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In "Die Tochter der Zeit" verwandelt Josephine Tey den Kriminalroman in eine brillante historiographische Untersuchung. Der ans Bett gefesselte Inspector Alan Grant, gelangweilt von der Rekonvaleszenz, betrachtet ein Porträt Richards III. und zweifelt an der überlieferten Schuld des Königs am Mord an den Prinzen im Tower. Aus Akten, Chroniken und Indizien entsteht kein konventioneller Whodunit, sondern ein intellektuelles Kammerspiel über Quellenkritik, Propaganda und die Trägheit historischer Urteile. Teys Stil ist präzise, elegant und ironisch; im Kontext des britischen Golden Age erweitert sie die Detektivform um eine bemerkenswert moderne Skepsis gegenüber offizieller Geschichtsschreibung. Josephine Tey, Pseudonym der schottischen Schriftstellerin Elizabeth Mackintosh, verband dramatisches Gespür mit psychologischer Feinheit. Ihre Arbeit für Bühne und Kriminalliteratur schärfte den Blick für Rollen, Masken und öffentliche Narrative. Dass sie Richard III. nicht als Legende, sondern als Fall behandelt, entspringt offenkundig ihrem Interesse an Charakterdeutung, Beweisführung und der Macht literarisch geformter Geschichtsbilder. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Spannung nicht allein in Tat und Verfolgung suchen, sondern im Denken selbst. Es ist ein kluger, anregender Klassiker über Wahrheit, Vorurteil und die detektivische Pflicht, auch scheinbar gesicherte Gewissheiten neu zu prüfen.
ISBN9788028390112
PublisherCopycat
Publication Date06/23/25
Pages116
Main GenreCrime
Sub GenreClassic
FormatSoftcover
LanguageGerman
Price10.40 €
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