Die Schrecken der anderen
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Description
Martina Clavadetscher begibt sich ins Dunkel der Geschichte und Gesellschaft, wo das Unerzählte lauert. Schicht für Schicht trägt sie ab, um zur historischen Wahrheit vorzudringen. Sie zeigt, dass Dulden die scheinheiligste Form des Verbrechens ist, weil es keinen Widerstand kennt. Sie lässt uns begreifen, dass wir Geschichte zwar nicht weiterspinnen, aber ihre vergessenen Fäden ins Sichtbare ziehen können. Was sie erzählt, könnte die Geschichte jedes Menschen sein. In jedem Land, zu jeder Zeit. Solange niemand aus den Schrecken der anderen lernt.
Ein Junge stößt beim Schlittschuhlaufen auf einen Toten im Eis und den Beginn einer sonderbaren Geschichte. Kern, ein schwerreicher Erbe, kann nicht länger ignorieren, dass seine Augen schwächer werden. Doch will er überhaupt klarsehen? Da ist Kerns hundertjährige Mutter, die den größten Teil des Tages im Dachgeschoss der Villa im Bett liegt, und doch mit brutaler Konsequenz die Fäden in der Hand hält. Da ist Schibig, ein einsamer Archivar, der sich mitreißen lässt von Rosa, der Alten aus dem Wohnwagen, die an den eigentlich unspektakulären Vorfällen ein spektakuläres Interesse hat weil sie versteht, dass nichts je ins Leere läuft, sondern alles miteinander verbunden ist: Der Tote im Eis, die Zylinderherren im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen, ein geplantes Mahnmal, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden.
Book Information
Author Description
Martina Clavadetscher geboren 1979, ist Schriftstellerin und Dramatikerin. Nach ihrem Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie arbeitete sie für diverse deutschsprachige Theater, war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert und zu den Autorentheatertagen Berlin 2020 eingeladen. Für ihren Roman "Die Erfindung des Ungehorsams" wurde sie 2021 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Schweiz.
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Leider abgebrochen, das der Schreibstil mir nicht zusagt. Auch das Schriftbild erschwerte mir das Lesen. Wörtliche Rede nach Bindestrich ist nicht meins und letztlich mochte ich die Charaktere nicht. Ein neugieriger Junge findet im Eis eines zugefrorenen See's in der Schweiz eine Leiche. Da der zuständige Polizeibeamte Phil weit entfernt sitzt und dies für einen Scherz hält, schickt er seinen Freund Schibig, polizeilicher Archivar, hin, um nachzusehen. Dieser überwindet seine Sozialphobie und macht sich auf den Weg. Dabei lernt er die Alte kennen. Auch eine besondere Protagonistin. Anfangs ein gelungener Start als Krimi. Anschaulich lernt man die Protagonisten kennen, die alle ihre Besonderheiten mitbringen. Die Schreibweise ist aber leider ziemlich verschachtel, teilweise verworren und ich hatte Mühe, der Geschichte zu folgen. Letztlich ging es nicht nur darum, den Mord zu klären, sondern auch um viele weitere Probleme. War für mich leider nicht interessant genug um dran zu bleiben, zumal es sich auch nicht flüssig las.
Ein Junge stolpert beim Schlittschuhlaufen zufällig über eine Leiche. Schilbig, der eigentlich lieber in seinem Archiv sitzt, wird zum Tatort zitiert und trifft auf Rosa. Sie lebt in einem Wohnwagen und will Schilbig unterstützen. Dann gibt es noch Kern und seine 100jährige Mutter. Sie bestimmt das Familienleben, ist eigentlich gesundheitlich nicht mehr so gut drauf, doch setzt manchmal noch unerwartete Kräfte frei. Die Geschichten verweben sich miteinander und führen zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Ich hatte so meine Schwierigkeiten beim Beginn des Buches. Wusste nicht was es mit den verschiedenen Charakteren so auf sich hat und hatte dadurch so meine Mühe dranzubleiben. Nach und nach kam ich immer mehr rein in die Story und es wurde richtig interessant. Langsam entspann sich ein Netz aus Geheimnissen und gesellschaftlicher Schuld. Am Ende fügt sich dann alles zusammen. Da war dann auf einmal richtig viel los. Insgesamt ein atmosphärischer Roman über die Schrecken der Anderen. Für Leser, die sich für historische Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft interessieren, eine Empfehlung.
Eindrücklich und berauschend
"Wenn etwas auftaucht, das schon als vergessen galt, kann das ganz schön lästig sein für einige - für andere hingegen ist das vielleicht sogar ein Glücksfall; so oder so: es wirft Fragen auf und das sollten wir nutzen." "Die Schrecken der Anderen" von Martina Clavadetscher ist ein Roman, der sich nicht so richtig in eine Schublade stecken lässt. Er ist zeitgenössisch und birgt kriminalistische Elemente in sich. "Aber vergessen sind die Toten, löscht aus, was an mir Frau und Tochter noch ist, und füllt es auf mit Grausamkeit." (Shakespeare) Das Ödwilertal. Ein Junge sucht auf dem zugefrorenen Ödwilersee nach Methangasblasen um diese anzuzünden, doch was er findet ist eine Leiche. Arnold Schibig, ein einsamer und unter Angststörungen leidender Archivar, wird aus Mangel an Personal hingeschickt, um die Behauptung des Jungen zu überprüfen. Dabei wird er von Rosa, der Alten, die in dem gelben Wohnwagen am See wohnt, beobachtet. Natürlich geht sie ihm nach und knüpft den ersten Kontakt. Rosa hat ein großes Interesse an diesem Fall, denn ihr ist scheinbar als einziger Person klar, dass alles mit allem zusammenhängt - Zufälle gibt es nicht! Und dann ist da noch Kern. Ein schwerreicher Erbe mit Augenproblemen, der unter seiner zwar bettlägrigen, jedoch nach wie vor tyrannischen Mutter leidet. Auch die Familie Kern, steckt irgendwie in allem drin. "... so ist er sich plötzlich nicht mehr sicher, ob diese Geschichte nicht genauso gut auch der Alten widerfahren sein könnte - oder noch umfassender, ob diese Geschichte am Ende nicht jedermanns, jederfraus, jederkinds Geschichte sein könnte. In jedem Land. Und zu jeder Zeit. Weil niemand jemals etwas aus den Schrecken der anderen lernt." Clavadetschers Roman ist sehr klug konzipiert und sie erzählt diese Geschichte auf eine sehr eindrückliche Art und Weise. Eine Art und Weise, die uns auch die Aktualität dieser Geschichte vor Augen hält. Sie ist bedrückend, beängstigend und berauschend. Wir tauchen mit jeder Seite tiefer in den Sumpf der Vergangenheit ein, die ihre Klauen in die Zukunft streckt und diese mit ihrem dreckigen Morrast besudelt. Besonders gefallen haben mir auch die wirren Parts, die Wort an Wort, ohne Punkt und Komma aneinanderreihen und dadurch besonders eindrücklich wirken. Für mich war "Die Schrecken der Anderen" zwar kein Highlight, aber trotzdem ist es ein wirklich großartiger Roman, der mich sehr gefesselt hat und den ich gern gelesen habe. "Schibig liest Namen um Namen, die eingemeißelten Menschen und ihre Daten: Anfang und Ende, Geburt und Tod, dazwischen ein Bindestrich, der das Leben ausmacht."

Die Vergangenheit halt lange nach - und manche Person will nichts draus lernen
Dieses Buch hat mich herausgefordert und dann doch beeindruckt und vor allem sehr viel zum Nachdenken angeregt. Welche Verantwortung haben Kinder und Kindeskinder am Erbe ihrer Eltern? Sind es die Nachfahren, die sich den Verbrechen der Ahnen stellen müssen? Übernehmen wir Schuld, wenn wir die Augen verschließen? Aber zurück zur Geschichte: Ein Toter im Eis, eine Alte, die alles was geschieht beobachtet, ein Archivar, der Dingen auf den Grund geht und ein reicher Erbe. Lange war mir nicht klar, wie diese Personen miteinander zusammenhängen oder ob sie es überhaupt tun. Es fiel mir schwer, der Geschichte zu folgen. Ellenlange Schachtelsätze trieben mich beim Lesen fast in den Wahnsinn. Aber dann machte es irgendwann klick, ich verstand worum es ging und ab da wurde jede Seite klarer und klarer. Ich Schloss den einen Teil der Personen in mein Herz und den anderen hätte ich am Liebsten schütteln mögen. Das Verharren und Verherrlichen der dunkelsten Zeit unserer Geschichte ließ mich erst fassungslos zurück, machte mich aber noch Fassungsloser, als mir klar wurde, dass diese Geschichte zwar fiktiv aber nicht unwahr ist. In hier und jetzt kommen alte Gesinnung erschreckend oft wieder zum Vorschein und das nicht bei Alteingesessenen, sondern quer durch die Generationen. Martina Clavadetscher hat ein gesellschaftspolitisches Portrait geliefert, dass aktueller denn je ist. Und beim Zuklappen des Buches wünschte ich mir, es wäre "nur" eine Geschichte.
