Ein Sommerabend
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Description
An einem heißen Sommertag in Paris treffen sich zwei Paare, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Was nach einer harmlosen Essenseinladung klingt, entpuppt sich als eine aufwendige Maskerade, bei der alle versuchen, den Schein zu wahren, um ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen.
Gastgeber Étienne will Johar, die Frau seines Freundes Rémi, dazu bringen, seiner Anwaltskanzlei ein wichtiges Mandat zu verschaffen. Die jedoch hat ganz andere Sorgen und ist vollkommen mit ihren eigenen Karriereperspektiven beschäftigt, eine Entscheidung muss genau an diesem Abend gefällt werden. Unterdessen gelingt es Rémi zusehends schlechter, ein bislang wohlgehütetes Geheimnis zu bewahren. Und Claudia, die gesellschaftliche Anlässe gern meidet, setzt zu Beginn alles daran, für ihren Lebensgefährten Étienne einen gelungenen Abend vorzubereiten, überdenkt ihre Rolle als Gastgeberin und Frau aber bald vollkommen neu. Am Ende verläuft nichts wie geplant, und das Kartenhaus gerät gefährlich ins Wanken.
Book Information
Author Description
Cécile Tlili hat in Paris Ingenieurwesen studiert. Sie ist Mitbegründerin einer alternativen Schule für neuro-atypische Kinder. Ein Sommerabend ist ihr erster Roman. Er wurde für zahlreiche Preise nominiert und mit dem Prix Littéraire Gisèle Halimi ausgezeichnet. Cécile Tlili lebt in Paris.
Posts
Das perfekte Buch für einen Sommerabend
Es gibt Tage, an denen wacht man morgens in einer Welt auf, die am Abend eine ganz andere ist. Manchmal hängen die Parameter von einem selber ab. Manchmal liefern andere die Gründe. Ein Sommerabend in einer Wohnung am Boulevard Raspail und 4 Protagonist*innen stehen in diesem Kammerspiel auf der Bühne. Étienne, Sohn, wohlhabender Eltern, gut aussehend und erfolgreich steckt in Schwierigkeiten. Seine Kanzlei läuft nicht mehr so gut, und er braucht Protektion von Johar, einer erfolgreichen Managerin, die gleichzeitig die Frau seines besten Freundes Rémi ist. Also lädt er beide zum Essen ein, dass seine etwas unscheinbare und sehr introvertierte Freundin Claudia zubereiten wird. Es entspinnt sich ein Abend, in dem alle versuchen, ein Dinner hinter sich zu bringen und jeder mit unterschiedlichen Problemen kämpft. Die Beziehungen, die sich zur jeweils anderen Figur gestaltet, gilt, es zu entschlüsseln. Dabei wechseln wir die Positionen und lehnen uns am besten mit einer großen Tüte Popcorn zurück, um die Entwicklungen zu genießen. Man ahnt zwar schon, dass am Ende des Abends Risse tiefer und Gräben unüberwindbarer sein werden, doch der Weg ist hier, wie so oft das Ziel. Tlili bringt ganz geschickt viele Themen auf den Tisch. Die Fragilität von Männern z.B., die mit beiden Beinen im Leben zu stehen scheinen und trotzdem mit ihrem Ego hadern. Dem gegenüber steht das Verlangen nach Familie auf unterschiedlichste Weise. Auch der Gap zwischen Karriere und der Suche nach sich selbst findet seinen Platz, genauso wie die allgegenwärtigen Themen Klassismus und Rassismus. Ich finde es sehr gut, dass die Autorin sich entschieden hat, dabei nicht im Klischee verhaftet zu bleiben. Jede Figur wirkt am Anfang eher befremdlich, wenn nicht sogar unsympathisch, doch kann man sich gut in ihre Lage hinein fühlen. Am Ende habe ich für jeden eine gewisse Empathie entwickelt. Die Autorin hat die große Gabe mit wenigen Worten vielschichtige Persönlichkeiten zu gestalten. Den sinnlichen Rahmen den Tlili gewählt macht das Lesevergnügen zu einem wahren Genuss. Die Zubereitung und der Verzehr der Köstlichkeiten, lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Das Mahl bekommt zwar nicht so einen exponierten Platz, wie in Teresa Präauers „Kochen im falschen Jahrhundert“, doch fühlte ich mich das Öfteren an diesen Roman erinnert. Wie ein Film lief das Wechselspiel von Dialogen und Gefühlen vor mir ab. Ich hab das Buch verschlungen und bin überrascht, wie gut und anspruchsvoll mich dieses Debüt unterhalten hat. Ich empfehle es allen, die auf der Suche nach einem schnellen aber reichhaltigen, literarischen Kick sind und ein gutes Essen niemals ablehnen würden.
