Herrengedeck
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Description
Book Information
Author Description
Volker Zierke, Jahrgang 1992, gehört zu einer Generation junger rechter Autoren. Nach Schule und Abitur zieht es den gebürtigen Schwaben als Zeitsoldat zur Bundeswehr, bevor er 2015 zur »Deutschen Militärzeitschrift« wechselt. Seit 2018 lebt und arbeitet er in Dresden. Sein mittlerweile dritter Roman »Herrengedeck« führt den Leser nach Dresden, hinein in einen aktivistischen Mikrokosmos, in dem Überzeugungen und Ideale bereits zur Ware geworden sind. Nicht als Manifest, nicht als Abrechnung kommt »Herrengedeck« daher, sondern gallig, nachdenklich und ehrlich.
Posts
Ein sprachlich und inhaltlich alternierender Ritt durch Dresden
Der namenlose Erzähler in Zierkes kulturpessimistischem kneipenslang Roman „Herrengedeck“ lungert mit Felsenkeller im Mantel durch ein Dresden der verlorenen Seelen, flucht auf Burschenschafter und Weintrinker. In seinem Regal stehen Ernst Jünger und Oswald Spengler neben Nietzsche. Er schreibt Reden für einen Abgeordneten, gibt dem Chef Hitler‑Tipps, redet sich bei seiner Freundin Idylle den Frust von der Seele und fragt sich, ob er ganz offensichtlich Nihilist ist. Wenn er im Weinlokal sitzt, wettert er über Schwätzer und gesteht: die Wichser, die wirklich Ahnung von Wein haben, trinken „wie Schwuchteln“. Mit solch einer Derbheit konterkariert Zierke die vielen intellektuellen Gespräche über Sekten, katholische Mystik und die Idee einer gemeinsamen Erzählung von Heimat. Idylle zitiert Houellebecq und Thomas von Aquin, während der Erzähler weiterhin nihilistisch von Hitlergeist und Nihilismus faselt. Die Power des Romans liegt für mich im Wechsel der Tonarten: auf eine abgedrehte Tirade folgt ein zarter Blick auf die Elblandschaft, auf ein religiöses Gespräch ein asozialer Witz. Zierke gelingt es, die zynische Perspektive seines Protagonisten glaubhaft zu machen und zugleich ironisch zu brechen. Der Humor entsteht aus der Diskrepanz zwischen großem Gestus und anständigem Alkoholpegel. Manchmal waren die endlosen Dialoge bisschen ermüdend, doch die Figuren sind so widersprüchlich und verletzlich, dass man gerne dranbleibt. Vier von fünf Sterne, gibts von mir weil „Herrengedeck“ einen literarischen Rausch erzeugt: ganz anders als man es gewohnt ist, befremdlich, politisch, vulgär aaaaaber zugleich nachdenklich. Gönnt es euch auf jeden Fall!
Dieses Herrengedeck schmeckt doch recht schnell fad
Volker Zierke ist ein Autor der politisch rechts steht. Also nicht nur ein bisschen. Oder der zu der Art von Leuten gehört die ihre politische Weltanschauung unter dem Label "unpolitisch" vermerken wollen um niemanden zu verprellen oder keine unangenehme Fragen beantworten zu müssen. Volker Zierke ist politisch ganz weit rechts und macht gar keinen Hehl daraus. Das ist ok für mich. Ich lese ja auch linke Autoren. Also warum nicht mal einen Autoren lesen der ganz klar von sich sagt, dass er dem rechten Spektrum angehört? Ich habe mich im Nachgang jedoch schon etwas geärgert. Denn hier bin ich dem sagenumwobenen und immer wieder funktionierenden Streisand - Effekt auf den Leim gegangen. Denn in der Bookstargram - Bubble wurde dieses Buch vorab heiß diskutiert. Natürlich aufgrund der politischen Einstellung des Autoren und nicht zuletzt natürlich des Verlages. Was irgendwie umstrittenen anmutet wirkt natürlich interessant. Deswegen habe ich mir das Buch schließlich zugelegt. Und war wirklich unterwältigt. Volker Zierke schreibt einen völlig belanglosen Roman über einen Protagonisten, der mit sich selbst und