Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen
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Description
Schon seit ihrer Jugend ist Hannah Vegetarierin. Sie lebt in der Stadt und hat nur noch wenige Verbindungen zum dörflichen Leben ihrer Kindheit. Als jedoch ihre Mutter stirbt, kehrt sie auf deren Hühnerhof zurück – vorübergehend, denkt sie, bis alles geregelt ist. Doch das Landleben in seiner Schönheit und seinem Schrecken nimmt sie in Beschlag, und schon bald entwickelt Hannah ein ganz besonderes Verhältnis zu den Tieren: Sie schlachtet und vakuumiert sie, verabschiedet aber jedes Hähnchen mit einer eigenen Biografie, die der Verpackung beiliegt. Aus dieser Geste der Wertschätzung entsteht ein Marketingprojekt, das irrwitzige Ausmaße annimmt: »Hannahs Hähnchen« werden zum Supermarkthit mit unerwarteten Folgen für Leib und Leben von Mensch und Tier.
In Lucie Ricos amüsantem wie irrwitzigem Roman gerät das Leben der Protagonistin innerhalb der unerbittlichen Hackordnung von Hühnerstall, Fleischindustrie und Menschenwelt langsam, aber sicher außer Kontrolle, und der Weg vom Bauernhofidyll zur grellen Fleischtheke erscheint kürzer als gedacht.
Book Information
Author Description
1988 in Perpignan geboren, schreibt Filme in Aubervilliers, Bücher in Perpignan und unterrichtet literarisches Schreiben in Clermont-Ferrand. Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen gewann 2021 den Prix du roman d'écologie und den Cheval Blanc Literaturpreis.
Posts
Achting: Ich spoiler bisschen
Oh, ich weiß nicht, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Es ist so merkwürdig! Hannah ist Vegetarierin und übernimmt planlos den Hühnerbetrieb ihrer Mutter. Sie fühlt sich wohl mit Schlachten und Verkaufen. Dann kommt sie auf die Idee zu jedem Huhn eine Biografie zu schreiben. Das ist lukrativ, sie expandiert und aus dem fast romantischen Bauernhof wird Massentierhaltung. Die Protagonistin ist so merkwürdig. In Hühnern erkennt sie komplexe Wesen, die sie absolut vermenschlicht. Und dennoch hat sie kein Problem mit dem massenhaften Abschlachten. Wtf.
Herausfordernd!
„Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen“ von Lucie Rico ist literarisch so gut in dem, was es tut. Es trennt uns von der Illusion, dass Fleischkonsum sauber, neutral oder ästhetisch harmlos sei. Und das ist unangenehm. Die Sprache ist roh, übergriffig nah, hier gibt’s keinen Raum für Emotionen. Selbst intime Szenen wirken dadurch gar nicht intim, sondern wie zwei biologische Prozesse, die sich kurz überschneiden. Und trotzdem: genau das ist die Logik des Buches. Hannah, die ich persönlich oft kaum ausgehalten habe, wirkt dabei weniger wie eine lebendige Figur als wie ein Experiment unter Laborbedingungen. Ihre Naivität, ihre Lebensuntüchtigkeit und dieses fast schmerzhafte Nicht-Verstehen der Systeme um sie herum, machen sie nicht sympathisch, sondern funktional. Der Plot ist klug gesetzt: ein Huhn mit Name wird zu „jemand“, während ein Huhn ohne Geschichte „etwas“ bleibt. Und zwischen diesen beiden Zuständen liegt keine biologische Differenz, sondern eine narrative Entscheidung. Was mich innerlich so zerrissen hat: Ich habe das alles verstanden. Sehr klar sogar. Und gleichzeitig wollte ich während des Lesens mehrfach aussteigen, weil es sich anfühlte, als würde mir jemand zeigen, wie mein eigenes Unbehagen produziert wird, während ich es noch empfinde. Herausfordernd! Und genau da sitzt dieser seltsame Konflikt: Ich halte das Buch für konsequent, klug und notwendig in seiner Brutalität. Und ich hätte es trotzdem am liebsten öfter aus der Hand gelegt und nie wieder angefasst. Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Literatur, die es gibt: keine, die Spaß macht. Sondern eine, die dich zwingt zu bemerken, wie bewusst dein Mitgefühl manipuliert wird, während du versuchst, dich halbwegs moralisch durchs Leben zu bewegen. Schwerste Bewertung ever: persönlich 3/5, literarisch 4,5/5. Deshalb gibt’s ingesamt 4/5.

