Die Lungenschwimmprobe

Die Lungenschwimmprobe

Hardback
3.9134

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Description

Leipzig/Sachsen im Jahre 1681: die fünfzehnjährige Anna Voigt steht vor Gericht, sie soll ihr neugeborenes Baby getötet haben. Die Obrigkeit will sie verurteilt sehen, es droht ihr der Tod – wie vielen anderen Mädchen und Frauen in dieser Zeit, die des gleichen Verbrechens bezichtigt werden. Aber dieser Fall ist anders: Sie hat nicht nur einen mächtigen Vater, der sich für sie einsetzt. Sondern es findet sich auch ein Arzt, der etwas spektakulär Neues wagt und ein wissenschaftliches Verfahren entwickelt, das in die Medizingeschichte als "Lungenschwimmprobe" eingehen wird. Durch dieses soll nachgewiesen werden, dass es tatsächlich eine Totgeburt war, wie Anna hartnäckig versichert, und kein Mord. Kann sie gerettet werden?

In Renbergs brillantem historischen Roman folgen wir dieser Geschichte durch die Augen verschiedener, unverwechselbarer, historisch belegter Charaktere – da ist der Arzt, der sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt und das Neugeborene untersucht; da ist der kontroverse und progressive Anwalt, der sich entscheidet, diesen nahezu aussichtslosen Fall zu übernehmen; und da ist Annas Vater, ein wohlhabender, einflußreicher Mann, der sich sofort auf die Seite seiner jungen Tochter schlägt und alles daran setzt, damit ihr Gerechtigkeit widerfährt, dessen Hass auf ihre Widersacher so groß ist, dass er sich schon bald auf einen unerbittlichen Rachefeldzug begibt. Demgegenüber stehen die Köchin aus seinem Haushalt, die gegen Anna aussagt – und vor allem der erbarmungslose Ankläger, der das Mädchen durch grausame Folter zum Geständnis bringen will. Inmitten all dessen befindet sich die blutjunge Anna, verzweifelt und verängstigt, aber standhaft in ihrem Beharren darauf, unschuldig zu sein.

Die Lungenschwimmprobe ist ein packender historischer Roman über das Zusammenprallen zweier Welten: die Ausläufer des Mittelalters treffen auf die ersten Ansätze der frühen Aufklärung, dies alles vor dem dramatischen Hintergrund einer barocken Lebenswelt – basierend auf wahren Begebenheiten, die der Autor akribisch recherchiert hat, die Lungenschwimmprobe selbst gilt als Beginn der modernen Rechtsmedizin.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
704
Price
26.80 €

Author Description

Tore Renberg (geb. 1972) nimmt in der norwegischen Literatur einen außergewöhnlichen Platz ein, sein literarisches Werk umfasst eine große Spannbreite. Er ist einer von Norwegens populärsten und erfolgreichsten Autoren, vielfach preisgekrönt, seine Bücher erscheinen in 23 Ländern. Die Lungenschwimmprobe ist sein erster historischer Roman, für den er mehrmals vor Ort in Sachsen war, um in Archiven, Museen und Kirchenbüchern Anregungen und Anhaltspunkte für seine Geschichte zu finden.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
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Protagonist(s)

Likable
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Developing
Multifaceted
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Pace

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Variable100%

Writing Style

Simple0%
Complex100%
Moderate0%
Außergewöhnlich (100%)

Posts

45
All
5

Brillianter historischer faktenbasierter Roman, ein Meisterstück. Absolut empfehlenswert.

4

Einblicke in den Beginn der Aufklärung und die ersten Schritte der modernen Rechtsmedizin

Tore Renberg hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben über Anna Voigt, eine des Kindsmordes bezichtigte junge Frau, und ihren Anwalt Christian Thomasius, ein Freigeist und Provokateur der katholischen Kirche. Die an wahren Begebenheiten und realen Personen orientierte Geschichte spielt zum Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig. Anna wird im Jahr des Herrn 1681 angeklagt, ihre Schwangerschaft verheimlicht und das Kind nach der Geburt gemeinsam mit ihrer Mutter getötet zu haben. Sie bestreitet die Tat vehement und beteuert, das Kind still geboren zu haben. Mit der Begutachtung der Kinderleiche wird der Mediziner Johannes Schreyer beauftragt, der an dem Toten Kind die Lungenschwimmprobe durchführte. Ein Test, der belegt, ob ein Kind jemals geatmet hat. Denn dann haben sich die Lungenflügel mit Luft gefüllt und sie sinkt im Wasser nicht zu Boden. Mit dieser Methode konnte Johann Schreyer beweisen, dass Anna Voigt die Wahrheit gesagt hat. Dennoch nutzte es ihr nichts, denn die Methode war umstritten und fand wenig Beachtung. Die Verteidigung von Anna Voigt übernahm Christian Thomasius, späterer Mitgründer der Universität von Halle. Er hat sich früh mit der Obrigkeit und der Kirche angelegt und vertrat mit seinen Ansichten einen modernen Zeitgeist. Für die Verteidigung von Anna hat er auch unkonventionelle Wege beschritten. Das Buch gibt einen guten Einblick in die Zeit zu Begiin der Aufklärung. An manchen Stellen ist es auch sehr grausam und es kommt zu expliziten Schilderungen von Verletzungen und Gewalt. Das hätte ich in der Detailliertheit nicht gebraucht. Am Ende des Buches werden die realen Personen nochmal näher beschrieben, um einen Überblick zu geben was der Phantasie des Autors entspringt und welche Handlungen tatsächlich stattgefunden haben. Auch in der Geschichte ordnet der Autor das Geschriebene ein und erläutert, welche Ereignisse belegt sind. Das hat mir gut gefallen, kann mir aber vorstellen, dass das den Lesefluss auch stört. Wer ein Interesse an Geschichte und die gesellschaftlichen Zustände zum Ende des 17. Jahrhunderts hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer hingegen medizinische Abhandlungen zur Lungenschwimmprobe erwartet, könnte enttäuscht werden. Sie nimmt im Buch eine eher untergeordnete Rolle ein.

4.5

Packend, historisch, wichtig

Normalerweise lese ich keine historischen Romane – ist einfach nicht so mein Genre. Aber das Cover von Buch hat mich sofort angesprochen. Dann hab ich den superkurzen Klappentext gelesen – und irgendwie wollte ich einfach wissen, was dahintersteckt. Die Geschichte spielt im 17. Jahrhundert in Leipzig und Zeitz und weiteren Orten. Es geht um die junge Anna Voigt, die beschuldigt wird, ihr Neugeborenes umgebracht zu haben. Im folge dessen wird eine sogenannte Lungenschwimmprobe durchgeführt – mit der man beweisen konnte, ob das Kind lebend zur Welt kam oder nicht. Der Fall wird dann noch zu einem echten Justiz Problem seiner Zeit. Was ich total stark fand: Man merkt von Anfang an, wie gut Tore Renberg recherchiert hat. Ich find’s unglaublich, wie tief er da eingestiegen ist – er hat sogar die Schauplätze vor Ort besucht und sich mit allem auseinandergesetzt was diese Zeit betraf. Und wenn man den Anhang und die Anmerkungen am Ende anschaut, sieht man, wie viele Leute mitgearbeitet haben – Forscherinnen, Übersetzerinnen, Archive, Bibliotheken und viele mehr. Das hat mich echt berührt – und mir wieder mal gezeigt, wie wichtig die Arbeit in der Bibliothek ist. Ich hatte beim Lesen echt das Gefühl, komplett in die Vergangenheit gezogen zu werden – und das ohne Kitsch, sondern auf eine sehr echte, realistische Art. Ein Buch, das mich noch lange beschäftigt hat.

5

Es geht um Rechts‑ und Medizingeschichte, basierend auf einem Fall von 1681 aus Leipzig. Ein historisch und akribisch recherchierter Roman, den ich sehr empfehlen kann.

