Der andere Ort
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Eine Frau lädt einen berühmten Maler in ihr Haus in einer abgelegenen Küstenregion ein. Es ist ein erdrückend heißer Sommer, und sie hofft, sein künstlerischer Blick werde das Geheimnis ihres Lebens und ihrer Landschaft lüften. Nur kommt es ganz anders. Denn nicht nur weigert er sich, sie zu malen, er meidet sie geradezu, scheint sie regelrecht vorzuführen in ihrer Bedürftigkeit. Und verbündet sich unterdessen mit ihrem Mann, und nähert er sich nicht auch ihrer Tochter an? (Deren Schönheit und Jugend sie nicht gleichgültig lassen.) Was soll sie tun? Sich kampflos ergeben? Oder versuchen, auch gegen ihre zum Leben erwachten Dämonen anzukämpfen und ihren Willen durchzusetzen?
Der andere Ort ist ein atmosphärisch hoch entzündliches Kammerspiel. Rachel Cusk erzählt darin von weiblichem Schicksal und männlichem Privileg, von der dramatischen Geometrie menschlicher Beziehungen und von Kunst, die uns retten – oder zerstören kann.
Book Information
Author Description
Rachel Cusk, 1967 in Kanada geboren, hat die international gefeierte Outline-Trilogie, die autobiografischen Bücher Lebenswerk und Danach sowie zahlreiche weitere Romane und Sachbücher geschrieben. Sie ist Guggenheim-Stipendiatin, Trägerin des Malaparte-Preises und mit dem Titel Chevalier de l'ordre des arts et des lettres ausgezeichnet. Sie lebt in Paris.
Posts
schwierig
drei sterne sind es nur geworden, weil die stimmung im buch mich punktuell so bedrückt hat, dass ich als als unangenehm empfand. letztendlich ist es was positives wenn emotionen auf den leser übertragen werden, und so sei bitte doch immer ein halber stern gedanklich ergänzt. das dünne buch lässt sich gut, jedoch nicht unbedingt an einem stück erträglich lesen. erinnerungswürdiger satz: "doch jetzt hielt er still, und mir wurde klar, dass eine bestimmte art von stillhallten die vollendete form von bewegung ist."
• DER ANDERE ORT • Dieses Kammerspiel lässt mich sehr fragend zurück. Es ist mir wirklich sehr schwer gefallen in die Handlung einzusteigen. Als ich so gerade richtig drin war, war das schmale Buch schon zu Ende. In einem langen Monolog bzw. Brief reflektiert M. einen Teil ihres Lebens. Vor allem der Besuch des Künstler Ls in die abgelegene englische Küstenregion nimmt einen Großteil der Handlung ein. Denn M. hat sich die Beherbergung des von ihr gefeierten Künstlers ganz anders vorgestellt. Er meidet sie und malen möchte er sie auch nicht. Der Roman ist ein langer Monolog an den bis zum Schluss unbekannt bleibenden Jeffers. M. berichtet ihm einige wenige Stationen ihres Lebens. Sie beschreibt die vergangenen Jahre beginnend mit ihrer Trennung vom ersten Ehemann. Auf der Suche nach ihrer Selbst entdeckt sie in der Kunst Ls Antworten. Was genau sie in seinen Landschaftsbildern sieht, wird nicht beschrieben. Der Einstieg in das Kammerspiel war für mich sehr schleppend, aufgrund des Schreibstils und den fremd bleibenden Charaktere. Obwohl M. haarklein Situationen beschreibt ist sie für mich bis zum Schluss ein Rätsel. „Ein anderer Ort“ ist eine Hommage an „Lorenzo in Taos“ - was ich ausgiebig gegoogelt und die Hintergründe etwas analysiert habe (lohnt sich). Dennoch bin ich mit diesem komplizierten Geflecht aus Beziehungen, Kunst und Selbstfindung nicht warm geworden.
