Wie Einstein und Kafka eine neue Welt erschufen. 1911/12: In einem literarischen Salon in Prag trifft ein frustrierter Patentprüfer auf einen ehrgeizigen Versicherungsangestellten – und die Welt wird fortan eine andere sein. Der eine ist Albert Einstein: bankrotter Familienvater Anfang dreißig, der seine Lieben nach Prag mitschleppte, weil er in der Schweiz nicht mal einen Job als Lehrer fand. Hier will er seinen wissenschaftlichen Ruf wiederherstellen – und seine Ehe retten. Der andere ist Franz Kafka: Vegetarier, der mit düsterer Verve Berufsunfallversicherungen verkauft, vor Sonnenaufgang Bahnen schwimmt und noch bei seinen Eltern wohnt. Einstein ist noch nicht »Einstein«, Kafka noch nicht »Kafka«. Und doch nimmt alles genau hier seinen unglaublichen Anfang. Denn während Kafka sich daranmacht, den Menschen erstmals in seiner gänzlich rätselhaften Verlorenheit zu porträtieren, beginnt
Einstein gleich, das ganze Universum zu entschlüsseln.
Ein super toll gestaltetes Buch, welches Einblicke in einen kurzen, aber sehr wichtigen und intensiven Zeitraum im Leben Albert Einsteins verschafft. Ich hatte ein bisschen mehr Kafka erwartet, insgesamt war es aber eine echt gut aufbereitete Abhandlung. In jedem Fall unterhaltsam.
Jun 28, 2025
4.5
Ein super toll gestaltetes Buch, welches Einblicke in einen kurzen, aber sehr wichtigen und intensiven Zeitraum im Leben Albert Einsteins verschafft. Ich hatte ein bisschen mehr Kafka erwartet, insgesamt war es aber eine echt gut aufbereitete Abhandlung. In jedem Fall unterhaltsam.
' Der Leser sollte nicht nur Zeuge der Geschichte sein, er muss daran teilnehmen.'
Kafka, Seite 41
Wenn ich Bücher über Mathematiker:innen oder Physiker:innen lese, übt das immer eine Faszination auf mich aus. Obwohl ich in der Schule ab der Oberstufe genau bei diesen Fächern abgeschaltet habe. Trotzdem kann ich nachvollziehen, wie befriedigend es sein muss, Formeln zu ertüfteln, Lösungen zu finden und die Wege dorthin zu diskutieren.
Albert Einstein war für mich so ein Mensch. Ein Mensch, der seine Erfüllung im Denken gefunden hat. Kafka war dies gleichermaßen, nur eben auf einem anderen Gebiet. In Kafka im Einsteinland kreuzen sich die Wege dieser beiden Persönlichkeiten für kurze Zeit in Prag. Ken Krimstein schafft eine Verbindung die geheimnisvoll und bahnbrechend gleichermaßen ist. Seine Zeichnungen sind eindringlich, lassen dennoch auch Raum für Interpretationen. Eine Graphic Novel, die ich in einem Rutsch gelesen habe, obwohl sie viele Fragen aufwarf. Im Nachhinein habe ich viele Personen gegoogelt und werde das Buch nun gespickt mit neuem Wissen noch einmal lesen.
Eine spannende Begegnung, Dialoge, die den Geist anregen und überall diese schnellen Striche. Ein inspirierender Stil, den ich sehr mag.
Mar 20, 2025
5.0
Kafka meets Einstein
' Der Leser sollte nicht nur Zeuge der Geschichte sein, er muss daran teilnehmen.'
Kafka, Seite 41
Wenn ich Bücher über Mathematiker:innen oder Physiker:innen lese, übt das immer eine Faszination auf mich aus. Obwohl ich in der Schule ab der Oberstufe genau bei diesen Fächern abgeschaltet habe. Trotzdem kann ich nachvollziehen, wie befriedigend es sein muss, Formeln zu ertüfteln, Lösungen zu finden und die Wege dorthin zu diskutieren.