5

#dickebüchercamp

Tore Renbergs Roman "Die Lungenschwimmprobe" ist ein literarisches Schwergewicht – nicht nur wegen seines Umfangs von über 700 Seiten, sondern vor allem wegen der historischen Tiefe und erzählerischen Wucht, mit der er einen wahren Justizfall aus dem Jahr 1681 rekonstruiert. Der norwegische Autor wagt sich an die düstere Geschichte der 15-jährigen Anna Voigt, die in Leipzig des Kindsmords bezichtigt wird – ein Vorwurf, der in der damaligen Zeit mit der Todesstrafe geahndet wurde. Renberg verwebt die brutale Realität der Constitutio Criminalis Carolina mit dem aufkeimenden Geist der Aufklärung. Der Roman spielt mit den Gegensätzen von religiösem Dogma und wissenschaftlichem Fortschritt. Das titelgebende Experiment – ob die Lunge eines toten Säuglings im Wasser schwimmt oder sinkt – wird zum Wendepunkt im Prozess und markiert den Beginn der modernen Gerichtsmedizin. Neben Anna Voigt treten zwei historische Männer ins Rampenlicht: der Jurist Christian Thomasius, ein Vorkämpfer für Meinungsfreiheit, und der Arzt Johannes Schreyer, der mit seinem medizinischen Mut die Wahrheit ans Licht bringen will. Renberg gelingt es, Fakten und Fiktion mit großer Empathie zu verbinden. Seine Sprache ist bildreich, aber nie überladen. Die psychologische Tiefe der Figuren – insbesondere Annas innere Zerrissenheit – wird eindringlich und glaubwürdig dargestellt. Der Autor selbst beschreibt sich als „Anwalt dieser jungen Frau“, und genau dieses Engagement spürt man in jeder Zeile. "Die Lungenschwimmprobe" ist kein einfacher Roman – aber ein notwendiger. Tore Renberg bringt ein vergessenes Kapitel europäischer Rechtsgeschichte ans Licht und stellt unbequeme Fragen über Schuld, Wahrheit und Gerechtigkeit. Wer historische Romane mit Tiefgang sucht, wird hier fündig.

5

Der Autor Tore Renberg war mir bis dato nicht bekannt, obwohl vier seiner Bücher in Deutschland erschienen sind. Die Thematik dieses aktuellen Buches hat mich aber interessiert. Tore Renberg nimmt uns mit in die Jahre 1681-1696. Der 30jährige Krieg liegt 33 Jahre zurück und gerade geht letztmalig die Pest über Leipzig. Die gerade einmal 15 Jahre junge Anna Voigt ist angeklagt, ihr neu geborenes Kind getötet zu haben. In dem spektakulären Fall verteidigt sie der Rechtsgelehrte Christian Thomasius mit Hilfe von Doktor Johannes Schreyer. Ein Buch mit 702 Seiten muss mich zügig in die Geschichte ziehen, damit ich es nicht wieder weg lege. Und genau das ist diesem Werk gelungen. Man muss bereit sein, sich teilweise auf eine ungewöhnliche Sprache einzulassen und durchaus ein Faible für Medizin und Rechtsprechung haben, damit man sich für das Buch begeistern kann. Der Autor hat jahrelang recherchiert und erzählt die Geschichte der Anna Voigt gespickt mit diversen wahren Begebenheiten. Ich kann das Buch trotz manchen Schachtelsätzen, etwas langatmigen Passagen und Sprüngen in Zeit und Perspektiven absolut empfehlen. Manche Szenen sind brutal und haben mich schauern lassen, aber ich denke, sie sind den damaligen Situationen nachempfunden.

5

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, wie genial dieses Buch ist, um auch nur ansatzweise diesem großartigen Werk gerecht zu werden.

🫁 𝘍𝘶̈𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘍𝘢𝘭𝘭 𝘸𝘪𝘦 𝘥𝘪𝘦𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘢𝘳𝘦𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘡𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯 𝘮𝘪𝘴𝘦𝘳𝘢𝘣𝘦𝘭. ⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ˢᴱᴸᴮˢᵀᴷᴬᵁᶠ⁾ 💭 Ich lese selten historische Romane, doch das Cover und das Thema des Beginns der modernen Rechtsmedizin haben mich neugierig gemacht. Und was soll ich sagen, Tore Renbergs 𝘋𝘪𝘦 𝘓𝘶𝘯𝘨𝘦𝘯𝘴𝘤𝘩𝘸𝘪𝘮𝘮𝘱𝘳𝘰𝘣𝘦 hat mich schließlich vollkommen begeistert. Der Roman basiert auf dem wahren Fall der 15-jährigen Anna Voigt, die 1681 in Sachsen des Kindsmords beschuldigt wurde. Renberg schildert die Ereignisse so unglaublich lebendig, dass ich das Gefühl hatte, selbst dabei zu sein. Dies liegt nicht nur an der akribischen Recherche und den detailliert beschriebenen Figuren, sondern auch daran, dass der Autor immer wieder eigene Anmerkungen einbringt, wodurch es sich anfühlte, als würde ich gemeinsam mit ihm die Geschehnisse verfolgen. Die Erzählung folgt nicht strikt einer chronologischen Reihenfolge aus einer einzigen Perspektive. Stattdessen erhalten wir Einblicke in verschiedene Figuren wie Christian Thomasius: Ein junger Rechtsgelehrter, der den Fall von Anna Voigt übernehmen möchte; Annas Vater: Seine Gedanken und Gefühle, wie er sich in Rache verliert; Balladen und Märchen, die die Geschehnisse aufgreifen und das Bild der Zeit vervollständigen; und noch viele weitere. Besonders bewegend war es, Annas Schicksal zu verfolgen, insbesondere mit dem Wissen, dass all dies auf wahren Begebenheiten beruht. Oft hatte ich beim Lesen eine Gänsehaut, vor allem gegen Ende des Buches. Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, wie genial dieses Buch ist, um auch nur ansatzweise diesem großartigen Werk gerecht zu werden. Ich kann es jedoch jedem ans Herz legen: Lest dieses Werk! Das ist Literatur! Für mich ist es definitiv ein Jahreshighlight und ich werde es sicherlich erneut lesen. Eine große Empfehlung! Liebs einfach. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ ♥️ mange takk @tore for dette flotte mesterverket

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, wie genial dieses Buch ist, um auch nur ansatzweise diesem großartigen Werk gerecht zu werden.
4

Eine sehr packende Geschichte über das Mädchen Anna und ihre Familie …. die Mutter wird mit angeklagt gemeinsam mit ihrer Tochter das Baby nach der Geburt getötet zu haben,… der Vater versucht alles um ihre Unschuld zu beweisen …. dies stellt sich jedoch als sehr schwierig heraus …. er nimmt Kontakt zu einem Anwalt auf, der alle Hebel in Bewegung setzt und versucht mit wissenschaftlichen Beweisen gegen altmodische christliche Ansichten anzukommen….. das ganze wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven der jeweiligen Personen erzählt und von allen Seiten beleuchtet …. teilweise ist es sehr fachlich erzählt und ich hatte das Gefühl es wurde hier genau und gründlich recherchiert…. es wird aber auch sehr gefühlvoll und teilweise auch sehr brutal erzählt …. kaum zu glauben wie grausam diese Zeit war und wie schnell einem eine Todesstrafe drohte …. ich mochte das Buch da es eine gute Mischung aus Fakten und Roman ist …. den Mittelteil fand ich es etwas lang gezogen aber sonst hat es sich kurzweilig und gut gelesen….

