Moses Melker – selber steinreich – hat eine ›Theologie der Armut‹ entwickelt. Er möchte die Reichen von der Last des schnöden Mammons erlösen, damit sie der Gnade Gottes teilhaftig werden. Ein Gangster-Syndikat nimmt den Gedanken auf, erwirbt im Schweizer Durcheinandertal ein Kurhotel für Millionäre und läßt es zum ›Haus der Armut‹ umbauen …
Triggerwarnung: R*pe
So sehr es mich auch schmerzt, ich kann diesem Buch einfach keine drei Sterne geben. Ich habe versucht, es durch Dürrenmatts Sicht zu lesen. Ich liebe seinen kritischen Blick, er lässt an niemandem ein gutes Haar, hat aber auch sehr viel Humor und Sprachwitz.
Auch habe ich versucht, das Buch zeitlich einzuordnen. Textfragmente lassen sich bis in die 60er zurückverflogen. Damals ging das vielleicht noch. Aber ich kam nicht umhin, den Text aus meiner sensibilisierten Sicht des 21. Jahrhunderts zu lesen.
Und deswegen kann ich einfach nicht gutheissen, wie hier mit dem Thema der Vergewaltigung umgegangen wird. Auch kann ich darüber nicht lachen, oder witzige Untertöne hinzufügen. Weil es einfach nichts zu Lachen gibt. Auch das Gaslightning ist für mich absolut unvertretbar.
Nennt mich ruhig woke, ich steh dazu. Immerhin mochte ich den Hund sehr gerne.
Dec 21, 2024
2.0
Triggerwarnung: R*pe
So sehr es mich auch schmerzt, ich kann diesem Buch einfach keine drei Sterne geben. Ich habe versucht, es durch Dürrenmatts Sicht zu lesen. Ich liebe seinen kritischen Blick, er lässt an niemandem ein gutes Haar, hat aber auch sehr viel Humor und Sprachwitz.
Auch habe ich versucht, das Buch zeitlich einzuordnen. Textfragmente lassen sich bis in die 60er zurückverflogen. Damals ging das vielleicht noch. Aber ich kam nicht umhin, den Text aus meiner sensibilisierten Sicht des 21. Jahrhunderts zu lesen.
Und deswegen kann ich einfach nicht gutheissen, wie hier mit dem Thema der Vergewaltigung umgegangen wird. Auch kann ich darüber nicht lachen, oder witzige Untertöne hinzufügen. Weil es einfach nichts zu Lachen gibt. Auch das Gaslightning ist für mich absolut unvertretbar.
Nennt mich ruhig woke, ich steh dazu. Immerhin mochte ich den Hund sehr gerne.
Ein Buch was kompliziert ist aber zum nachdenken anregt.
Klappentext-Einblick
Was geschieht, wenn die gewohnte Ordnung der Welt aus den Fugen gerät und scheinbar logische Zusammenhänge plötzlich keinen Sinn mehr ergeben? In Durcheinandertal entwirft Friedrich Dürrenmatt eine absurde, verwirrende und zugleich faszinierende Welt, in der Ereignisse, Menschen und Schicksale auf unerwartete Weise miteinander verflochten sind. Zwischen Chaos, Ironie und Gesellschaftskritik entsteht eine Geschichte, die ihre Leser immer wieder herausfordert und dazu zwingt, die vertrauten Muster des Denkens zu hinterfragen.
Mit Durcheinandertal habe ich zum ersten Mal ein Buch von Friedrich Dürrenmatt gelesen, und ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Lektüre zunächst vor einige Herausforderungen gestellt hat. Selten habe ich ein Buch in den Händen gehalten, das so konsequent mit Erwartungen bricht und seine Leser dazu zwingt, ständig mitzudenken, Zusammenhänge neu zu ordnen und sich immer wieder die Frage zu stellen, was hier eigentlich gerade geschieht.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass alles auf den Kopf gestellt wird. Figuren, Ereignisse und Entwicklungen scheinen sich in einem großen Geflecht aus Zufällen, Widersprüchen und überraschenden Wendungen zu bewegen. Immer wieder musste ich innehalten und die Gedanken neu sortieren, weil Dürrenmatt einen nicht einfach an die Hand nimmt und durch die Geschichte führt, sondern von seinen Lesern verlangt, sich selbst durch dieses literarische Labyrinth zu arbeiten.
