Der Morgen nach dem Regen
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Description
Johanna und ihre Tochter Elsa stehen sich schon lange nicht mehr nahe – Elsa hat nie überwunden, dass ihre Mutter früher beruflich viel unterwegs war und wenig Zeit für die Familie hatte. Viele Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni am Rhein, wo sie und Elsa herrliche Sommer miteinander verbracht haben. Als Elsa sie dort besucht, stellen sie sich endlich der Vergangenheit – und Johanna offenbart ihrer Tochter ein
schwerwiegendes Geheimnis.
Ein bewegender Roman über die Zerrissenheit einer Frau zwischen der Leidenschaft für ihren Beruf und dem Bedürfnis, für ihre Familie da zu sein, über tief sitzenden Schmerz, Schuld und Versöhnung – vor großartigen internationalen Settings.
Book Information
Author Description
Die Deutschamerikanerin Melanie Levensohn wurde in Darmstadt geboren, studierte Politikwissenschaften und Literatur in Frankreich und Chile und erwarb ihr Diplom am Institut d’Études Politiques (Sciences Po) in Paris. Von 2001 bis 2006 war sie als Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation rund um die Welt im Einsatz, oft in Krisengebieten. Danach arbeitete sie viele Jahre als Pressereferentin bei der Weltbank in Washington, D.C. Seit 2021 lebt Melanie Levensohn mit ihrer Familie in der Schweiz. 2018 erschien ihr Debütroman Zwischen uns ein ganzes Leben, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.
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Wenn das Leben Schatten zwischen Mutter und Tochter wirft.„Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt."
St. Goar am Mittelrhein ist der Wohlfühlort, an dem die Welt noch in Ordnung ist. Hier kann man die Seele baumeln lassen und sich vom Stress der übrigen Welt wieder erholen. Das gilt auch für Hanna und Elsa, Mutter und Tochter, die gemeinsam das Haus ihrer Tante Toni in St. Goar geerbt haben. Nur verstehen sich die beiden nicht sonderlich gut. Hanna lebte mit der Familie in New York. Die Familie bestand aus ihrem Mann Richard, ihrer Tochter Elsa und ihr. Nach einer Zeit im Büro der UNO erhält sie die Chance, weltweit als Koordinatorin in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Ihr Mann ist zwar nicht glücklich darüber, stimmt aber letztendlich zu, die Tochter tut sich mit den ständigen Abschieden deutlich schwerer. Und natürlich verpasst Hanna auch einen Großteil von Elsas Kindheit, Auftritte in der Schule, Sportveranstaltungen, Einladungen, das alles entgeht ihr. Trotzdem: Elsa hängt an ihrer Mutter und möchte es ihr in allem recht machen. Erst ein von Hanna verpasster Ballettauftritt, den Elsa noch mit verstauchtem Fuß absolviert, weil sie ihre Mutter im Publikum wähnt, führt zum Bruch. Zum Bruch nicht nur Elsas mit ihrer Mutter, sondern letztendlich auch zum Bruch zwischen den Ehepartnern. Nun sind die beiden seit 10 Jahren geschieden und Elsa hat unterdessen Karriere als Anwältin gemacht. Am internationalen Gerichtshof in Den Haag vertritt sie Straftäter, denen nicht nur ein Mord sondern Völkermord zur Last gelegt wird. Trotz der schwierigen Situation ist Hanna unglaublich stolz auf ihre Tochter, ein Vorfall vor 10 Jahren verbietet ihr aber, ihr das jemals zu gestehen. 2023 jedoch erleidet Elsa einen Burnout und hofft, an ihrem alten Wohlfühlort am Mittelrhein wieder gesund zu werden und Kräfte zu tanken. Dort trifft sie auf ihre Mutter, die gerade mit Renovierungsarbeiten begonnen hat. Der Roman erzählt in Gegenwart und Rückblenden aus der Vergangenheit aus dem Leben der Frauen. Dabei sind die Passagen, die von Hannas Arbeit bei der UNO berichten, zwar interessant, aber nicht das eigentliche Thema. Hier hat die Autorin auf eigene Erfahrungen in vergleichbaren internationalen Organisationen zurückgegriffen. Es geht um eine zunächst aussichtslos erscheinende Beziehungsstörung zwischen Mutter und Tochter. Hanna versucht, an Elsa heranzukommen und Elsa tut alles, damit ihr das nicht gelingt. Da muss nicht nur bildlich gesprochen ein Sturm aufziehen, damit beide ihr Schweigen überwinden. „Der Morgen nach dem Regen“ hinterlässt nicht nur in der Natur ein totales Chaos, sondern auch im Kopf von Hanna und Elsa. Hanna entscheidet sich endlich, das Schweigen zu brechen, das ihr Verhältnis so lange belastet hat. Sie tritt als Mutter in Vorleistung, aber erst, als sie schon nicht mehr daran glauben will, kann sie doch noch den Zugang zu ihrer Tochter finden. Dass auch Tante Toni mit ihren Lebensweisheiten und Ratschlägen immer mal wieder auftaucht, ist ein schönes Stilmittel. Es ist, als ob sie ihnen zurufen würde: Wir haben nur ein Leben, nur eine Chance, das Beste daraus zu machen. Mich hat das Buch aus verschiedenen Gründen angesprochen. Einmal lebt sie als Mittelrheinerin in diesem schönen Tal und freue mich, es als Wohlfühlort und Zufluchtsort beschrieben zu sehen. Aber ich fand auch die Quintessenz des Buches ausgesprochen wichtig. Wenn man gut miteinander leben will, dann ist es auch schon mal nötig, über den eigenen Schatten zu springen, sich seine eigenen Fehler einzugestehen und im ehrlichen Gespräch zu bleiben. Wie beschreibt es Silvia, die Pianistin aus der Nachbarschaft so schön: „Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt

Zwischen Sehnsucht und Schmerz
Unscheinbar und fast seicht kommt der Klappentext und das Cover dieses Romans daher- und dann trifft einen der Inhalt mit einer unfassbaren Wucht. „Der Morgen nach dem Regen“ hat mich auf eine Weise berührt, wie es lange kein Buch mehr geschafft hat. Schon die ersten Seiten tragen einen zurück an den Sehnsuchtsort von Mutter und Tochter – ein Ort, der mehr ist als nur Landschaft, mehr als Häuser und Gassen. Er ist durchdrungen von Erinnerungen, von der Melancholie einer Kindheit, die trotz der vielen Brüche voller Wärme und stiller Momente war. Diese Nostalgie schwingt durch die gesamte Geschichte mit und weckt eigene Emotionen nach dem eigenen Rückzugsort der Kindheitserinnerung. Gleichzeitig entfaltet sich ein schonungslos ehrlicher Blick auf das zerrüttete Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Autorin schildert mit feiner Genauigkeit, wie die Mutter zwischen UN-Karriere in Kriegsgebieten und Kind zu zerreißen droht und dabei gerade das verliert, was am wichtigsten gewesen wäre: das Vertrauen und die Nähe zu ihrer Tochter. Der Schmerz der jungen Frau, die sich ihr Leben lang weniger wertvoll fühlte als die Menschen der humanitären Krisen, um die sich ihre Mutter voller Inbrunst kümmerte, geht tief. Ich konnte diese Verletzung fast körperlich spüren, weil sie so glaubwürdig und unverstellt erzählt wurde – voller Bitterkeit, aber auch voller Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in den Internationalen Strafgerichtshof und die Arbeit der UN. Vor dem Roman habe ich mich nicht wirklich mit den Aufgabengebieten und dem Ethos dessen auseinandergesetzt. Der Druck, die Last der Verantwortung und die moralischen Abgründe, die sich auftun, wenn man Kriegsverbrecher verteidigt oder in Kriegsgebieten arbeitet– all das wurde greifbar. Und doch gelingt es der Autorin, eine Perspektive zu eröffnen, die jenseits von Schwarz und Weiß liegt: Täter erscheinen nicht nur als Monster, sondern als Menschen, die selbst in einem zerstörerischen System gefangen sind. Dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt, ebenso wie die faszinierenden Einblicke in die Arbeit der UN, deren Bedeutung im Roman eindrucksvoll und voller Respekt herausgestellt wird. „Der Morgen nach dem Regen“ ist kein Buch, das man einfach zuschlägt und vergisst. Es hallt nach, weil es von Sehnsucht und Verletzung erzählt, aber auch von Hoffnung und der Möglichkeit, alte Wunden vielleicht doch zu heilen. Für mich war es ein intensives Leseerlebnis, das den Blick auf Familie, Schuld und Gerechtigkeit erweitert hat – und das einen tief im Innersten berührt.
"Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit."
"Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit." In diesem Buch geht es um eine schwierige Mutter-Tochter-Konstellation. Schon früh fühlte sich Johanna's Tochter Elsa emotional vernachlässigt, dabei fehlte ihr die Zuneigung und Geborgenheit ihrer Mutter. In ihrer kindlichen Wahrnehmung und Vorstellung war die Liebe nicht groß genug bzw. reichte nicht aus, sich ihrer Arbeit zu entbehren und mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Für Johanna selbst gestaltet sich das während ihrer beruflichen Laufbahn als sehr viel schwieriger. Ihre Tätigkeit als Entwicklungshelferin für internationale Hilfsorganisationen der UNO machte es ihr nahezu unmöglich, die Balance zwischen ihrem anspruchsvollen Beruf und der Familie aufrechtzuerhalten. Fast 30 Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni in Sankt Goar am Rhein und verlässt New York. Dort wird sie unvermittelt mit der gebündelten Ladung ihrer Vergangenheit und ihrer aufgestauten Gefühlswelt konfrontiert. Elsa, die in Den Haag am Internationalen Gerichtshof arbeitet, kann ihre gewohnte Energiequelle und Ablenkung in ihrer Arbeit plötzlich nicht mehr aufrechterhalten. Sie leidet zunehmend unter depressiven Verstimmungen. Sie zieht es ebenfalls nach Deutschland und sucht Ruhe in Tante Tonis Haus. Doch die Genesung wird im Beisein ihrer Mutter zu einer echten Herausforderung. Elsa erfährt das komplette Ausmaß und die Wahrheit über Johannas Vergangenheit und ihre Zerrissenheit in der damaligen vermeintlichen Familie. Kann sie mehr Verständnis nach diesen Enthüllungen entwickeln und den Weg der Vergebung und Heilung ebnen? "Man spricht nicht umsonst von der reinigenden Kraft des Regens. Genauso ergeht es Mutter und Tochter." Das Buch liefert erschütternde und zugleich höchst interessante Einblicke in den Arbeitsalltag der UNO, die Kriegsschauplätze und das tägliche persönliche Risiko, welchen sich Johanna und ihrem Team aussetzen muss. Die Autorin weist ein unglaubliches Feingefühl für die komplexe Thematik der Mutter-Kind-Dynamik auf. Beeindruckend ist, wie authentisch ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen aus der humanitären Arbeit (WHO) in Kriegsgebieten in die Erzählung einfließen. Die nostalgischen Erzählungen aus Johannas Kindheit, werden mit dem leckeren Apfel-Pfannkuchen Rezept ihrer Tante Toni perfekt abgestimmt. War für ein grandioses Buch! Ganz still fing es an und entwickelte zwischendurch eine unglaubliche Lautstärke, bin sehr beeindruckt. Eine klare Empfehlung geht raus.