Ich habe dieses Buch zweimal gelesen, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch - nicht weil ich es unfassbar gut finde, sondern weil ich seinem Geheimnis auf die Spur kommen möchte, denn dieser Roman bleibt, trotz seiner Anlage als Brief (?) an ihren Bekannten (?) Jeffers, distanziert, abwehrend, schwer fassbar und so spröde wie die Marschen, in denen er spielt. Die Erzählerin ohne Namen lebt mit ihrem (vermutlich) 2. Mann Tony in der Abgeschiedenheit, erhält Besuch von ihrer erwachsenen Tochter Justine und deren Freund Kurt und lädt sich einen prominenten Gast ein, den Maler L, in dessen Werk sie eine Verbindung zu sich spürt. L kommt in Begleitung der leicht glamourösen Brett und bezieht das "Second Place" - leider, leider unfassbar ungünstig mit dem deutschen "Der andere Ort" übersetzt. In dieser Fehlübersetzung liegt für mich die Crux der deutschen Übersetzung, denn "Second Place", wie die Originalausgabe heißt, beinhaltet Konnotationen, die "Der andere Ort" mit noch so viel gutem Willen nie bekommen wird, wie eben die Implikation des "nur" zweiten Platzes, des weniger wichtigen, weniger bedeutungsvollen usw. Da das zentrale Thema dieses Romans Rivalität ist, die Abneigung, das gegenseitige Austesten von L und der Erzählerin geht der deutschen Ausgabe auch ihr leitendes Motiv verloren - sehr bedauerlich, da der Roman mit seinen fast philosophisch anmutenden Selbstreflexionen der Erzählerin und seinen kleinen psychologischen Einlassungen phasenweise sehr komplex und kryptisch daherkommt und der Leser sicherlich für eine gewisse Hilfestellung durch den Titel dankbar gewesen wäre. Letztlich ist der Roman ein Kampf zwischen L und der Erzählerin, bei dem sich das Kräfteverhältnis immer wieder leicht verschiebt, in dem es zu einer sehr nachhallenden umgekehrten Hochzeitsanspielung kommt und am Ende nur einer siegen kann. Gleichzeitig ist es der Versuch einer schonungslos anmutenden Sicht auf sich selbst, deren Authentizität aber schon dadurch angezweifelt werden muss, dass die Erzählerin Jeffers gegenüber sich auch auf eine ganz bestimmte Art darstellen möchte. Zahlreiche Passagen erfordern mehrfaches Lesen und selbst dann ist nicht immer klar, was die Erzählerin wirklich ausdrücken möchte - das mag ein Hinweis darauf sein, dass sie sich selbst nicht versteht und erkennt, auf jeden Fall wirkt es wie ein absichtlich gesetztes Charakterisierungsmittel. Insgesamt ist das Buch durchaus lesenswert, vollkommen überzeugt hat es mich jedoch nicht - zu beladen und dabei zu wenig menschlich waren mir die Figuren.
Eine Frau, die nur als M bezeichnet wird, lebt mit ihrem Mann in einem einsamen Haus am Meer. In dem Gästehaus bringen sie auf Zeit immer wieder Fremde unter, endlich auch einen berühmten Maler namens L. Ihn zu beherbergen, war schon lange ein sehnlicher Wunsch von M. Doch als er endlich kommt, geht alles schief. Die Anwesenden, M, ihr Mann Tony, ihre Tochter und deren Freund sowie M und seine junge Begleiterin gehen sich gegenseitig gehörig auf die Nerven. Das Buch ist fesselnd geschrieben, und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Am Ende ist die Geschichte freilich dünn und es bleiben nur ein paar Aphorismen.
In einer einsamen Küstenregion lebt die Protagonistin M mit ihrem Lebensgefährten Tony. In einem heißen Sommer lädt sie den bekannten Maler L in ihr Haus ein, um zu verstehen, weshalb sie sich so von seinen Werken angezogen fühlt. Der bringt ungefragt eine junge Bekanntschaft mit und geht M konsequent aus dem Weg, provoziert sie mit ihren vermeintlichen Schwächen und zeigt größeres Interesse an allen anderen Anwesenden als an ihr. Und dann kommt ihre Tochter Justine zu Besuch, die in ihr unbehagliche Gefühle weckt. M sieht sich in diesem Sommer mit all ihren Dämonen konfrontiert. Obwohl ich das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen habe, strengte es mich zweitweise doch sehr an, denn die Gedanken der Protagonistin sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Gleichsam ist es insbesondere dieser Aspekt, der das Gelesene so aufregend macht. Es ist ein anderer