seiner Umwelt gänzlich unzufrieden ist. Früher als er noch Visionen und Träume hatte und als Drehbuchautor durchstarten wollte, als er bei den Identitären mitmischte und auf öffentlichen Gebäuden Transparente mit rassistischen Sprüchen ausrollte und sich regelmäßig mit der Antifa prügelte - da schien sein Leben noch einen Sinn zu haben. Nun ist von all dem nichts mehr übrig. Er langweilt sich in seinem Bürojob im Dresdner Landtag, seine On/Off - Beziehung mit einer Deutschfranzösin die früher mal selbst bei den Identitären war und nun dem Katholizismus fröhnt wird immer toxischer (was sich durch schlechten Sex und häusliche Gewalt äußert). Und seine Gesundheit verschlechtert sich auch zunehmend. Was nicht zuletzt höchstwahrscheinlich an seinem exzessiven Alkoholkonsum liegen könnte. Von Visionen und Träumen ist nichts mehr übrig. Auch Dresden, die Stadt die er München vorgezogen hat scheint ihm kein Glück mehr zu bringen. Die alten Neonazi - Kameraden von damals sind entweder weg oder haben eine neue Rolle als Bürgi angenommen. Der Burschenschaftsverein (in dessen Gebäude er haust) bietet auch keine wirklichen Perspektiven, außer regelmäßige Saufgelage mit Leuten die er nicht leiden kann und alberne Rituale bei denen man sich mit Degen blutig haut. Zwischendurch versucht sich der Autor/Protagonist ins Poetische zu flüchten indem man neben Zitaten von Landser auch mal Textzeilen aus Neofolksongs alla Rome zitiert. Und dazu Beschreibungen der Standardbibliothek eines jeden Neofolk - Fans, der natürlich neben Ernst Jünger, Oswald Spengler und Kurt Eggers auch Franz Kafka, Christian Kracht und Berthold Brecht im Regal stehen hat. Ein Roman voller Sinnlosigkeit und Perspektivlosigkeit. Keine wirkliche Entwicklung der Figuren. Und ein Erzähler der hier und da mit schlechtem Spice und rassistischen Beleidigungen schocken will. Wirklich unterwältigend. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob der Roman nicht sehr autobiographisch geschrieben ist. Denn wenn man den Podcast "Von rechts gelesen" von Volker Zierke kennt den er mit dem Verlagsinhaber regelmäßig betreibt, so waren die Formulierungen an vielen Stellen doch sehr ähnlich. Beispielsweise dass man ohne Ironie die Wörter "schwul" oder "Schwuchtel" ernsthaft als Schimpfwort verwendet. Naja, wer es nötig hat? Volker Zierke ist Jahrgang 1992. Hat also weder die DDR noch die unmittelbar danach stattgefundenen sog. "Baseballschlägerjahre" unmöglich bewusst mitbekommen. Dennoch scheint er dieser Zeit hinterherzutrauern. Obwohl er sie nie selbst erlebt hat und bestenfalls vom Hörensagen kennt. Warum? Weil es vielleicht sowas wie identitätsstiftendes für ihn ist? Oder es sich wenigstens ein bisschen so anfühlt? Vielleicht ist der Autor auch einfach in einer schweren Identitätskrise gegangen und auf der Suche. Beim neurechten Jungeuropa - Verlag scheint er aktuell jedenfalls wohl fündig geworden zu sein. "Herrengedeck" bietet bestenfalls einen kleinen Blick in den Kopf von einem neurechten Autor der alle um sich herum für seine schlechte Verfassung verantwortlich macht, aber so tut als sei er lediglich ein nihilistischer Zyniker. Einer der über die Ausländer schimpft die das Stadtbild von Dresden verschandeln und sich gleichzeitig beim arabischen Spätibetreiber sein Bier kauft um besser schlafen zu können. Nun ja, jetzt kann ich nach dem Lesen dieses Buches zumindest mein eigenes Bild vom Autoren und dem Verlag machen und habe keinen weiteren Bedarf mehr daran. Einen Stern gibt's für die wirklich sehr schöne Verarbeitung des Buches. Hier hat man sich nicht lumpen lassen!
