Auf den Gleisen
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Description
«Ein so reifes, umwerfendes Debüt gab es lange nicht mehr.» Andreas Wirthensohn, WDR Lesestoff
Ein Sohn verliert seinen Vater, dann sich selbst - und findet beides wieder auf den Straßen Berlins. Radikal und voller Schönheit erzählt Inga Machel in ihrem ersten Roman vom tiefen Verlangen nach Nähe und Beziehung, vom Scheitern, von Schmerz, Wut und Trauer und von der Suche nach einem Weg ins Leben.
Vor zehn Jahren verlor Mario, damals Mitte zwanzig, seinen Vater. Ein einzelner Winterstiefel lag auf den Gleisen einer ICE-Strecke, mehr blieb nicht von ihm. Seit fünf Jahren kämpft Mario bereits selbst ums Überleben, als er in einer Zufallsbegegnung mitten in Berlin seinen Vater zu erkennen glaubt. Er nennt den Mann P. und wird von nun an dessen stiller, täglicher Begleiter. P., der heroinabhängig am Rand der Gesellschaft seinen ganz eigenen Lebenskampf austrägt, wird für Mario zum Stellvertreter, um das Trauma der gescheiterten Beziehung zum Vater, die Erinnerungen an die Kindheit in der brandenburgischen Provinz und das Fehlen von bedingungsloser Liebe und Sicherheit endlich verarbeiten zu können. Satz für Satz entwickelt sich ein beinahe märchenartiges Kammerspiel, in dem Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft, Rationalität und Gefühle ineinanderfließen bei dem Versuch, dem sinnlos Erscheinenden einen Sinn abzutrotzen.
Inga Machel ist ein sprachmächtiges, kluges Debüt gelungen über eine kaum in Worte zu fassende Trauer und über die Frage, wie ein Mensch leben will und was er braucht, um es zu können.
« Eine Topographie des Traumas und der Trauer. Ein tiefes, ein bewegendes Buch. » Dirk von Lowtzow
Book Information
Author Description
Inga Machel, geboren 1986, lebt in Berlin. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim, war freiberuflich als Rundfunkautorin und Lektorin tätig und ist außerdem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erzählung Lieber A. wurde mit dem New German Fiction Prize ausgezeichnet und erschien bei Matthes & Seitz als E-Book sowie als Dear A. in der Übersetzung von Donal McLaughlin bei Readux Books. Auf Tegel Media veröffentlichte sie die Story Being with Paul. Ihr Debütroman Auf den Gleisen stand kurz nach Erscheinen im Februar 2024 bereits auf der SWR-Bestenliste und war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2024 nominiert.
Posts
Ein Sohn versucht das Unbegreifliche zu begreifen. Sein Vater hat sich das Leben genommen. Mario versucht den Schmerz und die Trauer seines Vaters zu fassen und erinnert sich an seinen schwermütigen Vater. Er versucht die Liebe zu seinem Vater zu verstehen sowie die eigene Trauer und den tiefen Schmerz über den Verlust seines Vaters zu begreifen. Er betäubt sich mit Alkohol und hält die Sehnsucht nach seinem Vater fest. Als er in einem Fremden seinen Vater erkennt, kann er sich nicht von diesem lösen. Er begleitet still und ungesehen einen heroinsüchtigen Mann in seinem Alltag und seinem Schmerz. Empathisch und vielschichtig erzählt die Autorin von Leid und Trauer. Sie eröffnet einen warmen Blick auf Trauer, Depression, Schmerz und Sucht sowie den Rand der Gesellschaft. Dabei erzählt sie berührend über eine Verbindung aus Liebe und Schmerz zwischen Vater und Sohn. Die Thematik des Romans wiegt dabei schwer und macht ihn kaum zu einem angenehmen und dennoch zu einem überwiegend guten Leseerlebnis. Nach einem langatmigen Einstieg konnte Inga Machel mich mit ihrer besonderen Geschichte sowie mit präzise gewählten Sätzen berühren.
