Forschungen einer Katze
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Description
Book Information
Author Description
Katja Kettu, geboren 1978, stammt aus Rovaniemi in Lappland. Sie ist Schriftstellerin, Animationsregisseurin und Filmproduzentin. Ihr Debütroman "Surujenkerääjä" (2005) wurde für den Helsingin-Sanomat-Literaturpreis nominiert und gewann den Tiiliskivi-Preis. Der Durchbruch gelang ihr mit dem vielfach ausgezeichneten Roman "Wildauge", der in Finnland über 160.000-mal verkauft und 2015 verfilmt wurde ("The Midwife"). Ihr letzter Roman "Die Unbezwingbare" war für den Finlandia Prize 2018 nominiert. Kettus Werke sind in 23 Sprachen übersetzt worden.
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Das Cover mit der Katze hat mich sofort angesprochen – daran konnte ich einfach nicht vorbeigehen. Der Klappentext klang spannend, also habe ich direkt losgelegt. Ich bin ziemlich unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Irgendwie hatte ich etwas Leichtes, vielleicht sogar Verspieltes erwartet. Stattdessen bekam ich eine tiefgründige, teilweise recht schwere Geschichte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat mich das Buch jedoch komplett in seinen Bann gezogen. Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen – flüssig, atmosphärisch und mit einem Hauch von Mystik, der der Geschichte eine ganz besondere Stimmung verliehen hat. Erzählt wird in zwei Zeitsträngen, jeweils mit unterschiedlichen Protagonistinnen. Die Verbindung zwischen beiden ist die Katze, die zwischen den Zeiten hin und her wechselt. Anfangs war das etwas verwirrend, vor allem, weil einer der beiden Handlungsstränge deutlich mehr Tiefe und Raum erhält. Dadurch fiel es mir leichter, mich mit diesem Teil der Geschichte zu verbinden. Der zweite Strang lässt dagegen viele Fragen offen und regt zum Nachdenken an – auf eine ganz eigene Weise, die das Buch noch lange nachwirken lässt. Was ich überhaupt nicht erwartet hatte, war das Thema Krieg, Flucht und Vertreibung. Einige Abschnitte waren emotional wirklich herausfordernd – so sehr, dass ich das Buch zeitweise zur Seite legen musste, um das Gelesene erst einmal zu verarbeiten. Doch genau das hat es auch so besonders gemacht. Denn neben all dem Schmerz und der Schwere zeigt die Geschichte auch Hoffnung, Mut und die Stärke von Frauen, die nicht aufgeben. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet: vielfältig, glaubwürdig und lebendig. Sie fügen sich stimmig in die Handlung ein und machen das Gesamtbild rund. Besonders schön fand ich die Rolle der Katze – nicht nur als verbindendes Element zwischen den Zeitebenen, sondern auch als stiller Beobachter, der immer wieder auf das oft übersehene Leid der Tiere hinweist. Insgesamt ist es ein beeindruckendes Buch. Sicherlich keine leichte Lektüre – aber eine, die sich unbedingt lohnt.

