Die Tage des Wals
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Description
Mit beispielloser Eleganz, Kraft und Poesie erzählt DIE TAGE DES WALS von einer jungen Frau, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt.
Book Information
Author Description
Elizabeth O’Connor schreibt Prosa und Gedichte, hat Kurzgeschichten in The White Review und Granta veröffentlicht und 2020 den renommierten The White Review Short Story Prize gewonnen. Sie hat einen PhD in Englischer Literatur und lebt in Birmingham. »Die Tage des Wals« ist ihr Debüt.
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"Der Wal strandete über Nacht am seichten Ufer, tauchte aus dem Wasser auf wie eine Katze, die sich unter einer Tür durch schleicht." "Die Insel war fünf Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit, mit einem Leuchtturm an der östlichen Spitze und einer dunklen Höhle im Westen. Es gab zwölf Familien, den Pfarrer und den Polen Lukasz, der den Leuchtturm betrieb. Unser Haus, Rose Cottage, lag an einem Hang, wo der Wind eine Faust darum ballte." Die Geschichte spielt auf einer kleinen walisischen Insel in den 1930er Jahren und dreht sich hauptsächlich um Manod, deren jüngeren Schwester Llinos und ihren Vater "Tad", die Mutter ist früh verstorben. Sie leben sehr einfach und bescheiden vom Fisch- und Hummerfang, wie die meisten der wenigen Bewohner. Aber immer mehr Jugendliche versuchen ihr Glück auf dem Festland zu finden. Auch Manod hat diesen Wunsch, sie möchte studieren und Lehrerin werden, allerdings möchte sie auch ihre kleine Schwester nicht im Stich lassen. Als Joan und Edward zu Forschungszwecken für eine Weile auf der Insel sind, kann Manod, die neben Walisisch auch Englisch spricht, assistieren und übersetzen. Ihr Wunsch die Insel zu verlassen verdichtet sich. Der ruhige, poetische Schreibstil von Elisabeth O'Connor hat mich sofort begeistert. Durch die lebendigen und bildhaften Beschreibungen konnte ich die Geschichte regelrecht sehen. Eine ganz klare Leseempfehlung für dieses atmosphärische Buch mit Tiefgang ⭐
Eindrucksvoll In dem Buch begleiten wir die 18 jährige Manod, die auf einer namenlosen, fiktiven ,walisischen Insel lebt. Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Vater ist ein einfacher Fischer, der viel unterwegs ist, was dazu führt, dass Manod auch ein Mutterersatz für ihre jüngere Schwester ist. Eines Tages wird die Insel von einem Forscherpaar besucht. Sie möchten sich für ihre wissenschaftlichen Studien ein Bild von den Sitten und Gebräuchen der Insulaner machen, ihr Leben und Arbeiten portraitieren. Manod wird als Assistentin für Übersetzungen aus dem Walisischen eingestellt und freut sich, über die Anerkennung, die ihr zuteil wird und das Interesse, dass die Inselbewohner bei den Wissenschaftlern erwecken. Doch am wirklichen Inselleben sind die beiden Ethnologen gar nicht interessiert. Es soll sich nur alles schön anhören für ihre Publikation. Die Bilder und Berichte sind geschönt und entsprechen nicht der Wirklichkeit. Was so verheißungsvoll begann, Manod sah sich schon in eine neue Welt aufbrechen, endet mit Ernüchterung. Dieser kurze Roman ist beeindruckend, auch wenn ich mit Sprache und Form zunächst etwas gefremdelt habe. Die Kapitel sind superkurz, die Sprache präzise und schnörkelos. Ich mochte die bildhaften Naturbeschreibungen , die das karge Leben auf der Insel im Wechsel der Jahreszeiten gut vorstellbar machten. Es blitzt immer mal wieder durch in welcher Zeit wir uns befinden. Der 2. Weltkrieg steht vor der Tür. Der titelgebende Wal, der vor der Insel gestrandet ist, ist eine Metapher für die Inselbewohner selbst,( ausgebeutet und liegengelassen), wie man am Ende begreift.
Manchmal liest man ein Buch nicht wegen der Handlung, sondern wegen der Stimmung… „Unterschiedliche Farben auf der Meeresoberfläche bedeuteten unterschiedliche Dinge. Schwarz – ein Sturm kam auf. Farbe von Schei*e – ein guter Tag für Boote.“ (S. 79) Diese Geschichte fühlt sich an wie salzige Luft auf der Haut und Wind, der durchs offene Fenster streicht. 🐋 Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen irgendwo zwischen Kindheit und dem ersten Begreifen der Welt. Eine kleine Insel, viel Meer, wenig Ablenkung. Und plötzlich passiert etwas, das alles verändert. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise. Fast behutsam. Und genau deshalb trifft es. Es geht um Abschied, um Staunen, um dieses eigenartige Gefühl, wenn man merkt, dass die Welt größer ist als das eigene Zuhause. Natur wird hier nicht nur beschrieben, sie wird gespürt: Ebbe und Flut, Gerüche, Geräusche, Stille. Und zwischen all dem wächst eine Sehnsucht, die man kaum benennen kann. Der Schreibstil bleibt ruhig und klar, ohne große Worte. Doch gerade dadurch entfaltet sich eine unglaubliche Wirkung. Man liest langsam, fast vorsichtig, weil man die Atmosphäre nicht zerbrechen möchte. Kein Buch für Spannung. Ein Buch fürs Fühlen. Und eines, das noch lange nachhallt, wenn man es schon zugeklappt hat. 🐋
poetisch & rustikal
Sehr poetische und rustikal zugleich geschriebenes Buch über eine walisische Insel, auf der knapp 50 Menschen leben. Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts kommen zwei Engländer auf die Insel, um das urbane Leben der Bevölkerung zu dokumentieren. Die 18jährige Manod assistiert ihnen und beginnt dabei selbst ihre bisherige Lebensweise zu hinterfragen. Sehr empfehlenswert; ich fand die kurzen Passagen beeindruckend und wunderschön zu lesen. Ich hatte das Buch aus der Bücherei und überlege es nachzukaufen.
Was für ein Kleinod🐋🐋🐋🐋🐋 Dieses wunderschöne Buch mit dieser kraftvollen Sprache die sich ins Herz schleicht, hat mich voll erwischt! 💕 Erzählt wird die Geschichte von Manod einer 18-jährigen jungen Insulanerin, welche auf einer kargen Insel auf den Faröern lebt. Sie ist klug und wird von zwei jungen WissenschaftlerInnen engagiert ihnen bei der Übersetzung aus dem walisischen zu helfen. Angelockt wurden diese von dem Wal, der an die Insel geschwemmt wurde. Aber der Bericht und das Buch mit dem sie Erfolg erzielen wollen, soll von dem Leben auf der Insel und ihren BewohnerInnnen handeln. Dieses karge und entbehrungsreiche Leben mit ihren Geschichten und Mythen die in kurzen Kapiteln erzählt werden und mich sehr berührt haben. Diese Weisheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. "Wenn eine Qualle angeschwemmt wurde, hütet jemand ein Geheimnis. Wenn das Wasser mit Sturmvögeln bedeckt war, brachte der Morgen Frost. " Doch was die beiden Eindringlinge vom Festland mit diesen Menschen machen um eine Idylle wiederzuspiegeln, die es gar nicht gibt, hat mich unglaublich wütend gemacht. Inspiriert wurde die Autorin, denke ich, von einem Dokumentarfilm, welchen sie in ihren Anmerkungen zum Text erwähnt. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, denn ich möchte euch neugierig machen auf dieses tolle Buch, mit dem schönen Cover der Künstlerin Liz Sommerville.

