Deutsche Krieger
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Description
Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben. Zu diesem überraschenden Schluss kommt Sönke Neitzel, der die deutsche „Kriegerkultur“ in all ihren Facetten untersucht. Seine Bilanz: Soldaten folgen der Binnenlogik des Militärs, sie sollen kämpfen und auch töten. Das gilt für die großen Schlachten im Ersten Weltkrieg, den verbrecherischen Angriffskrieg der Wehrmacht und aber auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. In einer großen historischen Analyse durchmisst Neitzel das Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Militär und zeigt, wie sich die Kultur des Krieges über die Epochen veränderte. 75 Jahre nach Kriegsende geht es darum, das ambivalente Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee neu zu bestimmen. Dieses Buch liefert die Grundlagen.
Book Information
Author Description
Sönke Neitzel, geboren 1968, war nach Lehrtätigkeiten in Mainz, Karlsruhe, Bern und Saarbrücken Professor für Modern History an der University of Glasgow und Professor für International History an der London School of Economics (LSE). Seit 2015 hat er den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Militärgeschichte/ Kulturgeschichte der Gewalt am Historischen Institut der Universität Potsdam inne. Zusammen mit Harald Welzer verfasste Neitzel den Bestseller Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Zuletzt erschien von ihm und Bastian Matteo Scianna Blutige Enthaltung. Deutschlands Rolle im Syrienkrieg (2021).
Posts
Oft ungenau und pauschal
Eher ein Buch darüber, wie deutsche Armeen seit 1870/71 durch politische und gesellschaftliche Gegebenheiten geformt und durch die Armeespitze bis zu den niederrangigen Vorgestzten verstanden, konzipiert und gestaltet wurde. Der Blick auf die konkreten Umsetzungen und Gestaltung durch den Einzelnen, den Soldaten/ die Soldatin bleibt oberflächlich. Hier geht es zwar auch darum, wie der "Krieger" am besten funktioniert, aber außer der Kohäsion der Primärtruppe und oberflächlich bleibende Motivationsfaktoren wie Kameradschaft und Glaube an die Sache, wird nicht viel vermittelt. Vor allem wird der Kern des "soldatischen Handwerks" ausgeblendet, der das Leiden und Leid zufügen umfasst und nicht mit den einfachen Worten "töten und sterben" erfasst werden kann. Der Ton des Buches ist ambivalent, greift mir zu viel sprachlichen Militärduktus auf, um als wertneutral gelten zu können und mir haben an der ein oder anderen Stelle sachliche Einordnungen sowie vor allem Belege gefehlt, damit das Buch wirklich als wissenschaftlich gelten kann. Andererseits wurde für den*die Lai*in zum I. und II. WK manches nicht ausführlich genug erklärt. Auch eine Argumentation aus einer Militärlogik an sich, muss sich kritisch mit der notwendigen Begrenzung dieser Binnenlogik auseinandersetzen und darf nicht darin verhaftet bleiben, Verbrechen zu normalisieren und den Wehrmachtssoldaten am Ende doch wieder in Schutz zu nehmen, weil ja auch in der Wehrmacht der Leistungsgedanke und somit das soldatische Handwerk an sich im Vordergrund gestanden hätte. Die Chance, die mit der Binnenlogik zusammenhängende Frage nach der Friedens- oder Kriegsarmee in einem Sowohl-Als-Auch aufzulösen, vergibt Neitzel durch ein einseitiges Verständnis des "Soldatenhandwerks" von Anfang an. Insgesamt hat es mir das Buch auch rhetorisch schwer gemacht, indem Floskeln wie "es wurde zur Makulatur", ein "Vabanquespiel", "gewiss", "schlicht" und "freilich" überstrapaziert wurden.
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Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben. Zu diesem überraschenden Schluss kommt Sönke Neitzel, der die deutsche „Kriegerkultur“ in all ihren Facetten untersucht. Seine Bilanz: Soldaten folgen der Binnenlogik des Militärs, sie sollen kämpfen und auch töten. Das gilt für die großen Schlachten im Ersten Weltkrieg, den verbrecherischen Angriffskrieg der Wehrmacht und aber auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. In einer großen historischen Analyse durchmisst Neitzel das Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Militär und zeigt, wie sich die Kultur des Krieges über die Epochen veränderte. 75 Jahre nach Kriegsende geht es darum, das ambivalente Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee neu zu bestimmen. Dieses Buch liefert die Grundlagen.
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Sönke Neitzel, geboren 1968, war nach Lehrtätigkeiten in Mainz, Karlsruhe, Bern und Saarbrücken Professor für Modern History an der University of Glasgow und Professor für International History an der London School of Economics (LSE). Seit 2015 hat er den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Militärgeschichte/ Kulturgeschichte der Gewalt am Historischen Institut der Universität Potsdam inne. Zusammen mit Harald Welzer verfasste Neitzel den Bestseller Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Zuletzt erschien von ihm und Bastian Matteo Scianna Blutige Enthaltung. Deutschlands Rolle im Syrienkrieg (2021).
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Oft ungenau und pauschal
Eher ein Buch darüber, wie deutsche Armeen seit 1870/71 durch politische und gesellschaftliche Gegebenheiten geformt und durch die Armeespitze bis zu den niederrangigen Vorgestzten verstanden, konzipiert und gestaltet wurde. Der Blick auf die konkreten Umsetzungen und Gestaltung durch den Einzelnen, den Soldaten/ die Soldatin bleibt oberflächlich. Hier geht es zwar auch darum, wie der "Krieger" am besten funktioniert, aber außer der Kohäsion der Primärtruppe und oberflächlich bleibende Motivationsfaktoren wie Kameradschaft und Glaube an die Sache, wird nicht viel vermittelt. Vor allem wird der Kern des "soldatischen Handwerks" ausgeblendet, der das Leiden und Leid zufügen umfasst und nicht mit den einfachen Worten "töten und sterben" erfasst werden kann. Der Ton des Buches ist ambivalent, greift mir zu viel sprachlichen Militärduktus auf, um als wertneutral gelten zu können und mir haben an der ein oder anderen Stelle sachliche Einordnungen sowie vor allem Belege gefehlt, damit das Buch wirklich als wissenschaftlich gelten kann. Andererseits wurde für den*die Lai*in zum I. und II. WK manches nicht ausführlich genug erklärt. Auch eine Argumentation aus einer Militärlogik an sich, muss sich kritisch mit der notwendigen Begrenzung dieser Binnenlogik auseinandersetzen und darf nicht darin verhaftet bleiben, Verbrechen zu normalisieren und den Wehrmachtssoldaten am Ende doch wieder in Schutz zu nehmen, weil ja auch in der Wehrmacht der Leistungsgedanke und somit das soldatische Handwerk an sich im Vordergrund gestanden hätte. Die Chance, die mit der Binnenlogik zusammenhängende Frage nach der Friedens- oder Kriegsarmee in einem Sowohl-Als-Auch aufzulösen, vergibt Neitzel durch ein einseitiges Verständnis des "Soldatenhandwerks" von Anfang an. Insgesamt hat es mir das Buch auch rhetorisch schwer gemacht, indem Floskeln wie "es wurde zur Makulatur", ein "Vabanquespiel", "gewiss", "schlicht" und "freilich" überstrapaziert wurden.




