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Elbnächte, Schatten über St. Pauli, von Henrike Engel ist der zweite Band der Dilogie über zwei junge Frauen, die 1910 in Hamburg leben, lieben, um ihre Rechte kämpfen und Verbrecher jagen. Zunächst möchte ich eine Bemerkung zum Cover machen. Die Cover von Band 1 und 2 sind kaum zu unterscheiden, auf beiden ist dieselbe junge Frau vor dem Hamburg-Panorama zu sehen. Es gibt jedoch zwei Protagonistinnen und einen Protagonisten, weswegen ich nicht verstehe, warum nur eine Frau dargestellt wird. Ella lebt seit einiger Zeit zusammen mit ihrer Freundin Louise und der Mops-Hündin Principessa in Hamburg. Ihr Herz hängt an dem 14jährigen Joshua Weixelbaum, dessen Eltern bei einem Brand umgekommen sind. Nach einem Aufenthalt im Waisenhaus und dem erzwungenen Dasein als Mitglied einer Kinderbande, lebt er bei dem Anwalt Ferdinand Reimers und seiner Frau Ida. Louise führt die Bar Fatal auf St. Pauli. Sie war mit dem Hochstapler Viktor Dumont verheiratet, der sie wenige Monate zuvor verlassen hatte. Viktor wurde gefasst und zum Tode verurteilt, doch er schafft es, seiner Hinrichtung zu entgehen und aus dem Gefängnis auszubrechen. Nun befürchtet die Polizei, dass er bei Louise nach seiner Beute suchen wird. Paul ist in Ella verliebt. Er arbeitet als Türsteher in der Bar Fatal und hat sich endlich dazu entschlossen, eine Prothese für seinen Arm anfertigen zu lassen. Mit Unterstützung seines Bruders will er Hamburgs kriminellem Senator Doktor Gerber das Handwerk legen. Auch sucht er nach den Brandstiftern, die Joshuas Eltern auf dem Gewissen haben. Auch Band 2 habe ich sehr gern gelesen, besonders Ella und ihre Mopshündin habe ich ins Herz geschlossen, wie habe ich um ihr Leben gefürchtet, als sie beim Ermitteln im kriminellem Milieu in große Gefahr gerät. Ich liebe historische Romane über starke Frauen, und die Kaiserzeit sowie die Zeit zwischen und nach den Weltkriegen fasziniert mich ganz besonders. Ella wurde als Kind an ein Bordell verkauft, Louise von einem Hochstapler geheiratet, der sie finanziell ruiniert hatte. Beide Frauen haben es aus eigener Kraft geschafft, sich ein gutes Leben aufzubauen, Ella wird Rechtsanwaltsgehilfin, Louise führt eine Bar und leitet eine Porzellanmanufaktur. Es war interessant zu erfahren, dass es schon 1910 hochwertige Prothesen gab. Das Thema geht mir nahe, da bei meinem Großvater 1942 im Alter von 24 Jahren der Unterschenkel amputiert wurde und er seitdem eine Prothese getragen hatte. Heute hat sich das Leben für uns Frauen zum Besseren gewendet, auch wenn wir nach wie vor nicht gleichberechtigt sind, so schreibt die Autorin im Nachwort: „Es macht mich betroffen, wie wenig sich bei manchen Themen entwickelt hat. Noch immer müssen wir Frauen um das Recht auf Selbstbestimmung kämpfen, noch immer dürfen wir nicht in allen Belangen über unseren eigenen Körper entscheiden. Wir verdienen schlechter, bekommen nicht an unsere weiblichen Körper angepasste Gesundheitsvorsorge und weniger Macht in Politik und Wirtschaft. Gewalt in der Ehe, Femizide, die Last der Care-Arbeit – so viel hat sich in einem Jahrhundert nicht getan, wie nötig wäre, um uns zu gleichberechtigten Partnerinnen der Männer zu machen.“ Ein großartiger, historischer Roman, für den ich sehr gerne fünf Sterne vergebe.