Roman, einer, der sich nicht so einfach einordnen lässt. Schnell wird klar, dass M sich mit vergangenen Kränkungen und schlechten Erfahrungen herumschlägt, die ihr Selbstbild stark geprägt haben. Warum genau sie den Maler L so faszinierend findet, erschloss sich mir bis zum Ende nicht ganz, was den Reiz der Geschichte aber nicht schmälert, da solche Gefühle ja immer individuell sind. Viel mehr ist es der komplexe Machtkampf, der sich zwischen den beiden eigentlich Fremden entwickelt. L ist ein distanzierter, eher unfreundlicher Zeitgenosse, der sich der Anwesenheit Ms zu entziehen versucht. Sie wiederum sucht immer wieder die Nähe des Künstlers, vielleicht auch, weil sie etwas in ihm sieht, nachdem sie sich sehnt. Das Buch liest sich wie ein Brief, denn M richtet ihre Worte an einen Mann mit dem Namen Jeffers, der für die Handlung allerdings keine Rolle spielt. Ihre enttäuschten Erwartungen sind durch den gesamten Verlauf der Geschichte spürbar. Es beginnt damit, dass L nicht allein kommt, sondern ungefragt eine junge Bekannte namens Brett im Schlepptau hat, deren Beziehung zueinander sich M lange nicht erklärt. Da er auch jedem Gespräch mit ihr aus dem Weg zu gehen scheint und ihre Tochter sich mit seiner Bekannten Brett anfreundet, fühlt sich M überflüssig und gemieden. Deshalb muss sie sich fragen, ob es eine gute Idee war, L zu sich einzuladen. L nimmt in diesem Kammerspiel die Rolle des Teufels ein, während er M zu einer frustrierten Hexe degradiert, die verbittert und hoffnungslos durchs Leben geht. Es kommt zu diversen Verstrickungen und für mich als Leserin war nicht mehr sichtbar, was Kunst und was Realität ist. Die Verhältnisse und Beziehungen der Figuren untereinander blieben mir bis zum Ende nicht ganz klar. Zweifelsohne aber ein interessanter Ausflug in die Gedankenwelt von M und den zerstörerischen Machtkampf zwischen Mann und Frau. Die Geschichte versteht sich als Hommage an Mable Dodge Luhans Roman Lorenzo in Taos von 1922. Eine äußerst komplexe Handlung, ein wirrer Machtkampf und ein stark angekratztes Selbstbild. Mich beeindruckten die abstrakten Gedankengänge der Autorin und die anspruchsvolle Sprache. Es wird aber kein Buch sein, das mich länger festhält.
Description
Eine Frau lädt einen berühmten Maler in ihr Haus in einer abgelegenen Küstenregion ein. Es ist ein erdrückend heißer Sommer, und sie hofft, sein künstlerischer Blick werde das Geheimnis ihres Lebens und ihrer Landschaft lüften. Nur kommt es ganz anders. Denn nicht nur weigert er sich, sie zu malen, er meidet sie geradezu, scheint sie regelrecht vorzuführen in ihrer Bedürftigkeit. Und verbündet sich unterdessen mit ihrem Mann, und nähert er sich nicht auch ihrer Tochter an? (Deren Schönheit und Jugend sie nicht gleichgültig lassen.) Was soll sie tun? Sich kampflos ergeben? Oder versuchen, auch gegen ihre zum Leben erwachten Dämonen anzukämpfen und ihren Willen durchzusetzen?
Der andere Ort ist ein atmosphärisch hoch entzündliches Kammerspiel. Rachel Cusk erzählt darin von weiblichem Schicksal und männlichem Privileg, von der dramatischen Geometrie menschlicher Beziehungen und von Kunst, die uns retten – oder zerstören kann.
Book Information
Author Description
Rachel Cusk, 1967 in Kanada geboren, hat die international gefeierte Outline-Trilogie, die autobiografischen Bücher Lebenswerk und Danach sowie zahlreiche weitere Romane und Sachbücher geschrieben. Sie ist Guggenheim-Stipendiatin, Trägerin des Malaparte-Preises und mit dem Titel Chevalier de l'ordre des arts et des lettres ausgezeichnet. Sie lebt in Paris.
Posts
schwierig
drei sterne sind es nur geworden, weil die stimmung im buch mich punktuell so bedrückt hat, dass ich als als unangenehm empfand. letztendlich ist es was positives wenn emotionen auf den leser übertragen werden, und so sei bitte doch immer ein halber stern gedanklich ergänzt. das dünne buch lässt sich gut, jedoch nicht unbedingt an einem stück erträglich lesen. erinnerungswürdiger satz: "doch jetzt hielt er still, und mir wurde klar, dass eine bestimmte art von stillhallten die vollendete form von bewegung ist."