5

Das ist die Geschichte von Anna Voigt, die 1681 nach einer Totgeburt des Kindsmordes angeklagt wurde. Es ist auch die Geschichte von Christian Thomasius, einem jungen aufstrebenden Anwalt, der ihr Rechtsbeistand war und der seine Verteidigung auf einer zu diesem Zeitpunkt ganz neuen wissenschaftlichen Methode, der Lungenschwimmprobe, aufbaute. Christian Thomasius wird später einer der Mitbegründer der Universität Halle sein und einen bedeutenden Anteil am Ende der Folterstrafen und Hexenverbrennungen haben. Tore Renberg hat einen hoch interessanten historischen Roman in einer sehr schönen Sprache (zumindest die Übersetzung ist großartig!) geschrieben, die sehr gut in die Zeit passt aber für uns trotzdem fließend lesbar ist. Die historischen Ereignisse rund um Anna Voigt und Christian Thomasius scheinen sehr gut recherchiert. Der Kampf, wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber Kirche und Obrigkeit durchzusetzen, die Brutalität des Alltags, die Banalität der Brutalität (zum Beispiel die Beschreibung des Familienlebens des Scharfrichters) und die ausweglose Situation der Frauen in dieser Zeit sind sehr gut und authentisch beschrieben. Der Roman ist stellenweise grausam und ich musste über einige Szenen hinweg lesen, weil ich sie nicht ertragen konnte. Das tut aber meiner Begeisterung für dieses Buch keinen Abbruch. Die Geschichte von Anna Voigt muss erzählt werden, heute - angesichts der politischen Entwicklungen auf der ganzen Welt - umso dringender.

5

Die Lungenschwimmprobe bildet „nur“ die Grundlage für diesen großartig recherchierten und meisterhaft verfassten Roman. Grandios vertont!

4.5

Das ist die wahre Geschichte von Anna Voigt, die im Jahre 1681 im Alter von nur 15 Jahren des Mordes an ihrem neugeborenen beschuldigt wird. Anna kommt aus gutem Haus und ihre Eltern versuchen alles, um sie vor dem Todesurteil zu retten. Dafür engagieren sie Christian Thomasius, ein ehrgeiziger Anwalt, der stets bemüht ist, neue Denkanstöße zu setzen und die Menschen die Wissenschaft näher zu bringen und alte Vorurteile über Board zu werden. Dabei wird er von einem angesehenen Arzt unterstützt, der die Lungenschwimmprobe durchführte. Tore Rengberg hat hier einen gut recherchierten historischen Roman geschrieben, der durch seine verschiedenen Erzählperspektiven zu fesseln weiß. Für mich war das ein absolut spannendes Leseerlebnis, ich habe viel aus der damaligen Zeit und die vorherrschenden Umstände gelernt. Das Buch hatte durchaus auch seine Längen, doch tut das dem Gesamtbild des Romans keinen Abbruch und ich möchte eine Leseempfehlung für diejenigen aussprechen, die Interesse an historischen Romanen haben, oder für solche, die mehr darüber erfahren wollen, wie es vielen Frauen in der Neuzeit erging und mit welchen Hindernissen die moderne Medizin und Wissenschaft zu kämpfen hatte.

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5

Ein mega spannender historischer Roman

Ein mega spannender historischer Roman
4

Mit „Die Lungenschwimmprobe - Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde“ hat Tore Renberg ein Buch geschrieben, das wahre historische Ereignisse mit fiktionalen Elementen verwebt. Unter Bezugnahme auf zwei Originalquellen erzählt er die Geschichte der fünfzehnjährigen Anna Voigt, deren Kind tot geboren wurde. Da sie zuvor nichts von ihrer Schwangerschaft geahnt hatte, geschieht dies in Heimlichkeit - und dies genügt nach dem im Jahr 1681 geltenden Strafrecht, um Anna wegen des Mordes an ihrem Kind anzuklagen. Von „in dubio pro reo“ keine Spur: Der heutige Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ wird sich im Laufe der frühen Aufklärung erst noch etablieren. Die Geschichte wird aus häufig wechselnden Perspektiven erzählt, wobei Tore Renberg stets kennzeichnet, welche Teile der Realität und welche seiner Fantasie entsprungen sind. Stellenweise schiebt er auch seine eigene Sichtweise ein: „(…) mich überkam der plötzliche Drang, dich zu umarmen und dir zu sagen, dass es mir leid tut, was wir dir angetan haben, anders kann man es nicht sagen, die Geschichte der Welt ist auch die Geschichte des männlichen Bedürfnisses, Frauen kleinzumachen.“ Während die sogenannten Hexenverbrennungen vielen ein Begriff sind, wird der Augenmerk hier auf ein weniger bekanntes, aber sehr vergleichbares dunkles Kapitel deutscher Geschichte gelegt, in dem Frauen erneut dafür bestraft werden, dass sie Frauen sind: „Die Pfarrer hatten in diesen bedauernswerten Frauen (…) das perfekte Symbol gefunden für alles, voran das Land krankte - Krieg, Pest, Armut, Hungersnot, Unzucht.“ Gerade die realen und teils sehr sachlich erzählten Elemente der Geschichte habe ich deshalb als besonders schockierend empfunden. Wer historisch interessiert ist und besonders etwas über die Geburtsstunde der Rechtsmedizin oder den Übergang vom deutschen Mittelalter in die frühe Phase der Aufklärung erfahren möchte, wird mit diesem Buch viel anfangen können. Der Autor bedient sich dabei einer modern gut verständlichen, historisch angehauchten Sprache. Das wirkt zwar sehr authentisch, hatte für mich aber den Effekt, dass ich nicht wie sonst in einen richtigen Lesefluss gefunden habe. Da ich den Inhalt aber so spannend fand, habe ich es trotzdem innerhalb weniger Tage gelesen und kann es sehr empfehlen.

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3

Ein historischer Roman, der ins Leipzig des 17. Jahrhunderts führt und sich um einen realen Gerichtsfall dreht: Eine junge Frau, Anna Voigt, wird des Kindsmords beschuldigt, und die sogenannte „Lungenschwimmprobe“ soll über Schuld oder Unschuld entscheiden. Stärken des Romans liegen klar in der historischen Detailtreue und der beklemmenden Stimmung. Es wurde sehr genau recherchiert, die Situation eindrücklich geschildert mit einem passenden Sprachstil, so dass die Figuren glaubwürdig, wirken. Allerdings verliert sich die Erzählung stellenweise in sehr ausführlichen Beschreibungen und Nebensträngen, was das Tempo dämpft und sich damit auch die Spannung verliert.

3.5

Zunächst einmal möchte ich den Hut ziehen, vor diesem monumentalem Werk. Angefangen bei dem grandiosen Cover mit einer Illustration von Lotta Kühlhorn, und der Gestaltung der Buchinnenseiten am Anfang und am Ende. Hier werden die Alterungsprozesse von einem Mann und einer Frau historisch dargestellt. Das alles ist sehr detailverliebt und wirklich schön. Bis hin zu der akribischen Recherche des Autors. Der Roman ist jedoch ebenso detailverliebt. Erzählt wird, unter anderem, die Geschichte von Anna, die ihr Kind nach der Geburt getötet haben soll. Im Jahr 1681 ein Grund für Folter und Hinrichtung. Allein das sie sich hat schwängern lassen ist in diesen Zeiten Zeichen genug für ihre Liederlichkeit. Wen interessiert es, ob sie mit 14 Jahren den Geschlechtsakt überhaupt wollte? Niemanden. Was folgt ist die Denunziation und eine Anklage. Der Vater kämpft für seine Tochter und der engagierte Anwalt lässt spitzfindig die neumodische Lungenschwimmprobe durchführen. Diese ergibt, da die Lunge im Wasser nach unten sinkt, dass das kleine Mädchen bei der Geburt bereits tot war. Was interessiert das die Oberen, die sie vor Gericht sehen wollen? "... anders kann man es nicht sagen, die Geschichte der Welt ist auch die Geschichte des männlichen Bedürfnisse, Frauen kleinzuhalten." Über 700 Seiten wird der, über Jahre andauernde, Prozess von Anna erzählt, diese allerdings auf weiten Strecken aus den Augen verloren. Vielmehr geht es um den Anwalt Christian Thomasius und seinem Wirken. "Das Gericht, sagt er, ist ein Schlachtfeld. Oft sind Menschen in diesem Kampf die Opfer. Ich würde mir wünschen, das hätte ein Ende." Genau wie der Anwalt, kommt auch der Autor gerne ins weitschweifende Plaudern, was zu einigen Längen führt. Auch meldet sich der Tore Rensberg zwischendurch selbst zu Wort und kommentiert das Geschehen. Der Roman beruht auf waren Begebenheiten und lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Wer sich für historische Romane interessiert, den wird dieses Werk sicherlich begeistern. Respekt vor der, sicherlich nicht leichten, Arbeit der Übersetzerinnen👌