Genau darin liegt jedoch auch die besondere Stärke dieses Buches. Denn obwohl ich den Schreibstil und die Erzählweise zunächst als sehr kompliziert empfunden habe, entwickelte sich nach und nach ein immer größeres Verständnis für das, was Dürrenmatt hier erschaffen wollte. Je weiter ich gelesen habe, desto mehr begann sich das scheinbare Chaos zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, auch wenn nie alles vollständig klar oder eindeutig wird.
Dabei erinnerte mich das Buch stellenweise an Merowinger, weil auch dort eine ähnliche Eigenwilligkeit und eine gewisse Freude am spielerischen Umgang mit Ordnung und Unordnung zu spüren ist. Beide Werke verlangen ihren Lesern einiges ab und sind sicherlich keine Geschichten, die man einfach nebenbei konsumiert. Vielmehr sind es Bücher, die Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft erfordern, sich auf ungewöhnliche Denkweisen einzulassen.
Besonders interessant fand ich die zentrale Aussage des Romans. Durcheinandertal zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie schnell die Welt aus dem Gleichgewicht geraten kann und wie fragil die Ordnung ist, auf die wir uns im Alltag verlassen. Was zunächst wie ein großes Durcheinander erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einer Reflexion darüber, wie Menschen versuchen, Sinn in einer Welt zu finden, die oft chaotischer und widersprüchlicher ist, als wir es gerne hätten. Dürrenmatt führt seinen Lesern dabei vor Augen, dass Ordnung und Chaos oft näher beieinanderliegen, als man zunächst vermutet.
Auch wenn dieses Buch für mich definitiv keine leichte Lektüre war und ich einige Zeit gebraucht habe, um mich auf Dürrenmatts besondere Art des Erzählens einzulassen, kann ich im Nachhinein sagen, dass sich diese Mühe gelohnt hat. Hinter der ungewohnten und manchmal verwirrenden Oberfläche verbirgt sich ein intelligenter, tiefgründiger und äußerst interessanter Roman, der lange nach dem Lesen zum Nachdenken anregt.
Durcheinandertal ist sicherlich kein Buch für jeden Geschmack, und wer eine geradlinige Handlung oder eine einfache Erzählweise sucht, wird vermutlich seine Schwierigkeiten damit haben. Wer jedoch bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche literarische Erfahrung einzulassen und sich durch das scheinbare Chaos hindurchzuarbeiten, wird mit einem Werk belohnt, das auf ganz eigene Weise faszinierend ist und eindrucksvoll zeigt, wie leicht die Welt aus den Fugen geraten kann – und wie schwierig es manchmal ist, inmitten des Durcheinanders den Überblick zu behalten. Für mich war es ein anspruchsvoller, ungewohnter, aber letztlich sehr lohnender erster Ausflug in die Welt von Friedrich Dürrenmatt.
Jun 6, 2026
4.0
Ein Buch was kompliziert ist aber zum nachdenken anregt.
Klappentext-Einblick
Was geschieht, wenn die gewohnte Ordnung der Welt aus den Fugen gerät und scheinbar logische Zusammenhänge plötzlich keinen Sinn mehr ergeben? In Durcheinandertal entwirft Friedrich Dürrenmatt eine absurde, verwirrende und zugleich faszinierende Welt, in der Ereignisse, Menschen und Schicksale auf unerwartete Weise miteinander verflochten sind. Zwischen Chaos, Ironie und Gesellschaftskritik entsteht eine Geschichte, die ihre Leser immer wieder herausfordert und dazu zwingt, die vertrauten Muster des Denkens zu hinterfragen.
