Grenzlandtage

Grenzlandtage

Softcover
4.012
SchicksalMigrationJugendliteraturpreisIdentität

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Description

Zwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des Misstrauens. Und quer durch die Wellen läuft eine Grenze, die niemand sieht. Eine tödliche Grenze. Eine berührende Liebesgeschichte vor aktuellem politischen Hintergrund, die Flüchtlings-Schicksale einfühlsam und greifbar schildert. Die beiden Autoren wurden von der Jugendjury des Jugendliteraturpreises nominiert.

Book Information

Main Genre
Young Adult Books
Sub Genre
Romance
Format
Softcover
Pages
464
Price
14.40 €

Author Description

Antonia Michaelis studierte Medizin in Greifswald. Sie engagiert sich für Kinder in Madagaskar und hat zahlreiche Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht.

Posts

6
All
3.5

Ungeschönt und aufrüttelnd. Dieses Buch ist mittlerweile schon fast zehn Jahre alt und trotzdem immer noch aktuell. Es rückt eine ernste Thematik in den Fokus, die uns alle betrifft und mit der wir uns dementsprechend auch auseinandersetzen sollten und müssen, nämlich Flucht und Migration. Dieses Buch erzählt von den damit verbundenen Ängsten und Problemen, von Ablehnung und Vorurteilen sowie dem bürokratischen Aufwand und den Hindernisfaktoren bei den Behörden. Dieses Buch beleuchtet viele wichtige Punkte und genau das macht es für mich auch so wertvoll. Von Peer Martin hatte ich zuvor noch nichts gelesen, aber Antonia Michaelis begleitet mich schon seit vielen Jahren und ich liebe sie dafür, dass sie unbequeme Themen anspricht und rauen Realitäten Raum gibt. Dieses Buch ist alles andere als leicht zu lesen, vielmehr ist es beklemmend und nagt an einem, aber genauso sollte es bei dieser Thematik auch sein. Es wird nichts beschönigt oder verharmlost. Diese Geschichte ist weit realistischer und lebensnaher als wir es uns wünschen würden, trifft damit aber umso tiefer, und zwar genau am richtigen Punkt, denn wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen und dieses Buch leistet seinen Beitrag dazu. Ich bin voll und ganz in dieser Geschichte versunken und selbst am Ende erst mit Müh und Not wieder daraus aufgetaucht. Asman's Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen, sollte es auch gar nicht. Sie hat mich erschüttert und zutiefst bewegt. "Grenzlandtage" ist definitiv ein Buch, das nachhallt. Der Schreibstil ist poetisch und melancholisch, was ich persönlich sehr liebe, teilweise aber auch verworren und vielleicht einen Ticken zu bildlich und metaphorisch, was ihn für ein Jugendbuch vergleichsweise anspruchsvoll macht. Allerdings sind die Worte der Autor:innen auch sehr eindringlich und anrührend, was die Wirkung der Geschichte verstärkte, sie wahrhaftiger machte. Ihr Schreibstil ist rau und echt, unverblümt und direkt. Mit der 17-jährigen Protagonistin Jule wurde ich leider bis zum Ende nicht so richtig warm. Sie ist sehr naiv, gutgläubig und vertrauensselig - Zu stark für ihr Alter und noch dazu auf eine sehr anstrengende Art und Weise. Jule handelt nicht nur häufig unbedacht, sondern für mich auch überhaupt nicht nachvollziehbar, und das obwohl ich mir wirklich Mühe gab, sie zu verstehen. Ein weiteres Manko markiert für mich die Liebesgeschichte, die für mein Empfinden nicht nur viel zu schnell ging, sondern mich noch dazu unwohl fühlen ließ, was sich vor allem auf die expliziten Szenen bezieht, welche ich aus unterschiedlichen Gründen für schwierig halte. Der zu große Altersunterschied zwischen Asman und Jule bildet dabei nur die Spitze des Eisbergs... Mir wäre es am liebsten gewesen, diese Szenen wären ganz ausgespart worden. Ich kann verstehen, wieso die Autor:innen eine Liebesgeschichte mit einbauen wollten, aber sie passte für mich einfach nicht in die restliche Geschichte und bot darüber hinaus auch keinen Mehrwert. Die Stärke des Buches liegt für mich eindeutig in seiner wichtigen und wertvollen Thematik und wie diese transportiert und aufgearbeitet wurde. 3,5 - 4/ 5 Sterne ⭐️