Das Besondere Buch, wer das sucht, ist hier richtig
Erst 2023 trat Finnland der NATO bei. Das hat einen ganz besonderen Grund. Finnland hat eine bewegte Geschichte. Als Spielball zwischen Schweden und der Sowjetunion war seine Unabhängigkeit lange eine Utopie. Und auch heute befindet sich Finnland mit der direkten Grenze zu Russland in einer vulnerablen Lage. Katja Kettu hat in diesem außergewöhnlichen Roman einen Teil der jüngsten Geschichte eingearbeitet. Eeeva und Mahte leben im Südkarelien nahe der heutigen russischen Grenze. Während sie als Verdingmädchen von seiner Mutter Helmi verachtet wird, werden die beiden zum Ende des ersten Weltkriegs ein Paar. Vor dem Hintergrund der Krisen geschüttelten Historie Finnlands und dem von Rivalitäten, Hass und Neid geprägten Mitmenschen, begleiten wir die beiden durch die Höhen, aber auch die vielen Tiefen in ihrem Leben. Die üppige Landschaft, die aufgrund der meteorologischen Gegebenheiten wenig abwirft, erschwert ein auskömmliches Leben. Dazu addiert sich Mahtes sensibles und traumtänzerisches Wesen, welche ihn oft zwischen die Fronten geraten lässt. Eeva ist diejenige, die den Karren immer wieder aus dem Dreck ziehen muss, Zuversicht ausstrahlt und herb aber herzlich alles zusammenhält. Sie bekommen Kinder und auch diese kommen nicht schadlos durch die kriegsgeprägten Zeiten. Wer auch immer gerade das Sagen hat, Mahtes und Eevas Liebe hat auf ganz innige Art bestand. In einem zweiten Erzählstrang geht es weniger liebevoll zu. Die Protagonistin wird nur „die Schriftstellerin“ genannt. Sie hat eine Fehlgeburt erlitten und das traumatische Erlebnis, sowie weitere Schicksalsschläge, führen zu einem Verlust der Sprache und einer Schreibblockade. Die Biografie dieser Protagonistin aus unserer Gegenwart wird uns nur nebelhaft erzählt. Doch nach und nach spüren wir die Verbindung zur Geschichte von Eeva und Mahte und wir erleben einmal mehr, wie das Schicksal unserer Vorfahren Einfluss auf unser Leben nimmt. Ein wesentliches Bindeglied zwischen den beiden Ebenen ist ein Geisterführer vom „Amt für himmlische Forschung“ der im Körper einer Katze, die Jahrzehnte miteinander verknüpft. Im Wechsel wird uns also von der „Schriftstellerin“, der Katze und aus Evas Tagebucheinträgen ein Text serviert, der auch durch das besondere Konzept beeindruckt. Die Autorin hat die Härte des Lebens in Finnland in der Zeit zwischen 1918 und 1979 in aller Deutlichkeit geschildert. Ich musste ein paar mal recherchieren, um die politischen Hintergründe besser zu verstehen. Doch in ihrem mitreißenden Erzählton hat sie mich nie verloren. Fulminant beschreibt sie Natur, fügt den Mix aus Volks-, Aber,- und Gottglauben ein und stellt die Familie in den Mittelpunkt. Das fantastische Element der Katze wäre nicht nötig gewesen, verleiht der Lektüre aber einen gewissen Pfiff und ist unglaublich gut eingearbeitet. Es folgen weitere Elemente des magischen Realismus, die wohl dosiert sind und sich wunderbar in die Geschichte einfügen. Die Essenz dieses Romans aber ist die Liebesgeschichte zwischen Eeva und Mahte - eine berührendere habe ich dieses Jahr noch nicht gelesen. Auch wenn ich am Anfang ein wenig gebraucht habe, um in die Geschichte reinzukommen, die besondere Erzählform zu begreifen und mich darauf einzulassen, konnte ich das Buch bald nicht mehr weglegen. Katja Kettu ist wirklich eine große Erzählerin, die die Gabe besitzt, die DNA ihrer Heimat packend weiterzugeben, uns Leser*innen für diesen nicht unwichtigen Teil Europas zu interessieren und Figuren zum Leben zu erwecken, die wir nicht so schnell vergessen werden Eine große Leseempfehlung für Alle, die das besondere Buch suchen, und sich jenseits vom Mainstream bezaubern lassen möchten.
Ein ungewöhnlicher Roman, der dich auf eine interessante Forschungsreise mitnimmt!