„Der Blick meines Vaters sank genau dorthin, in die Tiefe, an den Grund, zurückgezogen aus diesem Raum hier, aus dem Körper in dem Raum, aus der Beziehung, die der Körper zu irgendwas und irgendwem gehabt hatte oder eingegangen war, aus allen Zusammenhängen und Bildern.“ Der Umgang mit dem Tod des Vaters wird mal poetisch, mal brutal geschildert. Ersteres zog mich an, Letzteres stieß mich ab. Womöglich war genau das der gewünschte Effekt…
Marios Vater hat sich vor einen ICE geworfen und ist damit aus dem Leben verschwunden. Nun hat auch Mario sich verloren und irrt - zumeist schwer betrunken - durch die Straßen Berlins. Dann trifft er auf P. - einem heroinabhängigen Junkie, der sich von Schuß zu Schuß ebenfalls durch die Stadt bewegt. Mario erkennt in P. eine Parallele zu seinem Vater, zu dem Leben mit seinem Vater und zu sich selbst. Er folgt P. und wird Zeuge seiner täglichen, sehr schweren, Lebensumstände - und zwar wortwörtlich bis zum Ende. Man kann eigentlich nicht viel mehr zu dem 160 Seiten langen Debüt der Autorin sagen - oder ich kann es nicht - denn es spricht in seiner Kraft für sich selbst. Mich hat es zum Teil etwas verstörrt, jedoch auch gnadenlos gepackt; immer wieder habe ich mich an Salingers „Der Fänger im Roggen“ erinnert gefühlt. Ein junger Mann, der verloren durch die Stadt irrt, auf der Suche nach etwas, das er nicht greifen kann. Dazwischen immer wieder Rückblenden auf das Leben mit und um den Vater. Einem Mann, der selbst von der Liebe zum Leben erschlagen wurde; der plötzlich um das Leben weint, weil er sich in diesem nicht zurecht findet. Ein - meiner Meinung nach - manisch depressiver Mann, der sich verlassen fühlt, der verlassen ist, von Frau und Kindern. Eigentlich liebt er das Leben, kann es jedoch nicht greifen, so dass er es schließlich n ur noch verlassen will. Und nun ist es an Mario, das Leben seines Vaters, sein eigenes Leben und die Beziehung zu seinem Vater aufzuarbeiten. Ein sprachgewaltiges Buch, welches man lesen sollte, wenn man Road-Bücher, Coming-of-Age-Bücher und Sozialdramen mag. Ich warne jedoch davor, dass es einen sehr tief berühren kann, wenn man ähnliche Erfahrungen im nahen Verwandtenkreis - schlimmstenfalls mit dem eigenen Vater gemacht hat. Von mir 5/5 „Ich war so stolz, sein Sohn zu sein, dass ich in ihn eintauchte wie in den acht mal vier Meter großen Swimmingpool in Nicos Garten, in dem ich sowas wie eine andere Welt fand. Eine, in die ich immer reinkonnte, selbst, wenn mein Vater mal nicht da war.“ „Dass er mich vielleicht gar nicht in seinem Leben wollte, jedenfalls nicht um jeden Preis.“ „In seinem Gesicht gab es gar keine Spuren mehr, nur den weit geöffneten Mund und ein paar dunkle Lücken, wo früher keine gewesen waren.“ „…bis auf das Trinken selbst und das Noch-mehr-Trinken, das aber zum Sterben leer war, so kam es mir in letzter Zeit immer häufiger vor, todesartig.“
Verstörend, berührend, traurig...und irgendwie kurios-befremdlich, wie die Hauptfigur mit dem Suizid des Vaters, den eigenen Suchtproblemen und dem intrafamiliären emotionalen Bindungsdesaster umgeht. Die Perspektive springt zwischen vergangenen Erinnerungen und dem aktuellen Erleben hin und her...und führt vor Augen wie tief nicht nur der Verlust beim Protagonisten geht, sondern lässt auch Einblicke zu, was alles auch im Leben des Vaters schiefgelaufen zu sein scheint...