5

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, ich habe schon einige Bücher von Peer Martin gelesen und war jedesmal wieder begeistert mit welches Intensität er schreibt. Das gleiche gilt für Antonia Michaelis, auch ihre Bücher sind für mich immer etwas ganz besonderes. Das diese beiden Ausnahmetalente nun ein gemeinsames Buch geschrieben haben war für mich der absolute Wahnsinn. Meine Erwartungen waren extrem hoch, doch nun nach dem lesen kann ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht was für ein wundervolles Buch. Ich bin schwer beeindruckt. Wir kennen die Bilder aus dem Fernseher, tausende von Flüchtlingen zusammen gefrecht auf einem kleinen Boot, versuchen sie in ein neues Leben zu starten. Doch was genau treibt diese Menschen dazu sich auf die gefährliche Reise zu begeben? Was erhoffen sie sich? Welche Wünsche und Träume haben sie? Dieses Buch gibt einen bewegenden und emotionalen Einblick in das Leben als Flüchtling. Jule und Asman könnten unterschiedlicher kaum sein. Jule steht kurz vor dem Abi und macht auf der kleinen griechischen Insel Urlaub, sie will entspannen und die wundervolle Natur genießen. Doch dann trifft sie aus Asman, dieser ist aus seiner Heimat geflohen und lebt nun mit einigen anderen im Verborgenen. Eigentlich bestand Asmans Gruppe aus über 100 Leuten, doch dann hatte ihr Boot ein Leck.... Asman versucht sich alleine durch zuschlagen, denn sein eigentliches Ziel ist Schweden, deshalb will er unter keinen Umständen in Griechenland registriert werden. Doch ziemlich schnell merken Jule und Asman das da mehr zwischen ihnen ist. Das ganze wird dadurch jedoch noch schwieriger denn Jule will unbedingt helfen! Was für ein Buch, ich bin auch jetzt nach dem lesen immer noch geflasht. Wieder einmal schafften es die Autoren mich zu fesselnd. Ihr Schreibstil ist einfach wundervoll, er liest sich locker und sehr flüssig, dennoch steckt so viel Herzblut in jedem geschriebenen Wort. Ein Buch über eine Liebe die zum scheitern verurteilt ist, doch das tut sie nicht, die Liebe der beiden wächst an den ganzen Problemen und schweißt die beiden nur noch mehr zusammen. Dieses Buch zeigt deutlich welche Gefahren auf Flüchtlinge lauern, welchen Vorurteilen sie begegnen und das es das Leben nicht immer gut mit ihnen meint. Dieses Buch ist stellenweise schon ziemlich heftig, aber es zeigt nun mal die ungeschönte Wahrheit, und die ist selten schön. Ich denke ihr merkt selbst wie begeistert ich bin deshalb kann ich euch dieses Buch nur ans Herz legen. Klare Empfehlung. Fazit: Mit "Grenzlandtage" ist den beiden Autoren ein besonderes Buch gelungen welches mich tief berührte. Eine berührende Liebesgeschichte vor aktuellem Hintergrund die mich völlig begeistert hat und mit teilweise sogar feuchte Augen bescherte, dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen. Von mir bekommt es die volle Punktzahl.