Cécile Tlili entfaltet in ihrem beeindruckenden Debütroman „Ein Sommerabend“ eine dichte und hochspannende Atmosphäre, die einen simplen Abend unter Freunden in ein tiefgründiges Kammerspiel über Sehnsüchte, Konflikte und soziale Maskerade verwandelt. Auf knapp 200 Seiten schärft Tlili den Blick für die feinen Nuancen und unausgesprochenen Spannungen zwischen vier Menschen, die mehr verbindet, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Die Handlung des Romans konzentriert sich auf ein Abendessen in Paris, zu dem Étienne seine Frau Claudia sowie seinen alten Freund Rémi und dessen Frau Johar eingeladen hat. Was wie eine gewöhnliche Einladung wirkt, entpuppt sich bald als Bühne für unterschwellige Machtspiele und persönliche Ambitionen. Étienne, dessen Karriere in der Krise steckt, sieht in Johar, einer aufstrebenden Kraft in der Tech-Industrie, die Chance auf einen beruflichen Neustart. Seine Frau Claudia hingegen, die in ihrer Rolle als Hausfrau und Gastgeberin gefangen ist, wird nicht nur zur stillen Zeugin seines Ehrgeizes, sondern auch zur Verkörperung von Unsicherheit und dem sozialen Druck, Erwartungen zu erfüllen. Während Claudia und Rémi beide mit der Diskrepanz zwischen ihren eigenen Lebensentscheidungen und den Erfolgen ihrer Partner kämpfen, ist Johar entschlossen, sich nicht mehr den Erwartungen anderer zu beugen. Tlili gelingt es meisterhaft, die Dynamik der Beziehungen und das feine Geflecht aus Konkurrenz, Neid und unerfüllten Erwartungen offenzulegen. Die Figuren werden abwechselnd beleuchtet, und durch die wechselnden Perspektiven eröffnet sich ein immer komplexeres Bild ihrer Wünsche, Ängste und der inneren Konflikte. Besonders die Frauenfiguren stechen hervor: Claudia, die sich in den traditionellen Rollen der Gesellschaft gefangen sieht, und Johar, die als Frau in einer männerdominierten Branche erfolgreich ist, aber dafür persönliche Opfer bringt. Die Auseinandersetzung der beiden Frauen mit ihrer Identität und ihren Ambitionen spiegelt die Fragilität moderner Geschlechterrollen und bringt auf subtile Weise die Unterschiede zwischen äußerer Fassade und innerem Bedürfnis zum Ausdruck. Der Roman, der mit jedem Dialog und jeder kleinen Geste an Spannung gewinnt, führt die Figuren bis an die Grenze des emotional Erträglichen. Ohne dabei ins Klischee abzudriften, erfasst Tlili die emotionalen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die den Abend unausweichlich eskalieren lassen. Als Leser*in wird man in das Geschehen hineingezogen, spürt die unterdrückten Konflikte und die Momente der Selbsterkenntnis der Figuren so hautnah, als säße man selbst mit am Tisch. „Ein Sommerabend“ ist ein faszinierender und kluger Debütroman, der in seinem intimen Setting große Fragen über Identität, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen verhandelt. Tlilis präzise Sprache und die Feinfühligkeit, mit der sie ihre Figuren zeichnet, machen das Buch zu einer wahren literarischen Entdeckung! Aus dem Französischen von Norma Cassau.