. Kennst du dich mit finnischer Geschichte aus? Nach diesem wundervollen Roman wird du es! Historisches Wissen liebevoll und doch kritisch verpackt und erzählt aus der Sicht einer Katze, die in Wirklichkeit nicht wirklich eine Katze ist. Eine große Leseempfehlung! 4,5/5 ⭐️ . Worum geht es genau… Als die „Schriftstellerin“ wegen einer Fehlgeburt ihre Fähigkeit zu schreiben und sprechen verliert kommt ein Geistführer aus dem Amt für himmlische Forschung zur Hilfe. Doch irgendetwas geht anscheinend schief und der Geistesführer landet als Katze im ländlichen Finnland im frühen 20 Jahrhundert. Jedoch scheint die Reise einen tieferen Sinn zu haben, als der Geistesführer zu Anfang glaubt. . In „Forschungen einer Katze“ folgen wir nicht nur der Katze, dem Geistführer, der Schriftstellerin, sondern auch Eeva in Form von Tagebucheintägen durch die Geschichte. Erst ist nicht klar, wieso wir Eeva folgen und wieso die Katze bei ihr landet, jedoch entwickelt sich nach und nach eine Verbindung zwischen Eeva und der Schriftstellerin, die man nicht erwartet hat. Die Katze schon gar nicht. Die Katze reist nun zwischen zwei Zeitsträngen hin und her und zwei Lebensgeschichten mit ihren Höhen und Tiefen finden den Weg zueinander. Während die Welt von Eeva im frühen 20 Jahrhundert in der Nachkriegszeit- Kriegszeit- Nachkriegszeit spielt und wir vor Augen geführt bekommen, wie hart und doch wunderschön das Leben zwischen Russen, Revolutionärer und Faschisten sein kann im finnischen Lappland sind wir bei der Schriftstellerin in der Gegenwart gefangen zwischen Job, einer fragwürdigen Partnerschaft und Depressionen. Genau diese Mischung macht diesen Roman so einzigartig und kraftvoll, gepaart mit der fesselnden Schreibweise von Kettu, die wunderbar übersetzt wurde zieht dich der Roman als Leser in eine Zeitreisekapsel, die eindringlich, realistisch und ebenso liebe- und humorvoll ist. Kettu schafft mit „Forschungen einer Katze“ einen fabelhaften Spagat zwischen historischem Roman und Gegenwartsliteratur, den ich persönlich wirklich sehr mag. Sarkasmus, sowie schwarzer Humor runden die Geschichte ab und zeigen auf, wie fragwürdig so manch menschliche Handlung sein kann bzw. ist. Eben wie es ein Forschungsbericht aufzeigen würde. . Ein leiser atmosphärisch intensiver Roman, definitiv tiefgründiger war als ich erwartet hätte und deswegen empfehle ich ihn sehr gerne!

Eine sehr starke Geschichte zweier Frauen vor dem Hintergrund der finnischen Geschichte. Und die Katze, die beobachtet und erzählt..
Zuallererst mochte ich das Cover: Hübsche schwarze Miezekatze. Ganz unscheinbar liegt das Buch zwischen all den anderen farbenfrohen Werken auf dem Büchertisch vom Rapunzel. Beim Lesen des Klappentextes hatte ich eine etwas wirre und verrückte, vielleicht auch etwas lustige Geschichte erwartet. Aber weit gefehlt, so ein tiefgründiges und einfühlsames Buch habe ich selten gelesen. Und der Klappentext klingt erst einmal sehr strange. Ein Geistführer vom Amt für Forschung und Unterstützung der Lichten Lebensformen wird entsandt, um „der Schriftstellerin“ zu helfen. Eigentlich sollte sie im Jahr 2020 landen und einer Schriftstellerin helfen, die nach einer Fehlgeburt die Fähigkeit verliert zu sprechen und zu schreiben. Doch etwas geht schief und der Geistführer landet im Finnland des Jahres 1917 im Nordosten Finnlands nahe der sowjetischen Grenze bei Eeva, der Urgroßmutter der Schriftstellerin, und das im Körper einer Katze. Besagte Katze reist als stiller Beobachter zwischen den Zeiten und stellt das Bindeglied zwischen den Handlungssträngen her. „Die Schriftstellerin“ hatte gerade eine Fehlgeburt, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wird von der Katze beobachtet und so beschrieben, als säße man selbst als Zuschauer in ihrem Badezimmer, diese Erzählweise zieht sich durch das ganze Buch. Die Katze „Ich bin offenbar im Badezimmer. Meine Tatzenballen