4.5

Das Buch entführt einen ins Jahr 1681 nach Leipzig. Anna Voigt wird beschuldigt ihr neugeborenes Kind nach der Geburt, getötet zu haben. Der tote Säugling wird allerdings gefunden, da dieser im Kräutergarten begraben wurde. Von da an wird Anna beschuldigt, als Kindsmörderin. Ihr Vater nimmt sich einen Anwalt Christian Thomasius und versucht mit allen Mitteln, Anna aus dieser Situation zu befreien. Die Zeit in der das Buch spielt ist voller Gewalt, Pietät und Aberglaube, was der Autor sehr gut aufgegriffen hat. Der Roman ist historisch recherchiert worden und viele Charaktere des Buches haben wirklich gelebt. Das fand ich besonders spannend. Ich mochte den Schreibstil und konnte mich sehr gut in diese Zeit fallen lassen. ▪️ Thomasius ▪️Kindsmörderin ▪️Rechtsmedizin ▪️Schreyer ▪️Lungenschwimmprobe ▪️Gerüchte ▪️Scharfrichter ▪️Carpzov ▪️Scheinheilig ▪️zum Tode verurteilt ▪️Rache

4

Ein unglaublich interessantes Buch, allerdings verliert sich der Autor doch das ein oder andere Mal zu sehr in der Juristerei. Ich hätte mir hier einen anderen historischen Schwerpunkt, den den Rechtsmedizin, gewünscht. Insgesamt jedoch sehr unterhaltsam und toll recherchiert.

4

Frauenhass

Dieser Roman hat es in sich, reibt auf und erzählt ein weiteres dunkles Kapitel historischen Frauenhasses. Um ehrlich zu sein wurde ich von der Wucht dieses Textes nach den ersten Kapiteln derart überrumpelt, dass ich aus der Schockstarre gar nicht mehr herausgekommen bin. Dabei dümpelte die Geschichte scheinbar (!) zunächst so dahin, während wir dem Arzt Johannes Schreyer bei der Obduktion eines Säuglings über die Schulter schauen und später den Anwalt Christian Thomasius kennenlernen, welcher die Mutter und angebliche Kindsmörderin vertreten wird. Nicht falsch verstehen: All das und die Informationen rund um die titelgebende Lungenschwimmprobe waren sehr interessant, jedoch offenbarte sich im Mittelteil des Buches der wahre Kern und die Tragik dieser Geschichte. Und so historisch bedeutsam die Namen der beiden Herren oben auch sein mögen, sollte man sich vor allem den Namen Anna Voigt merken, deren Schicksal nicht nur einem selbst das Herz zerreißt, sondern auch einige Protagonisten um den Verstand bringt. Tore Renberg zeigt mithilfe fantastischer Recherche und erzählerischer Feinfühligkeit die Ausmaße von Misogynie und der abscheulichen Willkür des sogenannten „Rechtssystems“ im 17. Jahrhundert, was einem wirklich schlaflose Nächte bereiten kann. Auch stilistisch ist der Roman durch die Kombination unterschiedlicher Erzählmodi ein einzigartiges Fundstück und somit nicht nur ein informativer Text, sondern ein Gesamtkunstwerk.

4.5

Schwimmt sie oder sinkt sie? Ein totes Baby, ein mutiger Anwalt und die Geburtsstunde der modernen Forensik.

Manche Bücher liest man weg wie eine Tüte Chips: knusprig, schnell, aber am Ende bleibt nur ein fader Nachgeschmack und Durst. Tore Renbergs „Die Lungenschwimmprobe“ hingegen ist eher wie ein 12-Gänge-Menü im Leipzig des 17. Jahrhunderts – inklusive schwer verdaulicher Innereien, historischem Prunk und Zutaten, bei denen man sich zwischendurch fragt, ob der Koch eigentlich noch ganz bei Sinnen ist. Ich gestehe: Nach der Hälfte des Buches rieb ich mir fassungslos die Augen. Hatte der Autor zu viel vom mittelalterlichen Kräuterschnaps genippt? Mitten im Geschehen wechselt Renberg die Maske. Er springt vom auktorialen Erzähler zum Ich-Erzähler, mutiert zum Sachbuchautor und taucht schließlich höchstpersönlich in Nürnberg auf, um ein Zwiegespräch mit seiner (längst verstorbenen) Protagonistin Anna zu führen. Das ist mutig, das ist exzentrisch – und ja, es bremst den Lesefluss. Wer einen rasanten Thriller sucht, bei dem die Seiten im Windhauch des Umblätterns nur so fliegen, sollte lieber weiterziehen. Wer sich aber auf dieses literarische Experiment einlässt, wird mit einer Tiefe belohnt, die man selten findet. Wir schreiben das späte 17. Jahrhundert. Eine Zeit, in der das Licht der Aufklärung noch mühsam gegen den dichten Nebel aus Aberglaube, religiösem Dogmatismus und dem strengen Regiment von Staat und Kirche ankämpft. Mittendrin: Anna Voigt. Anna ist die – gelinde gesagt – etwas schlichte Tochter eines Gutsbesitzers, der es mit dubiosen Methoden „vom Bordstein zur Skyline“, sprich vom mittellosen Sohn eines Schneiders zum Gutsherren geschafft hat. Als sie vom buckeligen Knecht des Guts (ob freiwillig oder nicht bleibt etwas im Dunkel der Scheune verborgen) schwanger und das Kind kurz nach der Entdeckung tot im Garten vergraben aufgefunden wird, sieht es düster aus für Anna. Ob Vergewaltigung oder Zwang – der Obrigkeit ist das einerlei. „Unzucht“ bleibt „Unzucht“, und darauf steht der Tod. Doch Rettung naht in Gestalt von Christian Thomasius, einem Advocatus mit dem Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen (Kant lässt grüßen!). Sein Joker: Die bahnbrechende Entdeckung des Dr. Schreyer – die Lungenschwimmprobe. Das Prinzip ist simpel wie genial: Schwimmt die Lunge oben, hat das Kind geatmet (Mordverdacht!). Sinkt sie wie ein Stein, war es eine Totgeburt (Unschuld!). Was folgt, ist kein „Bambi“-Abenteuer. Es ist eine akribisch recherchierte Geschichtsstunde über die Schranken der Justiz und den Kampf gegen die Willkür eines rachsüchtigen Amtsmanns. Renbergs Sprache ist dabei so dicht an die Epoche angelehnt, dass man fast den Schlamm der Leipziger Gassen zwischen den Zehen spürt. Mein Fazit: Nichts für Zartbesaitete oder Eilige! Falls ihr bereits Joel F. Harringtons „Die Ehre des Scharfrichters“ im Regal stehen habt (ebenfalls eine absolute Leseempfehlung!), werdet ihr die bildhaften Schilderungen von peinlichen Befragungen und Urteilsvollstreckungen lieben. Allen anderen sei gesagt: Nehmt euch Zeit. Sucht euch einen ruhigen Sessel. „Die Lungenschwimmprobe“ ist kein Snack für zwischendurch, sondern ein wuchtiges Denkmal für eine junge Frau und den Beginn der modernen Rechtsmedizin. Ein Buch, das einen fordert, manchmal verwirrt, ganz oft fassungslos schaudern aber letztlich tief beeindruckt zurücklässt.