Sehr lesenswert!
Der Sommer ist passé - schade. Immerhin: Die wunderbare Geschichte von Cécile Tlili lässt die Sommergefühle nochmals aufleben und bringt ein bisschen Wärme ins noch ungeheizte Wohnzimmer. Ein Spätsommerabend in Paris, vier mehr oder weniger erfolgreiche und ambitionierte Menschen, zwei Paare, die zum Essen verabredet sind, viel Hitze und weniger Wärme und für uns Lesende: grossartige Unterhaltung: der Autorin gelingt es hervorragend, die vier Charaktere zu präsentieren und deren wahres Ich hinter der Maske und Schminke zum Vorschein zu bringen... Am Ende ist alles anders, als es zu Beginn zu sein schien. Sehr unterhaltsam, eine Freude! 👍👍👍👍
Vielschichtig und gut!!!
Dieser Roman trifft ins Schwarze und hat mir richtig gut gefallen. Auf nicht einmal 200 Seiten schreibt uns die Autorin mitten hinein in diesen einen Abend, an dem sich zwei Paare zum essen treffen. Klingt erstmal unspektakulär. Doch in dem tollen Zusammenspiel treffender Dialoge und dem Einblick in die Gedankenwelt der vier "Freunde" merken wir schnell, das Oberflächlichkeit, Missgunst, Abwertung und das widerliche Buhlen um einen geschäftlichen Gefallen die wahren Treiber dieses Treffens sind. Und so wird aus einem Abendessen in einer chicen Pariser Luxuswohnung ein Schauspiel mit (un)gewissem Ausgang.
Lebst du wirklich das Leben, was du willst?
An einem heißen Sommerabend in Paris treffen sich zwei Paare zum Abendessen. Alle vier Personen haben nur Blick für sich, da sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Schnell wird klar, dass der Abend nicht so enden wird, wie man sich einen entspannten Sommerabend vorstellt. Gastgeber Étienne versucht bei Johar, die Frau seines Freundes Rémi - der seine Frau betrügt - , eine Zusammenarbeit zu erwirken, da sein Geschäft gerade gar nicht gut läuft. Johar hat darauf wenig Lust, hat für ihren Job in den letzten Jahren alles getan und merkt, wie leer sie eigentlich ist. Und nun muss sie heute entscheiden ob sie das neue Jobangebot als CEO annimmt. Die Frau von Étienne, Claudia, ist eine Person, die noch nie sichtbar war. Sie sieht sich selbst nicht, ist froh um die Beziehung und Aufmerksamkeit von Étienne, aber leidet gleichzeitig darunter sehr stark. Und jetzt ist sie schwanger. Wie wird dieser Abend wohl ausgehen? „Was sie so oft gehört hatte, würde sie jetzt gerne geschehen lassen. Verblassen, verschwinden.“ Ein recht kurzweiliges Buch mit verdammt viel Inhalt. Wie man in der Beschreibung lesen kann, kommt an diesem Sommerabend sehr viel hoch. Das Buch ist voller Gefühle. Verletzung, Wut, Hass, Stärke, Liebe, Scham, Demut, Angst, Mut. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, da es gut zu lesen war. Mir waren es fast ein wenig zu viele Themen in der Kürze der Seiten, aber es zeigt deutlich, wie oft Menschen ein Leben leben, in dem sie weder zufrieden noch glücklich sind. Oft ist man froh, dass man nicht alleine ist, strebt nach irgendwelchen Träumen, die einem vorgelebt worden anstelle das Leben zu führen, was man selbst wirklich möchte. An diesem einen Sommerabend bricht für jede der Personen etwas weg und sie sind gezwungen auf sich zu schauen - was sie wirklich wollen und wer sie sind.