Ein Roman, der in Gedanken eine Reise voller Bilder zum Leben erweckt. Zwischen rauer Wildnis und dem Wunsch nach einem Ausweg. 💙
Manod ist 18 Jahre alt und lebt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer Insel vor der walisischen Küste. Das Leben dort ist hart und ganz der Witterung und den Naturgewalten ausgesetzt. Anpassung ist nötig und nur für das Einfachste bleibt Raum und Zeit. Doch Manod ist eine besondere junge Frau, die sich von den anderen Inselbewohner:innen deutlich unterscheidet. Durch ihre Neugier und ihr Interesse, das sich weit über die Grenzen der Insel erstreckt, durch ihre überdurchschnittlich gute Bildung und ihr Wissen, das sie sich sowohl in der Wildnis als auch in der Schule auf dem britischen Festland angeeignet hat, sticht sie heraus. Als die beiden Forschenden Joan und Edward vom Festland zur Insel kommen, um das dortige Leben zu dokumentieren, bemerken auch diese die besondere junge Frau und machen sie zu ihrer Assistentin. Und plötzlich eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Manod und vielleicht sind ihre Träume und Wünsche doch gar nicht so fern, wie sie ihr bisher schienen. 🐋🦭🦞 Ein Wal strandet gleich zu Beginn des Buchs am Strand der Insel, die Manods Heimat ist. Und dieser Wal begleitet uns während des kompletten Buchs durch seine unauffällige Anwesenheit. Ebbe und Flut lassen ihn auftauchen und wieder verschwinden, das Meer umspült ihn, bedeckt ihn und legt ihn wieder frei. Er verwest, wird zur Nahrungsquelle für andere Tiere und die Natur nimmt ihn wieder auf, macht ihn zum Teil eines Kreislaufes, eines Ökosystems. Doch auch die Menschen nutzen seinen Kadaver, allerdings vorwiegend die Menschen vom Festland. Bis er sich zum Schluss nun doch noch in ein bleibendes Denkmal für die Inselbewohner:innen verwandelt. Der Wal durchläuft nach seinem Tod eine Entwicklung – einen Prozess, der sich eigentlich vollkommen im Hintergrund abspielt. Und trotzdem ist diese Entwicklung präsent, ebenso wie Manod eine Entwicklung durchläuft und am Ende auch die Insel und die ganze Welt. Denn gerade kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ist alles im Wandel, auch wenn es für die Handlung des Buches nur beiläufig auf der walisischen Insel zu spüren ist. Denn hier steht Manods Entwicklung im Vordergrund, die sich in meinen Augen von einem klugen Mädchen zu einer selbstbewussten und scharfsinnigen jungen Frau verwandelt. Die Autorin erschafft mit Manod eine sehr sympatische Protagonistin, die so lebendig und wild ist, dass mir das Herz aufgeht. Durch die Verwendung einer wunderschönen poetischen Sprache strahlt Manods einzigartiges Wesen in die Welt hinaus. Sie ist so vielseitig und wissensdurstig, sie ist eine liebenswürdige und fürsorgliche große Schwester und sie ist naturverbunden und geerdet. Und natürlich macht sie Fehler, so wie wir alle, doch sie lernt daraus, zieht die richtigen Schlüsse und steckt neue Ziele. Ich finde Manod wirklich grandios. Die Handlung von "Die Tage das Wals" ist sehr leise. Es passiert nicht besonders viel und so lebt der Roman vor allem durch seine bildgewaltige und poetische Atmosphäre und durch Naturbeschreibungen, die mich die raue Küste fühlen lassen. So ist diese Geschichte vor allem etwas zum Abtauchen, Genießen und Entschleunigen. Gespickt ist das Buch außerdem mit ungewöhnlichen Inseltraditionen, mit Bräuchen und Liedern und vor allem mit vielen Geheimnissen. Schließlich bleiben einige Lücken zurück, die wir als Leser:innen mit unseren eigenen Gedanken schließen dürfen. Ich habe das Buch sehr gemocht und es kam für mich zur richtigen Zeit. Aktuell entdecke ich meine Liebe für den poetischen Sprachstil und der ist in diesem Buch wirklich hervorragend gelungen. Ein ruhiger Romane mit viel Platz für dich selbst, mit versteckten Informationen, die du zwischen den Zeilen findest und mit einer fantastischen und bewundernswerten Hauptdarstellerin. Eine Leseempfehlung von mir!

Eindrücke einer anderen Welt
“Die Tage des Wals” von Elizabeth O’Connor spielt 1938 auf einer walisischen Insel und wir erleben den harten Alltag, den Gezeiten ausgesetzt und geprägt von einer rauen Abhängigkeit zum Meer, der achtzehnjährigen Manod, die von einem Leben und Studium auf dem Festland träumt. Dann wird im Herbst ein Wal an den Strand gespült und zeitgleich tauchen zwei Ethnographen Oxfords auf der Insel auf, die mit Manod als Übersetzerin die kulturellen Eigenheiten der Insel untersuchen. Inspiriert ist die Geschichte mitunter auch deutlich durch “Die Männer von Aran” von Robert J. Flaherty und die Kritik an der Dokumentation. Manod als Protagonistin fand ich sehr spannend, auch wenn sie immer über allen anderen Inselbewohnern zu stehen scheint. Sie ist zwischen ihrem Traum und ihrer (Mit-) Verantwortung gegenüber ihrer Familie gefangen. Ihre Art, die Welt um sich herum wahrzunehmen und zu beschreiben fand ich schön, wenn auch der Schreibstil mir mal sehr, mal gar nicht zusagte. Ich denke, es soll zum Teil ungeschönt realistisch geschrieben sein, was auf mich aber nicht authentisch und aufgesetzt klingt. Dies könnte aber auch mit der Übersetzung zusammenhängen. Trotzdem konnte die Geschichte trotz ihrer eher nüchternen Erzählweise am Ende doch einige Emotionen in mir auslösen. Der Titel "Die Tage des Wals” charakterisiert dabei den Zeitraum, in dem wir Manod begleiten. Eigentlich als Kernelement der Geschichte nimmt er doch eigentlich nur eine kleine, dazu durch seinen (Wesens-) Zustand ebenfalls eine passive Rolle ein. Für mich symbolisiert er den Verlauf der Geschichte, wie auch die Umstände der Insel und des Weltgeschehens um die Insel herum. Das Buch spielt in einer Zeit, die uns Deutschen bestens vertraut sein sollte und es werden auch immer wieder Verweise auf den nahenden Kriegsbeginn gemacht. Spannend ist hierbei die Perspektive, da auf der abgelegenen Insel das Leben seinen gewöhnlichen Gang nimmt und sie nur vereinzelt Nachrichten vom Festland erhalten. Trotzdem ist dies auch auf der Insel mit fortschreitender Handlung immer deutlicher spürbar. Ein Aspekt, der ebenfalls eine große Rolle spielt, ist die (Aber-) Gläubigkeit der Inselbevölkerung. Nicht zuletzt durch die Ethnologen spielen Sagen, Volksmärchen und Erzählungen eine große Rolle in der Geschichte und die Inselbewohner deuten in jede kleinste Ungewöhnlichkeit Fluch oder Segen. So bekommt auch der Wal eine eigene, wenn auch nicht ganz eindeutige, Bedeutung. Das Ende ist eher offen, hat aber gut in die Geschichte gepasst und konnte mich nachdenklich machen. Trotzdem hätte ich mir durchaus vorstellen können, Manod noch weiter zu verfolgen, da sie doch eine gewisse Faszination in mir ausgelöst hat. Von mir definitiv eine Empfehlung.
Ein wundervolles Buch - das war ganz nach meinem Geschmack.
📌 "Alle meine Entscheidungen kamen mir vor, als versuchte ich, einen Fisch zu fangen, den es nicht gab, bis ich ihn fing." - S. 25 Manod wächst mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer kleinen walisischen Insel auf. Die wenigen Inselbewohner leben in einfachen Verhältnissen und von der Fischerei, abgeschieden von der Zivilisation. Die Nachwachsenden verlassen nach und nach die Insel, um ihr Glück und Arbeit auf dem Festland zu finden und auch Manod hat Interesse am Leben in einer der großen Städte, wenn sie auch keine genauen Vorstellungen davon hat. Einzig die jüngere Schwester, um die sie sich kümmern muss hält sie zurück, ihr Zuhause zu verlassen. Als ein Wal auf der Insel strandet, was von den Insulaner zu Recht als schlechtes Omen gedeutet wird, kommen auch die beiden Engländer Joan und Edward auf die Insel, um Recherche für ein Buch zu betreiben. Manod ist fasziniert von den kultivierten Fremden und wird von ihnen als Assistentin/Übersetzerin beschäftigt. Während die 18-jährige Informationen über das Stadtleben bekommt, gewinnen Edward und Joan Einblicke in das ärmliche, stets vom Wetter/von der Natur abhängige Leben der Inselbevölkerung. Beide Parteien scheinen voneinander zu profitieren, doch am Ende bleibt eine enttäuscht zurück. Aus meiner Sicht ist der Wal und dessen voranschreitender Verwesungsprozess als Metapher zu verstehen und verdeutlicht sowohl das Verschwinden der Inselbewohner, als auch die Entwicklung Manods; sicher ist dies aber auch Interpretationssache eines jeden Einzelnen. Es passiert handlungsmäßig gar nicht allzu viel, aber die aussagekräftige Sprache und die Schilderungen der Insel und ihrer einfachen Bewohner, der rauen, kargen Landschaft und des einfachen Lebens haben mich bildlich so sehr abgeholt, dass ich diese Geschichte wahrlich inhaliert habe.

Eine sehr ruhig erzählte Geschichte von einem Mädchen und ihrer Familie , dass auf einer kleinen walisischen Insel zuhause ist und dort unter ärmlichen Bedingungen ihr Dasein fristet. Sie träumt davon die Insel zu verlassen und will unter gar keinen Umständen heiraten, schon gar nicht einen der infrage kommenden Inselbewohner. Eines Tages kommt ein Forscher Paar auf die Insel und bieten ihr einen Job an, da sie zu den wenigen gehört die englisch spricht . Traurig zu lesen, wie sie letztlich nur ausgenutzt wird.
