Oft ungenau und pauschal
Eher ein Buch darüber, wie deutsche Armeen seit 1870/71 durch politische und gesellschaftliche Gegebenheiten geformt und durch die Armeespitze bis zu den niederrangigen Vorgestzten verstanden, konzipiert und gestaltet wurde. Der Blick auf die konkreten Umsetzungen und Gestaltung durch den Einzelnen, den Soldaten/ die Soldatin bleibt oberflächlich. Hier geht es zwar auch darum, wie der "Krieger" am besten funktioniert, aber außer der Kohäsion der Primärtruppe und oberflächlich bleibende Motivationsfaktoren wie Kameradschaft und Glaube an die Sache, wird nicht viel vermittelt. Vor allem wird der Kern des "soldatischen Handwerks" ausgeblendet, der das Leiden und Leid zufügen umfasst und nicht mit den einfachen Worten "töten und sterben" erfasst werden kann. Der Ton des Buches ist ambivalent, greift mir zu viel sprachlichen Militärduktus auf, um als wertneutral gelten zu können und mir haben an der ein oder anderen Stelle sachliche Einordnungen sowie vor allem Belege gefehlt, damit das Buch wirklich als wissenschaftlich gelten kann. Andererseits wurde für den*die Lai*in zum I. und II. WK manches nicht ausführlich genug erklärt. Auch eine Argumentation aus einer Militärlogik an sich, muss sich kritisch mit der notwendigen Begrenzung dieser Binnenlogik auseinandersetzen und darf nicht darin verhaftet bleiben, Verbrechen zu normalisieren und den Wehrmachtssoldaten am Ende doch wieder in Schutz zu nehmen, weil ja auch in der Wehrmacht der Leistungsgedanke und somit das soldatische Handwerk an sich im Vordergrund gestanden hätte. Die Chance, die mit der Binnenlogik zusammenhängende Frage nach der Friedens- oder Kriegsarmee in einem Sowohl-Als-Auch aufzulösen, vergibt Neitzel durch ein einseitiges Verständnis des "Soldatenhandwerks" von Anfang an. Insgesamt hat es mir das Buch auch rhetorisch schwer gemacht, indem Floskeln wie "es wurde zur Makulatur", ein "Vabanquespiel", "gewiss", "schlicht" und "freilich" überstrapaziert wurden.
