Herz in der Faust

Herz in der Faust

Hardback
3.918

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Description

»Epochal, spannend und kraftvoll von der ersten bis zur letzten Seite.« Le Parisien

Im August 1934 gelingt 56 Jugendlichen einer Strafkolonie auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer die Flucht. 20 Franc – das ist der Preis, den die örtliche Polizei für jeden Jungen aussetzt, worauf die Inselbewohner eine Hetzjagd beginnen. Ein einziger Junge entkommt, seine Geschichte erzählt dieser Roman: Jules Bonneau, von den Eltern früh verlassen, nach Jahren im Heim zwischen Raserei und Hoffnungslosigkeit, gerät auf der Flucht an den bretonischen Sardinenfischer Ronan Kadarn und dessen Frau. Zum ersten Mal lernt er Zuneigung kennen, eine Zärtlichkeit, die ihn erschüttert. Er lebt mit den Fischern, begegnet Kommunisten und Faschisten. Und muss am Ende eine Entscheidung treffen, die ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
400
Price
25.70 €

Author Description

Sorj Chalandon, geboren 1952 in Tunis, gilt als einer der bedeutendsten Journalisten und Schriftsteller Frankreichs. Viele Jahre lang schrieb er für die Zeitung ›Libération‹, seit 2009 ist er Journalist bei der Wochenzeitung ›Le Canard enchaîné‹. Für seine Reportagen über Nordirland und den Prozess gegen Klaus Barbie wurde er mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Auch sein schriftstellerisches Schaffen wurde mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt, unter anderen dem Prix Médicis und dem großen Romanpreis der Académie française.

Posts

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Sternebewertung fiktiv

Herz in der Faust ist ein sprachgewaltiger Roman, der Fiktion und historische Realität meisterhaft verbindet. Sorj Chalandon entführt uns ins Jahr 1934 auf die bretonische Insel Belle-Île-en-Mer, wo eine Strafkolonie für Jungen zwischen zwölf und siebzehn Jahren existierte, Kinder ohne Zuhause, die wegen kleiner Delikte oder Taschendiebstähle eingesperrt wurden. Die Zustände sind unerträglich, körperliche Züchtigung, Demütigung, Hunger, Schmutz, harte Arbeit bis zur Erschöpfung. Sorj Chalandon beschreibt das so eindringlich, dass man den Schmerz beinahe körperlich spürt. Oft musste ich pausieren und durchatmen. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Nach einer Revolte im Jahr 1934 gelingt 56 Jungen die Flucht. Auf sie wird ein Kopfgeld ausgesetzt, Kinder werden für ein paar Münzen verraten, gejagt und misshandelt. Nur einer, Jules, entkommt wirklich. Und gena dieser Junge ist das Schöne und Gute in dieser Geschichte. Sorj Chalandon erschafft diesen Hauptprotagonisten. Jules ist seit sieben Jahren in der Kolonie, gezeichnet von Gewalt und Entbehrung. Seine Flucht wird zu einer Suche nach Würde, nach Menschlichkeit. Chalandon verwebt diese Geschichte mit dem politischen Umbruch jener Zeit. In Deutschland beginnt der Nationalsozialismus, in Frankreich verändern sich Machtstrukturen und Moral. Und dennoch findet der Autor inmitten all der Grausamkeit einen zarten Ton. Durch die Begegnung mit einem alten Sardinenfischer, der Jules versteckt und schützt, entsteht so etwas wie Hoffnung. Jules, der nie Gutes erfahren hat, beginnt langsam zu vertrauen und damit wieder Mensch zu werden. Ein Roman von wuchtiger Sprache und emotionaler Tiefe. Chalandon zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Menschlichkeit und Barbarei ist und wie überlebenswichtig Mitgefühl bleibt. Es gehört zu jenen Geschichten, die man nicht vergisst. Ich wünsche Herz in der Faust viele Leserinnen und Leser, auch wenn das Cover unscheinbar wirkt, der Inhalt trifft mitten ins Herz.