Schwimmt sie oder sinkt sie? 
Ein totes Baby, ein mutiger Anwalt und die Geburtsstunde der modernen Forensik.
4

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde!

Der Roman ist verfasst wie ein Gerichtsprotokoll. Das bedeutet sehr lange Kapitel, eine Sprache aus der Zeit und damit viele Schachtelsätze und altmodische Formulierungen. Wir erfahren nur das, was in Protokollen überliefert wurde und dazu ein paar fiktive Fakten, wo der Autor sich sogar direkt an den Leser wendet. Man bekommt ein gutes Gespür für den historischen Bewegungsraum der Figuren. Die Dialoge und Marotten der Charaktere sprühen demgegenüber vor Leben und Details. Nicht nur die herausragende Recherchearbeit glänzt hier im Vordergrund, sondern auch das Gespür für die Zeit, die Emotionen der Beteiligten und der zähe Verlauf der Verhandlung. Das ist auch mein einziger Kritikpinkt. Ab der Mitte zieht es sich doch etwas und es treten ein paar Wiederholungen auf, wo man Durchhaltevermögen zeigen muss. Es gibt immer mal wieder Momente für die sich die Geduld auszahlt, wie zum Beispiel Gedicht, Märchen oder Mythen, die spielerisch in die Handlung gewoben wurden. Am Ende des Buches ist ein QR-Code bzw. ein Link, der zu einer Datei führt in der die verwendete Sekundärliteratur, ein Namensverzeichnis historischer Personen und Abbildungen zu finden sind. Angesichts der Länge des Buches ist verständlich, weshalb der Verlag dies nicht mit in den Roman aufgenommen hat und ich finde es hilfreich, dass ich so einen Blick auf die Quellen werfen konnte. Wobei eine Karte und ein Register noch Platz im Buch gefunden hätten. Abschließend ist es ein einzigartiger Roman, der sehr sorgfältig und zeitaufwendig recherchiert wurde und mit Fingerspitzengefühl und Herzblut geschrieben. Sehr zu empfehlen allen die wirklich Interesse an der Zeit, dem Umschwung des Denkens und Gerichtsprozessen haben, sonst könnte das Buch etwas langatmig werden.

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde!
3

Was für ein Kampf 🥴

Laut Klappentext war ich davon ausgegangen, dass das Buch sich primär damit beschäftigt, den Nachweis zu erbringen, dass Anna Voigt ihr Baby tot zur Welt gebracht hat und ihr es somit erspart bleibt enthauptet zu werden. Diese Beweisführung bzw. die Verteidigung des jungen Mädchens ist zwar der rote Faden der Geschichte, nur wird ihr aus meiner Sicht viel zu wenig Raum gelassen. Diesen Raum nehmen schon die Vielzahl an Nebendarstellern ein, die wiederum sehr ausführlich und detailreich beschrieben wurden. Allerdings blieb mit bei so manchen rätselhaft, was sein eigentlicher Anteil an der Geschichte ist. Tatsächlich tue ich mir aber schwer, das Buch als Roman zu bezeichnen, denn der Autor meldet sich immer wieder zu Wort und ordnet das Geschriebene historisch ein und es kommen auch zahlreiche historische Quellen vor (Gesetzestexte, Richtsprüche, Gedichte, Briefe, Lieder). Den roten Faden bildet der Fall Anna Voigt und ihre Verteidigung durch den berühmten Advokatus Christian Thomasius. Doch von diesem roten Faden schweift der Autor immer wieder sehr weit ab und schreibt fast eher eine historische Abhandlung über die Justiz der damaligen Zeit, über die Gesellschaft sowie eine Zeit des Umbruchs, die von Thomasius und dem Arzt Schreyer mit geprägt wurde - der Beginn der Aufklärung. Der Schreibstil ist an die Zeit angelehnt und erfordert wahnsinnig viel Durchhaltevermögen und Wille. Mir war dies letzten Endes zu viel des Guten und trotzdem ich viele interessante Aspekte entdeckt und für mich mitgenommen habe, kann ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen.

3

Sehr interessantes Thema, hat sich für mich aber schon etwas in die Länge gezogen.

4

Bewegend erschütternd und unglaublich spannend .

Anfangs dachte ich, dass ich einen ganz netten historischen Roman vor mir habe. Manchmal musste ich das Buch zur Seite legen und manchmal war ich zu erschüttert um weiter zu lesen. Kaum war die Kirche fertig mit der Hexenverfolgung fand sie einen anderen Weg junge Frauen zu quälen und umzubringen. Anna Voigt bringt ein totes Kind zur Welt und wird des Kindsmords beschuldigt. Über mehrere Jahre ist ihr Urteil ungewiss und die gesamte Familie wartet und verzweifelt. Danach folgt totale Isolation, Gewalt und Leid. Die gesamte Familie schlittert in den Abgrund. Währenddessen versuchen ein Anwalt und ein Arzt ihre Unschuld zu beweisen. Der Roman gibt tiefe Einblicke in das Justiz und Kirchen System im 17 Jahrhundert welche eng miteinander verbunden waren. Meiner Meinung nach waren die Einblicke in Thomasius leben ein bisschen überschattend und zu einnehmend. Annas Geschichte ist immer wieder in den Hintergrund gerückt.

5

Ein historischer Roman ganz nach meinem Geschmack

Dieser historische Roman führt seine Leser:innen zurück in die Geburtsstunde der Gerichtsmedizin. Allein dieses Versprechen war für mich Grund genug, mich an die ca. 700 Seiten zu wagen. Tatsächlich nimmt der medizinische Teil mit der titelgebenden Lungenschwimmprobe einen eher geringen Teil der Geschichte ein. Aber sie ist der Stein des Anstoßes. Der Rest war nicht weniger interessant und offensichtlich ausgesprochen intensiv und sehr gut recherchiert. Beruhend auf einem historischen Gerichtsfall, kommen viele Stimmen zu Wort, die insgesamt ein bedrückendes Bild des Gerichts- und Rechtssystems im späten 17. Jahrhundert zeichnen. Einige Charaktere sind herauszuheben. Da ist natürlich die des Kindsmord beschuldigte Anna Voigt aus Zwenkau bei Leipzig. An Erzählraum nimmt jedoch ihr Vater Hans Heimrich Voigt insgesamt wohl den größten Raum ein. Seine Kapitel bekommen auch durch die von allen anderen abweichende Erzählweise ein besonderes Gewicht. Man spürt der Geschichte ab, dass dahinter als Autor ein Vater steht. Und auch sonst gibt sich der Autor ab und an selbst das Wort, erklärt, ordnet ein. Unter allen anderen Charakteren ist wohl der Leipziger Jurist und Publizist Christian Thomasius die schillerndste Person. Noch interessanter fand ich jedoch die mangels Quellen am stärksten fiktive, dennoch aber an anderen historischen Quellen orientierte Darstellung des Lebens des Leipziger Scharfrichters Christoph Heintze und seiner Familie. Auch die Sprache des Romanes mochte ich total, die einerseits ein Stück ins 17. Jahrhundert entführen will und dennoch dabei gut lesbar bleibt. Ein Balanceakt, der sehr gut gelungen ist inclusive einer tollen Übersetzungsleistung. Ich habe mich gerne ich diese Geschichte mitnehmen lassen und die Lektüre sehr genossen. Nun lese ich eher wenig historische Romane, fand dieses darunter aber allemal herausragend. Große Leseempfehlung.

