Die Grasharfe
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Description
»Wann war es, dass ich zum ersten Mal von der Grasharfe hörte? Lange vor jenem Herbst, als wir im Paternosterbaum lebten, also in einem früheren Herbst, und es war natürlich Dolly, die mir davon erzählte.«
Der elfjährige Collin kommt nach dem Tod seiner Eltern zu seinen verschrobenen Tanten Verena und Dolly in ein Südstaatennest. Verena ist eine herrschsüchtige Realistin, Dolly eine Träumerin, die zusammen mit ihrer schwarzen Freundin Catherine nach altem Rezept aus Waldkräutern Arznei braut. Es kommt zum Tantenstreit, als Verena in Dollys Sammelleidenschaft ein dickes Geschäft wittert und diese groß vermarkten will. Um ihr privates Glück vor der Schwester zu verteidigen, bezieht Dolly zusammen mit Collin und Catherine Quartier in einem Baumhaus. Verena, der Sheriff und Honoratioren des Dorfes versuchen, die drei Ausreißer zurück in die Wirklichkeit zu zwingen, hinunter vom Baum. Am Ende stehen eine Schlacht und ein Sieg – eine letzte Nacht bleiben sie in ihrem Refugium, dann verlassen sie ihr Baumhaus freiwillig, im Wissen, dass nichts je sein wird wie zuvor.
suhrkamp.pocket: Große Bestseller im kleinen Geschenkbuchformat
Book Information
Author Description
Truman Capote, geboren 1924 in New Orleans, starb 1984 in Los Angeles. Seine Romane Frühstück bei Tiffany und Kaltblütig machten ihn zu einem der berühmtesten Autoren der amerikanischen Literatur. 2004 verkörperte ihn Philip Seymour Hoffman in dem Film Capote.
Posts
Die Brillianz Truman Capotes zeigt sich schon in seinem ersten veröffentlichten Roman. Eine Geschichte zwischen Hoffnung und Verzagen, zwischen Erwachsenwerden und Erwachsensein. In dem typischen Stil von Capote geschrieben. Direkt, lakonisch, nah an seinen Protagonisten. Eine Geschichte die zeigt, welche Konsequenzen Entscheidungen haben. Lesenswert.
Wir wurden Freunde, Dolly, Catherine und ich. Ich war elf, und später wurde ich sechzehn. Auch wenn mir keine Ehren widerfuhren, waren das wunderbare Jahre. Zitat, Seite 16 Vor fast einhundert Jahren, am 30. September 1924, wurde Truman Capote geboren. Und an eben einem solchen letzten Tag im September findet die Schlüsselszene dieses Romans statt. In einer unbenannten amerikanischen Kleinstadt findet im Baumhaus eines Paternosterbaumes eine recht ungewöhnliche Gruppe zusammen: die ungefähr 60jährige Dolly, die nach einem Zerwürfnis mit ihrer Schwester beschlossen hat, ihr nahegelegenes Zuhause zu verlassen, dann deren schwarze Ziehschwester Catherine, der Neffe und Protagonist Collin, der Richter Charlie Cool und schließlich der Rebel Riley Henderson. Es sind die letzten Sommertage und der Herbst kündigt sich bereits an, aber die Gruppe ist entschlossen, sich gegen den Widerstand der Gesellschaft zu wehren, der insbesondere aus Mitbürgern der Stadt besteht, angestiftet von der aufgeregten Verena, die ihre Schwester Dolly zur Rückkehr drängt und angeführt vom Arm des Gesetzes, dem Sheriff des Ortes. Collin ahnt es noch nicht, doch diese letzten Septembertage werden die Weichen für sein Erwachsenenleben stellen, auf die er jetzt, Jahre später in dieser Erzählung zurückblickt. Das schmale Büchlein enthält eine wortgewaltige Erzählung, die bildreich und damit sehr anschaulich gestaltet ist. Die titelgebende Metapher wird bereits eingangs erläutert und deren christlich angehauchte Mystik ist offensichtlich. Die Vergänglichkeit des Menschen wird gerade in den Psalmen durch Gras