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Die Kantine verschwamm vor meinen Augen. Eine rote Furie wütete in mir. Mein ganzes Herz lag in meinen Fäusten. Meine Schläfen schmerzten. Meine Zähne klapperten. Für eine nötige Bewegung brauchte ich drei überflüssige. Ich ging nicht, ich tanzte. Schnitt Grimassen in den Tumult. Streckte die Zunge heraus wie ein Wasserspeier. Alles löste sich auf. Die Beschimpfungen, die Schikanen, die Kränkungen, die Demütigungen, die Schläge. Die Winterkälte, die Sommerhitze, der Geruch unserer ungewaschenen Körper, der Hunger, die Flöhe, die Wanzen, die Krätze. Sieben Jahre Lager fielen gerade von mir ab. Ich raste. Ich atmete. Ich lebte. - Zitat, Seite 113 Wie viel ist ein Menschenleben wert? - In diesem irrsinnig, aber historisch verbürgten, Ereignis im August 1934 auf der französischen Ferieninsel Belle-Île-en-Mere, jagen Einheimische und Sommerfrischler 56 Jugendliche, die aus der Strafkolonie entflohen sind. Der Preis für einen Flüchtling beträgt 20 Franc - soviel beträgt der Wert eines Kindes. Schon bald sind alle Flüchtlinge wieder hinter der Mauer, wo sie schreckliche Strafen erwarten. So jedenfalls lautet der offizielle Teil der Geschichte. Doch in dem Roman von Sorj Chalandon gelingt einem der armen Seelen die Flucht: Jules Bonneau, genannt "die Kröte", der seit sieben Jahren in der landwirtschaftlichen und maritimen Strafkolonie der Insel schuften und sich quälen lassen musste, erhält hier eine Stimme und erzählt aus der Ich-Perspektive seine Geschichte. Eine Geschichte von einem schier unvorstellbaren Gefängnisalltag voller Repressalien und Missbrauch. Der psychische und physische Schmerz ist ständiger Begleiter im trostlosen Alltag der Jungs. Jules ist entschlossen sich nicht unterkriegen zu lassen. Den Hass auf seine Peiniger lebt er in blutigen Rachephantasien aus. Und er schließt ein vorsichtiges Band mit dem kleinen und zarten Camille, der besonders unter den Übergriffen von dem Personal, aber auch den anderen Mithäftlingen zu leiden hat. Als dieser wegen eines kleinen Fehlers bei der Speisefolge brutal angegangen wird, eskaliert die Situation im Speisesaal und 56 Jugendlichen gelingt die Flucht - doch wohin flüchten auf einer Insel? Obgleich dem Ich-Erzähler mit sehr viel Glück das schier Unmögliche gelingt, bleibt seine Existenz als Deckjunge eines Fischerbootes fragil. Und wie viel Vertrauen kann er den Menschen in seiner neuen Umgebung entgegen bringen? Wird er außerdem die Schatten der Vergangenheit abstreifen können? Sorj Chalandon hat einen unglaublich packenden Schreibstil. Er wirft uns sofort in die Erzählung hinein und wir sitzen mit Jules im Speisesaal als er von den schrecklichen "Erziehern" gezwiebelt wird und seine Attacke auf den Aufseher wirkt unglaublich real, auch wenn sie - wie wir später erfahren - nur in seiner Phantasie stattgefunden hat. Bis etwa zur Hälfte des Romans rauscht man gebannt und empört durch die Seiten und fühlt sich dem Ich-Erzähler unglaublich nah. Man merkt hier auch die akribische Recherche des Autoren, die zu einer sehr authentisch wirkenden Beschreibung des Alltags der Strafkolonie beigetragen haben. Leider flacht dieser Eindruck in zweiten Teil des Romans etwas ab. Dann wirkt die Handlung manchmal eher wie ein Abenteuer. Auch die eher eindimensionale Gestaltung der Nebenfiguren fällt nun stärker auf. Die Erwartungen an den Ich-Erzähler scheinen ebenfalls unrealistisch vielfältig und hoch: ein Ersatzsohn soll er sein, ein Rächer, aber auch in der Politik mitmischen - und am Ende gar ein vergessener Nationalheld sein?! Am Ende schießt der Autor vielleicht ein wenig übers Ziel hinaus, trotzdem ist die Lektüre ein Genuss. Die Geschichte ist unglaublich temporreich in einer verdichteten und sehr präzisen Sprache geschrieben, der man mit weit geöffneten Augen folgt. Und natürlich ist dieser Roman auch eine Hommage an Victor Hugo und dessen großes Werk "Die Elenden", der berühmte Romancier und auch die Romanfigur Jean Valjean werden im Buch mehr als einmal erwähnt. FAZIT Selten hat mich eine Lektüre so ergriffen und gepackt wie "Herz in der Faust". Die Grausamkeit und die geschilderte Gewalt sind nur schwer zu ertrage, aber ich habe mich dem Erzähler so verbunden gefühlt, dass ich diese ganzen schrecklichen Ereignisse mit ihm gemeinsam durchstehen wollte. Am Ende hatte mich die Geschichte nicht mehr ganz abgeholt, trotzdem war es ein denkwürdigen Leseerlebnis. Man fragt sich vielleicht, wie so eine ausbeuterische und menschenverachtende Institution so lange bestehen konnte wie die Strafkolonie von Belle-Île-en-Mere. Denn diese Episode empörte einige Beobachter, darunter den Dichter Jacques Prévert, dessen Gedicht Chasse à l’enfant aus dem gleichen Jahr ein großes Echo erzeugte. Aber dann kam der zweite Weltkrieg. Im Gedenken an die jungen Opfer der Strafkolonie hier ein Auszug aus dem Gedicht von 1934 (Quelle Wikipedia): "Bandit ! Voyou ! Voleur ! Chenapan ! / Maintenant il s’est sauvé, / et comme une bête traquée, / il galope dans la nuit, / et tous galopèrent après lui. / Les gendarmes les touristes / les rentiers les artistes. / Bandit ! Voyou ! Voleur ! Chenapan ! / C’est la meute des honnêtes gens, / qui fait la chasse à l’enfant." "Bandit! Ganove! Dieb! Strolch! / Jetzt ist er weggelaufen, / und wie ein gejagtes Tier, / galoppiert er durch die Nacht, / und alle galoppieren ihm hinterher. / Die Gendarmen die Touristen / die Rentner die Künstler. / Bandit! Ganove! Dieb! Strolch! / Das ist die Meute der ehrlichen Leute, / die Jagd auf das Kind macht".