5

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen derart gut recherchierten und unglaublich mitreißend und hochspannend geschriebenen und genial konzipierten historischen Roman gelesen zu haben. Zeitgleich ist er ein erschütterndes literarisches Dokument der juristischen Willkür der damaligen Zeit in Leipzig und auch anderswo und eine Erinnerung daran, wie glücklich wir uns über die Abschaffung von Folter und Todesstrafe sowie über unser heute geltendes Rechtssystem schätzen können. Das Buch ist auch eine Anklage gegen die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, was die unterschiedliche Behandlung zwischen Frauen und Männern über weite Teile der Menschheitsgeschichte betrifft. Immer wieder im Laufe des akribisch recherchierten Romans ist man schier fassungslos. Historische akurates und literarisch verdichtetes wird hier kongenial verbunden und im Nachwort sowie in hoch interessanten Einschüben - meist am Kapitelende - als solches kenntlich gemacht. "Die Lungenschwimmprobe. Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde" gehört meines Erachtens zu den nicht sehr häufigen Fällen, in denen der recht üppige Umfang absolut gerechtfertigt ist. Hier ist wirklich jede Seite lesenswert und unabdingbar. Ein großartiger Text! Es war mein erster Roman des Norwegers Tore Renberg. Es wird nicht der letzte sein. Leseempfehlung: uneingeschränkt und unbedingt! 5/5

4

Medizin vs. Religion an einem tragischen Beispiel Sehr interessanter historischer Roman, der auf einem wahren Fall beruht. Er spielt im 17. Jahrhundert rund um Leipzig und es geht um die junge Anna Voigt, Tochter eines Gutbesitzers, die des Kindsmords angeklagt wird. Der angesehene Medicus Dr. Schreyer versucht mit einer bisher weitgehend unbekannten Methode, die er Lungenschwimmmprobe nennt, zu prüfen, ob das Kind bei der Geburt gelebt hat oder ob es sich um eine Totgeburt handelte. Der Gutsbesitzer beauftragt den aufstrebenden Advocatus Christian Thomasius seine Tochter vor Gericht zu verteidigen. Der Fall entwickelt sich zu einer Odyssee für die ganze Familie und alle Beteiligten. Leider sind die Seiten sehr dünn, so dass man schnell mal eine Seite überblättert. Das hat allerdings den Vorteil, dass das Buch nicht so viel Platz im Regal einnimmt. Für knapp über 700 Seiten kommt es im Vergleich zu ähnlich umfangreichen Büchern sehr schlank daher. Der Roman wirkt sehr gut recherchiert. Der Autor hat versucht die Geschichte möglichst realitätsnah wiederzugeben, so weit das anhand der vorliegenden Quellen möglich war. Es gibt auch immer wieder kleine ergänzende Anmerkungen des Autors. Ein Kapitel bezieht sich komplett auf einen Teil seiner Recherche. Stellenweise hat es sich etwas gezogen, da die Erzählung manchmal doch sehr abschweift und sich etwas im Detail verliert. Gerade die Abschnitte von Thomasius waren mir da manchmal etwas zu viel des Guten. Ich hatte aber nie das Bedürfnis abzubrechen und war durchweg gespannt wie es nun weitergeht. Ein guter Einblick in die damalige Gesellschaft und definitiv keine Zeit in der ich hätte leben wollen.

5

Sternebewertung fiktiv

Tore Renbergs historischer Roman basiert auf einem wahren Kriminalfall aus Deutschland und entführt uns in das Jahr 1681, mitten ins alte Leipzig. Übersetzt von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, erzählt der Roman eine ergreifende Geschichte von Schuld, Aberglauben und den frühen Anfängen der modernen Wissenschaft. Im Mittelpunkt steht die Tochter eines Gutsherrn, die des Kindsmordes und der Unzucht beschuldigt wird. Ein toter Säugling mit Stichwunden wird gefunden und der angesehene Arzt Dr. Schreyr soll durch seine Untersuchung klären, ob das Kind bereits tot geboren wurde. In einer Zeit, in der Religion die Oberhand hat und neue wissenschaftliche Methoden Misstrauen hervorrufen, sind Schreyrs Untersuchungen eine Gradwanderung zwischen Medizin und Ketzerei. Renbergs Roman ist nicht nur inhaltlich überzeugend, sondern auch handwerklich eindrucksvoll gestaltet: Die Kapitelüberschriften sind kleine, eigenständige Geschichten, die sich zu einem strukturierten und mitreißenden Ganzen fügen. Die lebendigen Charaktere und die düsteren, unbarmherzigen Umstände jener Zeit lassen den Leser unmittelbar an den Konflikten und Ängsten der Protagonisten teilhaben. Mit seinen etwa 700 Seiten bietet das Buch eine eindringliche Reise durch das historische Leipzig, in eine Epoche, in der die Gesellschaft an der Schwelle zur modernen Medizin steht, während Religion noch das Gesetz bestimmt. Wer bereit ist, tief in die Welt des 17. Jahrhunderts einzutauchen und eine Geschichte voller Spannung und Atmosphäre zu erleben, wird von diesem Roman nicht enttäuscht sein – ein Werk, das in seiner Vielschichtigkeit und Detailtreue begeistert. Das Nachwort ist diesmal auch sehr spannend übrigens. Es erzählt den Schaffensprozess und die jahrelange Recherche des Autors

4

Wirklich ein einzigartiges Buch, allerdings mit einigen Längen und unnötigen Szenen. Sprachlich aber top!

4

Dieses Hörbuch war eine Wucht auf so vielen Ebenen. Der Sprecher war perfekt! Die Handlung war spannend und interessant. Auch wenn ich ab und an "rausgehauen" wurde, weil der Autor immer wieder die Dritte Wand durchbrochen hat und mich als Hörerin direkt angesprochen hat, konnte und wollte ich auch diese Passagen nicht überspringen. Ich höre gerne Hörbücher zum einschlafen und habe bei so vielen anderen Geschichten nie das Gefühl, dass mir was fehlt, wenn ich *darüber* einschlafe. Hier habe ich immer wieder Kapitel zurückgespult, weil ich den ganzen Inhalt wichtig fand! Hörempfehlung!

3

Sehr interessantes Thema, leider bisweilen langatmig und Inhalte nicht direkt im Bezug zum Buchtitel. Schade. Hatte mir mehr versprochen.

4

Fortschritt bringt Opfer

Ein außergewöhnlicher Roman der einen augenblicklich in das 17. Jahrhundert katapultiert. Die Charaktere waren so außergewöhnlich eigen und der Autor hat gute Arbeit geleistet, die einzelnen Personen miteinander zu verweben. Man durchlebt eine Achterbahnfahrt durch das aufstrebende Leipzig. Dabei erwacht sehr gut zu Leben. Ich habe den Thomasius so geliebt. Es ist hier und da langatmig und das Ende des 5ten Kapitels wäre eigentlich ein schönes und bewegendes Ende gewesen. Mein erster historischer Roman und dieser erweckt die Lust mehr in dieses Sub-Genre einzutauchen. Es muss eine unglaublich große Recherchearbeit gewesen sein. Die Erzähl-Perspektive wechselt hier und da ins hier und jetzt - was äußerst aufregend war. Eine Leseempfehlung wenn ihr etwas Durchhaltevermögen habt 😇

Fortschritt bringt Opfer
2

Medizingeschichte finde ich super spannend, deswegen hat sich "Die Lungenschwimmprobe" nach einem Buch angehört, das mir gefallen könnte. Allerdings war es deutlich mehr Rechts- als Medizingeschichte und viele der Erzählerstimmen hören sich einfach gerne reden und erzählen bis ins kleinste Detail. Das liegt aber auch am Schreibstil des Autors, der diese Eigenheit nicht nur seinen Protagonisten andichtet, sondern selbst auch immer wieder Kommentare aus der Gegenwart einwirft und in einem Kapitel einen Teil der Recherche beschreibt - ganz wichtig ist dabei natürlich, dass der Leser erfährt, was er dabei gegessen bzw. getrunken hat 🙃 Die Sprache orientiert sich an der des 17. Jahrhunderts, was es manchmal etwas schwerfällig zu lesen macht. Das Cover gefällt mir dagegen wirklich gut und passt mit den stilisierten Lungenflügeln gut zum Thema - ist allerdings auch etwas irreführend, weil der medizinische Aspekt nur einen kleinen Anteil an der Geschichte hat. Auf eine gewisse Art und Weise, war es ein spannendes Buch, aber auch teilweise sehr dröge. Ich war froh, als ich die letzte Seite gelesen hatte, da es sich über weite Teile eher wie ein Geschichtsbuch, als ein Roman angefühlt hat...

