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Judenverfolgung, Selbstfindung, Kinderwunsch, Trauma
worum geht es: Alexander ist Musiker in einer Cover Band, und irgendwie zieht sich das durch sein gesamtes Leben: er lebt es nicht authentisch und lässt sich treiben. Er unterzieht sich einer Kinderwunschbehandlung, aber eher, weil seine Freundin Gry es möchte. Er trinkt zuviel Alkohol und kokst auf den Events, auf denen er spielt. Das wirkt sich auf seine Zeugungsfähigkeit aus, und irgendwann reißt Gry der Geduldsfaden und sie schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Dazu hat Alexander noch eine sehr übergriffige Mutter, die sich in vieles ungefragt einmischt und ihm immer das Gefühl gibt, nicht angenommen und wertlos zu sein. Parallel dazu erfahren wir von Alexanders' Großmutter Ruth, die keinen Kontakt mehr zu Familie hat und in einem New Yorker Pflegeheim lebt. Ruth ist blind und hat im Laufe der Jahre immer wieder Kassetten für ihren Enkel besprochen und ihm zugeschickt, die die Mutter ihm leider vorenthalten hat. Als Alexander diese findet, zeigt sich ihm eine schreckliche Familiengeschichte, die Schuld, Scham und Schweigen offenbart. Mein Leseeindruck: Ziemlich schnell hatte ich hier die Charaktere in "gut" und "böse" eingeteilt, habe das aber nicht mit Benjamin Koppel gerechnet. Die Hauptfiguren agieren oft so, dass sie unverzeihliche Fehler begehen, die aber in ihrer Historie begründet liegen. Es gibt hier kein Schwarz und kein Weiß und jede der Protagonisten hat einen vielschichtigen Charakter, macht Fehler und lernt mehr oder weniger daraus. Alexander begreift, dass er an einem sekundären Trauma leidet, an dem die Familie zu tragen hat. Durch die Verbindung zur Großmutter und durch seine Musik gelangt er nun zu Authentizität und trifft eigene Entscheidungen. Ich fand die Geschichte mit den zwei Erzählsträngen sehr interessant, allerdings war mir schnell klar, was das eigentliche Trauma gewesen ist und woran sowohl Ruth als auch ihre Tochter und Alexander zu tragen haben. Trotzdem finde ich das Thema "sekundäres Trauma", das der Autor aufgegriffen hat, wirklich spannend. Kriegsenkel haben oft noch mit aus Stress bedingten Ängsten und Verhaltensweisen zu tun, die ihnen gar nicht bewusst sind. Dass dies tatsächlich genetisch weitervererbt wird, lässt sich in Studien nachweisen. Lediglich der Schluss der Geschichte war für mich ein wenig kitschig. Andererseits bin ich auch froh über das Ende, anderenfalls gäbe es keine Hoffnung mehr auf dieser Welt.
Nov 2, 2025
Judenverfolgung, Selbstfindung, Kinderwunsch, Trauma
worum geht es: Alexander ist Musiker in einer Cover Band, und irgendwie zieht sich das durch sein gesamtes Leben: er lebt es nicht authentisch und lässt sich treiben. Er unterzieht sich einer Kinderwunschbehandlung, aber eher, weil seine Freundin Gry es möchte. Er trinkt zuviel Alkohol und kokst auf den Events, auf denen er spielt. Das wirkt sich auf seine Zeugungsfähigkeit aus, und irgendwann reißt Gry der Geduldsfaden und sie schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Dazu hat Alexander noch eine sehr übergriffige Mutter, die sich in vieles ungefragt einmischt und ihm immer das Gefühl gibt, nicht angenommen und wertlos zu sein. Parallel dazu erfahren wir von Alexanders' Großmutter Ruth, die keinen Kontakt mehr zu Familie hat und in einem New Yorker Pflegeheim lebt. Ruth ist blind und hat im Laufe der Jahre immer wieder Kassetten für ihren Enkel besprochen und ihm zugeschickt, die die Mutter ihm leider vorenthalten hat. Als Alexander diese findet, zeigt sich ihm eine schreckliche Familiengeschichte, die Schuld, Scham und Schweigen offenbart. Mein Leseeindruck: Ziemlich schnell hatte ich hier die Charaktere in "gut" und "böse" eingeteilt, habe das aber nicht mit Benjamin Koppel gerechnet. Die Hauptfiguren agieren oft so, dass sie unverzeihliche Fehler begehen, die aber in ihrer Historie begründet liegen. Es gibt hier kein Schwarz und kein Weiß und jede der Protagonisten hat einen vielschichtigen Charakter, macht Fehler und lernt mehr oder weniger daraus. Alexander begreift, dass er an einem sekundären Trauma leidet, an dem die Familie zu tragen hat. Durch die Verbindung zur Großmutter und durch seine Musik gelangt er nun zu Authentizität und trifft eigene Entscheidungen. Ich fand die Geschichte mit den zwei Erzählsträngen sehr interessant, allerdings war mir schnell klar, was das eigentliche Trauma gewesen ist und woran sowohl Ruth als auch ihre Tochter und Alexander zu tragen haben. Trotzdem finde ich das Thema "sekundäres Trauma", das der Autor aufgegriffen hat, wirklich spannend. Kriegsenkel haben oft noch mit aus Stress bedingten Ängsten und Verhaltensweisen zu tun, die ihnen gar nicht bewusst sind. Dass dies tatsächlich genetisch weitervererbt wird, lässt sich in Studien nachweisen. Lediglich der Schluss der Geschichte war für mich ein wenig kitschig. Andererseits bin ich auch froh über das Ende, anderenfalls gäbe es keine Hoffnung mehr auf dieser Welt.
Nov 2, 2025






