Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss

Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss

Softcover
4.210
MeditationAnspruchsvolle LiteraturBuddhismusKirchen Und Klöster

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Description

Im Süden Kyotos, an der einschienigen Schnellbahn der Kaihan-Linie gelegen, nur eine Haltestelle außerhalb der Stadt, ist ein Kloster. Eine labyrinthische Steigung führt den Enkel des Prinzen von Genji an diesen abgelegenen Ort. Irgendwo hier müßte er sein, der schönste Garten der Welt.
Wie von selbst werden seine Schritte durch die Klosteranlage gelenkt. Eine ausgeklügelte Bauweise hat die Natur in Form gebracht, jedes Ding hat seinen Platz und seine wohlgeformte Gestalt eine Bedeutung an sich. Und so eröffnet sich ein feiner, minutiöser Blick auf die Natur, auf Pflanzen, Wind und Vögel, wie auch auf die Architektur, auf Pagoden, Höfe, Terrassen. Das Kleine groß werden zu lassen, Unauffälliges in den Mittelpunkt zu rücken, die Bedeutung zu erkennen, die selbst dem scheinbar Zufälligen innewohnt, Schönheit im Alltäglichen aufzuspüren und das ordnende Prinzip im angeblichen Chaos zu benennen, all das leistet László Krasznahorkai bei seinem Ausflug in die japanische Landschaft und in Japans Ideen- und Gedankenwelt.


Entstanden ist ein literarisches Kleinod von ungekannter Tiefe, ein meditativer Text, der auch europäische Gemüter lehrt, sich in die zirkuläre Denkweise des fernen Ostens einzufühlen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
160
Price
14.40 €

Author Description

»Jedes meiner Bücher soll die literarische Landkarte verschieben«, sagt László Krasznahorkai, dem 2015 der International Man Booker Prize verliehen wurde. 1954 in Gyula/Ungarn geboren, gilt er als einer der innovativsten Schriftsteller Europas, dessen Romane »Satanstango« und »Melancholie des Widerstands« überall auf der Welt begeistert aufgenommen werden. Die internationale Beachtung begann jedoch 1993 in Deutschland mit dem SWR-Bestenliste-Preis für »Melancholie des Widerstands«. In den letzten Jahren erschienen die Erzählbände »Seiobo auf Erden« (Brücke-Berlin-Preis und Literaturpreis Leuk 2010) sowie »Die Welt voran« (2014). Für seinen Roman »Baron Wenckheims Rückkehr« (2018) wurde er mit dem National Book Award 2019 for Translated Literature ausgezeichnet. 2021 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur sowie 2024 den spanischen Literaturpreis Prix Formentor. 2025 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman »Herscht 07769« und der Erzählband »Im Wahn der Anderen«. Heute lebt László Krasznahorkai in Triest, Italien.

Posts

4
All
5

Ein Buch wie eine Meditation. Natur, Mensch, Realität und Phantasie werden zu einem Text, der wie ein langsamer Fluss dahinfließt. Krasznahorkai führt mit seiner Sprache, bei der ein Satz über mehrere Seiten gehen kann, den Inhalt des Textes fort, ohne sich jedoch zu verzetteln. Man kommt in einen Lesefluss, der einen in den Text zieht.

3

Krasznahorkai ist bekannt für seine komplexen, nahezu hypnotischen Satzstrukturen, und dieses Werk bildet hierbei keine Ausnahme. Es schildert die Reise eines Mönchs, der einer rätselhaften Spur folgt, wobei die Handlung weniger eine lineare Entwicklung als vielmehr einen Zustand darstellt: ein Schweben zwischen materieller Welt und geistiger Dimension, zwischen Wahrnehmung und Vision. Der Text entfaltet sich in langen, ununterbrochenen Satzgefügen, die den Leser in eine meditative Immersion versetzen. Die Lektüre Krasznahorkais erfordert volle Aufmerksamkeit; sie lädt dazu ein, sich einem Rhythmus hinzugeben, der eher musikalischen oder spirituellen Charakter hat als konventioneller Prosa. Krasznahorkais Stil ist charakteristisch: Er verwendet kaum Absätze, Sätze erstrecken sich über mehrere Seiten, und ein Bewusstseinsstrom dominiert, der die üblichen Konventionen der Leserfreundlichkeit transzendiert. Gerade diese formale Gestaltung verleiht dem Text seine eindringliche Wirkung. Man liest nicht distanziert über die Reise des Mönchs, sondern wird aktiv in sie hineingezogen. Die Sprache erzwingt eine Entschleunigung, eine Hingabe und mitunter auch Geduld. „Im Norden ein Berg…“ ist kein Roman, dessen primärer Reiz im Ausgang der Handlung liegt. Es ist vielmehr ein literarischer Erfahrungsraum, ein kontemplativer Fluss, der den Leser entweder mitnimmt oder, bei mangelnder Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit seinen Eigenheiten, abweist.

4

So speziell wie einnehmend

Ich kannte Krasznahorkai überhaupt nicht bevor er den Nobelpreis erhielt. Etwas abgeschreckt von den Aussagen vieler, dass er seitenlange, kapitellange, ja gar buchlange Sätze schreibe, suchte ich nach einem Buch, das nicht ganz so aufwändig schien. Dieser Text besteht auch aus sehr langen Sätzen, die oft kapitellang sind, aber die Kapitel sind meist nur ein paar Seiten lang. Wider erwarten hat mich das kaum gestört. Auch wenn die Gefahr besteht, dass die Leserschaft ob der langen Sätze nicht ganz mitkommt, so entsteht ein gewisser Sog, der einen vorankommen lässt. Dank der sehr gewandten Sprache liest sich das Buch sehr leicht. Sehr literarisch beschreibt der Autor anhand eines Klosters in der Nähe von Kyoto die Flora und Fauna, die Klosteranlage, den Menschen und die Natur und ihre Gegensätze. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, so war es dennoch ein schöner Sonntag mit einem Buch, das eine spezielle Stimmung hervorruft. Empfehlung für alle, die mal eine etwas andere Leseerfahrung machen wollen.

4

Wild.

Ich werde gar nicht erst versuchen, den Namen des Autors selbst in meine Rezension zu schreiben - auf jeden Fall hat er eine hervorragende Arbeit geleistet, mit seinem Text wirklich ausgesprochen lebhafte Bilder aus der Natur zu zeichnen, die es mir als Leser ermöglicht haben, mich gedanklich in ein buddhistisches Kloster außerhalb Kyotos zu begeben, zusammen mit dem Engel des Prinzen Genji, der Text nahezu meditativ, nachdenklich, trotzdem irgendwie spannend, man folgt dem Enkel des Prinzen Genji auf deinem Weg nach dem neunundneunzigsten der schönsten hundert Gärten und fiebert mit, ob er den Weg dorthin findet, die Suche ist geprägt von Blicken in die Natur, das Leben und die Unendlichkeit, das Ganze aber unter Verwendung von sehr langen Sätzen, die nur seltenst mit einem Punkt enden, was das Lesen schwer macht, aber auch zur Langsamkeit im Lesen zwingt und somit die Erfahrung beeinflusst; das kann man gut finden oder auch nicht, ich empfinde es als eine sehr interessante Abwechslung. Falls euch das bisschen Text oben bereits genervt hat, ist das Buch in jedem Fall nichts für euch und nicht weiterzuempfehlen 😬 Ansonsten finde ich wirklich, man sollte sich sich durchaus dazu durchringen „Im Norden ein Berg, …“ eine Chance zu geben, auch wenn es wirklich kompliziert geschrieben ist.

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