Die Merowinger oder Die totale Familie
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Description
Im Mittelpunkt des Buches steht Childerich III. von Bartenbruch, ein grotesker Zeitgenosse. Nachfahre aus merowingischem Geschlecht. Er ist bestrebt, durch ein kompliziertes System von Heiraten und Adoptionen sämtliche Verwandtschaftsgrade in seiner Person zu vereinigen. Es gelingt ihm, durch vier nach einem bizarren Plan ausgeklügelten Ehen sein eigener Vater, Großvater, Neffe und Onkel zugleich zu werden. Childerich, der letzte Merowinger im 20. Jahrhundert, verfiel auf die Vorstellung von der "Totalität der Familie" und ihrer vollen Repräsentanz im Ein-Mann-Prinzip. "La famille c’est moi." Schließlich aber gerät der Merowinger in Konflikt mit anderen Sippen, wird überwältigt, seiner weit über die Grenzen des Gewöhnlichen hinausgehenden Manneskraft beraubt und zu einem Schattendasein verurteilt.
Book Information
Author Description
Heimito von Doderer (1896–1966) gilt als einer der bedeutendsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine berühmtesten Romane sind "Ein Mord, den jeder begeht", "Die Strudlhofstiege" und "Die Dämonen".
Posts
Schwere Kost aber satirisch wertvoll
Die totale Familie ist ein satirischer Roman von Heimito von Doderer – oder, wie man nach der Lektüre sagen könnte: ein sprachliches Labyrinth, das einem einiges abverlangt. Der Autor entwirft ein absurd-verzweigtes Gesellschaftspanorama rund um die uralte, adlige Familie der Merowinger, die in der Wiener Nachkriegszeit eine Art groteskes Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft darstellt. Was sofort auffällt – und was viele Leser vermutlich abschrecken wird – ist der stilistisch sehr eigene Tonfall. Doderers Sprache ist verschachtelt, ironisch, überladen, und man muss beim Lesen wirklich sehr, sehr aufmerksam bleiben. Wer auf der Suche nach einer klaren Handlung ist, wird sich schwer tun – denn hier geht es eher um die Figuren, ihre absurden Verbindungen, und die beißende Satire auf Macht, Stand und Gesellschaft. Trotz (oder gerade wegen) dieser Sprachgewalt hat der Roman seinen Reiz: Er ist ungewöhnlich, fordernd und bitterböse witzig – aber ganz sicher nichts für zwischendurch. Man muss sich einlassen, mitdenken und durchhalten. Wer das tut, wird mit einem einzigartigen Einblick in die österreichische Seele und einem Feuerwerk an literarischer Exzentrik belohnt. Fazit: Ein wirklich gewöhnungsbedürftiger, aber ebenso faszinierender Roman. Sprachlich exzentrisch, inhaltlich satirisch – und definitiv ein Buch, das zum Nachdenken (und Nachschlagen) zwingen.
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Im Mittelpunkt des Buches steht Childerich III. von Bartenbruch, ein grotesker Zeitgenosse. Nachfahre aus merowingischem Geschlecht. Er ist bestrebt, durch ein kompliziertes System von Heiraten und Adoptionen sämtliche Verwandtschaftsgrade in seiner Person zu vereinigen. Es gelingt ihm, durch vier nach einem bizarren Plan ausgeklügelten Ehen sein eigener Vater, Großvater, Neffe und Onkel zugleich zu werden. Childerich, der letzte Merowinger im 20. Jahrhundert, verfiel auf die Vorstellung von der "Totalität der Familie" und ihrer vollen Repräsentanz im Ein-Mann-Prinzip. "La famille c’est moi." Schließlich aber gerät der Merowinger in Konflikt mit anderen Sippen, wird überwältigt, seiner weit über die Grenzen des Gewöhnlichen hinausgehenden Manneskraft beraubt und zu einem Schattendasein verurteilt.
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Heimito von Doderer (1896–1966) gilt als einer der bedeutendsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine berühmtesten Romane sind "Ein Mord, den jeder begeht", "Die Strudlhofstiege" und "Die Dämonen".
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Schwere Kost aber satirisch wertvoll
Die totale Familie ist ein satirischer Roman von Heimito von Doderer – oder, wie man nach der Lektüre sagen könnte: ein sprachliches Labyrinth, das einem einiges abverlangt. Der Autor entwirft ein absurd-verzweigtes Gesellschaftspanorama rund um die uralte, adlige Familie der Merowinger, die in der Wiener Nachkriegszeit eine Art groteskes Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft darstellt. Was sofort auffällt – und was viele Leser vermutlich abschrecken wird – ist der stilistisch sehr eigene Tonfall. Doderers Sprache ist verschachtelt, ironisch, überladen, und man muss beim Lesen wirklich sehr, sehr aufmerksam bleiben. Wer auf der Suche nach einer klaren Handlung ist, wird sich schwer tun – denn hier geht es eher um die Figuren, ihre absurden Verbindungen, und die beißende Satire auf Macht, Stand und Gesellschaft. Trotz (oder gerade wegen) dieser Sprachgewalt hat der Roman seinen Reiz: Er ist ungewöhnlich, fordernd und bitterböse witzig – aber ganz sicher nichts für zwischendurch. Man muss sich einlassen, mitdenken und durchhalten. Wer das tut, wird mit einem einzigartigen Einblick in die österreichische Seele und einem Feuerwerk an literarischer Exzentrik belohnt. Fazit: Ein wirklich gewöhnungsbedürftiger, aber ebenso faszinierender Roman. Sprachlich exzentrisch, inhaltlich satirisch – und definitiv ein Buch, das zum Nachdenken (und Nachschlagen) zwingen.