"Die Tage des Wals”, der Debütroman der britischen Autorin Elizabeth O'Connor, für den Blessing-Verlag übersetzt von Astrid Finke, ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein historischer Roman, der im Jahr 1938 auf einer fiktiven, acht Kilometer vor der walisischen Küste gelegenen Insel spielt. Er erzählt uns einen Ausschnitt aus dem Leben der 18-jährigen Ich-Erzählerin Manod Llan. Sie lebt mit ihrem Vater (der durchgehend “Tad” genannt wird), einem Küstenfischer und ihrer sechs Jahre jüngeren Schwester Llinos in einer der wenigen bewohnbaren Steinhütten der Insel, die Mutter ist vor Jahren verstorben. Insgesamt setzt sich die spärliche Insel-Bevölkerung aus 15 Männern, 20 Frauen und 12 Kindern zusammen. Sie leben vor allem von der Fischerei. Das Leben geht seinen gewohnten Gang, bis im Herbst 1938 ein Wal strandet und die abergläubischen Bewohner:innen der Insel in Aufruhr versetzt. Auch für Manod, die von einem Leben auf dem Festland träumt, aber ihrer Schwester zuliebe noch auf der Insel bleibt, verändert sich etwas in dieser Zeit: Die englischen Forschenden Edward und Joan kommen für einige Monate auf die Insel, um für ein Buch ethnologische Studien zu betreiben. Manod soll ihnen als Assistentin und Übersetzerin aus dem Walisischen dienen. Doch die beiden Fremden werden bald mehr als nur Arbeitgebende für Manod. Wird sie mit ihnen zusammen ihre Heimat für immer verlassen? Dieser Roman ist Eskapismus pur! Ein anspruchsvoller Urlaub im Kopf, der uns in eine geografische und historische Abgeschiedenheit versetzt, die ihresgleichen sucht. Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der derart stark Szenerien und das gesamte Setting in meinem Kopf hat lebendig werden lassen, wie dieser hier. Also nicht in dieser Intensität. Nach und nach lernen wir die Topographie der Insel kennen. Ihre Mythen und Geheimnisse, ihre Gerüche und Geschmäcker, die maritime Flora und Fauna. Was auch absolut passend und für mich sehr angenehm war, war der “collageartig-episodenhafte” Erzählstil. Die anekdotenhaft geschilderten Erinnerungen von Manod werden immer wieder von den Aufzeichnungen von Joan und Edward unterbrochen. Außerdem von den Berichten der Insulaner zu verschiedenen Begebenheiten, Erinnerungen, Märchen und Sagen sowie sonstigen die Insel betreffenden Themen. Diese sind im Berichtsstil (mit Datum und erzählender Person) zwischengeschoben und unterfüttern bzw. unterbrechen quasi die von Manod erzählte Handlung. Wer gerne in literarischer Symbolik schwelgt, ist hier ebenfalls nicht fehl am Platz. Llinos verkörpert die Natur, sie ist eins mit ihr. Sie spricht nur Insel-Walisisch, weigert sich zunächst sogar, Englisch zu lernen. “Llinos liebte die Insel anders als ich.” Während die jüngere Schwester also für die Ursprünglichkeit steht, vertritt Manod die Fortschrittlichkeit und Modernität, also letztlich die Zugewandtheit zur Welt außerhalb der Insel. Sie möchte auch kein traditionelles Dasein als Fischerehefrau führen, weswegen sie die Verkupplungsversuche ihres Vaters mit den wenigen heiratsfähigen Männern der Insel ablehnt. Edward und Joan bringen die Kultiviertheit des Festlandes, aber auch seine Probleme (Faschismus, drohender Krieg) sowie Wissenschaft und Technik mit auf die Insel. Und dann ist da natürlich noch der riesige Wal, der nach der Strandung sehr schnell kein lebendiges Wesen mehr ist. Im Laufe der Handlung wird immer wieder über den Zustand des Walkadavers berichtet, der nach und nach verwest und immer mehr eins mit der ihn umgebenden Natur wird. Sein Verfall zeigt möglicherweise auch, dass das Einssein der Insulaner mit der Natur ihrem Ende entgegen geht und sie bald evakuiert werden müssen. In diesem Roman geht Nature Writing eine perfekte Symbiose mit einer berührenden Coming-of-Age Geschichte ein, in der es um falsche Erwartungen und schmerzhafte Zurückweisung geht. Und am Ende steht doch die Hoffnung, die uns leben und weitermachen lässt. Ich habe schon einige andere Eindrücke gelesen, die mangelnden Tiefgang oder eine unspannende Handlung kritisieren. Beides kann ich persönlich nicht bestätigen, für meinen Geschmack ist dieser Roman einzigartig und perfekt. Ein wunderbares maritimes Buch, das ich euch allen von Herzen empfehlen kann.

Es ist nicht gut, wenn ein Wal auf einer der Inseln strandet. Das ist ein schlechtes Omen! Die Dorfbewohner glauben sehr, an das, was vorhergesagt wird. Es ist das Jahr 1938, die Menschen auf der Insel leben in einfachen Häusern, sie sind ordentlich gekleidet, aber haben keinen Zwang sich einer Mode zu unterziehen. Die Frauen werden mit spätestens 18 Jahren verheiratet, sollte ein passender Junge gerade greifbar sein. Dabei spielt Liebe keine Rolle. Wenn sie Glück haben, dann verschont das Meer ihren Angetrauten und sie sind nicht schon mit 25 Witwe, mit mehreren Kindern. Die Menschen dort leben vom Fischfang, nehmen den brütenden Vögeln die Eier aus den Nestern und halten sich Schafe und Ziegen. Manchmal auf eine Kuh, aber die Tiere müssen wie die Menschen einiges aushalten. Die Insulaner fahren manchmal mit ihren Ruderbooten, wenn das Meer es zulässt, auf das Festland. Aber von der Welt bekommen sie nur einen Bruchteil mit. Es sind die Tage des Wals, als diese kleine Geschichte spielt. Die 18-jährige Manod kümmert sich um ihren Tad (Vater) und ihre sechs Jahre jüngere Schwester. Manod ist Näherin und stickt hübsche Motive auf ihre Arbeiten. Sie versucht ihrer kleinen Schwester Englisch beizubringen, aber diese möchte nur walisisch sprechen, wozu soll sie das lernen, sie die Insel ohnehin nie verlassen. Und wenn Fremde kommen, sollen die doch walisisch sprechen. Als der Wal strandet, kommen zwei Engländer auf die Insel und haben plötzlich großes Interesse an dem Leben dort. Die Frau umgarnt Manod und die junge Frau wird als Übersetzerin eingestellt. Manod hegt den Wunsch aufs Festland zu gehen und dem einfachen und rauen Leben zu entfliehen, schöne Kleider und bunten Lippenstift zu tragen. Sie würde gerne wie die Engländerin in Cambridge studieren. „Das können dort die Frauen!“Man muss sich auf den Text einlassen. Die Kapitel sind nicht lang und doch muss man immer wieder innehalten, das Geschriebene nachwirken lassen. Mich hat es fasziniert, wie gut die Übersetzerin das Buch zu einem Vergnügen gemacht hat, denn ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt nicht einfach war, die „Wortbilder“ zu übersetzen:Manod ist eine spröde Protagonistin, vielleicht genauso abweisend wie die Inseln. Aber wenn man hinter die Fassade schaut, findet man eine sensible junge Frau, die sich nicht mit dem abfinden möchte, was ihr vorherbestimmt wurde. Die beiden Menschen vom Festland sind eine Verheißung und Manod träumt von einem anderen, besseren Leben.Es ist mal wieder ein Roman, den man zum richtigen Zeitpunkt lesen muss. Ein Buch, das man nicht einfach zur Entspannung in die Hand nimmt, sondern sich darauf einlassen muss. Ich hatte das Glück, den richtigen Moment abgepasst zu haben. Der Wal im Titel war für mich ein Sinnbild für die Inselbewohner. Gestrandet, am Ausdünnen, ausgeschlachtet und vergessen. Das Beste wird aufs Festland verbracht, der Rest kann am Strand vergammeln. Nein, der Wal hat in diesem Roman keine Hauptrolle. „Die Tage des Wals“ hat für uns 🐭🐭🐭🐭🐭 verdient. Ich werde dieses Buch noch ein- oder zweimal lesen, um alle Zwischentöne zu finden.
Ein Roman über das karge Leben auf einer kleinen waliesschen Insel, der nachdenklich stimmt. Eine Insel, für die es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie verlassen sein wird.
Elizabeth O’Connor nimmt uns in ihrem Debütroman mit auf eine kleine walisische Insel des Jahres 1938. Die Protagonistin des Romans ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und erleben einige Monate ihres Lebens auf dieser Insel. Ein Leben voller Entbehrungen, dass vom Wetter und vom Meer bestimmt ist. Größtenteils wird der Roman aus der Sicht von Manod in der Ich-Erzählweise geschrieben. Die Kapitel sind sehr unterschiedlich in ihrer Länge, was mir persönlich bei diesem Roman stilistisch sehr gefallen hat, da gerade die sehr kurzen Kapitel das harte, karge Leben auf der Insel widerspiegeln. Gelegentlich werden auch Auszüge aus der Arbeit der Ethnografen eingefügt, die deren Sichtweise auf das Leben auf der kleinen Insel wiedergeben. Der Schreibstil ist leicht poetisch und distanziert. Starke Emotionen fehlen, diese hätten aber auch nicht zu dem Roman gepasst. Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil einem die Zeit (1938) und das Leben auf der Insel näher zu bringen. Es ist ein Roman, in der die Protagonistin durch die Ethnografen erfährt, dass das Leben einer Frau nicht nur aus einer frühen Heirat besteht, sondern durchaus mehr zu bieten hat. Dieser Roman lässt sich leicht und flüssig lesen. Mich hatte das Buch komplett in seinen Bann gezogen und lies mich den Alltag vergessen. Ich kann da Buch auf jeden Fall empfehlen, solange man keine große Entwicklung der Protagonisten erwartet. Wenn man sich darauf einlassen kann, dass am Ende durchaus auch Fragen offenbleiben, ist es ein kurzweiliges Buch, obwohl eigentlich nichts passiert. Aber es regt zum Nachdenken an.
Werde dem Buch vielleicht nicht gerecht.