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«Ein so reifes, umwerfendes Debüt gab es lange nicht mehr.» Andreas Wirthensohn, WDR Lesestoff
Ein Sohn verliert seinen Vater, dann sich selbst - und findet beides wieder auf den Straßen Berlins. Radikal und voller Schönheit erzählt Inga Machel in ihrem ersten Roman vom tiefen Verlangen nach Nähe und Beziehung, vom Scheitern, von Schmerz, Wut und Trauer und von der Suche nach einem Weg ins Leben.
Vor zehn Jahren verlor Mario, damals Mitte zwanzig, seinen Vater. Ein einzelner Winterstiefel lag auf den Gleisen einer ICE-Strecke, mehr blieb nicht von ihm. Seit fünf Jahren kämpft Mario bereits selbst ums Überleben, als er in einer Zufallsbegegnung mitten in Berlin seinen Vater zu erkennen glaubt. Er nennt den Mann P. und wird von nun an dessen stiller, täglicher Begleiter. P., der heroinabhängig am Rand der Gesellschaft seinen ganz eigenen Lebenskampf austrägt, wird für Mario zum Stellvertreter, um das Trauma der gescheiterten Beziehung zum Vater, die Erinnerungen an die Kindheit in der brandenburgischen Provinz und das Fehlen von bedingungsloser Liebe und Sicherheit endlich verarbeiten zu können. Satz für Satz entwickelt sich ein beinahe märchenartiges Kammerspiel, in dem Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft, Rationalität und Gefühle ineinanderfließen bei dem Versuch, dem sinnlos Erscheinenden einen Sinn abzutrotzen.
Inga Machel ist ein sprachmächtiges, kluges Debüt gelungen über eine kaum in Worte zu fassende Trauer und über die Frage, wie ein Mensch leben will und was er braucht, um es zu können.
« Eine Topographie des Traumas und der Trauer. Ein tiefes, ein bewegendes Buch. » Dirk von Lowtzow
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Inga Machel, geboren 1986, lebt in Berlin. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim, war freiberuflich als Rundfunkautorin und Lektorin tätig und ist außerdem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erzählung Lieber A. wurde mit dem New German Fiction Prize ausgezeichnet und erschien bei Matthes & Seitz als E-Book sowie als Dear A. in der Übersetzung von Donal McLaughlin bei Readux Books. Auf Tegel Media veröffentlichte sie die Story Being with Paul. Ihr Debütroman Auf den Gleisen stand kurz nach Erscheinen im Februar 2024 bereits auf der SWR-Bestenliste und war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2024 nominiert.
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Ein Sohn versucht das Unbegreifliche zu begreifen. Sein Vater hat sich das Leben genommen. Mario versucht den Schmerz und die Trauer seines Vaters zu fassen und erinnert sich an seinen schwermütigen Vater. Er versucht die Liebe zu seinem Vater zu verstehen sowie die eigene Trauer und den tiefen Schmerz über den Verlust seines Vaters zu begreifen. Er betäubt sich mit Alkohol und hält die Sehnsucht nach seinem Vater fest. Als er in einem Fremden seinen Vater erkennt, kann er sich nicht von diesem lösen. Er begleitet still und ungesehen einen heroinsüchtigen Mann in seinem Alltag und seinem Schmerz. Empathisch und vielschichtig erzählt die Autorin von Leid und Trauer. Sie eröffnet einen warmen Blick auf Trauer, Depression, Schmerz und Sucht sowie den Rand der Gesellschaft. Dabei erzählt sie berührend über eine Verbindung aus Liebe und Schmerz zwischen Vater und Sohn. Die Thematik des Romans wiegt dabei schwer und macht ihn kaum zu einem angenehmen und dennoch zu einem überwiegend guten Leseerlebnis. Nach einem langatmigen Einstieg konnte Inga Machel mich mit ihrer besonderen Geschichte sowie mit präzise gewählten Sätzen berühren.