• DER ANDERE ORT • Dieses Kammerspiel lässt mich sehr fragend zurück. Es ist mir wirklich sehr schwer gefallen in die Handlung einzusteigen. Als ich so gerade richtig drin war, war das schmale Buch schon zu Ende. In einem langen Monolog bzw. Brief reflektiert M. einen Teil ihres Lebens. Vor allem der Besuch des Künstler Ls in die abgelegene englische Küstenregion nimmt einen Großteil der Handlung ein. Denn M. hat sich die Beherbergung des von ihr gefeierten Künstlers ganz anders vorgestellt. Er meidet sie und malen möchte er sie auch nicht. Der Roman ist ein langer Monolog an den bis zum Schluss unbekannt bleibenden Jeffers. M. berichtet ihm einige wenige Stationen ihres Lebens. Sie beschreibt die vergangenen Jahre beginnend mit ihrer Trennung vom ersten Ehemann. Auf der Suche nach ihrer Selbst entdeckt sie in der Kunst Ls Antworten. Was genau sie in seinen Landschaftsbildern sieht, wird nicht beschrieben. Der Einstieg in das Kammerspiel war für mich sehr schleppend, aufgrund des Schreibstils und den fremd bleibenden Charaktere. Obwohl M. haarklein Situationen beschreibt ist sie für mich bis zum Schluss ein Rätsel. „Ein anderer Ort“ ist eine Hommage an „Lorenzo in Taos“ - was ich ausgiebig gegoogelt und die Hintergründe etwas analysiert habe (lohnt sich). Dennoch bin ich mit diesem komplizierten Geflecht aus Beziehungen, Kunst und Selbstfindung nicht warm geworden.
Ich habe dieses Buch zweimal gelesen, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch - nicht weil ich es unfassbar gut finde, sondern weil ich seinem Geheimnis auf die Spur kommen möchte, denn dieser Roman bleibt, trotz seiner Anlage als Brief (?) an ihren Bekannten (?) Jeffers, distanziert, abwehrend, schwer fassbar und so spröde wie die Marschen, in denen er spielt. Die Erzählerin ohne Namen lebt mit ihrem (vermutlich) 2. Mann Tony in der Abgeschiedenheit, erhält Besuch von ihrer erwachsenen Tochter Justine und deren Freund Kurt und lädt sich einen prominenten Gast ein, den Maler L, in dessen Werk sie eine Verbindung zu sich spürt. L kommt in Begleitung der leicht glamourösen Brett und bezieht das "Second Place" - leider, leider unfassbar ungünstig mit dem deutschen "Der andere Ort" übersetzt. In dieser Fehlübersetzung liegt für mich die Crux der deutschen Übersetzung, denn "Second Place", wie die Originalausgabe heißt, beinhaltet Konnotationen, die "Der andere Ort" mit noch so viel gutem Willen nie bekommen wird, wie eben die Implikation des "nur" zweiten Platzes, des weniger wichtigen, weniger bedeutungsvollen usw. Da das zentrale Thema dieses Romans Rivalität ist, die Abneigung, das gegenseitige Austesten von L und der Erzählerin geht der deutschen Ausgabe auch ihr leitendes Motiv verloren - sehr bedauerlich, da der Roman mit seinen fast philosophisch anmutenden Selbstreflexionen der Erzählerin und seinen kleinen psychologischen Einlassungen phasenweise sehr komplex und kryptisch daherkommt und der Leser sicherlich für eine gewisse Hilfestellung durch den Titel dankbar gewesen wäre. Letztlich ist der Roman ein Kampf zwischen L und der Erzählerin, bei dem sich das Kräfteverhältnis immer wieder leicht verschiebt, in dem es zu einer sehr nachhallenden umgekehrten Hochzeitsanspielung kommt und am Ende nur einer siegen kann. Gleichzeitig ist es der Versuch einer schonungslos anmutenden Sicht auf sich selbst, deren Authentizität aber schon dadurch angezweifelt werden muss, dass die Erzählerin Jeffers gegenüber sich auch auf eine ganz bestimmte Art darstellen möchte. Zahlreiche Passagen erfordern mehrfaches Lesen und selbst dann ist nicht immer klar, was die Erzählerin wirklich ausdrücken möchte - das mag ein Hinweis darauf sein, dass sie sich selbst nicht versteht und erkennt, auf jeden Fall wirkt es wie ein absichtlich gesetztes Charakterisierungsmittel. Insgesamt ist das Buch durchaus lesenswert, vollkommen überzeugt hat es mich jedoch nicht - zu beladen und dabei zu wenig menschlich waren mir die Figuren.