zittern von den kalten Fliesen. Vor mir auf dem Plastikhocker liegt ein Haufen alter, angegilbter Satire- und Literaturzeitschriften (offenbar von den Menschen hochgeschätzte Publikationen). Über der Badewanne hängt ein gelbrotes Dreieck, das eine schmaler werdende Straße anzeigt, sowie ein blauer Kreis mit einem Pfeil, der schräg nach unten weist. Ich weiss nicht, wer die Verkehrsschilder von einer Baustelle gestohlen hat und warum. Wahrscheinlich zum Spaß, aus reiner Lebensfreude. Den Blutspuren nach zu urteilen, ist die Schriftstellerin aus dem Schlafzimmer durch den Flur ins Badezimmer gekrabbelt.“ Eeva und Mahte leben in ärmlichen Verhältnissen, ihre Geschichten werden in Eevas Tagebüchern und Mahtes Briefen erzählt, ihre Zuneigung zueinander ist so extrem unerschütterlich. Weder die böse Schwiegermutter, noch Krieg, Verrat und Vertreibung können die Liebe der beiden in ihrer Grundfestung erschüttern. Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und zweiter Weltkrieg, was Eeva und Mahte alles durchmachen müssen, ist unvorstellbar. Und dennoch findet Eeva immer wieder einen Weg, wie es für die Familie weiter geht. Die Übersetzung aus dem finnischen sehr gut geglückt, wie ich finde. Kurze, aber deutliche Sätze, die schnell auf den Punkt kommen und ab und wird ein trockener Witz eingestreut, ohne die ganze Geschichte ins Lächerliche zu ziehen. Das Buch ist ein Stück weit die Geschichte Finnlands auf dem Weg zu einem eigenständigen Staat. Es ist die Geschichte der beiden Frauen. Es ist auch eine Geschichte über Gewalt gegen Frauen in den unterschiedlichsten Formen. Puh, wie hat mich das Buch mitgenommen. Ich habe mit Eeva geliebt, mit der Schriftstellerin gelitten. Ich habe die Leiden der Katze mitgefühlt. Auch wenn meine Augen schon fast zugefallen sind, dieses Buch konnte ich nicht mehr beiseite legen, bis es nicht zu Ende gelesen war. „Soll die Katze doch kommen, meinen Roman übernehmen. Ich bin diejenige, die schwach ist. Die Katze weiß viel und schert sich um wenig. Sie hat das wilde Naturell eines Tieres und geheimes Wissen. Und sie respektiert mich kein bisschen. Auch das ist gut.“
Ich war nicht auf Geschichte geeicht
„Nein, ich will euch nicht irreführen. Im Gegenteil, ich will die Wahrheit berichten. Und als Allererstes will ich erzählen, wie und wo alles begann.“ (S. 7) Katja Kettus neuer Roman ist anders. Er ist ein origineller Genremix mit vielen Facetten aus finnischer Geschichte, ein Hauch Science Fiction, Gegenwartsliteratur und magischem Realismus. Die rahmengebende Erzählstimme übernimmt ein Geistführer in Gestalt einer Katze und wenn man auf die richtige Frequenz eingestellt ist, bietet das Buch einen tiefgründigen geschichtlichen Genremix, den ich in der Art noch nicht lesen durfte. Die sprachliche Welt changiert in seiner Komplexität zwischen Tagbucheinträgen, Briefen und Schilderungen in wechselnden Jahrhunderten in der Zeit zwischen 1917 und 2020. Der Hauptaugenmerk der Geschichte liegt auf unserer Schriftstellerin, der im Jahre 2019 von ihrem Vorgesetzten und Geliebten, die nächste Buchveröffentlichung sabotiert wird und sie darüber hinaus das gemeinsame Kind vor der Niederkunft verliert. Voller Häme und Gram verliert sie die Fähigkeit des Schreibens und Sprechens und der abgesandte Geistführer soll für Heilung sorgen. Am liebsten waren mir die Sequenzen rund um die Gedanken und Bestrebungen der Katze, um Licht und Findung in die Geschichte zu bringen. @katjakettu beschreibt das Dasein des Vierbeiners einnehmend gut. Sprachlich abwechslungsreich und pointiert, kreiert die Autorin mit ihrer ansprechenden Stimme, viel Raum zur Entfaltung der eigenen Vorstellungskraft. Gerne hätte ich mich in den einzelnen Sequenzen mit etwas mehr Zeit und in aller Ruhe in den (für mich) recht zügig wechselnden Kapiteln umgeschaut und haben es mir zum Ende hin schwer getan, den absoluten Eskapismus zu erleben.
