Die Bedeutung von Klasse
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Book Information
Author Description
bell hooks, geboren 1952 und gestorben 2021 in Kentucky, war Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Schon als junge Studentin schloss sie sich der feministischen Bewegung an und machte sich 1981 gleich mit ihrem ersten Buch "Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism" einen Namen. In den nachfolgenden Jahrzehnten hat sie unzählige Werke veröffentlicht, in denen sie sich mit Rassismus, Sexismus und Klassismus beschäftigt, und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden.
Posts
Einerseits spricht bell hooks wichtige Dinge an, die dringend umfassender anerkannt und diskutiert werden müssen. Andererseits besteht das Buch leider vor allem aus Meinungen und Behauptungen, für die Definitionen, Belege und Quellen häufig fehlen.
Was mir Gefallen hat: bell hooks verwendet immer wieder Erzählungen über ihre persönlichen Erfahrungen. Diese Abschnitte sind klasse und sehr eindringlich. Sie helfen sehr dabei, hooks Standpunkt nachvollziehen zu können. Weiterhin spricht sie wichtige Probleme an: die immer noch bestehenden Ungleichheiten zwischen Schwarzen und Weißen, und die Klassenkonflikte, die diese Ungleicheiten vertiefen. Dazu kommt auch Kritik an der Konsumkultur, die uns durch Massenmedien vermittelt wird und unsere Wahrnehmung (von uns selbst und anderen) verändert. Leider reicht das für ein gutes Buch nicht aus. Ich habe nicht mit einer wissenschaftlichen Arbeit gerechnet. Da bell hooks aber studiert und gelehrt hat, habe ich erwartet, dass sie zumindest grundlegend wissenschaftlich schreibt. Leider ist das nicht der Fall. Es fängt schon bei fehlenden Definitionen an. bell hooks stellt immer wieder Begriffe in den Raum, ohne diese zu erläutern. Das beginnt bereits mit dem Begriff "Klasse" und den einzeln, von ihr thematisierten sozialen Klassen. Sie trennt offenbar zwischen der Arbeiterklasse und "den Armen" ohne aber zu definieren, welche Menschen sie zu welcher dieser Klassen zählt. Manchmal verwendet sie die Begriffe auch synonym, was es noch schwerer macht, zu verstehen, wen genau sie meint. Auch stellt sie mehrfach die Behauptung in den Raum, es würde ein Genozid stattfinden, komplett mit Nazi- und Gaskammervergleichen. Leider definiert sie auch das nicht, sie nutzt es nur als Argument. Generell ist es meiner Meinung nach durchaus wichtig, über faschistische und genozidale Strukturen zu sprechen (gerade auch wegen Trump und der Verfolgung von trans* Menschen, von der hooks aber noch nichts wissen konnte, als sie das Buch 2000 veröffentlicht hat). Aber: für diese Diskussionen ist es essentiell wichtig, die Begriffe zu erklären, damit man anschließend aktuelle Ereignisse in diesem Kontext überprüfen kann. Dazu kommt, dass hooks immer wieder stark verallgemeinert. Das sorgt dafür, dass ihre beschreibungen teilweise sehr negative Stereotype beschwören: Jugendliche sind emotional verkümmert und interessieren sich nur für Geld und Konsum. Arme können nicht mit Geld umgehen und wollen es auch nicht lernen, weil auch sie nur konsumieren wollen. Dazu beschwört sie auch Bilder flächendeckender Drogenabhängigkeit und Kriminalität. Früher war alles besser. Huzza. Ich glaube nicht, dass sie das beabsichtigt hat, aber leider hatte ihr Buch genau diese Wirkung immer wieder auf mich. Teilweise sind Aussagen auch fragwürdig oder schlicht falsch. z.B. ihre Ausführungen zur Geschichte des Feminismus (die sehr verkürzt und verzerrt wirkt) und ihre Definition vom demokratischen Sozialismus (die eigentlich die Definitionen von Sozialer Demokratie ist.) Außerdem fehlen Quellen, immer wieder. Sie spricht in einem Kapitel z.B. von neuen Statistiken, führt aber nicht an, auf welche Statistiken sie sich genau bezieht. Später spricht sie von lesbischen Feministinnen, die einen großen Einfluss auf die feministische Bewegung hatten - welchen genau? Keine Ahnung, auch das behält sie für sich. Das für mich schlimmste am Buch: sie erörtert zwar, dass vieles falsch läuft, bringt aber kaum Vorschläge, wie Veränderungen herbeigeführt werden können. Und während ich keinen ausgeklügelten Meisterplan erwartet habe, waren die Vorschläge, die kamen, meiner Meinung nach zu schwach.