3

Bei diesem Buch handelt es sich um eine durchaus irritierende und chaotische Erzählung, basierend auf einem realen Fall des 17. Jahrhunderts. Ich hatte tatsächlich etwas anderes erwartet - während historische Fakten und auch eine Anlehnung an den damaligen Sprachduktus gegeben ist, ist das Wechselspiel der Erzählweisen irritierend bis verstörend. Man könnte meinen man liest das Manuskript eines sehr fantasievollen Historiker mit Prrsönlichkeitsschwankungen. Es gibt eine Idee zur Denkweise und den Problemen der damaligen Haltung der Gesellschaft, ausgeschmückt mit persönlicher Fantasie. Man braucht durchaus eine längeren Atem um das Buch zu lesen.

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5

Nicht das was ich erwartet hatte… aber besser!

Ein Buch, das einen in die Zeit nach dem 30jährigen Krieg und am Beginn der Aufklärung versetzt, toll geschrieben und extrem gelungen.

3.5

Sehr interessant zu lesen, hatte aber definitiv auch seine Längen. Etwas (rechts-)geschichtliches Interesse braucht man definitiv!

1

„Die Lungenschwimmprobe“ von Tore Renberg ist ein unnötig langatmiger Roman, der sich leider als echte Geduldsprobe erweist. Die Geschichte zieht sich ohne ersichtlichen Grund in die Länge, und trotz einzelner interessanter Ansätze bleibt die Handlung zäh und ermüdend. Die Charaktere wirken blass, und es fehlt jegliche emotionale Tiefe, die das Lesen lohnenswert machen könnte. Statt fesselnder Erzählkunst bekommt man hier ausschweifende Passagen, die mehr Frust als Freude bereiten. Alles in allem war es eine Qual, sich durch dieses Buch zu ackern – der einzige Lichtblick ist die wirklich ästhetische und zum Buch passende Cover-Gestaltung.

4

War gut. Nur die Schreibart von der damaligen Zeit ist für mich etwas schwierig gewesen

4

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg – ein sehr interessanter Historienroman nach wahrer Begebenheit. Der Schneidersohn Hans Heinrich Voigt wird Erbe eines Gutes in der Nähe von Leipzig. Da er kein offiziell geborener Adeliger ist, hat er es schwer und muss sich regelrecht gegen Neider beweisen. Es gibt genug Menschen, die Ihn nicht anerkennen und teilweise sogar hassen, wie der Amtsmann Walther, aber auch seine eigene Köchin. Nun wird seine 15-jährige Tochter Anna ungewollt schwanger. Die Schwangerschaft wird bis zum Schluss geheim gehalten. Und dann kommt dieses Kind auch noch still zur Welt. Die Gegner des Herrn Voigts glauben nicht an die stille Geburt, sondern an eine Kindstötung, weswegen Anna nun wegen dieser vor Gericht steht. Ihr droht der Tod. Doch es gibt Menschen, die die Unschuld der Anna beweisen möchten. Zum einen gibt es den Arzt Schreyer, welcher sehr gebildet ist und sich an das Experiment der ‚Lungenschwimmprobe‘ traut. Und da gibt es auch noch den Anwalt Thomasius, der diesen Fall übernimmt, obwohl er aussichtslos scheint. Da ist auch noch der wohlhabende Herr Voigt, Vater der Anna, welcher jederzeit an ihre Unschuld glaubt und diese mit allen Mitteln rechen möchte. Dieses Buch ist sehr gut recherchiert und zeigt sehr schön die Anfänge der Rechtsmedizin. Es ist allerdings etwas schwieriger zu lesen, da es zwischen den einzelnen Perspektiven (Vater, Arzt, Tochter, Anwalt, Amtsmann, etc) und Zeiten springt. Die Sprache im Buch entspricht der aus der damaligen Zeit, was die Schwierigkeit beim Lesen etwas erhöht, aber das Buch so auch authentischer wirken lässt. Dieses Buch ist für mich wahnsinnig interessant, da ich selbst aus dem medizinischen Bereich komme und mich die historischen Begebenheiten schon immer begeistert haben. Es gibt mir einen sehr guten Einblick in die damaligen Verhältnisse. Lediglich die einzelnen Charaktere werden etwas oberflächlich behandelt. Die Anna wird zum Beispiel ‚einfältig‘ genannt, doch es kommt nie wirklich durch, warum das so ist. Das Cover des Buches passt sehr gut zum Thema. Die ‚Dicke‘ des Buches täuscht. Es wirkt schmäler als es mit seinen 700 Seiten, welche sehr dünn sind, ist. Alles in allem fand ich dieses Buch gut und spannend und kann es jedem empfehlen, der gern Historische Romane und Sachbücher aus dieser Zeit mag.

5

Der Roman ist für mich (gefühlt) eine Geschichte zwischen Dokumentation und Fiktion. Dies liegt zum einen am Thema, jedoch auch am Stil.   Im Mittelpunkt des Buches steht Anna Voigt, ein junges Mädchen, das im Jahr 1681 des Kindsmords bezichtigt wird. Eine gefährliche Anklage: Nicht nur, dass bei einem Urteil die Todesstrafe auf die Angeklagte wartet, sondern oftmals der Prozess auch mit Folter verbunden ist.   Dieser Prozess hat jedoch auch eine politische Komponente: Der Voigt möchte Annas Vater bestrafen, der ein sozialer Aufsteiger und vielen ein Dorn im Auge ist. Über die Tochter versucht man daher zusätzlich den Vater in den Ruin zu treibe.   Ich möchte nicht von Glück in diesem Zusammenhang sprechen, doch Anna hat wenigstens einen Vater, der sich für sie einsetzt, und einen besonderen Rechtsgelehrten, der sich des Falls annimmt: Christian Thomasius. Christian Thomasius ist das „enfant terrible“ der dortigen Szene und hat ein gewaltiges Problem mit den alten Eliten und dem bestehenden Rechts- und Gesellschaftssystem. So zögert er nicht, auch neue Pfade zu gehen, zu provozieren und gewisse Risiken einzugehen. Ein neuer Pfad ist die „Lungenschwimmprobe“. Während man sich früher gerne auf Gott und den Leitsatz „das war schon immer so“ verließ, findet Christian Thomasius einen Arzt, der ein neues, naturwissenschaftliches Experiment wagte und mithilfe der Lungenschwimmprobe beweisen wollte, dass es sich bei Annas Kind um eine Totgeburt handelte. Und um keinen Mord. Die zaghaften Versuche der Aufklärung hatten einen mächtigen Gegner in Form der Kirche und der Konservativen.   Erzählt wird der Roman aus verschiedenen Perspektiven und über einen längeren Zeitraum. Die Lektüre war nicht einfach. Besonders, weil wir hier eine wahre Begebenheit vor uns haben und viele Menschen, bei diesem speziellen Verbrechen vor allem Frauen - oftmals abhängig oder gesellschaftlich in schwacher Position - grausam gefoltert und hingerichtet wurden. Ja, gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass Voyeurismus und Sadismus bei den Prozessen Hand in Hand gingen.   Der Roman war nicht immer einfach zu lesen. So gab es auch seitenlange Briefe, Diskussionen oder anwaltliche Argumentationen, die im Prozess eine Rolle spielten. Hier habe ich gelegentlich etwas quergelesen.   Insgesamt jedoch in meinen Augen ein sehr gelungener Roman über das damalige Rechtssystem, die Anfänge der Aufklärung und der Rolle der Frau.  

