auch ergriffen und von tiefstem Respekt bewegt, den Even gegenüber. Dazwischen schreibt Nastassja Martin immer wieder über Zusammenhänge und Schlussfolgerungen. Diese wissenschaftlichen Teile sind sehr fordernd und oft habe ich sie nur oberflächlich gelesen, da sich hier zeigt, dass es sich trotz allem um eine akademische Arbeit, in akademischer Sprache gehalten, handelt. Ich bin so frei zuzugeben, dass ich davon nicht sehr viel verstanden habe. Das muss ich auch nicht. Die Seele dieses Werkes ist anderswo verortet. In der Wildnis, der wahren, greifbaren Wildnis, der reinen Natur. In den Even selbst, die in allem Lebenden eine Seele sehen.




