Wissenschaftlich und informativ, aber sehr strikt und teils realitätsfern
Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen, weil es sehr interessant und flüssig geschrieben ist. Der erste Teil, in dem erläutert wird, wie die ersten 1000 Lebenstage (von Beginn der Schwangerschaft bis zum 2. Geburtstag) unsere Ernährungsgewohnheiten prägen, liefert spannende wissenschaftliche Einblicke. Wenn es dann jedoch um die „artgerechte“ Ernährung als Erwachsene geht, finde ich persönlich die Empfehlungen sehr strikt. Beispielsweise wird selbst Obst aufgrund des Zuckergehalts nur in kleinen Mengen empfohlen. Es entsteht doch eine deutliche Einteilung der Lebensmittel in „gut und böse“. Wenn das eigene Essverhalten beispielsweise von jahrelangen Verboten gekennzeichnet war, finde ich das die falsche Herangehensweise. Der Weg des „intuitiven Essens“ ist aus Sicht des Autors keine Option. Meiner Meinung nach wäre ein Mittelweg angebracht. Die beschriebene, wissenschaftlich untermauerte Ernährung sollte als gesunde Basis dienen, die dennoch Ausnahmen zulässt und keine Produkte in Gänze abwertet. Denn manchmal wirkte es auf mich persönlich tatsächlich ein wenig so, dass der Autor aus einer gewissen erhabenen Perspektive auf diejenigen herabblickt, die beispielsweise Süßigkeiten nicht in Gänze aus ihrer Ernährung ausgeschlossen haben. Aber das ist nur mein Eindruck beim Lesen. Zudem möchte ich anmerken, dass die Umsetzung der Empfehlungen in Gänze nur denjenigen möglich ist, die über gewisse gesellschaftliche Privilegien verfügen. Abgesehen von den Kosten für die Lebensmittel selbst, fehlt es manchen Menschen zum Beispiel durch Doppelbelastung von Job und unbezahlter Care Arbeit auch an Zeit, für sich und die Familie stets frisch zu kochen. Vorschläge wie etwa beruflich kurzer zu treten, um mehr auf die eigene Gesundheit achten zu können oder gar ein Personal Trainer, wären vielleicht gut, sind aber für viele finanziell nicht möglich. Hinzu kommt eine sehr heteronormative Sprache, stets ausschließlich mit traditionellem Familienbild; wenigstens ein anfänglicher Disclaimer, der unterschiedliche Familienmodelle mit einschließt, wäre schön gewesen.
Jan 22, 2026
Wissenschaftlich und informativ, aber sehr strikt und teils realitätsfern
Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen, weil es sehr interessant und flüssig geschrieben ist. Der erste Teil, in dem erläutert wird, wie die ersten 1000 Lebenstage (von Beginn der Schwangerschaft bis zum 2. Geburtstag) unsere Ernährungsgewohnheiten prägen, liefert spannende wissenschaftliche Einblicke. Wenn es dann jedoch um die „artgerechte“ Ernährung als Erwachsene geht, finde ich persönlich die Empfehlungen sehr strikt. Beispielsweise wird selbst Obst aufgrund des Zuckergehalts nur in kleinen Mengen empfohlen. Es entsteht doch eine deutliche Einteilung der Lebensmittel in „gut und böse“. Wenn das eigene Essverhalten beispielsweise von jahrelangen Verboten gekennzeichnet war, finde ich das die falsche Herangehensweise. Der Weg des „intuitiven Essens“ ist aus Sicht des Autors keine Option. Meiner Meinung nach wäre ein Mittelweg angebracht. Die beschriebene, wissenschaftlich untermauerte Ernährung sollte als gesunde Basis dienen, die dennoch Ausnahmen zulässt und keine Produkte in Gänze abwertet. Denn manchmal wirkte es auf mich persönlich tatsächlich ein wenig so, dass der Autor aus einer gewissen erhabenen Perspektive auf diejenigen herabblickt, die beispielsweise Süßigkeiten nicht in Gänze aus ihrer Ernährung ausgeschlossen haben. Aber das ist nur mein Eindruck beim Lesen. Zudem möchte ich anmerken, dass die Umsetzung der Empfehlungen in Gänze nur denjenigen möglich ist, die über gewisse gesellschaftliche Privilegien verfügen. Abgesehen von den Kosten für die Lebensmittel selbst, fehlt es manchen Menschen zum Beispiel durch Doppelbelastung von Job und unbezahlter Care Arbeit auch an Zeit, für sich und die Familie stets frisch zu kochen. Vorschläge wie etwa beruflich kurzer zu treten, um mehr auf die eigene Gesundheit achten zu können oder gar ein Personal Trainer, wären vielleicht gut, sind aber für viele finanziell nicht möglich. Hinzu kommt eine sehr heteronormative Sprache, stets ausschließlich mit traditionellem Familienbild; wenigstens ein anfänglicher Disclaimer, der unterschiedliche Familienmodelle mit einschließt, wäre schön gewesen.
Jan 22, 2026