Beeindruckend und fesselnd
„Das ist kein Krimi (…) - Das habe ich ihm auch schon gesagt, aber mittlerweile bin ich mir da selbst nicht mehr sicher, schließlich ist alles miteinander verbunden.“ (S.230) Dieses Buch in ein Genre einzuordnen, führt vor eine Herausforderung. Ist es ein Krimi? Zu Teilen schon. Ist es ein Gesellschaftskritischer Roman? Definitiv! Ist es eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des 2. Weltkriegs? Auf jeden Fall! Martina Clavadetscher hält hier verschiedene Fäden in der Hand, die sie gekonnt auf eine bizarre, mysteriöse und skurrile Art und Weise verbindet und damit den Nagel auf den Kopf trifft! Es beginnt mit dem Fund einer Leiche in einem zugefrorenen See. Schnell als Unfall oder Selbstmord abgetan, verschwindet er wieder in der Versenkung. Doch nicht ganz. Denn eine alte Frau, die von irgendwo aus der Welt wieder zurückgekommen ist um alte Rechnungen zu begleichen, und ein Archivar, der unter Angststörungen leidet, finden zusammen, forschen gemeinsam nach und entwickeln dabei eine tiefe Freundschaft. „Wir sind höchstens ein paar lästige Fliegen, ein Störfaktor. Beobachtend, klein und unwichtig, könnte man denken, wir werden nicht ernst genommen, aber wir sind hartnäckig. Landen auf Misthaufen, matschigen Kadavern und landen danach auf Porzellantellern. Wir fliegen hin und her und erinnern hüben wie drüben, dass das andere existiert, das Saubere und das Dreckige. Und Scheiße liegt ja bekanntlich überall, wir müssen also nur etwas herumfliegen.“ (S.109) Die Ermittlungsarbeiten und die Freundschaft bringen auf beiden Seiten etwas ins Rollen und wir tauchen immer tiefer ein in die Geheimnisse aller Beteiligten - denn „Alles ist miteinander verbunden“ - der zentrale Satz des Romans. Was sehen wir, wenn wir wirklich hinschauen, wollen wir überhaupt wissen, was wir dort sehen werden oder bleiben wir lieber blind für das Wesentliche? Und sind wir bereit die gescheiterten Pfade zu verlassen und einen neuen Weg einzuschlagen? Die Geschichte ist voller Schrecken und Abgründe - das Cover bringt es symbolisch treffend rüber. „Dann steht er einfach da, mitten im weißen Nichts, zwei Meter vor ihm der Tod, und er fühlt sich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Jetzt bin ich doch direkt in der Gegenwart gelandet, merkt Schibig, und es fühlt sich gar nicht schlecht an. Im Gegenteil.“ (S.33) Der Schreibstil ist ganz besonders und fesselnd und hat mich direkt an den Seiten kleben lassen - Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen! Bildhaft und einen Sog entwickelnd. In diesem Buch habe ich die für mich bisher am kunstvollsten gestaltete Rückblende gelesen: hier wird die Vergangenheit eines Protagonisten nicht einfach nur „nacherzählt“ - nein, hier bekommen wir 7 Ansichtskarten, dessen Bilder und kurze Texte uns nach und nach einen Einblick gewähren - das fand ich absolut fantastisch und kunstvoll!! Ein Roman, der definitiv speziell und sicherlich nicht für Jeden etwas ist, der mich aber in seinem kunstvollen Facettenreichtum sehr begeistern konnte, auch wenn ich vom Gelesen oft verschreckt war - aber das ist auch Sinn und Zweck der Geschichte! Sie soll wehtun und zum Nachdenken anregen. Prädikat LESENSWERT

„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“ Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit. Ein junge findet im Schweizer Örtchen auf einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine alte aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen. Sobald man die erste Schicht, den Whos-Done-it-Krimi vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben. Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben. Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt. Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit. Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen. Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.
Wichtiges Thema, nur sprachlich leider nicht meins.
Normalerweise mag ich Literatur, die sich sprachlich abhebt. Ungewöhnliche Schreibstile und auch die Verwendung von Stilmitteln schätze ich sehr. In diesem Roman hat es mich allerdings nur gestört. Weder der Erzählton noch die sprachlichen Besonderheiten konnten mich abholen, sie haben mich eher irritiert. Immer wieder musste ich pausieren. Der Geschichte hat so der Raum gefehlt. Inhaltlich war es eine spannende Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten. Historisch wertvoll, ergänzt durch Hintergründe aus der Schweiz. Die Protagonisten waren greifbar. Das Thema ist unglaublich wichtig “damit die Geschichte nicht verdrängt, sondern daraus gelernt wird.” Und doch kann ich es nur eingeschränkt jenen empfehlen, die wirklich Interesse an einem ausgefallenen Schreibstil haben.

📖 „Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“ Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit. Ein Junge findet in einem Schweizer Örtchen einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine Seniorin aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen. Sobald man die erste Schicht des Krimis vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben. Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben. Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt. Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit. Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen. Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.
Wenn Zylinderherren tanzen und Tote im Eis liegen
Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt: Was zur Hölle passiert hier eigentlich – und warum macht es trotzdem so süchtig? Genau so ging’s mir bei Die Schrecken der anderen. Martina Clavadetscher hat wieder mal tief in die Trickkiste gegriffen und ein literarisches Labyrinth gezimmert, das gleichzeitig verstört, fasziniert und zum Lachen bringt (ja, sogar das!). Da ist dieser Tote im Eis – klingt nach Krimi, ist aber mehr so ein Türöffner in eine Geschichte, die permanent aus den Angeln springt. Plötzlich hängt man zwischen Zylinderherren, schrägen Archivaren, einer alten Frau im Wohnwagen und einem Mahnmal, das fast lebendiger wirkt als die Leute drumherum. Und mittendrin Kern, der schwerreiche Typ, dessen Augen nicht mehr mitmachen wollen. Klare Sicht? Fehlanzeige! Aber genau das macht’s genial: Der Leser sieht mehr als die Figuren, während man gleichzeitig spürt, dass man selbst auch nicht durchblickt. Mindfuck deluxe. Was mich komplett weggeblasen hat, ist diese Mischung aus realer Geschichte, Mythos und feiner Ironie. Clavadetscher zieht die Schichten ab wie eine Zwiebel – nur dass einem dabei nicht die Augen tränen, sondern der Kopf glüht. Und sie haut einem so nebenbei die unbequeme Wahrheit um die Ohren: Dulden ist auch ein Verbrechen. Zack, sitzt. Trotz aller Düsternis steckt in dem Buch ein wilder Funken Humor, so schräg und unerwartet, dass man ständig grinst, obwohl man eigentlich Gänsehaut haben sollte. Das ist kein Roman zum Wegsnacken vorm Einschlafen. Das ist ein Erlebnis. Ein literarischer Trip, der dich auf der Couch fesselt und nachts im Traum noch Zylinderherren vor dir tanzen lässt. Ich sag’s mal so: Wer mutig ist, liest das. Wer feige ist, verpasst das Abenteuer seines Lebens.

