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Romane

Großmutters Geheimnis

4,1(13)
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Über das Buch

1943. Die junge Opernsängerin Ruth wird nach Theresienstadt deportiert, nur die Liebe zur Musik gibt ihr Hoffnung. Ein halbes Jahrhundert später erzählt sie einem schnarrenden Kassettenrekorder in einem New Yorker Altersheim ihre Geschichte. Dänemark, 2015: Alexander kämpft mit seiner Gesangskarriere und einem unerfüllten Kinderwunsch, den er und seine Frau so sehr haben. Seine Mutter mischt sich ständig in sein Leben und seine Ehe ein, bleibt aber ungewohnt still, wenn es um ihre eigene Herkunft geht. Eines Tages findet Alexander auf dem Dachboden zwei kleine Kassetten, und als er sie abspielt, knistert ihm eine Stimme aus der Vergangenheit entgegen. Von Kopenhagen über Deutschland und New York - »Großmutters Geheimnis« ist eine warmherzige, das letzte Jahrhundert umspannende europäisch-jüdische Familiengeschichte über vererbte Traumata und die erlösende Kraft der Musik, inspiriert von der Familiengeschichte des Autors, ausgezeichnet mit dem dem wichtigsten dänischen Literaturpreis, der Goldenen Lorbeere.

Editionen (1)

ISBN9783104922751
VerlagFISCHER E-Books
Erscheinungsdatum29.10.25
Seitenzahl496

Rezensionen & Bewertungen

13 Bewertungen

5 Rezensionen

4,1

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  • leselicht78
    leselicht78

    201 Follower

    4,5

    Judenverfolgung, Selbstfindung, Kinderwunsch, Trauma

    worum geht es: Alexander ist Musiker in einer Cover Band, und irgendwie zieht sich das durch sein gesamtes Leben: er lebt es nicht authentisch und lässt sich treiben. Er unterzieht sich einer Kinderwunschbehandlung, aber eher, weil seine Freundin Gry es möchte. Er trinkt zuviel Alkohol und kokst auf den Events, auf denen er spielt. Das wirkt sich auf seine Zeugungsfähigkeit aus, und irgendwann reißt Gry der Geduldsfaden und sie schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Dazu hat Alexander noch eine sehr übergriffige Mutter, die sich in vieles ungefragt einmischt und ihm immer das Gefühl gibt, nicht angenommen und wertlos zu sein. Parallel dazu erfahren wir von Alexanders' Großmutter Ruth, die keinen Kontakt mehr zu Familie hat und in einem New Yorker Pflegeheim lebt. Ruth ist blind und hat im Laufe der Jahre immer wieder Kassetten für ihren Enkel besprochen und ihm zugeschickt, die die Mutter ihm leider vorenthalten hat. Als Alexander diese findet, zeigt sich ihm eine schreckliche Familiengeschichte, die Schuld, Scham und Schweigen offenbart. Mein Leseeindruck: Ziemlich schnell hatte ich hier die Charaktere in "gut" und "böse" eingeteilt, habe das aber nicht mit Benjamin Koppel gerechnet. Die Hauptfiguren agieren oft so, dass sie unverzeihliche Fehler begehen, die aber in ihrer Historie begründet liegen. Es gibt hier kein Schwarz und kein Weiß und jede der Protagonisten hat einen vielschichtigen Charakter, macht Fehler und lernt mehr oder weniger daraus. Alexander begreift, dass er an einem sekundären Trauma leidet, an dem die Familie zu tragen hat. Durch die Verbindung zur Großmutter und durch seine Musik gelangt er nun zu Authentizität und trifft eigene Entscheidungen. Ich fand die Geschichte mit den zwei Erzählsträngen sehr interessant, allerdings war mir schnell klar, was das eigentliche Trauma gewesen ist und woran sowohl Ruth als auch ihre Tochter und Alexander zu tragen haben. Trotzdem finde ich das Thema "sekundäres Trauma", das der Autor aufgegriffen hat, wirklich spannend. Kriegsenkel haben oft noch mit aus Stress bedingten Ängsten und Verhaltensweisen zu tun, die ihnen gar nicht bewusst sind. Dass dies tatsächlich genetisch weitervererbt wird, lässt sich in Studien nachweisen. Lediglich der Schluss der Geschichte war für mich ein wenig kitschig. Andererseits bin ich auch froh über das Ende, anderenfalls gäbe es keine Hoffnung mehr auf dieser Welt.