symbolisiert und die ursprünglichen Texte wurden als Lieder oft von Harfen begleitet. Auch der sogenannte Paternosterbaum ist als Symbol interessant, da er die Bezeichnung für die Herstellung von Gebetsketten aus seinen Kernen erhalten hat. Allerdings sind die Samen im Inneren der Kerne hochgiftig, was schon zu tödlichen Unfällen in Verbindung mit Kindern geführt hat. Die Gruppe im Baumhaus fühlt sich vielleicht so, als hätten sie vom Baum der Erkenntnis gegessen, doch werden sie recht unsanft aus ihrem Paradies vertrieben, was ebenfalls an den Sündenfall erinnert. Es ist also kein Wunder, dass sich dieser Roman fast wie ein Märchen liest. Und die große Frage ist, wie wird der Autor seine Geschichte enden lassen? FAZIT Bei näherer Betrachtung mag die Grundgeschichte etwas befremdlich wirken. Zwei Omis, die beschließen fortan im Baumhaus zu leben und sich von Limonade und Keksen ernähren? Und dann scheint ein gesetzter Richter dieses Abenteuer nicht nur zu unterstützen, er macht einer der Damen auch noch einen Heiratsantrag? Klingt reichlich skurril. Aber die leichte Groteske fließt so behutsam in die Geschichte ein, dass man sie annimmt und das Abenteuer des Protagonisten durch dessen Augen vertrauensvoll betrachtet. Faszinierend. Eine Leseempfehlung.
3,5 Sterne Truman Capote hat einen schönen Schreibstil, der mich verzaubern konnte. Der Protagonist bleibt als Ich-Erzähler selbst stumm, dafür erfährt er umso mehr über den Lebensweg der anderen Charaktere. Eine schöne, kurzweilige Geschichte die mich jedoch nicht vollends begeistern konnte. Die Sprache Capotes macht mich jedoch neugierig auf mehr.
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»Wann war es, dass ich zum ersten Mal von der Grasharfe hörte? Lange vor jenem Herbst, als wir im Paternosterbaum lebten, also in einem früheren Herbst, und es war natürlich Dolly, die mir davon erzählte.«
Der elfjährige Collin kommt nach dem Tod seiner Eltern zu seinen verschrobenen Tanten Verena und Dolly in ein Südstaatennest. Verena ist eine herrschsüchtige Realistin, Dolly eine Träumerin, die zusammen mit ihrer schwarzen Freundin Catherine nach altem Rezept aus Waldkräutern Arznei braut. Es kommt zum Tantenstreit, als Verena in Dollys Sammelleidenschaft ein dickes Geschäft wittert und diese groß vermarkten will. Um ihr privates Glück vor der Schwester zu verteidigen, bezieht Dolly zusammen mit Collin und Catherine Quartier in einem Baumhaus. Verena, der Sheriff und Honoratioren des Dorfes versuchen, die drei Ausreißer zurück in die Wirklichkeit zu zwingen, hinunter vom Baum. Am Ende stehen eine Schlacht und ein Sieg – eine letzte Nacht bleiben sie in ihrem Refugium, dann verlassen sie ihr Baumhaus freiwillig, im Wissen, dass nichts je sein wird wie zuvor.
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Truman Capote, geboren 1924 in New Orleans, starb 1984 in Los Angeles. Seine Romane Frühstück bei Tiffany und Kaltblütig machten ihn zu einem der berühmtesten Autoren der amerikanischen Literatur. 2004 verkörperte ihn Philip Seymour Hoffman in dem Film Capote.
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Die Brillianz Truman Capotes zeigt sich schon in seinem ersten veröffentlichten Roman. Eine Geschichte zwischen Hoffnung und Verzagen, zwischen Erwachsenwerden und Erwachsensein. In dem typischen Stil von Capote geschrieben. Direkt, lakonisch, nah an seinen Protagonisten. Eine Geschichte die zeigt, welche Konsequenzen Entscheidungen haben. Lesenswert.