“Die Schrecken der anderen” von Martina Clavadetscher zeichnet ein komplexes Bild eines schweizerischen Dorfes: ein Junge stolpert im wahrsten Sinne über eine Leiche, ein Konzernerbe, dessen Frau nicht schwanger wird, steht unter der Fuchtel seiner hundertjährigen Mutter und ein Polizeiarchivar verfällt einer mysteriösen Alt-Hippie-Frau, die in allem das große Ganze erkennt und aufdecken will. Genauso seltsam, wie sich die Zusammenfassung liest, ist das gesamte Buch. Was als Krimi beginnt, wird zu einer Gesellschaftsstudie, man weiß bis kurz vor dem Ende nicht, wohin man geführt wird, sondern schwimmt einfach mit und lässt sich von Sätzen und Szenen einwickeln. Einerseits fand ich es sehr schwierig, beim Hörbuch konzentriert dran zu bleiben, gleichzeitig hat es mir aber auch Spaß gemacht - längere Zeit am Stück konnte ich mich allerdings nicht auf den Text konzentrieren, auch wenn die Stimme der Hörbuchsprecherin Michaela Winterstein durch ihre Interpretation wesentlich dazu beigetragen hat, aus diesem Buch ein literarisches Hörerlebnis zu kreieren. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
. Hast du Lust auf einen literarisch anspruchsvollen Krimi? Einen fast schon poetischen Krimi, der dich mit seiner Geschichte fesselt und lange nicht mehr loslässt? Dann solltest du „Die Schrecken der Anderen“ lesen. Mich hat es sehr beeindruckt, wie Clavadetscher es schafft, ohne viel „Tamtam“ eine so düstere Atmosphäre zu schaffen. Große Leseempfehlung meinerseits! 4,5/5 ⭐️ . Aber worum geht es hier genau… Eine Leiche im See… ein Archivar des Polizeipräsidiums, der lieber bei seinen Akten ist als bei anderen Menschen… „Die Alte“, die sich mit Hilfe des Archivars auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Seeleiche macht… ein Sohn in einem fragwürdigen Verein mit einer 100 jährigen Mutter mit fraglichen Ansichten und eine Schwiegertochter, die einfach nicht schwanger wird… . In „Die Schrecken der Anderen“ folgen wir mehreren Erzählsträngen in der Gegenwart. Zunächst bekommt man als Leser das Gefühl mehrere total verschiedene Geschichten zu lesen, jedoch eröffnet sich nach und nach eine komplette Geschichte, die auf unerwartete Weise fesselt und uns als Leser auf interessante Kriminalroman Reise mitnimmt. Mir wurde zwar schon relativ früh klar in welche Richtung die Geschichte geht, jedoch war der Weg dahin wirklich toll geschrieben. Die Charaktere sind wirklich realistisch dargestellt, jedoch finde ich das es ihnen an einigen Stellen an Tiefe fehlt. Was wirklich schade ist, da der Roman ansonsten durch seine Bildsprache ein wirklich tolles Bild entstehen lässt. Die Aufarbeitung einer dunklen Geschichte, die nicht nur fiktiv daherkommt ist Clavadetscher sehr gelungen. Dieser Roman ist eine Mischung aus Belletristik, Kriminalroman und Geschichtsbuch. Sprachlich lässt „Die Schrecken der Anderen“ die Ausbildung der Autorin erkennen… das Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie sind unverkennbar. Und gerade deswegen ist es wohl ein wirklicher Genuss diesen Roman zu lesen. Die Autorin möchte aufzeigen, dass jegliche Handlung miteinander zusammenhängt und man sich nicht so einfach seiner familiären Vergangenheit entziehen kann. Und das jede noch so kleinste Handlung eine Konsequenz hat. Ob gut oder schlecht! Ich finde wirklich jeder sollte diesem Roman eine Chance geben! Ich weiß, dass nicht jeder Leser von Anfang an begeistert sein wird, aber es lohnt sich wirklich sehr! Absolut lesenswert! Martina Clavadetschers „Die Schrecken der Anderen“ hat das Potenzial ein moderner Klassiker zu werden.

Es nimmt die Luft zum Atmen
Bis zur Mitte das Romans habe ich mich gefragt, wo genau die Reise hingehen möchte. Durch die beiden Erzählstränge nehmen wir mehrere Perspektiven über ein Ereignis ein, was den Spannungsbogen aufrecht erhalten lässt. Martina Clavadetscher schreibt zum Teil sehr poetisch und driftet in anderen Szenen ab, was mich manchmal aus dem Lesefluss herausbrachte. Darüber hinaus bin ich immer für historische Verknüpfungen zu begeistern, so auch hier. Es ist ein Roman über die Auswirkungen des Nationalsozialismus für die Gegenwart mit erschreckend realen Nachzeichnungen der politischen Bewegung. Ein überaus bedeutender Roman als Erinnerung an unsere Geschichte. Die Frage die sich mir stellte: Wer trägt die Verantwortung für die Schrecken der Vergangenheit und wie trägt jede*r Einzelne dazu bei diese zu bearbeiten? Fazit: Ein Kunstwerk für Alle historisch begeisterten mit einer Portion Aktualität, die zum Teil die Luft zum Atmen nimmt.
Ein schrecklich fesselnder, aber doch ruhiger Roman
„Das könnte die Geschichte jedes Menschen sein. In jedem Land, zu jeder Zeit. Solange niemand aus den Schrecken der anderen lernt.“ Wie gruselig ist doch das Cover! Da rechnet man dann schon mit einer sehr irren und gruseligen Story…. und wird aber eines anderen belehrt… Ödwil, oder das Ödwilerfeld, ein Ort in der Schweiz. Ich habs gegoogelt aber nicht gefunden. Nun gut, jedenfalls wird dort im Eis die Leiche eines Mannes gefunden. Als erster am Fundort ist Schibig, eigentlich Archivar. Bleib nur kurz, hieß es, bis die Polizei da ist. Beobachterin der ganzen Szene ist „die Alte“, die in einem Wohnwagen wohnt. Die Alte ist auch diejenige, welche den stillen Schibig aus seiner Zurückgezogenheit zu holen vermag. Dann ist da noch Kern, ein schwerreicher Schnösel, der damit umgehen muss, nicht mehr allzu gut zu sehen. Er kommt zu der Einsicht, er sollte wohl doch besser zum Optiker gehen. Kern lebt mit seiner Mutter, ein etwa hundertjähriger „und ein „Drachen“, und seiner Frau im großen Herrenhaus. Die Frau wird nicht schwanger, sollte einen Erben hervorbringen, was aber nicht gelingt. Frau Kern trifft sich deshalb auch mit anderen Männern. Und die Mutter liegt im Dachboden in einem Pflegebett und weigert sich beharrlich zu sterben. Ihr Schatten liegt permanent über dem Leben von Kern. Mit meist recht ungewöhnlichen Mitteln hält sie die Fäden in der Hand. Und dann gibt es noch die Versammlungen im Gasthof Adler, dem Dorfgasthaus, wo sich die noblen Vereinsmitglieder treffen. Rosa, also „die Alte“, macht Schibig neugierig auf die Dinge, die einzeln recht unspektakulär sind und scheinbar nicht zusammenhängen. Der Tote im Eis, die Treffen im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen um schwanger zu werden, ein geplantes Mahnmal im Dorf, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden. Ich war so gefesselt von dem Roman, von seiner bis ins kleinste Detail beschreibenden Art. Es gab immer eine Spannung trotz der sehr ruhigen und sehr bedachten Sprache. Und es bleibt auch wirklich spannend, bis zum Schluss, versprochen! Nur, was das Bild mit der Katze und dem Vogel soll, das habe ich einfach nicht verstanden. Vielleicht ihr?
Ein Buch über die Wichtigkeit von Geschichtsschreibung sowie geschichtlicher Aufarbeitung. Mit eigenartigen und etwas schwammigen Charakteren die aber alle ihren Charme haben. Eine Geschichte die so leider überall passieren könnte. Teilweise sehr coole Satzbauten und Sinnbilder in einer poetischen Sprache. Zwischendurch kurzzeitig auch sehr ekelig. Ich mochte das Buch gerne leiden.
Ein stiller Literaturknaller
Ein Toter im gefrorenen Bergsee bring in einem kleinen Dorf so einiges ins Rollen, was schon lange unter der Oberfläche gebrodelt hat. Martina Clavadetscher neustes Werk brilliert durch eine anspruchsvolle, teilweise gar poetische Sprache, die ein Ambiente entstehen lässt, das sich durch das ganze Buch hindurch zieht: melancholisch, brutal und menschlich. Die Autorin erzählt bildhaft und packt gleichzeitig so vieles auch zwischen die Zeilen, dass man beim Lesen bei der Sache sein sollte, um das volle Ausmass dieser Geschichte zu erkennen. Gekonnt bringt sie die einzelnen Erzählstränge zu einem grossen Ganzen zusammen und zeichnet so ein Bild unserer Gesellschaft und unseres Menschseins, das zu überdenken sich auf jeden Fall lohnt. Dieses Metaleseerlebnis ist es auch, was das vorliegende Buch zu einem kleinen Meisterwerk macht: Eine Geschichte über die Geschichten in der Geschichte. Die Schrecken der anderen ist ein anspruchsvolles, teilweise auch ein eigenartiges Buch, das historisches mit emotionalem vereint und durch persönliche Geschichten Gesellschaftskritik übt. Grandios!