Eine Frau, die nur als M bezeichnet wird, lebt mit ihrem Mann in einem einsamen Haus am Meer. In dem Gästehaus bringen sie auf Zeit immer wieder Fremde unter, endlich auch einen berühmten Maler namens L. Ihn zu beherbergen, war schon lange ein sehnlicher Wunsch von M. Doch als er endlich kommt, geht alles schief. Die Anwesenden, M, ihr Mann Tony, ihre Tochter und deren Freund sowie M und seine junge Begleiterin gehen sich gegenseitig gehörig auf die Nerven. Das Buch ist fesselnd geschrieben, und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Am Ende ist die Geschichte freilich dünn und es bleiben nur ein paar Aphorismen.
In einer einsamen Küstenregion lebt die Protagonistin M mit ihrem Lebensgefährten Tony. In einem heißen Sommer lädt sie den bekannten Maler L in ihr Haus ein, um zu verstehen, weshalb sie sich so von seinen Werken angezogen fühlt. Der bringt ungefragt eine junge Bekanntschaft mit und geht M konsequent aus dem Weg, provoziert sie mit ihren vermeintlichen Schwächen und zeigt größeres Interesse an allen anderen Anwesenden als an ihr. Und dann kommt ihre Tochter Justine zu Besuch, die in ihr unbehagliche Gefühle weckt. M sieht sich in diesem Sommer mit all ihren Dämonen konfrontiert. Obwohl ich das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen habe, strengte es mich zweitweise doch sehr an, denn die Gedanken der Protagonistin sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Gleichsam ist es insbesondere dieser Aspekt, der das Gelesene so aufregend macht. Es ist ein anderer Roman, einer, der sich nicht so einfach einordnen lässt. Schnell wird klar, dass M sich mit vergangenen Kränkungen und schlechten Erfahrungen herumschlägt, die ihr Selbstbild stark geprägt haben. Warum genau sie den Maler L so faszinierend findet, erschloss sich mir bis zum Ende nicht ganz, was den Reiz der Geschichte aber nicht schmälert, da solche Gefühle ja immer individuell sind. Viel mehr ist es der komplexe Machtkampf, der sich zwischen den beiden eigentlich Fremden entwickelt. L ist ein distanzierter, eher unfreundlicher Zeitgenosse, der sich der Anwesenheit Ms zu entziehen versucht. Sie wiederum sucht immer wieder die Nähe des Künstlers, vielleicht auch, weil sie etwas in ihm sieht, nachdem sie sich sehnt. Das Buch liest sich wie ein Brief, denn M richtet ihre Worte an einen Mann mit dem Namen Jeffers, der für die Handlung allerdings keine Rolle spielt. Ihre enttäuschten Erwartungen sind durch den gesamten Verlauf der Geschichte spürbar. Es beginnt damit, dass L nicht allein kommt, sondern ungefragt eine junge Bekannte namens Brett im Schlepptau hat, deren Beziehung zueinander sich M lange nicht erklärt. Da er auch jedem Gespräch mit ihr aus dem Weg zu gehen scheint und ihre Tochter sich mit seiner Bekannten Brett anfreundet, fühlt sich M überflüssig und gemieden. Deshalb muss sie sich fragen, ob es eine gute Idee war, L zu sich einzuladen. L nimmt in diesem Kammerspiel die Rolle des Teufels ein, während er M zu einer frustrierten Hexe degradiert, die verbittert und hoffnungslos durchs Leben geht. Es kommt zu diversen Verstrickungen und für mich als Leserin war nicht mehr sichtbar, was Kunst und was Realität ist. Die Verhältnisse und Beziehungen der Figuren untereinander blieben mir bis zum Ende nicht ganz klar. Zweifelsohne aber ein interessanter Ausflug in die Gedankenwelt von M und den zerstörerischen Machtkampf zwischen Mann und Frau. Die Geschichte versteht sich als Hommage an Mable Dodge Luhans Roman Lorenzo in Taos von 1922. Eine äußerst komplexe Handlung, ein wirrer Machtkampf und ein stark angekratztes Selbstbild. Mich beeindruckten die abstrakten Gedankengänge der Autorin und die anspruchsvolle Sprache. Es wird aber kein Buch sein, das mich länger festhält.