Ein emotionaler Roman der mich sehr bewegt hat
„Der Morgen nach dem Regen“ von Melanie Levensohn ist eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte über eine Frau, die zerrissen ist zwischen Berufung und Familie. Johanna verlässt ihre Familie, als Elsa 7 Jahre alt war. Für viele Jahre arbeitet sie als Entwicklungshelfern in fernen Ländern und die beiden entfernen sich immer weiter voneinander. Fast 30 Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante in St. Goar am Rhein und Elsa kommt sie dort eines Tages besuchen. Es gibt viel zu besprechen zwischen Mutter und Tochter, außerdem offenbart Johanna ihrer Tochter ein schwerwiegendes Geheimnis. Das Setting in St. Goar am Rhein hat mir sehr gut gefallen, ich war schon öfters dort und konnte mir durch die anschaulichen Beschreibungen bildlich alles gut vorstellen. Der Schreibstil der Autorin ist anschaulich und flüssig, man merkt schnell, dass Melanie Levensohn Ahnung hat von dem was sie schreibt, da sie selbst viele Jahre für die WHO in Krisengebieten gearbeitet hat. Da die Kapitel abwechselnd aus den Perspektiven der Protagonisten Johanna und Elsa geschrieben sind bekommt man einen guten Einblick in die aktuelle Gefühlswelt und die Vergangenheit der Beiden. Es werden einige schwierige Themen angesprochen, die zum nachdenken und reflektieren anregen, deshalb hat mich „Der Morgen nach dem Regen“ sehr berührt und bewegt. Ich kann euch das Buch absolut empfehlen und möchte demnächst noch mehr von der talentierten Autorin lesen.

Nicht schlecht - aber leider auch nicht gut!
Auch Backlist-Titel haben es auf meine Sommerleseliste geschafft. Noch im Urlaub habe ich Melanie Levensohn’s Familienroman „Der Morgen nach dem Regen“ rund um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gelesen. Johanna und ihre erwachsene Tochter Elsa stehen sich schon seit langer Zeit nicht mehr nah. Als Elsa noch klein war, ist Johanna beruflich viel gereist und hat die Familie oft und lang verlassen. Das ging auch an ihrer Ehe nicht spurlos vorbei. Von ihrem Mann ist sie auch schon einige Jahre getrennt. Nun erbt Johanna ein Haus am Rhein im beschaulichen Sankt Goar. In diesem Haus hat sie, aber auch Elsa, viele glückliche Momente erlebt. Kurz nach ihrem Umzug kommt auch Elsa in dieses Haus, da ein Burnout sie zu einer Pause von ihrem sehr fordernden Job zwingt. Und so treffen jahrelang unausgesprochene Emotionen und große Geheimnisse aufeinander. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Johanna und Elsa erzählt, jeweils zu unterschiedlichen Zeiten. Wie begleiten Johanna oft auf ihren Dienstreisen, die sie immer in Krisen- und Kriegsgebiete führen, und ihre Zeiten dazwischen, die sie daheim verbringt im verzweifelten Versuch, den Anschluss an ihr Familienleben nicht zu verlieren. Und doch zieht es sie immer wieder fort, auch wenn ihr Mann und Tochter entgleiten. Die Geschichte entwickelt sich langsam und immer wieder kommt das große Geheimnis zur Sprache, das zwischen Johanna und Elsa steht. Sooo geheim empfand ich es als Leserin aber nicht, weil durchaus klar ist, was vorgefallen sein muss, auch ohne das letzte Detail davon zu kennen. Das macht dann am Ende, wenn man es schließlich erfährt aber auch keinen großen Unterschied mehr. Insofern ist das Ganze für mich eine „Der Weg ist das Ziel“-Handlung als der große Knall am Ende. Der Roman ist durchaus ein schöner Sommerschmöker, in dem viele Emotionen zusammenkommen. Auch an Gefühlen für alte und neue Partner wird hier nicht gespart. Aber voll abholen konnte mich die Handlung leider nicht. Am besten gefallen haben mir die Beschreibungen der internationalen Tätigkeit Johannas. Achtung Spoiler: Die Versöhnung auf den letzten 60-70 Seiten und das Ende fand ich schlichtweg unglaubwürdig und mit zu kitschig. Es kam nach dem so langen Aufbau dann zu überraschend. Frei nach dem Motto: „Zack, ach so… na gut, wenn du es so sagst, dann verstehe ich dich natürlich und plötzlich auch alles andere!“ Nee, das war an der Stelle dann nur noch „Dienstag-Abend-SAT1-Film“ für mich und das passt schlichtweg zu 90% nicht zu meinem Geschmack. Fazit (Spoilerfrei): Ein leicht zu lesender Sommerschmöker mit spannenden Elementen, der mich aber nicht ganz abholen konnte mit seinen Längen und dem für mich nicht 100% glaubwürdigen Ende. Ich glaube aber, dass das Buch dennoch vielen gefallen wird.
Dieser Roman ist so toll geschrieben und erzählt die Geschichte von Mutter und Tochter, die sich entfremdet haben, aber wieder zueinander finden in dem sie sich alles offen erzählen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Mir hat vor allem der Einblick in die berufliche Laufbahn von Johanna und ihrem Beruf sehr gut gefallen. Es waren spannende Einblicke in die Arbeit von Johanna, über die ich mir davor noch nie Gedanken gemacht habe wie gefährlich dieser Beruf eigentlich ist. Johanna arbeitet nämlich für die UNO und leistet humanitäre Arbeit. Beim Lesen habe ich die Zerrissenheit zwischen Beruf und Privatleben/Familie bei Johanna extrem gespürt. Vorallem die Schilderungen wie es Johanna ergeht, wenn sie wieder aus einem Kriegsgebiet in ihren normalen Alltag zurückkommt und sich zurecht finden muss und bei ihrer Familie nicht immer auf Verständnis stößt. Die Kriegsgeschichte war wirklich super interessant und spannend geschrieben, auch die kleinen Einblicke in den Prozess. Mich hat das Buch sehr berührt. Wie die Geschichte ausgehen könnte bzw. in welche Richtung sie gehen könnte, habe ich schon am Anfang gemerkt, aber es kamen doch noch ein paar unerwarte Wendungen, die mich zutiefst berührt haben. Alles in allem ist dieser Familienroman eine Geschichte, die viel Einblick in die Arbeit bei der UNO gibt und welchen Risikien die Mitarbeiter dort riskieren um anderen Menschen helfen zu können, zudem greift er einen Familienkonflikt auf und zeigt wie man einen zerrüttete Beziehung zwischen Mutter und Tochter löst, auch wenn es schmerzt. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne Familienromane und bewegende Frauenliteratur liest. Dabei möchte ich nochmal die wichtigsten Themen aufgreifen, die dieser Roman bietet. - Wir Frauen von heute - die Zerrissenheit einer Frau zwischen Beruf und Familie und ihre Schuldgefühle. - Kommunikation - Warum wir öfters offen in unserer Familie miteinander reden sollten. - UNO/humanitäre Arbeit: Einblicke in den Arbeitsalltag der UNO und deren Mitarbeiter:innen, die täglich bei humanitären Einsätzen ihr Leben riskieren um anderen Menschen zu helfen.

Emotionaler Roman um die Aufarbeitung einer Mutter-Tochter Beziehung. Johanna arbeitet bei der UNO und ist immer mehrere Wochen in Kriegsgebieten unterwegs. Ihre Tochter Elsa und ihr Mann sind immer mehr enttäuscht sie so oft entbehren zu müssen und so entfremdet sich Johanna immer mehr von ihrer Familie. Johanna erbt dann viele Jahre später das alte Haus von ihrer Tante Toni und als Elsa einen Zusammenbruch erlitt zieht es sie auch dahin. Mutter und Tochter müssen sich ihrer komplizierten Vergangenheit stellen und versuchen mehr oder weniger zusammen aufzuarbeiten, was damals eigentlich passiert ist. Die Story lässt sich ganz wunderbar lesen und auch das Thema hat mich komplett abgeholt. Es wurde abwechselnd aus der Sicht von Johanna und Elsa erzählt und dadurch konnte man sich wunderbar in die beiden Charaktere reinversetzten. Ab und zu wurde hier für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen aber andere Leser empfinden es vielleicht als gefühlvoll. Die Abschnitte, die in den Kriegsgebieten spielen, haben mir hier besonders gut gefallen und waren teilweise richtig spannend. Für mich ein paar kleine Schwächen aber auf jeden Fall lesenswert.