Raue Atmosphäre in einer Zeit zwischen zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert. Auf einer abgeschotten walischen Insel. Kurze Kapitel aus der Sicht einer Achtzehnjährigen. Voller Hoffnung in einem kargen Alltag. Vielleicht war meine Stimmung einfach nicht passend, vielleicht ist das Buch einfach nichts für mich. Der Plot hat vor sich hingeplätschert, was eigentlich nicht schlimm ist. Denke nicht, dass es in so einem Buch anders sein sollte. Doch wenigstens ein bisschen mehr Drama...das hätte mich mehr an die Zeilen gefesselt. Die Sache mit den Schädeln fand ich ekelhaft und ich weiß nicht, was ich vom Ende halten soll.
Eine fesselnde Reise zu einem kleinen walisischen Inselparadies und den Tiefen des menschlichen Herzens Elizabeth O’Connors Debütroman "Die Tage des Wals" ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die auf einer fiktiven walisischen Insel im Jahr 1938 spielt. Der Roman folgt der jungen Manod Llan, die ihr ganzes Leben auf dieser abgelegenen Insel verbracht hat. Manod träumt von einem Leben jenseits der beschränkten Erwartungen ihrer Gemeinschaft, fühlt sich aber gleichzeitig tief mit ihrer kleinen Inselgemeinschaft, ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester Llinos verbunden, die sie seit dem Tod ihrer Mutter umsorgt. Die Handlung nimmt eine Wendung, als ein gestrandeter Wal die Aufmerksamkeit von Außenstehenden erregt. Zwei Ethnographen, Joan und Edward, kommen auf die Insel, um das Leben der Inselbewohner zu studieren. Manod, die sowohl Walisisch als auch Englisch spricht, wird als Übersetzerin und Assistentin für das Forscherpaar ausgewählt. Ihre Bekanntschaft mit Joan inspiriert sie, und Edwards Versprechungen wecken in ihr die Hoffnung auf ein anderes Leben. Doch bald erkennt Manod die falschen Absichten der Forscher und wird von ihrer Enttäuschung und ihren Zweifeln überwältigt. Die Stärke dieses Romans liegt in O’Connors eindringlichem Schreibstil, der die raue Schönheit der Insel und die innere Welt ihrer Protagonistin lebendig werden lässt. Die Beschreibungen der Natur, das Leben auf See und die kulturellen Traditionen der Inselbewohner sind ebenso faszinierend wie die emotionalen Kämpfe, die Manod durchlebt. Ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben und ihre Liebe zu ihrer Schwester und ihrer Gemeinschaft berühren das Herz und machen das Buch zu einem intensiven Leseerlebnis. Was "Die Tage des Wals" besonders macht, ist die stille Kraft, mit der die Geschichte erzählt wird. Es ist ein ruhiger Roman, der die Leser durch die Schönheit des Alltags und die stillen Momente des Glücks und der Traurigkeit in den Bann zieht. Manods innere Konflikte und ihre Entwicklung werden einfühlsam und glaubwürdig dargestellt, was sie zu einer unvergesslichen Figur macht. Der Roman endet trotz der schweren Themen auf einer hoffnungsvollen Note, was dem Leser einen Lichtblick bietet und zeigt, dass es auch in den dunkelsten Zeiten Hoffnung gibt. O’Connors Fähigkeit, komplexe Emotionen und eine tiefgreifende Verbundenheit mit der Heimat zu schildern, machen "Die Tage des Wals" zu einem bemerkenswerten Debüt.
Wundervoll melancholisch
Eine kurzweilige, aber anrührende Erzählung über eine junge Frau, die in den 1930er Jahren mit ihrer Familie auf einer abgelegenen, walisischen Insel lebt. Ich mochte die Symbolik der Geschichte eines gestrandeten Wals, der das Leben der Festländer mit sich bringt. Ich las so gerne von der Natur, der Kunst und der Gefühlswert der Protagonistin. Obwohl der Schreibstil eher ruhig und nüchtern ist, konnte mich die Geschichte die Gezeiten, die Sehnsüchte und Hoffnungen fühlen lassen. Richtig schön.
Spoiler: I LOVED THIS ONE!! (OT: Whale Fall) „Ich dachte mir, ich sollte Joan vom Frühling erzählen, wenn die Schafe geschoren und die Wolle zu Garn verarbeitet wurde. Einzelne Büschelchen lösten sich immer und schwebten durch die Luft, wie Feenflügel.“ s. 64 Eine kleine Insel vor der walisischen Küste lädt uns ein, einen Blick in ihr Leben zu werfen. Oder genauer gesagt, hat die Autorin Elizabeth O‘Connor aus vielen Erzählungen unterschiedlicher Inseln UK und Irlands die Lebensweisen und -weisheiten zusammen gesammelt und in eine kleine, feine, wirklich fast schon unaufgeregte Geschichte einer Insel verpackt, die es so hätte geben können. Es passieren auch harte und raue Dinge, aber im Geschehen der Insel scheinen sie fast schon alltäglich. Bis auf die beiden Forschenden, die die Insel erkunden und erklären wollen, in Privatsphären eindringend und sich das Leben zwischen schroffen Felsen, Fischerhüten und Schafen so zurechtrücken wollen, dass es möglichst spannend für ihr Buch wird. Wir lesen aus der Sicht von Manod, die achtzehn und neugierig ist, mit ihrer kleinen Schwester und dem Vater zusammen wohnt und von ihrer Mutter nur noch Geschichten im Kopf hat. Zwischendrin lesen wir Transkripte über einheimische Geschichten, wie sie so hätten erzählt werden können. Alles daran hat mich an die irische Insel erinnert, auf der ich selbst schon war und deren Erzählungen wir nur noch von ehemaligen Bewohnern kennen, denn nach und nach sind all diese Menschen aufs Festland gezogen (worden). Ich war durchgehen beruhigt und vollends in Manods Welt, was sicherlich auch der tollen Übersetzung von Astrid Finke zu verdanken ist. „Hallo. Mir gefällt dein rosa Kleid. Ich hatte zurückgeschrieben: Es ist pfirsichfarben.“ s. 24
"...ich habe das Meer gebeten, und das Meer hat euch mir geschenkt." - Buchzitat (S.54) "All meine Entscheidungen kamen mir vor, als versuchte ich, einen Fisch zu fangen, den es nicht gab, bis ich ihn fing." - Buchzitat (S.29) In "Die Tage des Wals" entführt uns Elizabeth O'Connor auf eine fiktive abgelegene Insel vor der walisischen Küste im Jahr 1938. Die Autorin, Elizabeth O'Connor, bekannt für ihre Prosa und Gedichte, präsentiert mit diesem Buch ihr beeindruckendes Debüt, das von einer jungen Frau und einem gestrandeten Wal erzählt. Die Geschichte handelt von der achtzehnjährigen Manod, die von einem Leben auf dem Festland träumt. Als ein Wal strandet, bringt dies nicht nur Unheil über die Fischer der Insel, sondern auch zwei Forscher aus Oxford, Edward und Joan. Manod wird zu ihrer Übersetzerin und Gehilfin, doch was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer Freundschaft, die von Hoffnungen und Sehnsüchten geprägt ist. Das Buch lässt mich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite beeindruckte mich die poetische Sprache und die eindrückliche bildhafte Darstellung der Insel und ihrer Bewohner:innen. Die Atmosphäre, die O'Connor erschafft, ist fesselnd und lässt tief in die Insel-Gemeinschaft eintauchen. Besonders die familiäre Dynamik und die Beziehungen zwischen den Charakteren sind gut ausgearbeitet und tragen zur Tiefe der Geschichte bei. Manod als Protagonistin ist faszinierend, gleichzeitig erwachsen und kindlich, und ihr Streben nach einem Leben jenseits der traditionellen Geschlechterrollen ist besonders wenn man sich anschaut, wie die anderen Mädchen in ihrem Alter leben und denken. Auch die Themen, die das Buch anspricht – wie die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Bedeutung von Gemeinschaft und die Suche nach Identität – sind von zeitloser Relevanz und regen zum Nachdenken an. Die kurzen "Kapitel" finde ich einerseits praktisch, andererseits wirkt es auf mich auch sehr unruhig wenn teilweise ein Kapitel nur ne halbe Seite hat, dann wiederum sich auf 4+ Seiten erstreckt. Irgendwie passt es aber zum Charakter vom Buch und ich stell mir vor, dass das vlt. das unruhige Meer charakterisiert? Auch fühlte sich die Handlung für mich auch oft fragmentiert und unruhig an. Es gab Momente, in denen ich nicht wusste, was die Geschichte mir eigentlich sagen will. Einige Handlungsstränge blieben unklar oder wurden nicht zufriedenstellend aufgelöst, was mich am Ende ratlos zurückgelassen hat. Vor allem das Ende. Insgesamt würde ich "Die Tage des Wals" als eine eher herausfordernde Lektüre beschreiben. Es ist ein Buch, das sowohl mit seiner Sprache als auch mit seiner Atmosphäre beeindruckt, aber gleichzeitig an einer klaren vor allem spannenden Handlung bzw. einer befriedigenden Auflösung der Handlung mangelt. Wer sich auf eine poetische Reise voller Schönheit und Rätsel einlassen möchte, wird sicherlich von diesem Debütroman begeistert sein. Mich konnte es trotz der poetischen Sprache und der atmosphärischen Beschreibungen nicht wirklich überzeugen. Daher vergebe ich 2 von 5 Sternen. Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Bewertung.