4

Pflichtlektüre…

Ich selbst habe das Buch vor einigen Jahren in der Schule vorgestellt. Das Buch behandelt ein immer noch aktuelles Thema: Flüchtende im Mittelmeerraum. Antonia Michaelis hat mit diesem Buch die Flüchtlingsproblematik absolut realistisch dargestellt und eine gut zu lesende Geschichte drumherum gewebt. Jule verbringt zwei Wochen auf einer kleinen Insel im Mittelmeer. Alles ist perfekt. Bis sie einen jungen, heimatlosen Flüchtling trifft. Er lebt mit mehreren anderen Flüchtlingen im Geheimen, da die Inselbewohner sie nicht willkommen heißen. Jule lernt, wie groß der Konflikt zwischen dem, was sie ihre Welt nennt, und der Realität ist. Ich bin überzeugt, das Buch sollte jeder mal gelesen haben; es beinhaltet eine wichtige Botschaft über Toleranz und Mitgefühl. Ich selbst habe nur positive Rückmeldungen bekommen von Mitschülern, die es auch mal gelesen haben. Bitte nehmt euch das buch zu herzen.

4.5

gänsehaut, tränen, ohnmachtsgefühl. dieses buch verdient so viel mehr aufmerksamkeit.

3

Bisher hat Grenzlandtage von Antonia Michaelis und Peer Martin größtenteils eher hohe Bewertungen - was ich toll finde, denn das Buch behandelt ein sehr aktuelles und wichtiges Thema und ich freue mich grundsätzlich immer, wenn jemand ein schönes Leseerlebnis hatte. Meine Rezension wird dagegen ziemlich kritisch sein, denn ich werde vor allem die Punkte ansprechen, die mich gestört haben und zu denen ich was los werden will. Dabei handelt es sich natürlich nur um meine bescheidene und rein subjektive Meinung. Erstmal zur Story: Jule macht spontan alleine Urlaub in Griechenland, denn ihre beste Freundin Evelyn, die sie eigentlich begleiten sollte, liegt im Krankenhaus. Noch vor der Haupt-Touri-Zeit möchte sich Jule auf's Lernen und auf sich selbst konzentrieren. Asman dagegen ist Flüchtling und wollte eigentlich nach Italien, um von dort bis nach Schweden zu kommen. Fälschlicherweise landet er mit den anderen Flüchtlingen nach einem Schiffbruch in Griechenland und dort verstecken sie sich nun. Jule und Asman treffen aufeinander und verlieben sich. Ich war sehr gespannt auf Grenzlandtage, die ganze Flüchtlingsthematik und natürlich die Liebesgeschichte. Doch grade Letztere war leider nichts für mich. Am besten ich nummeriere meine Kritikpunkte, das ist einfacher für mich und auch angenehmer zu lesen: Nummer 1: Der Schreibstil. Das der ein bisschen simpel (kurze Sätze) war hat mich nicht so sehr gestört, denn immerhin handelt es sich hierbei ja um ein Jugendbuch. Genervt hat mich allerdings dieses krampfhaft Poetische. Die blumigen Beschreibungen und das Abdriften in Fantasiewelten haben mich teilweise schon sehr an den Märchenerzähler erinnert. Dort mochte ich das zwar (im Gegensatz zu gewissen anderen Dingen, die das Buch für mich zur Katastrophe gemacht haben), aber in dieser Geschichte wirkte es irgendwie unpassend. Richtig schlimm fand ich die ständigen deutschen Wiederholungen jedes noch so kleinen englisch gesprochen Satzes. Hier mal zwei Beispiele: "(...) und dann sagte jemand hinter ihr: 'To the left.' Links lang." "Asman nickte. 'Makes sense.' Ergibt Sinn." Ich hätte es schöner gefunden, wenn man entweder bei deutsch geblieben wäre und einfach einmal darauf hingewiesen hätte, dass die Unterhaltung grade auf englisch stattfindet (passiert ja dann im Großteil auch, es tauchen aber immer wieder diese Sätze auf) - oder man hätte es bei englisch belassen und zwar ohne zusätzliche Übersetzung. Mal ehrlich, wir können doch mittlerweile fast alle englisch und selbst die, die es nicht so gut können, hätten hier keine Probleme. Dieses Doppelgemoppel fand ich einfach unnötig. Nummer 2: Der Hyperfokus auf Optik. Einfach alle sind wahnsinnig attraktiv und gutaussehend, Asman sieht (trotz Verletzungen und/oder kaputter Klamotten) gut aus, Hassan ist der "bestaussehendste Mann, den Jule je gesehen hat" und Naime ist bildschön, beinahe "wie aus einem Film". Die Flüchtlingskinder werden von Jule "Feenkinder" genannt, ihre Augen von Asman "Glasperlenaugen" und überhaupt wird alles sehr romantisiert und ästhetisiert: Die Landschaft, die Menschen, die Schmerzen, das Leid. Nummer 3: Jule. Mit ihr konnte ich leider gar nicht. Sie wirkte schon kurz nach ihrer Ankunft plötzlich sehr melancholisch, manchmal regelrecht unglücklich, und ich hatte einfach keine Ahnung, warum, denn