Der falsche Japaner
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Description
Wie lebt und liebt es sich, wenn man nicht weiß, wer man ist und wo man herkommt? George Psalmanazar beschließt, sich eine Identität zu erfinden, eine so fantastische, dass alle, denen er 1760 in London begegnet, davon geblendet sind.
In seiner Heimat Formosa, fabuliert George, lebten die Menschen als Sonnenanbeter und Kannibalen, die nackt herumliefen und sich singend verständigten, er selbst sei dort von Jesuiten adopiert worden. Das widerspricht zwar allem, was Missionare und Reisende bis dahin zu berichten gewusst hatten, doch alle glauben dem falschen Japaner seine Geschichten. Sogar Salonlöwe Samuel Johnson, der englische Goethe, geht ihm auf den Leim und beschließt sogleich, George unter seine Fittiche zu nehmen. George schafft es gar bis nach Oxford.
Aber wie lebt es sich, wenn man ständig fürchten muss, enttarnt und attackiert zu werden? Zum Glück ist da noch Lucy, Johnsons Tochter, die sich in George verliebt, obwohl sie ahnt, dass er wohl ein Hochstapler, ganz sicher aber ein Mann mit einem dunklen Geheimnis ist …
Book Information
Author Description
Daniela Dröscher, Jahrgang 1977, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam sowie ein Diplom in »Szenischem Schreiben« an der Universität Graz. Ihr Romandebüt »Die Lichter des George Psalmanazar« erschien 2009, es folgten der Erzählband »Gloria« (2010) und der Roman »Pola« (2012) sowie das Memoir »Zeige deine Klasse« (2018). Sie wurde u.a. mit dem Anna Seghers-Preis, dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie dem Robert-Gernhardt-Preis (2017) ausgezeichnet. Der Roman »Lügen über meine Mutter« (2022) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und ist bald im Kino zu sehen.
Posts
Zu wild, zu wirr, zu unspektakulär!
George Psalmanazar taucht zunächst in Schottland auf, ohne klare Erinnerung an seine Herkunft. Weil er selbst nicht weiß, wer er ist oder woher er kommt, beginnt er, sich eine Identität zurechtzulegen – zunächst aus Orientierungslosigkeit und dem Bedürfnis, einen Platz in der Welt zu finden. Er liest ein Buch über Japan und Formosa und erzählt daraufhin, er komme von dort. Da gerade exotische „Wilde“ großes Interesse wecken, sieht der Bischof darin die Möglichkeit, Geld mit ihm zu machen. So fügt sich George zunehmend in die Rolle, die er selbst konstruiert, und spielt die Geschichte weiter aus. Die weitere Handlung, besonders ab dem Moment, in dem George zu Mr. Johnson nach England kommt, empfand ich jedoch als sehr wild. Nicht actionreich, sondern sprunghaft, überladen und teilweise schwer nachvollziehbar. Das liegt auch daran, dass der Roman sich nicht nur auf George konzentriert, sondern auf die zutiefst dysfunktionale Familie, in die er hineingerät. Die vielen Konflikte, Spannungen und unausgesprochenen Verletzungen innerhalb der Familie nehmen einen großen Raum ein und machen die Geschichte stellenweise schwer durchschaubar. Die Mutter flüchtet sich in den Zirkus, während die Tochter in einer viel zu frühen „Mutterrolle“ gefangen ist, ans Haus gebunden und emotional wie praktisch überfordert. Als George zunächst nach Oxford geht und später in den Krieg muss, bleiben Mutter und Kind zusammen mit dem Stiefvater, dem Sklaven und einer weiteren Frau, die plötzlich in der Familie auftaucht, zurück – begleitet von einer Mischung aus Sorge um George und einer leisen Sehnsucht nach seiner Rückkehr, die die angespannte Situation zusätzlich färbt. Ihre vermeintliche „Affäre“ wirkt dabei weniger wie eine echte romantische Entscheidung, sondern eher wie ein verzweifelter Versuch, dem eigenen Ersticken zu entkommen. Entkommen will sie durchaus, nur nicht mit diesem Mann – sie wollte immer nur George. Die zwei Szenen, in denen Blut von Mensch zu Tier bzw. von Tier zu Mensch übertragen wird, fand ich völlig unnötig und ekelhaft. Sie tragen keinerlei Bedeutung für die Handlung bei und hätten die Geschichte nicht gebraucht. Das Ende des Buches empfand ich als übertrieben romantisch und sehr unspektakulär: Am Schluss schippern sie einfach mit einem kleinen Boot davon, ohne dass ein richtiger Abschluss entsteht. Davor gibt es noch die Gerichtsverhandlung, die ich extrem langweilig fand. Es ist zudem von Anfang an klar, dass George seinen Sohn nicht wirklich gefressen hat, und dass er freigesprochen wird, kann man sich ebenfalls leicht denken – richtig überraschend ist das alles nicht. Am Ende bleibt Georges wahre Herkunft unklar. Zwar gibt er an, aus Polen zu stammen, doch wie glaubwürdig das ist, bleibt offen. Insgesamt hat mir „Der falsche Japaner“ ehrlich gesagt nicht wirklich gefallen. Die Geschichte war weder spannend noch besonders fesselnd, und die vielen Nebenstränge wirkten eher verwirrend als bereichernd. Man kann das Buch gelesen haben, muss es aber definitiv nicht.