    2. Nov. 2025

  • theagri
    theagri

    778 Follower

    4,0

    Alexander, Däne und Sänger mit jüdischen Wurzeln, hat es nicht leicht mit seiner allgegenwärtigen Mutter, die ihn nicht loslässt, aber über die Vergangenheit der Familie schweigt und seiner Frau mit deren unerfüllten Kinderwunsch. Wir begleiten ihn durch wichtige Monate seines Lebens und am liebsten würde man ihn mal schütteln und auffordern, sich nicht so hängen zu lassen. Parallel dazu erzählt seine Großmutter aus ihrem Leben. Das ist kein Buch zum Nebenbei weg lesen. Es braucht Zeit hineinzufinden, die Geschehnisse zu erfassen und zu verarbeiten. Obwohl ich schon sehr viel über die Zeit Nationalsozialismus gelesen habe, hat mich diese Geschichte sehr berührt. Anfangs wollte ich an einem Punkt aufhören, weil mir das Erzähltempo zu langsam war. Aber dann habe ich gemerkt, dass dieses Buch Zeit braucht, denn es hat mich berührt, gefesselt und mir die Auswirkungen der alten Ereignisse auf die heutige Generation deutlich gemacht. Besonders gefallen haben mir die Bezüge zur Musik. Beim Lesen konnte man sich die Klänge und Stimmen so gut vorstellen. Es ist erstaunlich, was Musik bewirkt. Die Charaktere von Alexander, seiner Mutter und Großmutter waren ausgezeichnet geschildert und man bekam das Gefühl, sie zu kennen. Dagegen blieben andere etwas farblos. So hätte ich gern noch mehr über Alexanders Freundin erfahren, ein interessanter Charakter. Aber es ging ja vordergründig um die anderen. Sehr gut erzählter, tiefgehender Roman.

    15. Dez. 2025

  • brinif31
    brinif31

    103 Follower

    3,0

    2 Erzählstränge zwischen Krieg und Kinderwunsch

    1943 - die junge Opernsängerin Ruth wird nach Theresienstadt deportiert. Ihre einzige Hoffnung in der schweren Zeit ist ihre Liebe zur Musik, sowie eine aufkommende Beziehung zu einem jungen Mann. Viele Jahre befindet sich Ruth im Altersheim. Hier hält sie ihre Geschichte auf einem alten Kassettenrekorder fest. 2015 - Alexander hat in Dänemark mit seiner musikalischen Karriere sowie einem bisher unerfülltem Kinderwunsch zu kämpfen. Von seiner übergriffigen Mutter Lillian braucht Alex keine Stütze erwarten. Eines Tages findet er auf dem Dachboden seiner Mutter 2 bespielt Kasetten und zum ersten Mal bekommt er Einblicke über seine Herkunft. Meine Meinung: Erzählt wird die Geschichte in zwei Erzählsträngen, was mir gut gefallen hat. Allerdings muss ich gestehen, dass mich der Erzählstrang aus Ruths Vergangenheit mehr berühren konnte. Die Abschnitte waren emotional, greifbar und authentisch geschildert. Die Abschnitte aus dem Jahr 2015, konnten mich dagegen nur selten berühren. Die Protagonisten Alexander und Gry waren für mich die meiste Zeit nicht greifbar, blieben blass und wenig lebendig. Auch haben sich die Abschnitte meiner Meinung nach sehr gezogen. Der unerwünschte Kinderwunsch beider Protagonisten nimmt hier einen großen Teil ein und ich muss sagen, hier wurde gute Recherearbeit betrieben. Das Prozedere wurde eindrücklich und detailiert beschrieben, was ich widerrum interessant fand. Eine Wendung kam bei mir erst gegen Ende. Hier fand ich Alexanders und Grys Abschnitte auch interessanter, da in kleinen Schritten eine Entwicklung zu spüren war. Unter anderem wird auch das Thema vererbtes bzw. übernommenes Traumata angesprochen. Hier hätte ich mir gerne noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Woher Alexanders Probleme rühren, wird in Ansätzen sichtbar, aber hier hätte es meiner Meinung nach mehr Potential gegeben. Positiv fand ich dagegen auch, wie die Liebe zur Musik eingebunden wurde. Das Ende war für mich zwar stimmig und es blieben keine Fragen offen, aber so wirklich fühlen konnte ich es leider auch nicht. Dennoch lohnt es sich, alleine wegen Ruths Erzählstrang die Geschichte zu lesen. Hier hätte ich gerne noch viel mehr gelesen.

    3. Nov. 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Benjamin Koppel

Benjamin Koppel, geboren 1974, ist ein international bekannter dänischer Jazzmusiker. Er stammt aus einer Musikerfamilie, in der das Geschichtenerzählen beim Abendessen schon immer eine große Rolle gespielt hat. Anna war die lange verschollene Schwester seines Großvaters. Ihre Geschichte fand er so faszinierend, dass er unbedingt davon erzählen wollte. Mit »Annas Sang«, das 2022 in Dänemark erschienen ist, gelang Benjamin Koppel ein Überraschungsbestseller.

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