Albert Einstein war für mich so ein Mensch. Ein Mensch, der seine Erfüllung im Denken gefunden hat. Kafka war dies gleichermaßen, nur eben auf einem anderen Gebiet. In Kafka im Einsteinland kreuzen sich die Wege dieser beiden Persönlichkeiten für kurze Zeit in Prag. Ken Krimstein schafft eine Verbindung die geheimnisvoll und bahnbrechend gleichermaßen ist. Seine Zeichnungen sind eindringlich, lassen dennoch auch Raum für Interpretationen. Eine Graphic Novel, die ich in einem Rutsch gelesen habe, obwohl sie viele Fragen aufwarf. Im Nachhinein habe ich viele Personen gegoogelt und werde das Buch nun gespickt mit neuem Wissen noch einmal lesen.
Eine spannende Begegnung, Dialoge, die den Geist anregen und überall diese schnellen Striche. Ein inspirierender Stil, den ich sehr mag.
Was passiert, wenn man den wohl berühmtesten Physiker der Geschichte mit einem der rätselhaftesten Schriftsteller in einer Graphic Novel aufeinandertreffen lässt? „Einstein in Kafkaland“ gibt darauf eine ebenso unterhaltsame wie kunstvoll absurde Antwort. Ken Krimstein, Cartoonist für den New Yorker, erschafft ein surreal-bildgewaltiges Szenario, das zwischen dokumentarischer Akribie und fantastischem Erzählen pendelt – und dabei immer wieder zum Staunen und Schmunzeln einlädt.
Die Ausgangslage ist historisch belegt: 1911 begegneten sich Albert Einstein und Franz Kafka in Prag. Ob sie mehr als einen Vortrag teilten, ist unklar. Krimstein macht daraus die Geschichte einer imaginären Freundschaft zwischen einem „frustrierten Patentprüfer“ und einem „ehrgeizigen Versicherungsfachmann“. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive eines sarkastischen Skeletts – jenes, das an der berühmten astronomischen Uhr am Prager Rathaus angebracht ist. Ein erzählerischer Kniff, der perfekt zur traumartigen Atmosphäre des Buches passt.
Krimstein greift zahlreiche Motive aus Alice im Wunderland auf – eine Welt, in der Logik ständig auf den Kopf gestellt wird, Gedanken Umwege nehmen und Realität nur ein Vorschlag ist. Genau das trifft auch auf seine Illustrationen zu: kantig, skizzenhaft, überdreht – und gleichzeitig voller Nuancen. Die Zeichnungen wirken manchmal roh, fast gehetzt, doch nie zufällig. Sie verlangen einen zweiten Blick – und lohnen ihn mit liebevollen Details, feinem Humor und visuellen Hintersinn.
Inhaltlich bewegt sich die Graphic Novel zwischen biografischer Skizze, politischem Porträt und intellektuellem Spiel. Der junge Einstein ringt mit seiner Theorie, kämpft gegen Widerstände und Armut – und trifft auf Kafka, der seinerseits mit Existenzängsten, Behördenirrsinn und sich selbst kämpft. Ihre Dialoge sind klug, manchmal melancholisch, oft witzig. Und sie regen zum Denken an, ohne belehrend zu sein.
Was ist Fakt, was Fiktion? Diese Frage stellt sich beim Lesen ständig – und wird doch bald nebensächlich. Denn „Einstein in Kafkaland“ will nicht belehren, sondern begeistern. Wer nach einer wissenschaftlich exakten Darstellung der Relativitätstheorie sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch offen ist für ein verspieltes, geistreiches, philosophisch angehauchtes Leseerlebnis, wird es verschlingen.
Krimstein gelingt das Kunststück, Geschichte, Wissenschaft und Literatur in einem einzigen, wuchernden Erzähluniversum zu verweben. Und er tut das mit einem Humor, der feinsinnig und respektvoll bleibt – selbst gegenüber Größen wie Einstein und Kafka.
„Einstein in Kafkaland“ ist keine gewöhnliche Graphic Novel – sie ist ein kleines Kunstwerk, das ebenso viel Freude macht wie es Fragen aufwirft. Wer Kafka liebt, wer sich für Einstein interessiert, wer Alice im Wunderland zu schätzen weiß oder einfach Lust auf eine außergewöhnliche literarische Erfahrung hat, sollte dieses Buch lesen. Oder besser: erleben!