"Alte Konflikte aufzureißen, Dinge anzusprechen, über die man jahrelang geschwiegen hat, das ist, als würde man eine Narbe aufschneiden." (S. 352) Ihr ganzes Leben hatte Elsa sich von ihrer Mutter zurückgestellt gefühlt. Während sie mit ihrem Dad in New York das Vater-Tochter-Gespann gibt und sich nach ihrer Mutter sehnt, wird Johanna für humanitäre Einsätze bei den Vereinten Nationen gebraucht. Ihr Job erfordert Auslandsaufenthalte und ständigen Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten. Da kommt es schon vor, dass sie es nicht zur Ballettaufführung ihrer Tochter schafft. Für Elsa wird es zum Normalzustand, dass ihre Erwartungen immer wieder enttäuscht werden. Aber auch für Johanna bedeutet ihre Arbeit private Entbehrungen. So sehr sie in ihrem "Menschenretter-Job" auch aufgeht, es bricht ihr das Herz, nie anzukommen – zu Hause und bei ihrer Tochter. Der Graben zwischen Johanna und Elsa wird tiefer und der Berg an Verletzungen auf beiden Seiten irgendwann so groß, dass ihn niemand mehr bezwingen kann. Als Elsa selbst mitten im Leben steht und als erfolgreiche Anwältin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag arbeitet, sprechen die beiden schon viele Jahre kaum noch miteinander. Dabei ahnen sie nicht, wie nah sie sich, trotz konträrer Ansichten, in Wirklichkeit sind. Erst Elsas Zusammenbruch und die Diagnose Burnout führen Mutter und Tochter wieder zusammen. Im Haus von Tante Toni am Rhein, das diese Johanna vererbt hat. Es ist der Herzensort beider Frauen, ihr gemeinsamer Nenner. Hier prallen zunächst die alten Konflikte erneut aufeinander, doch inmitten von Schutt und Altlasten finden Johanna und Elsa Stück für Stück wieder zueinander und erfahren dabei Unerträgliches. Es ist eines dieser Bücher, das dich tief in das Geschehen zieht und dich jede Gefühlslage der Charaktere fühlen lässt. Wie eine Serie, die du weg-bingst, weil du unbedingt wissen willst, wie es weitergeht. Ein Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite und wenn ich gerade dachte, jetzt ist alles gesagt, kam jemand mit einer weiteren Beichte um die Ecke. Melanie Levensohn bringt eigene Erfahrungen aus ihrer Arbeit für die Vereinten Nationen in den Roman ein. Diese biografische Nähe verleiht den politischen und humanitären Aspekten des Romans spürbare Authentizität. Der schon ewig anhaltende Nahost-Konflikt mit seiner aktuellen Brisanz spielt eine zentrale Rolle. Die Gegensätze zwischen Kriegsgebieten und der Rhein-Idylle spiegeln auch den inneren Zwiespalt der Figuren. "Der Morgen nach dem Regen" platzt thematisch aus allen Nähten, ohne ein Zuviel zu servieren. So nehmen die Themen Mutterschaft und mentale Gesundheit viel Raum ein, wenn es um die Geschichte der beiden Frauen geht. Die Zerrissenheit zwischen Job und Familie belastet vor allem Johanna: "Ich war einem Anspruch und Irrglauben erlegen, den ich mit Millionen von Frauen teilte." (S. 130) Durch Perspektivwechsel und Zeitsprünge tauchen wir in beide Lebenswelten und Sichtweisen ein und sehen, wie unterschiedlich die Mutter-Tochter-Beziehung jeweils erlebt wird. Stellenweise war es mir mit zu viel Kitsch und Pathos erzählt, doch immer so, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Dieser Roman zeigt, dass Zusammenbrüche nicht nur Endpunkte sind, sondern Wegweiser zurück zu uns selbst – und dass sie neue Türen öffnen können, wenn wir sie zulassen. Eine Geschichte über Schuld und Vergebung, über die Sehnsucht nach Nähe und die Möglichkeit, alte Wunden zu heilen.
Tolles Buch für alle Töchter und Mütter!
Eine verzwickte Mutter-Tochter-Geschichte über Träume, Ängste und jahrelanges Schweigen. Durch den Wechsel der Perspektiven können sich sowohl jung als auch alt super in die Situation hineinversetzen. Die Geschichte spielt vor internationalem Setting und glänzt gleichzeitig mit dem idyllischen Rückzugsort am Rhein. Für mich persönlich ein tolle Wahl! Das Cover strahlt in bunten Farben und der Schreibstil knüpft daran an, so dass ich den Duft des Regens fast schon riechen kann während ich gedanklich aus dem Fenster in den Garten schaue und mein Blick über die glänzenden Äpfel schweifen lasse. Tolles Buch!

Johanna und Elsa, ein Mutter-Tochter-Duo, das sich aufgrund der beruflichen Laufbahnen, vieler Geheimnisse und Missverständnisse über die Jahre immer mehr entfremdete. Anker für beide war Tante Toni, mit der beide die schönsten Erinnerungen verbinden. Nach ihrem kürzlichen Tod und nun, da Johanna Tonis Haus auf dem Land erbt, wird dieses zum Schauplatz der längst überfälligen Aussprache und Wiederannäherung. So vielversprechend diese Ausgangslage auch klingt, emotional hat mich der Roman leider nicht komplett erreicht. Vieles war vorhersehbar, die beiden Hauptfiguren waren mir etwas zu flach und vor allem in den Dialogen zu unauthentisch. Johanna war mir noch dazu sehr unsympathisch und ich konnte sie als Charakter und manche ihrer Aussagen/Gedanken gar nicht nachvollziehen. Einige ihrer Handlungen fand ich außerdem sehr problematisch, unreflektiert und auch unempathisch und ich hätte mir an einigen Stellen einen kritischeren Umgang gewünscht. Elsa hingegen fand ich (bis auf die letzten Kapitel) sehr glaubwürdig in ihrer Wut; schade, dass das Ende sehr überstürzt und zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen wirkte. Umso spannender waren aber die Einblicke in Johannas Arbeit für die UNO, die von den beruflichen Erfahrungen der Autorin selbst profitieren. Dieser persönliche Bezug trägt sehr zur Authentizität bei und Levensohn schafft es, den Leser:innen dieses eher unbekannte Berufsfeld und den Lebensstil dahinter wirklich nahezubringen. Wahrscheinlich mein liebster Part am Roman! Stilistisch setzt die Autorin stark auf detailreiche Beschreibungen, sowohl die Umgebung, als auch die Handlungen und Gefühlswelten der Figuren werden teilweise bis ins kleinste Detail geschildert. Persönlich bin ich Fan von mehr show und weniger tell, wer aber detaillierte Beobachtungen und langsam erzählten Plot mag, kommt hier auf seine Kosten!
Wenn das eigene Kind leidet und man daran schuld ist
Johanna rettete Leben, in dem sie in Krisengebieten, die Hilfe organisiert, die dort wirklich gebraucht wird. Sie arbeitete unaufhörlich für eine Hilfsorganisation und verliert dadurch zunehmend die Verbindung zu ihrer eigenen Tochter. Johanna weiß nicht, wie sie die Beziehung wieder aufbauen kann. Doch dann wird ihre Tochter durch ein Burnout aus dem Alltag gerissen und die einzige Zuflucht ist das Haus ihrer Tante Toni, in dem sie sich einst so wohl fühlte. Doch dort lebt nun ihre Mutter. Ein Weg der Annäherung und Wegstoßens, der Vorwürfe und dem Versuch des Verzeihens. Eine sehr warmherzige und zutiefst gefühlvolle Geschichte, die ich regelrecht eingeatmet habe. Starke weibliche Charaktere und Schicksale die mich berührt haben. Zeitweise ist die Story sehr absehbar, dennoch hat sie dadurch nicht an Schönheit verloren.
Das wichtigste an der Kommunikation ist, dass zu hören, was nicht gesagt wird
Melanie Levensohn hat mich persönlich mit diesem Buch überrascht. Als ich das Buch angefangen habe zu lesen, war ich nicht auf diese Tiefe, die dieses Buch beherrscht, vorbereitet gewesen. In diesem Roman steht das zerrüttete Verhältnis zwischen Johanna und ihrer Tochter Elsa im Mittelpunkt. Seit der Kindheit sehnt Elsa sich nach der Aufmerksamkeit ihrer Mutter und hat diese nie bekommen, denn für Johanna stand ihr Beruf, der zudem noch stets eine Gefahr für sie darstellte, an erster Stelle. Und so musste Elsa nicht nur zum größten Teil ohne die mütterliche Fürsorge auskommen, sondern musste sich auch noch mit der Tatsache abfinden, dass die Mutter ihre humanitäre Arbeit immer unter Gefahren ausführte. So ist es nicht verwunderlich, dass zwischen Mutter und Tochter kein enges Verhältnis besteht und die beiden weit voneinander entfernt sind. Und genau das schwierige Verhältnis arbeitet die Autorin auf und lässt den Leser auf beeindruckende Art daran teilhaben. Durch Rückblicke in die Vergangenheit von Johanna und Elsa kann man in die Gefühlswelt der beiden ganz tief hineintauchen kann deren Reaktionen nachvollziehen und besonders die von Elsa konnte ich total nachvollziehen. Die Autorin hat in ihrem Roman sehr gut die Welt einer voll berufstätigen Mutter aufgezeigt, deren Balance zwischen Beruf und Muttersein nicht so gut gelingt, bzw. die auch in ihrer Rolle gefangen ist. Wobei in dem Fall auch besonders der Menschen eine große Rolle bekommen, die tagtäglich Menschen in Krisenregionen jeden Tag unterstützen und sich dabei auch jede Tag in Gefahr begeben Was die große Message aus dem Roman ist: Die Kommunikation! Diese ist und bleibt das A und O, egal um welche Beziehung es geht. Und dabei ist es auch immer wichtig, sein Gegenüber genau zu beachten- denn auch unausgesprochene Worte, werden genau, wenn auch meistens unbewusst , nonverbal kommuniziert. Fazit: Ein sehr guter Roman über eine schwierige Mutter- Tochter Beziehung, der mit einer Tiefe überzeugt 5 Sterne
Aufarbeitung einer zerrütteten Mutter - Tochter - Beziehung
Johanna kehrt nach vielen Jahren als Mitarbeiterin der UN nach St. Goar in das Haus ihrer mittlerweile verstorbenen Tante zurück. Ihre Tochter, zu der sie seit 10 Jahren kein gutes Verhältnis mehr hat, erlebt derweil einen Zusammenbruch während eines wichtigen Prozesses am Gerichtshof in Den Haag. Als Elsa zur Erholung auch nach St. Goar kommt, ist es an den beiden Frauen die Vergangenheit aufzuarbeiten. Gefühlvoll und intensiv. Starke Frauen.
Ergreifend
Ich durfte den Roman der Morgen nach dem Regen von Melanie Levensohn als Rezensionsexemplar lesen und mich hat die Geschichte sehr berührt. Das Buch handelt von einem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis, dem Verschweigen von Träumen und Ängsten und dem nicht miteinander Kommunizieren. Bei Menschen, die sich selber in so einem schwierigen und vor allem unverarbeiteten Eltern-Kind-Verhältnis befinden könnte das Buch eventuell alte Wunden aufreißen. Johanna, die Mutter, war bis zu ihrem Ruhestand bei der UNO angestellt und viel in Kriegsgebieten unterwegs. Ihre Tochter Elsa ist in Den Haag beim Strafgerichtshof als Anwältin tätig. Die beiden Frauen trennt und eint so vieles, doch können sie nicht darüber reden. Als Johanna und Elsa gemeinsam das Haus von Tante Toni erben und sich Elsa krankheitsbedingt eine Auszeit im ruhigen Rheintal nehmen muss, wird der Konflikt der Beiden unausstehlich. Doch der Morgen nach dem Regen scheint der Wendepunkt in ihrer Beziehung zu werden. Können die Hürden abgebaut werde? Finden Mutter und Tochter wieder zu einander? Und welche Geheimnisse tragen sie in sich? Dieser Roman hat mich stellenweise emotional sehr berührt und ich konnte mich darin wiederfinden. Die Umstände des Konfliktes zwischen den Protagonistinnen trifft wahrscheinlich auf die Wenigsten von uns zu und dennoch haben Einige ähnliche Erfahrungen machen müssen. Ich kann für mich aus diesem Roman mitnehmen, dass es besser ist über die Dinge zu reden, als seine eigenen Schlüsse zu ziehen, die vielleicht nicht zutreffend sind und vor allem sollte man nicht bis zum Schluss warten, sonst könnten einen wunderbare Chancen entgehen.