2 Paare und ein gemeinsames zwangloses Abendessen an einem schönen Sommerabend. Klingt gut oder? Es entwickelt sich aber nach und nach zu einem Desaster, denn jede der 4 Personen hat an diesem Abend eigene Probleme und/oder verfolgt mit dem Essen eigene Ziele. In einer Art Kammerspiel baut die Autorin hier ganz gezielt eine Spannung auf und am Ende des Abends ist nichts mehr, wie es zu Beginn war. Hat mit sehr gut gefallen und war an einem Abend durchgelesen
Ein Abendessen an einem heißen Sommertag in Paris. Zwei mehr oder weniger miteinander befreundete Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Scheinbar ein harmloser Abend zu viert, doch hinter der Fassade verbergen alle ein Geheimnis. Es ist ein kurzer Roman, der aber von Anfang bis zum Ende sehr gut geschrieben ist. Ich konnte mich sofort in die Situation hineinversetzen. Die aufgesetzte Harmonie zu Beginn, die immer mehr in der Geschichte bröckelt und am Ende ganz zusammenfällt. Die anfänglichen Bemühungen, einen schönen Abend mit Freunden zu verbringen und den Schein zu wahren. Die Gedanken aller anwesenden Personen, die mit ihren ganz eigenen Problemen und inneren Konflikten beschäftigt sind. Auf jeder Buchseite ist eine gewisse Spannung innerhalb der Gruppe spürbar. Die Kapitel sind kurz und man bekommt Einblicke in jede Figur und ihre Sorgen sowie Sichtweisen auf die anderen. Hierdurch wirkt die Geschichte fast wie ein permanenter Schlagabtausch. Ich hätte mir sogar noch ein paar Seiten mehr gewünscht, sodass sich die Situation noch mehr zuspitzen kann. Dennoch ist es eine wunderbare und kurzweilige Sommerlektüre, die ich nur empfehlen kann.
Überraschend böse!
Der Einstieg fiel mir etwas schwer, da die Charaktere zunächst etwas farblos erscheinen. Ich konnte sie deshalb anfangs schwer auseinanderhalten. Spätestens nach der Hälfte des Buches war das aber kein Thema mehr. Die Ereignisse überschlagen sich und man kommt kaum zum Luftholen. Ich konnte es dann nicht mehr weglegen. Überraschend böse und unterhaltsam!
Es ist Sommer, die Stadt ist aufgeheizt und Étienne hat Johar und Rémi zu sich zu einem Abendessen eingeladen. Claudia, seine Freundin, wollte das ursprünglich nicht, bereitet jetzt aber ein Essen zu, für das sie stundenlang in der Küche steht. Schnell kristallisiert sich heraus, dass es nicht um ein gemütliches Essen mit Freunden geht. Étienne möchte mit Johar über eine wichtige berufliche Angelegenheit sprechen und Johar muss just an diesem Abend eine wichtige berufliche Entscheidung treffen. Auch ihr Mann Rémi, der nach außen ganz entspannt wirkt, ist dabei, eine private Entscheidung zu treffen. Und Claudia, eine ganz ruhige Person, kämpft nicht nur mit einer wichtigen Entscheidung, sondern erleidet an diesem Abend einen fürchterlichen Verlust. All das spielt sich hauptsächlich in den Köpfen der vier Personen ab und entwickelt sich in den Handlungen erst sehr langsam. Ein gelungenes Kammerspiel und ein Einblick nicht nur in die Gedanken der vier Protagonist*innen, sondern auch ein Spaziergang durch die französische Gesellschaft. Ein gelungenes Debüt von Cécile Tlili!
Perfekte Sommerlektüre! An einem heißen Sommerabend in Paris eskaliert ein gemeinsames Abendessen zwischen zwei mehr oder weniger befreundeten Paaren. Auffliegende Affären und wackelige Geschäftsbeziehungen sorgen dabei neben dem aufgetischten Hähnchen-Curry für viel Schärfe am Esstisch. Ein Sommerabend ist literarisch und sehr französisch. Hat mich persönlich so ein wenig an "Feuer" von Maria Pourchet und "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza erinnert.