Ich bin vorher schon einige Male über den Namen bell hooks gestolpert und hatte zugegebenermaßen enorme Erwartungen. Diese wurden leider nicht in Gänze erfüllt, aber so ist das nun mal mit zu hohen Erwartungen. Fangen wir mit dem Positiven an: bell hooks beschreibt sehr persönlich anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte, wie Klasse lange Zeit nicht thematisiert wurde, obwohl Klassismus nun wahrlich keine neue Erfindung ist. Sie ordnet Klassismus ein in Intersektionale Diskriminierungsformen und nimmt dabei auf die Bezug, die sie selbst erfahren hat: Rassismus und Sexismus. Man erfährt viel über die Schwierigkeiten, sich als Person der working class "hochzuarbeiten", insbesondere wenn noch weitere Diskriminierungsformen hinzukommen. Sie räumt auf mit dem Märchen des American Dreams, beschreibt Chancenungleichheit und vieles mehr. Für mich persönlich war der Lerneffekt nicht so groß, doch die persönliche Sichtweise hat mir streckenweise sehr gut gefallen. Auch mochte ich sehr, mit wie viel Überzeugung bell hooks vom Kommunalismus und Teilen von Ressourcen geschwärmt hat. Nun zur Kritik: an einigen Stellen trifft die Autorin allgemeingültige Aussagen, ohne diese genauer zu kontextualisieren oder Belege zu liefern. So wird häufig von "allen Schwarzen" gesprochen, "allen Jugendlichen" oder auch einem unbestimmten Subjekt. An diesen Stellen habe ich mich oft gefragt, wie sie zu der Feststellung kam. Dabei möchte ich ihr Wissen und ihre langjährige wissenschaftliche und persönliche Erfahrung gar nicht absprechen, jedoch hätte ich mir oft mehr Kontext, mehr Einordnung gewünscht (z.B. "Interviews haben ergeben.." etc.). Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die unvorsichtige Verwendung von Sprache, und hier weiß ich nicht, inwiefern die Übersetzung dafür verantwortlich ist. An mehreren Stellen im Buch wird der Umgang mit Armen gleichgesetzt mit Völkermord, Genozid, mit dem Holocaust und Gaskammern. Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar und die Benennung auch einfach falsch und verharmlosend. Hinzu kommen mehrere kleinere Kritikpunkte, z.B. häufige Wiederholungen. Insgesamt hätte ich mir einen radikaleren Ansatz erhofft, allerdings muss der Fairness halber erwähnt sein, dass das Buch im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und ich nicht beurteilen kann, wie sich die Debatte seitdem verändert hat. Zudem sollte man vermutlich berücksichtigen, dass die Angst vorm Kommunismus in den USA wesentlich eingebrannter ist als anderswo.
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bell hooks, geboren 1952 und gestorben 2021 in Kentucky, war Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Schon als junge Studentin schloss sie sich der feministischen Bewegung an und machte sich 1981 gleich mit ihrem ersten Buch "Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism" einen Namen. In den nachfolgenden Jahrzehnten hat sie unzählige Werke veröffentlicht, in denen sie sich mit Rassismus, Sexismus und Klassismus beschäftigt, und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden.
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Einerseits spricht bell hooks wichtige Dinge an, die dringend umfassender anerkannt und diskutiert werden müssen. Andererseits besteht das Buch leider vor allem aus Meinungen und Behauptungen, für die Definitionen, Belege und Quellen häufig fehlen.
Was mir Gefallen hat: bell hooks verwendet immer wieder Erzählungen über ihre persönlichen Erfahrungen. Diese Abschnitte sind klasse und sehr eindringlich. Sie helfen sehr dabei, hooks Standpunkt nachvollziehen zu können. Weiterhin spricht sie wichtige Probleme an: die immer noch bestehenden Ungleichheiten zwischen Schwarzen und Weißen, und die Klassenkonflikte, die diese Ungleicheiten vertiefen. Dazu kommt auch Kritik an der Konsumkultur, die uns durch Massenmedien vermittelt wird und unsere Wahrnehmung (von uns selbst und anderen) verändert. Leider reicht das für ein gutes Buch nicht aus. Ich habe nicht mit einer wissenschaftlichen Arbeit gerechnet. Da bell hooks aber studiert und gelehrt hat, habe ich erwartet, dass sie zumindest grundlegend wissenschaftlich schreibt. Leider ist das nicht der Fall. Es fängt schon bei fehlenden Definitionen an. bell hooks stellt immer wieder Begriffe in den Raum, ohne diese zu erläutern. Das beginnt bereits mit dem Begriff "Klasse" und den einzeln, von ihr thematisierten sozialen Klassen. Sie trennt offenbar zwischen der Arbeiterklasse und "den Armen" ohne aber zu definieren, welche Menschen sie zu welcher dieser Klassen zählt. Manchmal verwendet sie die Begriffe auch synonym, was es noch schwerer macht, zu