Die blinde Eule

Die blinde Eule

Softcover
4.73

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Description

Sadeq Hedayat (1903-1951) gilt als der größte iranische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Die blinde Eule , sein Hauptwerk, ist 1936 in Bombay erschienen – ein Buch der Verwandlungen, eine einzige lange Halluzination, der Opiumtraum eines Verzweifelten. Die Personen der Handlung (der Vater, der Onkel, der Kutscher, der Totengräber, der Lumpenhändler, der Anti-Held und Erzähler) sind letzten Endes ein und dieselbe dämonische Figur. Zeiten und Räume fließen ineinander; Ursache und Wirkung, Realität und Traum sind nicht mehr voneinander zu trennen. Und doch ist das Buch von einer unerbittlichen Logik: Ein topologisches Labyrinth, irritierender als alles, was M. C. Escher in seinen berühmten Vexierbildern zustande gebracht hat.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
171
Price
18.50 €

Posts

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All
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-„Ich habe nur eine Angst: daß ich morgen sterben könnte, ohne mich selbst erkannt zu haben“ (s.8)- Ein grandios surrealer Roman. Das Buch zu lesen, fühlt sich wie ein ewig langer Fiebertraum an. Der unzuverlässige Erzähler fantasiert über den Tod sowie die Leiden seiner Vergangenheit, wobei er sich in absurder Weise immer und immer wieder selbst wiederholt und über die Absurdität/ Sinnlosigkeit seines eigenen Schicksals faselt. -„Ich habe immer gedacht, das Beste, was die Menschen hervorgebracht haben, sei das Schweigen. Man könnte -glaubte ich- nichts besseres tun, als Butimar nachzuahmen, der einsam am Meeresstrand sitzt und seine Flügel ausbreitet“ (s.53)- Besonders interessant ist es, das Buch mit Hintergrundwissen zum Autor Sadeq Hedayat zu lesen, welcher das Buch 1937 mit dem Vermerk „Nicht zur Veröffentlichung im Iran" aus Mumbai veröffentlichte. Wegen angeblicher Gefährdungen (er verleite wegen seines Nihilismus zum Selbstmord) wurde der Roman zwischenzeitlich verboten und gilt noch als verpönt. -„Ich wollte nicht wissen, ob Gott wirklich existiert oder ob er nur ein Symbol darstellt für alle Mächtigen der Welt, die ihn zur Befestigung ihrer geheiligten Herrschaft und zur Ausplünderung ihrer Untertanen erfunden hatten - oder trifft es etwa nicht zu, daß diese Herrscher das Bild unserer Erde auf den Himmel projiziert haben?“ (s.102)-

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„Die blinde Eule“ als Schatten eines verlorenen Ichs wird im gleichnamigen Kurzroman des persischen Autors Sadeq Hedayat verhandelt, das 1936 in Bombay durch den Autor selbst veröffentlicht wurde und zu einem der Klassiker der persischen Moderne zählt. Der vor Pessimismus und Sehnsucht strotzende Inhalt folgt keiner wirklichen Stringenz, verdreht Wahrnehmungen, wiederholt sich und schwebt in einem mythischen Zustand zwischen Albträumen und Wirklichkeit. Der Protagonist ist Federkastenmaler und schreibt über sein Leiden, seinen Wunsch nach einem Ende, beständig und verzweifelt. Das Motiv eines buckligen alten Mannes, der zusammen mit einer in schwarz gekleideten Frau sitzt, erscheint ihm wiederkehrend in Träumen und Realität, verkehrt sich ins sich selbst und taucht in seinen Wiederkehrungen adaptiert mit wechselnden Personen und Konstellationen auf. Durch diese Adaptionen wird inhaltlich der Blick auf die Einsamkeit und versagten Begierden des Protagonisten geschärft, aber er verfängt sich gleichzeitig in einer Illusion, das Reale begreifen zu können. Fiebrig getrieben durch eigenes Hinterfragen seiner noch bestehenden Existenz, findet der Federkastenmaler zeitweise durch einen opiatischen Rausch erlösende Betäubung, bevor das wahnhafte Suchen wieder beginnt. „Kaum auf die Welt gekommen, sind wir schon einer ständigen Überprüfung ausgesetzt. Unser Leben ist ein einziger Alptraum im Räderwerk der Justiz.“ (Hedayat 1963 nach Maroufi 2021, S. 161) Dieser verschriftlichte und vermonologisierte Roman schafft es, Leser*innen beständig zu irritieren. In Hedayats anderen Werken ist das Thema des Verwischens der Grenze zwischen Leben und Tod zentral, Hedayats eigenes Leben war geprägt von Sehnsucht nach dem Tod. Gleichwohl schwingt bei „Die blinde Eule“ auch eine gesellschaftliche Skepsis mit, die die Bedingungen des Lebens herausfordert und ein pessimistisches Urteil fällt. Die Kontextualisierung des Werks durch das Nachwort von Abbas Maroufi gibt dahingehend einen sehr guten Ein- und Überblick. Wer einen Blick über den westlichen Tellerrand der Literatur wagt, wird hier mit einer ausdrucksstarken Lektüre belohnt, die viel abverlangt, aber auch viel gibt.

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