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An einem heißen Sommertag in Paris treffen sich zwei Paare, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Was nach einer harmlosen Essenseinladung klingt, entpuppt sich als eine aufwendige Maskerade, bei der alle versuchen, den Schein zu wahren, um ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen.
Gastgeber Étienne will Johar, die Frau seines Freundes Rémi, dazu bringen, seiner Anwaltskanzlei ein wichtiges Mandat zu verschaffen. Die jedoch hat ganz andere Sorgen und ist vollkommen mit ihren eigenen Karriereperspektiven beschäftigt, eine Entscheidung muss genau an diesem Abend gefällt werden. Unterdessen gelingt es Rémi zusehends schlechter, ein bislang wohlgehütetes Geheimnis zu bewahren. Und Claudia, die gesellschaftliche Anlässe gern meidet, setzt zu Beginn alles daran, für ihren Lebensgefährten Étienne einen gelungenen Abend vorzubereiten, überdenkt ihre Rolle als Gastgeberin und Frau aber bald vollkommen neu. Am Ende verläuft nichts wie geplant, und das Kartenhaus gerät gefährlich ins Wanken.
Book Information
Author Description
Cécile Tlili hat in Paris Ingenieurwesen studiert. Sie ist Mitbegründerin einer alternativen Schule für neuro-atypische Kinder. Ein Sommerabend ist ihr erster Roman. Er wurde für zahlreiche Preise nominiert und mit dem Prix Littéraire Gisèle Halimi ausgezeichnet. Cécile Tlili lebt in Paris.
Posts
Das perfekte Buch für einen Sommerabend
Es gibt Tage, an denen wacht man morgens in einer Welt auf, die am Abend eine ganz andere ist. Manchmal hängen die Parameter von einem selber ab. Manchmal liefern andere die Gründe. Ein Sommerabend in einer Wohnung am Boulevard Raspail und 4 Protagonist*innen stehen in diesem Kammerspiel auf der Bühne. Étienne, Sohn, wohlhabender Eltern, gut aussehend und erfolgreich steckt in Schwierigkeiten. Seine Kanzlei läuft nicht mehr so gut, und er braucht Protektion von Johar, einer erfolgreichen Managerin, die gleichzeitig die Frau seines besten Freundes Rémi ist. Also lädt er beide zum Essen ein, dass seine etwas unscheinbare und sehr introvertierte Freundin Claudia zubereiten wird. Es entspinnt sich ein Abend, in dem alle versuchen, ein Dinner hinter sich zu bringen und jeder mit unterschiedlichen Problemen kämpft. Die Beziehungen, die sich zur jeweils anderen Figur gestaltet, gilt, es zu entschlüsseln. Dabei wechseln wir die Positionen und lehnen uns am besten mit einer großen Tüte Popcorn zurück, um die Entwicklungen zu genießen. Man ahnt zwar schon, dass am Ende des Abends Risse tiefer und Gräben unüberwindbarer sein werden, doch der Weg ist hier, wie so oft das Ziel. Tlili bringt ganz geschickt viele Themen auf den Tisch. Die Fragilität von Männern z.B., die mit beiden Beinen im Leben zu stehen scheinen und trotzdem mit ihrem Ego hadern. Dem gegenüber steht das Verlangen nach Familie auf unterschiedlichste Weise. Auch der Gap zwischen Karriere und der Suche nach sich selbst findet seinen Platz, genauso wie die allgegenwärtigen Themen Klassismus und Rassismus. Ich finde es sehr gut, dass die Autorin sich entschieden hat, dabei nicht im Klischee verhaftet zu bleiben. Jede Figur wirkt am Anfang eher befremdlich, wenn nicht sogar unsympathisch, doch kann man sich gut in ihre Lage hinein fühlen. Am Ende habe ich für jeden eine gewisse Empathie entwickelt. Die Autorin hat die große Gabe mit wenigen Worten vielschichtige Persönlichkeiten zu gestalten. Den sinnlichen Rahmen den Tlili gewählt macht das Lesevergnügen zu einem wahren Genuss. Die Zubereitung und der Verzehr der Köstlichkeiten, lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Das Mahl bekommt zwar nicht so einen exponierten Platz, wie in Teresa Präauers „Kochen im falschen Jahrhundert“, doch fühlte ich mich das Öfteren an diesen Roman erinnert. Wie ein Film lief das Wechselspiel von Dialogen und Gefühlen vor mir ab. Ich hab das Buch verschlungen und bin überrascht, wie gut und anspruchsvoll mich dieses Debüt unterhalten hat. Ich empfehle es allen, die auf der Suche nach einem schnellen aber reichhaltigen, literarischen Kick sind und ein gutes Essen niemals ablehnen würden.