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Katja Kettu, geboren 1978, stammt aus Rovaniemi in Lappland. Sie ist Schriftstellerin, Animationsregisseurin und Filmproduzentin. Ihr Debütroman "Surujenkerääjä" (2005) wurde für den Helsingin-Sanomat-Literaturpreis nominiert und gewann den Tiiliskivi-Preis. Der Durchbruch gelang ihr mit dem vielfach ausgezeichneten Roman "Wildauge", der in Finnland über 160.000-mal verkauft und 2015 verfilmt wurde ("The Midwife"). Ihr letzter Roman "Die Unbezwingbare" war für den Finlandia Prize 2018 nominiert. Kettus Werke sind in 23 Sprachen übersetzt worden.
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Das Cover mit der Katze hat mich sofort angesprochen – daran konnte ich einfach nicht vorbeigehen. Der Klappentext klang spannend, also habe ich direkt losgelegt. Ich bin ziemlich unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Irgendwie hatte ich etwas Leichtes, vielleicht sogar Verspieltes erwartet. Stattdessen bekam ich eine tiefgründige, teilweise recht schwere Geschichte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat mich das Buch jedoch komplett in seinen Bann gezogen. Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen – flüssig, atmosphärisch und mit einem Hauch von Mystik, der der Geschichte eine ganz besondere Stimmung verliehen hat. Erzählt wird in zwei Zeitsträngen, jeweils mit unterschiedlichen Protagonistinnen. Die Verbindung zwischen beiden ist die Katze, die zwischen den Zeiten hin und her wechselt. Anfangs war das etwas verwirrend, vor allem, weil einer der beiden Handlungsstränge deutlich mehr Tiefe und Raum erhält. Dadurch fiel es mir leichter, mich mit diesem Teil der Geschichte zu verbinden. Der zweite Strang lässt dagegen viele Fragen offen und regt zum Nachdenken an – auf eine ganz eigene Weise, die das Buch noch lange nachwirken lässt. Was ich überhaupt nicht erwartet hatte, war das Thema Krieg, Flucht und Vertreibung. Einige Abschnitte waren emotional wirklich herausfordernd – so sehr, dass ich das Buch zeitweise zur Seite legen musste, um das Gelesene erst einmal zu verarbeiten. Doch genau das hat es auch so besonders gemacht. Denn neben all dem Schmerz und der Schwere zeigt die Geschichte auch Hoffnung, Mut und die Stärke von Frauen, die nicht aufgeben. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet: vielfältig, glaubwürdig und lebendig. Sie fügen sich stimmig in die Handlung ein und machen das Gesamtbild rund. Besonders schön fand ich die Rolle der Katze – nicht nur als verbindendes Element zwischen den Zeitebenen, sondern auch als stiller Beobachter, der immer wieder auf das oft übersehene Leid der Tiere hinweist. Insgesamt ist es ein beeindruckendes Buch. Sicherlich keine leichte Lektüre – aber eine, die sich unbedingt lohnt.