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Mit beispielloser Eleganz, Kraft und Poesie erzählt DIE TAGE DES WALS von einer jungen Frau, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt.
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Elizabeth O’Connor schreibt Prosa und Gedichte, hat Kurzgeschichten in The White Review und Granta veröffentlicht und 2020 den renommierten The White Review Short Story Prize gewonnen. Sie hat einen PhD in Englischer Literatur und lebt in Birmingham. »Die Tage des Wals« ist ihr Debüt.
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"Der Wal strandete über Nacht am seichten Ufer, tauchte aus dem Wasser auf wie eine Katze, die sich unter einer Tür durch schleicht." "Die Insel war fünf Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit, mit einem Leuchtturm an der östlichen Spitze und einer dunklen Höhle im Westen. Es gab zwölf Familien, den Pfarrer und den Polen Lukasz, der den Leuchtturm betrieb. Unser Haus, Rose Cottage, lag an einem Hang, wo der Wind eine Faust darum ballte." Die Geschichte spielt auf einer kleinen walisischen Insel in den 1930er Jahren und dreht sich hauptsächlich um Manod, deren jüngeren Schwester Llinos und ihren Vater "Tad", die Mutter ist früh verstorben. Sie leben sehr einfach und bescheiden vom Fisch- und Hummerfang, wie die meisten der wenigen Bewohner. Aber immer mehr Jugendliche versuchen ihr Glück auf dem Festland zu finden. Auch Manod hat diesen Wunsch, sie möchte studieren und Lehrerin werden, allerdings möchte sie auch ihre kleine Schwester nicht im Stich lassen. Als Joan und Edward zu Forschungszwecken für eine Weile auf der Insel sind, kann Manod, die neben Walisisch auch Englisch spricht, assistieren und übersetzen. Ihr Wunsch die Insel zu verlassen verdichtet sich. Der ruhige, poetische Schreibstil von Elisabeth O'Connor hat mich sofort begeistert. Durch die lebendigen und bildhaften Beschreibungen konnte ich die Geschichte regelrecht sehen. Eine ganz klare Leseempfehlung für dieses atmosphärische Buch mit Tiefgang ⭐
Eindrucksvoll In dem Buch begleiten wir die 18 jährige Manod, die auf einer namenlosen, fiktiven ,walisischen Insel lebt. Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Vater ist ein einfacher Fischer, der viel unterwegs ist, was dazu führt, dass Manod auch ein Mutterersatz für ihre jüngere Schwester ist. Eines Tages wird die Insel von einem Forscherpaar besucht. Sie möchten sich für ihre wissenschaftlichen Studien ein Bild von den Sitten und Gebräuchen der Insulaner machen, ihr Leben und Arbeiten portraitieren. Manod wird als Assistentin für Übersetzungen aus dem Walisischen eingestellt und freut sich, über die Anerkennung, die ihr zuteil wird und das Interesse, dass die Inselbewohner bei den Wissenschaftlern erwecken. Doch am wirklichen Inselleben sind die beiden Ethnologen gar nicht interessiert. Es soll sich nur alles schön anhören für ihre Publikation. Die Bilder und Berichte sind geschönt und entsprechen nicht der Wirklichkeit. Was so verheißungsvoll begann, Manod sah sich schon in eine neue Welt aufbrechen, endet mit Ernüchterung. Dieser kurze Roman ist beeindruckend, auch wenn ich mit Sprache und Form zunächst etwas gefremdelt habe. Die Kapitel sind superkurz, die Sprache präzise und schnörkelos. Ich mochte die bildhaften Naturbeschreibungen , die das karge Leben auf der Insel im Wechsel der Jahreszeiten gut vorstellbar machten. Es blitzt immer mal wieder durch in welcher Zeit wir uns befinden. Der 2. Weltkrieg steht vor der Tür. Der titelgebende Wal, der vor der Insel gestrandet ist, ist eine Metapher für die Inselbewohner selbst,( ausgebeutet und liegengelassen), wie man am Ende begreift.
Manchmal liest man ein Buch nicht wegen der Handlung, sondern wegen der Stimmung… „Unterschiedliche Farben auf der Meeresoberfläche bedeuteten unterschiedliche Dinge. Schwarz – ein Sturm kam auf. Farbe von Schei*e – ein guter Tag für Boote.“ (S. 79) Diese Geschichte fühlt sich an wie salzige Luft auf der Haut und Wind, der durchs offene Fenster streicht. 🐋 Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen irgendwo zwischen Kindheit und dem ersten Begreifen der Welt. Eine kleine Insel, viel Meer, wenig Ablenkung. Und plötzlich passiert etwas, das alles verändert. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise. Fast behutsam. Und genau deshalb trifft es. Es geht um Abschied, um Staunen, um dieses eigenartige Gefühl, wenn man merkt, dass die Welt größer ist als das eigene Zuhause. Natur wird hier nicht nur beschrieben, sie wird gespürt: Ebbe und Flut, Gerüche, Geräusche, Stille. Und zwischen all dem wächst eine Sehnsucht, die man kaum benennen kann. Der Schreibstil bleibt ruhig und klar, ohne große Worte. Doch gerade dadurch entfaltet sich eine unglaubliche Wirkung. Man liest langsam, fast vorsichtig, weil man die Atmosphäre nicht zerbrechen möchte. Kein Buch für Spannung. Ein Buch fürs Fühlen. Und eines, das noch lange nachhallt, wenn man es schon zugeklappt hat. 🐋
poetisch & rustikal
Sehr poetische und rustikal zugleich geschriebenes Buch über eine walisische Insel, auf der knapp 50 Menschen leben. Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts kommen zwei Engländer auf die Insel, um das urbane Leben der Bevölkerung zu dokumentieren. Die 18jährige Manod assistiert ihnen und beginnt dabei selbst ihre bisherige Lebensweise zu hinterfragen. Sehr empfehlenswert; ich fand die kurzen Passagen beeindruckend und wunderschön zu lesen. Ich hatte das Buch aus der Bücherei und überlege es nachzukaufen.
Was für ein Kleinod🐋🐋🐋🐋🐋 Dieses wunderschöne Buch mit dieser kraftvollen Sprache die sich ins Herz schleicht, hat mich voll erwischt! 💕 Erzählt wird die Geschichte von Manod einer 18-jährigen jungen Insulanerin, welche auf einer kargen Insel auf den Faröern lebt. Sie ist klug und wird von zwei jungen WissenschaftlerInnen engagiert ihnen bei der Übersetzung aus dem walisischen zu helfen. Angelockt wurden diese von dem Wal, der an die Insel geschwemmt wurde. Aber der Bericht und das Buch mit dem sie Erfolg erzielen wollen, soll von dem Leben auf der Insel und ihren BewohnerInnnen handeln. Dieses karge und entbehrungsreiche Leben mit ihren Geschichten und Mythen die in kurzen Kapiteln erzählt werden und mich sehr berührt haben. Diese Weisheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. "Wenn eine Qualle angeschwemmt wurde, hütet jemand ein Geheimnis. Wenn das Wasser mit Sturmvögeln bedeckt war, brachte der Morgen Frost. " Doch was die beiden Eindringlinge vom Festland mit diesen Menschen machen um eine Idylle wiederzuspiegeln, die es gar nicht gibt, hat mich unglaublich wütend gemacht. Inspiriert wurde die Autorin, denke ich, von einem Dokumentarfilm, welchen sie in ihren Anmerkungen zum Text erwähnt. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, denn ich möchte euch neugierig machen auf dieses tolle Buch, mit dem schönen Cover der Künstlerin Liz Sommerville.