das war noch bevor sie sich überhaupt mit der Flüchtlingsthematik auseinander gesetzt hatte. Sie kommt aus guten Verhältnissen, hat Eltern, die ihr offenbar alles erlauben, eine super beste Freundin und war ganz am Anfang auch noch guter Dinge... ich hab's ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Hinzu kommt, dass Jule extrem naiv ist. Und zwar so naiv, dass es wirklich schon an Dummheit grenzt. Sie kann null reflektieren, wirkt sehr kindlich, ist viel zu vertrauensselig, verliebt sich innerhalb von Sekunden unsterblich, trifft grade gegen Ende des Buches fürchterliche und nicht nachvollziehbare Entscheidungen und eigentlich müsste man sie vor sich selbst schützen (also wie Anna im Märchenerzähler). Dass ihre Eltern sie alleine in den Urlaub gelassen haben, war auf jeden fall sehr mutig. Nummer 4: Die Konflikte. Die Autoren sind hier sehr vorsichtig gewesen. Nicht zu viel Religion, keine tiefergreifenden Gespräche über Sexismus oder Weltbilder. All das wird zwar nicht komplett ausgelassen, reicht aber lediglich für ein kleines Streitgespräch oder kurze Gedankengänge. Nummer 5: Die Liebesgeschichte (Spoiler). Für mich der unrealistischste Part des ganzen Buches. Nicht nur, dass es sich um Insta-Love par excellence handelt und alles extrem schnell geht, Asman hat auch kaum Probleme mit westlichen Werten - und damit, mit Jule zu schlafen. Es ist ihr erstes mal und bei der ganzen Szene war mir irgendwie so super unwohl, dass ich näher darauf eingehen muss. Erstmal dieser (wohl leider realistische) Satz von Asman: "Bei uns tun Mädchen das hier erst, wenn sie verheiratet sind. (...) Es gibt andere Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln... für Männer. Verstehst du? Frauen, die Geld dafür nehmen. Das sind die Erfahrungen, die ich habe. Das ist es, was wir tun." Kotz-Würg! Nicht wegen der anderen Frauen, aber wegen der fürchterlichen Doppelmoral und der grässlichen Einschränkung der Frauen und ihrer Sexualität. Wie gesagt, leider sehr realistisch und ich werde es nie verstehen! Jule scheint das aber egal zu sein. Als sie ihn dann fragt, wie alt er denn eigentlich sei, antwortet er: "Ist das wichtig? (...) Was Frauen fragen! Gut, zweiundzwanzig. Zufrieden?" Ja, so eine dumme Frage! Wer will denn bitte vor dem (ersten) Sex das Alter oder gar etwas anderes Unwichtiges, wie z.B. den Namen des Partners, wissen? (Sarkasmus. Wisst ihr ja. ;) Jule ist übrigens 17.) Dann geht es so langsam los und es passiert Folgendes: "Sie wandte den Kopf und sah den See an, lag ganz still, ließ ihn machen, aber lange tat er nichts weiter als zu tasten." Sie guckt also weg und liegt absolut passiv da, während er sie anfasst. Na, Glückwunsch. Die beiden schlafen nun also miteinander und zwischendrin driftet die Szene sprachlich immer wieder ins Poetische und fast schon Surreale. Und jetzt kommt's. Jule etwas später: "Ich habe vergessen zu rechnen. (...) Es wäre wahrscheinlich schlau gewesen, ein... Kondom zu benutzen." Äh. What. Darüber macht sie sich jetzt Gedanken? Danach? Das ist dermaßen Verantwortungslos und naiv (hier haben wir's wieder), dass mir die Worte fehlen. Und von ungewollten Schwangerschaften mal abgesehen, was ist denn bitte mit Geschlechtskrankheiten?! Immerhin hat Asman kurz zuvor noch erzählt, wie seine sexuelle Vergangenheit so aussieht. Im Endeffekt hatte er zwar doch ein Kondom dabei und dieses auch benutzt (ohne das Jule etwas davon bemerkt hat), aber holy f***, wie gedankenlos kann man eigentlich sein? Fazit: Insgesamt hat mir Grenzlandtage aber trotz allem ganz gut gefallen, grade weil ich das Flüchtlingsthema wichtig und an dieser Stelle gut beleuchtet finde. Die Ängste und Sorgen, die Behördenprobleme, die Vorurteile... alles glaubhaft umgesetzt (auch wenn mir die blumige Sprache nicht immer zugesagt hat). Ehrlich gesagt hätte ich das Buch ohne die am Liebesrad drehende Jule noch viel besser gefunden, also einfach Asman und seine Geschichte. Ich wollte trotzdem unbedingt wissen, wie das alles ausgeht, Spannung war also da und ich spreche trotz aller Kritik eine Leseempfehlung aus! PS: Zum Abschluss noch ein letztes Zitat und mein Senf dazu: "Männer, die weinen, dachte sie, waren wirklich beunruhigend." Nö. Sie sind Menschen und auch ihnen stehen Emotionen zu. Sie dürfen weinen, sich anlehnen und müssen nicht immer stark sein.