Das Besondere Buch, wer das sucht, ist hier richtig
Erst 2023 trat Finnland der NATO bei. Das hat einen ganz besonderen Grund. Finnland hat eine bewegte Geschichte. Als Spielball zwischen Schweden und der Sowjetunion war seine Unabhängigkeit lange eine Utopie. Und auch heute befindet sich Finnland mit der direkten Grenze zu Russland in einer vulnerablen Lage. Katja Kettu hat in diesem außergewöhnlichen Roman einen Teil der jüngsten Geschichte eingearbeitet. Eeeva und Mahte leben im Südkarelien nahe der heutigen russischen Grenze. Während sie als Verdingmädchen von seiner Mutter Helmi verachtet wird, werden die beiden zum Ende des ersten Weltkriegs ein Paar. Vor dem Hintergrund der Krisen geschüttelten Historie Finnlands und dem von Rivalitäten, Hass und Neid geprägten Mitmenschen, begleiten wir die beiden durch die Höhen, aber auch die vielen Tiefen in ihrem Leben. Die üppige Landschaft, die aufgrund der meteorologischen Gegebenheiten wenig abwirft, erschwert ein auskömmliches Leben. Dazu addiert sich Mahtes sensibles und traumtänzerisches Wesen, welche ihn oft zwischen die Fronten geraten lässt. Eeva ist diejenige, die den Karren immer wieder aus dem Dreck ziehen muss, Zuversicht ausstrahlt und herb aber herzlich alles zusammenhält. Sie bekommen Kinder und auch diese kommen nicht schadlos durch die kriegsgeprägten Zeiten. Wer auch immer gerade das Sagen hat, Mahtes und Eevas Liebe hat auf ganz innige Art bestand. In einem zweiten Erzählstrang geht es weniger liebevoll zu. Die Protagonistin wird nur „die Schriftstellerin“ genannt. Sie hat eine Fehlgeburt erlitten und das traumatische Erlebnis, sowie weitere Schicksalsschläge, führen zu einem Verlust der Sprache und einer Schreibblockade. Die Biografie dieser Protagonistin aus unserer Gegenwart wird uns nur nebelhaft erzählt. Doch nach und nach spüren wir die Verbindung zur Geschichte von Eeva und Mahte und wir erleben einmal mehr, wie das Schicksal unserer Vorfahren Einfluss auf unser Leben nimmt. Ein wesentliches Bindeglied zwischen den beiden Ebenen ist ein Geisterführer vom „Amt für himmlische Forschung“ der im Körper einer Katze, die Jahrzehnte miteinander verknüpft. Im Wechsel wird uns also von der „Schriftstellerin“, der Katze und aus Evas Tagebucheinträgen ein Text serviert, der auch durch das besondere Konzept beeindruckt. Die Autorin hat die Härte des Lebens in Finnland in der Zeit zwischen 1918 und 1979 in aller Deutlichkeit geschildert. Ich musste ein paar mal recherchieren, um die politischen Hintergründe besser zu verstehen. Doch in ihrem mitreißenden Erzählton hat sie mich nie verloren. Fulminant beschreibt sie Natur, fügt den Mix aus Volks-, Aber,- und Gottglauben ein und stellt die Familie in den Mittelpunkt. Das fantastische Element der Katze wäre nicht nötig gewesen, verleiht der Lektüre aber einen gewissen Pfiff und ist unglaublich gut eingearbeitet. Es folgen weitere Elemente des magischen Realismus, die wohl dosiert sind und sich wunderbar in die Geschichte einfügen. Die Essenz dieses Romans aber ist die Liebesgeschichte zwischen Eeva und Mahte - eine berührendere habe ich dieses Jahr noch nicht gelesen. Auch wenn ich am Anfang ein wenig gebraucht habe, um in die Geschichte reinzukommen, die besondere Erzählform zu begreifen und mich darauf einzulassen, konnte ich das Buch bald nicht mehr weglegen. Katja Kettu ist wirklich eine große Erzählerin, die die Gabe besitzt, die DNA ihrer Heimat packend weiterzugeben, uns Leser*innen für diesen nicht unwichtigen Teil Europas zu interessieren und Figuren zum Leben zu erwecken, die wir nicht so schnell vergessen werden Eine große Leseempfehlung für Alle, die das besondere Buch suchen, und sich jenseits vom Mainstream bezaubern lassen möchten.
Ein ungewöhnlicher Roman, der dich auf eine interessante Forschungsreise mitnimmt!