Aus dem Amerikanischen von Nadine Püschel.
Jul 4, 2025
Was passiert, wenn man den wohl berühmtesten Physiker der Geschichte mit einem der rätselhaftesten Schriftsteller in einer Graphic Novel aufeinandertreffen lässt? „Einstein in Kafkaland“ gibt darauf eine ebenso unterhaltsame wie kunstvoll absurde Antwort. Ken Krimstein, Cartoonist für den New Yorker, erschafft ein surreal-bildgewaltiges Szenario, das zwischen dokumentarischer Akribie und fantastischem Erzählen pendelt – und dabei immer wieder zum Staunen und Schmunzeln einlädt.
Die Ausgangslage ist historisch belegt: 1911 begegneten sich Albert Einstein und Franz Kafka in Prag. Ob sie mehr als einen Vortrag teilten, ist unklar. Krimstein macht daraus die Geschichte einer imaginären Freundschaft zwischen einem „frustrierten Patentprüfer“ und einem „ehrgeizigen Versicherungsfachmann“. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive eines sarkastischen Skeletts – jenes, das an der berühmten astronomischen Uhr am Prager Rathaus angebracht ist. Ein erzählerischer Kniff, der perfekt zur traumartigen Atmosphäre des Buches passt.
Krimstein greift zahlreiche Motive aus Alice im Wunderland auf – eine Welt, in der Logik ständig auf den Kopf gestellt wird, Gedanken Umwege nehmen und Realität nur ein Vorschlag ist. Genau das trifft auch auf seine Illustrationen zu: kantig, skizzenhaft, überdreht – und gleichzeitig voller Nuancen. Die Zeichnungen wirken manchmal roh, fast gehetzt, doch nie zufällig. Sie verlangen einen zweiten Blick – und lohnen ihn mit liebevollen Details, feinem Humor und visuellen Hintersinn.
Inhaltlich bewegt sich die Graphic Novel zwischen biografischer Skizze, politischem Porträt und intellektuellem Spiel. Der junge Einstein ringt mit seiner Theorie, kämpft gegen Widerstände und Armut – und trifft auf Kafka, der seinerseits mit Existenzängsten, Behördenirrsinn und sich selbst kämpft. Ihre Dialoge sind klug, manchmal melancholisch, oft witzig. Und sie regen zum Denken an, ohne belehrend zu sein.
Was ist Fakt, was Fiktion? Diese Frage stellt sich beim Lesen ständig – und wird doch bald nebensächlich. Denn „Einstein in Kafkaland“ will nicht belehren, sondern begeistern. Wer nach einer wissenschaftlich exakten Darstellung der Relativitätstheorie sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch offen ist für ein verspieltes, geistreiches, philosophisch angehauchtes Leseerlebnis, wird es verschlingen.
Krimstein gelingt das Kunststück, Geschichte, Wissenschaft und Literatur in einem einzigen, wuchernden Erzähluniversum zu verweben. Und er tut das mit einem Humor, der feinsinnig und respektvoll bleibt – selbst gegenüber Größen wie Einstein und Kafka.
„Einstein in Kafkaland“ ist keine gewöhnliche Graphic Novel – sie ist ein kleines Kunstwerk, das ebenso viel Freude macht wie es Fragen aufwirft. Wer Kafka liebt, wer sich für Einstein interessiert, wer Alice im Wunderland zu schätzen weiß oder einfach Lust auf eine außergewöhnliche literarische Erfahrung hat, sollte dieses Buch lesen. Oder besser: erleben!
Aus dem Amerikanischen von Nadine Püschel.
Jul 4, 2025
3 of 6 reviews
Author
About Ken Krimstein
Ken Krimsteins Cartoons erscheinen im New Yorker, in Punch und dem Wall Street Journal. Seine Graphic Novel »Die drei Leben der Hannah Arendt« avancierte in Deutschland zum Bestseller und wurde in 9 Sprachen übersetzt. Ken Krimstein lebt in New York.