Cécile Tlili entfaltet in ihrem beeindruckenden Debütroman „Ein Sommerabend“ eine dichte und hochspannende Atmosphäre, die einen simplen Abend unter Freunden in ein tiefgründiges Kammerspiel über Sehnsüchte, Konflikte und soziale Maskerade verwandelt. Auf knapp 200 Seiten schärft Tlili den Blick für die feinen Nuancen und unausgesprochenen Spannungen zwischen vier Menschen, die mehr verbindet, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Die Handlung des Romans konzentriert sich auf ein Abendessen in Paris, zu dem Étienne seine Frau Claudia sowie seinen alten Freund Rémi und dessen Frau Johar eingeladen hat. Was wie eine gewöhnliche Einladung wirkt, entpuppt sich bald als Bühne für unterschwellige Machtspiele und persönliche Ambitionen. Étienne, dessen Karriere in der Krise steckt, sieht in Johar, einer aufstrebenden Kraft in der Tech-Industrie, die Chance auf einen beruflichen Neustart. Seine Frau Claudia hingegen, die in ihrer Rolle als Hausfrau und Gastgeberin gefangen ist, wird nicht nur zur stillen Zeugin seines Ehrgeizes, sondern auch zur Verkörperung von Unsicherheit und dem sozialen Druck, Erwartungen zu erfüllen. Während Claudia und Rémi beide mit der Diskrepanz zwischen ihren eigenen Lebensentscheidungen und den Erfolgen ihrer Partner kämpfen, ist Johar entschlossen, sich nicht mehr den Erwartungen anderer zu beugen. Tlili gelingt es meisterhaft, die Dynamik der Beziehungen und das feine Geflecht aus Konkurrenz, Neid und unerfüllten Erwartungen offenzulegen. Die Figuren werden abwechselnd beleuchtet, und durch die wechselnden Perspektiven eröffnet sich ein immer komplexeres Bild ihrer Wünsche, Ängste und der inneren Konflikte. Besonders die Frauenfiguren stechen hervor: Claudia, die sich in den traditionellen Rollen der Gesellschaft gefangen sieht, und Johar, die als Frau in einer männerdominierten Branche erfolgreich ist, aber dafür persönliche Opfer bringt. Die Auseinandersetzung der beiden Frauen mit ihrer Identität und ihren Ambitionen spiegelt die Fragilität moderner Geschlechterrollen und bringt auf subtile Weise die Unterschiede zwischen äußerer Fassade und innerem Bedürfnis zum Ausdruck. Der Roman, der mit jedem Dialog und jeder kleinen Geste an Spannung gewinnt, führt die Figuren bis an die Grenze des emotional Erträglichen. Ohne dabei ins Klischee abzudriften, erfasst Tlili die emotionalen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die den Abend unausweichlich eskalieren lassen. Als Leser*in wird man in das Geschehen hineingezogen, spürt die unterdrückten Konflikte und die Momente der Selbsterkenntnis der Figuren so hautnah, als säße man selbst mit am Tisch. „Ein Sommerabend“ ist ein faszinierender und kluger Debütroman, der in seinem intimen Setting große Fragen über Identität, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen verhandelt. Tlilis präzise Sprache und die Feinfühligkeit, mit der sie ihre Figuren zeichnet, machen das Buch zu einer wahren literarischen Entdeckung! Aus dem Französischen von Norma Cassau.