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Volker Zierke, Jahrgang 1992, gehört zu einer Generation junger rechter Autoren. Nach Schule und Abitur zieht es den gebürtigen Schwaben als Zeitsoldat zur Bundeswehr, bevor er 2015 zur »Deutschen Militärzeitschrift« wechselt. Seit 2018 lebt und arbeitet er in Dresden. Sein mittlerweile dritter Roman »Herrengedeck« führt den Leser nach Dresden, hinein in einen aktivistischen Mikrokosmos, in dem Überzeugungen und Ideale bereits zur Ware geworden sind. Nicht als Manifest, nicht als Abrechnung kommt »Herrengedeck« daher, sondern gallig, nachdenklich und ehrlich.
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Ein sprachlich und inhaltlich alternierender Ritt durch Dresden
Der namenlose Erzähler in Zierkes kulturpessimistischem kneipenslang Roman „Herrengedeck“ lungert mit Felsenkeller im Mantel durch ein Dresden der verlorenen Seelen, flucht auf Burschenschafter und Weintrinker. In seinem Regal stehen Ernst Jünger und Oswald Spengler neben Nietzsche. Er schreibt Reden für einen Abgeordneten, gibt dem Chef Hitler‑Tipps, redet sich bei seiner Freundin Idylle den Frust von der Seele und fragt sich, ob er ganz offensichtlich Nihilist ist. Wenn er im Weinlokal sitzt, wettert er über Schwätzer und gesteht: die Wichser, die wirklich Ahnung von Wein haben, trinken „wie Schwuchteln“. Mit solch einer Derbheit konterkariert Zierke die vielen intellektuellen Gespräche über Sekten, katholische Mystik und die Idee einer gemeinsamen Erzählung von Heimat. Idylle zitiert Houellebecq und Thomas von Aquin, während der Erzähler weiterhin nihilistisch von Hitlergeist und Nihilismus faselt. Die Power des Romans liegt für mich im Wechsel der Tonarten: auf eine abgedrehte Tirade folgt ein zarter Blick auf die Elblandschaft, auf ein religiöses Gespräch ein asozialer Witz. Zierke gelingt es, die zynische Perspektive seines Protagonisten glaubhaft zu machen und zugleich ironisch zu brechen. Der Humor entsteht aus der Diskrepanz zwischen großem Gestus und anständigem Alkoholpegel. Manchmal waren die endlosen Dialoge bisschen ermüdend, doch die Figuren sind so widersprüchlich und verletzlich, dass man gerne dranbleibt. Vier von fünf Sterne, gibts von mir weil „Herrengedeck“ einen literarischen Rausch erzeugt: ganz anders als man es gewohnt ist, befremdlich, politisch, vulgär aaaaaber zugleich nachdenklich. Gönnt es euch auf jeden Fall!
Dieses Herrengedeck schmeckt doch recht schnell fad
Volker Zierke ist ein Autor der politisch rechts steht. Also nicht nur ein bisschen. Oder der zu der Art von Leuten gehört die ihre politische Weltanschauung unter dem Label "unpolitisch" vermerken wollen um niemanden zu verprellen oder keine unangenehme Fragen beantworten zu müssen. Volker Zierke ist politisch ganz weit rechts und macht gar keinen Hehl daraus. Das ist ok für mich. Ich lese ja auch linke Autoren. Also warum nicht mal einen Autoren lesen der ganz klar von sich sagt, dass er dem rechten Spektrum angehört? Ich habe mich im Nachgang jedoch schon etwas geärgert. Denn hier bin ich dem sagenumwobenen und immer wieder funktionierenden Streisand - Effekt auf den Leim gegangen. Denn in der Bookstargram - Bubble wurde dieses Buch vorab heiß diskutiert. Natürlich aufgrund der politischen Einstellung des Autoren und nicht zuletzt natürlich des Verlages. Was irgendwie umstrittenen anmutet wirkt natürlich interessant. Deswegen habe ich mir das Buch schließlich zugelegt. Und war wirklich unterwältigt. Volker Zierke schreibt einen völlig belanglosen Roman über einen Protagonisten, der mit sich selbst und seiner