Liebenswert und skurril
Hannah kehrt nach dem Tod ihrer Mutter auf den elterlichen Hof zurück und hat ursprünglich vor, nur kurz zu bleiben. Das es anders kommt als vermutet, ist zu erahnen und „Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen“ entwickelt sich als bittersüße Geschichte, mit ausgefahrenen Ellbogen und Seitenhieben in Richtung Kapitalismus. Hannah findet ungewollten Gefallen an dem Federvieh und kümmert sich rührend um ihr Erbe. Die Hühner jedoch einfach so auf dem Wochenmarkt zu verkaufen, widerspricht ihr. Sie beginnt, ihre Mündel zu beobachten, entdeckt Liebenswürdigkeiten und einmalige Verhaltensmuster und widmet jedem geschlachteten Huhn eine eigene Biografie. Dies missfällt natürlich den anderen Bauern und Ständlern und irgendwer wagt es, sich nachts auf den Hof zu schleichen und ihre Hühner abzuschlachten. Wer dahinter steckt und ob sich die Investition in einen Fabrikverkauf in der Stadt rentiert und glücklich macht, müsst ihr selber herausfinden. Lucie Rico‘s gelungener Roman ist eine Ode an die Tiere, respektive Hühner, welche auf unserem Teller landen. Mit Liebe zum Detail und der Zugewandtheit an Schutzbefohlene, plädiert die Autorin für ein besserers Leben von Nutzvieh und an das Konsumverhalten der Käufer.
Ein seltsames Buch
Das Buch ist irgendwie seltsam, weird. Nicht der Sprachstil ist weird, sondern die Story. Aus der Protagonistin Hannah bin ich bis zuletzt nicht schlau geworden. Sie pflegt eine schwer nachvollziehbar Hassliebe zu Hühnern, vermenschlicht sie, lebt mit ihnen zunächst auf dem Hof, den ihre verstorbene Mutter ihr zurück gelassen hat. Aber sie tötet die Hühner auch und schreibt ihnen kurze Nachrufe, um ihnen beim Verkauf auf dem Markt so eine letzte Achtung entgegen zu bringen. Zu besonderen Hühner baut sie ein sehr enges Verhältnis auf. Ihre Beziehung zu ihrem Freund ist genauso seltsam, wie ihr Verhalten, ihre Gedanken, ihr Leben mit den Hühnern. Die zweite Hälfte des Buches las sich flüssiger, vorher hab ich das ein oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt, dass Buch zur Seite zu legen.
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Schon seit ihrer Jugend ist Hannah Vegetarierin. Sie lebt in der Stadt und hat nur noch wenige Verbindungen zum dörflichen Leben ihrer Kindheit. Als jedoch ihre Mutter stirbt, kehrt sie auf deren Hühnerhof zurück – vorübergehend, denkt sie, bis alles geregelt ist. Doch das Landleben in seiner Schönheit und seinem Schrecken nimmt sie in Beschlag, und schon bald entwickelt Hannah ein ganz besonderes Verhältnis zu den Tieren: Sie schlachtet und vakuumiert sie, verabschiedet aber jedes Hähnchen mit einer eigenen Biografie, die der Verpackung beiliegt. Aus dieser Geste der Wertschätzung entsteht ein Marketingprojekt, das irrwitzige Ausmaße annimmt: »Hannahs Hähnchen« werden zum Supermarkthit mit unerwarteten Folgen für Leib und Leben von Mensch und Tier.
In Lucie Ricos amüsantem wie irrwitzigem Roman gerät das Leben der Protagonistin innerhalb der unerbittlichen Hackordnung von Hühnerstall, Fleischindustrie und Menschenwelt langsam, aber sicher außer Kontrolle, und der Weg vom Bauernhofidyll zur grellen Fleischtheke erscheint kürzer als gedacht.
Book Information
Author Description
1988 in Perpignan geboren, schreibt Filme in Aubervilliers, Bücher in Perpignan und unterrichtet literarisches Schreiben in Clermont-Ferrand. Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen gewann 2021 den Prix du roman d'écologie und den Cheval Blanc Literaturpreis.
Posts
Achting: Ich spoiler bisschen
Oh, ich weiß nicht, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Es ist so merkwürdig! Hannah ist Vegetarierin und übernimmt planlos den Hühnerbetrieb ihrer Mutter. Sie fühlt sich wohl mit Schlachten und Verkaufen. Dann kommt sie auf die Idee zu jedem Huhn eine Biografie zu schreiben. Das ist lukrativ, sie expandiert und aus dem fast romantischen Bauernhof wird Massentierhaltung. Die Protagonistin ist so merkwürdig. In Hühnern erkennt sie komplexe Wesen, die sie absolut vermenschlicht. Und dennoch hat sie kein Problem mit dem massenhaften Abschlachten. Wtf.