. Kennst du dich mit finnischer Geschichte aus? Nach diesem wundervollen Roman wird du es! Historisches Wissen liebevoll und doch kritisch verpackt und erzählt aus der Sicht einer Katze, die in Wirklichkeit nicht wirklich eine Katze ist. Eine große Leseempfehlung! 4,5/5 ⭐️ . Worum geht es genau… Als die „Schriftstellerin“ wegen einer Fehlgeburt ihre Fähigkeit zu schreiben und sprechen verliert kommt ein Geistführer aus dem Amt für himmlische Forschung zur Hilfe. Doch irgendetwas geht anscheinend schief und der Geistesführer landet als Katze im ländlichen Finnland im frühen 20 Jahrhundert. Jedoch scheint die Reise einen tieferen Sinn zu haben, als der Geistesführer zu Anfang glaubt. . In „Forschungen einer Katze“ folgen wir nicht nur der Katze, dem Geistführer, der Schriftstellerin, sondern auch Eeva in Form von Tagebucheintägen durch die Geschichte. Erst ist nicht klar, wieso wir Eeva folgen und wieso die Katze bei ihr landet, jedoch entwickelt sich nach und nach eine Verbindung zwischen Eeva und der Schriftstellerin, die man nicht erwartet hat. Die Katze schon gar nicht. Die Katze reist nun zwischen zwei Zeitsträngen hin und her und zwei Lebensgeschichten mit ihren Höhen und Tiefen finden den Weg zueinander. Während die Welt von Eeva im frühen 20 Jahrhundert in der Nachkriegszeit- Kriegszeit- Nachkriegszeit spielt und wir vor Augen geführt bekommen, wie hart und doch wunderschön das Leben zwischen Russen, Revolutionärer und Faschisten sein kann im finnischen Lappland sind wir bei der Schriftstellerin in der Gegenwart gefangen zwischen Job, einer fragwürdigen Partnerschaft und Depressionen. Genau diese Mischung macht diesen Roman so einzigartig und kraftvoll, gepaart mit der fesselnden Schreibweise von Kettu, die wunderbar übersetzt wurde zieht dich der Roman als Leser in eine Zeitreisekapsel, die eindringlich, realistisch und ebenso liebe- und humorvoll ist. Kettu schafft mit „Forschungen einer Katze“ einen fabelhaften Spagat zwischen historischem Roman und Gegenwartsliteratur, den ich persönlich wirklich sehr mag. Sarkasmus, sowie schwarzer Humor runden die Geschichte ab und zeigen auf, wie fragwürdig so manch menschliche Handlung sein kann bzw. ist. Eben wie es ein Forschungsbericht aufzeigen würde. . Ein leiser atmosphärisch intensiver Roman, definitiv tiefgründiger war als ich erwartet hätte und deswegen empfehle ich ihn sehr gerne!

Eine sehr starke Geschichte zweier Frauen vor dem Hintergrund der finnischen Geschichte. Und die Katze, die beobachtet und erzählt..
Zuallererst mochte ich das Cover: Hübsche schwarze Miezekatze. Ganz unscheinbar liegt das Buch zwischen all den anderen farbenfrohen Werken auf dem Büchertisch vom Rapunzel. Beim Lesen des Klappentextes hatte ich eine etwas wirre und verrückte, vielleicht auch etwas lustige Geschichte erwartet. Aber weit gefehlt, so ein tiefgründiges und einfühlsames Buch habe ich selten gelesen. Und der Klappentext klingt erst einmal sehr strange. Ein Geistführer vom Amt für Forschung und Unterstützung der Lichten Lebensformen wird entsandt, um „der Schriftstellerin“ zu helfen. Eigentlich sollte sie im Jahr 2020 landen und einer Schriftstellerin helfen, die nach einer Fehlgeburt die Fähigkeit verliert zu sprechen und zu schreiben. Doch etwas geht schief und der Geistführer landet im Finnland des Jahres 1917 im Nordosten Finnlands nahe der sowjetischen Grenze bei Eeva, der Urgroßmutter der Schriftstellerin, und das im Körper einer Katze. Besagte Katze reist als stiller Beobachter zwischen den Zeiten und stellt das Bindeglied zwischen den Handlungssträngen her. „Die Schriftstellerin“ hatte gerade eine Fehlgeburt, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wird von der Katze beobachtet und so beschrieben, als säße man selbst als Zuschauer in ihrem Badezimmer, diese Erzählweise zieht sich durch das ganze Buch. Die Katze „Ich bin offenbar im Badezimmer. Meine Tatzenballen