Ein Konflikt zwischen Mutter und Tochter
In der Geschichte geht es um Johanna, welche früher viel zu viel Zeit ihrer ihrer Arbeit verbracht hat. Elsa, ihre Tochter, hat diese Vernachlässigung nie wirkich überwunden. Nun haben beide das Haus ihrer verstorbenen Verwandte geerbt, welches Johanna bezieht. Als Elsa sie dann besuchen kommt, treffen die beiden Frauen seit langer Zeit wieder aufeinander und befassen sich endich mit der Vergangenheitund dem Konflikt, der zwischen den beiden herrscht. Dabei kommen so einige spannende Geheimnissr ans Licht. Ich fand das Buch super schön geschrieben und die ganzen detailreichen Beschreibungen, liessen mich noch besser in die Geschichte eintauchen. Manchmal war mir die Geschichte etwas zu langgezogen und ich musste mich motivieren weiterzulesen. Das Ende war dann aber mein persönliches Highlight.
Melanie Levensohn ist mit diesem Buch ein außergewöhnlich intensiver Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an emotional gepackt hat. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen erzählt, insbesondere aus der Sicht von Mutter und Tochter. Dieser Wechsel hat mir sehr gut gefallen, weil ich dadurch noch tiefer in die Gefühlswelten eintauchen konnte. Es ist eine Geschichte über Schuld, Vergebung und Selbstaufopferung. Themen wie Burnout, emotionale Überforderung und die oft schmerzhafte Distanz in familiären Beziehungen werden ehrlich und bewegend dargestellt. Besonders eindrucksvoll fand ich die Schilderungen von Johannas humanitärer Arbeit in Krisengebieten und wie schwer es für sie ist, in den Alltag zurückzukehren, ohne auf echtes Verständnis im eigenen Umfeld zu stoßen. Trotz persönlicher Verluste und familiärer Konflikte folgt sie unbeirrt ihrer Berufung und stößt dabei immer wieder an ihre eigenen emotionalen Grenzen. Ihre Tochter Elsa wiederum ist gefangen in einer perfektionistischen Spirale, getrieben vom Wunsch, von ihrer Mutter gesehen und anerkannt zu werden. Doch je mehr sie leistet, desto größer wird die innere Leere, bis sie an einen Punkt ankommt, an dem nichts mehr geht. Die schmerzhafte Distanz zwischen Mutter und Tochter ist so intensiv spürbar, dass beim Lesen mehrfach ein paar Tränen geflossen sind. Diese Zerrissenheit, dieser Wunsch nach Nähe und gleichzeitige Unfähigkeit zur Annäherung hat mich sehr berührt. Die Autorin erzählt diese Geschichte mit großer Sensibilität, aber auch mit Klarheit und Tiefe. Besonders stark fand ich die leisen Momente, die Wiederentdeckung von Vertrauen zwischen zwei Menschen, die einander längst verloren glaubten. Für mich spiegelt der Titel die emotionale Reise der Figuren wider. Der Regen steht für die schwierige, konfliktreiche Phase, und der Morgen danach offenbart den Neuanfang, die Möglichkeit langsamer Annäherung und vorsichtiger Versöhnung. Melanie Levensohn erzählt ruhig, aber mit viel Gefühl und Nachdruck.
Sehr packend und vielschichtig
Selten hat ein Cover so über den Inhalt hinweg getäuscht. Und dass eine Autorin eng mit einer Thematik verbunden ist, hat man in dieser Form auch nicht so oft. Melanie Levensohn war Sprecherin der WHO und Pressereferentin der Weltbank. In erster Funktion war sie oft in Krisengebieten auf der Welt unterwegs. Das macht diesen Roman sehr authentisch. Johanna arbeitet für die UNO. Sie wird zur Koordination von humanitären Hilfen weltweit in Gebiete eingesetzt, die oft von Krieg bedroht oder zerstört wurden. Sie ist für ihren Arbeitgeber unentbehrlich, und das merken auch ihr Mann und ihre Tochter Elsa. Die Mutter ist selten zu Hause und wenn sie dann doch müde und erschöpft wiederkommt, hat sie mit Jetlag und Depressionen zu kämpfen. Nach und nach zerstört das nicht nur ihre Ehe, sondern auch die Beziehung zu ihrem Kind. Dabei wissen beide noch nicht mal von Johannas größtem Geheimnis. Elsa scheint als erwachsene Frau in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten. Sie wird Strafverteidigerin beim internationalen Gerichtshof in Den Haag. Nach einem Zusammenbruch reist sie nach Sankt Goar, wo ihre Mutter das Haus der kürzlich verstorbenen und sehr geliebten Tante Toni renoviert. Es beginnt eine Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter, die an den Nerven zerrt und manch Unausgesprochenes offen legt Lange wurde ich nicht mehr in eine Geschichte so reingezogen wie in diese. Die über 400 Seiten habe ich an zwei Tagen weggesuchtet – ich hab es als Hörbuch gehört, indem die zwei Perspektiven von unterschiedlichen Sprecherinnen interpretiert wurden. Die wechselnden Erzählstimmen , die unterschiedlichen Zeitebenen und authentischen Schauplätze waren so lebhaft beschrieben, dass ich nicht aufhören konnte. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Die Konfliktgespräche zwischen Mutter und Tochter fand ich auch sehr nah an der Realität. Elsa kam mir zwar meist pubertär rüber, denn ich hätte einer Anfang 30-jährigen Anwältin mehr Sachlichkeit zu getraut, doch wenn ich recht überlege, führen Familienprobleme, die nicht aufgearbeitet wurden oft auch im wahren Leben zu unangemessenem Verhalten. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich die Reaktionen von Johanna immer gutheißen konnte, doch ich konnte die Leidenschaft für ihren Job, die sofort ein schlechtes Gewissen nach sich zog, weil sie die Mutterrolle nicht mehr so erfüllen konnte, wie ihr Kind es gebraucht hätte, nachvollziehen. Solche Situationen gibt es, und mir kamen reale Personen in den Kopf, wie zum Beispiel Annalena Baerbock, ohne mir jetzt anmaßen zu wollen, dass ich weiß wie ihr Privatleben abläuft. Ich stelle es mir aber unmöglich vor alles unter einen Hut zu kriegen. Auch die Rolle der Alex Levy in „The Morning Show“, gespielt von Jennifer Aniston hat Parallelen zu Johanna. Es ist jedoch oft die Unentschlossenheit und das schlechte Gewissen, die das Selbstwertgefühl in so einem komplizierten Job noch schlimmer machen. Den meisten Männern wäre das wahrscheinlich egal. Die Rückblicke in die Krisenherde der vergangenen Jahrzehnte waren mega interessant. Wir können ja davon ausgehen, dass sehr vieles genauso ist. Das Geheimnis, dass Johanna mit sich rum schleppt möchte ich nicht spoilern, aber es hat mich auf einigen Ebenen sehr berührt. Auch die Wendungen im Plot, die unterschiedlichen Ereignisse, die zum Ende hin einen Sinn geben waren logisch erzählt. Bis auf eine Stelle, die dazu führten, dass es kein 5 Sterne Highlight wurde. Johanna agiert einmal so unpassend naiv was im Endeeffekt dazu führt, dass sie sehr unglücklich wird. Ich wusste, wie das ausgehen würde, und dachte mir nur, das kann jetzt nicht dein Ernst sein, dass du das verlangst?! Das passte nicht zu dieser professionellen Frau, die auf der ganzen Welt Krisen managed. Außerdem neigt die Autorin hin und wieder dazu ein bisschen zu dick aufzutragen. Das wird besonders zum Ende hin sehr deutlich. Man hätte an vielen Stellen einen Cut setzen können damit es ein durch und durch hervorragendes Werk wird. Aber als eigentlich alles gesagt ist und man hätte schließen können, setzt sie noch einen drauf. Vieles, was Dramatik erzeugen soll, hätte es nicht gebraucht, um zu unterstreichen wie tragisch etwas enden kann. Das war stellenweise too much drama. Insgesamt ist es aber eine packende Lektüre, die einen nicht so schnell loslässt und die mich sehr mitgenommen hat. Ich hab mir immer wieder vorgestellt, wie Hollywood das verfilmen würde. Es hat alles was ein Blockbuster braucht. Ich empfehle euch diesen Roman, wenn ihr konfliktbeladene Familiengeschichten mögt, die an außergewöhnlichen Schauplätzen spielen und eine Balance zwischen heftigen Szenarien und Rheinidyll gut aushalten könnt.
Eine Geschichte darüber was Verschwiegenheit und Missverständnis in einer Familie anrichten kann. Mir war’s, für die Ernsthaftigkeit der Thematik, leider etwas zu sprunghaft und fahrig erzählt. Auch das schnelle Ende mit zügigem „Friede, Freude, Eierkuchen“ fand ich leider nicht gelungen. Alles in allem aber lesenswert.
gerne gelesen. Vor allem das Setting und die Naturbeschreibungen sind sehr gut gelungen. Wenn Levensohn das Haus der Tante beschreibt oder einfach einen Sommerabend an dem die Protagonisten zusammensitzen, kommt so viel Atmosphäre rüber. Zum Teil waren einige Dialoge etwas hölzern, so würde einfach niemand reden im wahren Leben. Andererseits fand ich die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Töchter voller Vorwürfe, Wut und Enttäuschung sehr realistisch dargestellt. Auch die Thematik war mal etwas anderes: eine Mutter, die ihre Tochter aufgrund ihres Berufes vernachlässigt. Das kam mir so in der Literatur erstaunlicherweise noch nicht unter und ebenso der Einblick in die humanitäre Arbeit war spannend. Bin vorfreudig was noch von der Autorin kommen wird in Zukunft.