verstehen, wen genau sie meint. Auch stellt sie mehrfach die Behauptung in den Raum, es würde ein Genozid stattfinden, komplett mit Nazi- und Gaskammervergleichen. Leider definiert sie auch das nicht, sie nutzt es nur als Argument. Generell ist es meiner Meinung nach durchaus wichtig, über faschistische und genozidale Strukturen zu sprechen (gerade auch wegen Trump und der Verfolgung von trans* Menschen, von der hooks aber noch nichts wissen konnte, als sie das Buch 2000 veröffentlicht hat). Aber: für diese Diskussionen ist es essentiell wichtig, die Begriffe zu erklären, damit man anschließend aktuelle Ereignisse in diesem Kontext überprüfen kann. Dazu kommt, dass hooks immer wieder stark verallgemeinert. Das sorgt dafür, dass ihre beschreibungen teilweise sehr negative Stereotype beschwören: Jugendliche sind emotional verkümmert und interessieren sich nur für Geld und Konsum. Arme können nicht mit Geld umgehen und wollen es auch nicht lernen, weil auch sie nur konsumieren wollen. Dazu beschwört sie auch Bilder flächendeckender Drogenabhängigkeit und Kriminalität. Früher war alles besser. Huzza. Ich glaube nicht, dass sie das beabsichtigt hat, aber leider hatte ihr Buch genau diese Wirkung immer wieder auf mich. Teilweise sind Aussagen auch fragwürdig oder schlicht falsch. z.B. ihre Ausführungen zur Geschichte des Feminismus (die sehr verkürzt und verzerrt wirkt) und ihre Definition vom demokratischen Sozialismus (die eigentlich die Definitionen von Sozialer Demokratie ist.) Außerdem fehlen Quellen, immer wieder. Sie spricht in einem Kapitel z.B. von neuen Statistiken, führt aber nicht an, auf welche Statistiken sie sich genau bezieht. Später spricht sie von lesbischen Feministinnen, die einen großen Einfluss auf die feministische Bewegung hatten - welchen genau? Keine Ahnung, auch das behält sie für sich. Das für mich schlimmste am Buch: sie erörtert zwar, dass vieles falsch läuft, bringt aber kaum Vorschläge, wie Veränderungen herbeigeführt werden können. Und während ich keinen ausgeklügelten Meisterplan erwartet habe, waren die Vorschläge, die kamen, meiner Meinung nach zu schwach.
Ich bin vorher schon einige Male über den Namen bell hooks gestolpert und hatte zugegebenermaßen enorme Erwartungen. Diese wurden leider nicht in Gänze erfüllt, aber so ist das nun mal mit zu hohen Erwartungen. Fangen wir mit dem Positiven an: bell hooks beschreibt sehr persönlich anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte, wie Klasse lange Zeit nicht thematisiert wurde, obwohl Klassismus nun wahrlich keine neue Erfindung ist. Sie ordnet Klassismus ein in Intersektionale Diskriminierungsformen und nimmt dabei auf die Bezug, die sie selbst erfahren hat: Rassismus und Sexismus. Man erfährt viel über die Schwierigkeiten, sich als Person der working class "hochzuarbeiten", insbesondere wenn noch weitere Diskriminierungsformen hinzukommen. Sie räumt auf mit dem Märchen des American Dreams, beschreibt Chancenungleichheit und vieles mehr. Für mich persönlich war der Lerneffekt nicht so groß, doch die persönliche Sichtweise hat mir streckenweise sehr gut gefallen. Auch mochte ich sehr, mit wie viel Überzeugung bell hooks vom Kommunalismus und Teilen von Ressourcen geschwärmt hat. Nun zur Kritik: an einigen Stellen trifft die Autorin allgemeingültige Aussagen, ohne diese genauer zu kontextualisieren oder Belege zu liefern. So wird häufig von "allen Schwarzen" gesprochen, "allen Jugendlichen" oder auch einem unbestimmten Subjekt. An diesen Stellen habe ich mich oft gefragt, wie sie zu der Feststellung kam. Dabei möchte ich ihr Wissen und ihre langjährige wissenschaftliche und persönliche Erfahrung gar nicht absprechen, jedoch hätte ich mir oft mehr Kontext, mehr Einordnung gewünscht (z.B. "Interviews haben ergeben.." etc.). Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die unvorsichtige Verwendung von Sprache, und hier weiß ich nicht, inwiefern die Übersetzung dafür verantwortlich ist. An mehreren Stellen im Buch wird der Umgang mit Armen gleichgesetzt mit Völkermord, Genozid, mit dem Holocaust und Gaskammern. Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar und die Benennung auch einfach falsch und verharmlosend. Hinzu kommen mehrere kleinere Kritikpunkte, z.B. häufige Wiederholungen. Insgesamt hätte ich mir einen radikaleren Ansatz erhofft, allerdings muss der Fairness halber erwähnt sein, dass das Buch im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und ich nicht beurteilen kann, wie sich die Debatte seitdem verändert hat. Zudem sollte man vermutlich berücksichtigen, dass die Angst vorm Kommunismus in den USA wesentlich eingebrannter ist als anderswo.