spannender, genreübergreifender Roman
Allein das Cover war für mich schon mal ein Eyecatcher und löste sowohl etwas Verschreckendes als auch Neugierde, mehr darüber zu erfahren in mir aus. Ein Toter wird im vereisten Ödwilersee in der Schweiz, umgeben von der rauen Natur am Fuße des Berges Frakmont von einem Jungen gefunden. Mit dieser Szenerie beginnt der neue Roman von Martina Clavadetscher. In der eisigen Landschaft begegnen der Leserschaft einige sehr detailliert beschriebene Protagonist:innen und eine außergewöhnliche Handlung, die es wahrlich in sich haben: Schibig, ein von Angststörungen gebeutelter Archivar des Polizeipräsidiums, der spontan von seinem Kollegen gebeten wird, am See nach dem Rechten zu schauen, trifft dort auf Rosa, eine alte Frau, die in der Nähe des Ufers auf dem ansässigen Campingplatz in einem Wohnwagen lebt. Gemeinsam versuchen sie den Fall um die Leiche im See zu lösen. Mit der Zeit bekommt Schibig allerdings das Gefühl, dass Rosa, „die Alte“, noch andere Interessen verfolgt. Parallel zu diesem Handlungsstrang erfährt die Leserschaft einiges über einen Herr Kern und dessen Sehschwäche. Diese kann er nicht ignorieren und benötigt dringend eine neue Brille. Aber strebt er eine klare Sicht der Dinge überhaupt an? Kern ist ein reicher Erbe, der mit seiner Frau Hanna und seiner Mutter in einem Herrenhaus lebt. Herr Kerns Mutter, fast 100-jährig, lebt im Dachgeschoss des Hauses, ist bettlägerig und redet häufig sehr wirres Zeug. Aber dennoch scheint sie die Geschicke des Unternehmens noch fest in Händen zu halten. Mit ihrem unerbittlichen Wunsch einen Nachfolger von Sohn und Schwiegertochter zu bekommen, scheint sie die beiden zu tyrannisieren. Darüber hinaus begleiten wir Kern bei seinen regelmäßigen Treffen eines ominösen Vereins in das Gasthaus Adler, bei dem horrende Spenden für ein großes „Projekt“ gesammelt werden, wo auch wieder Schibig und Rosa ins Spiel kommen, denn „alles ist miteinander verbunden“ und so ist „der Tote im Eis […] nur ein Puzzleteil. Er ist ein Grund, genauer hinzuschauen [...]“ „Der Schrecken der anderen“ ist insgesamt ein Werk mit vielen Geschichten, die sich nach und nach miteinander verflechten und zu einer großen Geschichte innerhalb der Zeitgeschichte werden. Die Figuren wirken auf mich geheimnisvoll, teilweise skurril und auf jeden Fall machten sie mich neugierig, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Die Handlung fand ich zum einen dadurch spannend gestaltet, da die Autorin es gekonnt versteht, bei mir eine absolute Verwirrung darüber zu schaffen, wie alles wohl zusammenhängen könnte. Nach und nach wurden die Details der Geschichten so miteinander verwoben, dass daraus eine große Geschichte entstand. Ebenso empfinde ich das Buch absolut genreübergreifend. Anfangs war ich mir sehr sicher einen Krimi vor mir zu haben, es offenbarten sich aber mit der Zeit auch phantastische und zeitgeschichtliche Aspekte. Die Sprache ist sehr poetisch und bildhaft. Martina Clavadetscher schreibt meiner Meinung nach nicht nur, sondern zeichnet vielmehr Bilder, die ich mir sehr gut vorstellen konnte. Es werden viele Metaphern aus der Natur eingesetzt, die mich sehr beeindruckt haben. Dabei war es für mich kein Buch, dass sich so schnell durchlesen ließ, sondern benötigte auch eine gewisse Zeit und Ruhe. Manche Zeilen regten mich sehr zum Nachdenken an, manches las ich teilweise ein zweites mal, da ich es sprachlich sehr anspruchsvoll fand. Insgesamt ist die „Schrecken der anderen“ ein Buch, in der viele Geschichten verwoben sind und zu einer großen Handlung werden, deren Ursprung im Schrecken der Vergangenheit, im Nationalsozialismus, liegt. Ein mahnendes Werk, genau hinzusehen, um aus der Vergangenheit zu lernen. Eine absolute Leseempfehlung von mir!
Herausfordernd und vielschichtig
In einem zugefrorenen See wird eine Leiche entdeckt. Schibig, ein eigenbrötlischer Archivar wird zu dem Fund entsandt und trifft dort auf eine Alte, die in einem Wohnwagen lebt. Die beiden finden Gefallen aneinander und erscheinen nun meist im Doppelpack. Dann gibt es auch noch Kern. Ein wohlhabender Unternehmer, der darunter leidet kinderlos zu sein und zudem von seiner sehr alten Mutter drangsaliert wird. Ein Buch, das bestimmt seine Liebhaber findet, da es einen wirklich schönen Schreibstil hat und auch das Thema gut gewählt ist. Mich hat die Sprache mit den langen, verschachtelten Sätzen aber eher verwirrt und die Zusammenhänge waren mir oft nur schwer zugänglich. Auch die vielen ineinander greifende Handlungen haben mir das Lesen schwer gemacht. Kein Buch, das man mal eben so liest. Das Ende hat mir dann richtig gut gefallen.
Gute Story, eigenwilliger Schreibstil
Auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr ist mir „Die Schrecken der anderen“ direkt ins Auge gefallen. Die Beschreibung hat mich sofort angesprochen, weshalb ich es mir später als Hörbuch gekauft habe. Die Geschichte an sich ist zweifellos wichtig, gut durchdacht und am Ende fügt sich die Story auch teils gut zusammen. Dennoch war der Erzählstil für mich persönlich eine kleine Herausforderung. Die Erzählweise ist aus meiner Sicht etwas eigenwillig. Dadurch fiel es mir manchmal schwer, im Rhythmus des Buches zu bleiben und den Fokus immer genau dort zu halten, wo die Geschichte ihn gerade verlangte. Es ist ein Stil, auf den man sich einstellen muss und der sicherlich vielen sehr gut gefällt – bei mir wollte der Funke aber nicht ganz überspringen. Letztlich habe ich die Geschichte als Hörbuch zu Ende gehört, was eine sehr gute Entscheidung war. Es ist wirklich schön gelesen. Da mich die Story an sich gepackt hat, wollte ich wissen, wie alles ausgeht. Ein inhaltlich starkes Buch mit einer tollen Grundidee, auch wenn mich die Art der Erzählung nicht ganz abholen konnte.
"Das Aufdecken der Geschichte ist eines, Hinschauen, ein Zweites. Aber wir wissen alle, das Schwierigste ist ein Drittes, und zwar daraus zu lernen und entsprechend zu handeln "
Ein Junge wird unter einer Eisschicht tot aufgefunden. Eine alte Dame animiert einen zurückgezogen Archivar mit ihr in diesem vermeintlichen Selbstmordfall zu ermitteln. Ein reicher Erbe mit einer 100-Jährigen pflegebedürftigen Mutter unter dem Dach versucht erfolglos einen Stammeshalter zu zeugen. Was als Krimi startet, ist schnell so viel mehr. Nach und nach werden die Erzählstränge miteinander verwoben unf reichen von den Verbrechen des Nationalsozialismus bis in die heutige Gegenwart.
Oh wow, DAS habe ich nicht erwartet als ich das Buch angefangen habe. Ein genreübergreifendes Buch, Krimi, Familiengeschichte, gesellschaftskritischer Roman, gespickt mit einer guten Portion Innerschweizer Sagengeschichten. Trotzdem passt alles perfekt zusammen und ergibt ein stimmiges Ganzes. Die Geschichte beginnt mit dem Fund einer Leiche in einem gefrorenen See. Gleichzeitig lernen wir Herrn Kern und seine Frau Hanna kennen, die seit langem verzweifelt versuchen ein Kind zu kriegen. Da hilft es auch nichts dass die scheintote Mutter von Kern, die ebenfalls im Haus lebt, Hanna obskure Fruchtbarkeitstipps gibt. Eine alte Frau die in einem Wohnwagen am See lebt freundet sich mit dem introvertierten Archivar Schibig an. Zusammen kommen die beiden nach und nach etwas grossem auf die Spur. Ein unglaublich vielschichtiger Roman der einlädt auch mal zwischen den Zeilen zu lesen und sowohl geschichtliches als auch zeitgenössisches gekonnt miteinander verbindet. Martina Clavadetscher zeigt einmal mehr dass sie eine grossartige Autorin ist.
Vorhersehbarer Schrott
Ich kann vor meinem inneren Auge quasi sehen, wie die Autorin ihrem Freundes- und Bekanntenkreis dieses Buch mit einem Augenzwinkern und den Worten „So etwas hast du BESTIMMT noch nicht gelesen“ aufdrängt. Dieser recht experimentelle Text war für mich nur schwer Zugänglich. Es ist ein wenig sonderbar: Häufig verliert er sich in langen, verschachtelten Sätzen mit vielen Metaphern, bemüht sich dann aber zu stark ebenjene Metaphern zu erklären. Man schwankt immer zwischen Ratlosigkeit und dem Eindruck, dass einem nicht zugetraut wird, die offensichtlichsten Metaphern zu schnallen. Dass die zunehmende Sehschwäche eines Charakters sinnbildlich für das bewusste (vielleicht auch unbewusste) Wegsehen steht, genau dann wenn man eigentlich hinsehen sollte - das war mir schon klar. Die gefundene Leiche hätte auch nicht McGuff heißen müssen, damit ich kapiere, dass sie lediglich Mittel zum Zweck ist. Der Roman verleiht einem somit ein ausgeprägtes Gefühl von gewollt aber nicht gekonnt, er ist einfach unglaublich möchtegern anspruchsvoll aber sobald man über das Gelesene nachdenkt wird einem schnell klar: Das alles ist so unoriginell und langweilig…. Wenn ein Roman immer und immer wieder davon spricht, es sei alles vernetzt und verwoben und alles führt zueinander - dann erwarte ich auch wie Plotstränge gekonnt zusammengeführt werden. Ich möchte dann, wenn dafür schon so geworben wird, beeindruckt werden. Und ich wurde gänzlich enttäuscht. Zu Vieles war vorhersehbar, Enthüllungen waren keine. Am Ende war ich einfach nur gelangweilt.