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Wie lebt und liebt es sich, wenn man nicht weiß, wer man ist und wo man herkommt? George Psalmanazar beschließt, sich eine Identität zu erfinden, eine so fantastische, dass alle, denen er 1760 in London begegnet, davon geblendet sind.
In seiner Heimat Formosa, fabuliert George, lebten die Menschen als Sonnenanbeter und Kannibalen, die nackt herumliefen und sich singend verständigten, er selbst sei dort von Jesuiten adopiert worden. Das widerspricht zwar allem, was Missionare und Reisende bis dahin zu berichten gewusst hatten, doch alle glauben dem falschen Japaner seine Geschichten. Sogar Salonlöwe Samuel Johnson, der englische Goethe, geht ihm auf den Leim und beschließt sogleich, George unter seine Fittiche zu nehmen. George schafft es gar bis nach Oxford.
Aber wie lebt es sich, wenn man ständig fürchten muss, enttarnt und attackiert zu werden? Zum Glück ist da noch Lucy, Johnsons Tochter, die sich in George verliebt, obwohl sie ahnt, dass er wohl ein Hochstapler, ganz sicher aber ein Mann mit einem dunklen Geheimnis ist …
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Daniela Dröscher, Jahrgang 1977, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam sowie ein Diplom in »Szenischem Schreiben« an der Universität Graz. Ihr Romandebüt »Die Lichter des George Psalmanazar« erschien 2009, es folgten der Erzählband »Gloria« (2010) und der Roman »Pola« (2012) sowie das Memoir »Zeige deine Klasse« (2018). Sie wurde u.a. mit dem Anna Seghers-Preis, dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie dem Robert-Gernhardt-Preis (2017) ausgezeichnet. Der Roman »Lügen über meine Mutter« (2022) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und ist bald im Kino zu sehen.
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Zu wild, zu wirr, zu unspektakulär!
George Psalmanazar taucht zunächst in Schottland auf, ohne klare Erinnerung an seine Herkunft. Weil er selbst nicht weiß, wer er ist oder woher er kommt, beginnt er, sich eine Identität zurechtzulegen – zunächst aus Orientierungslosigkeit und dem Bedürfnis, einen Platz in der Welt zu finden. Er liest ein Buch über Japan und Formosa und erzählt daraufhin, er komme von dort. Da gerade exotische „Wilde“ großes Interesse wecken, sieht der Bischof darin die Möglichkeit, Geld mit ihm zu machen. So fügt sich George zunehmend in die Rolle, die er selbst konstruiert, und spielt die Geschichte weiter aus. Die weitere Handlung, besonders ab dem Moment, in dem George zu Mr. Johnson nach England kommt, empfand ich jedoch als sehr wild. Nicht actionreich, sondern sprunghaft, überladen und teilweise schwer nachvollziehbar. Das liegt auch daran, dass der Roman sich nicht nur auf George konzentriert, sondern auf die zutiefst dysfunktionale Familie, in die er hineingerät. Die vielen Konflikte, Spannungen und unausgesprochenen Verletzungen innerhalb der Familie nehmen einen großen Raum ein und machen die Geschichte stellenweise schwer durchschaubar. Die Mutter flüchtet sich in den Zirkus, während die Tochter in einer viel zu frühen „Mutterrolle“ gefangen ist, ans Haus gebunden und emotional wie praktisch überfordert. Als George zunächst nach Oxford geht und später in den Krieg muss, bleiben Mutter und Kind zusammen mit dem Stiefvater, dem Sklaven und einer weiteren Frau, die plötzlich in der Familie auftaucht, zurück – begleitet von einer Mischung aus Sorge um George und einer leisen Sehnsucht nach seiner Rückkehr, die die angespannte Situation zusätzlich färbt. Ihre vermeintliche „Affäre“ wirkt dabei weniger wie eine echte romantische Entscheidung, sondern eher wie ein verzweifelter Versuch, dem eigenen Ersticken zu entkommen. Entkommen will sie durchaus, nur nicht mit diesem Mann – sie wollte immer nur George. Die zwei Szenen, in denen Blut von Mensch zu Tier bzw. von Tier zu Mensch übertragen wird, fand ich völlig unnötig und ekelhaft. Sie tragen keinerlei Bedeutung für die Handlung bei und hätten die Geschichte nicht gebraucht. Das Ende des Buches empfand ich als übertrieben romantisch und sehr unspektakulär: Am Schluss schippern sie einfach mit einem kleinen Boot davon, ohne dass ein richtiger Abschluss entsteht. Davor gibt es noch die Gerichtsverhandlung, die ich extrem langweilig fand. Es ist zudem von Anfang an klar, dass George seinen Sohn nicht wirklich gefressen hat, und dass er freigesprochen wird, kann man sich ebenfalls leicht denken – richtig überraschend ist das alles nicht. Am Ende bleibt Georges wahre Herkunft unklar. Zwar gibt er an, aus Polen zu stammen, doch wie glaubwürdig das ist, bleibt offen. Insgesamt hat mir „Der falsche Japaner“ ehrlich gesagt nicht wirklich gefallen. Die Geschichte war weder spannend noch besonders fesselnd, und die vielen Nebenstränge wirkten eher verwirrend als bereichernd. Man kann das Buch gelesen haben, muss es aber definitiv nicht.