Sehr lesenswert!
Der Sommer ist passé - schade. Immerhin: Die wunderbare Geschichte von Cécile Tlili lässt die Sommergefühle nochmals aufleben und bringt ein bisschen Wärme ins noch ungeheizte Wohnzimmer. Ein Spätsommerabend in Paris, vier mehr oder weniger erfolgreiche und ambitionierte Menschen, zwei Paare, die zum Essen verabredet sind, viel Hitze und weniger Wärme und für uns Lesende: grossartige Unterhaltung: der Autorin gelingt es hervorragend, die vier Charaktere zu präsentieren und deren wahres Ich hinter der Maske und Schminke zum Vorschein zu bringen... Am Ende ist alles anders, als es zu Beginn zu sein schien. Sehr unterhaltsam, eine Freude! 👍👍👍👍
Vielschichtig und gut!!!
Dieser Roman trifft ins Schwarze und hat mir richtig gut gefallen. Auf nicht einmal 200 Seiten schreibt uns die Autorin mitten hinein in diesen einen Abend, an dem sich zwei Paare zum essen treffen. Klingt erstmal unspektakulär. Doch in dem tollen Zusammenspiel treffender Dialoge und dem Einblick in die Gedankenwelt der vier "Freunde" merken wir schnell, das Oberflächlichkeit, Missgunst, Abwertung und das widerliche Buhlen um einen geschäftlichen Gefallen die wahren Treiber dieses Treffens sind. Und so wird aus einem Abendessen in einer chicen Pariser Luxuswohnung ein Schauspiel mit (un)gewissem Ausgang.
Lebst du wirklich das Leben, was du willst?
An einem heißen Sommerabend in Paris treffen sich zwei Paare zum Abendessen. Alle vier Personen haben nur Blick für sich, da sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Schnell wird klar, dass der Abend nicht so enden wird, wie man sich einen entspannten Sommerabend vorstellt. Gastgeber Étienne versucht bei Johar, die Frau seines Freundes Rémi - der seine Frau betrügt - , eine Zusammenarbeit zu erwirken, da sein Geschäft gerade gar nicht gut läuft. Johar hat darauf wenig Lust, hat für ihren Job in den letzten Jahren alles getan und merkt, wie leer sie eigentlich ist. Und nun muss sie heute entscheiden ob sie das neue Jobangebot als CEO annimmt. Die Frau von Étienne, Claudia, ist eine Person, die noch nie sichtbar war. Sie sieht sich selbst nicht, ist froh um die Beziehung und Aufmerksamkeit von Étienne, aber leidet gleichzeitig darunter sehr stark. Und jetzt ist sie schwanger. Wie wird dieser Abend wohl ausgehen? „Was sie so oft gehört hatte, würde sie jetzt gerne geschehen lassen. Verblassen, verschwinden.“ Ein recht kurzweiliges Buch mit verdammt viel Inhalt. Wie man in der Beschreibung lesen kann, kommt an diesem Sommerabend sehr viel hoch. Das Buch ist voller Gefühle. Verletzung, Wut, Hass, Stärke, Liebe, Scham, Demut, Angst, Mut. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, da es gut zu lesen war. Mir waren es fast ein wenig zu viele Themen in der Kürze der Seiten, aber es zeigt deutlich, wie oft Menschen ein Leben leben, in dem sie weder zufrieden noch glücklich sind. Oft ist man froh, dass man nicht alleine ist, strebt nach irgendwelchen Träumen, die einem vorgelebt worden anstelle das Leben zu führen, was man selbst wirklich möchte. An diesem einen Sommerabend bricht für jede der Personen etwas weg und sie sind gezwungen auf sich zu schauen - was sie wirklich wollen und wer sie sind.