Nov 17, 2025
Elbnächte, Schatten über St. Pauli, von Henrike Engel ist der zweite Band der Dilogie über zwei junge Frauen, die 1910 in Hamburg leben, lieben, um ihre Rechte kämpfen und Verbrecher jagen. Zunächst möchte ich eine Bemerkung zum Cover machen. Die Cover von Band 1 und 2 sind kaum zu unterscheiden, auf beiden ist dieselbe junge Frau vor dem Hamburg-Panorama zu sehen. Es gibt jedoch zwei Protagonistinnen und einen Protagonisten, weswegen ich nicht verstehe, warum nur eine Frau dargestellt wird. Ella lebt seit einiger Zeit zusammen mit ihrer Freundin Louise und der Mops-Hündin Principessa in Hamburg. Ihr Herz hängt an dem 14jährigen Joshua Weixelbaum, dessen Eltern bei einem Brand umgekommen sind. Nach einem Aufenthalt im Waisenhaus und dem erzwungenen Dasein als Mitglied einer Kinderbande, lebt er bei dem Anwalt Ferdinand Reimers und seiner Frau Ida. Louise führt die Bar Fatal auf St. Pauli. Sie war mit dem Hochstapler Viktor Dumont verheiratet, der sie wenige Monate zuvor verlassen hatte. Viktor wurde gefasst und zum Tode verurteilt, doch er schafft es, seiner Hinrichtung zu entgehen und aus dem Gefängnis auszubrechen. Nun befürchtet die Polizei, dass er bei Louise nach seiner Beute suchen wird. Paul ist in Ella verliebt. Er arbeitet als Türsteher in der Bar Fatal und hat sich endlich dazu entschlossen, eine Prothese für seinen Arm anfertigen zu lassen. Mit Unterstützung seines Bruders will er Hamburgs kriminellem Senator Doktor Gerber das Handwerk legen. Auch sucht er nach den Brandstiftern, die Joshuas Eltern auf dem Gewissen haben. Auch Band 2 habe ich sehr gern gelesen, besonders Ella und ihre Mopshündin habe ich ins Herz geschlossen, wie habe ich um ihr Leben gefürchtet, als sie beim Ermitteln im kriminellem Milieu in große Gefahr gerät. Ich liebe historische Romane über starke Frauen, und die Kaiserzeit sowie die Zeit zwischen und nach den Weltkriegen fasziniert mich ganz besonders. Ella wurde als Kind an ein Bordell verkauft, Louise von einem Hochstapler geheiratet, der sie finanziell ruiniert hatte. Beide Frauen haben es aus eigener Kraft geschafft, sich ein gutes Leben aufzubauen, Ella wird Rechtsanwaltsgehilfin, Louise führt eine Bar und leitet eine Porzellanmanufaktur. Es war interessant zu erfahren, dass es schon 1910 hochwertige Prothesen gab. Das Thema geht mir nahe, da bei meinem Großvater 1942 im Alter von 24 Jahren der Unterschenkel amputiert wurde und er seitdem eine Prothese getragen hatte. Heute hat sich das Leben für uns Frauen zum Besseren gewendet, auch wenn wir nach wie vor nicht gleichberechtigt sind, so schreibt die Autorin im Nachwort: „Es macht mich betroffen, wie wenig sich bei manchen Themen entwickelt hat. Noch immer müssen wir Frauen um das Recht auf Selbstbestimmung kämpfen, noch immer dürfen wir nicht in allen Belangen über unseren eigenen Körper entscheiden. Wir verdienen schlechter, bekommen nicht an unsere weiblichen Körper angepasste Gesundheitsvorsorge und weniger Macht in Politik und Wirtschaft. Gewalt in der Ehe, Femizide, die Last der Care-Arbeit – so viel hat sich in einem Jahrhundert nicht getan, wie nötig wäre, um uns zu gleichberechtigten Partnerinnen der Männer zu machen.“ Ein großartiger, historischer Roman, für den ich sehr gerne fünf Sterne vergebe.
Nov 17, 2025