4

Jule hatte sich eigentlich auf zwei Wochen Urlaub mit ihrer besten Freundin gefreut. Doch nun ist diese krank und sie muss alleine ihre Reise auf die griechische Insel antreten. Der Ort wirkt wie das reinste Urlaubsparadies, doch dann begegnet sie einem Jungen mit verbundenen Händen und alles ändert sich. Dieses Buch ist so ein Buch, bei dem man irgendwann seinen europäischen Pass verflucht und sich die eigenen Privilegien als EU-Bürger*in bitter bewusst wird. Es geht um Seenotrettung im Mittelmehr (oder eben ihre Abwesenheit), um Ertrinken, um Flucht, um Abschiebung, um die Zustände in den unterschiedlichen Ländern und um die Verteilungsverfahren. Wut, Ohnmacht und Fassungslosigkeit waren nur einige der Gefühle, die ich beim Lesen empfand. Die vielen Tode im Mittelmeer bekommen ein Gesicht und werden in diesem fiktiven Werk real. Antonia Michaelis und Peer Martin haben beide einen ungewöhnlichen, poetischen Schreibstil, der hier in diesem Buch perfekt harmoniert. Wie in vielen Büchern von Antonia Michaelis wirkt Jule manchmal naiv, verträumt, idealistisch, aber nicht zwingend auf eine anstrengende Art. Zu ihrer Sicht kommt zwischendurch die des Jungen hinzu. Und natürlich könnte man argumentieren, dass ihr Zusammentreffen und die Entwicklung in dieser Form nicht zwingend realistisch sind, aber es eröffnet einen Raum der Möglichkeiten, der die Realität zerschmettert. Es ist eine Geschichte der Hoffnung, der Verzweiflung, es ist ein Märchen, das wie eine Metapher für das steht, was man sich wünscht, was aber nicht ist, und doch orientiert es sich an Tatsachen. Entscheidungen wirken nicht immer rational, aber darum geht es nicht. Es ist ein Jugendbuch, das sich eines brandaktuellen, aber viel verschwiegenen Themas annimmt. Das die Geschichte einer deutschen Abiturientin erzählt, die aus ihrer privilegierten Welt rausgerissen wird und ohnmächtig diesem ungerechten Phänomen gegenübersteht, und eines Jungen, der zu viel verloren hat, zu erwachsen geworden ist und doch die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat. Und es ist die Geschichte, die zeigt, dass Seenotrettung kein Verbrechen, sondern Menschlichkeit ist.

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