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Johanna und ihre Tochter Elsa stehen sich schon lange nicht mehr nahe – Elsa hat nie überwunden, dass ihre Mutter früher beruflich viel unterwegs war und wenig Zeit für die Familie hatte. Viele Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni am Rhein, wo sie und Elsa herrliche Sommer miteinander verbracht haben. Als Elsa sie dort besucht, stellen sie sich endlich der Vergangenheit – und Johanna offenbart ihrer Tochter ein
schwerwiegendes Geheimnis.
Ein bewegender Roman über die Zerrissenheit einer Frau zwischen der Leidenschaft für ihren Beruf und dem Bedürfnis, für ihre Familie da zu sein, über tief sitzenden Schmerz, Schuld und Versöhnung – vor großartigen internationalen Settings.
Book Information
Author Description
Die Deutschamerikanerin Melanie Levensohn wurde in Darmstadt geboren, studierte Politikwissenschaften und Literatur in Frankreich und Chile und erwarb ihr Diplom am Institut d’Études Politiques (Sciences Po) in Paris. Von 2001 bis 2006 war sie als Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation rund um die Welt im Einsatz, oft in Krisengebieten. Danach arbeitete sie viele Jahre als Pressereferentin bei der Weltbank in Washington, D.C. Seit 2021 lebt Melanie Levensohn mit ihrer Familie in der Schweiz. 2018 erschien ihr Debütroman Zwischen uns ein ganzes Leben, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.
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Wenn das Leben Schatten zwischen Mutter und Tochter wirft.„Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt."
St. Goar am Mittelrhein ist der Wohlfühlort, an dem die Welt noch in Ordnung ist. Hier kann man die Seele baumeln lassen und sich vom Stress der übrigen Welt wieder erholen. Das gilt auch für Hanna und Elsa, Mutter und Tochter, die gemeinsam das Haus ihrer Tante Toni in St. Goar geerbt haben. Nur verstehen sich die beiden nicht sonderlich gut. Hanna lebte mit der Familie in New York. Die Familie bestand aus ihrem Mann Richard, ihrer Tochter Elsa und ihr. Nach einer Zeit im Büro der UNO erhält sie die Chance, weltweit als Koordinatorin in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Ihr Mann ist zwar nicht glücklich darüber, stimmt aber letztendlich zu, die Tochter tut sich mit den ständigen Abschieden deutlich schwerer. Und natürlich verpasst Hanna auch einen Großteil von Elsas Kindheit, Auftritte in der Schule, Sportveranstaltungen, Einladungen, das alles entgeht ihr. Trotzdem: Elsa hängt an ihrer Mutter und möchte es ihr in allem recht machen. Erst ein von Hanna verpasster Ballettauftritt, den Elsa noch mit verstauchtem Fuß absolviert, weil sie ihre Mutter im Publikum wähnt, führt zum Bruch. Zum Bruch nicht nur Elsas mit ihrer Mutter, sondern letztendlich auch zum Bruch zwischen den Ehepartnern. Nun sind die beiden seit 10 Jahren geschieden und Elsa hat unterdessen Karriere als Anwältin gemacht. Am internationalen Gerichtshof in Den Haag vertritt sie Straftäter, denen nicht nur ein Mord sondern Völkermord zur Last gelegt wird. Trotz der schwierigen Situation ist Hanna unglaublich stolz auf ihre Tochter, ein Vorfall vor 10 Jahren verbietet ihr aber, ihr das jemals zu gestehen. 2023 jedoch erleidet Elsa einen Burnout und hofft, an ihrem alten Wohlfühlort am Mittelrhein wieder gesund zu werden und Kräfte zu tanken. Dort trifft sie auf ihre Mutter, die gerade mit Renovierungsarbeiten begonnen hat. Der Roman erzählt in Gegenwart und Rückblenden aus der Vergangenheit aus dem Leben der Frauen. Dabei sind die Passagen, die von Hannas Arbeit bei der UNO berichten, zwar interessant, aber nicht das eigentliche Thema. Hier hat die Autorin auf eigene Erfahrungen in vergleichbaren internationalen Organisationen zurückgegriffen. Es geht um eine zunächst aussichtslos erscheinende Beziehungsstörung zwischen Mutter und Tochter. Hanna versucht, an Elsa heranzukommen und Elsa tut alles, damit ihr das nicht gelingt. Da muss nicht nur bildlich gesprochen ein Sturm aufziehen, damit beide ihr Schweigen überwinden. „Der Morgen nach dem Regen“ hinterlässt nicht nur in der Natur ein totales Chaos, sondern auch im Kopf von Hanna und Elsa. Hanna entscheidet sich endlich, das Schweigen zu brechen, das ihr Verhältnis so lange belastet hat. Sie tritt als Mutter in Vorleistung, aber erst, als sie schon nicht mehr daran glauben will, kann sie doch noch den Zugang zu ihrer Tochter finden. Dass auch Tante Toni mit ihren Lebensweisheiten und Ratschlägen immer mal wieder auftaucht, ist ein schönes Stilmittel. Es ist, als ob sie ihnen zurufen würde: Wir haben nur ein Leben, nur eine Chance, das Beste daraus zu machen. Mich hat das Buch aus verschiedenen Gründen angesprochen. Einmal lebt sie als Mittelrheinerin in diesem schönen Tal und freue mich, es als Wohlfühlort und Zufluchtsort beschrieben zu sehen. Aber ich fand auch die Quintessenz des Buches ausgesprochen wichtig. Wenn man gut miteinander leben will, dann ist es auch schon mal nötig, über den eigenen Schatten zu springen, sich seine eigenen Fehler einzugestehen und im ehrlichen Gespräch zu bleiben. Wie beschreibt es Silvia, die Pianistin aus der Nachbarschaft so schön: „Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt

Zwischen Sehnsucht und Schmerz
Unscheinbar und fast seicht kommt der Klappentext und das Cover dieses Romans daher- und dann trifft einen der Inhalt mit einer unfassbaren Wucht. „Der Morgen nach dem Regen“ hat mich auf eine Weise berührt, wie es lange kein Buch mehr geschafft hat. Schon die ersten Seiten tragen einen zurück an den Sehnsuchtsort von Mutter und Tochter – ein Ort, der mehr ist als nur Landschaft, mehr als Häuser und Gassen. Er ist durchdrungen von Erinnerungen, von der Melancholie einer Kindheit, die trotz der vielen Brüche voller Wärme und stiller Momente war. Diese Nostalgie schwingt durch die gesamte Geschichte mit und weckt eigene Emotionen nach dem eigenen Rückzugsort der Kindheitserinnerung. Gleichzeitig entfaltet sich ein schonungslos ehrlicher Blick auf das zerrüttete Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Autorin schildert mit feiner Genauigkeit, wie die Mutter zwischen UN-Karriere in Kriegsgebieten und Kind zu zerreißen droht und dabei gerade das verliert, was am wichtigsten gewesen wäre: das Vertrauen und die Nähe zu ihrer Tochter. Der Schmerz der jungen Frau, die sich ihr Leben lang weniger wertvoll fühlte als die Menschen der humanitären Krisen, um die sich ihre Mutter voller Inbrunst kümmerte, geht tief. Ich konnte diese Verletzung fast körperlich spüren, weil sie so glaubwürdig und unverstellt erzählt wurde – voller Bitterkeit, aber auch voller Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in den Internationalen Strafgerichtshof und die Arbeit der UN. Vor dem Roman habe ich mich nicht wirklich mit den Aufgabengebieten und dem Ethos dessen auseinandergesetzt. Der Druck, die Last der Verantwortung und die moralischen Abgründe, die sich auftun, wenn man Kriegsverbrecher verteidigt oder in Kriegsgebieten arbeitet– all das wurde greifbar. Und doch gelingt es der Autorin, eine Perspektive zu eröffnen, die jenseits von Schwarz und Weiß liegt: Täter erscheinen nicht nur als Monster, sondern als Menschen, die selbst in einem zerstörerischen System gefangen sind. Dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt, ebenso wie die faszinierenden Einblicke in die Arbeit der UN, deren Bedeutung im Roman eindrucksvoll und voller Respekt herausgestellt wird. „Der Morgen nach dem Regen“ ist kein Buch, das man einfach zuschlägt und vergisst. Es hallt nach, weil es von Sehnsucht und Verletzung erzählt, aber auch von Hoffnung und der Möglichkeit, alte Wunden vielleicht doch zu heilen. Für mich war es ein intensives Leseerlebnis, das den Blick auf Familie, Schuld und Gerechtigkeit erweitert hat – und das einen tief im Innersten berührt.
"Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit."
"Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit." In diesem Buch geht es um eine schwierige Mutter-Tochter-Konstellation. Schon früh fühlte sich Johanna's Tochter Elsa emotional vernachlässigt, dabei fehlte ihr die Zuneigung und Geborgenheit ihrer Mutter. In ihrer kindlichen Wahrnehmung und Vorstellung war die Liebe nicht groß genug bzw. reichte nicht aus, sich ihrer Arbeit zu entbehren und mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Für Johanna selbst gestaltet sich das während ihrer beruflichen Laufbahn als sehr viel schwieriger. Ihre Tätigkeit als Entwicklungshelferin für internationale Hilfsorganisationen der UNO machte es ihr nahezu unmöglich, die Balance zwischen ihrem anspruchsvollen Beruf und der Familie aufrechtzuerhalten. Fast 30 Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni in Sankt Goar am Rhein und verlässt New York. Dort wird sie unvermittelt mit der gebündelten Ladung ihrer Vergangenheit und ihrer aufgestauten Gefühlswelt konfrontiert. Elsa, die in Den Haag am Internationalen Gerichtshof arbeitet, kann ihre gewohnte Energiequelle und Ablenkung in ihrer Arbeit plötzlich nicht mehr aufrechterhalten. Sie leidet zunehmend unter depressiven Verstimmungen. Sie zieht es ebenfalls nach Deutschland und sucht Ruhe in Tante Tonis Haus. Doch die Genesung wird im Beisein ihrer Mutter zu einer echten Herausforderung. Elsa erfährt das komplette Ausmaß und die Wahrheit über Johannas Vergangenheit und ihre Zerrissenheit in der damaligen vermeintlichen Familie. Kann sie mehr Verständnis nach diesen Enthüllungen entwickeln und den Weg der Vergebung und Heilung ebnen? "Man spricht nicht umsonst von der reinigenden Kraft des Regens. Genauso ergeht es Mutter und Tochter." Das Buch liefert erschütternde und zugleich höchst interessante Einblicke in den Arbeitsalltag der UNO, die Kriegsschauplätze und das tägliche persönliche Risiko, welchen sich Johanna und ihrem Team aussetzen muss. Die Autorin weist ein unglaubliches Feingefühl für die komplexe Thematik der Mutter-Kind-Dynamik auf. Beeindruckend ist, wie authentisch ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen aus der humanitären Arbeit (WHO) in Kriegsgebieten in die Erzählung einfließen. Die nostalgischen Erzählungen aus Johannas Kindheit, werden mit dem leckeren Apfel-Pfannkuchen Rezept ihrer Tante Toni perfekt abgestimmt. War für ein grandioses Buch! Ganz still fing es an und entwickelte zwischendurch eine unglaubliche Lautstärke, bin sehr beeindruckt. Eine klare Empfehlung geht raus.