2 Paare und ein gemeinsames zwangloses Abendessen an einem schönen Sommerabend. Klingt gut oder? Es entwickelt sich aber nach und nach zu einem Desaster, denn jede der 4 Personen hat an diesem Abend eigene Probleme und/oder verfolgt mit dem Essen eigene Ziele. In einer Art Kammerspiel baut die Autorin hier ganz gezielt eine Spannung auf und am Ende des Abends ist nichts mehr, wie es zu Beginn war. Hat mit sehr gut gefallen und war an einem Abend durchgelesen
Ein Abendessen an einem heißen Sommertag in Paris. Zwei mehr oder weniger miteinander befreundete Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Scheinbar ein harmloser Abend zu viert, doch hinter der Fassade verbergen alle ein Geheimnis. Es ist ein kurzer Roman, der aber von Anfang bis zum Ende sehr gut geschrieben ist. Ich konnte mich sofort in die Situation hineinversetzen. Die aufgesetzte Harmonie zu Beginn, die immer mehr in der Geschichte bröckelt und am Ende ganz zusammenfällt. Die anfänglichen Bemühungen, einen schönen Abend mit Freunden zu verbringen und den Schein zu wahren. Die Gedanken aller anwesenden Personen, die mit ihren ganz eigenen Problemen und inneren Konflikten beschäftigt sind. Auf jeder Buchseite ist eine gewisse Spannung innerhalb der Gruppe spürbar. Die Kapitel sind kurz und man bekommt Einblicke in jede Figur und ihre Sorgen sowie Sichtweisen auf die anderen. Hierdurch wirkt die Geschichte fast wie ein permanenter Schlagabtausch. Ich hätte mir sogar noch ein paar Seiten mehr gewünscht, sodass sich die Situation noch mehr zuspitzen kann. Dennoch ist es eine wunderbare und kurzweilige Sommerlektüre, die ich nur empfehlen kann.
Überraschend böse!
Der Einstieg fiel mir etwas schwer, da die Charaktere zunächst etwas farblos erscheinen. Ich konnte sie deshalb anfangs schwer auseinanderhalten. Spätestens nach der Hälfte des Buches war das aber kein Thema mehr. Die Ereignisse überschlagen sich und man kommt kaum zum Luftholen. Ich konnte es dann nicht mehr weglegen. Überraschend böse und unterhaltsam!
Es ist Sommer, die Stadt ist aufgeheizt und Étienne hat Johar und Rémi zu sich zu einem Abendessen eingeladen. Claudia, seine Freundin, wollte das ursprünglich nicht, bereitet jetzt aber ein Essen zu, für das sie stundenlang in der Küche steht. Schnell kristallisiert sich heraus, dass es nicht um ein gemütliches Essen mit Freunden geht. Étienne möchte mit Johar über eine wichtige berufliche Angelegenheit sprechen und Johar muss just an diesem Abend eine wichtige berufliche Entscheidung treffen. Auch ihr Mann Rémi, der nach außen ganz entspannt wirkt, ist dabei, eine private Entscheidung zu treffen. Und Claudia, eine ganz ruhige Person, kämpft nicht nur mit einer wichtigen Entscheidung, sondern erleidet an diesem Abend einen fürchterlichen Verlust. All das spielt sich hauptsächlich in den Köpfen der vier Personen ab und entwickelt sich in den Handlungen erst sehr langsam. Ein gelungenes Kammerspiel und ein Einblick nicht nur in die Gedanken der vier Protagonist*innen, sondern auch ein Spaziergang durch die französische Gesellschaft. Ein gelungenes Debüt von Cécile Tlili!
Perfekte Sommerlektüre! An einem heißen Sommerabend in Paris eskaliert ein gemeinsames Abendessen zwischen zwei mehr oder weniger befreundeten Paaren. Auffliegende Affären und wackelige Geschäftsbeziehungen sorgen dabei neben dem aufgetischten Hähnchen-Curry für viel Schärfe am Esstisch. Ein Sommerabend ist literarisch und sehr französisch. Hat mich persönlich so ein wenig an "Feuer" von Maria Pourchet und "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza erinnert.


