Description
Martina Clavadetscher begibt sich ins Dunkel der Geschichte und Gesellschaft, wo das Unerzählte lauert. Schicht für Schicht trägt sie ab, um zur historischen Wahrheit vorzudringen. Sie zeigt, dass Dulden die scheinheiligste Form des Verbrechens ist, weil es keinen Widerstand kennt. Sie lässt uns begreifen, dass wir Geschichte zwar nicht weiterspinnen, aber ihre vergessenen Fäden ins Sichtbare ziehen können. Was sie erzählt, könnte die Geschichte jedes Menschen sein. In jedem Land, zu jeder Zeit. Solange niemand aus den Schrecken der anderen lernt.
Ein Junge stößt beim Schlittschuhlaufen auf einen Toten im Eis und den Beginn einer sonderbaren Geschichte. Kern, ein schwerreicher Erbe, kann nicht länger ignorieren, dass seine Augen schwächer werden. Doch will er überhaupt klarsehen? Da ist Kerns hundertjährige Mutter, die den größten Teil des Tages im Dachgeschoss der Villa im Bett liegt, und doch mit brutaler Konsequenz die Fäden in der Hand hält. Da ist Schibig, ein einsamer Archivar, der sich mitreißen lässt von Rosa, der Alten aus dem Wohnwagen, die an den eigentlich unspektakulären Vorfällen ein spektakuläres Interesse hat weil sie versteht, dass nichts je ins Leere läuft, sondern alles miteinander verbunden ist: Der Tote im Eis, die Zylinderherren im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen, ein geplantes Mahnmal, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden.
Book Information
Author Description
Martina Clavadetscher geboren 1979, ist Schriftstellerin und Dramatikerin. Nach ihrem Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie arbeitete sie für diverse deutschsprachige Theater, war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert und zu den Autorentheatertagen Berlin 2020 eingeladen. Für ihren Roman "Die Erfindung des Ungehorsams" wurde sie 2021 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Schweiz.
Posts
Leider abgebrochen, das der Schreibstil mir nicht zusagt. Auch das Schriftbild erschwerte mir das Lesen. Wörtliche Rede nach Bindestrich ist nicht meins und letztlich mochte ich die Charaktere nicht. Ein neugieriger Junge findet im Eis eines zugefrorenen See's in der Schweiz eine Leiche. Da der zuständige Polizeibeamte Phil weit entfernt sitzt und dies für einen Scherz hält, schickt er seinen Freund Schibig, polizeilicher Archivar, hin, um nachzusehen. Dieser überwindet seine Sozialphobie und macht sich auf den Weg. Dabei lernt er die Alte kennen. Auch eine besondere Protagonistin. Anfangs ein gelungener Start als Krimi. Anschaulich lernt man die Protagonisten kennen, die alle ihre Besonderheiten mitbringen. Die Schreibweise ist aber leider ziemlich verschachtel, teilweise verworren und ich hatte Mühe, der Geschichte zu folgen. Letztlich ging es nicht nur darum, den Mord zu klären, sondern auch um viele weitere Probleme. War für mich leider nicht interessant genug um dran zu bleiben, zumal es sich auch nicht flüssig las.
Ein Junge stolpert beim Schlittschuhlaufen zufällig über eine Leiche. Schilbig, der eigentlich lieber in seinem Archiv sitzt, wird zum Tatort zitiert und trifft auf Rosa. Sie lebt in einem Wohnwagen und will Schilbig unterstützen. Dann gibt es noch Kern und seine 100jährige Mutter. Sie bestimmt das Familienleben, ist eigentlich gesundheitlich nicht mehr so gut drauf, doch setzt manchmal noch unerwartete Kräfte frei. Die Geschichten verweben sich miteinander und führen zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Ich hatte so meine Schwierigkeiten beim Beginn des Buches. Wusste nicht was es mit den verschiedenen Charakteren so auf sich hat und hatte dadurch so meine Mühe dranzubleiben. Nach und nach kam ich immer mehr rein in die Story und es wurde richtig interessant. Langsam entspann sich ein Netz aus Geheimnissen und gesellschaftlicher Schuld. Am Ende fügt sich dann alles zusammen. Da war dann auf einmal richtig viel los. Insgesamt ein atmosphärischer Roman über die Schrecken der Anderen. Für Leser, die sich für historische Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft interessieren, eine Empfehlung.
Eindrücklich und berauschend
"Wenn etwas auftaucht, das schon als vergessen galt, kann das ganz schön lästig sein für einige - für andere hingegen ist das vielleicht sogar ein Glücksfall; so oder so: es wirft Fragen auf und das sollten wir nutzen." "Die Schrecken der Anderen" von Martina Clavadetscher ist ein Roman, der sich nicht so richtig in eine Schublade stecken lässt. Er ist zeitgenössisch und birgt kriminalistische Elemente in sich. "Aber vergessen sind die Toten, löscht aus, was an mir Frau und Tochter noch ist, und füllt es auf mit Grausamkeit." (Shakespeare) Das Ödwilertal. Ein Junge sucht auf dem zugefrorenen Ödwilersee nach Methangasblasen um diese anzuzünden, doch was er findet ist eine Leiche. Arnold Schibig, ein einsamer und unter Angststörungen leidender Archivar, wird aus Mangel an Personal hingeschickt, um die Behauptung des Jungen zu überprüfen. Dabei wird er von Rosa, der Alten, die in dem gelben Wohnwagen am See wohnt, beobachtet. Natürlich geht sie ihm nach und knüpft den ersten Kontakt. Rosa hat ein großes Interesse an diesem Fall, denn ihr ist scheinbar als einziger Person klar, dass alles mit allem zusammenhängt - Zufälle gibt es nicht! Und dann ist da noch Kern. Ein schwerreicher Erbe mit Augenproblemen, der unter seiner zwar bettlägrigen, jedoch nach wie vor tyrannischen Mutter leidet. Auch die Familie Kern, steckt irgendwie in allem drin. "... so ist er sich plötzlich nicht mehr sicher, ob diese Geschichte nicht genauso gut auch der Alten widerfahren sein könnte - oder noch umfassender, ob diese Geschichte am Ende nicht jedermanns, jederfraus, jederkinds Geschichte sein könnte. In jedem Land. Und zu jeder Zeit. Weil niemand jemals etwas aus den Schrecken der anderen lernt." Clavadetschers Roman ist sehr klug konzipiert und sie erzählt diese Geschichte auf eine sehr eindrückliche Art und Weise. Eine Art und Weise, die uns auch die Aktualität dieser Geschichte vor Augen hält. Sie ist bedrückend, beängstigend und berauschend. Wir tauchen mit jeder Seite tiefer in den Sumpf der Vergangenheit ein, die ihre Klauen in die Zukunft streckt und diese mit ihrem dreckigen Morrast besudelt. Besonders gefallen haben mir auch die wirren Parts, die Wort an Wort, ohne Punkt und Komma aneinanderreihen und dadurch besonders eindrücklich wirken. Für mich war "Die Schrecken der Anderen" zwar kein Highlight, aber trotzdem ist es ein wirklich großartiger Roman, der mich sehr gefesselt hat und den ich gern gelesen habe. "Schibig liest Namen um Namen, die eingemeißelten Menschen und ihre Daten: Anfang und Ende, Geburt und Tod, dazwischen ein Bindestrich, der das Leben ausmacht."

Die Vergangenheit halt lange nach - und manche Person will nichts draus lernen
Dieses Buch hat mich herausgefordert und dann doch beeindruckt und vor allem sehr viel zum Nachdenken angeregt. Welche Verantwortung haben Kinder und Kindeskinder am Erbe ihrer Eltern? Sind es die Nachfahren, die sich den Verbrechen der Ahnen stellen müssen? Übernehmen wir Schuld, wenn wir die Augen verschließen? Aber zurück zur Geschichte: Ein Toter im Eis, eine Alte, die alles was geschieht beobachtet, ein Archivar, der Dingen auf den Grund geht und ein reicher Erbe. Lange war mir nicht klar, wie diese Personen miteinander zusammenhängen oder ob sie es überhaupt tun. Es fiel mir schwer, der Geschichte zu folgen. Ellenlange Schachtelsätze trieben mich beim Lesen fast in den Wahnsinn. Aber dann machte es irgendwann klick, ich verstand worum es ging und ab da wurde jede Seite klarer und klarer. Ich Schloss den einen Teil der Personen in mein Herz und den anderen hätte ich am Liebsten schütteln mögen. Das Verharren und Verherrlichen der dunkelsten Zeit unserer Geschichte ließ mich erst fassungslos zurück, machte mich aber noch Fassungsloser, als mir klar wurde, dass diese Geschichte zwar fiktiv aber nicht unwahr ist. In hier und jetzt kommen alte Gesinnung erschreckend oft wieder zum Vorschein und das nicht bei Alteingesessenen, sondern quer durch die Generationen. Martina Clavadetscher hat ein gesellschaftspolitisches Portrait geliefert, dass aktueller denn je ist. Und beim Zuklappen des Buches wünschte ich mir, es wäre "nur" eine Geschichte.