Ein Roman, der in Gedanken eine Reise voller Bilder zum Leben erweckt. Zwischen rauer Wildnis und dem Wunsch nach einem Ausweg. 💙
Manod ist 18 Jahre alt und lebt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer Insel vor der walisischen Küste. Das Leben dort ist hart und ganz der Witterung und den Naturgewalten ausgesetzt. Anpassung ist nötig und nur für das Einfachste bleibt Raum und Zeit. Doch Manod ist eine besondere junge Frau, die sich von den anderen Inselbewohner:innen deutlich unterscheidet. Durch ihre Neugier und ihr Interesse, das sich weit über die Grenzen der Insel erstreckt, durch ihre überdurchschnittlich gute Bildung und ihr Wissen, das sie sich sowohl in der Wildnis als auch in der Schule auf dem britischen Festland angeeignet hat, sticht sie heraus. Als die beiden Forschenden Joan und Edward vom Festland zur Insel kommen, um das dortige Leben zu dokumentieren, bemerken auch diese die besondere junge Frau und machen sie zu ihrer Assistentin. Und plötzlich eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Manod und vielleicht sind ihre Träume und Wünsche doch gar nicht so fern, wie sie ihr bisher schienen. 🐋🦭🦞 Ein Wal strandet gleich zu Beginn des Buchs am Strand der Insel, die Manods Heimat ist. Und dieser Wal begleitet uns während des kompletten Buchs durch seine unauffällige Anwesenheit. Ebbe und Flut lassen ihn auftauchen und wieder verschwinden, das Meer umspült ihn, bedeckt ihn und legt ihn wieder frei. Er verwest, wird zur Nahrungsquelle für andere Tiere und die Natur nimmt ihn wieder auf, macht ihn zum Teil eines Kreislaufes, eines Ökosystems. Doch auch die Menschen nutzen seinen Kadaver, allerdings vorwiegend die Menschen vom Festland. Bis er sich zum Schluss nun doch noch in ein bleibendes Denkmal für die Inselbewohner:innen verwandelt. Der Wal durchläuft nach seinem Tod eine Entwicklung – einen Prozess, der sich eigentlich vollkommen im Hintergrund abspielt. Und trotzdem ist diese Entwicklung präsent, ebenso wie Manod eine Entwicklung durchläuft und am Ende auch die Insel und die ganze Welt. Denn gerade kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ist alles im Wandel, auch wenn es für die Handlung des Buches nur beiläufig auf der walisischen Insel zu spüren ist. Denn hier steht Manods Entwicklung im Vordergrund, die sich in meinen Augen von einem klugen Mädchen zu einer selbstbewussten und scharfsinnigen jungen Frau verwandelt. Die Autorin erschafft mit Manod eine sehr sympatische Protagonistin, die so lebendig und wild ist, dass mir das Herz aufgeht. Durch die Verwendung einer wunderschönen poetischen Sprache strahlt Manods einzigartiges Wesen in die Welt hinaus. Sie ist so vielseitig und wissensdurstig, sie ist eine liebenswürdige und fürsorgliche große Schwester und sie ist naturverbunden und geerdet. Und natürlich macht sie Fehler, so wie wir alle, doch sie lernt daraus, zieht die richtigen Schlüsse und steckt neue Ziele. Ich finde Manod wirklich grandios. Die Handlung von "Die Tage das Wals" ist sehr leise. Es passiert nicht besonders viel und so lebt der Roman vor allem durch seine bildgewaltige und poetische Atmosphäre und durch Naturbeschreibungen, die mich die raue Küste fühlen lassen. So ist diese Geschichte vor allem etwas zum Abtauchen, Genießen und Entschleunigen. Gespickt ist das Buch außerdem mit ungewöhnlichen Inseltraditionen, mit Bräuchen und Liedern und vor allem mit vielen Geheimnissen. Schließlich bleiben einige Lücken zurück, die wir als Leser:innen mit unseren eigenen Gedanken schließen dürfen. Ich habe das Buch sehr gemocht und es kam für mich zur richtigen Zeit. Aktuell entdecke ich meine Liebe für den poetischen Sprachstil und der ist in diesem Buch wirklich hervorragend gelungen. Ein ruhiger Romane mit viel Platz für dich selbst, mit versteckten Informationen, die du zwischen den Zeilen findest und mit einer fantastischen und bewundernswerten Hauptdarstellerin. Eine Leseempfehlung von mir!

Eindrücke einer anderen Welt
“Die Tage des Wals” von Elizabeth O’Connor spielt 1938 auf einer walisischen Insel und wir erleben den harten Alltag, den Gezeiten ausgesetzt und geprägt von einer rauen Abhängigkeit zum Meer, der achtzehnjährigen Manod, die von einem Leben und Studium auf dem Festland träumt. Dann wird im Herbst ein Wal an den Strand gespült und zeitgleich tauchen zwei Ethnographen Oxfords auf der Insel auf, die mit Manod als Übersetzerin die kulturellen Eigenheiten der Insel untersuchen. Inspiriert ist die Geschichte mitunter auch deutlich durch “Die Männer von Aran” von Robert J. Flaherty und die Kritik an der Dokumentation. Manod als Protagonistin fand ich sehr spannend, auch wenn sie immer über allen anderen Inselbewohnern zu stehen scheint. Sie ist zwischen ihrem Traum und ihrer (Mit-) Verantwortung gegenüber ihrer Familie gefangen. Ihre Art, die Welt um sich herum wahrzunehmen und zu beschreiben fand ich schön, wenn auch der Schreibstil mir mal sehr, mal gar nicht zusagte. Ich denke, es soll zum Teil ungeschönt realistisch geschrieben sein, was auf mich aber nicht authentisch und aufgesetzt klingt. Dies könnte aber auch mit der Übersetzung zusammenhängen. Trotzdem konnte die Geschichte trotz ihrer eher nüchternen Erzählweise am Ende doch einige Emotionen in mir auslösen. Der Titel "Die Tage des Wals” charakterisiert dabei den Zeitraum, in dem wir Manod begleiten. Eigentlich als Kernelement der Geschichte nimmt er doch eigentlich nur eine kleine, dazu durch seinen (Wesens-) Zustand ebenfalls eine passive Rolle ein. Für mich symbolisiert er den Verlauf der Geschichte, wie auch die Umstände der Insel und des Weltgeschehens um die Insel herum. Das Buch spielt in einer Zeit, die uns Deutschen bestens vertraut sein sollte und es werden auch immer wieder Verweise auf den nahenden Kriegsbeginn gemacht. Spannend ist hierbei die Perspektive, da auf der abgelegenen Insel das Leben seinen gewöhnlichen Gang nimmt und sie nur vereinzelt Nachrichten vom Festland erhalten. Trotzdem ist dies auch auf der Insel mit fortschreitender Handlung immer deutlicher spürbar. Ein Aspekt, der ebenfalls eine große Rolle spielt, ist die (Aber-) Gläubigkeit der Inselbevölkerung. Nicht zuletzt durch die Ethnologen spielen Sagen, Volksmärchen und Erzählungen eine große Rolle in der Geschichte und die Inselbewohner deuten in jede kleinste Ungewöhnlichkeit Fluch oder Segen. So bekommt auch der Wal eine eigene, wenn auch nicht ganz eindeutige, Bedeutung. Das Ende ist eher offen, hat aber gut in die Geschichte gepasst und konnte mich nachdenklich machen. Trotzdem hätte ich mir durchaus vorstellen können, Manod noch weiter zu verfolgen, da sie doch eine gewisse Faszination in mir ausgelöst hat. Von mir definitiv eine Empfehlung.
Ein wundervolles Buch - das war ganz nach meinem Geschmack.
📌 "Alle meine Entscheidungen kamen mir vor, als versuchte ich, einen Fisch zu fangen, den es nicht gab, bis ich ihn fing." - S. 25 Manod wächst mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer kleinen walisischen Insel auf. Die wenigen Inselbewohner leben in einfachen Verhältnissen und von der Fischerei, abgeschieden von der Zivilisation. Die Nachwachsenden verlassen nach und nach die Insel, um ihr Glück und Arbeit auf dem Festland zu finden und auch Manod hat Interesse am Leben in einer der großen Städte, wenn sie auch keine genauen Vorstellungen davon hat. Einzig die jüngere Schwester, um die sie sich kümmern muss hält sie zurück, ihr Zuhause zu verlassen. Als ein Wal auf der Insel strandet, was von den Insulaner zu Recht als schlechtes Omen gedeutet wird, kommen auch die beiden Engländer Joan und Edward auf die Insel, um Recherche für ein Buch zu betreiben. Manod ist fasziniert von den kultivierten Fremden und wird von ihnen als Assistentin/Übersetzerin beschäftigt. Während die 18-jährige Informationen über das Stadtleben bekommt, gewinnen Edward und Joan Einblicke in das ärmliche, stets vom Wetter/von der Natur abhängige Leben der Inselbevölkerung. Beide Parteien scheinen voneinander zu profitieren, doch am Ende bleibt eine enttäuscht zurück. Aus meiner Sicht ist der Wal und dessen voranschreitender Verwesungsprozess als Metapher zu verstehen und verdeutlicht sowohl das Verschwinden der Inselbewohner, als auch die Entwicklung Manods; sicher ist dies aber auch Interpretationssache eines jeden Einzelnen. Es passiert handlungsmäßig gar nicht allzu viel, aber die aussagekräftige Sprache und die Schilderungen der Insel und ihrer einfachen Bewohner, der rauen, kargen Landschaft und des einfachen Lebens haben mich bildlich so sehr abgeholt, dass ich diese Geschichte wahrlich inhaliert habe.

Eine sehr ruhig erzählte Geschichte von einem Mädchen und ihrer Familie , dass auf einer kleinen walisischen Insel zuhause ist und dort unter ärmlichen Bedingungen ihr Dasein fristet. Sie träumt davon die Insel zu verlassen und will unter gar keinen Umständen heiraten, schon gar nicht einen der infrage kommenden Inselbewohner. Eines Tages kommt ein Forscher Paar auf die Insel und bieten ihr einen Job an, da sie zu den wenigen gehört die englisch spricht . Traurig zu lesen, wie sie letztlich nur ausgenutzt wird.
