Sternebewertung fiktiv
Sacha Nasipini besitzt die Gabe, Schauplätze zu erschaffen, die Real und nicht gekünstelt wirken. Mir ist das Cover direkt aufgefallen. Bunte aufgereihte Häuser, die einladend wirken. Doch dieses Dorf ist ganz und gar nicht einladend. Le Case ist ein italienisches Dorf. Die Bewohner kennen sich untereinander. Aufgewaschen sind sie alle zusammen, aber einer hat es rausgeschafft. Samuel Radi. Samuel ist unser Hauptprotagonist. Erzählt wird das Zusammenleben in dieser Gemeinde aus wechselnden Figurenperspektiven. Jeder kommt mal zu Wort und erzählt uns etwas über sich. Wir lernen Menschen kennen, die nicht wohlhabend sind und womöglich daher eher missgünstig und neidisch auf Samuel Radi reagieren, welcher nach Jahren zurück ins Dorf kehrt. Seine Rückkehr reißt alte Wunden auf und auch gibt es offene Rechnungen, die zu begleichen sind. Naspini schafft eine spannende und auch düstere Atmosphäre. Seine Charaktere werden unterschiedlich und meist extrem dargestellt. Ein Einblick in die menschliche Psyche. Die Dorfbewohner haben alle etwas eigensinniges, manche, seltsame Charakterzüge, manche Geheimnisse, die er zu hüten versucht. Die Beschreibungen sind authentisch und tiefgründig. Auch bei diesem zweiten Roman von Naspini fällt mir auf, dass es gar nicht um eine Auflösung der Geschichte selber gilt, sondern eher die Verknüpfung und Darstellung seiner Charaktere. Der Autor hat ein Talent multiperspektivisch Geschichten zu erzählen. Trotz der Menge an Charakteren gelingt ihm ein runder Erzählstil. Geschichten in Geschichten, die dieses große Ganze ergeben. Ich muss feststellen, dass ich den Erzählstil sehr liebgewonnen habe. Es ist trotz Spannung, ein gemütliches Buch. Wer dicht und tiefgründige Romane mag, wird Ihr seine Freude haben.