5

Ich lese nicht oft historische Romane, bin aber durch das interessante Cover auf dieses Buch aufmerksam und den Klappentext über eine Frau, die beschuldigt wird, ihr Kind getötet zu haben, neugierig geworden. Die Lungenschwimmprobe ist ein eindrucksvoller Roman. Der Fall um die angeklagte Frau Anna Voigt stellt hierbei eher den Rahmen als den Fokus der Erzählung dar. Das Leben und Werk des in diesem Fall tätigen Anwalts steht hier eher im Vordergrund. Einerseits fand ich dies etwas schade, weil ich mit einem stärkeren Fokus auf Anna Voigt gerechnet hatte, andererseits war der Roman in seiner tatsächlichen Form auch sehr spannend und informativ. Das Buch enthält teils extrem brutale oder anekelnde Darstellungen, die mich beim Lesen mein Gesicht sichtbar verzerren lassen haben und die für mich manchmal schwer auszuhalten waren. Aus feministischer Perspektive ist es zugleich erschreckend und dennoch wenig überraschend, wie allgegenwärtig und selbstverständlich Gewalt gegen Frauen, Täter-Opfer-Umkehr und die Ausnutzung patriarchaler Macht früher schon waren, und dass sich daran bis heute wenig geändert hat. Insofern ist dies nicht einfach nur ein historischer Roman, sondern auch eine bittere Erinnerung daran, dass wir noch heute mit diesen Grausamkeiten zu kämpfen haben. Das Lesen des Nachworts, in dem deutlich wird, wie viele Menschen mit ihrer Arbeit zur Entstehung des Romans beigetragen haben und wie viele Quellen zu Rate gezogen wurden, hat mich über die umfassende Recherche des Autors staunen lassen. Ich möchte auch ein Lob an die Übersetzer:innen Karoline Hippe und Ina Kronenberger aussprechen, die den Text ja nicht nur sprachlich, sondern auch historisch übertragen haben.

2

Die Hälfte hätte auch gereicht

Der Roman schildert die wahren Ereignisse rund um die Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmordes bezichtigt wird, wie der Untertitel des Buches bereits sagt. Dabei wird am Verfahren der Lungenschwimmprobe nachgewiesen, ob das Kind zur Zeit der Geburt bereits verstorben war oder noch lebte. Das Buch beschreibt sowohl historische Personen als auch Schauplätze, wie es sie tatsächlich gegeben hat. Besonders spannend fand ich die Handlung in und um Leipzig, wo ich einige Jahre selbst gelebt habe. Allerdings zieht sich das Buch an einigen Stellen quälend in die Länge. Ein Beispiel: Zu Beginn wird immer wieder von einer misslungenen Hinrichtung erzählt, bei der der Scharfrichter daneben schlug. Durch diese Berichte weiß man eigentlich alles über das Geschehene. Dennoch wird es anschließend noch einmal in eine extra Kapitel aufgegriffen und durch die Nennung belangloser Figuren und endloser Beschreibungen sinnlos lang gezerrt. Einige Kapitel des Buches habe ich daher nur quergelesen. Andere Passagen waren so spannend, dass ich automatisch wieder konzentriert bei der Sache war. Bitte außerdem vorher unbedingt die Contentwarnungen prüfen. So langweilig das Buch an manchen Stellen geschrieben ist, so unerwartet gewaltvoll wird es dann plötzlich an anderen.

Als aller erstes muss ich sagen, dass das Buch sehr weit außerhalb meiner Komfortzone war, deswegen hat es mir wahrscheinlich nicht so ganz gut gefallen wie es bestimmt vielen anderen gefallen könnte. Denn dies ist ein historischer Roman, vielleicht sogar der erste den ich gelesen habe.😅 die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, was sie für mich interessant gemacht hat. Außerdem bin ich medizinisch interessiert, also schon mal zwei Punkte warum ich das Buch gekauft habe. Der Anfang hat mir ganz gut gefallen, es war direkt ziemlich spannend, es ging erstmal um die Anfänge der Rechtsmedizin, genauer gesagt ging es ziemlich schnell um die Lungenschwimmprobe. Ab da nimmt die Geschichte dann seinen Lauf, auf knapp über 700 Seiten hat der Autor den kompletten Prozess der Anna Voigt, bis hin zu ihrer Verurteilung oder Freispruch. Da das ganze ab dem Jahr 1681 spielt, kann man sich vorstellen wie die Geschlechterrollen damals waren. Es gab von Anfang an Charaktere die ich wirklich gehasst habe, andere Charaktere haben einem Hoffnung gegeben… trotzdem gab es insgesamt sehr wenige Charaktere die mir wirklich sympathisch waren. Es war eine Geschichte über Ungerechtigkeit, Geltungsdrang, Religion… gerade das Thema Religion hat einen guten Einblick in das Gedankengut der damaligen Zeit geliefert. Was alles im Namen der Religion als gerechtfertigt angesehen war, ist aus der heutigen Sicht wirklich schockierend. Manche religiösen Texte und Predigten hätten für mich nicht unbedingt eingebaut werden müssen, ich verstehe warum der Autor sich dazu entschieden hat, aber für mich hatte das Buch dadurch einfach Längen die es nicht gebraucht hätte. Man verfolgt aber nicht nur Annas‘ Leben, sondern auch das Leben des Arztes, des Anwalts und das Leben von Anna‘s Vater. So bekommt man einen guten Überblick wie der ganze Prozess abgelaufen ist, welche Hürden es gab.. dabei kommen immer wieder die menschlichen Abgründe zum Vorschein. Es werden immer wieder Gewaltverbrechen, sexuelle Verbrechen, Mord und Folter thematisiert, also wer das nicht lesen kann, der sollte dieses Buch dann vielleicht einfach nicht lesen. Insgesamt bin ich trotzdem froh es gelesen zu haben, auch wenn sich bestätigt hat, dass historische Romane einfach nicht meins sind. Ich fand es sehr interessant und spannend, der Autor hat sicher unglaublich viel Recherche in dieses Buch gesteckt und das merkt man auch. Die Übersetzung ist auf jeden Fall auch sehr gut gelungen, die Sprache war an das 17. Jahrhundert angepasst und ich hatte nie das Gefühl, dass Dialoge nicht genau so stattgefunden haben könnten.

4

Was für ein Buch

Eigentlich lese ich nicht so gerne Historische Romane. Dieses Buch viel mir aber direkt auf. Ich nahm es zu Hand, las mal kurz quer rein und konnte es seit dem nicht mehr aus der Hand legen. Es war Spannend, aufschlussreich und unterhaltsam zugleich. Was mich ein wenig gestört hat, dass es Passagen gab, die dich etwas in die Länge zogen.

2

Gemischte Gefühle

Ich habe das Buch abgebrochen. Viele Seiten lang habe ich mich teils gequält. Dabei war der Anfang so vielversprechend! Die medizinischen Themen genau mein Ding und alles auf Tatsachen beruhend! Das positive: Das Cover ist ein Meisterwerk in der Gestaltung! Richtig schick und ansprechend. Ich finde, dass es genau das Buch widerspiegelt. Genauso positiv finde ich, dass die Szenerie sehr detailliert beschrieben wird. Manchmal etwas zu sehr. Jede noch so kleine Person wird im Detail wiedergegeben. Was der ganzen Welt und den Personen eine unheimliche Tiefe gibt. Nun; das negative. Das schließt genau an dem Punkt an. Für mich war es teilweise zu detailiert. Der bereits stockende und anspruchsvolle Schreibstil hat das noch verstärkt. Leider konnte ich keine 10 Seiten flüssig lesen. Das hat letztendlich zu meinem Abbruch geführt. Die Geschichten und was passiert interessiert mich brennend. Vielleicht greife ich nochmal auf das Buch zurück.

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