"Die Tage des Wals”, der Debütroman der britischen Autorin Elizabeth O'Connor, für den Blessing-Verlag übersetzt von Astrid Finke, ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein historischer Roman, der im Jahr 1938 auf einer fiktiven, acht Kilometer vor der walisischen Küste gelegenen Insel spielt. Er erzählt uns einen Ausschnitt aus dem Leben der 18-jährigen Ich-Erzählerin Manod Llan. Sie lebt mit ihrem Vater (der durchgehend “Tad” genannt wird), einem Küstenfischer und ihrer sechs Jahre jüngeren Schwester Llinos in einer der wenigen bewohnbaren Steinhütten der Insel, die Mutter ist vor Jahren verstorben. Insgesamt setzt sich die spärliche Insel-Bevölkerung aus 15 Männern, 20 Frauen und 12 Kindern zusammen. Sie leben vor allem von der Fischerei. Das Leben geht seinen gewohnten Gang, bis im Herbst 1938 ein Wal strandet und die abergläubischen Bewohner:innen der Insel in Aufruhr versetzt. Auch für Manod, die von einem Leben auf dem Festland träumt, aber ihrer Schwester zuliebe noch auf der Insel bleibt, verändert sich etwas in dieser Zeit: Die englischen Forschenden Edward und Joan kommen für einige Monate auf die Insel, um für ein Buch ethnologische Studien zu betreiben. Manod soll ihnen als Assistentin und Übersetzerin aus dem Walisischen dienen. Doch die beiden Fremden werden bald mehr als nur Arbeitgebende für Manod. Wird sie mit ihnen zusammen ihre Heimat für immer verlassen? Dieser Roman ist Eskapismus pur! Ein anspruchsvoller Urlaub im Kopf, der uns in eine geografische und historische Abgeschiedenheit versetzt, die ihresgleichen sucht. Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der derart stark Szenerien und das gesamte Setting in meinem Kopf hat lebendig werden lassen, wie dieser hier. Also nicht in dieser Intensität. Nach und nach lernen wir die Topographie der Insel kennen. Ihre Mythen und Geheimnisse, ihre Gerüche und Geschmäcker, die maritime Flora und Fauna. Was auch absolut passend und für mich sehr angenehm war, war der “collageartig-episodenhafte” Erzählstil. Die anekdotenhaft geschilderten Erinnerungen von Manod werden immer wieder von den Aufzeichnungen von Joan und Edward unterbrochen. Außerdem von den Berichten der Insulaner zu verschiedenen Begebenheiten, Erinnerungen, Märchen und Sagen sowie sonstigen die Insel betreffenden Themen. Diese sind im Berichtsstil (mit Datum und erzählender Person) zwischengeschoben und unterfüttern bzw. unterbrechen quasi die von Manod erzählte Handlung. Wer gerne in literarischer Symbolik schwelgt, ist hier ebenfalls nicht fehl am Platz. Llinos verkörpert die Natur, sie ist eins mit ihr. Sie spricht nur Insel-Walisisch, weigert sich zunächst sogar, Englisch zu lernen. “Llinos liebte die Insel anders als ich.” Während die jüngere Schwester also für die Ursprünglichkeit steht, vertritt Manod die Fortschrittlichkeit und Modernität, also letztlich die Zugewandtheit zur Welt außerhalb der Insel. Sie möchte auch kein traditionelles Dasein als Fischerehefrau führen, weswegen sie die Verkupplungsversuche ihres Vaters mit den wenigen heiratsfähigen Männern der Insel ablehnt. Edward und Joan bringen die Kultiviertheit des Festlandes, aber auch seine Probleme (Faschismus, drohender Krieg) sowie Wissenschaft und Technik mit auf die Insel. Und dann ist da natürlich noch der riesige Wal, der nach der Strandung sehr schnell kein lebendiges Wesen mehr ist. Im Laufe der Handlung wird immer wieder über den Zustand des Walkadavers berichtet, der nach und nach verwest und immer mehr eins mit der ihn umgebenden Natur wird. Sein Verfall zeigt möglicherweise auch, dass das Einssein der Insulaner mit der Natur ihrem Ende entgegen geht und sie bald evakuiert werden müssen. In diesem Roman geht Nature Writing eine perfekte Symbiose mit einer berührenden Coming-of-Age Geschichte ein, in der es um falsche Erwartungen und schmerzhafte Zurückweisung geht. Und am Ende steht doch die Hoffnung, die uns leben und weitermachen lässt. Ich habe schon einige andere Eindrücke gelesen, die mangelnden Tiefgang oder eine unspannende Handlung kritisieren. Beides kann ich persönlich nicht bestätigen, für meinen Geschmack ist dieser Roman einzigartig und perfekt. Ein wunderbares maritimes Buch, das ich euch allen von Herzen empfehlen kann.

Es ist nicht gut, wenn ein Wal auf einer der Inseln strandet. Das ist ein schlechtes Omen! Die Dorfbewohner glauben sehr, an das, was vorhergesagt wird. Es ist das Jahr 1938, die Menschen auf der Insel leben in einfachen Häusern, sie sind ordentlich gekleidet, aber haben keinen Zwang sich einer Mode zu unterziehen. Die Frauen werden mit spätestens 18 Jahren verheiratet, sollte ein passender Junge gerade greifbar sein. Dabei spielt Liebe keine Rolle. Wenn sie Glück haben, dann verschont das Meer ihren Angetrauten und sie sind nicht schon mit 25 Witwe, mit mehreren Kindern. Die Menschen dort leben vom Fischfang, nehmen den brütenden Vögeln die Eier aus den Nestern und halten sich Schafe und Ziegen. Manchmal auf eine Kuh, aber die Tiere müssen wie die Menschen einiges aushalten. Die Insulaner fahren manchmal mit ihren Ruderbooten, wenn das Meer es zulässt, auf das Festland. Aber von der Welt bekommen sie nur einen Bruchteil mit. Es sind die Tage des Wals, als diese kleine Geschichte spielt. Die 18-jährige Manod kümmert sich um ihren Tad (Vater) und ihre sechs Jahre jüngere Schwester. Manod ist Näherin und stickt hübsche Motive auf ihre Arbeiten. Sie versucht ihrer kleinen Schwester Englisch beizubringen, aber diese möchte nur walisisch sprechen, wozu soll sie das lernen, sie die Insel ohnehin nie verlassen. Und wenn Fremde kommen, sollen die doch walisisch sprechen. Als der Wal strandet, kommen zwei Engländer auf die Insel und haben plötzlich großes Interesse an dem Leben dort. Die Frau umgarnt Manod und die junge Frau wird als Übersetzerin eingestellt. Manod hegt den Wunsch aufs Festland zu gehen und dem einfachen und rauen Leben zu entfliehen, schöne Kleider und bunten Lippenstift zu tragen. Sie würde gerne wie die Engländerin in Cambridge studieren. „Das können dort die Frauen!“Man muss sich auf den Text einlassen. Die Kapitel sind nicht lang und doch muss man immer wieder innehalten, das Geschriebene nachwirken lassen. Mich hat es fasziniert, wie gut die Übersetzerin das Buch zu einem Vergnügen gemacht hat, denn ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt nicht einfach war, die „Wortbilder“ zu übersetzen:Manod ist eine spröde Protagonistin, vielleicht genauso abweisend wie die Inseln. Aber wenn man hinter die Fassade schaut, findet man eine sensible junge Frau, die sich nicht mit dem abfinden möchte, was ihr vorherbestimmt wurde. Die beiden Menschen vom Festland sind eine Verheißung und Manod träumt von einem anderen, besseren Leben.Es ist mal wieder ein Roman, den man zum richtigen Zeitpunkt lesen muss. Ein Buch, das man nicht einfach zur Entspannung in die Hand nimmt, sondern sich darauf einlassen muss. Ich hatte das Glück, den richtigen Moment abgepasst zu haben. Der Wal im Titel war für mich ein Sinnbild für die Inselbewohner. Gestrandet, am Ausdünnen, ausgeschlachtet und vergessen. Das Beste wird aufs Festland verbracht, der Rest kann am Strand vergammeln. Nein, der Wal hat in diesem Roman keine Hauptrolle. „Die Tage des Wals“ hat für uns 🐭🐭🐭🐭🐭 verdient. Ich werde dieses Buch noch ein- oder zweimal lesen, um alle Zwischentöne zu finden.
Ein Roman über das karge Leben auf einer kleinen waliesschen Insel, der nachdenklich stimmt. Eine Insel, für die es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie verlassen sein wird.
Elizabeth O’Connor nimmt uns in ihrem Debütroman mit auf eine kleine walisische Insel des Jahres 1938. Die Protagonistin des Romans ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und erleben einige Monate ihres Lebens auf dieser Insel. Ein Leben voller Entbehrungen, dass vom Wetter und vom Meer bestimmt ist. Größtenteils wird der Roman aus der Sicht von Manod in der Ich-Erzählweise geschrieben. Die Kapitel sind sehr unterschiedlich in ihrer Länge, was mir persönlich bei diesem Roman stilistisch sehr gefallen hat, da gerade die sehr kurzen Kapitel das harte, karge Leben auf der Insel widerspiegeln. Gelegentlich werden auch Auszüge aus der Arbeit der Ethnografen eingefügt, die deren Sichtweise auf das Leben auf der kleinen Insel wiedergeben. Der Schreibstil ist leicht poetisch und distanziert. Starke Emotionen fehlen, diese hätten aber auch nicht zu dem Roman gepasst. Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil einem die Zeit (1938) und das Leben auf der Insel näher zu bringen. Es ist ein Roman, in der die Protagonistin durch die Ethnografen erfährt, dass das Leben einer Frau nicht nur aus einer frühen Heirat besteht, sondern durchaus mehr zu bieten hat. Dieser Roman lässt sich leicht und flüssig lesen. Mich hatte das Buch komplett in seinen Bann gezogen und lies mich den Alltag vergessen. Ich kann da Buch auf jeden Fall empfehlen, solange man keine große Entwicklung der Protagonisten erwartet. Wenn man sich darauf einlassen kann, dass am Ende durchaus auch Fragen offenbleiben, ist es ein kurzweiliges Buch, obwohl eigentlich nichts passiert. Aber es regt zum Nachdenken an.
Werde dem Buch vielleicht nicht gerecht.