Beeindruckend und fesselnd
„Das ist kein Krimi (…) - Das habe ich ihm auch schon gesagt, aber mittlerweile bin ich mir da selbst nicht mehr sicher, schließlich ist alles miteinander verbunden.“ (S.230) Dieses Buch in ein Genre einzuordnen, führt vor eine Herausforderung. Ist es ein Krimi? Zu Teilen schon. Ist es ein Gesellschaftskritischer Roman? Definitiv! Ist es eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des 2. Weltkriegs? Auf jeden Fall! Martina Clavadetscher hält hier verschiedene Fäden in der Hand, die sie gekonnt auf eine bizarre, mysteriöse und skurrile Art und Weise verbindet und damit den Nagel auf den Kopf trifft! Es beginnt mit dem Fund einer Leiche in einem zugefrorenen See. Schnell als Unfall oder Selbstmord abgetan, verschwindet er wieder in der Versenkung. Doch nicht ganz. Denn eine alte Frau, die von irgendwo aus der Welt wieder zurückgekommen ist um alte Rechnungen zu begleichen, und ein Archivar, der unter Angststörungen leidet, finden zusammen, forschen gemeinsam nach und entwickeln dabei eine tiefe Freundschaft. „Wir sind höchstens ein paar lästige Fliegen, ein Störfaktor. Beobachtend, klein und unwichtig, könnte man denken, wir werden nicht ernst genommen, aber wir sind hartnäckig. Landen auf Misthaufen, matschigen Kadavern und landen danach auf Porzellantellern. Wir fliegen hin und her und erinnern hüben wie drüben, dass das andere existiert, das Saubere und das Dreckige. Und Scheiße liegt ja bekanntlich überall, wir müssen also nur etwas herumfliegen.“ (S.109) Die Ermittlungsarbeiten und die Freundschaft bringen auf beiden Seiten etwas ins Rollen und wir tauchen immer tiefer ein in die Geheimnisse aller Beteiligten - denn „Alles ist miteinander verbunden“ - der zentrale Satz des Romans. Was sehen wir, wenn wir wirklich hinschauen, wollen wir überhaupt wissen, was wir dort sehen werden oder bleiben wir lieber blind für das Wesentliche? Und sind wir bereit die gescheiterten Pfade zu verlassen und einen neuen Weg einzuschlagen? Die Geschichte ist voller Schrecken und Abgründe - das Cover bringt es symbolisch treffend rüber. „Dann steht er einfach da, mitten im weißen Nichts, zwei Meter vor ihm der Tod, und er fühlt sich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Jetzt bin ich doch direkt in der Gegenwart gelandet, merkt Schibig, und es fühlt sich gar nicht schlecht an. Im Gegenteil.“ (S.33) Der Schreibstil ist ganz besonders und fesselnd und hat mich direkt an den Seiten kleben lassen - Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen! Bildhaft und einen Sog entwickelnd. In diesem Buch habe ich die für mich bisher am kunstvollsten gestaltete Rückblende gelesen: hier wird die Vergangenheit eines Protagonisten nicht einfach nur „nacherzählt“ - nein, hier bekommen wir 7 Ansichtskarten, dessen Bilder und kurze Texte uns nach und nach einen Einblick gewähren - das fand ich absolut fantastisch und kunstvoll!! Ein Roman, der definitiv speziell und sicherlich nicht für Jeden etwas ist, der mich aber in seinem kunstvollen Facettenreichtum sehr begeistern konnte, auch wenn ich vom Gelesen oft verschreckt war - aber das ist auch Sinn und Zweck der Geschichte! Sie soll wehtun und zum Nachdenken anregen. Prädikat LESENSWERT

„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“ Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit. Ein junge findet im Schweizer Örtchen auf einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine alte aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen. Sobald man die erste Schicht, den Whos-Done-it-Krimi vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben. Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben. Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt. Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit. Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen. Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.
Wichtiges Thema, nur sprachlich leider nicht meins.
Normalerweise mag ich Literatur, die sich sprachlich abhebt. Ungewöhnliche Schreibstile und auch die Verwendung von Stilmitteln schätze ich sehr. In diesem Roman hat es mich allerdings nur gestört. Weder der Erzählton noch die sprachlichen Besonderheiten konnten mich abholen, sie haben mich eher irritiert. Immer wieder musste ich pausieren. Der Geschichte hat so der Raum gefehlt. Inhaltlich war es eine spannende Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten. Historisch wertvoll, ergänzt durch Hintergründe aus der Schweiz. Die Protagonisten waren greifbar. Das Thema ist unglaublich wichtig “damit die Geschichte nicht verdrängt, sondern daraus gelernt wird.” Und doch kann ich es nur eingeschränkt jenen empfehlen, die wirklich Interesse an einem ausgefallenen Schreibstil haben.

📖 „Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“ Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit. Ein Junge findet in einem Schweizer Örtchen einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine Seniorin aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen. Sobald man die erste Schicht des Krimis vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben. Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben. Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt. Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit. Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen. Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.
Wenn Zylinderherren tanzen und Tote im Eis liegen
Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt: Was zur Hölle passiert hier eigentlich – und warum macht es trotzdem so süchtig? Genau so ging’s mir bei Die Schrecken der anderen. Martina Clavadetscher hat wieder mal tief in die Trickkiste gegriffen und ein literarisches Labyrinth gezimmert, das gleichzeitig verstört, fasziniert und zum Lachen bringt (ja, sogar das!). Da ist dieser Tote im Eis – klingt nach Krimi, ist aber mehr so ein Türöffner in eine Geschichte, die permanent aus den Angeln springt. Plötzlich hängt man zwischen Zylinderherren, schrägen Archivaren, einer alten Frau im Wohnwagen und einem Mahnmal, das fast lebendiger wirkt als die Leute drumherum. Und mittendrin Kern, der schwerreiche Typ, dessen Augen nicht mehr mitmachen wollen. Klare Sicht? Fehlanzeige! Aber genau das macht’s genial: Der Leser sieht mehr als die Figuren, während man gleichzeitig spürt, dass man selbst auch nicht durchblickt. Mindfuck deluxe. Was mich komplett weggeblasen hat, ist diese Mischung aus realer Geschichte, Mythos und feiner Ironie. Clavadetscher zieht die Schichten ab wie eine Zwiebel – nur dass einem dabei nicht die Augen tränen, sondern der Kopf glüht. Und sie haut einem so nebenbei die unbequeme Wahrheit um die Ohren: Dulden ist auch ein Verbrechen. Zack, sitzt. Trotz aller Düsternis steckt in dem Buch ein wilder Funken Humor, so schräg und unerwartet, dass man ständig grinst, obwohl man eigentlich Gänsehaut haben sollte. Das ist kein Roman zum Wegsnacken vorm Einschlafen. Das ist ein Erlebnis. Ein literarischer Trip, der dich auf der Couch fesselt und nachts im Traum noch Zylinderherren vor dir tanzen lässt. Ich sag’s mal so: Wer mutig ist, liest das. Wer feige ist, verpasst das Abenteuer seines Lebens.