Wir wurden Freunde, Dolly, Catherine und ich. Ich war elf, und später wurde ich sechzehn. Auch wenn mir keine Ehren widerfuhren, waren das wunderbare Jahre. Zitat, Seite 16 Vor fast einhundert Jahren, am 30. September 1924, wurde Truman Capote geboren. Und an eben einem solchen letzten Tag im September findet die Schlüsselszene dieses Romans statt. In einer unbenannten amerikanischen Kleinstadt findet im Baumhaus eines Paternosterbaumes eine recht ungewöhnliche Gruppe zusammen: die ungefähr 60jährige Dolly, die nach einem Zerwürfnis mit ihrer Schwester beschlossen hat, ihr nahegelegenes Zuhause zu verlassen, dann deren schwarze Ziehschwester Catherine, der Neffe und Protagonist Collin, der Richter Charlie Cool und schließlich der Rebel Riley Henderson. Es sind die letzten Sommertage und der Herbst kündigt sich bereits an, aber die Gruppe ist entschlossen, sich gegen den Widerstand der Gesellschaft zu wehren, der insbesondere aus Mitbürgern der Stadt besteht, angestiftet von der aufgeregten Verena, die ihre Schwester Dolly zur Rückkehr drängt und angeführt vom Arm des Gesetzes, dem Sheriff des Ortes. Collin ahnt es noch nicht, doch diese letzten Septembertage werden die Weichen für sein Erwachsenenleben stellen, auf die er jetzt, Jahre später in dieser Erzählung zurückblickt. Das schmale Büchlein enthält eine wortgewaltige Erzählung, die bildreich und damit sehr anschaulich gestaltet ist. Die titelgebende Metapher wird bereits eingangs erläutert und deren christlich angehauchte Mystik ist offensichtlich. Die Vergänglichkeit des Menschen wird gerade in den Psalmen durch Gras symbolisiert und die ursprünglichen Texte wurden als Lieder oft von Harfen begleitet. Auch der sogenannte Paternosterbaum ist als Symbol interessant, da er die Bezeichnung für die Herstellung von Gebetsketten aus seinen Kernen erhalten hat. Allerdings sind die Samen im Inneren der Kerne hochgiftig, was schon zu tödlichen Unfällen in Verbindung mit Kindern geführt hat. Die Gruppe im Baumhaus fühlt sich vielleicht so, als hätten sie vom Baum der Erkenntnis gegessen, doch werden sie recht unsanft aus ihrem Paradies vertrieben, was ebenfalls an den Sündenfall erinnert. Es ist also kein Wunder, dass sich dieser Roman fast wie ein Märchen liest. Und die große Frage ist, wie wird der Autor seine Geschichte enden lassen? FAZIT Bei näherer Betrachtung mag die Grundgeschichte etwas befremdlich wirken. Zwei Omis, die beschließen fortan im Baumhaus zu leben und sich von Limonade und Keksen ernähren? Und dann scheint ein gesetzter Richter dieses Abenteuer nicht nur zu unterstützen, er macht einer der Damen auch noch einen Heiratsantrag? Klingt reichlich skurril. Aber die leichte Groteske fließt so behutsam in die Geschichte ein, dass man sie annimmt und das Abenteuer des Protagonisten durch dessen Augen vertrauensvoll betrachtet. Faszinierend. Eine Leseempfehlung.
3,5 Sterne Truman Capote hat einen schönen Schreibstil, der mich verzaubern konnte. Der Protagonist bleibt als Ich-Erzähler selbst stumm, dafür erfährt er umso mehr über den Lebensweg der anderen Charaktere. Eine schöne, kurzweilige Geschichte die mich jedoch nicht vollends begeistern konnte. Die Sprache Capotes macht mich jedoch neugierig auf mehr.