Raue Atmosphäre in einer Zeit zwischen zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert. Auf einer abgeschotten walischen Insel. Kurze Kapitel aus der Sicht einer Achtzehnjährigen. Voller Hoffnung in einem kargen Alltag. Vielleicht war meine Stimmung einfach nicht passend, vielleicht ist das Buch einfach nichts für mich. Der Plot hat vor sich hingeplätschert, was eigentlich nicht schlimm ist. Denke nicht, dass es in so einem Buch anders sein sollte. Doch wenigstens ein bisschen mehr Drama...das hätte mich mehr an die Zeilen gefesselt. Die Sache mit den Schädeln fand ich ekelhaft und ich weiß nicht, was ich vom Ende halten soll.
Eine fesselnde Reise zu einem kleinen walisischen Inselparadies und den Tiefen des menschlichen Herzens Elizabeth O’Connors Debütroman "Die Tage des Wals" ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die auf einer fiktiven walisischen Insel im Jahr 1938 spielt. Der Roman folgt der jungen Manod Llan, die ihr ganzes Leben auf dieser abgelegenen Insel verbracht hat. Manod träumt von einem Leben jenseits der beschränkten Erwartungen ihrer Gemeinschaft, fühlt sich aber gleichzeitig tief mit ihrer kleinen Inselgemeinschaft, ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester Llinos verbunden, die sie seit dem Tod ihrer Mutter umsorgt. Die Handlung nimmt eine Wendung, als ein gestrandeter Wal die Aufmerksamkeit von Außenstehenden erregt. Zwei Ethnographen, Joan und Edward, kommen auf die Insel, um das Leben der Inselbewohner zu studieren. Manod, die sowohl Walisisch als auch Englisch spricht, wird als Übersetzerin und Assistentin für das Forscherpaar ausgewählt. Ihre Bekanntschaft mit Joan inspiriert sie, und Edwards Versprechungen wecken in ihr die Hoffnung auf ein anderes Leben. Doch bald erkennt Manod die falschen Absichten der Forscher und wird von ihrer Enttäuschung und ihren Zweifeln überwältigt. Die Stärke dieses Romans liegt in O’Connors eindringlichem Schreibstil, der die raue Schönheit der Insel und die innere Welt ihrer Protagonistin lebendig werden lässt. Die Beschreibungen der Natur, das Leben auf See und die kulturellen Traditionen der Inselbewohner sind ebenso faszinierend wie die emotionalen Kämpfe, die Manod durchlebt. Ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben und ihre Liebe zu ihrer Schwester und ihrer Gemeinschaft berühren das Herz und machen das Buch zu einem intensiven Leseerlebnis. Was "Die Tage des Wals" besonders macht, ist die stille Kraft, mit der die Geschichte erzählt wird. Es ist ein ruhiger Roman, der die Leser durch die Schönheit des Alltags und die stillen Momente des Glücks und der Traurigkeit in den Bann zieht. Manods innere Konflikte und ihre Entwicklung werden einfühlsam und glaubwürdig dargestellt, was sie zu einer unvergesslichen Figur macht. Der Roman endet trotz der schweren Themen auf einer hoffnungsvollen Note, was dem Leser einen Lichtblick bietet und zeigt, dass es auch in den dunkelsten Zeiten Hoffnung gibt. O’Connors Fähigkeit, komplexe Emotionen und eine tiefgreifende Verbundenheit mit der Heimat zu schildern, machen "Die Tage des Wals" zu einem bemerkenswerten Debüt.
Wundervoll melancholisch
Eine kurzweilige, aber anrührende Erzählung über eine junge Frau, die in den 1930er Jahren mit ihrer Familie auf einer abgelegenen, walisischen Insel lebt. Ich mochte die Symbolik der Geschichte eines gestrandeten Wals, der das Leben der Festländer mit sich bringt. Ich las so gerne von der Natur, der Kunst und der Gefühlswert der Protagonistin. Obwohl der Schreibstil eher ruhig und nüchtern ist, konnte mich die Geschichte die Gezeiten, die Sehnsüchte und Hoffnungen fühlen lassen. Richtig schön.
Spoiler: I LOVED THIS ONE!! (OT: Whale Fall) „Ich dachte mir, ich sollte Joan vom Frühling erzählen, wenn die Schafe geschoren und die Wolle zu Garn verarbeitet wurde. Einzelne Büschelchen lösten sich immer und schwebten durch die Luft, wie Feenflügel.“ s. 64 Eine kleine Insel vor der walisischen Küste lädt uns ein, einen Blick in ihr Leben zu werfen. Oder genauer gesagt, hat die Autorin Elizabeth O‘Connor aus vielen Erzählungen unterschiedlicher Inseln UK und Irlands die Lebensweisen und -weisheiten zusammen gesammelt und in eine kleine, feine, wirklich fast schon unaufgeregte Geschichte einer Insel verpackt, die es so hätte geben können. Es passieren auch harte und raue Dinge, aber im Geschehen der Insel scheinen sie fast schon alltäglich. Bis auf die beiden Forschenden, die die Insel erkunden und erklären wollen, in Privatsphären eindringend und sich das Leben zwischen schroffen Felsen, Fischerhüten und Schafen so zurechtrücken wollen, dass es möglichst spannend für ihr Buch wird. Wir lesen aus der Sicht von Manod, die achtzehn und neugierig ist, mit ihrer kleinen Schwester und dem Vater zusammen wohnt und von ihrer Mutter nur noch Geschichten im Kopf hat. Zwischendrin lesen wir Transkripte über einheimische Geschichten, wie sie so hätten erzählt werden können. Alles daran hat mich an die irische Insel erinnert, auf der ich selbst schon war und deren Erzählungen wir nur noch von ehemaligen Bewohnern kennen, denn nach und nach sind all diese Menschen aufs Festland gezogen (worden). Ich war durchgehen beruhigt und vollends in Manods Welt, was sicherlich auch der tollen Übersetzung von Astrid Finke zu verdanken ist. „Hallo. Mir gefällt dein rosa Kleid. Ich hatte zurückgeschrieben: Es ist pfirsichfarben.“ s. 24
"...ich habe das Meer gebeten, und das Meer hat euch mir geschenkt." - Buchzitat (S.54) "All meine Entscheidungen kamen mir vor, als versuchte ich, einen Fisch zu fangen, den es nicht gab, bis ich ihn fing." - Buchzitat (S.29) In "Die Tage des Wals" entführt uns Elizabeth O'Connor auf eine fiktive abgelegene Insel vor der walisischen Küste im Jahr 1938. Die Autorin, Elizabeth O'Connor, bekannt für ihre Prosa und Gedichte, präsentiert mit diesem Buch ihr beeindruckendes Debüt, das von einer jungen Frau und einem gestrandeten Wal erzählt. Die Geschichte handelt von der achtzehnjährigen Manod, die von einem Leben auf dem Festland träumt. Als ein Wal strandet, bringt dies nicht nur Unheil über die Fischer der Insel, sondern auch zwei Forscher aus Oxford, Edward und Joan. Manod wird zu ihrer Übersetzerin und Gehilfin, doch was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer Freundschaft, die von Hoffnungen und Sehnsüchten geprägt ist. Das Buch lässt mich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite beeindruckte mich die poetische Sprache und die eindrückliche bildhafte Darstellung der Insel und ihrer Bewohner:innen. Die Atmosphäre, die O'Connor erschafft, ist fesselnd und lässt tief in die Insel-Gemeinschaft eintauchen. Besonders die familiäre Dynamik und die Beziehungen zwischen den Charakteren sind gut ausgearbeitet und tragen zur Tiefe der Geschichte bei. Manod als Protagonistin ist faszinierend, gleichzeitig erwachsen und kindlich, und ihr Streben nach einem Leben jenseits der traditionellen Geschlechterrollen ist besonders wenn man sich anschaut, wie die anderen Mädchen in ihrem Alter leben und denken. Auch die Themen, die das Buch anspricht – wie die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Bedeutung von Gemeinschaft und die Suche nach Identität – sind von zeitloser Relevanz und regen zum Nachdenken an. Die kurzen "Kapitel" finde ich einerseits praktisch, andererseits wirkt es auf mich auch sehr unruhig wenn teilweise ein Kapitel nur ne halbe Seite hat, dann wiederum sich auf 4+ Seiten erstreckt. Irgendwie passt es aber zum Charakter vom Buch und ich stell mir vor, dass das vlt. das unruhige Meer charakterisiert? Auch fühlte sich die Handlung für mich auch oft fragmentiert und unruhig an. Es gab Momente, in denen ich nicht wusste, was die Geschichte mir eigentlich sagen will. Einige Handlungsstränge blieben unklar oder wurden nicht zufriedenstellend aufgelöst, was mich am Ende ratlos zurückgelassen hat. Vor allem das Ende. Insgesamt würde ich "Die Tage des Wals" als eine eher herausfordernde Lektüre beschreiben. Es ist ein Buch, das sowohl mit seiner Sprache als auch mit seiner Atmosphäre beeindruckt, aber gleichzeitig an einer klaren vor allem spannenden Handlung bzw. einer befriedigenden Auflösung der Handlung mangelt. Wer sich auf eine poetische Reise voller Schönheit und Rätsel einlassen möchte, wird sicherlich von diesem Debütroman begeistert sein. Mich konnte es trotz der poetischen Sprache und der atmosphärischen Beschreibungen nicht wirklich überzeugen. Daher vergebe ich 2 von 5 Sternen. Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Bewertung.
