“Die Schrecken der anderen” von Martina Clavadetscher zeichnet ein komplexes Bild eines schweizerischen Dorfes: ein Junge stolpert im wahrsten Sinne über eine Leiche, ein Konzernerbe, dessen Frau nicht schwanger wird, steht unter der Fuchtel seiner hundertjährigen Mutter und ein Polizeiarchivar verfällt einer mysteriösen Alt-Hippie-Frau, die in allem das große Ganze erkennt und aufdecken will. Genauso seltsam, wie sich die Zusammenfassung liest, ist das gesamte Buch. Was als Krimi beginnt, wird zu einer Gesellschaftsstudie, man weiß bis kurz vor dem Ende nicht, wohin man geführt wird, sondern schwimmt einfach mit und lässt sich von Sätzen und Szenen einwickeln. Einerseits fand ich es sehr schwierig, beim Hörbuch konzentriert dran zu bleiben, gleichzeitig hat es mir aber auch Spaß gemacht - längere Zeit am Stück konnte ich mich allerdings nicht auf den Text konzentrieren, auch wenn die Stimme der Hörbuchsprecherin Michaela Winterstein durch ihre Interpretation wesentlich dazu beigetragen hat, aus diesem Buch ein literarisches Hörerlebnis zu kreieren. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
. Hast du Lust auf einen literarisch anspruchsvollen Krimi? Einen fast schon poetischen Krimi, der dich mit seiner Geschichte fesselt und lange nicht mehr loslässt? Dann solltest du „Die Schrecken der Anderen“ lesen. Mich hat es sehr beeindruckt, wie Clavadetscher es schafft, ohne viel „Tamtam“ eine so düstere Atmosphäre zu schaffen. Große Leseempfehlung meinerseits! 4,5/5 ⭐️ . Aber worum geht es hier genau… Eine Leiche im See… ein Archivar des Polizeipräsidiums, der lieber bei seinen Akten ist als bei anderen Menschen… „Die Alte“, die sich mit Hilfe des Archivars auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Seeleiche macht… ein Sohn in einem fragwürdigen Verein mit einer 100 jährigen Mutter mit fraglichen Ansichten und eine Schwiegertochter, die einfach nicht schwanger wird… . In „Die Schrecken der Anderen“ folgen wir mehreren Erzählsträngen in der Gegenwart. Zunächst bekommt man als Leser das Gefühl mehrere total verschiedene Geschichten zu lesen, jedoch eröffnet sich nach und nach eine komplette Geschichte, die auf unerwartete Weise fesselt und uns als Leser auf interessante Kriminalroman Reise mitnimmt. Mir wurde zwar schon relativ früh klar in welche Richtung die Geschichte geht, jedoch war der Weg dahin wirklich toll geschrieben. Die Charaktere sind wirklich realistisch dargestellt, jedoch finde ich das es ihnen an einigen Stellen an Tiefe fehlt. Was wirklich schade ist, da der Roman ansonsten durch seine Bildsprache ein wirklich tolles Bild entstehen lässt. Die Aufarbeitung einer dunklen Geschichte, die nicht nur fiktiv daherkommt ist Clavadetscher sehr gelungen. Dieser Roman ist eine Mischung aus Belletristik, Kriminalroman und Geschichtsbuch. Sprachlich lässt „Die Schrecken der Anderen“ die Ausbildung der Autorin erkennen… das Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie sind unverkennbar. Und gerade deswegen ist es wohl ein wirklicher Genuss diesen Roman zu lesen. Die Autorin möchte aufzeigen, dass jegliche Handlung miteinander zusammenhängt und man sich nicht so einfach seiner familiären Vergangenheit entziehen kann. Und das jede noch so kleinste Handlung eine Konsequenz hat. Ob gut oder schlecht! Ich finde wirklich jeder sollte diesem Roman eine Chance geben! Ich weiß, dass nicht jeder Leser von Anfang an begeistert sein wird, aber es lohnt sich wirklich sehr! Absolut lesenswert! Martina Clavadetschers „Die Schrecken der Anderen“ hat das Potenzial ein moderner Klassiker zu werden.

Es nimmt die Luft zum Atmen
Bis zur Mitte das Romans habe ich mich gefragt, wo genau die Reise hingehen möchte. Durch die beiden Erzählstränge nehmen wir mehrere Perspektiven über ein Ereignis ein, was den Spannungsbogen aufrecht erhalten lässt. Martina Clavadetscher schreibt zum Teil sehr poetisch und driftet in anderen Szenen ab, was mich manchmal aus dem Lesefluss herausbrachte. Darüber hinaus bin ich immer für historische Verknüpfungen zu begeistern, so auch hier. Es ist ein Roman über die Auswirkungen des Nationalsozialismus für die Gegenwart mit erschreckend realen Nachzeichnungen der politischen Bewegung. Ein überaus bedeutender Roman als Erinnerung an unsere Geschichte. Die Frage die sich mir stellte: Wer trägt die Verantwortung für die Schrecken der Vergangenheit und wie trägt jede*r Einzelne dazu bei diese zu bearbeiten? Fazit: Ein Kunstwerk für Alle historisch begeisterten mit einer Portion Aktualität, die zum Teil die Luft zum Atmen nimmt.
Ein schrecklich fesselnder, aber doch ruhiger Roman
„Das könnte die Geschichte jedes Menschen sein. In jedem Land, zu jeder Zeit. Solange niemand aus den Schrecken der anderen lernt.“ Wie gruselig ist doch das Cover! Da rechnet man dann schon mit einer sehr irren und gruseligen Story…. und wird aber eines anderen belehrt… Ödwil, oder das Ödwilerfeld, ein Ort in der Schweiz. Ich habs gegoogelt aber nicht gefunden. Nun gut, jedenfalls wird dort im Eis die Leiche eines Mannes gefunden. Als erster am Fundort ist Schibig, eigentlich Archivar. Bleib nur kurz, hieß es, bis die Polizei da ist. Beobachterin der ganzen Szene ist „die Alte“, die in einem Wohnwagen wohnt. Die Alte ist auch diejenige, welche den stillen Schibig aus seiner Zurückgezogenheit zu holen vermag. Dann ist da noch Kern, ein schwerreicher Schnösel, der damit umgehen muss, nicht mehr allzu gut zu sehen. Er kommt zu der Einsicht, er sollte wohl doch besser zum Optiker gehen. Kern lebt mit seiner Mutter, ein etwa hundertjähriger „und ein „Drachen“, und seiner Frau im großen Herrenhaus. Die Frau wird nicht schwanger, sollte einen Erben hervorbringen, was aber nicht gelingt. Frau Kern trifft sich deshalb auch mit anderen Männern. Und die Mutter liegt im Dachboden in einem Pflegebett und weigert sich beharrlich zu sterben. Ihr Schatten liegt permanent über dem Leben von Kern. Mit meist recht ungewöhnlichen Mitteln hält sie die Fäden in der Hand. Und dann gibt es noch die Versammlungen im Gasthof Adler, dem Dorfgasthaus, wo sich die noblen Vereinsmitglieder treffen. Rosa, also „die Alte“, macht Schibig neugierig auf die Dinge, die einzeln recht unspektakulär sind und scheinbar nicht zusammenhängen. Der Tote im Eis, die Treffen im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen um schwanger zu werden, ein geplantes Mahnmal im Dorf, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden. Ich war so gefesselt von dem Roman, von seiner bis ins kleinste Detail beschreibenden Art. Es gab immer eine Spannung trotz der sehr ruhigen und sehr bedachten Sprache. Und es bleibt auch wirklich spannend, bis zum Schluss, versprochen! Nur, was das Bild mit der Katze und dem Vogel soll, das habe ich einfach nicht verstanden. Vielleicht ihr?
Ein Buch über die Wichtigkeit von Geschichtsschreibung sowie geschichtlicher Aufarbeitung. Mit eigenartigen und etwas schwammigen Charakteren die aber alle ihren Charme haben. Eine Geschichte die so leider überall passieren könnte. Teilweise sehr coole Satzbauten und Sinnbilder in einer poetischen Sprache. Zwischendurch kurzzeitig auch sehr ekelig. Ich mochte das Buch gerne leiden.
Ein stiller Literaturknaller
Ein Toter im gefrorenen Bergsee bring in einem kleinen Dorf so einiges ins Rollen, was schon lange unter der Oberfläche gebrodelt hat. Martina Clavadetscher neustes Werk brilliert durch eine anspruchsvolle, teilweise gar poetische Sprache, die ein Ambiente entstehen lässt, das sich durch das ganze Buch hindurch zieht: melancholisch, brutal und menschlich. Die Autorin erzählt bildhaft und packt gleichzeitig so vieles auch zwischen die Zeilen, dass man beim Lesen bei der Sache sein sollte, um das volle Ausmass dieser Geschichte zu erkennen. Gekonnt bringt sie die einzelnen Erzählstränge zu einem grossen Ganzen zusammen und zeichnet so ein Bild unserer Gesellschaft und unseres Menschseins, das zu überdenken sich auf jeden Fall lohnt. Dieses Metaleseerlebnis ist es auch, was das vorliegende Buch zu einem kleinen Meisterwerk macht: Eine Geschichte über die Geschichten in der Geschichte. Die Schrecken der anderen ist ein anspruchsvolles, teilweise auch ein eigenartiges Buch, das historisches mit emotionalem vereint und durch persönliche Geschichten Gesellschaftskritik übt. Grandios!