Mit Durcheinandertal habe ich zum ersten Mal ein Buch von Friedrich Dürrenmatt gelesen, und ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Lektüre zunächst vor einige Herausforderungen gestellt hat. Selten habe ich ein Buch in den Händen gehalten, das so konsequent mit Erwartungen bricht und seine Leser dazu zwingt, ständig mitzudenken, Zusammenhänge neu zu ordnen und sich immer wieder die Frage zu stellen, was hier eigentlich gerade geschieht.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass alles auf den Kopf gestellt wird. Figuren, Ereignisse und Entwicklungen scheinen sich in einem großen Geflecht aus Zufällen, Widersprüchen und überraschenden Wendungen zu bewegen. Immer wieder musste ich innehalten und die Gedanken neu sortieren, weil Dürrenmatt einen nicht einfach an die Hand nimmt und durch die Geschichte führt, sondern von seinen Lesern verlangt, sich selbst durch dieses literarische Labyrinth zu arbeiten.
Genau darin liegt jedoch auch die besondere Stärke dieses Buches. Denn obwohl ich den Schreibstil und die Erzählweise zunächst als sehr kompliziert empfunden habe, entwickelte sich nach und nach ein immer größeres Verständnis für das, was Dürrenmatt hier erschaffen wollte. Je weiter ich gelesen habe, desto mehr begann sich das scheinbare Chaos zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, auch wenn nie alles vollständig klar oder eindeutig wird.
Dabei erinnerte mich das Buch stellenweise an Merowinger, weil auch dort eine ähnliche Eigenwilligkeit und eine gewisse Freude am spielerischen Umgang mit Ordnung und Unordnung zu spüren ist. Beide Werke verlangen ihren Lesern einiges ab und sind sicherlich keine Geschichten, die man einfach nebenbei konsumiert. Vielmehr sind es Bücher, die Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft erfordern, sich auf ungewöhnliche Denkweisen einzulassen.
Besonders interessant fand ich die zentrale Aussage des Romans. Durcheinandertal zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie schnell die Welt aus dem Gleichgewicht geraten kann und wie fragil die Ordnung ist, auf die wir uns im Alltag verlassen. Was zunächst wie ein großes Durcheinander erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einer Reflexion darüber, wie Menschen versuchen, Sinn in einer Welt zu finden, die oft chaotischer und widersprüchlicher ist, als wir es gerne hätten. Dürrenmatt führt seinen Lesern dabei vor Augen, dass Ordnung und Chaos oft näher beieinanderliegen, als man zunächst vermutet.
Auch wenn dieses Buch für mich definitiv keine leichte Lektüre war und ich einige Zeit gebraucht habe, um mich auf Dürrenmatts besondere Art des Erzählens einzulassen, kann ich im Nachhinein sagen, dass sich diese Mühe gelohnt hat. Hinter der ungewohnten und manchmal verwirrenden Oberfläche verbirgt sich ein intelligenter, tiefgründiger und äußerst interessanter Roman, der lange nach dem Lesen zum Nachdenken anregt.
Durcheinandertal ist sicherlich kein Buch für jeden Geschmack, und wer eine geradlinige Handlung oder eine einfache Erzählweise sucht, wird vermutlich seine Schwierigkeiten damit haben. Wer jedoch bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche literarische Erfahrung einzulassen und sich durch das scheinbare Chaos hindurchzuarbeiten, wird mit einem Werk belohnt, das auf ganz eigene Weise faszinierend ist und eindrucksvoll zeigt, wie leicht die Welt aus den Fugen geraten kann – und wie schwierig es manchmal ist, inmitten des Durcheinanders den Überblick zu behalten. Für mich war es ein anspruchsvoller, ungewohnter, aber letztlich sehr lohnender erster Ausflug in die Welt von Friedrich Dürrenmatt.
Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in Konolfingen bei Bern als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte Philosophie in Bern und Zürich und lebte als Dramatiker, Erzähler, Essayist, Zeichner und Maler in Neuchâtel. Bekannt wurde er mit seinen Kriminalromanen und Erzählungen ›Der Richter und sein Henker‹, ›Der Verdacht‹, ›Die Panne‹ und ›Das Versprechen‹, weltberühmt mit den Komödien ›Der Besuch der alten Dame‹ und ›Die Physiker‹. Den Abschluss seines umfassenden Werks schuf er mit den ›Stoffen‹, worin er Autobiografisches mit Essayistischem verband. Friedrich Dürrenmatt starb 1990 in Neuchâtel.