„Der Blick meines Vaters sank genau dorthin, in die Tiefe, an den Grund, zurückgezogen aus diesem Raum hier, aus dem Körper in dem Raum, aus der Beziehung, die der Körper zu irgendwas und irgendwem gehabt hatte oder eingegangen war, aus allen Zusammenhängen und Bildern.“ Der Umgang mit dem Tod des Vaters wird mal poetisch, mal brutal geschildert. Ersteres zog mich an, Letzteres stieß mich ab. Womöglich war genau das der gewünschte Effekt…
Marios Vater hat sich vor einen ICE geworfen und ist damit aus dem Leben verschwunden. Nun hat auch Mario sich verloren und irrt - zumeist schwer betrunken - durch die Straßen Berlins. Dann trifft er auf P. - einem heroinabhängigen Junkie, der sich von Schuß zu Schuß ebenfalls durch die Stadt bewegt. Mario erkennt in P. eine Parallele zu seinem Vater, zu dem Leben mit seinem Vater und zu sich selbst. Er folgt P. und wird Zeuge seiner täglichen, sehr schweren, Lebensumstände - und zwar wortwörtlich bis zum Ende. Man kann eigentlich nicht viel mehr zu dem 160 Seiten langen Debüt der Autorin sagen - oder ich kann es nicht - denn es spricht in seiner Kraft für sich selbst. Mich hat es zum Teil etwas verstörrt, jedoch auch gnadenlos gepackt; immer wieder habe ich mich an Salingers „Der Fänger im Roggen“ erinnert gefühlt. Ein junger Mann, der verloren durch die Stadt irrt, auf der Suche nach etwas, das er nicht greifen kann. Dazwischen immer wieder Rückblenden auf das Leben mit und um den Vater. Einem Mann, der selbst von der Liebe zum Leben erschlagen wurde; der plötzlich um das Leben weint, weil er sich in diesem nicht zurecht findet. Ein - meiner Meinung nach - manisch depressiver Mann, der sich verlassen fühlt, der verlassen ist, von Frau und Kindern. Eigentlich liebt er das Leben, kann es jedoch nicht greifen, so dass er es schließlich n ur noch verlassen will. Und nun ist es an Mario, das Leben seines Vaters, sein eigenes Leben und die Beziehung zu seinem Vater aufzuarbeiten. Ein sprachgewaltiges Buch, welches man lesen sollte, wenn man Road-Bücher, Coming-of-Age-Bücher und Sozialdramen mag. Ich warne jedoch davor, dass es einen sehr tief berühren kann, wenn man ähnliche Erfahrungen im nahen Verwandtenkreis - schlimmstenfalls mit dem eigenen Vater gemacht hat. Von mir 5/5 „Ich war so stolz, sein Sohn zu sein, dass ich in ihn eintauchte wie in den acht mal vier Meter großen Swimmingpool in Nicos Garten, in dem ich sowas wie eine andere Welt fand. Eine, in die ich immer reinkonnte, selbst, wenn mein Vater mal nicht da war.“ „Dass er mich vielleicht gar nicht in seinem Leben wollte, jedenfalls nicht um jeden Preis.“ „In seinem Gesicht gab es gar keine Spuren mehr, nur den weit geöffneten Mund und ein paar dunkle Lücken, wo früher keine gewesen waren.“ „…bis auf das Trinken selbst und das Noch-mehr-Trinken, das aber zum Sterben leer war, so kam es mir in letzter Zeit immer häufiger vor, todesartig.“
Verstörend, berührend, traurig...und irgendwie kurios-befremdlich, wie die Hauptfigur mit dem Suizid des Vaters, den eigenen Suchtproblemen und dem intrafamiliären emotionalen Bindungsdesaster umgeht. Die Perspektive springt zwischen vergangenen Erinnerungen und dem aktuellen Erleben hin und her...und führt vor Augen wie tief nicht nur der Verlust beim Protagonisten geht, sondern lässt auch Einblicke zu, was alles auch im Leben des Vaters schiefgelaufen zu sein scheint...