Umwelt gänzlich unzufrieden ist. Früher als er noch Visionen und Träume hatte und als Drehbuchautor durchstarten wollte, als er bei den Identitären mitmischte und auf öffentlichen Gebäuden Transparente mit rassistischen Sprüchen ausrollte und sich regelmäßig mit der Antifa prügelte - da schien sein Leben noch einen Sinn zu haben. Nun ist von all dem nichts mehr übrig. Er langweilt sich in seinem Bürojob im Dresdner Landtag, seine On/Off - Beziehung mit einer Deutschfranzösin die früher mal selbst bei den Identitären war und nun dem Katholizismus fröhnt wird immer toxischer (was sich durch schlechten Sex und häusliche Gewalt äußert). Und seine Gesundheit verschlechtert sich auch zunehmend. Was nicht zuletzt höchstwahrscheinlich an seinem exzessiven Alkoholkonsum liegen könnte. Von Visionen und Träumen ist nichts mehr übrig. Auch Dresden, die Stadt die er München vorgezogen hat scheint ihm kein Glück mehr zu bringen. Die alten Neonazi - Kameraden von damals sind entweder weg oder haben eine neue Rolle als Bürgi angenommen. Der Burschenschaftsverein (in dessen Gebäude er haust) bietet auch keine wirklichen Perspektiven, außer regelmäßige Saufgelage mit Leuten die er nicht leiden kann und alberne Rituale bei denen man sich mit Degen blutig haut. Zwischendurch versucht sich der Autor/Protagonist ins Poetische zu flüchten indem man neben Zitaten von Landser auch mal Textzeilen aus Neofolksongs alla Rome zitiert. Und dazu Beschreibungen der Standardbibliothek eines jeden Neofolk - Fans, der natürlich neben Ernst Jünger, Oswald Spengler und Kurt Eggers auch Franz Kafka, Christian Kracht und Berthold Brecht im Regal stehen hat. Ein Roman voller Sinnlosigkeit und Perspektivlosigkeit. Keine wirkliche Entwicklung der Figuren. Und ein Erzähler der hier und da mit schlechtem Spice und rassistischen Beleidigungen schocken will. Wirklich unterwältigend. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob der Roman nicht sehr autobiographisch geschrieben ist. Denn wenn man den Podcast "Von rechts gelesen" von Volker Zierke kennt den er mit dem Verlagsinhaber regelmäßig betreibt, so waren die Formulierungen an vielen Stellen doch sehr ähnlich. Beispielsweise dass man ohne Ironie die Wörter "schwul" oder "Schwuchtel" ernsthaft als Schimpfwort verwendet. Naja, wer es nötig hat? Volker Zierke ist Jahrgang 1992. Hat also weder die DDR noch die unmittelbar danach stattgefundenen sog. "Baseballschlägerjahre" unmöglich bewusst mitbekommen. Dennoch scheint er dieser Zeit hinterherzutrauern. Obwohl er sie nie selbst erlebt hat und bestenfalls vom Hörensagen kennt. Warum? Weil es vielleicht sowas wie identitätsstiftendes für ihn ist? Oder es sich wenigstens ein bisschen so anfühlt? Vielleicht ist der Autor auch einfach in einer schweren Identitätskrise gegangen und auf der Suche. Beim neurechten Jungeuropa - Verlag scheint er aktuell jedenfalls wohl fündig geworden zu sein. "Herrengedeck" bietet bestenfalls einen kleinen Blick in den Kopf von einem neurechten Autor der alle um sich herum für seine schlechte Verfassung verantwortlich macht, aber so tut als sei er lediglich ein nihilistischer Zyniker. Einer der über die Ausländer schimpft die das Stadtbild von Dresden verschandeln und sich gleichzeitig beim arabischen Spätibetreiber sein Bier kauft um besser schlafen zu können. Nun ja, jetzt kann ich nach dem Lesen dieses Buches zumindest mein eigenes Bild vom Autoren und dem Verlag machen und habe keinen weiteren Bedarf mehr daran. Einen Stern gibt's für die wirklich sehr schöne Verarbeitung des Buches. Hier hat man sich nicht lumpen lassen!