zittern von den kalten Fliesen. Vor mir auf dem Plastikhocker liegt ein Haufen alter, angegilbter Satire- und Literaturzeitschriften (offenbar von den Menschen hochgeschätzte Publikationen). Über der Badewanne hängt ein gelbrotes Dreieck, das eine schmaler werdende Straße anzeigt, sowie ein blauer Kreis mit einem Pfeil, der schräg nach unten weist. Ich weiss nicht, wer die Verkehrsschilder von einer Baustelle gestohlen hat und warum. Wahrscheinlich zum Spaß, aus reiner Lebensfreude. Den Blutspuren nach zu urteilen, ist die Schriftstellerin aus dem Schlafzimmer durch den Flur ins Badezimmer gekrabbelt.“ Eeva und Mahte leben in ärmlichen Verhältnissen, ihre Geschichten werden in Eevas Tagebüchern und Mahtes Briefen erzählt, ihre Zuneigung zueinander ist so extrem unerschütterlich. Weder die böse Schwiegermutter, noch Krieg, Verrat und Vertreibung können die Liebe der beiden in ihrer Grundfestung erschüttern. Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und zweiter Weltkrieg, was Eeva und Mahte alles durchmachen müssen, ist unvorstellbar. Und dennoch findet Eeva immer wieder einen Weg, wie es für die Familie weiter geht. Die Übersetzung aus dem finnischen sehr gut geglückt, wie ich finde. Kurze, aber deutliche Sätze, die schnell auf den Punkt kommen und ab und wird ein trockener Witz eingestreut, ohne die ganze Geschichte ins Lächerliche zu ziehen. Das Buch ist ein Stück weit die Geschichte Finnlands auf dem Weg zu einem eigenständigen Staat. Es ist die Geschichte der beiden Frauen. Es ist auch eine Geschichte über Gewalt gegen Frauen in den unterschiedlichsten Formen. Puh, wie hat mich das Buch mitgenommen. Ich habe mit Eeva geliebt, mit der Schriftstellerin gelitten. Ich habe die Leiden der Katze mitgefühlt. Auch wenn meine Augen schon fast zugefallen sind, dieses Buch konnte ich nicht mehr beiseite legen, bis es nicht zu Ende gelesen war. „Soll die Katze doch kommen, meinen Roman übernehmen. Ich bin diejenige, die schwach ist. Die Katze weiß viel und schert sich um wenig. Sie hat das wilde Naturell eines Tieres und geheimes Wissen. Und sie respektiert mich kein bisschen. Auch das ist gut.“
Ich war nicht auf Geschichte geeicht
„Nein, ich will euch nicht irreführen. Im Gegenteil, ich will die Wahrheit berichten. Und als Allererstes will ich erzählen, wie und wo alles begann.“ (S. 7) Katja Kettus neuer Roman ist anders. Er ist ein origineller Genremix mit vielen Facetten aus finnischer Geschichte, ein Hauch Science Fiction, Gegenwartsliteratur und magischem Realismus. Die rahmengebende Erzählstimme übernimmt ein Geistführer in Gestalt einer Katze und wenn man auf die richtige Frequenz eingestellt ist, bietet das Buch einen tiefgründigen geschichtlichen Genremix, den ich in der Art noch nicht lesen durfte. Die sprachliche Welt changiert in seiner Komplexität zwischen Tagbucheinträgen, Briefen und Schilderungen in wechselnden Jahrhunderten in der Zeit zwischen 1917 und 2020. Der Hauptaugenmerk der Geschichte liegt auf unserer Schriftstellerin, der im Jahre 2019 von ihrem Vorgesetzten und Geliebten, die nächste Buchveröffentlichung sabotiert wird und sie darüber hinaus das gemeinsame Kind vor der Niederkunft verliert. Voller Häme und Gram verliert sie die Fähigkeit des Schreibens und Sprechens und der abgesandte Geistführer soll für Heilung sorgen. Am liebsten waren mir die Sequenzen rund um die Gedanken und Bestrebungen der Katze, um Licht und Findung in die Geschichte zu bringen. @katjakettu beschreibt das Dasein des Vierbeiners einnehmend gut. Sprachlich abwechslungsreich und pointiert, kreiert die Autorin mit ihrer ansprechenden Stimme, viel Raum zur Entfaltung der eigenen Vorstellungskraft. Gerne hätte ich mich in den einzelnen Sequenzen mit etwas mehr Zeit und in aller Ruhe in den (für mich) recht zügig wechselnden Kapiteln umgeschaut und haben es mir zum Ende hin schwer getan, den absoluten Eskapismus zu erleben.