Ein emotionaler Roman der mich sehr bewegt hat
„Der Morgen nach dem Regen“ von Melanie Levensohn ist eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte über eine Frau, die zerrissen ist zwischen Berufung und Familie. Johanna verlässt ihre Familie, als Elsa 7 Jahre alt war. Für viele Jahre arbeitet sie als Entwicklungshelfern in fernen Ländern und die beiden entfernen sich immer weiter voneinander. Fast 30 Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante in St. Goar am Rhein und Elsa kommt sie dort eines Tages besuchen. Es gibt viel zu besprechen zwischen Mutter und Tochter, außerdem offenbart Johanna ihrer Tochter ein schwerwiegendes Geheimnis. Das Setting in St. Goar am Rhein hat mir sehr gut gefallen, ich war schon öfters dort und konnte mir durch die anschaulichen Beschreibungen bildlich alles gut vorstellen. Der Schreibstil der Autorin ist anschaulich und flüssig, man merkt schnell, dass Melanie Levensohn Ahnung hat von dem was sie schreibt, da sie selbst viele Jahre für die WHO in Krisengebieten gearbeitet hat. Da die Kapitel abwechselnd aus den Perspektiven der Protagonisten Johanna und Elsa geschrieben sind bekommt man einen guten Einblick in die aktuelle Gefühlswelt und die Vergangenheit der Beiden. Es werden einige schwierige Themen angesprochen, die zum nachdenken und reflektieren anregen, deshalb hat mich „Der Morgen nach dem Regen“ sehr berührt und bewegt. Ich kann euch das Buch absolut empfehlen und möchte demnächst noch mehr von der talentierten Autorin lesen.

Nicht schlecht - aber leider auch nicht gut!
Auch Backlist-Titel haben es auf meine Sommerleseliste geschafft. Noch im Urlaub habe ich Melanie Levensohn’s Familienroman „Der Morgen nach dem Regen“ rund um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gelesen. Johanna und ihre erwachsene Tochter Elsa stehen sich schon seit langer Zeit nicht mehr nah. Als Elsa noch klein war, ist Johanna beruflich viel gereist und hat die Familie oft und lang verlassen. Das ging auch an ihrer Ehe nicht spurlos vorbei. Von ihrem Mann ist sie auch schon einige Jahre getrennt. Nun erbt Johanna ein Haus am Rhein im beschaulichen Sankt Goar. In diesem Haus hat sie, aber auch Elsa, viele glückliche Momente erlebt. Kurz nach ihrem Umzug kommt auch Elsa in dieses Haus, da ein Burnout sie zu einer Pause von ihrem sehr fordernden Job zwingt. Und so treffen jahrelang unausgesprochene Emotionen und große Geheimnisse aufeinander. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Johanna und Elsa erzählt, jeweils zu unterschiedlichen Zeiten. Wie begleiten Johanna oft auf ihren Dienstreisen, die sie immer in Krisen- und Kriegsgebiete führen, und ihre Zeiten dazwischen, die sie daheim verbringt im verzweifelten Versuch, den Anschluss an ihr Familienleben nicht zu verlieren. Und doch zieht es sie immer wieder fort, auch wenn ihr Mann und Tochter entgleiten. Die Geschichte entwickelt sich langsam und immer wieder kommt das große Geheimnis zur Sprache, das zwischen Johanna und Elsa steht. Sooo geheim empfand ich es als Leserin aber nicht, weil durchaus klar ist, was vorgefallen sein muss, auch ohne das letzte Detail davon zu kennen. Das macht dann am Ende, wenn man es schließlich erfährt aber auch keinen großen Unterschied mehr. Insofern ist das Ganze für mich eine „Der Weg ist das Ziel“-Handlung als der große Knall am Ende. Der Roman ist durchaus ein schöner Sommerschmöker, in dem viele Emotionen zusammenkommen. Auch an Gefühlen für alte und neue Partner wird hier nicht gespart. Aber voll abholen konnte mich die Handlung leider nicht. Am besten gefallen haben mir die Beschreibungen der internationalen Tätigkeit Johannas. Achtung Spoiler: Die Versöhnung auf den letzten 60-70 Seiten und das Ende fand ich schlichtweg unglaubwürdig und mit zu kitschig. Es kam nach dem so langen Aufbau dann zu überraschend. Frei nach dem Motto: „Zack, ach so… na gut, wenn du es so sagst, dann verstehe ich dich natürlich und plötzlich auch alles andere!“ Nee, das war an der Stelle dann nur noch „Dienstag-Abend-SAT1-Film“ für mich und das passt schlichtweg zu 90% nicht zu meinem Geschmack. Fazit (Spoilerfrei): Ein leicht zu lesender Sommerschmöker mit spannenden Elementen, der mich aber nicht ganz abholen konnte mit seinen Längen und dem für mich nicht 100% glaubwürdigen Ende. Ich glaube aber, dass das Buch dennoch vielen gefallen wird.
Dieser Roman ist so toll geschrieben und erzählt die Geschichte von Mutter und Tochter, die sich entfremdet haben, aber wieder zueinander finden in dem sie sich alles offen erzählen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Mir hat vor allem der Einblick in die berufliche Laufbahn von Johanna und ihrem Beruf sehr gut gefallen. Es waren spannende Einblicke in die Arbeit von Johanna, über die ich mir davor noch nie Gedanken gemacht habe wie gefährlich dieser Beruf eigentlich ist. Johanna arbeitet nämlich für die UNO und leistet humanitäre Arbeit. Beim Lesen habe ich die Zerrissenheit zwischen Beruf und Privatleben/Familie bei Johanna extrem gespürt. Vorallem die Schilderungen wie es Johanna ergeht, wenn sie wieder aus einem Kriegsgebiet in ihren normalen Alltag zurückkommt und sich zurecht finden muss und bei ihrer Familie nicht immer auf Verständnis stößt. Die Kriegsgeschichte war wirklich super interessant und spannend geschrieben, auch die kleinen Einblicke in den Prozess. Mich hat das Buch sehr berührt. Wie die Geschichte ausgehen könnte bzw. in welche Richtung sie gehen könnte, habe ich schon am Anfang gemerkt, aber es kamen doch noch ein paar unerwarte Wendungen, die mich zutiefst berührt haben. Alles in allem ist dieser Familienroman eine Geschichte, die viel Einblick in die Arbeit bei der UNO gibt und welchen Risikien die Mitarbeiter dort riskieren um anderen Menschen helfen zu können, zudem greift er einen Familienkonflikt auf und zeigt wie man einen zerrüttete Beziehung zwischen Mutter und Tochter löst, auch wenn es schmerzt. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne Familienromane und bewegende Frauenliteratur liest. Dabei möchte ich nochmal die wichtigsten Themen aufgreifen, die dieser Roman bietet. - Wir Frauen von heute - die Zerrissenheit einer Frau zwischen Beruf und Familie und ihre Schuldgefühle. - Kommunikation - Warum wir öfters offen in unserer Familie miteinander reden sollten. - UNO/humanitäre Arbeit: Einblicke in den Arbeitsalltag der UNO und deren Mitarbeiter:innen, die täglich bei humanitären Einsätzen ihr Leben riskieren um anderen Menschen zu helfen.

Emotionaler Roman um die Aufarbeitung einer Mutter-Tochter Beziehung. Johanna arbeitet bei der UNO und ist immer mehrere Wochen in Kriegsgebieten unterwegs. Ihre Tochter Elsa und ihr Mann sind immer mehr enttäuscht sie so oft entbehren zu müssen und so entfremdet sich Johanna immer mehr von ihrer Familie. Johanna erbt dann viele Jahre später das alte Haus von ihrer Tante Toni und als Elsa einen Zusammenbruch erlitt zieht es sie auch dahin. Mutter und Tochter müssen sich ihrer komplizierten Vergangenheit stellen und versuchen mehr oder weniger zusammen aufzuarbeiten, was damals eigentlich passiert ist. Die Story lässt sich ganz wunderbar lesen und auch das Thema hat mich komplett abgeholt. Es wurde abwechselnd aus der Sicht von Johanna und Elsa erzählt und dadurch konnte man sich wunderbar in die beiden Charaktere reinversetzten. Ab und zu wurde hier für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen aber andere Leser empfinden es vielleicht als gefühlvoll. Die Abschnitte, die in den Kriegsgebieten spielen, haben mir hier besonders gut gefallen und waren teilweise richtig spannend. Für mich ein paar kleine Schwächen aber auf jeden Fall lesenswert.
