Erinnerungen an meinen Porsche
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Description
Sex und Kapitalismus in der Krise
Daniel Deserno, 39, Investmentbanker, ist Patient in der Klinik Waldhaus. Freundin Selma aus der Kulturstiftung hat ihm seinen »Porsche« ruiniert, wie sein männlichstes Teil unter Daniels Kollegen hieß. Plötzlich taucht in der Klinik eine junge Patientin auf, die mit einem Buch über ihre Hämorrhoiden großen Erfolg hatte. Daniel und die Neue kommen sich rasch näher. Dann aber kündigen Selma und Daniels altlinke Mutter ihren Besuch an, weil im Waldhaus ein berühmter Autor aus seinem Goethe-Roman liest. Ein aberwitziger Roman über die Krisen in der Welt des Geldes und der Literatur.
Book Information
Author Description
Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Nach seinen vielfach gefeierten Romanen ›Die Liebe in groben Zügen‹ (2012) und ›Verlangen und Melancholie‹ (2014) wurde er 2016 für seine Novelle ›Widerfahrnis‹ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen sind die Romane ›Dämmer und Aufruhr‹ (2018), ›Bericht zur Lage des Glücks‹ (2021) und ›Seit er sein Leben mit einem Tier teilt‹ (2024).
Posts
Das Buch bearbeitet die Unmöglichkeit der vollständigen Identifikation mit dem Anderen, die Unmöglichkeit der vollständigen Einheit von Körper und Geist. Bodo Kirchhoff bespielt den fundamentalen Mangel oder Spaltung des Subjekts und die Konsequenzen die eine idealisierte Vorstellung von Liebe und Sexualität mit sich bringen, wenn die Partner nicht verstehen, dass sie niemals dem anderen vollständig in ihre symbolische Ordnung holen können. Im Falle Selmas und Daniels endet dies mit einer Korkenzieherattacke auf seinen Penis. Das Erhabene und Profane wird in aller Ausführlichkeit seziert. Auf sexueller Ebene, den Körperfunktionen oder auch in Bezug auf die Macht des Geldes. Die Abteilung in der Daniel als Investmentbanker Geld scheffelt wird als Schweineabteilung bezeichnet – „die Sache stank“. Und Gestank ist etwas, das immer wieder im Text aufploppt. Daniel beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Genuss, Genießsinn und dem Zustand genüsslichen Leidens. Gerahmt wird das Ganze durch Goethe, der am Anfang mit seinem Werther aufwaten darf und am Ende eines fiktiven Goetheromans. Zitat hieraus: Johann sah aus dem Gartenhausfenster, das schon ein wenig beschlug, auf knorrige Apfelbäume und eine Wiese, in der alle Natur auf das Einfachste zusammenkam. Liebe will ich liebend loben, jede Form, sie kommt von oben, sprach er vor sich hin, während Amalia nach dem Fächer griff. Sie roch etwas und wollte es fortwedeln, den süßsauren Geruch der eigenen Brust, aber der, der ihre Luft zum Atmen war, bat sie, das incroyable Ding, wie er sagte, wegzulegen. Johann war plötzlich sehr ernst, die eine Hand im Rücken, wie alle ihn kannten, die andere an seiner Pracht, wie nur sie ihn kannte. Wohlan, rief er, und mit einem Ruck, der für Amalia durch ganz Weimar ging „drückte er die Pracht zwischen das milchspendende Fleisch.“ Mit dem Ende überrascht Kirchhoff mich positiv und rundet dieses an sich doch sehr verquaste und sperrige Etwas, zu einer in sich geschlossenen Story ab. Der Weg dorthin, zum traumatischen Kern und der Erlösung ist Stellenweise eine Zumutung. Viele Referenzen auf Literatur, Kultur, Fernsehen und politisches Zeitgeschehen. Die Komposition wirkt fahrig, unelegant und ruckelig. Das Buch kehrt seine Stärken auf der Bedeutungsebene heraus. Es spielt sehr gut mit dem Symbolischen und Imaginären und den Widerständen. Auf sprachlicher Ebene und meinem Ästhetischen Empfinden, zieht es einen gewissen Zahnschmerz hinter sich her.