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"Mein ganzes Herz lag in meinen Fäusten"

Wie geht eine Gesellschaft mit seinen Kindern und Heranwachsen, Schutzbefohlenen um, die von dieser bereits gebrandmarkt sind als Aussenseiter, Randfiguren eben dieser „Gemeinschaft der Mitläufer“ ? Es ist vielfach historisch bewiesen, wie kläglich diese scheiterte und auch wohl heute noch vielfach versagt. Am Beispiel des jungen Erwachsenen Jules Bonneau , der schon mit 13 in eine „Korrekturanstalt“ auf einer Insel in der Bretagne untergebracht ist, wird dies sehr anschaulich dokumentiert. Von hier, inmitten einer oft tosenden See kann es kein Entrinnen geben. Eine aussichtslose Flucht aus einem Umfeld, geprägt von physischer und psychischer Gewalt. „Von brutalen Aufsehern und zu Kapos „beförderte“ Mithäftlinge bestraften kleinste Vergehen sadistisch, erniedrigten die Jungen und missbrauchten besonders die jüngeren, schwächeren häufig sexuell“ Sorj Chalandon beherrscht als Journalist und Autor sein Handwerk gut, indem er historische Ereignisse aufgreift und daraus eine fesselnde und spannende Geschichte webt, die viele unterschiedliche Emotionen, zumeist unangenehme in uns hervorruft. Die aus der ersten Person beschriebene, unglaublich schonungslose Gewalt ist oft unerträglich zu lesen, der Sog dieser gut erzählten Geschichte läst kaum zu, sich zu enthalten, man kann nicht draussen stehen bleiben, Distanz wahren, obwohl man zu ahnen glaubt, dass es kein gutes Ende nehmen wird. In der Beschreibung des Romans wird angedeutet, dass Bonneau es nach der Flucht aus dem Anstaltshorror schafft, Menschen zu finden, die ihm dabei helfen, sein Trauma zu verarbeiten oder sein verständliches Misstrauen allen Menschen gegenüber zu relativieren. Dieser positive Ausblick hat mich überhaupt nur zu diesem Buch greifen lassen. „„Weisst du, warum ich dir am ersten Tag die Hand gegeben habe?“ Nein, das wusste ich nicht. „Damit du die Faust öffnen musstest““ Es ist der Twist ganz am Schluss, der kurze Epilog, der alles noch einmal auf den Kopf stellt und mich nach dem Lesen deprimiert und sehr traurig zurückgelassen hat. In meiner Recherche habe ich gelernt, dass das Straflager auf der Insel Belle-Iile-en-Mer wirklich existierte und erst 1977 geschlossen wurde. Diese Einrichtung hat den Autor zu dieser Geschichte inspiriert. Eine Geschichte die beschreibt, wie schwer es auch Männern fällt, ihre unerträglichen Traumata zu verarbeiten.

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