"Alte Konflikte aufzureißen, Dinge anzusprechen, über die man jahrelang geschwiegen hat, das ist, als würde man eine Narbe aufschneiden." (S. 352) Ihr ganzes Leben hatte Elsa sich von ihrer Mutter zurückgestellt gefühlt. Während sie mit ihrem Dad in New York das Vater-Tochter-Gespann gibt und sich nach ihrer Mutter sehnt, wird Johanna für humanitäre Einsätze bei den Vereinten Nationen gebraucht. Ihr Job erfordert Auslandsaufenthalte und ständigen Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten. Da kommt es schon vor, dass sie es nicht zur Ballettaufführung ihrer Tochter schafft. Für Elsa wird es zum Normalzustand, dass ihre Erwartungen immer wieder enttäuscht werden. Aber auch für Johanna bedeutet ihre Arbeit private Entbehrungen. So sehr sie in ihrem "Menschenretter-Job" auch aufgeht, es bricht ihr das Herz, nie anzukommen – zu Hause und bei ihrer Tochter. Der Graben zwischen Johanna und Elsa wird tiefer und der Berg an Verletzungen auf beiden Seiten irgendwann so groß, dass ihn niemand mehr bezwingen kann. Als Elsa selbst mitten im Leben steht und als erfolgreiche Anwältin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag arbeitet, sprechen die beiden schon viele Jahre kaum noch miteinander. Dabei ahnen sie nicht, wie nah sie sich, trotz konträrer Ansichten, in Wirklichkeit sind. Erst Elsas Zusammenbruch und die Diagnose Burnout führen Mutter und Tochter wieder zusammen. Im Haus von Tante Toni am Rhein, das diese Johanna vererbt hat. Es ist der Herzensort beider Frauen, ihr gemeinsamer Nenner. Hier prallen zunächst die alten Konflikte erneut aufeinander, doch inmitten von Schutt und Altlasten finden Johanna und Elsa Stück für Stück wieder zueinander und erfahren dabei Unerträgliches. Es ist eines dieser Bücher, das dich tief in das Geschehen zieht und dich jede Gefühlslage der Charaktere fühlen lässt. Wie eine Serie, die du weg-bingst, weil du unbedingt wissen willst, wie es weitergeht. Ein Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite und wenn ich gerade dachte, jetzt ist alles gesagt, kam jemand mit einer weiteren Beichte um die Ecke. Melanie Levensohn bringt eigene Erfahrungen aus ihrer Arbeit für die Vereinten Nationen in den Roman ein. Diese biografische Nähe verleiht den politischen und humanitären Aspekten des Romans spürbare Authentizität. Der schon ewig anhaltende Nahost-Konflikt mit seiner aktuellen Brisanz spielt eine zentrale Rolle. Die Gegensätze zwischen Kriegsgebieten und der Rhein-Idylle spiegeln auch den inneren Zwiespalt der Figuren. "Der Morgen nach dem Regen" platzt thematisch aus allen Nähten, ohne ein Zuviel zu servieren. So nehmen die Themen Mutterschaft und mentale Gesundheit viel Raum ein, wenn es um die Geschichte der beiden Frauen geht. Die Zerrissenheit zwischen Job und Familie belastet vor allem Johanna: "Ich war einem Anspruch und Irrglauben erlegen, den ich mit Millionen von Frauen teilte." (S. 130) Durch Perspektivwechsel und Zeitsprünge tauchen wir in beide Lebenswelten und Sichtweisen ein und sehen, wie unterschiedlich die Mutter-Tochter-Beziehung jeweils erlebt wird. Stellenweise war es mir mit zu viel Kitsch und Pathos erzählt, doch immer so, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Dieser Roman zeigt, dass Zusammenbrüche nicht nur Endpunkte sind, sondern Wegweiser zurück zu uns selbst – und dass sie neue Türen öffnen können, wenn wir sie zulassen. Eine Geschichte über Schuld und Vergebung, über die Sehnsucht nach Nähe und die Möglichkeit, alte Wunden zu heilen.
Tolles Buch für alle Töchter und Mütter!
Eine verzwickte Mutter-Tochter-Geschichte über Träume, Ängste und jahrelanges Schweigen. Durch den Wechsel der Perspektiven können sich sowohl jung als auch alt super in die Situation hineinversetzen. Die Geschichte spielt vor internationalem Setting und glänzt gleichzeitig mit dem idyllischen Rückzugsort am Rhein. Für mich persönlich ein tolle Wahl! Das Cover strahlt in bunten Farben und der Schreibstil knüpft daran an, so dass ich den Duft des Regens fast schon riechen kann während ich gedanklich aus dem Fenster in den Garten schaue und mein Blick über die glänzenden Äpfel schweifen lasse. Tolles Buch!

Johanna und Elsa, ein Mutter-Tochter-Duo, das sich aufgrund der beruflichen Laufbahnen, vieler Geheimnisse und Missverständnisse über die Jahre immer mehr entfremdete. Anker für beide war Tante Toni, mit der beide die schönsten Erinnerungen verbinden. Nach ihrem kürzlichen Tod und nun, da Johanna Tonis Haus auf dem Land erbt, wird dieses zum Schauplatz der längst überfälligen Aussprache und Wiederannäherung. So vielversprechend diese Ausgangslage auch klingt, emotional hat mich der Roman leider nicht komplett erreicht. Vieles war vorhersehbar, die beiden Hauptfiguren waren mir etwas zu flach und vor allem in den Dialogen zu unauthentisch. Johanna war mir noch dazu sehr unsympathisch und ich konnte sie als Charakter und manche ihrer Aussagen/Gedanken gar nicht nachvollziehen. Einige ihrer Handlungen fand ich außerdem sehr problematisch, unreflektiert und auch unempathisch und ich hätte mir an einigen Stellen einen kritischeren Umgang gewünscht. Elsa hingegen fand ich (bis auf die letzten Kapitel) sehr glaubwürdig in ihrer Wut; schade, dass das Ende sehr überstürzt und zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen wirkte. Umso spannender waren aber die Einblicke in Johannas Arbeit für die UNO, die von den beruflichen Erfahrungen der Autorin selbst profitieren. Dieser persönliche Bezug trägt sehr zur Authentizität bei und Levensohn schafft es, den Leser:innen dieses eher unbekannte Berufsfeld und den Lebensstil dahinter wirklich nahezubringen. Wahrscheinlich mein liebster Part am Roman! Stilistisch setzt die Autorin stark auf detailreiche Beschreibungen, sowohl die Umgebung, als auch die Handlungen und Gefühlswelten der Figuren werden teilweise bis ins kleinste Detail geschildert. Persönlich bin ich Fan von mehr show und weniger tell, wer aber detaillierte Beobachtungen und langsam erzählten Plot mag, kommt hier auf seine Kosten!
Wenn das eigene Kind leidet und man daran schuld ist
Johanna rettete Leben, in dem sie in Krisengebieten, die Hilfe organisiert, die dort wirklich gebraucht wird. Sie arbeitete unaufhörlich für eine Hilfsorganisation und verliert dadurch zunehmend die Verbindung zu ihrer eigenen Tochter. Johanna weiß nicht, wie sie die Beziehung wieder aufbauen kann. Doch dann wird ihre Tochter durch ein Burnout aus dem Alltag gerissen und die einzige Zuflucht ist das Haus ihrer Tante Toni, in dem sie sich einst so wohl fühlte. Doch dort lebt nun ihre Mutter. Ein Weg der Annäherung und Wegstoßens, der Vorwürfe und dem Versuch des Verzeihens. Eine sehr warmherzige und zutiefst gefühlvolle Geschichte, die ich regelrecht eingeatmet habe. Starke weibliche Charaktere und Schicksale die mich berührt haben. Zeitweise ist die Story sehr absehbar, dennoch hat sie dadurch nicht an Schönheit verloren.
Das wichtigste an der Kommunikation ist, dass zu hören, was nicht gesagt wird
Melanie Levensohn hat mich persönlich mit diesem Buch überrascht. Als ich das Buch angefangen habe zu lesen, war ich nicht auf diese Tiefe, die dieses Buch beherrscht, vorbereitet gewesen. In diesem Roman steht das zerrüttete Verhältnis zwischen Johanna und ihrer Tochter Elsa im Mittelpunkt. Seit der Kindheit sehnt Elsa sich nach der Aufmerksamkeit ihrer Mutter und hat diese nie bekommen, denn für Johanna stand ihr Beruf, der zudem noch stets eine Gefahr für sie darstellte, an erster Stelle. Und so musste Elsa nicht nur zum größten Teil ohne die mütterliche Fürsorge auskommen, sondern musste sich auch noch mit der Tatsache abfinden, dass die Mutter ihre humanitäre Arbeit immer unter Gefahren ausführte. So ist es nicht verwunderlich, dass zwischen Mutter und Tochter kein enges Verhältnis besteht und die beiden weit voneinander entfernt sind. Und genau das schwierige Verhältnis arbeitet die Autorin auf und lässt den Leser auf beeindruckende Art daran teilhaben. Durch Rückblicke in die Vergangenheit von Johanna und Elsa kann man in die Gefühlswelt der beiden ganz tief hineintauchen kann deren Reaktionen nachvollziehen und besonders die von Elsa konnte ich total nachvollziehen. Die Autorin hat in ihrem Roman sehr gut die Welt einer voll berufstätigen Mutter aufgezeigt, deren Balance zwischen Beruf und Muttersein nicht so gut gelingt, bzw. die auch in ihrer Rolle gefangen ist. Wobei in dem Fall auch besonders der Menschen eine große Rolle bekommen, die tagtäglich Menschen in Krisenregionen jeden Tag unterstützen und sich dabei auch jede Tag in Gefahr begeben Was die große Message aus dem Roman ist: Die Kommunikation! Diese ist und bleibt das A und O, egal um welche Beziehung es geht. Und dabei ist es auch immer wichtig, sein Gegenüber genau zu beachten- denn auch unausgesprochene Worte, werden genau, wenn auch meistens unbewusst , nonverbal kommuniziert. Fazit: Ein sehr guter Roman über eine schwierige Mutter- Tochter Beziehung, der mit einer Tiefe überzeugt 5 Sterne
Aufarbeitung einer zerrütteten Mutter - Tochter - Beziehung
Johanna kehrt nach vielen Jahren als Mitarbeiterin der UN nach St. Goar in das Haus ihrer mittlerweile verstorbenen Tante zurück. Ihre Tochter, zu der sie seit 10 Jahren kein gutes Verhältnis mehr hat, erlebt derweil einen Zusammenbruch während eines wichtigen Prozesses am Gerichtshof in Den Haag. Als Elsa zur Erholung auch nach St. Goar kommt, ist es an den beiden Frauen die Vergangenheit aufzuarbeiten. Gefühlvoll und intensiv. Starke Frauen.
Ergreifend
Ich durfte den Roman der Morgen nach dem Regen von Melanie Levensohn als Rezensionsexemplar lesen und mich hat die Geschichte sehr berührt. Das Buch handelt von einem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis, dem Verschweigen von Träumen und Ängsten und dem nicht miteinander Kommunizieren. Bei Menschen, die sich selber in so einem schwierigen und vor allem unverarbeiteten Eltern-Kind-Verhältnis befinden könnte das Buch eventuell alte Wunden aufreißen. Johanna, die Mutter, war bis zu ihrem Ruhestand bei der UNO angestellt und viel in Kriegsgebieten unterwegs. Ihre Tochter Elsa ist in Den Haag beim Strafgerichtshof als Anwältin tätig. Die beiden Frauen trennt und eint so vieles, doch können sie nicht darüber reden. Als Johanna und Elsa gemeinsam das Haus von Tante Toni erben und sich Elsa krankheitsbedingt eine Auszeit im ruhigen Rheintal nehmen muss, wird der Konflikt der Beiden unausstehlich. Doch der Morgen nach dem Regen scheint der Wendepunkt in ihrer Beziehung zu werden. Können die Hürden abgebaut werde? Finden Mutter und Tochter wieder zu einander? Und welche Geheimnisse tragen sie in sich? Dieser Roman hat mich stellenweise emotional sehr berührt und ich konnte mich darin wiederfinden. Die Umstände des Konfliktes zwischen den Protagonistinnen trifft wahrscheinlich auf die Wenigsten von uns zu und dennoch haben Einige ähnliche Erfahrungen machen müssen. Ich kann für mich aus diesem Roman mitnehmen, dass es besser ist über die Dinge zu reden, als seine eigenen Schlüsse zu ziehen, die vielleicht nicht zutreffend sind und vor allem sollte man nicht bis zum Schluss warten, sonst könnten einen wunderbare Chancen entgehen.