spannender, genreübergreifender Roman
Allein das Cover war für mich schon mal ein Eyecatcher und löste sowohl etwas Verschreckendes als auch Neugierde, mehr darüber zu erfahren in mir aus. Ein Toter wird im vereisten Ödwilersee in der Schweiz, umgeben von der rauen Natur am Fuße des Berges Frakmont von einem Jungen gefunden. Mit dieser Szenerie beginnt der neue Roman von Martina Clavadetscher. In der eisigen Landschaft begegnen der Leserschaft einige sehr detailliert beschriebene Protagonist:innen und eine außergewöhnliche Handlung, die es wahrlich in sich haben: Schibig, ein von Angststörungen gebeutelter Archivar des Polizeipräsidiums, der spontan von seinem Kollegen gebeten wird, am See nach dem Rechten zu schauen, trifft dort auf Rosa, eine alte Frau, die in der Nähe des Ufers auf dem ansässigen Campingplatz in einem Wohnwagen lebt. Gemeinsam versuchen sie den Fall um die Leiche im See zu lösen. Mit der Zeit bekommt Schibig allerdings das Gefühl, dass Rosa, „die Alte“, noch andere Interessen verfolgt. Parallel zu diesem Handlungsstrang erfährt die Leserschaft einiges über einen Herr Kern und dessen Sehschwäche. Diese kann er nicht ignorieren und benötigt dringend eine neue Brille. Aber strebt er eine klare Sicht der Dinge überhaupt an? Kern ist ein reicher Erbe, der mit seiner Frau Hanna und seiner Mutter in einem Herrenhaus lebt. Herr Kerns Mutter, fast 100-jährig, lebt im Dachgeschoss des Hauses, ist bettlägerig und redet häufig sehr wirres Zeug. Aber dennoch scheint sie die Geschicke des Unternehmens noch fest in Händen zu halten. Mit ihrem unerbittlichen Wunsch einen Nachfolger von Sohn und Schwiegertochter zu bekommen, scheint sie die beiden zu tyrannisieren. Darüber hinaus begleiten wir Kern bei seinen regelmäßigen Treffen eines ominösen Vereins in das Gasthaus Adler, bei dem horrende Spenden für ein großes „Projekt“ gesammelt werden, wo auch wieder Schibig und Rosa ins Spiel kommen, denn „alles ist miteinander verbunden“ und so ist „der Tote im Eis […] nur ein Puzzleteil. Er ist ein Grund, genauer hinzuschauen [...]“ „Der Schrecken der anderen“ ist insgesamt ein Werk mit vielen Geschichten, die sich nach und nach miteinander verflechten und zu einer großen Geschichte innerhalb der Zeitgeschichte werden. Die Figuren wirken auf mich geheimnisvoll, teilweise skurril und auf jeden Fall machten sie mich neugierig, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Die Handlung fand ich zum einen dadurch spannend gestaltet, da die Autorin es gekonnt versteht, bei mir eine absolute Verwirrung darüber zu schaffen, wie alles wohl zusammenhängen könnte. Nach und nach wurden die Details der Geschichten so miteinander verwoben, dass daraus eine große Geschichte entstand. Ebenso empfinde ich das Buch absolut genreübergreifend. Anfangs war ich mir sehr sicher einen Krimi vor mir zu haben, es offenbarten sich aber mit der Zeit auch phantastische und zeitgeschichtliche Aspekte. Die Sprache ist sehr poetisch und bildhaft. Martina Clavadetscher schreibt meiner Meinung nach nicht nur, sondern zeichnet vielmehr Bilder, die ich mir sehr gut vorstellen konnte. Es werden viele Metaphern aus der Natur eingesetzt, die mich sehr beeindruckt haben. Dabei war es für mich kein Buch, dass sich so schnell durchlesen ließ, sondern benötigte auch eine gewisse Zeit und Ruhe. Manche Zeilen regten mich sehr zum Nachdenken an, manches las ich teilweise ein zweites mal, da ich es sprachlich sehr anspruchsvoll fand. Insgesamt ist die „Schrecken der anderen“ ein Buch, in der viele Geschichten verwoben sind und zu einer großen Handlung werden, deren Ursprung im Schrecken der Vergangenheit, im Nationalsozialismus, liegt. Ein mahnendes Werk, genau hinzusehen, um aus der Vergangenheit zu lernen. Eine absolute Leseempfehlung von mir!
Herausfordernd und vielschichtig
In einem zugefrorenen See wird eine Leiche entdeckt. Schibig, ein eigenbrötlischer Archivar wird zu dem Fund entsandt und trifft dort auf eine Alte, die in einem Wohnwagen lebt. Die beiden finden Gefallen aneinander und erscheinen nun meist im Doppelpack. Dann gibt es auch noch Kern. Ein wohlhabender Unternehmer, der darunter leidet kinderlos zu sein und zudem von seiner sehr alten Mutter drangsaliert wird. Ein Buch, das bestimmt seine Liebhaber findet, da es einen wirklich schönen Schreibstil hat und auch das Thema gut gewählt ist. Mich hat die Sprache mit den langen, verschachtelten Sätzen aber eher verwirrt und die Zusammenhänge waren mir oft nur schwer zugänglich. Auch die vielen ineinander greifende Handlungen haben mir das Lesen schwer gemacht. Kein Buch, das man mal eben so liest. Das Ende hat mir dann richtig gut gefallen.
Gute Story, eigenwilliger Schreibstil
Auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr ist mir „Die Schrecken der anderen“ direkt ins Auge gefallen. Die Beschreibung hat mich sofort angesprochen, weshalb ich es mir später als Hörbuch gekauft habe. Die Geschichte an sich ist zweifellos wichtig, gut durchdacht und am Ende fügt sich die Story auch teils gut zusammen. Dennoch war der Erzählstil für mich persönlich eine kleine Herausforderung. Die Erzählweise ist aus meiner Sicht etwas eigenwillig. Dadurch fiel es mir manchmal schwer, im Rhythmus des Buches zu bleiben und den Fokus immer genau dort zu halten, wo die Geschichte ihn gerade verlangte. Es ist ein Stil, auf den man sich einstellen muss und der sicherlich vielen sehr gut gefällt – bei mir wollte der Funke aber nicht ganz überspringen. Letztlich habe ich die Geschichte als Hörbuch zu Ende gehört, was eine sehr gute Entscheidung war. Es ist wirklich schön gelesen. Da mich die Story an sich gepackt hat, wollte ich wissen, wie alles ausgeht. Ein inhaltlich starkes Buch mit einer tollen Grundidee, auch wenn mich die Art der Erzählung nicht ganz abholen konnte.
"Das Aufdecken der Geschichte ist eines, Hinschauen, ein Zweites. Aber wir wissen alle, das Schwierigste ist ein Drittes, und zwar daraus zu lernen und entsprechend zu handeln "
Ein Junge wird unter einer Eisschicht tot aufgefunden. Eine alte Dame animiert einen zurückgezogen Archivar mit ihr in diesem vermeintlichen Selbstmordfall zu ermitteln. Ein reicher Erbe mit einer 100-Jährigen pflegebedürftigen Mutter unter dem Dach versucht erfolglos einen Stammeshalter zu zeugen. Was als Krimi startet, ist schnell so viel mehr. Nach und nach werden die Erzählstränge miteinander verwoben unf reichen von den Verbrechen des Nationalsozialismus bis in die heutige Gegenwart.
Oh wow, DAS habe ich nicht erwartet als ich das Buch angefangen habe. Ein genreübergreifendes Buch, Krimi, Familiengeschichte, gesellschaftskritischer Roman, gespickt mit einer guten Portion Innerschweizer Sagengeschichten. Trotzdem passt alles perfekt zusammen und ergibt ein stimmiges Ganzes. Die Geschichte beginnt mit dem Fund einer Leiche in einem gefrorenen See. Gleichzeitig lernen wir Herrn Kern und seine Frau Hanna kennen, die seit langem verzweifelt versuchen ein Kind zu kriegen. Da hilft es auch nichts dass die scheintote Mutter von Kern, die ebenfalls im Haus lebt, Hanna obskure Fruchtbarkeitstipps gibt. Eine alte Frau die in einem Wohnwagen am See lebt freundet sich mit dem introvertierten Archivar Schibig an. Zusammen kommen die beiden nach und nach etwas grossem auf die Spur. Ein unglaublich vielschichtiger Roman der einlädt auch mal zwischen den Zeilen zu lesen und sowohl geschichtliches als auch zeitgenössisches gekonnt miteinander verbindet. Martina Clavadetscher zeigt einmal mehr dass sie eine grossartige Autorin ist.
Vorhersehbarer Schrott
Ich kann vor meinem inneren Auge quasi sehen, wie die Autorin ihrem Freundes- und Bekanntenkreis dieses Buch mit einem Augenzwinkern und den Worten „So etwas hast du BESTIMMT noch nicht gelesen“ aufdrängt. Dieser recht experimentelle Text war für mich nur schwer Zugänglich. Es ist ein wenig sonderbar: Häufig verliert er sich in langen, verschachtelten Sätzen mit vielen Metaphern, bemüht sich dann aber zu stark ebenjene Metaphern zu erklären. Man schwankt immer zwischen Ratlosigkeit und dem Eindruck, dass einem nicht zugetraut wird, die offensichtlichsten Metaphern zu schnallen. Dass die zunehmende Sehschwäche eines Charakters sinnbildlich für das bewusste (vielleicht auch unbewusste) Wegsehen steht, genau dann wenn man eigentlich hinsehen sollte - das war mir schon klar. Die gefundene Leiche hätte auch nicht McGuff heißen müssen, damit ich kapiere, dass sie lediglich Mittel zum Zweck ist. Der Roman verleiht einem somit ein ausgeprägtes Gefühl von gewollt aber nicht gekonnt, er ist einfach unglaublich möchtegern anspruchsvoll aber sobald man über das Gelesene nachdenkt wird einem schnell klar: Das alles ist so unoriginell und langweilig…. Wenn ein Roman immer und immer wieder davon spricht, es sei alles vernetzt und verwoben und alles führt zueinander - dann erwarte ich auch wie Plotstränge gekonnt zusammengeführt werden. Ich möchte dann, wenn dafür schon so geworben wird, beeindruckt werden. Und ich wurde gänzlich enttäuscht. Zu Vieles war vorhersehbar, Enthüllungen waren keine. Am Ende war ich einfach nur gelangweilt.


























