Hinter verschlossenen Türen

Hinter verschlossenen Türen

Hardback
4.34

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Description

Im rauen Herzen der Maremma liegt ein alter, in Felsen gehauener Ort, Le Case genannt. Es ist ein aussterbendes Dorf, ein Provinznest, in dem sich die Bewohner in einem Fluss öder Tage dahinschleppen – bis ihre Gemeinschaft durch die Ankunft von Samuele Radi aufgerüttelt wird, der in Le Case geboren und aufgewachsen ist, aber den Absprung geschafft hat. Seine Rückkehr haucht alten Geheimnissen und Animositäten neues Leben ein Samueles heimliche Liebesbeziehung zu Eleanora, die neu im Dorf ist, macht die Sache auch nicht einfacher.
Mit seiner literarischen, schwarzhumorigen und vielperspektivischen Erzählweise schafft Sacha Naspini einen kraftvollen Roman, der mit den Genres spielt und Noir, Psychothriller und Liebesgeschichte mischt. Seine raffinierte Struktur und die unvergesslichen Charaktere machen den Roman zu einem psychologischen Meisterwerk und einer scharfsinnigen Analyse der menschlichen Abgründe.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
576
Price
26.80 €

Author Description

Sacha Naspini, geboren 1976 in Grosseto, lebt heute in Follonica. Er ist Drehbuchautor, schreibt für La Repubblica und arbeitet als Lektor und Artdirector mit verschiedenen Verlagshäusern zusammen. Er hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Auf Deutsch bei Kein & Aber erschienen sind Nives und ihre Männer und Hinter verschlossenen Türen.

Posts

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Sternebewertung fiktiv

Sacha Nasipini besitzt die Gabe, Schauplätze zu erschaffen, die Real und nicht gekünstelt wirken. Mir ist das Cover direkt aufgefallen. Bunte aufgereihte Häuser, die einladend wirken. Doch dieses Dorf ist ganz und gar nicht einladend. Le Case ist ein italienisches Dorf. Die Bewohner kennen sich untereinander. Aufgewaschen sind sie alle zusammen, aber einer hat es rausgeschafft. Samuel Radi. Samuel ist unser Hauptprotagonist. Erzählt wird das Zusammenleben in dieser Gemeinde aus wechselnden Figurenperspektiven. Jeder kommt mal zu Wort und erzählt uns etwas über sich. Wir lernen Menschen kennen, die nicht wohlhabend sind und womöglich daher eher missgünstig und neidisch auf Samuel Radi reagieren, welcher nach Jahren zurück ins Dorf kehrt. Seine Rückkehr reißt alte Wunden auf und auch gibt es offene Rechnungen, die zu begleichen sind. Naspini schafft eine spannende und auch düstere Atmosphäre. Seine Charaktere werden unterschiedlich und meist extrem dargestellt. Ein Einblick in die menschliche Psyche. Die Dorfbewohner haben alle etwas eigensinniges, manche, seltsame Charakterzüge, manche Geheimnisse, die er zu hüten versucht. Die Beschreibungen sind authentisch und tiefgründig. Auch bei diesem zweiten Roman von Naspini fällt mir auf, dass es gar nicht um eine Auflösung der Geschichte selber gilt, sondern eher die Verknüpfung und Darstellung seiner Charaktere. Der Autor hat ein Talent multiperspektivisch Geschichten zu erzählen. Trotz der Menge an Charakteren gelingt ihm ein runder Erzählstil. Geschichten in Geschichten, die dieses große Ganze ergeben. Ich muss feststellen, dass ich den Erzählstil sehr liebgewonnen habe. Es ist trotz Spannung, ein gemütliches Buch. Wer dicht und tiefgründige Romane mag, wird Ihr seine Freude haben.

4

„Le Case bringt dich zur Welt, und dann vernichtet es dich.“ - S.298 Le Case ist ein kleines Bergdorf in Italien. Die Zeit scheint still zu stehen, die Bewohner sind alle etwas eigenbrödlerisch. Es wäre ganz idyllisch, würde nicht eine Mischung aus Neid, Missgunst und Intrigen die Stimmung im Dorf überschatten. Sehr viel mehr als dies kann ich als Zusammenfassung gar nicht bieten, da Naspini die Geschichte aus so vielen Perspektiven und Zeitebenen beschreibt, dass es mir schwerfällt eine Haupthandlung zu bestimmen und ohne Spoiler wiederzugeben. Ich hab daher im 3. Slide mal den Klappentext angehangen, auch wenn ich der Meinung bin, dass er nicht mal ansatzweise eine Übersicht gibt. Es ist vielmehr so, dass der Autor ein sehr komplexes Bild zwischenmenschlicher Beziehungen zeichnet, dass es anfangs erstmal zu entwirren gilt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurecht gefunden habe und wusste in welcher Zeit und bei welchen Personen ich mich gerade befinde. Gerade die multiperspektivische Gestaltung macht aber am Ende auch den Reiz aus und ich finde es super gut gelungen, wie sich die Einzelerzählungen nach und nach zu einem Ganzen zusammenfügen. Ich stell mir auch den Schreibprozess dazu überaus schwierig vor und kann davor nur den Hut ziehen. Das der Roman hier und da seine Längen hat, ist denk ich nicht verwunderlich, wenn man versucht ein so umfassendes Bild zu erschaffen. Naspini bildet nicht nur Einzelschicksale ab, sondern erschafft eine Betrachtung der Gesellschaft als solche. Hier komme ich auch zu dem Punkt an dem ich ehrlich gesagt zwiegespalten bin. Der Roman enthält rassistische, ableistische, frauen- und queerfeindliche Äußerungen und da bin ich nunmal gar kein Fan von. Mir ist schon klar, dass es Menschen gibt, die so denken und ich bin mir auch bewusst, dass eine umfassende Abbildung von Gesellschaftsstrukturen diese nicht einfach auslassen können, dennoch finde ich es schwierig und hätte mir hier eine Stellungnahme des Autors gewünscht. Auch die Übersetzerinnen hatten ihren Struggel damit, was im Nachwort klar wird. Sie haben sich bewusst dafür entschieden die Äußerungen zu übersetzen (wenn auch in abgeschwächter Version) um das Gesamtbild zu erhalten. Alles in allem ein sehr guter Roman, der vor allem durch seinen Aufbau und Naspinis Schreibstil besticht und dessen Ende ich fantastisch fand, da es alles nochmal über den Haufen wirft. Ein Blick hinter verschlossene Türen, der sich auf jeden Fall lohnt.

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