Ein Konflikt zwischen Mutter und Tochter
In der Geschichte geht es um Johanna, welche früher viel zu viel Zeit ihrer ihrer Arbeit verbracht hat. Elsa, ihre Tochter, hat diese Vernachlässigung nie wirkich überwunden. Nun haben beide das Haus ihrer verstorbenen Verwandte geerbt, welches Johanna bezieht. Als Elsa sie dann besuchen kommt, treffen die beiden Frauen seit langer Zeit wieder aufeinander und befassen sich endich mit der Vergangenheitund dem Konflikt, der zwischen den beiden herrscht. Dabei kommen so einige spannende Geheimnissr ans Licht. Ich fand das Buch super schön geschrieben und die ganzen detailreichen Beschreibungen, liessen mich noch besser in die Geschichte eintauchen. Manchmal war mir die Geschichte etwas zu langgezogen und ich musste mich motivieren weiterzulesen. Das Ende war dann aber mein persönliches Highlight.
Melanie Levensohn ist mit diesem Buch ein außergewöhnlich intensiver Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an emotional gepackt hat. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen erzählt, insbesondere aus der Sicht von Mutter und Tochter. Dieser Wechsel hat mir sehr gut gefallen, weil ich dadurch noch tiefer in die Gefühlswelten eintauchen konnte. Es ist eine Geschichte über Schuld, Vergebung und Selbstaufopferung. Themen wie Burnout, emotionale Überforderung und die oft schmerzhafte Distanz in familiären Beziehungen werden ehrlich und bewegend dargestellt. Besonders eindrucksvoll fand ich die Schilderungen von Johannas humanitärer Arbeit in Krisengebieten und wie schwer es für sie ist, in den Alltag zurückzukehren, ohne auf echtes Verständnis im eigenen Umfeld zu stoßen. Trotz persönlicher Verluste und familiärer Konflikte folgt sie unbeirrt ihrer Berufung und stößt dabei immer wieder an ihre eigenen emotionalen Grenzen. Ihre Tochter Elsa wiederum ist gefangen in einer perfektionistischen Spirale, getrieben vom Wunsch, von ihrer Mutter gesehen und anerkannt zu werden. Doch je mehr sie leistet, desto größer wird die innere Leere, bis sie an einen Punkt ankommt, an dem nichts mehr geht. Die schmerzhafte Distanz zwischen Mutter und Tochter ist so intensiv spürbar, dass beim Lesen mehrfach ein paar Tränen geflossen sind. Diese Zerrissenheit, dieser Wunsch nach Nähe und gleichzeitige Unfähigkeit zur Annäherung hat mich sehr berührt. Die Autorin erzählt diese Geschichte mit großer Sensibilität, aber auch mit Klarheit und Tiefe. Besonders stark fand ich die leisen Momente, die Wiederentdeckung von Vertrauen zwischen zwei Menschen, die einander längst verloren glaubten. Für mich spiegelt der Titel die emotionale Reise der Figuren wider. Der Regen steht für die schwierige, konfliktreiche Phase, und der Morgen danach offenbart den Neuanfang, die Möglichkeit langsamer Annäherung und vorsichtiger Versöhnung. Melanie Levensohn erzählt ruhig, aber mit viel Gefühl und Nachdruck.
Sehr packend und vielschichtig
Selten hat ein Cover so über den Inhalt hinweg getäuscht. Und dass eine Autorin eng mit einer Thematik verbunden ist, hat man in dieser Form auch nicht so oft. Melanie Levensohn war Sprecherin der WHO und Pressereferentin der Weltbank. In erster Funktion war sie oft in Krisengebieten auf der Welt unterwegs. Das macht diesen Roman sehr authentisch. Johanna arbeitet für die UNO. Sie wird zur Koordination von humanitären Hilfen weltweit in Gebiete eingesetzt, die oft von Krieg bedroht oder zerstört wurden. Sie ist für ihren Arbeitgeber unentbehrlich, und das merken auch ihr Mann und ihre Tochter Elsa. Die Mutter ist selten zu Hause und wenn sie dann doch müde und erschöpft wiederkommt, hat sie mit Jetlag und Depressionen zu kämpfen. Nach und nach zerstört das nicht nur ihre Ehe, sondern auch die Beziehung zu ihrem Kind. Dabei wissen beide noch nicht mal von Johannas größtem Geheimnis. Elsa scheint als erwachsene Frau in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten. Sie wird Strafverteidigerin beim internationalen Gerichtshof in Den Haag. Nach einem Zusammenbruch reist sie nach Sankt Goar, wo ihre Mutter das Haus der kürzlich verstorbenen und sehr geliebten Tante Toni renoviert. Es beginnt eine Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter, die an den Nerven zerrt und manch Unausgesprochenes offen legt Lange wurde ich nicht mehr in eine Geschichte so reingezogen wie in diese. Die über 400 Seiten habe ich an zwei Tagen weggesuchtet – ich hab es als Hörbuch gehört, indem die zwei Perspektiven von unterschiedlichen Sprecherinnen interpretiert wurden. Die wechselnden Erzählstimmen , die unterschiedlichen Zeitebenen und authentischen Schauplätze waren so lebhaft beschrieben, dass ich nicht aufhören konnte. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Die Konfliktgespräche zwischen Mutter und Tochter fand ich auch sehr nah an der Realität. Elsa kam mir zwar meist pubertär rüber, denn ich hätte einer Anfang 30-jährigen Anwältin mehr Sachlichkeit zu getraut, doch wenn ich recht überlege, führen Familienprobleme, die nicht aufgearbeitet wurden oft auch im wahren Leben zu unangemessenem Verhalten. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich die Reaktionen von Johanna immer gutheißen konnte, doch ich konnte die Leidenschaft für ihren Job, die sofort ein schlechtes Gewissen nach sich zog, weil sie die Mutterrolle nicht mehr so erfüllen konnte, wie ihr Kind es gebraucht hätte, nachvollziehen. Solche Situationen gibt es, und mir kamen reale Personen in den Kopf, wie zum Beispiel Annalena Baerbock, ohne mir jetzt anmaßen zu wollen, dass ich weiß wie ihr Privatleben abläuft. Ich stelle es mir aber unmöglich vor alles unter einen Hut zu kriegen. Auch die Rolle der Alex Levy in „The Morning Show“, gespielt von Jennifer Aniston hat Parallelen zu Johanna. Es ist jedoch oft die Unentschlossenheit und das schlechte Gewissen, die das Selbstwertgefühl in so einem komplizierten Job noch schlimmer machen. Den meisten Männern wäre das wahrscheinlich egal. Die Rückblicke in die Krisenherde der vergangenen Jahrzehnte waren mega interessant. Wir können ja davon ausgehen, dass sehr vieles genauso ist. Das Geheimnis, dass Johanna mit sich rum schleppt möchte ich nicht spoilern, aber es hat mich auf einigen Ebenen sehr berührt. Auch die Wendungen im Plot, die unterschiedlichen Ereignisse, die zum Ende hin einen Sinn geben waren logisch erzählt. Bis auf eine Stelle, die dazu führten, dass es kein 5 Sterne Highlight wurde. Johanna agiert einmal so unpassend naiv was im Endeeffekt dazu führt, dass sie sehr unglücklich wird. Ich wusste, wie das ausgehen würde, und dachte mir nur, das kann jetzt nicht dein Ernst sein, dass du das verlangst?! Das passte nicht zu dieser professionellen Frau, die auf der ganzen Welt Krisen managed. Außerdem neigt die Autorin hin und wieder dazu ein bisschen zu dick aufzutragen. Das wird besonders zum Ende hin sehr deutlich. Man hätte an vielen Stellen einen Cut setzen können damit es ein durch und durch hervorragendes Werk wird. Aber als eigentlich alles gesagt ist und man hätte schließen können, setzt sie noch einen drauf. Vieles, was Dramatik erzeugen soll, hätte es nicht gebraucht, um zu unterstreichen wie tragisch etwas enden kann. Das war stellenweise too much drama. Insgesamt ist es aber eine packende Lektüre, die einen nicht so schnell loslässt und die mich sehr mitgenommen hat. Ich hab mir immer wieder vorgestellt, wie Hollywood das verfilmen würde. Es hat alles was ein Blockbuster braucht. Ich empfehle euch diesen Roman, wenn ihr konfliktbeladene Familiengeschichten mögt, die an außergewöhnlichen Schauplätzen spielen und eine Balance zwischen heftigen Szenarien und Rheinidyll gut aushalten könnt.
Eine Geschichte darüber was Verschwiegenheit und Missverständnis in einer Familie anrichten kann. Mir war’s, für die Ernsthaftigkeit der Thematik, leider etwas zu sprunghaft und fahrig erzählt. Auch das schnelle Ende mit zügigem „Friede, Freude, Eierkuchen“ fand ich leider nicht gelungen. Alles in allem aber lesenswert.
gerne gelesen. Vor allem das Setting und die Naturbeschreibungen sind sehr gut gelungen. Wenn Levensohn das Haus der Tante beschreibt oder einfach einen Sommerabend an dem die Protagonisten zusammensitzen, kommt so viel Atmosphäre rüber. Zum Teil waren einige Dialoge etwas hölzern, so würde einfach niemand reden im wahren Leben. Andererseits fand ich die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Töchter voller Vorwürfe, Wut und Enttäuschung sehr realistisch dargestellt. Auch die Thematik war mal etwas anderes: eine Mutter, die ihre Tochter aufgrund ihres Berufes vernachlässigt. Das kam mir so in der Literatur erstaunlicherweise noch nicht unter und ebenso der Einblick in die humanitäre Arbeit war spannend. Bin vorfreudig was noch von der Autorin kommen wird in Zukunft.





