Herausfordernd!
„Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen“ von Lucie Rico ist literarisch so gut in dem, was es tut. Es trennt uns von der Illusion, dass Fleischkonsum sauber, neutral oder ästhetisch harmlos sei. Und das ist unangenehm. Die Sprache ist roh, übergriffig nah, hier gibt’s keinen Raum für Emotionen. Selbst intime Szenen wirken dadurch gar nicht intim, sondern wie zwei biologische Prozesse, die sich kurz überschneiden. Und trotzdem: genau das ist die Logik des Buches. Hannah, die ich persönlich oft kaum ausgehalten habe, wirkt dabei weniger wie eine lebendige Figur als wie ein Experiment unter Laborbedingungen. Ihre Naivität, ihre Lebensuntüchtigkeit und dieses fast schmerzhafte Nicht-Verstehen der Systeme um sie herum, machen sie nicht sympathisch, sondern funktional. Der Plot ist klug gesetzt: ein Huhn mit Name wird zu „jemand“, während ein Huhn ohne Geschichte „etwas“ bleibt. Und zwischen diesen beiden Zuständen liegt keine biologische Differenz, sondern eine narrative Entscheidung. Was mich innerlich so zerrissen hat: Ich habe das alles verstanden. Sehr klar sogar. Und gleichzeitig wollte ich während des Lesens mehrfach aussteigen, weil es sich anfühlte, als würde mir jemand zeigen, wie mein eigenes Unbehagen produziert wird, während ich es noch empfinde. Herausfordernd! Und genau da sitzt dieser seltsame Konflikt: Ich halte das Buch für konsequent, klug und notwendig in seiner Brutalität. Und ich hätte es trotzdem am liebsten öfter aus der Hand gelegt und nie wieder angefasst. Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Literatur, die es gibt: keine, die Spaß macht. Sondern eine, die dich zwingt zu bemerken, wie bewusst dein Mitgefühl manipuliert wird, während du versuchst, dich halbwegs moralisch durchs Leben zu bewegen. Schwerste Bewertung ever: persönlich 3/5, literarisch 4,5/5. Deshalb gibt’s ingesamt 4/5.

Liebenswert und skurril
Hannah kehrt nach dem Tod ihrer Mutter auf den elterlichen Hof zurück und hat ursprünglich vor, nur kurz zu bleiben. Das es anders kommt als vermutet, ist zu erahnen und „Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen“ entwickelt sich als bittersüße Geschichte, mit ausgefahrenen Ellbogen und Seitenhieben in Richtung Kapitalismus. Hannah findet ungewollten Gefallen an dem Federvieh und kümmert sich rührend um ihr Erbe. Die Hühner jedoch einfach so auf dem Wochenmarkt zu verkaufen, widerspricht ihr. Sie beginnt, ihre Mündel zu beobachten, entdeckt Liebenswürdigkeiten und einmalige Verhaltensmuster und widmet jedem geschlachteten Huhn eine eigene Biografie. Dies missfällt natürlich den anderen Bauern und Ständlern und irgendwer wagt es, sich nachts auf den Hof zu schleichen und ihre Hühner abzuschlachten. Wer dahinter steckt und ob sich die Investition in einen Fabrikverkauf in der Stadt rentiert und glücklich macht, müsst ihr selber herausfinden. Lucie Rico‘s gelungener Roman ist eine Ode an die Tiere, respektive Hühner, welche auf unserem Teller landen. Mit Liebe zum Detail und der Zugewandtheit an Schutzbefohlene, plädiert die Autorin für ein besserers Leben von Nutzvieh und an das Konsumverhalten der Käufer.
Ein seltsames Buch
Das Buch ist irgendwie seltsam, weird. Nicht der Sprachstil ist weird, sondern die Story. Aus der Protagonistin Hannah bin ich bis zuletzt nicht schlau geworden. Sie pflegt eine schwer nachvollziehbar Hassliebe zu Hühnern, vermenschlicht sie, lebt mit ihnen zunächst auf dem Hof, den ihre verstorbene Mutter ihr zurück gelassen hat. Aber sie tötet die Hühner auch und schreibt ihnen kurze Nachrufe, um ihnen beim Verkauf auf dem Markt so eine letzte Achtung entgegen zu bringen. Zu besonderen Hühner baut sie ein sehr enges Verhältnis auf. Ihre Beziehung zu ihrem Freund ist genauso seltsam, wie ihr Verhalten, ihre Gedanken, ihr Leben mit den Hühnern. Die zweite Hälfte des Buches las sich flüssiger, vorher hab ich das ein oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt, dass Buch zur Seite zu legen.