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Sex und Kapitalismus in der Krise
Daniel Deserno, 39, Investmentbanker, ist Patient in der Klinik Waldhaus. Freundin Selma aus der Kulturstiftung hat ihm seinen »Porsche« ruiniert, wie sein männlichstes Teil unter Daniels Kollegen hieß. Plötzlich taucht in der Klinik eine junge Patientin auf, die mit einem Buch über ihre Hämorrhoiden großen Erfolg hatte. Daniel und die Neue kommen sich rasch näher. Dann aber kündigen Selma und Daniels altlinke Mutter ihren Besuch an, weil im Waldhaus ein berühmter Autor aus seinem Goethe-Roman liest. Ein aberwitziger Roman über die Krisen in der Welt des Geldes und der Literatur.
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Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Nach seinen vielfach gefeierten Romanen ›Die Liebe in groben Zügen‹ (2012) und ›Verlangen und Melancholie‹ (2014) wurde er 2016 für seine Novelle ›Widerfahrnis‹ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen sind die Romane ›Dämmer und Aufruhr‹ (2018), ›Bericht zur Lage des Glücks‹ (2021) und ›Seit er sein Leben mit einem Tier teilt‹ (2024).
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Das Buch bearbeitet die Unmöglichkeit der vollständigen Identifikation mit dem Anderen, die Unmöglichkeit der vollständigen Einheit von Körper und Geist. Bodo Kirchhoff bespielt den fundamentalen Mangel oder Spaltung des Subjekts und die Konsequenzen die eine idealisierte Vorstellung von Liebe und Sexualität mit sich bringen, wenn die Partner nicht verstehen, dass sie niemals dem anderen vollständig in ihre symbolische Ordnung holen können. Im Falle Selmas und Daniels endet dies mit einer Korkenzieherattacke auf seinen Penis. Das Erhabene und Profane wird in aller Ausführlichkeit seziert. Auf sexueller Ebene, den Körperfunktionen oder auch in Bezug auf die Macht des Geldes. Die Abteilung in der Daniel als Investmentbanker Geld scheffelt wird als Schweineabteilung bezeichnet – „die Sache stank“. Und Gestank ist etwas, das immer wieder im Text aufploppt. Daniel beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Genuss, Genießsinn und dem Zustand genüsslichen Leidens. Gerahmt wird das Ganze durch Goethe, der am Anfang mit seinem Werther aufwaten darf und am Ende eines fiktiven Goetheromans. Zitat hieraus: Johann sah aus dem Gartenhausfenster, das schon ein wenig beschlug, auf knorrige Apfelbäume und eine Wiese, in der alle Natur auf das Einfachste zusammenkam. Liebe will ich liebend loben, jede Form, sie kommt von oben, sprach er vor sich hin, während Amalia nach dem Fächer griff. Sie roch etwas und wollte es fortwedeln, den süßsauren Geruch der eigenen Brust, aber der, der ihre Luft zum Atmen war, bat sie, das incroyable Ding, wie er sagte, wegzulegen. Johann war plötzlich sehr ernst, die eine Hand im Rücken, wie alle ihn kannten, die andere an seiner Pracht, wie nur sie ihn kannte. Wohlan, rief er, und mit einem Ruck, der für Amalia durch ganz Weimar ging „drückte er die Pracht zwischen das milchspendende Fleisch.“ Mit dem Ende überrascht Kirchhoff mich positiv und rundet dieses an sich doch sehr verquaste und sperrige Etwas, zu einer in sich geschlossenen Story ab. Der Weg dorthin, zum traumatischen Kern und der Erlösung ist Stellenweise eine Zumutung. Viele Referenzen auf Literatur, Kultur, Fernsehen und politisches Zeitgeschehen. Die Komposition wirkt fahrig, unelegant und ruckelig. Das Buch kehrt seine Stärken auf der Bedeutungsebene heraus. Es spielt sehr gut mit dem Symbolischen und Imaginären und den Widerständen. Auf sprachlicher Ebene und meinem Ästhetischen Empfinden, zieht es einen gewissen Zahnschmerz hinter sich her.




